+++ Do.06.11.08, 15:30
Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak 1690 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Sechs Tote bei Anschlägen in Bagdad. Explosion unterbricht
türkisch-irakische Ölleitung
Do.06.11.08 - Bei Anschlägen in Bagdad sind am Donnerstag sechs Menschen
getötet worden. Bei einem Kontrollpunkt einer mit den
US-Streitkräften zusammenarbeitenden sunnitischen Gruppe wurden
vier Menschen getötet, als zwei am Straßenrand versteckte
Sprengsätze gezündet wurden, teilte die Polizei mit. Gegen
die Gruppe, den Erweckungsrat, richtete sich in einem anderen Viertel
der Hauptstadt ein weiterer Anschlag, bei der zwei ihrer Mitglieder
getötet wurden, hieß es weiter. Seit Wochenbeginn sind in
der irakischen Hauptstadt mehr als 30 Menschen bei Anschlägen
getötet worden.
Eine Explosion hat die Ölpipeline vom Nordirak zum türkischen
Mittelmeerhafen Ceyhan unterbrochen. Der Gouverneur der türkischen
Provinz Sanliurfa, Yusuf Yavascan, teilte am Donnerstag mit, die
Detonation am Mittwochabend sei Folge eines plötzlichen
Druckabfalls in der Leitung gewesen. Es habe sich nicht um Sabotage
gehandelt. Die Explosion habe sich in der Nähe des Ortes Bozova
ereignet, die Nachrichtenagentur Anadolu meldete, Öl sei dort zwei
Kilometer weit aus der geborstenen Leitung bis in die Nähe eines
Stausees geflossen. Yavascan sagte, es seien Vorkehrungen getroffen
worden, um eine Verschmutzung des Wassers zu verhindern. Es war
zunächst nicht abzusehen, wann die Pipeline wieder in Betrieb
genommen werden kann. Die staatliche Betreibergesellschaft BOTAS wollte
sich dazu nicht äußern.
boa (Quelle: ap)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 12.08.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am 1322sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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US-Präsidentschaftswahlen: Historischer Sieg - Obama zieht ins
Weiße Haus ein
Do.06.11.08 - Mit einem historischen Wahlsieg hat der 47-jährige Barack Obama
eine neue Ära in den USA eingeleitet. Erstmals wird mit dem
demokratischen Senator aus Illinois ein Schwarzer die Geschicke des
mächtigsten Landes der Erde lenken.
Rund 140 Jahre nach der Abschaffung der Sklaverei in den Vereinigten
Staaten bescherten die Wähler am Dienstag (04.11.2008) Obama
einen überwältigenden Sieg und damit ein Mandat für
seinen von ihm versprochenen Wechsel in der Politik.
Sein republikanischer Rivale John McCain (72) gratulierte Obama und
versprach eine parteiübergreifende Zusammenarbeit. Auch der
scheidende republikanische Präsident George W. Bush
beglückwünschte den Sieger zu seiner «fantastischen
Nacht» und versprach eine «reibungslose»
Machtübergabe. Hunderttausende Amerikaner feierten bis spät
in die Nacht den Sieg Obamas. Die Demokraten konnten auch bei den
parallel abgehaltenen Kongresswahlen am Dienstag punkten und ihre
Mehrheiten im Abgeordnetenhaus und Senat ausbauen.
Die Wähler präsentierten dem noch bis zum 20. Januar 2009
amtierenden Bush mit ihrem Votum auch die Rechnung für eine
Politik, die von einer großen Mehrheit der Amerikaner nicht mehr
mitgetragen wurde. Politiker aus aller Welt gratulierten dem
designierten Präsidenten schon kurz nach dessen Wahlsieg zum Teil
überschwänglich. In fast allen Erklärungen klang die
Hoffnung an, dass sich die Zusammenarbeit mit den USA in Zukunft wieder
verbessern möge.
«Der Wandel ist nach Amerika gekommen», sagte Obama in
seiner Siegesrede vor Hunderttausenden jubelnder Menschen am
späten Dienstagabend (Ortszeit) in seiner Heimatstadt Chicago.
Dies «ist unsere Zeit, (...) um den amerikanischen Traum wieder
zu beleben». «Der Weg vor uns wird lang sein. Unser
Aufstieg wird steil sein. Wir werden nicht alles in einem Jahr oder in
einer Amtszeit erreichen. Aber Amerika, ich hatte nie mehr Hoffnung als
heute Nacht, dass wir es schaffen werden.»
