+++ So.10.08.08, 06:30
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Irak 1601 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Zahl der Toten nach Anschlag im Nordirak steigt auf mindestens 25
So.10.08.08 - Nach einem Selbstmordanschlag auf einem belebten Markt in der
nordirakischen Stadt Tal Afar ist die Zahl der Opfer bis zum Samstag
auf 25 gestiegen. Mehrere Schwerverletzte seien ihren Verletzungen seit
dem Anschlag am Freitagabend erlegen, teilten die irakischen
Behörden mit. Die US-Streitkräfte machten Al Kaida im Irak
für den Anschlag verantwortlich.
In Tal Afar westlich der nordirakischen Stadt von Mossul leben
überwiegend schiitische Turkmenen. Über die Stadt wurde ein
zunächst zeitlich unbegrenztes Ausgehverbot verhängt. Am
Freitag gingen die Behörden noch von 18 Toten aus.
(Quelle: ap)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 10.08.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendeinhundertundsiebenunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Fr.10.08.07 - Zehntausende Pilger bei schiitischem Fest in Bagdad +++ Treffen zur
Sicherheitslage im Irak in Damaskus +++ USA begrüßen Pläne
für verstärktes UN-Engagement im Irak +++ Irakische Regierung
kündigt Revision alter Ölförderverträge an...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0708100.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Eskalation des Konflikts im Kaukasus
So.10.08.08 - Der Militärkonflikt im Südkaukasus weitet sich aus:
Ungeachtet der schweren Gefechte zwischen Georgien und Russland um
Südossetien, bei denen nach russischen Angaben mindestens 2000
Zivilisten getötet wurden, beschossen Kampfjets am Samstag auch
georgische Dörfer in der abtrünnigen Region Abchasien. Zudem
griff Russland Ziele nahe der georgischen Stadt Gori an, die
außerhalb der bisherigen Kampfzone liegt. Georgien rief den
Kriegszustand aus und schloss den Ruf nach internationaler
Militärhilfe nicht aus. Zugleich bot das Land einen sofortigen
Waffenstillstand an. US-Präsident George W. Bush sprach von einer
gefährlichen Eskalation und rief Russland zur sofortigen
Beendigung der Angriffe auf Gori auf. Russland fordert indes einen
georgischen Abzug aus Südossetien.
Bei dem Konflikt starben nach russischen Angaben mindestens 2000
Zivilisten allein in Südossetiens Hauptstadt Zchinwali, 30.000
sind auf der Flucht. Das Auswärtige Amt in Berlin warnte vor
Reisen nach Georgien und forderte Deutsche zum Verlassen des Landes
auf. Der seit langem schwelende Konflikt war eskaliert, nachdem
Georgien am Freitag eine Großoffensive in Südossetien
gestartet und Russland daraufhin Truppen in die für die weltweite
Öl- und Gasversorgung wichtige Region geschickt hatte.
Am Samstag gab es nun auch Luftangriffe in Abchasien, wobei
widersprüchlich war, woher die Jets kamen. Ein Sprecher der
pro-georgischen abchasischen Exil-Regierung sagte der
Nachrichtenagentur Reuters, russische Flugzeuge hätten zwei
Dörfer in dem von Georgien kontrollierten Gebiet des oberen
Kodoritals angegriffen. Indes zitierte die russische Agentur Interfax
abchasische Separatisten mit den Worten, ihre Flugzeuge hätten das
Gebiet bombardiert. .
Abchasien hatte sich wie Südossetien nach dem Zusammenbruch der
Sowjetunion von Georgien losgesagt. Die Unabhängigkeit beider
Regionen ist international aber nicht anerkannt. Georgien wirft
Russland vor, Südossetien und Abchasien annektieren zu wollen. Die
Regierung in Moskau beschuldigt hingegen Georgien, sich die Gebiete
gewaltsam wieder einverleiben zu wollen.
Russische Kampfjets flogen bis zu fünf Angriffe überwiegend
auf militärische Ziele in der Umgebung der georgischen Stadt Gori,
die nahe Südossetien liegt. Ein Reuters-Reporter vor Ort
beobachtete, wie mindestens fünf Menschen getötet wurden.
