+++ So.09.08.08, 15:30
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Irak 1693 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Irakischer Ministerpräsident fordert Stärkung der
Zentralregierung
So.09.11.08 - Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki will mit Hilfe
einer Verfassungsänderung die Zentralregierung in Bagdad
stärken. Al-Maliki erklärte am Samstag, die Themen Sicherheit
und Außenpolitik sollten allein in der Verantwortung der
Zentralregierung liegen, während die Provinzen über
Investitionen und Verwaltungsangelegenheiten selbst entscheiden
könnten.
Die Worte des Regierungschefs waren offenbar an die Kurden gerichtet,
die in ihren drei Provinzen im Nordirak weitgehende Autonomie
genießen. Weitere mögliche Adressaten waren die Schiiten,
die eine ähnliche autonome Region aus neun Provinzen im Süden
anstreben. Al-Maliki war Mitglied des Komitees, das 2005 die neue
Verfassung formulierte. Er erklärte jedoch, das Dokument sei
damals in Eile und in einer Zeit des Übergangs verfasst worden.
Jetzt sei die Zeit gekommen, die Verfassung zu überarbeiten.
Sein Stellvertreter Barham Saleh erklärte unterdessen, der Irak
sei noch immer auf die US-Streitkräfte angewiesen, um die
Sicherheit zu gewährleisten. Er warnte vor einem juristischen
Vakuum für den Fall, dass das UN-Mandat, unter dem die
amerikanischen Truppen im Irak operieren, Ende des Jahres auslaufe.
Derzeit bemühen sich beide Seiten um ein Nachfolgeabkommen.
(Quelle: ap)
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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 09.11.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am 1325sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Untersuchung - 37 afghanische Zivilisten bei Luftangriff getötet
So.09.08.08 - Bei einem US-Luftangriff in Afghanistan sind einer militärischen
Untersuchung zufolge in der vergangenen Woche 37 Zivilisten
getötet und 35 weitere verletzt worden.
Zu dem Vorfall im Süden des Landes sei es gekommen, nachdem
Taliban-Rebellen ein Dorf als Deckung für einen Angriff
missbraucht hätten, erklärte das US-Militär am Samstag.
Dies gehe aus einer gemeinsamen Untersuchung des afghanischen und des
US-Militärs hervor. Mindestens 150 afghanische Zivilisten kamen in
diesem Jahr bereits bei US-Luftangriffen ums Leben. Präsident
Hamid Karsai hat die zivilen Opfer im Kampf gegen die islamistischen
Rebellen als größte Belastungsprobe für das
Verhältnis zu den USA bezeichnet.
Dorfbewohnern zufolge seien zahlreiche Taliban-Kämpfer in das Dorf
Wech Baghtu eingedrungen und hätten aus den Häusern eine
gemeinsame Patrouille afghanischer und amerikanischer Soldaten
beschossen, erklärte das US-Militär. Die Extremisten
hätten zudem die Einwohner an der Flucht gehindert. Die durch
einen Straßenblockade von ihrer Einheit abgeschnittene Patrouille
habe schließlich die Luftwaffe zu Hilfe gerufen. Die US-Armee und
die von der Nato geführte Afghanistan-Schutztruppe Isaf
beschuldigen die Taliban, häufig von Wohngebieten aus anzugreifen,
um Opfer unter der Zivilbevölkerung zu provozieren.
(Quelle: rtr)
UN melden Blutbad in kongolesischer Stadt
So.09.08.08- Rebellen und regierungsnahe Milizen haben im Ostkongo ein Blutbad unter
der Bevölkerung angerichtet. In der Stadt Kiwanja wurden nach
Angaben der Vereinten Nationen mindestens 26 Menschen ermordet,
vermutlich gab es weit mehr Opfer. Es seien «nicht hinnehmbare
Kriegsverbrechen» verübt worden, erklärte der
UN-Gesandte für den Kongo, Alan Doss. Die UN-Truppen gerieten
unter Beschuss und konnten die Menschen nicht schützen.
Es habe zwei Wellen des Terrors in der vergangenen Woche gegeben,
teilten die UN mit. Zuerst seien die auf Seiten der Regierung
kämpfenden Mai-Mai-Milizen über die Ortschaft rund 80
Kilometer nördlich von Goma hergefallen und hätten Einwohner
umgebracht, denen sie Unterstützung der Tutsi-Rebellen von Laurent
Nkunda vorwarfen. Dann hätten die Rebellen die Kontrolle über
das Gebiet errungen und alle umgebracht, die sie der Zusammenarbeit mit
den Milizen beschuldigten. Außerdem wurden Häuser
geplündert und in Brand gesteckt.
