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Irak 1600 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

Opferzahlen nach Bombenanschlag im Irak gestiegen - Mindestens 21 Tote. Irakischer Prediger Sadr stellt Auflösung von Miliz in Aussicht. Irak sucht erstmals seit 20 Jahren nach neuen Ölquellen

Sa.09.08.08 - Bei einem Autobombenanschlag in der irakischen Stadt Tel Afar nahe der syrischen Grenze sind nach jüngsten Angaben mindestens 21 Menschen getötet worden. 70 weitere seien verletzt worden, berichtete die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak. Der Sprengsatz war in einem Auto am Rande eines Marktes versteckt. Die Stadt galt früher als Hochburg der Terrororganisation El Kaida. Seit Anfang des Jahres war die irakische Armee mit Hilfe der US-Truppen in einer großen Offensive gegen die Terroristen im Nordirak vorgegangen.

Der einflussreiche irakische Schiitenführer Moktada al-Sadr hat die Auflösung seiner Mehdi-Armee in Aussicht gestellt.

Voraussetzung sei der Beginn des Abzugs der US-Truppen gemäß einem Zeitplan, sagte ein Sprecher des Geistlichen am Freitag. "Das sollte nicht als Ende der Mehdi-Armee, sondern als halber Schritt zur Auflösung der Mehdi-Armee betrachtet werden. Wenn die USA einen Zeitplan zum Abzug umsetzen, werden wir den Weg der Auflösung zu Ende gehen."

Ein von Sadr befohlener Waffenstillstand hat maßgeblich zum Rückgang der Gewalt beigetragen. Der Prediger, dessen Bewegung zehn Prozent der Parlamentsabgeordneten stellt, fordert seit langem den Abzug der US-Truppen. Präsident George W. Bush lehnt bislang einen konkreten Zeitplan für den Rückzug der 140.000 Soldaten aus dem Golfstaat ab. Irakische Unterhändler haben in Verhandlungen mit den USA den Oktober 2010 als Ende des Abzugs der Kampftruppen vorgeschlagen.

Der Irak nahm am Freitag nach einer Unterbrechung von 20 Jahren die Suche nach neuen Ölvorkommen wieder auf.

Ein Sprecher des Ölministeriums sagte am Donnerstag, sein Land nutze bislang nur etwa ein Fünftel der 500 potenziellen Fundstellen. Es müssten weitere untersucht werden, um das Vorhandensein zusätzlicher Reserven zu bestätigen.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Vorräte von 115 Milliarden Barrel, die drittgrößten der Welt. Vize- Ministerpräsident Barham Salih hatte der Nachrichtenagentur Reuters im April erklärt, Schätzungen zufolge verfüge das Land jedoch über etwa 350 Milliarden Barrel. Dies wären mehr als Saudi-Arabien, das mit nachgewiesenen 264 Milliarden Barrel an erster Stelle liegt.

boa (Quellen: dpa, rtr)

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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 09.08.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendeinhundertundsechsunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Do.09.08.07 - Irakischer Ministerpräsident Al-Maliki zu politischen Gesprächen in Teheran - Balance-Akt zwischen den USA und dem Iran +++ Mindestens 30 Tote bei US-Luftangriff in Bagdad... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0708090.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 



 

Pentagon billigt 17 Milliarden Dollar für afghanische Streitkräfte

Sa.09.08.08 - US-Verteidigungsminister Robert Gates hat einen neuen Fünfjahresplan für die militärische Unterstützung Afghanistans gebilligt. Demnach sollen 17 Milliarden Dollar bereitgestellt werden, um die afghanische Truppenstärke um etwa 50.000 Mann aufzustocken, wie der Pressesprecher des Pentagons, Geoff Morrell am Freitag mitteilte. Dies steht im Einklang mit einem Vorschlag der Regierung in Kabul, die Zahl der afghanischen Soldaten von bislang geplanten 80.000 auf rund 122.000 zu erhöhen. Zusätzlich sind 13.000 Stellen für Hilfskräfte vorgesehen. Zurzeit umfassen die afghanischen Streitkräfte etwa 65.000 Soldaten. Im kommenden Jahr dürften es dann 80.000 sein, wie Morrell erläuterte. Dann werde die weitere Aufstockung erfolgen.

