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Irak 1695 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Zwei Tote bei Bombenanschlägen in Bagdad
Di.11.11.08 - Bei zwei Bombenanschlägen im morgendlichen Berufsverkehr sind am
Dienstag in Bagdad mindestens zwei Menschen getötet und 15
verletzt worden. Der erste Sprengsatz detonierte nach Angaben von
Sicherheitskräften in der Nähe eines Lkw, der im Osten der
irakischen Hauptstadt Zeitungen ausfuhr. Die zweite Explosion traf kurz
darauf eine Gruppe Verkäufer, die auf die Lieferung gewartet
hatte. Bereits am Montag hatte es in Bagdad zwei kurz
aufeinanderfolgende Anschläge gegeben. Dabei wurden mindestens 31
Menschen in den Tod gerissen.
(Quelle: ap)
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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 11.11.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am 1327sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Obama hat noch nicht über Guantanamo-Häftlinge entschieden
Di.11.11.08 - Der nächste US-Präsident Barack Obama hat nach Angaben eines
führenden Beraters noch nicht über den weiteren Umgang mit
den Häftlingen im Lager Guantanamo entschieden.
Obama sei aber entschlossen, das umstrittene Lager auf Kuba zu
schließen, sagte sein Berater Denis McDonough am Montag. Es sei
nicht gelungen, die terrorverdächtigen Insassen erfolgreich
anzuklagen. Derzeit sind dort noch etwa 255 Männer inhaftiert, die
als Al-Kaida- oder Taliban-Kämpfer beschuldigt werden. Seit der
Eröffnung im Jahr wurden dort mehr als 750 Menschen unter
Bedingungen festgehalten, die von Menschenrechtlern als
entwürdigend bewertet wurden.
Den Afghanistan-Konflikt will der künftige US-Präsident einem
Zeitungsbericht zufolge mit einem stärkeren regionalen Ansatz
eindämmen. Dazu seien Gespräche mit dem Erzrivalen Iran
denkbar, meldete die "Washington Post" unter Berufung auf
Sicherheitsberater Obamas. Zugleich wolle er daran festhalten, Tausende
weitere US-Soldaten an den Hindukusch zu entsenden und sich erneut auf
die Gefangennahme von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden zu konzentrieren.
Der deutsche Verteidigungsminister Franz-Josef Jung bekräftigte in
der ARD die Entschlossenheit, den Bundeswehreinsatz nicht auf den
besonders umkämpften Süden Afghanistans auszudehnen.
(Quelle: rtr)
Obama von Bush im Weißen Haus empfangen
Di.11.11.08 - Der künftige US-Präsident Barack Obama ist am Montag von
Amtsinhaber George W. Bush im Weißen Haus empfangen worden. Obama
und seine Frau Michelle trafen am Montagnachmittag (Ortszeit) vor dem
Präsidentensitz in Washington ein und wurden von Bush und seiner
Frau Laura wie Gäste bei einem Staatsbesuch begrüßt.
Weder der amtierende noch der künftige Präsident
äußerten sich nach dem rund zweistündigen Gespräch
vor Journalisten.
Der Besuch wurde offiziell als privates Treffen bezeichnet, doch war
klar, dass Bush und Obama auch über die zahlreichen politischen
Herausforderungen sprechen würden, die vor dem neuen
Präsidenten liegen. Diese reichen von der Wirtschaftskrise bis zu
den Kriegen im Irak und in Afghanistan. Er gehe mit dem Gefühl in
das Treffen, dass eine Zusammenarbeit aller Parteien angesichts der
derzeitigen schwierigen Lage notwendig sei und dass dies auch allen
bewusst sei, hatte Obama in der vergangenen Woche erklärt.