Obama sagte, das Land stehe angesichts zweier Kriege im Irak und
Afghanistan sowie der gravierenden Finanzkrise vor enormen
Herausforderungen. Es werde einige Zeit brauchen, die Wirtschaft
anzukurbeln und «Allianzen zu reparieren». Aber er werde es
schaffen. Die Wahl habe bewiesen, dass es die Vereinigten Staaten von
Amerika gebe, über alle sozialen und ethnischen Grenzen hinweg. Es
sei «ein Beweis der Macht der Demokratie», sagte ein
strahlender Obama.
McCain hatte die Niederlage kurz zuvor in Phoenix im Bundesstaat
Arizona eingestanden: «Das amerikanische Volk hat gesprochen und
es hat klar gesprochen.» McCain rief seinen enttäuschten
Anhängern zu: «Der Fehler liegt bei mir - nicht bei
Euch.» Der 72-Jährige unterbrach mehrfach Buh-Rufe, die
ertönten, wenn er von Obama sprach. «Senator Obama hat
Großes für sich und für sein Land erreicht.»
McCain und US-Präsident Bush gratulierten dem Sieger telefonisch
und nannten die Wahl historisch.
Obama profitierte nach dem längsten und teuersten Wahlkampf in der
Geschichte der USA offensichtlich vom Vertrauen seiner Landsleute, er
könne die schwere Finanzkrise in den Griff bekommen. Dem
Demokraten gelang auch eine beispiellose Mobilisierung der Wähler.
In vielen US-Städten gab es spontane Jubelfeiern. Viele Menschen
weinten vor Freude, nachdem die Fernsehsender den Sieg Obamas kurz nach
23.00 Uhr (Ortszeit Ostküste) verkündet hatten. Auch vor dem
Weißen Haus in Washington feierten tausende Amerikaner den frisch
gewählten US-Präsidenten. Obamas Wahlkampfslogan «Yes
we can» (etwa: Wir schaffen das) verwandelten die feiernden
Massen in «Yes we did» (zu deutsch: Wir haben es geschafft).
Obama stand endgültig als 44. Präsidenten der Vereinigten
Staaten fest, als er nach Hochrechnungen und ersten
Auszählungsergebnissen in den drei Westküstenstaaten
Kalifornien, Washington und Oregon gesiegt hatte. Er entschied auch die
Rennen in den besonders umkämpften Staaten Florida, Ohio und
Pennsylvania für sich. Vor allem Ohio und Florida galten als
Schlüsselstaaten für den Sieg. Auch in der
Republikaner-Hochburg Virginia setzte sich der Demokrat durch. Drei
Rennen in Indiana, North Carolina und Ohio sind noch immer offen.
Obama führt zu diesem Zeitpunkt nach Berechnungen des Senders CNN
bei der Zahl der Wahlmänner weiterhin mit 338 zu 163 Stimmen vor
McCain. Für die Wahl zum Präsidenten sind 270 Wahlleute
notwendig. Bei den Wählerstimmen kam Obama nach Auszählung
von über 80 Prozent der Stimmzettel auf 52 Prozent. Für
McCain stimmten demnach 47 Prozent der Wähler.
Die Demokraten konnten bei der Wahl zum Senat und zum
Repräsentantenhaus ihre Mehrheiten ausbauen. Nach dem Stand der
Auszählung bis zum Mittwochnachmittag (MEZ) kamen sie auf 56
Senatorensitze, die Republikaner auf 40. Das Rennen um vier Sitze ist
noch unentschieden. Bisher hatten die Demokraten den Senat mit 51 zu 49
Mandaten kontrolliert. Im Repräsentantenhaus konnte die Partei von
Barack Obama nach vorläufigem Stand mindestens 15 Sitze
hinzugewinnen und kam CNN zufolge demnach auf 251, die Republikaner auf
173. Elf Rennen sind noch offen. Im Abgeordnetenhaus liegen die
Demokraten bisher mit 236 zu 199 Mandaten vorn.
Bei der Wahl wird eine Rekordbeteiligung von bis zu 130 Millionen
Wählern erwartet. An der Präsidentenwahl vor vier Jahren
hatten sich lediglich rund 121 Millionen Bürger beteiligt.