Der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch lagen Berichte von
mehr als 50 Toten vor. Augenzeugen sagten der Nachrichtenagentur AP,
die Rebellen hätten viele ihrer Opfer praktisch mit
Kopfschüssen hingerichtet. Einige der Toten hätten sie in
Militäruniformen gekleidet. Die Rebellen töteten nach
UN-Angaben offenbar mehr Menschen als die Milizen.
Die UN-Truppen im Kongo (MONUC) gerieten nach Angaben von Sprecher
Jean-Paul Dietrich zu Beginn der ersten Terrorwelle am Dienstag selbst
unter Beschuss. Sie schossen zurück und brachten Mitarbeiter von
Hilfsorganisationen in Sicherheit, die Bevölkerung konnten sie
aber nicht retten. «Leider können wir nicht jede Person in
den Kivu-Provinzen schützen», räumte Doss auf einer
Pressekonferenz ein. In Kiwanja sind 120 MONUC-Soldaten stationiert.
Unzählige Menschen sind vor den Überfällen und
Kämpfen in der Provinz Nord-Kivu auf der Flucht. Allein seit
August flohen rund 250.000 Einwohner aus ihren Dörfern oder aus
Lagern, in denen sie zuvor Zuflucht gesucht hatten. Insgesamt werden in
der Region rund 800.000 Flüchtlinge vermutet.
Angesichts der Eskalation im Ostkongo wächst bei den Vereinten
Nationen 14 Jahre nach den Massakern in Ruanda die Sorge vor einem
weiteren Völkermord. Die Konfliktparteien sollten auf alle
Aktionen verzichten, die eine solche Entwicklung vorantreiben
könnten, erklärte am Freitag der Sonderberater von
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zur
Völkermord-Prävention, Francis Deng.
Die Gewalt der vergangenen Wochen sei alarmierend, hieß es in
einer in New York veröffentlichten Erklärung Dengs. Wer in
dieser Region ethnisch motivierte Gewalt forciere, werde zur
Verantwortung gezogen. «Die Absicht, eine ethnische
Bevölkerungsgruppe ganz oder teilweise zu vernichten, ist ein
schweres Verbrechen», das die Staatengemeinschaft verhindern
müsse. Die jüngsten Kämpfe begannen am 28. August mit
einer Offensive Nkundas gegen die Regierungstruppen, die Mai-Mai-Miliz
und Hutu-Extremisten, die nach dem Völkermord in Ruanda und der
anschließenden Machtübernahme der Tutsi in den Kongo flohen.
Auf einem Kongo-Gipfel der Afrikanischen Union in Nairobi kritisierten
am Freitag mehrere Staats- und Regierungschefs die UN-Friedenstruppe,
weil sie es nicht vermocht habe, die Zivilbevölkerung in der
Krisenregion zu schützen. UN-Generalsekretär Ban räumte
in Nairobi ein, dass die 17.000 Mann starke Truppe an ihren
Leistungsgrenzen angelangt sei. Während der Konferenz trafen die
Präsidenten des Kongos und Ruandas, Joseph Kabila und Paul Kagame,
zu einer fünf Minuten dauernden Begegnung zusammen. Kabila wirft
Kagame vor, die Tutsi-Rebellen zu unterstützen.
Noch während der Konferenz wurden neue Kämpfe gemeldet. Am
Samstag rückten kongolesische Soldaten auf Rebellenstellungen
nördlich von Kibati vor, einem Ort zehn Kilometer nördlich
von Goma. Nahe der Provinzhauptstadt standen hunderte Soldaten entlang
der Straße. Unter ihnen sahen AP-Reporter Portugiesisch
sprechende Männer mit grünen Baretten, auf denen Anstecker
mit der Silhouette Angolas prangten.
UN-Generalsekretär Ban dementierte Informationen, wonach Truppen
aus Angola aufseiten der Regierungstruppen in die Kämpfe bei Goma
eingegriffen hätten. UN-Sprecherin Sylvie van den Wildenberg
sagte, möglicherweise könnten Kongolesen, die im Exil in
Angola auf der Seite von Separatisten gekämpft hatten, für
Angolaner gehalten werden.
(Quelle: ap)
Nahost-Quartett sieht Fortschritte im Friedensprozess
So.09.08.08- Im Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern hat das
sogenannte Nahost-Quartett eine positive Zwischenbilanz gezogen. Es
gebe "substanzielle" Fortschritte, hieß es in einem Entwurf zu
einer Erklärung des Quartetts, das im ägyptischen Badeort
Scharm el Scheich zusammenkam. Zugleich forderten die Vereinten
Nationen, die USA, die Europäische Union und Russland erneut einen
Stopp des Siedlungsbaus in den Palästinensergebieten.