Bush geleitete Obama denn auch gleich ins Oval Office. Sein Stabschef
Josh Bolten erklärte: «Ich bin sicher, dass jeder von ihnen
eine Liste mit Themen hat. .... Ich weiß, dass der Präsident
versuchen wird, Obama seine Vorstellung von der Führung der
Amtsgeschäfte zu vermitteln. Aber wie das genau verlaufen wird,
weiß ich auch nicht.» Obamas Sprecher Robert Gibbs
erklärte, beide Politiker hätten ausführlich über
die Wirtschaftslage und über die Außenpolitik gesprochen.
In seinem Wahlkampf hatte der Demokrat Obama seinen republikanischen
Konkurrenten John McCain immer wieder mit der Politik von Bush in
Verbindung gebracht, die er als gescheitert bezeichnete. Bush hatte
zwar McCain unterstützt, würdigte dann aber den Sieg Obamas,
der nun als erster Schwarzer ins Weiße Haus einzieht, als Triumph
der Geschichte Amerikas. Obama tritt sein Amt am 20. Januar an.
Die derzeitige und die künftige First Lady zogen sich am Montag zu
einem eigenen Gespräch unter vier Augen zurück. Laura Bush
führte Michelle Obama rund eine Stunde durch alle Zimmer und
sprach mit ihr über das Leben im Weißen Haus, wie Bushs
Sprecherin Sally McDonough erklärte. Michelle Obama sah sich in
Washington außerdem mindestens zwei Privatschulen an, die
für die zehnjährige Malia und die sieben Jahre alte Sasha in
Frage kommen könnten. Die Mädchen besuchen derzeit eine
Privatschule in Chicago.
(Quelle: ap)
WTO-Chef Lamy fordert harte Regeln für das Finanzsystem
Di.11.11.08 - Vor dem Weltfinanzgipfel am Wochenende in Washington hat der
Generaldirektor der Welthandelsorganisation, Pascal Lamy, harte
internationale Regeln zur Stabilisierung des Finanzsektors gefordert.
"Es müssen harte Regeln sein", sagte Lamy dem "Handelsblatt". Der
Franzose verlangte "verbindliche internationale Abkommen, die den Biss
haben, auch in die Souveränität der Nationalstaaten
einzugreifen".
Lamy brachte als Modell für eine neue globale Finanzinstitution
die Welthandelsorganisation (WTO) ins Spiel: "Die Leute schauen auf die
WTO, weil hier die Regeln auch durchgesetzt werden. Das wird von allen
souveränen Mitgliedsstaaten akzeptiert - auch von den USA."
(Quelle: afp)
OECD warnt vor schweren Folgen des Klimawechsels bis 2030
Di.11.11.08 - Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) hat Politik, Wirtschaft und Verbraucher zu
entschlossenem Klima- und Umweltschutz aufgefordert. Andernfalls
drohten bis zum Jahr 2030 unter anderem ein Temperaturanstieg um 1,7
bis 2,4 Grad Celsius, ein massives Artensterben sowie zunehmende
Wasserknappheit und Gesundheitsprobleme durch Luftverschmutzung, warnt
die Studie "OECD-Umweltausblick bis 2030". Ein Maßnahmenpaket zum
Schutz von Klima und Umwelt ließe sich demnach mit rund einem
Prozent der Weltwirtschaftsleistung des Jahres 2030 finanzieren. Bei
Untätigkeit sei mit höheren Kosten zu rechnen.
Derzeit bestehe eine "echte Chance" für "ehrgeizige
Politikänderungen" im Kampf gegen die größten
Umweltprobleme und für mehr Nachhaltigkeit, urteilt die Studie.
Priorität hätten dabei Energie, Verkehr, Landwirtschaft und
Fischerei - diese Sektoren seien maßgeblich für die
Verschlechterung des Umweltzustands verantwortlich. Ebenfalls
"unerlässlich" sei es, Anreize für Umweltinnovationen zu
schaffen und - neben den OECD-Ländern als Vorreiter - insbesondere
Schwellenländer wie China oder Indien mit einzubeziehen.
Konkreter schlägt die OECD unter anderem vor, erneuerbare Energien
und Energieeffizienz stärker zu fördern, zudem müssten
bei den Energiepreisen die CO2-Kosten in vollem Umfang durchschlagen.