In den USA wird der Präsident nicht direkt, sondern durch ein
Wahlmännergremium gewählt, das sich aus Vertretern der
einzelnen Bundesstaaten zusammensetzt. Die Wahlmänner stimmen am
15. Dezember ab, der neue Präsident wird schließlich am 20.
Januar ins Amt eingeführt.
(Quelle: dpa)
Hintergrund: Wer wählte Obama?
Seine Eintrittskarte ins Weiße Haus hat der Demokrat Barack Obama
einer Koalition aus Enttäuschten und Besorgten zu verdanken.
Nach Analysen von Experten gab eine Gruppe aus allen Generationen,
ethnischen Gruppen und politischen Lagern den Ausschlag - motiviert
durch die schwere Wirtschaftskrise und die Unzufriedenheit mit der
Politik des republikanischen Präsidenten George W. Bush. Damit war
es weder die überwältigende Unterstützung der
Jungwähler noch die der Afroamerikaner, die Obama entscheidend zum
Sieg verhalfen. Diese Einschätzungen ergaben sich auf der Basis
von Wählerbefragungen nach der Stimmenabgabe.
Nach Berichten der «Washington Post» gab nahezu jeder
fünfte Wähler, der noch 2004 für Bush gestimmt hat, am
Dienstag seine Stimme für Obama ab. Nur halb so viele Demokraten,
die seinerzeit für ihren Parteifreund John Kerry votiert hatten,
sind jetzt auf McCain umgeschwenkt.
Die Amerikanerinnen stimmten den ersten Analysen zufolge mehrheitlich
(56 Prozent) für Obama, während sich das Wahlverhalten der
Männer zwischen beiden Kandidaten die Waage hielt. Obama erhielt
den stärksten Zuspruch von jüngeren und gebildeten
Wählern, Afroamerikanern und den Zuwanderern aus
lateinamerikanischen Ländern. 95 Prozent der schwarzen Wähler
gaben nach Angaben der «Nationalen Wahlgruppe», die die
Wählerinformationen auswertete, erwartungsgemäß dem
schwarzen Kandidaten Obama ihre Stimme.
Als überraschender bewerten es die Experten, dass auch zwei
Drittel der hispanischen Wählerschaft (66 Prozent) für den
Senator aus Illinois gestimmt haben. Diese Wählergruppe galt
für die Demokraten als «wackelig». Zum einen standen
die meisten Latinos ursprünglich hinter bei der Vorwahl
gescheiterten Obama-Rivalin Hillary Clinton. Zweitens hatte knapp die
Hälfte dieser Wählergruppe noch vor vier Jahren für den
republikanischen Kandidaten Bush gestimmt.
Bei den weißen Amerikanern - immerhin Dreiviertel der gesamten
Wählerschaft - schnitt der Republikaner John McCain insgesamt mit
55 Prozent besser ab als sein Kontrahent Obama (43 Prozent). Vor allem
die Gruppe der weißen Evangelikalen unterstützte den
Republikaner - nämlich mit 73 Prozent der Stimmen. Dieser Umstand
wird vor allem auf McCains tief religiöse Vizekandidatin Sarah
Palin zurückgeführt. Obama konnte seinen Vorsprung wiederum
durch starken Zuspruch der weißen Bildungselite ausbauen und
damit wettmachen, dass weniger gebildete weißen Amerikaner
zumeist für McCain stimmten.
Obama erhielt - wie vorausgesagt - massive Unterstützung von
jüngeren Wählern zwischen 18 und 29 Jahren. 60 Prozent
stimmten für den Demokraten, nur 31 für McCain. In der Gruppe
der Wähler über 65 schwenkte die Zustimmung hingegen
zugunsten McCains um. 53 Prozent der Wähler dieser Gruppe gaben
an, für ihn votiert zu haben, dagegen nur 45 Prozent für
Obama. Der wiederum hatte 60 Prozent der Wählerstimmen unter
Gewerkschaftern auf seiner Seite.
Quelle: 05.11.2008
"Das ist euer aller Sieg"
Freudentränen in Chicago: Barack Obama, der künftige Präsident der USA,
hat nach seinem Wahlsieg eine historische Rede vor Hunderttausenden Anhängern gehalten.
SPIEGEL ONLINE hat die Rede dokumentiert und übersetzt.