"Das Quartett ruft dazu auf, die Anstrengungen für einen Frieden
im Rahmen der Bemühungen von Annapolis fortzusetzen", hieß
es in der Abschlusserklärung, die UN-Generalsekretär Ban Ki
Moon vortrug. Sowohl Palästinenserpräsident Mahmud Abbas als
auch Israels Außenministerin Zipi Livni bekundeten laut Ban, den
vor einem Jahr in Annapolis bei Washington begonnenen Friedensprozess
fortführen zu wollen. Beide Seiten setzten sich aktiv mit den
zentralen Fragen auseinander, ohne die bestehenden "Gräben und
Hürden" zu verharmlosen, sagte der UN-Generalsekretär.
Das Quartett kam zu einem Zeitpunkt zusammen, da die Bemühungen um
einen Frieden auch wegen der Amtsübergabe der
US-Präsidentschaft und der israelischen Neuwahlen im Februar
nahezu zum Erliegen gekommen sind. Die USA, die ursprünglich ein
Friedensabkommen bis Ende des Jahres angestrebt hatten, haben
mittlerweile eingeräumt, dass eine solche Einigung 2008 nicht mehr
möglich ist.
(Quelle: afp)
China will Beziehungen zu den USA intensivieren
So.09.08.08- China will nach der Wahl von Barack Obama zum zukünftigen
US-Präsidenten die Beziehungen zu den USA intensivieren. Der
Austausch mit den US-Behörden und die Zusammenarbeit mit den
Vereinigten Staaten bei wichtigen internationalen und regionalen Themen
solle ausgebaut werden, erklärte der chinesische Präsident Hu
Jintao laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua nach einem
Telefonat mit Obama.
"China und die USA sollten sich gegenseitig respektieren und für
Belange des anderen Landes Platz bieten", zitierte die
Nachrichtenagentur Hu. Sensible Themen wie Taiwan müssten in einer
sachgerechten Weise angegangen werden. In dem Bericht hieß es
weiter, Hu habe in dem Telefonat deutlich gemacht, dass sich seit der
Aufnahme von diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden
Ländern vor 30 Jahren die bilateralen Beziehungen trotz einiger
Rückschläge weiter entwickelt hätten.
(Quelle: afp)
China beschließt milliardenschwere Investitionen
So.09.08.08- China will in den nächsten beiden Jahren vier Billionen Yuan (460
Milliarden Euro) zur Ankurbelung der Konjunktur investieren. Das
Kabinett habe das Programm am Sonntag beschlossen, hieß es auf
der Website der Regierung. Das Geld soll unter anderem in den
Wohnungsbau, in neue Straßen, Eisenbahnlinien oder Flughäfen
sowie in den Gesundheits- und Bildungssektor fließen.
Die stark von Exporten abhängige chinesische Wirtschaft bekommt
nach und nach die Auswirkungen der Finanzmarktkrise in den USA und
Europa zu spüren. Das Wirtschaftswachstum hat sich im dritten
Quartal auf neun Prozent abgeschwächt, den niedrigsten Wert seit
fünf Jahren.
(Quelle: ap)
Indische Mondsonde erreicht Umlaufbahn
So.09.08.08- Indien hat auf seiner ersten Mondmission das Ziel erreicht: Die Sonde
Chandrayaan-1 erreichte am Samstag die Mondumlaufbahn, wie die
Weltraumforschungsorganisation (ISRO) in Neu Delhi mitteilte.
Nach einer 18-tägigen Reise habe die Sonde damit den kritischsten
Moment der Mission überstanden. Fast jede dritte derartige
Mondmission sei bislang an diesem Punkt gescheitert.
Vom 15. November an soll die Sonde den Mond in 100 Kilometern Höhe
umkreisen und Bilder und Daten zur Erde schicken. Mit an Bord ist auch
deutsche Technik: Ein Infrarotspektrometer vom Max-Planck- Institut
für Sonnensystemforschung im niedersächsischen Katlenburg-
Lindau soll dazu dienen, Mineralien und Gesteine auf dem Mond zu orten
und zu identifizieren.
Die knapp 1400 Kilogramm schwere Sonde war am 22. Oktober vom
südindischen Weltraumbahnhof Satish Dhawan nördlich der Stadt
Madras gestartet. Die unbemannte Mission soll mit 80 Millionen Dollar
(60 Millionen Euro) Kosten die bislang billigste Mondmission werden.