Russland hat Georgien zufolge auch versucht, eine für die
Rohstoffversorgung des Westens wichtige Öl-Pipeline zu
zerstören. Die Baku-Tiflis-Ceyhan-Leitung sei von russischen Jets
angegriffen worden, sagte Ekaterina Scharaschidse, Ministerin für
wirtschaftliche Entwicklung. Die Angreifer hätten ihr Ziel aber
verfehlt. Dies beweise, dass Russland nicht allein auf die
wirtschaftlichen Interessen Georgiens abziele, sondern auch auf
internationale Wirtschaftsinteressen in Georgien.
Das Parlament in Tiflis billigte am Samstag einen Antrag von
Präsident Micheil Saakaschwili, wonach sich Georgien offiziell im
Kriegszustand befindet. Dies gilt zunächst für 15 Tage.
Zugleich erwägt das Land den offiziellen Ruf nach
ausländischer Militärhilfe. "Ich schließe nicht aus,
dass Georgien nach internationalem Militär-Beistand rufen wird",
sagte ein Vertreter des georgischen Sicherheitsrats. Saakaschwili hatte
bereits am Freitag dem US-Sender CNN gesagt, es sei im Interesse der
USA, seinem Land zu helfen.
Bush forderte Russland auf, die Angriffe auf das georgische Gebiet
außerhalb der Konfliktzone in Südossetien sofort zu stoppen.
Er sei sehr besorgt über die Lage in Georgien, sagte er am Samstag
am Rande der Olympische Spiele in Peking. Georgien sei ein
souveräner Staat, dessen territoriale Integrität respektiert
werden müsse. Russlands Präsident Dmitri Medwedew forderte
dagegen nach Angaben des Kreml in einem Telefonat mit Bush einen Abzug
georgischer Truppen aus Südossetien.
Bush ist der mächtigste Verbündete Georgiens bei dessen
Bestrebungen für einen Nato-Beitritt. Russland dagegen lehnt einen
Wechsel der ehemaligen Sowjetrepublik in das westliche
Militärbündnis strikt ab. Europa ist in der Frage gespalten,
Deutschland lehnt einen raschen Beitritt aber wegen der internen
Probleme des Landes ab. Als Teil einer UN-Beobachtermission sind in
Abchasien auch zwölf Bundeswehr-Soldaten im Einsatz.
(Quelle: rtr)
Deutschlands Außenminister Steinmeier sieht Gefahr eines
Flächenbrandes
So.10.08.08 - Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat sich äußerst
besorgt über eine mögliche Ausweitung des
Südossetienkonfliktes geäußert. «Wir stehen vor
der Gefahr eines gefährlichen Flächenbrandes», sagte
Steinmeier der «Bild am Sonntag».
«Angesichts dieser dramatischen Perspektive müssen alle
Parteien unverzüglich ihrer Verantwortung gerecht werden - die
Waffen müssen schweigen!», fügte der Minister hinzu.
«Die Berichte über eskalierende Gewalt und militärische
Auseinandersetzungen in Südossetien erfüllen uns mit
Sorge», sagte Steinmeier. Er appellierte an Russen und Georgier,
ihre «in den letzten 48 Stunden nach Südossetien
geführten Truppen wieder abzuziehen». Besorgt zeigte er sich
auch über «Berichte, dass es nun auch in Abchasien zu
Kampfhandlungen gekommen ist».
Auch US-Präsident George W. Bush forderte ein Ende der russischen
Bombenangriffe in Südossetien und eine sofortige Waffenruhe. Bei
einem Besuch der Olympischen Spiele in Peking zeigte sich Bush am
Samstag sehr besorgt über die «gefährliche Eskalation
der Krise». Russland müsse die internationalen
Bemühungen zur Vermittlung in dem Konflikt unterstützen.
«Die USA nehmen diese Angelegenheit sehr ernst.»