Es gelte, die Entwicklung neuer Verkehrstechnologien wie Hybridautos zu
fördern sowie Verfügbarkeit, Taktung und Sicherheit
öffentlicher Verkehrsmittel zu erhöhen. In der Landwirtschaft
müssten umweltschädliche Subventionen abgeschafft und der
Einsatz von Chemikalien mithilfe von Steuern gebremst, die Fischerei
stärker reguliert werden.
Das vorgeschlagene globale Maßnahmenpaket ermögliche es, den
Anstieg des weltweiten CO2-Ausstoßes bis 2030 auf 13 Prozent zu
beschränken - gegenüber 37 Prozent bei umweltpolitischem
Nichtstun, so die OECD-Studie. Die veranschlagten Kosten von einem
Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung des Jahres 2030 bedeuteten
demnach eine jährliche Einbuße beim globalen
Wirtschaftswachstum von 0,03 Prozent. Mit jährlichen
Wachstumsabstrichen von durchschnittlich 0,1 Prozent ließe sich
der Studie zufolge der weltweite Ausstoß des Treibhausgases CO2
sogar um 39 Prozent gegenüber 2000 senken.
Bei einem ungebremst fortgesetzten Klimawandel drohten unter anderem
vermehrte Hitzewellen, Dürreperioden, Stürme und
Überschwemmungen, warnt die Studie. Ein sofortiges Handeln
eröffne dagegen "'Win-Win-Chancen' für Umwelt, menschliche
Gesundheit und Wirtschaft", dabei sei der Schutz der Umwelt "mit einem
fortgesetzten Wirtschaftswachstum vereinbar".
(Quelle: afp)
Rebellenchef droht mit Sturz von Kongo-Regierung
Di.11.11.08 - Der kongolesische Rebellengeneral Laurent Nkunda hat mit dem Sturz der
Regierung in Kinshasa gedroht, sollte er nicht an den Verhandlungen
über eine politische Lösung des Konflikts im Ostkongo
beteiligt werden.
«Wenn er (Präsident Joseph Kabila) nun Verhandlungen
ausschließt, wird er nicht in der Lage sein, das Land zu
führen und zu regieren», sagte Nkunda dem britischen
Rundfunksender BBC. Nkunda, der mit seiner etwa 6000 Mann starken
Rebellenarmee derzeit vor der Provinzhauptstadt Goma in der Region Nord
Kivu steht, war nicht zu dem von den UN und der Afrikanischen Union
(AU) in der vergangenen Woche in Nairobi organisierten
Kongo-Krisengipfel eingeladen worden.
Zugleich betonte Nkunda, der von ihm einseitig erklärte
Waffenstillstand sei immer noch gültig. Seine Truppen hätten
in den vergangenen Tagen nur gekämpft, um auf Angriffe zu
reagieren. In der vergangenen Woche war es zu heftigen Gefechten
zwischen Nkundas Kämpfern und den regierungstreuen Mai Mai-Milizen
nördlich von Goma gekommen.
(Quelle: dpa)
China verweigert Stellungnahme zu Foltervorwürfen
Di.11.11.08 - China hat eine detaillierte Stellungnahme zu Folterwürfen seitens
der Vereinten Nationen abgelehnt. Die Regierung in Peking praktiziere
«Nulltoleranz gegenüber jeglicher Folter»,
erklärte der chinesische Botschafter bei der UN-Vertretung in
Genf, Li Baodong, am Montag vor dem UN-Ausschuss gegen Folter. Er
verweigerte jedoch die Antwort auf gezielte Fragen zum Verschwinden von
Dissidenten oder der Misshandlung von Gefangenen.