Die aufstrebende Wirtschaftsmacht Indien plant für 2011 in
Kooperation mit Russland den Start einer zweiten Mondsonde. Für
2014 oder 2015 plant die ISRO, zwei Astronauten eine Woche lang ins
Weltall zu schicken. 2020 könnte den Plänen zufolge bei einer
bemannten Mondmission der erste Inder den Erdtrabanten betreten.
(Quelle: dpa)
20 Tote bei Gasunfall auf russischem Atom-U-Boot
So.09.08.08- Bei einem Unfall an Bord eines atombetriebenen U-Boots der russischen
Pazifik-Flotte sind nach Militärangaben 20 Menschen ums Leben
gekommen. Bei einer Testfahrt am Samstag auf offener See sei das
Feuerlöschsystem der "Nerpa" (zu Deutsch: Robbe) plötzlich
losgegangen, sagte Marinesprecher Igor Dygalo. Die drei Offiziere sowie
17 Konstrukteure und Werft-Techniker starben nach Angaben eines
Vertreters der russischen Generalstaatsanwaltschaft an einer
Gasvergiftung. Das Boot und sein Atomreaktor sollen nicht
beschädigt worden sein.
Nach Angaben des Marinesprechers waren während des Unfalls 208
Menschen an Bord des U-Boots, neben 81 Marinesoldaten vor allem
Konstrukteure sowie Techniker der Werft. Das U-Boot selbst sei nicht
beschädigt worden. Nach Berichten der Nachrichtenagentur Ria
Nowosti ereignete sich der Unfall im russischen Teil des Japanischen
Meers. Laut einem Militärexperten wurde das Löschsystem durch
"technische Fehler" ausgelöst - möglicherweise durch
Programmier- oder Betriebsfehler der Konstrukteure, die an Bord Tests
vorgenommen hätten.
Die drei Offiziere sowie 17 Konstrukteure und Werft-Techniker kamen
laut Generalstaatsanwaltschaft durch das Kältemittel Freon ums
Leben, das nach dem Auslösen des Feuerlöschsystems
ausgetreten war. Der Brandschutz bei U-Booten ist sehr kompliziert.
Bricht ein Feuer aus, wird der betroffenen Kammer Sauerstoff entzogen
oder der Brand mit Hilfe eines Gases erstickt - für die Menschen,
die sich in der Kammer aufhalten, wird es lebensgefährlich.
Nach der schweren Havarie lief das Atom-U-Boot "Nerpa" in einen Hafen
im äußersten Südosten Russlands ein. Das Schiff der
Akula-Klasse machte in Bolschoi Kamen fest, wie ein Sprecher der
Wostok-Werft in Wladiwostok sagte. Die Leichen der 20 Toten seien
bereits nach Nachodka, Wladiwostok und Bolschoi Kamen gebracht worden.
Ein Marinesprecher versicherte, das Boot und sein Atomreaktor seien
nicht beschädigt, an Bord sei keine erhöhte
Radioaktivität gemessen worden.
Präsident Dmitri Medwedew verlangte umfassende Aufklärung des
Vorfalls sowie "größtmögliche Unterstützung"
für die Hinterbliebenen der Opfer. Militärstaatsanwälte
der Pazifik-Flotte nahmen inzwischen Ermittlungen auf.
Der Unfall ruft Erinnerungen an die Katastrophe der "Kursk" am 12.
August 2000 wach: Nach der Explosion eines Torpedos war das Atom-U-Boot
in der Barentssee gesunken, alle 118 Seeleute an Bord starben.
(Quelle: afp)
Grünen-Streit über Energiepolitik
So.09.08.08- Bei den Grünen ist knapp eine Woche vor ihrem Erfurter
Bundesparteitag eine offene Kontroverse über das Tempo der
angestrebten Energiewende ausgebrochen. Während der Energieexperte
der Grünen-Bundestagsfraktion, Hans-Josef Fell, am Wochenende
dafür warb, bereits 2030 den gesamten Strombedarf der
Bundesrepublik aus regenerativen Energien zu decken, wies der
designierte Parteichef Cem Özdemir dies als «nicht
realitätstüchtig» zurück.