«Die Gewalt gefährdet die regionale Stabilität»,
sagte Bush. Die Truppen sollten die Kampfhandlungen einstellen. Auch
müsse es eine Rückkehr zum Status Quo vor dem 6. August
geben. «Georgien ist eine souveräne Nation, deren
territoriale Integrität respektiert werden muss», sagte der
US-Präsident.
«Die Lage kann friedlich gelöst werden.» Die USA
arbeiteten mit den europäischen Partnern zusammen, um eine
internationale Vermittlung einzuleiten. «Russland muss diese
Bemühungen unterstützen, damit der Frieden so schnell wie
möglich wiederhergestellt werden kann», sagte Bush, der am
Vortag in Peking mit Russlands Regierungschef Wladimir Putin
zusammengetroffen war.
Auch China hat einen sofortigen Waffenstillstand gefordert. Chinas
Präsident Hu Jintao traf am Samstag in Peking mit Russlands
Ministerpräsident Putin zusammen, der ebenfalls an der
Eröffnung der Olympischen Spiele teilgenommen hatte.
(Quelle: dpa)
Hintergrund - Abchasien und Südossetien
So.10.08.08 - Die autonomen Gebiete Südossetien und Abchasien in Georgien gelten
seit vielen Jahren als Konfliktherde. Beide hatten sich nach dem
Zerfall der Sowjetunion Anfang der 1990er Jahre in Bürgerkriegen
von Georgien abgespalten.
Politisch und wirtschaftlich sind sie weitgehend isoliert. Von der
internationalen Gemeinschaft werden sie bis heute nicht als
eigenständig anerkannt. Russland unterstützt die Gebiete -
zum Ärger Georgiens.
Die Bergregion Südossetien mit der Hauptstadt Zchinwali liegt am
Südhang des Kaukasus an der Grenze zur russischen Teilrepublik
Nordossetien. Das Gebirgsland hat eine Fläche von rund 3900
Quadratkilometern und ist damit etwas größer als die
spanische Mittelmeerinsel Mallorca. Die Einwohnerzahl liegt nach
unterschiedlichen Angaben zwischen 50 000 und 100 000.
Südossetien hatte sich Ende 1991 für unabhängig
erklärt. Seitdem kam es mehrfach zu Kämpfen mit hunderten
Toten. 2004 wurde ein Waffenstillstand geschlossen. Ein Referendum, bei
dem die Bevölkerung Ende 2006 fast einmütig für die
Unabhängigkeit stimmte, wird von Georgien nicht anerkannt.
Präsident ist seit 2001 Eduard Kokojty.
Die Republik Abchasien mit der Hauptstadt Suchumi liegt am Schwarzen
Meer. Mit rund 8600 Quadratkilometern ist der Landstrich etwa halb so
groß wie Schleswig-Holstein. Zahlreiche Kämpfe zwischen
Abchasen und Georgiern seit der Unabhängigkeitserklärung im
Sommer 1992 haben die Wirtschaft weitgehend ruiniert. Ein 1994
vereinbarter Waffenstillstand wird von UN-Beobachtern überwacht.
Die Einwohnerzahl liegt nach Schätzungen zwischen 150 000 und 200
000. Präsident ist seit 2005 Sergej Bagapsch.
(Quelle: dpa)
Nagasaki gedenkt Atombombenabwurfs vor 63 Jahren
So.10.08.08 - Mit einer Schweigeminute haben am Samstag tausende Menschen in der
südjapanischen Hafenstadt Nagasaki an den Atombombenabwurf vor 63
Jahren gedacht und Nordkorea aufgefordert, seine nukleare Waffen
abzugeben. "Als Opfer von Atombomben hat unser Land die Pflicht und
Verantwortung, die Initiative zu ergreifen, nukleare Waffen zu
beseitigen", sagte der Bürgermeister von Nagasaki, Tomihisa Taue
bei einer Zeremonie.
Die japanische Regierung müsse sich mit Nachdruck dafür
einsetzen, dass Nordkorea seine Atomwaffen vernichte. "Wir sollten
ernsthaft über die Bildung einer nuklearwaffenfreien Zone in
Nordostasien nachdenken", sagte er weiter.