(Quelle: ap)
 



 

Guantanamo: Ex-Bin-Laden-Fahrer erhält fünfeinhalb Jahre Haft

Sa.09.08.08 - Im ersten Militärverfahren auf dem US-Militärstützpunkt Guantanamo Bay ist der ehemalige Fahrer von Osama bin Laden zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Unter Anrechnung seiner bisherigen Gefangenschaft liege die Strafe für Salim Hamdan damit bei fünf Monaten, sagte Richter Keith Allred am Donnerstag. Allerdings erklärte das Verteidigungsministerium, der Jemenit werde nach der Verbüßung seiner Haft wieder als "feindlicher Kämpfer" eingestuft und nicht freigelassen. Sein Status werde jährlich von einem Gremium überprüft.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Hamdan sich der Förderung des Terrorismus schuldig gemacht habe. Zudem sei er an Waffenlieferungen beteiligt gewesen. Die Geschworenen verwarfen dagegen die Anschuldigung, er sei an den Verschwörungen der Al-Kaida beteiligt gewesen. Die Staatsanwaltschaft hatte mehr als 30 Jahre gefordert.

Hamdan hob die Arme in die Luft, als er aus dem Gerichtsgebäude auf dem Militärstützpunkt auf Kuba geführt wurde. Während der Anhörung zum Strafmaß hatte er sich bei den amerikanischen Opfern der Al-Kaida für das Leiden entschuldigt, das seine Dienste für die islamistischen Gruppe ihnen zugefügt habe. Hamdan war im November 2001 in Afghanistan aufgegriffen und im Mai 2002 nach Guantanamo geschickt worden.

Hamdans Verteidiger nannten das Urteil eine schallende Ohrfeige für die umstrittenen Militärtribunale. Das System sei "von politischen Ideologen errichtet worden, die gehofft hatten, das Militär werde ihnen als Bauern dienen", sagte Anwalt Joseph McMillen. Sein Kollege Charles Swift kritisierte die Ankündigung der Regierung, Hamdan nach dem Ablauf seiner Strafe weiter festhalten zu wollen. "Wenn Herr Hamdan im Dezember nicht nach Hause geht, war das alles nur eine Show", sagte er. "Er muss nach Hause. Das hier muss aufhören."

Richter Allred sagte Hamdan, er könne nicht sagen, was nach dem Ablauf der Strafe mit ihm geschehen werde. "Ich hoffe, dass der Tag kommt, an dem Sie zu ihrer Frau und ihren Töchtern und ihrem Land zurückkehren", sagte Allred und ergänzte dann: "Inschallah" - arabisch für "so Gott will"

(Quelle: rtr)
 



 

Kaukasus-Konflikt: Georgien führt Krieg gegen Südossetien

Sa.09.08.08 - Der Militärkonflikt in der von Georgien abtrünnigen Region Südossetien hat mit mindestens 1400 Toten und vielen Verletzten im Südkaukasus kriegsähnliche Ausmaße erreicht.

Nachdem Georgien am Freitag eine Großoffensive mit Panzern, Kampfjets und Raketen gegen Südossetien gestartet hatte, verstärkte Russland seine Truppen in der Region. «Wir werden den Tod unserer Landsleute nicht ungesühnt lassen. Die Schuldigen werden gebührend bestraft», sagte der russische Präsident Dmitri Medwedew nach Angaben der Agentur Interfax. Georgiens Präsident Michail Saakaschwili hatte die Offensive gegen die Region mit der Wahrung der territorialen Unversehrtheit seines Landes begründet und die allgemeine Mobilmachung im Land angekündigt.