Mehr unter:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,588507,00.html
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Obama bereitet Amtsübernahme vor
Do.06.11.08 - Nach seinem historischen Sieg bei den US-Präsidentschaftswahlen
bereitet Barack Obama nun mit Hochdruck die Amtsübernahme im
Weißen Haus vor. Bereits Anfang kommender Woche führt er ein
erstes Gespräch darüber mit Präsident George W. Bush.
Das gab Bush am Donnerstag im Weißen Haus bekannt. Er versprach
erneut einen reibungslosen Amtswechsel. Obama ernannte bereits ein
Übergangsteam, in dem mehrere enge Mitarbeiter des früheren
demokratischen Präsidenten Bill Clinton vertreten sind. Der
47-jährige Obama war am Dienstag zum ersten schwarzen
Präsidenten der USA gewählt worden. Er tritt am 20. Januar
sein Amt an.
Der demokratische Kongressabgeordnete Rahm Emanuel wird neuer Stabschef
im Weißen Haus. Der Berater von Ex-Präsident Bill Clinton
habe das Angebot Obamas für die Schüsselposition angenommen,
berichtete der TV-Sender CNN am Donnerstag.
Besondere Bedeutung wird in Zeiten der Finanzkrise die Besetzung von
Obamas Wirtschaftsteam haben. «Es ist mit das erste Mal, dass der
Finanzminister fast genauso wichtig sein wird wie der
Außenminister», sagte der Politik-Experte David Gergen dem
Sender CNN.
Nach CNN-Angaben kursierten in Washington die Namen Timothy Geithner,
Lawrence Summers und Paul Volcker für die Besetzung dieses
wichtigen Amtes. Geithner half beim Umgang mit der Finanzkrise in
diesem Jahr, Summers war bereits Finanzminister unter Clinton, und
Volcker amtierte zehn Jahre lang als Chef der US-Notenbank.
Obama erhielt nach Angaben Bushs am Donnerstag ein erstes Briefing von
den Chefs der US-Geheimdienste. Er erhält dabei die selben
Informationen wie Bush. Heimatschutz-Minister Michael Chertoff hatte am
Mittwoch gewarnt, in der Übergangsphase bestehe immer eine
erhöhte Gefahr von Terroranschlägen. Auch Bush warnte:
«Wir kämpfen gegen gewalttätige Extremisten, die
entschlossen sind, uns anzugreifen, und sie würden nichts lieber
tun, als diese Phase des Wechsels auszunützen, um dem
amerikanischen Volk zu schaden.» Bush betonte, dies sei auch seit
vier Jahrzehnten die erste Amtsübergabe im Weißen Haus
«in Kriegszeiten».
Das Übergangsteam wird von dem früheren Clinton-Mitarbeiter
John Podesta, der Obama-Beraterin Valerie Jarrett und Pete Rouse,
Obamas Stabschef im Senat, geleitet. Obama werde direkt über die
Schritte informieren, die er bis zu seiner Amtsübernahme am 20.
Januar unternehmen werde, sagte Jarrett. Im Team ist auch Susan Rice,
die in US-Medien als mögliche nationale Sicherheitsberaterin in
einer Regierung Obama gehandelt wird. Sie war im Wahlkampf Obamas
außenpolitische Chefberaterin.
EU-Chefdiplomat Javier Solana appellierte nach der Obama-Wahl an die
Europäer, mehr Verantwortung bei der internationalen
Friedenssicherung zu übernehmen. Man müsse gemeinsam mit den
Amerikanern einen Aktionsplan formulieren, sagte er dem
«Hamburger Abendblatt» (Donnerstag). «Unsere
Botschaft muss sein: Wir bringen unsere Stärken ein und sind
bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen, um die globale
Sicherheit zu befördern.»
Obama war am Dienstag zum 44. Präsident der Vereinigten Staaten
gewählt worden. Er hatte seinen republikanischen Rivalen John
McCain klar geschlagen. Die Demokraten konnten auch bei den
Kongresswahlen deutlich gewinnen. Allerdings blieb hier der erhoffte
Erdrutschsieg aus. Im Senat verloren die Republikaner mindestens 5
Sitze und fallen damit auf 40 Senatoren zurück. Als
unwahrscheinlich gilt aber, dass die Demokraten die Schwelle von 60
Senatorensitzen erreichen, mit der in der ersten Parlamentskammer alle
Initiativen durchgesetzt werden können.