Nordkorea war Anfang 2003 aus dem Atomwaffensperrvertrag ausgetreten
und hatte 2006 nach eigenen Angaben eine Atombombe getestet. Im Juni
hatte Nordkorea Einzelheiten seines Atomprogramms offengelegt und den
Kühlturm des Atomreaktors Yongbyon gesprengt.
Japan hatte im Zweiten Weltkrieg zusammen mit Deutschland und Japan
gegen die Alliierten und Russland gekämpft. Vier Tage nach dem
Abwurf auf die japanische Stadt Hiroshima mit 140.000 Toten hatten die
USA eine zweite Atombombe auf Nagasaki abgeworfen und damit auf einen
Schlag 70.000 Menschen getötet. Am 15. August kapitulierte Japan
schließlich. Der Inselstaat gab sich eine pazifistische Verfassung
und wurde ein enger Verbündeter der USA, die derzeit rund 40.000
Soldaten in Japan stationiert haben.
(Quelle: afp)
Kampf um Rohstoffschätze - Kanada untermauert
wissenschaftlich Anspruch auf Arktis
So.10.08.08 - Im Kampf um die Rohstoffschätze unter dem Polareis will Kanada
erstmals seine Gebietsansprüche in der Arktis wissenschaftlich
untermauern. Gemeinsame Forschungen mit Dänemark hätten
ergeben, dass der von Moskau beanspruchte unterseeische
Lomonsow-Rücken in Wirklichkeit mit der nordamerikanischen
Kontinentalplatte sowie mit Grönland verbunden sei, erklärte
der kanadische Minister für natürliche Ressourcen, Gary Lunn.
Nach seinen Angaben hat Kanada damit Anspruch auf ein rund 1,75
Millionen Quadratkilometer großes Gebiet - das entspricht in etwa
der dreifachen Größe Frankreichs.
Die fünf Anrainerstaaten der Arktis - USA, Russland,
Dänemark, Norwegen und Kanada - streiten sich derzeit um ihre
Ansprüche über die Arktis. Seit durch den Klimawandel das
Polareis schmilzt, wachsen auch Begehrlichkeiten zur Nutzung der frei
werdenden Meeresgebiete in der Arktis. Unter dem Eis wird rund ein
Viertel der weltweit vorhandenden Erdöl- und Erdgasvorkommen
vermutet, durch die Gletscherschmelze ließen diese sich bald
ausbeuten. Wer die unter dem Polareis versteckten Rohstoffe nutzen darf,
ist umstritten.
Jedem der fünf Anrainerstaaten steht nach internationalem Recht
eine 200-Seemeilen-Zone vor der Küste zur ausschließlichen
wirtschaftlichen Nutzung zu. Für jede weitere Nutzung müssen
sie wissenschaftlich belegen, dass das Gebiet Teil ihres Territoriums
ist.
Russland hatte im vergangenen Jahr für heftige Proteste gesorgt,
als es zum Zeichen seines Anspruches auf die Rohstoffvorkommen der
Arktis eine russische Flagge auf dem Grund des Ozeans hisste. Laut
russischen Forschern gehört der Lomonosow-Rücken zum
sibirischen Festland.
(Quelle: afp)
Alaska gibt jedem Bürger 1200 Dollar gegen hohe Energiepreise
So.10.08.08 - Der Kongress von Alaska gibt jedem Bürger des US-Bundesstaates
1200 Dollar gegen die hohen Energie-Preise.
Zudem wurde am späten Donnerstagabend die Bezinsteuer von acht
US-Cent je Gallone (etwa 1,4 Euro-Cent je Liter) für ein Jahr
ausgesetzt. Ohnehin sollen die Alaskaner im Oktober ihren
jährlichen Beitrag aus dem staatlichen Öl-Fonds erhalten. In
diesem Jahr dürften es mindestens 3200 Dollar sein. Der Benzinpreis
in Alaska liegt bei 4,65 Dollar je Gallone (0,81 Euro je Liter) im
Vergleich zum US-Durchschnitt von 3,85 Dollar. In einigen abgelegenen
Orten hat er jedoch etwa zehn Dollar je Gallone erreicht.
