+++ Sa.08.11.08, 15:30
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Irak 1692 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
US-Regierung gegen Veröffentlichung von Irak-Fotos. Laut
US-Angaben ranghoher Führer der Al Kaida im Irak getötet.
Steinmeier plant Reise nach Bagdad
Sa.08.11.08 - Die US-Regierung geht mit juristischen Mitteln gegen eine gerichtliche
Anordnung vor, wonach sie 21 Fotos von Häftlingen im Irak und in
Afghanistan der Amerikanischen Bürgerrechtsunion (ACLU)
aushändigen soll. Die Freigabe der Dokumente könnte Unruhen
und Gewaltakte gegen US-Truppen und ihre Verbündeten
auslösen, erklärte die Regierung am Freitag zur
Begründung ihrer Eingabe bei einem Berufungsgericht in New York.
Im September hatten drei Richter des Berufungsgerichts der
Bürgerrechtsunion Recht gegeben und die Aushändigung der
Fotos nach dem Informationsfreiheitsgesetz (Freedom of Information Act)
angeordnet. Jetzt sollen alle zwölf Richter des 2nd U.S. Circuit
Court of Appeals entscheiden. Die Regierung erklärte in ihrem
Antrag, die Angelegenheit sei von «außerordentlicher
Bedeutung».
ACLU-Anwalt Amrit Singh warf der Regierung eine juristische
Verzögerungstaktik vor. Das Weiße Haus wolle seinen
gesetzlichen Verpflichtungen nicht nachkommen. «Diese Fotos sind
von entscheidender Bedeutung, um Ausmaß und Umfang des
Missbrauchs von Häftlingen aufzuklären», sagte Singh.
Sie widerlegten die Darstellung der Regierung, dass es nur im
irakischen Gefängnis Abu Ghraib zu Menschenrechtsverletzungen
gekommen sei. Die Veröffentlichung von Fotos aus diesem
Gefängnis hatte 2004 international Empörung ausgelöst.
Eines der Fotos zeigte einen nackten Gefangenen mit einer Kapuze
über dem Kopf, an dessen Händen und Genitalien Drähte
befestigt waren. Ein anderes zeigte eine US-Soldatin mit einer
Hundeleine und einem irakischen Gefangenen.
Amerikanische und irakische Soldaten haben laut US-Angaben einen
ranghohen Führer der Al Kaida im Irak getötet. Der Mann,
dessen Name mit Abu Ghaswan angegeben wurde, sei am Donnerstag
während einer Razzia in einem Waffenlager in Tarmijah
nördlich von Bagdad getötet worden, teilten die
US-Streitkräfte am Freitag mit. Er habe mehrere Terrorzellen in
Tarmijah und Tadschi befehligt und Autobomben für Anschläge
in Bagdad gebaut.
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) plant
erstmals seit dem Irakkrieg eine Reise nach Bagdad. Das Auswärtige
Amt bestätigte einen entsprechenden Bericht des "Handelsblatts".
Konkrete Daten gebe es allerdings noch nicht. Die Zeitung berichtet,
die Bundesregierung wolle nach der Wahl von Barack Obama zum
US-Präsidenten die letzten Differenzen zum Thema Irak
ausräumen und auch die Beziehungen zur Regierung in Bagdad
normalisieren. In diesem Zusammenhang wolle Steinmeier nach der
Amtseinführung Obamas im Januar und vor Ende März in den Irak
reisen. Diesen Artikel weiter lesen
Dem Bericht zufolge will Steinmeier mit der Reise in den Irak ein
Signal an Obama und sein Team senden, dass die Bundesregierung die
Politik des neuen US-Präsidenten im Nahen und Mittleren Osten
unterstütze. Der Außenminister habe seine Beamten zudem
angewiesen, über konkrete Projekte für den Wiederaufbau im
Irak nachzudenken, hieß es unter Berufung auf Angaben von
Diplomaten. Dabei müsse allerdings weiterhin die schwierige
Sicherheitslage im Irak berücksichtigt werden.
boa (Quellen: afp, ap)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 12.08.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am 1324sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Finanzkrise hat für Barack Obama größte Priorität
Sa.08.11.08 - Die Bewältigung der internationalen Finanzkrise hat für den
künftigen US-Präsidenten Barack Obama oberste Priorität.
In seiner ersten Pressekonferenz seit seinem Wahlsieg rief Obama am
Freitag in Chicago den Kongress auf, ein Paket zur Stimulierung der
Konjunktur zu verabschieden - entweder schon vor dem Regierungswechsel
am 20. Januar 2009 oder kurz danach. Er warnte jedoch vor zu
großen Hoffnungen. «Wir stehen vor der größten
wirtschaftlichen Herausforderung unserer Zeit», erklärte
Obama. «Es wird nicht leicht für uns werden.»
Die anstehenden Personalentscheidungen für sein Kabinett werde er
mit «besonnener Eile» treffen, sagte der designierte
Präsident. Angesichts der akuten Krise wird die Wahl des neuen
Finanzministers mit besonderer Spannung erwartet. Beobachter vermuten,
dass er aus dem Kreis der Persönlichkeiten kommt, die bei der
Pressekonferenz hinter Obama standen. Unter ihnen war auch Lawrence
Summers, der das Ressort schon unter Präsident Bill Clinton
bekleidet hat und Präsident der Harvard-Universität war.
«Sobald ich Präsident bin, werde ich diese Wirtschaftskrise
sofort und frontal angehen, indem ich alle erforderlichen Schritte
ergreife, um die Kreditkrise zu entspannen, hart arbeitenden Familien
zu helfen und Wohlstand und Wachstum wiederherzustellen», sagte
Obama. Bis dahin aber liege die Verantwortung noch bei George W. Bush
und seinem wirtschaftspolitischen Team. «Die Vereinigten Staaten
haben nur eine Regierung und einen Präsidenten.»
Vor der Pressekonferenz trafen Obama und der designierte
Vizepräsident Joe Biden mit ihrem Team von Wirtschaftsberatern
zusammen. Zu der Runde gehören Google-Vorstandschef Eric Schmidt,
Manger von Xerox, Time Warner und Hyatt sowie die Gouverneurin von
Michigan, Jennifer Granholm, deren Staat unter der Krise der
Automobilindustrie leidet. Telefonisch zugeschaltet war der
milliardenschwere Investor Warren Buffett.