Bei den Kämpfen in Südossetien seien 1400 Menschen ums Leben gekommen, sagte der Präsident der nicht anerkannten Region, Eduard Kokojty. Ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes in der südossetischen Hauptstadt Zchinwali sagte: «Alles brennt, vieles ist zerstört.» Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie Vertreter der NATO und der EU riefen die Konfliktparteien zum Ende des Blutvergießens auf. In Telefonaten mit Medwedew und Saakaschwili forderte die Bundeskanzlerin beide Seiten am Freitag auf, die Gefechte unverzüglich einzustellen, wie der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg am Abend mitteilte.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zeigte sich «entsetzt» über «Kampfhandlungen, die in einen handfesten Krieg münden könnten». Er hatte vor kurzem bei einem Besuch in der Region für einen Plan zur Beilegung des Konflikts um die ebenfalls von Georgien abtrünnige Republik Abchasien geworben, allerdings ohne greifbares Ergebnis.

Die US-Regierung rief zu einer sofortigen Waffenruhe und zu einer Wiederaufnahme des Dialogs zwischen den Konfliktparteien auf. Zugleich bekräftigte sie, dass die USA die territoriale Integrität Georgiens unterstützten. «Wir dringen bei allen Parteien - Georgier, Südosseter und Russen - darauf, die Spannungen zu entschärfen und einen Konflikt zu vermeiden», sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino. Ähnlich äußerte sich auch das US-Außenministerium sowie die beiden Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain.

In New York kam angesichts der dramatischen Entwicklung in Georgien der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am Freitagabend (15.00 Uhr Ortszeit) erneut zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Die Kampfhandlungen gingen mit unverminderter Härte in Südossetien weiter. In Georgien wurden am Abend die russischen Fernsehsender abgeschaltet, die Regierung in Tiflis begründete dies mit angeblich antigeorgischer Propaganda. Außerdem zog Saakaschwili die Hälfte seiner im Irak stationierten 2000 Elitekämpfer ab, um sie in einem drohenden Krieg in seinem Land einzusetzen.

Abchasien bot Südossetien Militärhilfe an. Russland hatte stets erklärt, dass die Anerkennung der ehemaligen serbischen Provinz Kosovo für die Territorialkonflikte in der Ex-Sowjetunion nicht folgenlos bleiben könne. Das russische Fernsehen zeigte den ganzen Tag das Feuer von Raketenwerfern, in Zchinwali gingen Menschen in ihren Kellern in Deckung. Georgien erhebt seit langem den völkerrechtlich verankerten Anspruch auf die abtrünnige Region. «In Zchinwali sind hunderte friedliche Bewohner gestorben. Das ist bereits der dritte Völkermord an dem ossetischen Volk, der von Georgien verübt wurde», sagte Kokojty.

Er forderte zugleich die internationale Anerkennung der Unabhängigkeit Südossetiens. Es gab unterschiedliche Angaben zur Situation im massiv beschossenen Zchinwali. Während Georgien erklärte, die Stadt eingenommen zu haben, hieß es in Moskau, Georgien ziehe sich zurück. «Der Haupttäter ist Saakaschwili», betonte Kokojty.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow warf der internationalen Gemeinschaft vor, bei der Aufrüstung Georgiens tatenlos geblieben zu sein. Er warf der Regierung in Tiflis gezielte Aggression gegen Zivilisten in Südossetien vor. Nach Angaben der Agentur Itar-Tass sprachen der russische Regierungschef Wladimir Putin und US-Präsident George W. Bush bei einem Treffen am Rande der Olympia-Eröffnung in Peking über den Konflikt. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz in Genf forderte freien Zugang zu den Verletzten in Südossetien.

Das russische Verkehrsministerium kündigte am Abend an, alle Flüge nach Georgien einzustellen. Auch die Lufthansa strich ihren nächsten Flug nach Georgien. Das Auswärtige Amt in Berlin gab eine Reisewarnung heraus.