(Quelle: rtr)
Steuerscheck gegen Konjunkturkrise
So.10.08.08 - Der Hamburger Wirtschaftswissenschaftler Thomas Straubhaar schlägt
der Bundesregierung vor, als Instrument gegen die Konjunkturkrise jedem
Steuerzahler einen Steuerscheck auszustellen. «Ich denke an eine
einmalige Steuerrückerstattung», sagte Straubhaar dem
Hamburger Nachrichten-Magazin «Spiegel» laut Vorabmeldung
vom Samstag. Auf diese Weise könnte der private Konsum
gestärkt werden.
Der Staat kann sich nach Ansicht Straubhaars einen solchen Transfer
leisten, da er in den Boomjahren viel eingenommen hat. «Die
Regierung braucht einen Plan B, damit sich die Stimmung
verbessert.» Straubhaar, der Direktor des Hamburgischen
Weltwirtschaftsinstituts HWWI ist, hält allerdings die Gefahr
für gering, dass sich die Konjunkturschwäche in Deutschland zu
einer Rezession auswachse. «Wir erleben jetzt nach besonders
guten Jahren einmal ein schlechteres Jahr, aber das ist noch keine
Rezession. Das ist die Rückkehr zur Normalität.»
Nach Meinung des Ökonomen kann die deutsche Volkswirtschaft sogar
von den Problemen anderer profitieren, weil ihre starken Sektoren wie
Industrie und Technologie robuster und weniger betroffen seien als die
Dienstleistungsmärkte, auf denen etwa die USA eine große
Rolle spielten. Straubhaar widersprach dem ehemaligen Chef der
US-Zentralbank, Alan Greenspan, der vor einer Jahrhundertkrise gewarnt
hatte.
(Quelle: ap)
Bundeskartellamt will bis Jahresende gegen Gasversorger vorgehen -
Wegen angeblich überhöhter Preise
So.10.08.08 - Das Bundeskartellamt will bis Jahresende gegen einzelne Gasversorger
wegen angeblich überhöhter Preise vorgehen. «Es besteht
bei den Gasunternehmen der dringende Verdacht, dass es sich um eine
missbräuchliche Ausnutzung der Marktstellung handelt», sagte
der Präsident des Bundeskartellamtes, Bernhard Heitzer, laut der
«Süddeutschen Zeitung». «Es wird bis Ende des
Jahres dauern, bis wir erste Entscheidungen in einzelnen Fälle
bekanntgeben», sagte Heitzer weiter.
«Missbräuche in der Preisfindung werden identifiziert und so
weit wie möglich abgebaut», betonte er. Das Bundeskartellamt
hat dem Bericht zufolge Anfang März dieses Jahres ein
Missbrauchsverfahren gegen insgesamt 35 Unternehmen der
Gasversorgungsbranche eingeleitet. Das Amt sei bei den
Preismissbrauchsverfahren auf dem Gasmarkt derzeit in einer Phase, in
der mit allen 35 Gasversorgungsunternehmen die Einzelheiten besprochen
würden, erklärte Heitzer.
Ausgangspunkt der Untersuchungen sei ein Vergleich der Nettopreise der
deutschen Gasversorger gewesen. Dabei wurden erhebliche Unterschiede
festgestellt. Am Ende des Verfahrens könnte das Kartellamt
gegebenenfalls unberechtigte «wirtschaftliche Vorteile»
abschöpfen. Ein Sprecher des Bundesverbandes der Energie- und
Wasserwirtschaft (BDEW) wollte sich laut «SZ» zu den
laufenden Verfahren nicht äußern.