Die neuesten Wirtschaftsdaten machten deutlich, wie sehr Obama auf
diese Unterstützung angewiesen ist. Die Zahl der Arbeitslosen
stieg im Oktober in den USA auf den höchsten Wert seit 14 Jahren.
Mehr als zehn Millionen Amerikaner hatten keine Beschäftigung.
Außerdem meldete General Motors einen gewaltigen Verlust im
dritten Quartal, während Ford weitere Entlassungen ankündigte.
Bei allem Ernst war in der Pressekonferenz auch Platz für Humor.
So sprach Obama über den Hund, den er seinen Töchtern zum
Einzug ins Weiße Haus versprochen hat. Das Tier dürfe keine
Allergien bei seine Tochter Malia auslösen, sagte er. Er wolle am
liebsten einen Hund aus dem Tierheim holen, «aber viele der Hunde
dort sind Mischlinge so wie ich».
Für einen anderen Kommentar entschuldigte sich der künftige
Präsident später. Er erzählte den Reportern, er habe mit
allen noch lebenden Amtsvorgängern gesprochen. Allerdings habe er
nicht wie Nancy Reagan auf Seancen zurückgreifen wollen. Die
87-Jährige hatte während der Präsidentschaft ihres
Mannes den Rat von Astrologen eingeholt, allerdings nicht mit Toten
gesprochen. Obamas Sprecherin Stephanie Cutter sagte später, er
habe später Nancy Reagan angerufen und sich für die
unangemessene Bemerkung entschuldigt.
(Quelle: ap)
US-Arbeitslosenquote steigt deutlich
Sa.08.11.08 - Die Arbeitslosenquote in den USA ist im Oktober unerwartet auf den
höchsten Stand seit 14 Jahren gestiegen. Sie nahm um 6,5 Prozent
zu und war damit so hoch wie seit März 1994 nicht mehr, teilte das
Arbeitsministerium am Freitag in Washington mit.
Rund 10,1 Millionen Amerikaner waren demnach im Oktober 2008 ohne
Beschäftigung. Die Zahl der Jobs außerhalb der
Landwirtschaft sei im Vergleich zum Vormonat um 240 000 gefallen. Im
September hatte die Arbeitslosenquote noch bei 6,1 Prozent gelegen.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert den USA eine
Rezession im kommenden Jahr. Die größte Volkswirtschaft der
Welt wird demnach um 0,7 Prozent schrumpfen. Mit einer globalen
Erholung sei erst Ende 2009 zu rechnen, schätzt der IWF. Die
wirtschaftliche Erholung in den USA wird nach Ansicht von
US-Präsident George W. Bush Zeit brauchen. Die Anstieg der
Arbeitslosenzahl sei Beleg für die «schwierigen
Herausforderungen, mit denen unsere Wirtschaft konfrontiert ist»,
betonte Bush am Freitag. Er verstehe die «tiefe Besorgnis»
der US-Bürger.
Angesichts der weltweiten Finanzkrise und der angespannten Lage auf den
Kreditmärkten werde es aber noch dauern, bis die
«aggressiven und entschiedenen Maßnahmen der Regierung
greifen», so Bush. Noch gebe es zu wenig Kredite für
Unternehmen, mit denen sie ihren Zahlungen nachkommen und neue
Arbeitsplätze schaffen könnten. Es gebe allerdings
«ermutigende Zeichen», beispielsweise habe die
Kreditvergabe der Banken untereinander deutlich zugenommen.
In den ersten zehn Monaten des Jahres hätten rund 1,2 Millionen
Amerikaner ihren Arbeitsplatz verloren, berichtete das
US-Arbeitsministerium. Besonders drastisch ist den Angaben zufolge der
Rückgang im Handwerk, beim Bau und im Dienstleistungsgewerbe.
Dagegen stieg die Zahl der beim Staat und im Gesundheitswesen
Beschäftigten. Vor allem die Jugendarbeitslosigkeit sei stark
gestiegen: die Quote stieg von 19,1 Prozent im September auf 20,6
Prozent im Oktober.
Wirtschaftsexperten rechnen dem Nachrichtensender CNN zufolge in den
den beiden letzten Monaten des Jahres mit einem weiteren Anstieg der
Arbeitslosigkeit in den USA. Der Sender verwies auf das
Automobilunternehmen Ford, das beabsichtige, in Kürze 2260
Arbeitsplätze einzusparen. Auch bei General Motors seien
Entlassungen wahrscheinlich.
(Quelle: dpa)
Schwellenländer erheben Anspruch auf Einfluss bei Finanzreform
Sa.08.11.08 - Vor dem Weltfinanzgipfel haben die Schwellenländer Anspruch auf
einen größeren Einfluss auf das Finanzsystem erhoben.
Die weltweite Krise zeige, dass es für sie an der Zeit sei, auch
an den großen Verhandlungstischen Platz zu nehmen, erklärten
am Freitag Brasilien, Russland, Indien und China, die sich als
sogenannte Bric-Staaten erstmals auf eine gemeinsame Position für
Beratungen mit den führenden Industriestaaten in der kommenden
Woche verständigten. Unter anderem forderten sie eine Reform des
Internationalen Währungsfonds (IWF), in dessen
Entscheidungsgremien sie sich unterrepräsentiert fühlen.
"Die Schwellenländer sind bereit, die finanziellen Konsequenzen
einer größeren Beteiligung am IWF zu schultern",
erklärte Brasiliens Finanzminister Guido Mantega nach dem Treffen
in Sao Paulo. "Es bringt uns aber nichts, unsere Beteiligung zu
verstärken, wenn die großen Staaten ihr Vetorecht behalten",
betonte er zugleich. Der Stimmenanteil großer
Schwellenländer wie Brasilien, Indien, China, Mexiko und
Südkorea wurden im März vergrößert, vielen ging
der Schritt aber nicht weit genug. Der Fonds finanziert sich aus
Quotenzahlungen der Mitglieder. Die nach der Wirtschaftskraft
errechnete Quote entscheidet unter anderem über das Stimmrecht im
Gouverneursrat, der den Fonds und seine Hilfsstrategien steuert.