Moskau hatte den Großteil der Bewohner von Südossetien in den vergangenen Jahren mit russischen Pässen ausgestattet. Georgien warf Russland daraufhin vor, das völkerrechtlich zu Tiflis gehörende Südossetien annektieren zu wollen. Kokojty hatte wie die abtrünnige Region Abchasien eine international anerkannte Unabhängigkeit nach dem Vorbild Kosovos gefordert.

Südossetien, das etwa eineinhalb Mal so groß wie das Saarland ist, hatte zu Sowjetzeiten weitgehende Autonomie über die eigene Sprache und Bildung. Der Widerstand georgischer Nationalisten mündete Anfang der 90er Jahre jedoch in einen blutigen Militärkonflikt. Georgien und Russland schlossen 1992 ein Waffenstillstandsabkommen, in dessen Folge die Schaffung einer Gemischten Kontrollkommission mit je 500 russischen, georgischen und nordossetischen Soldaten vereinbart wurde. Das Abkommen hielt nur bis 2004. Im Juli und August 2004 starben Dutzende Menschen bei Gefechten in der Konfliktzone.

(Quelle: dpa)
 



 

Olympische Spiele in Peking feierlich eröffnet

Sa.09.08.08 - Mit einem gigantischen Feuerwerk und einer Schau über 5000 Jahre chinesischer Geschichte sind am Freitag die Olympischen Spiele in Peking eröffnet worden.

Mit der pompösen Veranstaltung im Beisein von 80 Staats- und Regierungschefs wollte China sich als modernes Land präsentieren auch einen Schlussstrich unter monatelange Streitigkeiten über Menschenrechte und Tibet ziehen. Präsident Hu Jintao rief zur Zusammenarbeit und Aussöhnung auf. Bis zum 24. August kämpft eine Rekordzahl von 10.500 Athleten aus 204 Nationen um Olympisches Gold in 28 Sportarten.

Der Filmregisseur Zhang Yimou, dessen Werke lange verboten waren, hatte die mehrstündige Eröffnungsfeier in Szene gesetzt. An ihr wirkten an die 15.000 Menschen mit. 29.000 Feuerwerkskörper tauchten den abendlichen Himmel der Millionenmetropole in rotes, grünes und blaues Licht. Den feierlichen Auftakt der Spiele verfolgten im "Vogelnest" genannten Olympiastadion etwa 91.000 Menschen. Die Behörden öffneten den Platz des Himmlischen Friedens, damit die Bevölkerung das Feuerwerk verfolgen konnte. Dort hatten Soldaten vor 19 Jahren Studentenproteste für mehr Demokratie gewaltsam unterdrückt.

An den Fernsehschirmen verfolgten weltweit etwa eine Milliarde Sportfans die Eröffnungsfeier, für die China 100 Millionen Dollar aufgewendet hatte. Das ist doppelt so viel wie zur Eröffnung der Spiele 2004 in Athen. Insgesamt investierte das bevölkerungsreichste Land der Erde 43 Milliarden Dollar in das sportliche Großereignis. Sieben Millionen Eintrittskarten wurden verkauft, was volle Sportstätten garantiert. In Athen fanden vor vier Jahren manche Wettkämpfe quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Die chinesische Mannschaft, die als Gastgeberin als letzte in Stadion einlief, bestimmte den Basketballer Yao Ming als Fahnenträger. Das US-Team hatte dagegen den 1991 vor dem Bürgerkrieg im Sudan geflohnen Lopez Lomong dafür ausgewählt und damit ein Zeichen gesetzt: China ist ein enger Verbündeter des Sudan. Aus Protest gegen diese Bindungen hatte US-Filmregisseur Steven Spielberg Anfang des Jahres sein Amt als Berater für die Eröffnungsfeier niedergelegt. Die deutsche Olympiamannschaft wurde von dem in den USA spielenden Basketball-Superstar Dirk Nowitzki angeführt.