(Quelle: dpa)
Berlusconi lobt Obama als 'jung, schön und gebräunt'
Do.06.11.08 - Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi hat sich mit einem
übertriebenen Lob für den künftigen US-Präsidenten
Barack Obama einen verbalen Fauxpas geleistet: "Er ist jung,
hübsch und gebräunt", sagte Berlusconi bei einem Besuch in
Moskau. Gleichzeitig warnte der italienische Ministerpräsident
Obama vor den überhöhten Erwartungen aus der ganzen Welt an
ihn. Er werde "fast als ein Messias" angesehen. "Es gibt viele
Hoffnungen, die er nicht enttäuschen sollte", sagte Berlusconi.
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Bei den Oppositionsparteien in Italien stieß Berlusconis
Äußerung auf große Kritik. Der Regierungschef
müsse sich "sofort" entschuldigen, sagte die Nummer zwei der
linksbürgerlichen Demokratischen Partei, Dario Franceschini. "Er
vergisst, dass seine Aussagen das Image unserer Landes in der Welt in
Frage stellen." Berlusconis Aussage könne auch als Beleidigung
verstanden werden. Niemals sei ein italienischer Regierungschef so tief
gefallen, sagte Massimo Donadi von der Wertepartei.
(Quelle: afp)
Israels Außenministerin Livni warnt Obama vor Gesprächen mit
Iran
Do.06.11.08 - Die israelische Außenministerin Zipi Livni hat den designierten
US-Präsidenten Barack Obama vor baldigen Gesprächen mit dem
Iran gewarnt. Ein solcher Dialog könnte als Zeichen der
Schwäche interpretiert werden, sagte Livni am Donnerstag. Obama
hatte seine Bereitschaft erklärt, mit dem Iran über dessen
Atomprogramm zu sprechen. Das wäre eine Abkehr von der Politik der
Regierung des noch amtierenden Präsidenten George W. Bush, der
Treffen mit iranischen Führern stets abgelehnt hatte.
Die USA und andere vermuten, dass der Iran eine Atombombe entwickeln
will. Die Regierung in Teheran hat dies immer zurückgewiesen.
Livni, die sich im kommenden Jahr um das Amt der
Ministerpräsidentin bewerben will, verwies aber auch darauf, dass
auch Obama einen mit Atomwaffen ausgestatteten Iran nicht akzeptieren
will. Gespräche zum jetzigen Zeitpunkt würden aber vielleicht
als Zeichen der Schwäche aufgefasst, erklärte Livni.
Der Iran wird in Israel als größte Bedrohung für den
jüdischen Staat betrachtet. Israelische Militärexperten haben
die Ansicht geäußert, dass der Iran schon im kommenden Jahr
über die Fähigkeit zum Bau einer Atombombe verfügen
könnte.
(Quelle: ap)
Tausende flüchten vor neuen Kämpfen im Ostkongo
Do.06.11.08 - Nach heftigen Kämpfen zwischen Truppen des Rebellengenerals
Laurent Nkunda und den regierungstreuen Mai-Mai-Milizen sind erneut
tausende Menschen im östlichen Kongo auf der Flucht. Diesen
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Damit kommt die Region auch einen Tag vor dem am Freitag in der
kenianischen Hauptstadt Nairobi geplanten Krisengipfel nicht zur Ruhe.
Bei dem Treffen soll eine politische Lösung gesucht werden. Neben
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon werden unter anderem die
Präsidenten des Kongos und Ruandas, Joseph Kabila und Paul Kagame,
erwartet. Die kongolesische Regierung wirft Ruanda vor, Nkundas
Rebellen zu unterstützen.
Der britische Rundfunksender BBC berichtete am Donnerstag, die
Mai-Mai-Milizen hätten die Stadt Kiwanja etwa 80 Kilometer
nördlich der Provinzhauptstadt Goma nach zweitägigen
Kämpfen eingenommen und den Einwohnern befohlen, die Stadt zu
verlassen. Augenzeugen berichteten von Morden und Plünderungen.
Unter den Flüchtlingen, die Kiwanja verlassen mussten, sind viele
Frauen und Kinder.
In Goma, das von den Männern Nkundas umstellt ist, haben die
UN-Truppen den Befehl erhalten, auf alle zu schießen, die
versuchen, in die Stadt einzudringen. In der Vergangenheit hatten
Einwohner den MONUC-Friedenstruppen wiederholt vorgeworfen, nicht
energisch genug gegen bewaffnete Gruppen in der Konfliktregion
Nord-Kivu vorzugehen.