"Wir rufen zu einer Reform der multilateralen Institutionen auf, die
die strukturellen Veränderungen in der Weltwirtschaft und die
wachsende Rolle der Schwellenländer reflektiert", hieß es in
der gemeinsamen Erklärung der vier Bric-Staaten. Konkret forderten
sie eine sofortige Erweiterung des Finanzstabilitätsforums (FSF),
das von Experten aus den sieben führenden Industriestaaten (G7)
und weiteren großen Volkswirtschaften gebildet wird. Am
Wochenende sollten Finanzminister und Notenbanker bei der
Jahreskonferenz der G20 in Sao Paulo den Weltfinanzgipfel vorbereiten.
Der G20 gehören neben der G7 die führenden
Schwellenländer angehören.
(Quelle: rtr)
Banken im Euro-Raum verschärfen Kreditkonditionen
Sa.08.11.08 - Die Unternehmen in der Euro-Zone haben angesichts der
Konjunkturschwäche zunehmend Schwierigkeiten bei der
Kreditversorgung.
Im Sommer hätten sich das fünfte Quartal in Folge die
Bedingungen deutlich verschärft, zu denen sich die Firmen mit
frischen Geld versorgen könnten, teilte die Europäische
Zentralbank (EZB) am Freitag zu ihrer vierteljährlichen
Kreditumfrage unter mehr als 100 Banken mit. Auch für das
Schlussquartal sei nicht mit einer Entspannung zu rechnen, vielmehr
erwarten viele Banken eine weitere Verschärfung der
Kreditbedingungen. Deutschland sei von den strikteren Regeln jedoch
nicht so stark betroffen wie die anderen Länder in der Euro-Zone,
erklärte die Bundesbank.
Vor allem die schlechteren wirtschaftlichen Aussichten seien der Grund
für die Kreditinstitute, die Zügel anzuziehen, hieß es
in der Umfrage. Zugleich trügen aber auch die Schwierigkeiten der
Banken selbst bei der Refinanzierung dazu bei, dass die Kreditvergabe
eingeschränkt werde. "Leider war das zu erwarten", sagte
Commerzbank-Analyst Michael Schubert. Auch die milliardenschweren
Geldspritzen der EZB könnten dies nicht gänzlich verhindern,
aber abmildern. Derzeit könnten sich die Banken nahezu unbegrenzt
bei der EZB selbst finanzieren, solange sie über ausreichende
Sicherheiten verfügten.
Von einer Kreditklemme könne aber nicht gesprochen werden, betonte
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. Das bestätigen auch
Wirtschaftsvertreter. Der DIHK meldete auf Basis seiner Herbstumfrage,
dass die Firmen kaum Engpässe bei der Kreditvergabe spürten,
wenngleich knapp ein Viertel über schlechtere
Finanzierungsbedingungen berichte. "Eine Liquiditätsklemme gibt es
eigentlich nicht, jedenfalls nicht auf breiter Front", sagte auch der
Chef eines Milliarden-Konzerns. Kurzfristige Finanzierungen bis zu drei
Monaten, bei guten Adressen auch für sechs Monate, seien
einigermaßen gut zu erlangen. Allerdings sei das Vertrauen in die
Zukunft verloren gegangen. Das gelte auch in Hinblick auf
Finanzierungen.
Die Frage, die sich mancher stelle, sei, ob die Kreditzusagen der
Banken von heute auch morgen noch gelten, sagte der
Wirtschaftsführer. "Wir sichern uns gegen eine Gebühr Kredite
aus zugesagten Linien schon heute, obwohl wir die Mittel für
Investitionen womöglich erst in einigen Monaten brauchen." Die
aktuelle Lage sei aber in größeren Teilen der Wirtschaft -
abgesehen vom Autosektor - gar nicht so schlecht.
Die Nachfrage der Firmen war im Sommer allerdings in Deutschland
erstmals seit etwa drei Jahren leicht rückläufig. Dieser
Trend werde sich im Herbst jedoch vermutlich nicht fortsetzen; die
Banken erwarteten eine leichte Belebung der Nachfrage, schrieb die
Bundesbank.
(Quelle: rtr)
EU-Bischofskonferenz fordert arbeitsfreien Sonntag
Sa.08.11.08 - Kirchenvertreter haben ihre Forderung bekräftigt, den
arbeitsfreien Sonntag auch auf europäischer Ebene
einzuführen. In der derzeit diskutierten Arbeitszeitrichtlinie
müsse eine entsprechende Regelung verankert werden, verlangte
Piotr Mazurkiewicz, Generalsekretär der katholischen
EU-Bischofskonferenz, am Donnerstag in Brüssel. Er zeigte sich
"enttäuscht" über die ablehnende Haltung des zuständigen
Parlamentsausschusses. Dieser hatte am Mittwoch einen Antrag mehrerer
Abgeordneter auf Sonntagsschutz zurückgewiesen, da dieser formelle
Fehler aufgewiesen habe.
Die Frage müsse im Parlament debattiert und auch abgestimmt
werden, verlangte Mazurkiewicz. Bis zum Jahr 1996 hatte das
EU-Arbeitsrecht einen arbeitsfreien Sonntag vorgesehen. Die Regelung
wurde jedoch auf eine Klage Großbritanniens hin abgeschafft. Es
sei nicht nachvollziehbar, wieso sich Arbeitnehmer an Sonntagen und
nicht an anderen Tagen erholen sollten, hieß es damals. Eine
EU-Studie hatte jedoch vor kurzem ergeben, dass Wochenenddienste ein
erhöhtes Krankheitsrisiko mit sich bringen.
Bei der Plenarabstimmung über die Arbeitszeitrichtlinie im
Dezember besteht eine neue Möglichkeit, Änderungsanträge
einzureichen. Auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)
plädiert für die Einführung des Sonntagsschutzes in der
EU. Eine entsprechende Erklärung hatte die EKD-Synode am Mittwoch
verabschiedet.