Präsident Hu rief unmittelbar vor der Eröffnung der Olympischen Spiele zu weltweiter Zusammenarbeit auf. "Die Welt hat niemals so viel gegenseitiges Verständnis, Toleranz und Zusammenarbeit gebraucht wie heute." Der Beginn der Spiele sei ein lange ersehnter historischer Moment, sagte Hu bei einem Essen für Staatsgäste, zu denen auch US-Präsident George W. Bush gehöre. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief kriegführende Nationen der Olympischen Tradition gemäß zum Waffenstillstand auf.

Zum Schutz der Spiele bietet China 100.000 Sicherheitskräfte auf, die Anschläge aber auch Protestaktionen von Oppositionellen verhindern sollen. Viele Dissidenten wurden unter Hausarrest gestellt oder für die Dauer der Olympischen Spiele in weit entfernte Provinzen gebracht, wie Menschenrechtsgruppen berichteten. "Ich kann mein Haus verlassen, aber ich muss im Polizeiauto mit Dauerbewachung fahren", klagte der oppositionelle Schriftsteller Yu Jie. "Es ist absurd, denn ich interessiere mich nicht für die Spiele und sehe sie nicht einmal im Fernsehen."

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, dessen Besuch der Eröffnungsfeier von Bürgerrechtlern kritisiert worden war, hatte eine Liste mit Namen inhaftierter chinesischer Dissidenten im Gepäck. Sarkozy übergab die Liste einem Sprecher zufolge auch im Namen der EU, dessen Ratsvorsitzender er derzeit ist.

US-Präsident Bush warb in Peking erneut für Meinungsfreiheit. Sie sei das beste Mittel, Wohlstand und Frieden zu fördern, sagte er zur Einweihung der neuen US-Botschaft. Bush hatte am Donnerstag in Bangkok die Verletzung der Menschenrechte in China kritisiert.

(Quelle: rtr)
 



 

Weltweit Proteste von Menschenrechtlern zum Olympia-Auftakt

Sa.09.08.08 - Zur Eröffnung der Olympischen Spiele haben am Freitag Menschenrechtsgruppen auf der ganzen Welt gegen die Tibet-Politik Pekings und Medienzensur protestiert. In Nepal wurden mindestens 1400 Exil-Tibeter nahe der chinesischen Botschaft festgenommen. Der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) gelang es, kurzfristig einen Piratensender in Peking einzurichten. Drei ausländische Tibet-Aktivisten wurden in der Nähe des Olympiastadions festgenommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) appellierte an China, "sich als weltoffenes Land zu präsentieren". Dies sei eine "einmalige Chance", sagte Merkel der "Westdeutschen Zeitung".

Die Demonstranten in Nepals Hauptstadt Kathmandu, unter ihnen zahlreiche buddhistische Mönche und Nonnen, riefen mit Blick auf den chinesischen Präsidenten "Schande, Schande Hu Jintao". Nach Verhören sollten die Demonstranten am Abend wieder freigelassen werden.

"Wir sind in Peking mit einer mobilen Radiostation unterwegs gewesen, heute Morgen lokaler Zeit acht Uhr acht, und haben dort zwanzig Minuten lang Beiträge gesendet, zu Presse -und Meinungsfreiheit", sagte die RSF-Deutschland-Geschäftsführerin Elke Schäfter dem Fernsehsender n-tv.

Drei ausländische Tibet-Aktivisten wurden in der Nähe des Olympiastadions in Peking festgenommen. Die drei zeigten tibetische Flaggen und trugen T-Shirts mit dem Aufdruck "Team Tibet 08", wie es auf der Website freetibet2008.org hieß. Nach knapp einer Minute wurden die Männer, zwei US-Bürger, sowie einer mit argentinischen und US-Pass, von Sicherheitskräften überwältigt und festgenommen.