Parallel zur Gasbranche hat das Kartellamt auch die Strombranche im
Visier. Dort sind die Ermittlungen nach Angaben Heitzers aber deutlich
schwieriger. «Ein missbräuchliches Verhalten ist im
Stromsektor wesentlich schwerer nachzuweisen als im Gassektor»,
sagte der 59-jährige Kartellamtspräsident. «Im
Endkundenbereich gibt es bereits mehr Anbieter, im
Großhandelsbereich gibt es Besonderheiten bei der
Strompreisbildung, insbesondere durch das Börsenumfeld»,
wurde er zitiert. Wie weiter vorgegangen werde, solle bis Jahresende
feststehen.
(Quelle: ap)
Lafontaine zum Linken-Spitzenkandidaten im Saarland gekürt
So.10.08.08 - Oskar Lafontaine strebt als Spitzenkandidat der Linken im Saarland im
kommenden Jahr die erste rot-rote Landesregierung im Westen an. Auf dem
Landesparteitag in Neunkirchen kürten 92,4 Prozent der Delegierten
den Linken-Chef zum Spitzenkandidaten. Der frühere SPD-Vorsitzende
bot den Sozialdemokraten an, mit den Linken nach der Wahl eine
Koalition zu bilden. Dies müsse allerdings auf Augenhöhe
erfolgen. Er sprach der Wahl eine "bundespolitische Bedeutung" zu.
Für die Linke bestehe bei der Wahl die Möglichkeit, die
Regierungsbildung an der Saar zu übernehmen, sagte Lafontaine in
einer umjubelten Parteitagsrede. Wenn es möglich sei, werde er das
Amt des Ministerpräsidenten übernehmen. Er hatte allerdings
schon vor dem Parteitag deutlich gemacht, nur als Regierungschef ins
Saarland zurückkehren zu wollen.
Ein Bündnis mit der SPD knüpfte Lafontaine, der von 1985 bis
1998 für die SPD Ministerpräsident im Saarland war, an
Bedingungen. So bedeute eine Koalition auf Augenhöhe auch, dass
die Partei mit den meisten Stimmen den Ministerpräsidenten stelle.
SPD-Landeschef Heiko Maas hatte eine SPD-Regierungsbeteiligung unter
Lafontaine ausgeschlossen, nicht aber eine Koalition mit den Linken als
Juniorpartner.
Lafontaine griff in seiner Rede sowohl die Politik der Bundesregierung
als auch die der Landesregierung unter Ministerpräsident Peter
Müller (CDU) scharf an. Die Reformpolitik der vergangenen Jahren
bezeichnete er als "einzigen Schwindel". Der CDU-Landesregierung warf
Lafontaine vor, in ihrer Amtszeit "völlig versagt" zu haben. Sie
habe das Land immer weiter verschuldet und weise eine "klägliche
Bilanz" auf.
SPD-Landeschef Heiko Maas warf Lafontaine vor, nicht ernsthaft das Amt
des Ministerpräsidenten im Saarland anzustreben. Er trete nur als
Spitzenkandidat an, um das Wahlergebnis der Linken nach oben zu
treiben, sagte Maas der Nachrichtenagentur AFP. Lafontaine meine es
nicht ehrlich mit den Menschen, seine Kandidatur sei "reine Show".
Der saarländische Ministerpräsident Müller sieht der
Auseinandersetzung mit Lafontaine nach eigenen Worten "mit Freude
entgegen". Er sei "geradezu der ideale Gegner, um den Menschen zu
zeigen, vor welcher Alternative sie stehen", sagte Müller der
"Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Im Saarland wird vermutlich
kurz vor der wohl Ende September stattfindenen Bundestagswahl ein neuer
Landtag gewählt.
(Quelle: afp)
Wirtschaftsvertreter zeigen Furcht vor Lafontaine
So.10.08.08 - Die Kür von Oskar Lafontaine zum Spitzenkandidaten der Linkspartei
für die Landtagswahlen 2009 löst in der Wirtschaft Besorgnis
aus. «Beim Gedanken an einen Ministerpräsidenten Lafontaine
wird mir Angst und Bange», sagte Wendelin von Boch,
Aufsichtsratsmitglied des saarländischen Keramik-Herstellers
Villeroy & Boch, der Zeitung «Bild am Sonntag» laut
Vorabbericht. Lafontaine wolle einen Staatssozialismus - das bedeute
eine Neuauflage der gescheiterten DDR.