(Quelle: epd)
IG Metall bietet längere Laufzeit für Tarifvertrag an
Sa.08.11.08 - Vor den entscheidenden Tarifgesprächen für die Metall- und
Elektroindustrie am Dienstag hat die Gewerkschaft den Arbeitgebern
Entgegenkommen signalisiert und eine längere Laufzeit des
Tarifvertrages angeboten. Wenn die Lohnzahl stimme, "hätte die IG
Metall kein Problem damit, über 18 oder gar 20 Monate
abzuschließen", sagte Gewerkschaftschef Berthold Huber der
"Wirtschaftswoche". Er verstehe, "dass die Betriebe Planungssicherheit
brauchen". Das bisherige Arbeitgeberangebot von 2,1 Prozent sei aber
"ein Witz". Die IG Metall fordert acht Prozent mehr Lohn und Gehalt.
"Sollte es bei diesem Angebot bleiben, müssen wir am Dienstag gar
nicht mehr weiterreden", sagte Huber. Der IG-Metall-Chef räumte
ein, dass sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert habe, er
beharrte zugleich aber auf der Acht-Prozent-Forderung der Gewerkschaft.
Die IG Metall sei jedoch "unter bestimmten Voraussetzungen zu
einzelbetrieblichen Abweichungen" vom Flächentarif bereit. Denkbar
seien zum Beispiel zeitweilige Arbeitszeitverkürzungen ohne
Lohnausgleich.
Für den Fall, dass es bei der anstehenden Gesprächsrunde
nicht zu einer Einigung kommt, wird der IG-Metall-Vorstand laut Huber
am Mittwoch das Scheitern der Verhandlungen beschließen und einen
Tag darauf die Urabstimmung einleiten. "Am darauffolgenden Montag
beginnt dann der Arbeitskampf."
Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser schließt eine
Einigung bei den Tarifverhandlungen am Dienstag grundsätzlich
nicht aus. Auf der Basis des ersten Arbeitgeber-Angebots von 2,1
Prozent für 2009 und einer Einmalzahlung von maximal 0,8 Prozent
eines Jahreseinkommens für November und Dezember 2008 solle
weiterverhandelt werden. "Die Struktur unseres Angebots bietet
Ansatzpunkte", sagte Kannegiesser der "Südwest-Presse". Zugleich
forderte er die Gewerkschaft auf, von ihrer Forderung abzurücken.
Diese liege "schlicht neben der wirtschaftlichen Realität".
Angesichts der konjunkturellen Lage müssten die Tarifparteien
einen Beitrag dazu leisten, "möglichst viele Arbeitsplätze
über das vor uns liegende Tal zu bringen".
Die Gewerkschaft hatte gleich nach Ablauf der Friedenspflicht am 1.
November mit umfangreichen Warnstreiks begonnen. Die IG Metall fordert
acht Prozent mehr Lohn und Gehalt. Huber hatte allerdings bereits
angedeutet, am Ende solle bei einem Abschluss eine Vier vor dem Komma
stehen.
(Quelle: afp)
IG Metall wieder auf Wachstumskurs
Sa.08.11.08 - Die Gewerkschaften zählen zu den Gewinnern der Finanzkrise.
«Unsere Argumente und unsere Warnungen vor rücksichtslosem
Shareholder-Kapitalismus werden mehr gehört als früher. Das
Ansehen der Gewerkschaften steigt, das zeigen alle Umfragen»,
sagte IG-Metall-Chef Bertold Huber der «Wirtschaftswoche»
laut einem Vorabbericht vom Samstag. In diesem Jahr wird die IG Metall
laut Huber rund 117 000 Neueintritte verzeichnen können. Die Zahl
der Mitglieder in den Betrieben werde 2008 um über ein Prozent auf
den höchsten Wert seit 15 Jahren steigen. Seit 2000 hatte die
weltgrößte Gewerkschaft zuvor über 400 000 Mitglieder
verloren und zählt aktuell nur noch rund 2,3 Millionen Mitglieder.
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Eine Trendwende vollzieht sich in der IG Metall auch, was die
parteipolitische Ausrichtung anbelangt: Es gibt keine mehr. Huber:
«So wie vor der Agenda 2010 wird es nicht wieder sein. Es gibt
keine privilegierte Partnerschaft mit der SPD mehr - auch weil wir nun
ein Fünfparteiensystem haben.» Die IG Metall sei als
Einheitsgewerkschaft verpflichtet, «mit allen demokratischen
Parteien zu reden. Und das tun wir auch.»
Zwar sei die Gewerkschaft mit dem neuen SPD-Vorsitzenden
Müntefering bei Themen wie Tarifautonomie, Mitbestimmung oder
Mindestlohn «auf einer Wellenlänge». Eine
Wahlempfehlung werde es aber weder für die SPD noch für eine
andere Partei geben.
(Quelle: ddp)
Bahn-Gewerkschaften wollen sieben Prozent mehr
Sa.08.11.08 - Die Bahngewerkschaften Transnet und GDBA wollen trotz der weltweiten
Finanz- und Wirtschaftskrise mit erheblichen Lohnforderungen in die
kommende Tarifrunde gehen.
Nach Gesprächen in den Betrieben zeichne sich eine Forderung von
mindestens sechs bis sieben Prozent mehr Lohn ab, sagte
Transnet-Vizechef Alexander Kirchner der «Berliner
Zeitung». Die Gewerkschaften wollen an diesem Dienstag auf einem
Treffen über das weitere Vorgehen für die rund 130 000
Bahn-Beschäftigten entscheiden. Daran nehmen auch rund 600
Vertreter der Mitgliederbasis teil.
Die nächste Bahn-Tarifrunde soll im Januar 2009 beginnen. Ende
Januar läuft dann die Friedenspflicht aus. Weitere Forderungen der
Arbeitnehmervertreter sind bessere Arbeitszeiten, vor allem ein
längerfristig gestalteter Schicht- und Wochenend-Dienstplan. Auch
die Regelungen zur Leiharbeit sollen neu verhandelt werden. «Wir
haben den Tarifvertrag für Zeitarbeit gekündigt und wollen in
den neuen Verhandlungen die Bedingungen für die Mitarbeiter
deutlich verbessern», sagte Kirchner. Insgesamt wollen die
Gewerkschaften eine Ausweitung der Zeitarbeit bei der Bahn verhindern.