Proteste gab es unter anderem auch in Berlin, Paris, Brüssel, Wien, Prag, Madrid, Ankara und Neu Delhi. In Berlin demonstrierten 50 bis 80 RSF-Mitglieder vor der chinesischen Botschaft. In Paris erwirkte die Reporter-Organisation, dass ein Demonstrationsverbot der Polizei aufgehoben wurde. Auch dort versammelten sich mehrere hundert Menschen.

In der türkischen Hauptstadt Ankara versuchte sich ein Demonstrant vor der chinesischen Botschaft selbst anzuzünden. Demonstrationen mit mehreren hundert Teilnehmern gab es auch in Amsterdam, Wien, Prag und Madrid.

In der indischen Hauptstadt Neu Delhi protestierten 3000 Tibeter friedlich in der Nähe des Parlaments. 150 Mönche versuchten nach Polizeiangaben die chinesische Botschaft zu stürmen. Sie wurden alle in Gewahrsam genommen.

(Quelle: afp)
 



 

Deutsche haben miserable Meinung von Politikern und Managern

Sa.09.08.08 - Die Deutschen haben eine miserable Meinung von ihren Politikern.

Lediglich zehn Prozent der Bevölkerung halten den Berufsstand für vertrauenswürdig, ergab eine am Freitag veröffentlichte Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Nur in Griechenland und Bulgarien (jeweils neun Prozent) und in Italien (sechs Prozent) ist das Image der Volksvertreter in Europa noch schlechter. Höchstes Vertrauen genießen dagegen Feuerwehrleute: 97 Prozent der Bürger verlassen sich auf ihre Einsatzbereitschaft und Löschkunst.

Wenig schmeichelhaft ist auch das Urteil der Menschen zum Ansehen von Managern von Großkonzernen. Lediglich 15 Prozent der Deutschen halten diese für vertrauenswürdig. Das ist der niedrigste Wert in ganz Europa. Auf dem drittletzten Platz liegen bei den Deutschen mit 28 Prozent die Werbeexperten.

Dagegen stehen Ärzte bei 88 Prozent der Befragten hoch im Kurs. Der deutschen Polizei bescheinigen 85 Prozent ihr Vertrauen. Das ist nach Schweden (87 Prozent) der zweithöchste Anteil in Europa. Dagegen vertraut weniger als ein Drittel der Russen der dortigen Polizei. Für die Studie wurden fast 20.000 Bürger in Europa und in den USA zu 20 Berufsgruppen befragt.

(Quelle: rtr)
 



 

Ölpreis sinkt angesichts wachsender Sorgen um Wirtschaft

Sa.09.08.08 - Der Ölpreis ist zum Wochenende angesichts wachsender Konjunktursorgen gefallen. Ein Barrel Öl notierte am Freitagmorgen im elektronischen Handel bei 119,12 Dollar, das waren 90 Cent weniger als am Vortag. Er liegt damit deutlich unter seinem Rekordwert von mehr als 147 Dollar für ein Fass Rohöl Mitte Juli.

Der stärkere Dollar sei ein Grund für den Rückgang, entscheidend sei aber die Einschätzung, dass ein hoher Ölpreis bei gleichzeitiger Konjunkturabkühlung in den Industriestaaten die Ölnachfrage dämpfen werde, sagte Rohstoffexperte David Moore von der Commonwealth Bank of Australia in Sydney. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete am Freitag 117,02 Dollar, 84 Cent weniger als am Vortag.

Nach Einschätzung von Volkswirten der Commerzbank würde ein deutlicher Rückgang des Ölpreises Haushalte und Unternehmen im Euro-Raum zwar spürbar entlasten. Für eine durchgreifende Konjunkturwende wäre den Experten zufolge allerdings eine Zinssenkung erforderlich. «So lange die Zentralbank die Geldpolitik nicht lockert, bleibt die Konjunktur schwach.» Erst im kommenden Jahr rechnet die Commerzbank mit einer Zinssenkung, die sich mit der üblichen Verzögerung von drei bis vier Quartalen 2010 positiv auf die Konjunktur auswirken würde.