(Quelle: dpa)
Historisches Treffen zwischen Taiwan und China
Do.06.11.08 - Zum ersten Mal seit mehr als sechs Jahrzehnten hat ein taiwanischer
Präsident einen ranghohen Gesandten der Volksrepublik China
empfangen. Staatsoberhaupt Ma Ying-jeou begrüßte den
chinesischen Chefunterhändler Chen Yunlin in einem Gästehaus
der Regierung in Taipeh. In einer kurzen, im Fernsehen
übertragenen Rede erklärte Ma, die Begegnung mit Chen
symbolisiere einen "wichtigen Schritt vorwärts" in den Beziehungen
beider Staaten. Zehntausende Demonstranten versammelten sich vor dem
Amtssitz des Präsidenten, um gegen das Treffen und für die
Unabhängigkeit Taiwans zu protestieren. Diesen Artikel weiter lesen
Ma sagte während des etwa fünf Minuten langen Treffens mit
Chen, es gebe zwar noch Differenzen, etwa über die Sicherheit und
den internationalen Status Taiwans, aber die jetzige Entwicklung
entspreche den Wünschen der Menschen in Taiwan und in China. Die
beiden Männer gaben sich bei der im Fernsehen übertragenen
Begegnung die Hand und tauschten Geschenke aus. Ma und Chen vermieden
jedoch, sich gegenseitig formell anzusprechen. So musste der
chinesische Gesandte Ma nicht als "Präsident" anreden.
Chen, der als erster ranghoher chinesischer Gesandter seit 60 Jahren am
Montag in Taiwan eingetroffen war, überreichte Präsident Ma
das Tuschebild eines Pferdes. Dies sei "von einem meisterhaften
Künstler", sagte er. "Ma" ist das chinesische Wort für
"Pferd".
Der fünftägige Besuch des chinesischen Unterhändlers ist
ein weiterer Schritt in dem mühsamen Annäherungsprozess
beider Länder. Chen unterzeichnete mit seinem taiwanischen
Kollegen Chiang Pin-kung milliardenschwere Wirtschaftsvereinbarungen.
Politische Fragen blieben bei dem bis Freitag andauernden Besuch aber
ausgespart. Die Volksrepublik China betrachtet die dem Festland
vorgelagerte Insel Taiwan seit der Revolution von 1949 als
abtrünnige Provinz und strebt eine Wiedervereinigung zu den
Bedingungen Pekings an. Dies lehnt Taiwan strikt ab.
Nach Angaben der Organisatoren versammelten sich rund 100.000
Demonstranten in Taipeh und forderten lautstark die Beibehaltung der
taiwanischen Unabhängigkeit. Bei Zusammenstößen
zwischen der Polizei und den Protestierenden, die versuchten Sperren
aus Stacheldraht zu überwinden, wurden Fernsehberichten zufolge
mindestens zwei Menschen festgenommen. Andere Demonstranten warfen Eier
und Wasserflaschen gegen die Barrikaden. Bereits am Mittwochabend
hatten mehr als 2000 Demonstranten ein Hotel in Taipeh belagert, in dem
ein Bankett zu Ehren Chens gegeben wurde.
(Quelle: afp)
China schließt Autonomie für Tibet aus
Do.06.11.08 - China hat den Hoffnungen des Dalai Lamas auf eine Autonomie Tibets eine
klare Absage erteilt. Tibet werde weder in irgendeiner Form
unabhängig sein noch einen weitgehend autonomen Status wie
Hongkong oder Macao erhalten, sagte ein Regierungsvertreter, der in den
vergangenen Tagen mit Gesandten des geistlichen Oberhaupts der
tibetischen Buddhisten zusammengetroffen war.
«Der Dalai Lama sollte die Geschichte anerkennen, der
Realität ins Auge sehen, sich den Zeiten anpassen und seine
politische Haltung grundlegend korrigieren», wurde Du Qinglin am
Donnerstag von der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua zitiert. Es
waren die ersten offiziellen Äußerungen seit den
zweitägigen Gesprächen Dus mit Gesandten des Dalai Lamas am
Dienstag und Mittwoch.
Der 73-Jährige hatte sich vor dem Treffen wenig optimistisch
gezeigt. Tibet wurde in den 1950er Jahren von China besetzt, seit 1959
lebt der Dalai Lama in indischen Exil.