Zugleich forderte Kirchner, die ursprünglich für die
Bahn-Vorstände geplanten Bonus-Zahlungen bei einem erfolgreichen
Börsengang als Prämie an alle Mitarbeiter auszuzahlen.
«Diese sind derzeit durch den eingeschränkten ICE-Verkehr
extrem belastet», fügte er hinzu. Die Bahn ist seit 1994
privatrechtlich als Aktiengesellschaft organisiert, aber zu 100 Prozent
im Eigentum des Bundes. Der für Ende Oktober geplante
Börsengang war wegen der Finanzmarktkrise auf unbestimmte Zeit
verschoben worden.
(Quelle: dpa)
Freiburger PH-Studenten stimmen für Gebührenboykott
Sa.08.11.08 - Nach Studenten der Universität Freiburg hat auch die studentische
Vollversammlung der Pädagogischen Hochschule (PH) in Freiburg
für einen Boykott der Studiengebühren gestimmt. Wie das
bundesweite Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (ABS) am
Samstag in Berlin mitteilte, stimmten mehr als 600 PH-Studenten bei
zwei Gegenstimmen für einen Boykott. Die für die
Gebühren fälligen Geldbeträge sollen auf ein
Treuhandkonto überwiesen werden, so dass den Boykott-Teilnehmern
kein Risiko entsteht.
Die jüngsten Boykottaufrufe hängen mit einer bislang
unveröffentlichten Studie des Bundesbildungsministeriums zusammen,
die ergeben haben soll, dass Studiengebühren Tausende junger
Menschen in Deutschland von einem Studium abhalten. Die Studie und die
aktuelle Rekordzahl an Hochschulbewerbungen in Hessen, wo die
Gebühren vor kurzem abgeschafft wurden, würden eindeutig
zeigen, «dass Studiengebühren einen verheerenden Effekt auf
die Anzahl der Studienanfänger haben», sagte ABS-Sprecher
Malte Clausen. Es sei wichtig, jetzt Taten folgen zu lassen.
In Baden-Württemberg müssen Studierende seit dem
Sommersemester 2007 pro Semester 500 Euro Studiengebühren zahlen.
Schon bei der Einführung der Gebühren hatte es mehrere
Boykott-Aktionen gegeben. Diese waren letztlich aber mangels
ausreichender Beteiligung gescheitert.
(Quelle: ddp)
Gesundheitsministerin Schmidt will Mediziner mit Stipendien auf das
Land locken
Sa.08.11.08 - Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt hat an die Länder
appelliert, angehenden Medizinern das Studium zu bezahlen, damit sie
Landarzt werden. In einem Interview der «Neuen Osnabrücker
Zeitung» sagte die SPD-Politikerin über die sich
abzeichnende Ärztenot: «Wenn ich Ministerpräsident
eines Landes wäre, würde ich Stipendien vergeben.»
Nach ihrem Vorschlag finanziert das Land das Studium und der Stipendiat
erklärt sich bereit, auch als angestellter Arzt für fünf
oder sechs Jahre an einem unterversorgten Ort zu arbeiten. «Ich
bin überzeugt, 80 Prozent dieser Mediziner bleiben», sagte
Schmidt. Der Landarzt dürfe nicht «zum auslaufenden
Modell», werden, warnte die Ministerin.
Schmidt äußerte zugleich Kritik am Auswahlverfahren für
Medizinstudenten. «Wir haben vier Bewerber auf einen
Medizin-Studienplatz. Ich bezweifele, dass wir alleine mit der
Fixierung auf die Abiturnote wirklich die Richtigen gewinnen»,
sagte die SPD-Politikerin. Sie wünsche sich «endlich mehr
Tempo» bei den Bemühungen, durch spezielle Eignungstests
Mediziner zu fördern und sie frühzeitig auch in den
Praxisalltag einzuführen. «Es ist doch paradox, dass eine
Intensiv-Krankenschwester nicht studieren darf, nur weil sie eine
Abinote von 2,3 hatte», kritisierte Schmidt.
(Quelle: ap)
Ypsilanti verzichtet auf Spitzenkandidatur in Hessen
Sa.08.11.08 - Die hessische SPD-Chefin Andrea Ypsilanti verzichtet bei den
vorgezogenen Landtagswahlen in Hessen auf die Spitzenkandidatur. Das
teilte sie nach Beratungen des Landesparteirats in Frankfurt am Main
mit. Herausforderer von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) soll
der Landtagsabgeordnete Thorsten Schäfer-Gümbel werden, der
als Vertrauter Ypsilantis gilt. Ypsilanti will aber Partei- und
Fraktionschefin bleiben. Die Nominierung Schäfer-Gümbels ist
eine Überraschung. Im Vorfeld der Parteiratssitzung war
SPD-Landesvize Manfred Schaub als möglicher Spitzenkandidat
gehandelt worden.
Ypsilanti war Anfang der Woche zum zweiten Mal mit der Bildung einer
von den Linken tolerierten rot-grünen Minderheitsregierung
gescheitert. Vier SPD-Abgeordnete wollten sie nicht zur
Ministerpräsidentin wählen.
SPD-Fraktionschef Peter Struck kann sich eine Koalition seiner
Parteifreunde in Hessen mit der Linkspartei nach den Neuwahlen
vorstellen. Auf Landesebene könne man bei
Fünf-Parteien-Parlamenten gar nichts mehr ausschließen,
sagte Struck der "Bild am Sonntag". Skeptisch äußerte er
sich zu einem möglichen Parteiausschlussverfahren gegen die
Abweichler in der hessischen SPD: "Ich weiß nicht, ob hier der
ernsthafte Versuch für ein Parteiausschlussverfahren unternommen
wird. Es ist aber immer schwierig, gegen eine Gewissensentscheidung -
egal ob begründet oder nicht - vorzugehen."
Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für die
"BamS" sprach sich auch eine deutliche Mehrheit der SPD-Anhänger
gegen einen Parteiausschluss der vier Abweichler aus, die Ypsilanti die
Gefolgschaft verweigert hatten. Demnach lehnten 69 Prozent einen
Parteiausschluss ab, nur 24 Prozent befürworten ihn. Von allen
Bundesbürgern sind der Erhebung zufolge zwei Drittel (66 Prozent)
gegen den Rauswurf aus der SPD-Abgeordneten aus ihrer Partei und 22
Prozent dafür.
(Quelle: afp)
Massenproteste gegen Atommülltransport ins Wendland
Sa.08.11.08 - Im Wendland haben am Mittag die Massenproteste gegen den elften
Transport von hoch radioaktivem Atommüll ins Zwischenlager
Gorleben begonnen. Die Polizei berichtete von verstopften Zufahrtswegen
zur Kundgebung in Gorleben, zu der mehrere tausend Teilnehmer erwartet
werden. Es herrsche aber eine "absolut friedliche Grundstimmung". Am
Vorabend hatte die Polizei eine Sitzblockade auf einer Straße in
Metzingen im Landkreis Lüchow-Dannenberg aufgelöst. Dabei
waren Eier und Flaschen auf die Polizisten geworfen worden.
Eine Beamtin wurde laut Polizei bei den Protesten in Metzingen leicht
verletzt; vier Teilnehmer der Aktion wurden vorläufig
festgenommen, später aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Die
Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg protestierte dagegen, dass
die 26-jährige französische Umweltaktivistin Cecile Lecomte,
die sich am Donnerstag an einer Blockadeaktion der Schienenstrecke
beteiligt hatte, bis Montag im Polizeigewahrsam bleiben solle. "Die
Inhaftierung ist völlig unverhältnismäßig",
hieß es in einer Erklärung.
Am Freitag war nach zwei Jahren erstmals wieder ein
Atommülltransport von der Wiederaufbereitungsanlage im
französischen La Hague in das deutsche Zwischenlager Gorleben
gestartet. Der Transport soll voraussichtlich am Nachmittag bei
Lauterbourg und Wörth die Grenze überqueren und am Sonntag im
Wendland eintreffen. In Deutschland sollen rund 16.000 Polizisten den
Transport schützen.
Grünen-Chefin Claudia Roth verlangte eine besonnene Reaktion der
Polizei auf die Proteste gegen den Atommülltransport. "Die Polizei
muss das Demonstrationsrecht schützen und nicht behindern", sagte
sie der "Süddeutschen Zeitung". In der Vergangenheit habe es
"heftige Einsätze" mit Wasserwerfern gegeben, die zur Eskalation
beigetragen hätten. Die Polizeistrategie müsse aber auf
Deeskalation ausgelegt sein. Die Teilnehmer der für das Wochenende
geplanten Protestaktionen rief Roth ebenfalls zu Gewaltfreiheit auf.
(Quelle: afp)
90 Jahre nach der bayerischen Revolution
Sa.08.11.08 - 90 Jahre nach der Revolution in Bayern will die SPD nun den Mann ehren,
der aus dem Königreich Bayern einen Freistaat gemacht hat. In der
Nacht zum 8. November 1918 hatte der SPD-Politiker Kurt Eisner das seit
sieben Jahrhunderten herrschende Königshaus für abgesetzt
erklärt und die Republik Bayern ausgerufen - denn nicht anderes
bedeutet der Begriff «Freistaat». Dafür müsse
Eisner in die Ruhmeshalle Walhalla aufgenommen werden, forderte
SPD-Fraktionschef Franz Maget am Donnerstag. Unterstützung
für diesen Vorschlag bekam er sofort vom Vizeparteichef der
Linken, dem Schweinfurter Bundestagsabgeordneten Klaus Ernst.
Das für die Vorschlagsliste der Walhalla zuständige
Wissenschaftsministerium stellte es Maget und Ernst frei, Eisner
vorzuschlagen. Bislang sei das noch nie geschehen. Das Ministerium
werde die Vorschläge dann an die Bayerische Akademie der
Wissenschaften zur gutachtlichen Stellungnahme weiterleiten. Danach
trifft das Kabinett die endgültige Entscheidung, ob Eisner in die
oberhalb von Donaustauf gelegene Ruhmeshalle aufgenommen wird. Zum
zeitlichen Rahmen wollte sich das Ministerium nicht äußern.
Maget sagte, Eisner sei «eine historische Figur mit
überregionaler Bedeutung». Es sei «höchste Zeit,
dass der Freistaat selber seinem Gründer an prominenter Stelle ein
ehrendes Gedenken bereitet». Der SPD-Fraktionschef forderte den
neuen bayerischen Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) auf,
«den Gedächtnisverlust der CSU hinsichtlich der
Entstehungsgeschichte der parlamentarischen Demokratie in Bayern und
der historischen Leistung des ersten Ministerpräsidenten zu
beheben und einen Ehrenplatz für Kurt Eisner in der Walhalla
vorzubereiten».
Auch Ernst betonte: «Kurt Eisner gehört zu den großen
Bayern. Er war ein Demokrat und Antimilitarist. Er hat einen Platz in
der Ruhmeshalle verdient.» Zugleich reklamierte der
Linke-Politiker Eisners politisches Erbe für seine Partei.
«Eisner stand für Frieden, Arbeit und soziale Gerechtigkeit.
Das sind Ideale, die die Sozialdemokraten von heute verraten
haben», sagte Ernst und fügte hinzu: «Eisner wäre
heute in der Linken.»
Es waren chaotische Zeiten, damals im Herbst 1918. Der Erste Weltkrieg
war verloren. In ganz Deutschland rebellierten die Menschen gegen das
Kaiserreich und forderten einen offiziellen Friedensschluss. Die
Revolution schwappte auch nach Bayern. Am 7. November wurden nach einer
Friedensdemonstration auf der Münchner Theresienwiese Kasernen,
öffentliche Einrichtungen und Regierungsgebäude besetzt.
König Ludwig III. floh aus seiner Hauptstadt.