(Quelle: ap)
 



 

500 Millionen Euro mehr Förderung für Gebäudesanierung - Energiespar-Programm wird 2008 um mehr als die Hälfte aufgestockt

Sa.09.08.08 - Der Bund gibt in diesem Jahr 500 Millionen Euro zusätzlich als Förderung für die bessere Dämmung und den Einbau moderner Heizungen in Wohngebäuden. Das laufende CO2-Sanierungsprogramm von derzeit 900 Millionen Euro werde entsprechend aufgestockt, um die große Nachfrage zu befriedigen, teilte Bauminister Wolfgang Tiefensee am Freitag in Berlin mit.

Mit dem Geld verbilligt der Bund über die Kreditanstalt für Wiederaufbau Darlehen oder gibt Zuschüsse. Die Förderung bekommt man, wenn man bei der Gebäudesanierung ehrgeizige Energiestandards einhält. Ziel ist es, Energie zu sparen und den Ausstoß der gefährlichen Treibhausgase zu drosseln.

«Unser CO2-Sanierungsprogramm ist ein Riesenerfolg, die Nachfrage nach Fördermitteln sehr viel höher als ursprünglich angenommen», meinte Tiefensee. Bereits Ende Juli seien für 2008 vorgesehenen 900 Millionen Euro ausgeschöpft gewesen. «Die zusätzlichen Mittel sichern die Fortführung des Programms», betonte Tiefensee.

Von 2005 bis 2007 wurden mit Unterstützung aus Bundesmitteln etwa 290.000 Wohngebäude mit 650.000 Wohneinheiten energetisch saniert, wie Tiefensee erklärte. Der CO2-Ausstoß sei dadurch um mehr als zwei Millionen Tonnen pro Jahr verringert worden. Darüber hinaus würden Heizkosten von 500 Millionen Euro gespart.

Außerdem leiste das Programm einen wichtigen Beitrag zur Sicherung von Wachstum und Beschäftigung. «Das CO2-Gebäudesanierungsprogramm ist ein Jobmotor», meinte der SPD-Politiker. Mit einer Milliarde Euro Investitionsvolumen würden rund 25.000 Arbeitsplätze pro Jahr gesichert.

Die Aufstockung des Programms im laufenden Haushaltsjahr läuft nach Darstellung des Bauministeriums über eine außerplanmäßige Verpflichtungsermächtigung. Dies sei mit Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) abgesprochen. Werden die 500 Millionen Euro tatsächlich noch in diesem Jahr als Förderzusagen ausgereicht, wird der Haushalt wegen der langen Laufzeit über die nächsten zehn Jahre mit jeweils 50 Millionen Euro belastet, wie ein Ministeriumssprecher erläuterte.

Der Verband der Deutschen Bauindustrie forderte neue Anreize im Steuer- und Mietrecht, um die Sanierung von Wohngebäuden schneller voranzutreiben. So sollten bei Energiespar-Sanierungen nicht nur wie bisher elf Prozent der Kosten auf die Mieter umgelegt werden dürfen, sondern ein höherer Satz, forderte Hauptgeschäftsführer Michael Knipper in der «Frankfurter Rundschau». Immerhin sparten die Mieter dann ja bei den Nebenkosten.

Die SPD hatte einen anderen Weg erwogen: Mieter sollten die Miete kürzen können, wenn der Vermieter Energiestandards nicht einhält. Die Union ist allerdings dagegen.

(Quelle: ap)
 



 

Klimaerwärmung: Noch mehr Unwetter als gedacht

Sa.09.08.08 - Die Klimaerwärmung bringt einer Studie zufolge zunehmend heftige Regenfälle mit sich - und zwar häufiger und stärker, als bisherige Berechnungen vorhersagen.