Das Thema wird am kommenden Freitag auf dem Delegiertentreffen in
Erfurt eine Rolle spielen, wenn der Parteitag über die
Energiepolitik der Grünen debattiert. Fell hat zu den Beratungen
einen Antrag eingebracht, wonach sich die Grünen eine
100-prozentige Stromversorgung aus regenerativen Energien bereits
für 2030 zum Ziel setzen sollen. Den Delegierten liegt zugleich
ein auch von Özdemir unterzeichneter Gegenantrag der Partei- und
Fraktionsführung vor, in dem lediglich das Ziel bekräftigt
wird, bis 2020 40 Prozent des Stroms aus erneuerbarer Energie zu
gewinnen.
Fell verwies darauf, dass das im Jahre 2000 gesetzlich formulierte Ziel
eines 12,5-prozentigen Anteils der erneuerbaren Energien am
Stromverbrauch bereits 2007 mit mehr als 15 Prozent übertroffen
worden sei. Dabei stehe die Nutzung von Technologien wie Geothermie
oder Offshore-Wind mit ihren «riesigen Potenzialen» erst am
Anfang.
Damit ließen sich «schon 2015 mehr als 30 Prozent Strom aus
erneuerbaren Energien, 2022 schon über 60 Prozent und
spätestens 2030 eine Vollversorgung erreichen»,
argumentierte der Grünen-Politiker. Mit einem beschleunigten
Wachstum könne sogar die gesamte Energieversorgung Deutschlands
bis 2040 auf erneuerbare Energien umgestellt werden, fügte der
energiepolitische Sprecher der Grünen-Fraktion hinzu. Erleichtert
würde dies «durch das Ausschöpfen der
Einsparpotenziale».
Özdemir, der auf der Bundesdelegiertenkonferenz für den
Parteivorsitz kandidiert, mahnte dagegen, das Energiekonzept der
Grünen müsse auch «im Grundlastbereich»
funktionieren, und zwar so, «dass wir dabei die Wirtschaft
mitnehmen». Es sei ein Erfolg der Grünen, dass der Anteil
erneuerbarer Energien an der Stromversorgung heute bei rund 15 Prozent
liege und bis zu 300 000 Arbeitsplätze im Bereich dieser
Umwelttechnologien entstanden seien. Diesen Erfolg dürften die
Grünen «nicht dadurch zerreden und kaputtmachen, indem wir
den Eindruck erwecken, dass wir hier nicht seriös agieren».
(Quelle: ddp)
Bei Deutscher Post steht drastischer Stellenabbau bevor
So.09.08.08- Die Deutsche Post steht nach einem Zeitungsbericht vor einem
drastischen Stellenabbau. Das entsprechende "Sparprogramm" werde der
Vorstandsvorsitzende Frank Appel am Montag präsentieren, berichtet
die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Intern sei bereits von
einem "schwarzen Montag" die Rede. Mehrere tausend Arbeitsplätze
sind demnach gefährdet - vor allem in den Vereinigten Staaten, wo
das Unternehmen seit Jahren Einbußen in Milliardenhöhe
verzeichne. Allein für das laufende Jahr rechne der Konzern mit
1,3 Milliarden Dollar Verlust in den USA - fünf Millionen Dollar
jeden Tag.
Appel sei entschlossen, das missglückte Abenteuer zu beenden,
berichtet die "F.A.S." Der Post-Vorstand wolle sich aus allen
Engagements zurückziehen, deren Risiken er für nicht mehr
überschaubar halte. Damit sei zwangsläufig ein massiver
Stellenabbau verbunden. 40.000 Jobs sind demnach in den USA bedroht -
20.000 bei der Post direkt, noch mal so viele bei den Partnern vor Ort.
Zudem kürze die Post weltweit die Verwaltungskosten. Davon seien
auch Stellen in Deutschland betroffen.
(Quelle: afp)
Immer weniger entscheiden sich für ein Studium
So.09.08.08- Immer mehr Abiturienten verzichten verschiedenen Untersuchungen zufolge
auf ein Studium. Darauf hat der Präsident des Deutschen
Studentenwerkes (DSW), der Bildungsforscher Rolf Dobischat, aufmerksam
gemacht.
2002 gaben danach 27 Prozent der Abiturienten und jungen Menschen mit
Fachhochschulreife an, nicht studieren zu wollen. Vom Jahrgang 2006
waren dies bereits 32 Prozent, sagte Dobischat am Sonntag auf einer
Tagung in Berlin. Auch 2007 habe sich dieser Trend fortgesetzt.
Dobischat forderte Bund und Länder zu einer Kurskorrektur auf. Die
in den vergangenen Jahren erheblich ausgeweiteten
Zulassungsbeschränkungen an den Universitäten müssten
deutlich reduziert, Studiengebühren abgeschafft, das Bafög
verbessert und auch mehr Stipendien eingeführt werden.
(Quelle: dpa)