Am Tag darauf erklärte Eisner die Herrschaft des Hauses
Wittelsbach für beendet und proklamierte die Republik Bayern. Er
selbst wurde erster Ministerpräsident. Bei den Landtagswahlen am
12. Januar 1919 verlor jedoch Eisners Unabhängige
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) deutlich. Wahlsieger
waren die Mehrheitssozialdemokratische Partei Deutschlands (MSPD) und
die Bayerische Volkspartei (BVP). Nur dreieinhalb Monate nach seiner
Revolution wurde Eisner von dem Rechtsextremisten Anton Graf von Arco
auf offener Straße in München erschossen. Eisner war gerade
auf dem Weg in den Landtag, um seinen Rücktritt zu erklären.
Die Geschichte dieser Tage wird am 25. November detailliert in einer
großen Ausstellung im Münchner Literaturhaus gezeigt. Das
Institut für Bayerische Geschichte der
Ludwig-Maximilians-Universität hat dafür unter dem Titel
«Revolution! Bayern 1918/19» vor allem politische Plakate
und Handzettel zusammengestellt. Das Projekt wurde maßgeblich
unterstützt vom Haus der Bayerischen Geschichte. Dessen
Projektleiter Josef Kirmeier sagte, über die damaligen
revolutionären Ereignisse gebe es heute noch viele
«Ressentiments». Deshalb setzte er auf großes
Interesse an der wissenschaftlichen Aufarbeitung.
(Quelle: ddp)
Vor 70 Jahren: Brennende Synagogen und Hunderte Tote
Sa.08.11.08 - Überall im Deutschen Reich brannten Synagogen, Scheiben
jüdischer Geschäfte wurden zertrümmert, Wohnungen
verwüstet, jüdische Bürger misshandelt und ermordet: Mit
der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 bekam die Judenverfolgung im
Deutschen Reich eine neue, grausame Dimension. «Die
Reichspogromnacht markierte den Übergang von der Diskriminierung
und Ausgrenzung jüdischer Deutscher hin zur systematischen
Verfolgung und Ermordung wehrloser Kinder, Frauen und
Männer», sagt die Präsidentin des Zentralrats der
Juden, Charlotte Knobloch. Am Sonntag jährt sich die Terrornacht
zum 70. Mal.
Knobloch hat diese Stunden der Verwüstung als kleines Mädchen
selbst erlebt. Und noch heute fällt es ihr schwer, darüber zu
sprechen. Sechs Jahre war sie alt, als sie an der Hand ihres Vaters vor
der brennenden Synagoge in der Herzog-Rudolf-Straße in
München stand. «Ich hatte Angst, und die Zukunft hatte
für mich aufgehört zu existieren», sagte sie einmal. Es
war vor allem der Anblick der Menschen, die wortlos die Zerstörung
verfolgten, der das Kind fassungslos machte. Niemand habe etwas
unternommen. «Da bin ich damals in Tränen
ausgebrochen», sagt sie - und die Erinnerung daran treibt ihr
auch 70 Jahren später noch Tränen in die Augen.
Eingeleitet worden waren die Terrorakte in München durch eine
antisemitische Hetzrede von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels. Im
Alten Münchner Rathaussaal gedachten hohe NS-Funktionäre an
jenem Abend des gescheiterten Hitler-Putsches vom 9. November 1923. In
seiner Rede machte Goebbels die Juden kollektiv für den Tod des
deutschen Diplomaten Ernst vom Rath in Paris verantwortlich, der kurz
zuvor den Folgen eines Attentats erlegen war. Der Propagandaminister
lobte die angeblich spontanen ersten Pogrome gegen Juden in Kurhessen
und Magdeburg-Anhalt und betonte, dass die Partei weitere Aktionen zwar
nicht organisieren, aber auch nicht behindern werde.
Die anwesenden Gauleiter und SA-Führer verstanden dies als
Aufforderung zum Handeln: Telefonisch gaben sie ihren örtlichen
Dienststellen Anweisungen für judenfeindliche Aktionen. Das
Ausmaß der Zerstörung der Novemberpogrome ist bis heute
nicht abschließend erforscht. Die Forscher des Synagogue Memorial
in Jerusalem sprechen von rund 1500 zerstörten Synagogen und
Betstuben. Ferner seien etwa 7500 jüdische Geschäfte,
Tausende Wohnungen, Dutzende Gemeindehäuser und Friedhofskapellen
verwüstet worden.
Ein interner NS-Bericht erwähnt ferner 91 Tote. Die
tatsächliche Opferzahl dürfte aber weit höher liegen.
Das Synagogue Memorial versucht seit Jahren durch Aktenstudium und
persönliche Kontakte zu Hinterbliebenen, die wahre Zahl zu
erforschen. Nach Ansicht der Wissenschaftler wurden allein in der
Pogromnacht ungefähr 400 Juden ermordet, in den Tagen danach
weitere 400. Außerdem wurden nach der Pogromnacht innerhalb
weniger Tage im ganzen Reich etwa 30 000 Juden verhaftet und in
Konzentrationslager deportiert. Hunderte von ihnen kamen in der
Lagerhaft ums Leben.
Im Alten Münchner Rathaus erinnert seit wenigen Jahren eine
Gedenktafel an die Pogromnacht: «Das nationalsozialistische
Regime missbrauchte diesen Ort für die Planung antisemitischer
Verbrechen», heißt es darauf. «Als
Reichskristallnacht war dieses Pogrom Vorstufe der Vernichtung des
europäischen Judentums.»
(Quelle: ddp)
Vor 19 Jahren: Fall der Mauer
Sa.08.11.08 - Eine vage formulierte Entscheidung brachte den Stein ins Rollen: Ganz
plötzlich fiel in den Abendstunden des 9. November 1989 die
Berliner Mauer, die 1961 von der DDR als steinerner Grenzwall zwischen
dem Ost- und dem Westteil der Stadt errichtet worden war.