Der Treibhauseffekt könnte daher schwerwiegendere Konsequenzen auf den weltweiten Wasserzyklus haben als bislang gedacht, berichten die Wissenschaftler um Richard Allan von der Universität Berkshire im US-Fachjournal «Science» (online vorab veröffentlicht). Dies erhöhe nicht nur die Gefahr von Überflutungen, sondern könne auch beträchtliche soziale und wirtschaftliche Folgen haben.

Die Forscher nutzten Satellitenaufzeichnungen aus 20 Jahren sowie Simulationsmodelle, um am Klimaphänomen El Niño das Verhältnis zwischen tropischen Regenfällen auf der einen Seite sowie geänderter Oberflächentemperatur der Erde und Feuchtigkeit in der Atmosphäre auf der anderen Seite zu untersuchen. Dabei sei erstmals auf der Basis von Beobachtungen eine direkte Verbindung zwischen wärmerem Klima und zunehmenden extremen Niederschlägen nachgewiesen worden.

Die Aufzeichnungen zeigten einen wesentlich höheren Anteil heftiger Regenstürme als von den Modellen errechnet. Daher sei auch in Zukunft mit heftigeren Güssen als bislang erwartet zu rechnen. Generell müssen sich regenreiche Gebiete auf mehr, trockene Regionen auf weniger Regen einstellen.

«Eine wärmere Atmosphäre enthält größere Mengen an Feuchtigkeit, die die Intensität von schweren Regengüssen erhöht», erklärte Co- Studienautor Brian Soden. Wärmeres Wetter lässt das Wasser der Ozeane sowie auf der Erde in höherem Maße verdampfen, wodurch es zu stärkerer Wolkenbildung und damit zu mehr Regen und Schnee kommt.

Erst im Juli hatten niederländische Forscher berichtet, dass mit örtlichen Wolkenbrüchen doppelt so häufig zu rechnen sei wie nach bisherigen Prognosen. Geert Lenderink und Erik van Meijgaard vom Königlichen Niederländischen Meteorologischen Institut (KNMI) in De Bilt hatten Daten aus einem ganzen Jahrhundert analysiert. Zuvor sei davon ausgegangen worden, dass extreme Niederschläge durch die Klimaerwärmung um sieben Prozent pro Grad Celsius zunähmen, berichteten sie im britischen Fachblatt «Nature Geoscience» (online vorab veröffentlicht).

(Quelle: dpa)
 



 

Klimawandel bedroht jede fünfte Pflanzenart in Deutschland

Sa.09.08.08 -Der Klimawandel wird möglicherweise zahlreiche zurzeit heimische Pflanzenarten langfristig verschwinden lassen. Ein Forschungsprojekt des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung Leipzig (UFZ) kommt zu dem Schluss, dass bei einem Temperaturanstieg um 3,8 Grad bis zum Jahr 2080 jede fünfte Pflanzenart (20 Prozent) in Deutschland einen Großteil ihres Lebensraums verlieren würde. Unklar sei, was dies für die Tierwelt bedeuten würde, sagte UFZ-Forscher Sven Pompe der Nachrichtenagentur ddp.

Bei einem Temperaturanstieg von 2,2 Grad würden immer noch sieben Prozent der heimischen Pflanzenarten ihren Lebensraum weitgehend verlieren. Dies zeige, wie wichtig das Zwei-Grad-Stabilisierungsziel der EU sei, sagen die Forscher. Unabhängig von der konkreten Erwärmung wären vor allem der Südwesten Deutschlands wie auch die Tieflandbecken in Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt vom Klimawandel besonders betroffen.

Das UFZ hat gemeinsam mit dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und dem französischen Laboratoire d´Ecologie Alpine 845 europäischen Pflanzenarten in drei verschiedenen Klima-Zukunftsszenarien untersucht.

(Quelle: ddp)
 
 
 
 

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