(Quelle: ap)
Russland kündigt Stationierung von Raketen an NATO-Grenze an
Do.06.11.08 - Der russische Präsident Dmitri Medwedew ist am Tag nach der
US-Präsidentenwahl auf Konfrontationskurs zu Washington gegangen.
In seiner Rede an die Nation kündigte er am Mittwoch an, als
Reaktion auf den US-Raketenschild in Mitteleuropa Kurzstreckenraketen
in der Ostsee-Exklave Kaliningrad zu stationieren. Ein Sprecher des
Auswärtigen Amtes bezeichnete die Ankündigung als "falsches
Signal zum falschen Zeitpunkt". Kritik kam auch aus Tschechien. Die
US-Regierung zeigte sich von Medwedews Ankündigung unbeeindruckt.
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Gleichzeitig äußerte Medwedew die Hoffnung auf gute
Beziehungen zum gewählten US-Präsidenten Barack Obama, ohne
dessen Namen zu nennen. Der russische Staatschef kritisierte in seiner
im Kreml gehaltenen Rede eine "Umzingelung Russlands durch
militärische Blöcke" und eine "uneingeschränkte
NATO-Erweiterung". Mit dem Raketensystem Iskander in Kaliningrad, dem
früheren Königsberg, solle der US-Raketenschild
"neutralisiert" werden.
Die USA planen die Errichtung einer Radaranlage in Tschechien und die
Stationierung von Abfangraketen in Polen. Die USA wollen mit dem
Raketenschild nach eigenen Angaben gegen mögliche Angriffe von
"Schurkenstaaten" wie dem Iran oder Nordkorea gewappnet sein. Die
russische Seite bestreitet, dass derartige Angriffe drohen.
Ein Pentagonsprecher sagte, Washington werde ungeachtet der russischen
Pläne versuchen, mit seinen europäischen Partnern bei der
Stationierung eines US-Raketenschilds in Mitteleuropa
zusammenzuarbeiten. Der Sprecher bekräftigte, dass sich das von
den USA in Polen und Tschechien geplante Rasketenabwehrsystem nicht
gegen Moskau richte.
Tschechien kritisierte die angekündigte Stationierung von
Kurzstreckenraketen. Die Pläne trügen nicht zum Dialog bei,
"den wir führen wollen", sagte eine Sprecherin des tschechischen
Außenministeriums in Prag. Die Ankündigung des russischen
Staatschefs bestätige "gewisse Vorurteile, die in Europa über
Russland bestehen".
Im Zusammenhang mit der Kaukasus-Krise richtete Medwedew schwere
Angriffe gegen die USA. Der Georgien-Konflikt sei als Vorwand genutzt
worden, um NATO-Schiffe ins Schwarze Meer zu schicken und die
Pläne für den US-Raketenschild voranzutreiben. Im Kaukasus
werde Russland nicht zurückweichen, kündigte Medwedew an.
Nach dem Versuch Georgiens, die Kontrolle über das abtrünnige
Südossetien wiederzuerlangen, waren Anfang August russische
Truppen in Georgien einmarschiert. Der Georgien-Konflikt war die erste
große Bewährungsprobe für Medwedew, der das Amt des
Staatschefs im März übernommen hatte.
(Quelle: afp)
'Republik Freies Wendland' wird neu errichtet
Do.06.11.08 - Bei den Protesten gegen den bevorstehenden Castortransport wollen
Umweltschützer die «Republik Freies Wendland»
wiederbeleben. In Gedelitz, einem Nachbarort von Gorleben, werde als
Symbol für das Bürgerengagement ein Dorf aus Strohballen
aufgebaut, teilte die atomkritische «Bäuerliche
Notgemeinschaft» am Mittwoch mit. Vor 28 Jahren hatten
Atomkraftgegner zwischen Gedelitz und Gorleben ein Hüttendorf
errichtet und als «Republik Freies Wendland» bezeichnet.
Das neue Protest-Dorf solle aus sechs kleinen Häusern, einem
großen Versammlungshaus, einer Küche und einem Café
bestehen, sagte Mitorganisator Heinrich Kranz. Bewohner und Besucher
erhielten «Wenden-Pässe», an Journalisten würden
«Wenden-Presseausweise» ausgegeben. Am Freitag soll in der
«Republik Freies Wendland» ein 1000 Meter langes
Transparent mit Symbolen und Sprüchen bemalt werden.
(Quelle: ddp)