Das SED-Politbüromitglied Günter Schabowski hatte gegen 19.00
Uhr auf einer internationalen Pressekonferenz bekanntgegeben, dass Visa
für Privatreisen in den Westen nun auch «ohne Vorliegen von
Voraussetzungen beantragt» werden könnten. Genehmigungen
dafür würden «kurzfristig erteilt». Er bezog sich
auf eine brandneue Reiseverordnung, die von der hilflosen
SED-Führung als Reaktion auf die massiven Forderungen nach
Reisefreiheit auf den Weg gebracht worden war.
Die Zeithistoriker sind sich heute einig: Der Fall der Mauer wurde
weder von Schabowski verkündet, noch war er von der
DDR-Führung so gewollt. Aber nicht nur sie, auch die Politiker und
Regierungsapparate in Bonn, in Moskau und Washington, in London und
Paris wurden von der Öffnung der bis dahin scharf bewachten
Staatsgrenze überrascht.
Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU), notierte der Bonner Historiker
Heinrich Potthoff, reagierte auf die neue Reiseverordnung
«zunächst skeptisch, ohne innere Freude, eher geprägt
durch ´die Ungewissheit, wie es weitergehen soll´».
Kanzlerberater Horst Teltschik, gerade mit Kohl zu einem Staatsbesuch
in Warschau, schrieb in sein Tagebuch: «Die Stimmung in der
Kanzlersuite wechselt zwischen Hoffnung und Bangen; Hoffen, dass dies
der Anfang vom Ende des SED-Regimes ist, Bangen, dass eine Massenflucht
in die Bundesrepublik ausgelöst werden könnte.»
In der Tat sind es die «Menschen auf der Straße», die
am 9. November handeln und die neue Reiseregelung als Signal zum
Mauerfall umdeuten. Während die DDR-Oberen auch an diesem Abend in
Sprachlosigkeit verharren, das staatliche Fernsehen und die staatliche
Nachrichtenagentur ADN unkommentiert den Wortlaut des neuen
Reisegesetzes verkünden, «übernehmen die Westmedien die
Interpretationshoheit», wie es der Hamburger Zeithistoriker Klaus
Körner ausdrückte. Die ARD-Tagesschau meldet: «DDR
öffnet Grenze». Die Mauer, berichtet ein Reporter,
«soll über Nacht durchlässig werden».
Tagesthemen-Moderator Hanns-Joachim Friedrichs verkündet um 22.42
Uhr, dass «die DDR-Grenzen ab sofort für jedermann
geöffnet sind. Die Tore in der Mauer stehen weit offen.»
Zehntausende brechen noch spätabends zu den
Grenzübergangsstellen auf, um West-Berlin einen Kurzbesuch
abzustatten. Die verunsicherten Grenzsoldaten handeln aus dem Bauch
heraus und lassen ihre Mitbürger gegen Vorlage des
Personalausweises ungehindert passieren. Am Brandenburger Tor klettern
Menschen über die Mauer und spazieren durch das seit 1961
unzugängliche Tor.
Bundeskanzler Kohl, der sich telefonisch alle Ereignisse der Nacht von
seinem Sprecher Eduard Ackermann schildern lässt, reagiert nun mit
den Worten: «Jetzt wird Weltgeschichte geschrieben.» Zwar
könne niemand einen Zeitpunkt für die deutsche Vereinigung
nennen, «aber das Rad der Geschichte dreht sich schneller».
Dazu der Berliner Historiker Stefan Bollinger: «Kohl hatte
schärfer als alle anderen die Zeichen der Zeit erkannt.»
An der vermutlich bestbewachten Grenze der Welt hatten in den Jahren
der deutsch-deutschen Teilung zwischen 1961 und 1989 viele
Flüchtlinge ihr Leben gelassen. Selbstschussanlagen, Tretminen und
Sperrgräben gehörten zu den Sicherheitsvorkehrungen, mit
denen die DDR-Führung eine «Republikflucht» ihrer
Bürger verhindern wollte. An der Berliner Mauer - genauer: am
Grenzring um Berlin-West - starben nach Angaben der
«Arbeitsgemeinschaft 13. August» 239 Menschen. Etwa 75.000
Menschen wurden nach Angaben der Stasi-Unterlagenbehörde wegen
ihrer Fluchtversuche verurteilt.
(Quelle: ddp)
Studie: Gewaltigste Klimaveränderung seit 5000 Jahren
Sa.08.11.08 - Die Klimaveränderungen auf der Erde sind so stark wie seit 5000
Jahren nicht mehr. Das ist das Ergebnis einer Studie der
Cornell-Universität im US-Bundesstaat New York, die
Ökosysteme in der Arktis und im Nordatlantik untersucht hat. Die
Forscher um den Meeresbiologen Charles Greene analysierten die
wichtigsten Wärme- und Kälteperioden in der Arktis in den
vergangenen 65 Millionen Jahren.
Der Studie zufolge gab es mehrere Temperaturstürze, bei denen die
Durchschnittstemperatur innerhalb weniger Jahre um bis zehn Grad
Celsius sank. Eine Erwärmung wie in den vergangenen 50 Jahren habe
es jedoch seit fünf Jahrtausenden nicht mehr gegeben. Sie sei
"beispiellos" in der Geschichte der Menschheit, sagte Greene.
Die Studie im Fachmagazin "Ecology" veröffentlichte Studie
untersuchte außerdem die Menge an Süßwasser durch
abschmelzendes Gletschereis in den Meeren, die Wasserzirkulation und
Veränderungen in der Tier- und Pflanzenwelt. Der Klimawandel
verursacht demnach eine umfangreiche "Neuordnung" der Ökosysteme.
Als eine bereits sichtbare Veränderung nannten die Forscher die
Entdeckung einer mikroskopisch kleinen Alge aus dem Pazifischen Ozean
im Atlantik, die dort zuletzt vor 800.000 Jahren vorkam.
Auch die Kabeljaubestände im Nordatlantik leiden den Angaben
zufolge nicht nur unter der Überfischung, sondern auch unter der
Klimaveränderung. Einströmendes, kaltes Schmelzwasser
behindere die Fortpflanzung der Fische, erklärten die Forscher. Es
werde durch den Klimawandel Gewinner und Verlierer geben, sagte Greene.
Das gelte jedoch nicht nur für die Zusammensetzung der Arten,
sondern auch für die Menschen.
(Quelle: afp)