Boch schloss Investitionskürzungen im Saarland nicht aus.
«Bei einer rot-roten Regierung würden sich viele
Leistungsträger überlegen, das Saarland zu verlassen»,
sagte er. Auch bei Villeroy & Boch müsse dann darüber
nachgedacht werden, ob man wie in der Vergangenheit noch auf eine solche
Region setzen könne und in die traditionellen Standorte
investiere. Lafontaine war bereits von 1985 bis 1998
Ministerpräsident; damals für die SPD.
Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen
Industrie (BDI), Werner Schnappauf, sagte dem Blatt zur Kandidatur
Lafontaines: «Die Politik der Linken bestraft Leistung, ist
zukunftsfeindlich und ein Risiko für Deutschland.
Linkspopulistische Politik führt zu mehr Arbeitslosen und weniger
Lebensqualität.»
(Quelle: ddp)
Westerwelle umgarnt Merz
So.10.08.08 - Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle steht einem möglichen
Wechsel des früheren Unions-Bundestagsfraktionsvorsitzenden
Friedrich Merz (CDU) zur FDP positiv gegenüber. Merz vertrete
wirtschafts- und sozialpolitisch vernünftige Ansichten, sagte
Westerwelle der Zeitung «Bild am Sonntag» laut Vorabbericht.
«Ich habe nicht vor, ihm sein Leben in der CDU noch schwerer zu
machen, indem ich ihn öffentlich einlade, der FDP beizutreten. Ich
kann Ihnen aber gern grundsätzlich versichern, dass die FDP keinen
Aufnahmestopp hat», sagte Westerwelle.
Westerwelle und Merz brechen am Samstag zu einer Wanderung im Sauerland
auf. Der FDP-Chef versicherte, ein Parteiwechsel sei nicht der
Hintergrund der gemeinsamen Veranstaltung in Merz´ Wahlkreis.
«Mir geht es darum, Kräfte wie Friedrich Merz oder Wolfgang
Clement zu unterstützen, die vom Linksrutsch ihrer Parteien
enttäuscht sind», versicherte er.
Aus den CDU-Sozialausschüssen war Merz wegen seiner
öffentlichen Auftritte mit der FDP der Parteiaustritt nahegelegt
worden. Gegen Clement läuft wegen seiner Kritik an der
Energiepolitik der hessischen SPD ein Parteiordnungsverfahren.
(Quelle: ddp)
Verhandlungen mit dem Bund über die eingesparten Transrapidgelder
- Kein Geld für Bayern
So.10.08.08 - Bayern hat in Verhandlungen mit dem Bund über die eingesparten
Transrapidgelder eine Niederlage erlitten. Bayern erhält
zunächst nichts von den ursprünglich für das aufgegebene
Verkehrsprojekt vom Bund vorgesehenen 925 Millionen Euro. Das
Bundesfinanzministerium bestätigte am Samstag: «Die für
das Projekt Transrapid München für die Jahre 2009 und 2010
bereits veranschlagten Mittel in Höhe von 195 Millionen Euro sind
bei der Aufstellung des Haushalts 2009 wieder den Verkehrsinvestitionen
zugeführt worden. Eine Zuordnung auf einzelne Vorhaben wurde nicht
vorgenommen.» Weitere 730 Millionen, die der Bund zwar zugesagt,
aber noch nicht gegenfinanziert hatte, seien «ersatzlos
gestrichen» worden.
Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) und CSU-Chef Erwin
Huber hatten sich persönlich für Zahlungen an Bayern stark
gemacht. Und auch CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer hatte
noch im April betont, das Transrapid-Geld des Bundes sei «im
Koalitionsvertrag für Bayern beschlossen» und dürfe
nicht im Haushalt versickern.
Bayerns Wirtschaftsministerin Emilia Müller (CSU) will die
Hoffnung noch nicht ganz aufgeben, etwas von dem Geld abzubekommen. Die
Staatsregierung stehe «in konstruktiven Verhandlungen mit dem
Bund» über Unterstützungsmöglichkeiten für
Bayern, sagte Müller am Samstag. Da es sich beim Transrapid vor
allem um ein High-Tech-Projekt gehandelt habe, liege dabei unser
Schwerpunkt auf wichtigen Technologievorhaben.
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) habe bereits Mittel
für den Ausbau des Zentrums für Robotik in Oberpfaffenhofen
zugesichert. Und auch für ein Nanozentrum in Würzburg gingen
die Gespräche weiter. «Die Staatsregierung wird sich
unverändert mit Nachdruck dafür einsetzen, auch hier einen
Beitrag des Bundes zu erreichen», sagte Müller.
Sie bezeichnete es als Erfolg, dass Bayern vom Bund 52 Millionen Euro
als Ausgleich für Transrapid-Planungskosten erhält. Zudem
wolle sich der Bund am weiteren Ausbau des Leibniz-Rechenzentrums in
Garching mit mindestens 100 Millionen Euro beteiligen. Zudem verwies
Müller darauf, dass Bayern nach dem Ende des Transrapid-Projekts
bereits bayerische Mittel in Höhe von 490 Millionen Euro komplett
in High-Tech- und Innovationsprojekte gelenkt habe.
(Quelle: ddp)
Chef der Bundesagentur für Arbeit kritisiert Recht auf
Hauptschulabschluss
So.10.08.08 - Kritik an der geplanten Einführung eines Rechtsanspruchs auf einen
Hauptschulabschluss hat der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA),
Frank-Jürgen Weise, geäußert. Er würde stattdessen
«lieber die Berater vor Ort darüber entscheiden
lassen», sagte Weise dem Nachrichtenmagazin «Focus»
laut Vorabmeldung vom Samstag. «Ein solcher Rechtsanspruch
würde uns 2009 voraussichtlich etwa 170 Millionen Euro kosten, in
den Folgejahren jeweils rund 117 Millionen Euro»», sagte
Weise.
Bundesarbeitminister Olaf Scholz will einen solchen Anspruch
einführen. Der SPD-Politiker begründet seinen Plan damit, dass
500.000 Arbeitslose keinen Schulabschluss hätten und die
Hälfte aller Langzeitarbeitslosen ohne Berufsabschluss sei. Jeder
müsse deshalb lebenslang das Recht haben, seinen
Hauptschulabschluss nachholen zu können. Sein Vorschlag ist in der
Großen Koalition heftig umstritten.
(Quelle: ap)
Briten ließen NS-Kriegsverbrecher wissentlich davonkommen
So.10.08.08 - Die britischen Geheimdienste haben einem Bericht des "Spiegel" zufolge
die Strafverfolgung von NS-Verbrechern nach Kriegsende erschwert, weil
sie ihre Arbeitsmethoden nicht preisgeben wollten. Das gehe aus einer
Untersuchung des englischen Historikers Stephen Tyas hervor, berichtete
das Hamburger Nachrichtenmagazin. Demnach hatten die Dienste
flächendeckend deutsche Kriegsgefangene befragt und deren
Unterkünfte abgehört. In den daraus resultierenden gut 20.000
Berichten fänden sich zahlreiche Hinweise auf Verbrechen wie
Massenerschießungen, den Einsatz von Gaswagen und selbst auf die
Gaskammern in Auschwitz.
Ermittlungen auf Grundlage der Berichte wurden nicht aufgenommen, weil
die britischen Geheimdienstler sich am 11. Juni 1945 darauf
verständigt hätten, die Abhörprotokolle als "top secret"
einzustufen. Der Grund: Wäre das Verwanzen in einem
Gerichtsverfahren öffentlich geworden, hätte das die
"zukünftige Nutzung" des Abhörens in Frage gestellt. Die
Dokumente seien deshalb in einem Archiv verschwunden.
Laut "Spiegel" liegt der "Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen
zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen" in Ludwigsburg
zwar ein Teil der Papiere vor. Doch bislang fehle es an Personal, um
diese systematisch auszuwerten.
(Quelle: afp)