Der UN-Ausschuss hat China wiederholt beschuldigt, die
Anti-Folter-Konvention aus dem Jahre 1984 nicht einzuhalten. Deshalb
wurden auch am Montag detaillierte Informationen zu
Foltervorwürfen verlangt, die von Menschenrechtsgruppen wie
Amnesty International erhoben werden. Dabei wurden eine
Geheimniskrämerei der chinesischen Justiz und die Verfolgung von
Anwälten angeprangert, die Missbrauchsfälle publik machen. Li
und die 31 übrigen Mitglieder der chinesischen Delegation in Genf
betonten indessen, dass die Justiz das Folterverbot auf breiter Basis
anerkenne.
(Quelle: ap)
Deutsche Post kehrt USA den Rücken - Abbau von 9500 weiteren
US-Arbeitsplätzen bei der Post-Tochter DHL
Di.11.11.08 - Die Deutsche Post wird 2008 wegen der Milliarden-Verluste im
US-Expressgeschäft erstmals seit vielen Jahren rote Zahlen
schreiben. Sie verabschiedet sich Ende Januar aus diesem
defizitären Geschäft in den USA.
Damit verbunden ist der Abbau von 9500 weiteren US-Arbeitsplätzen
bei der Post-Tochter DHL, teilte der Konzern am Montag in Bonn mit.
Insgesamt fallen damit 14 900 Jobs weg. Die internationalen Sendungen
aus und in die USA sollen im globalen DHL-Netz aber
uneingeschränkt erhalten bleiben, ebenso das
Logistik-Geschäft mit Spedition. Insgesamt will die Post weltweit
in wirtschaftlich schwieriger Zeit weiter sparen. Es gebe derzeit aber
keine Pläne für einen Arbeitsplatzabbau in Deutschland,
versicherte Post-Chef Frank Appel.
Insgesamt bezifferte Appel die seit fünf Jahren angehäuften
Aufwendungen für das US-Engagement auf rund 7,5 Milliarden Euro.
Vor allem wegen der Sanierungskosten in den USA in Milliardenhöhe
wird die Post in diesem Jahr erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt
rote Zahlen schreiben. Zur Höhe des Verlusts wollte Appel keine
Angaben machen. Seit dem Börsengang im Jahr 2000 hatte das
frühere Staatsunternehmen stets Milliardengewinne eingefahren.
Trotz des erwarteten Nettoverlusts geht Appel davon aus, dass eine
Dividende gezahlt wird.
Von rund 18 400 Beschäftigten bei DHL-Express in den USA wird die
Post nach dem radikalen Einschnitt nur noch 3000 bis 4000 behalten. Sie
sollen nur noch im internationalen Geschäft eingesetzt werden.
Entlassungen sollen sozial abgefedert werden. Wieviel Geld die Post
dafür in die Hand nimmt, sagte Appel nicht. Der Stellenabbau des
Konzerns stieß auf heftige Kritik in den USA und war auch Thema
im US-Wahlkampf.
Alle rein nationalen Sortieranlagen in den USA werden geschlossen. Die
operativen Kosten verringern sich nach Angaben der Post damit von
derzeit 4,2 Milliarden auf 770 Millionen Euro. Die Restrukturierung
werde über zwei Jahre laufen und rund 3 Milliarden Euro kosten.
Der Löwenanteil werde noch in diesem Jahr verbucht.
Die Post-Aktie legte nach den an der Börse positiv aufgenommen
Nachrichten über ein Ende des verlustreichen US-Engagements bis
Montagnachmittag um fast 6,5 Prozent auf knapp zehn Euro zu.
Die Post war in den USA mit dem Ziel angetreten, den Marktführern
UPS und FedEx Paroli zu bieten. Im laufenden Jahr sollen die Verluste
im US-Expressgeschäft vor Einmalkosten voraussichtlich 1,2
Milliarden Euro betragen. Die Post ziehe sich nicht gänzlich aus
den USA zurück, betonte Appel. Zum Ende des Engagements bei der
dortigen nationalen Zustellung habe es aber keine Alternative gegeben.
Die Post sei insgesamt weltweit «hervorragend aufgestellt»,
sagte Appel. Sie werde auch das Abflauen der Konjunktur oder eine
Rezession gut überstehen und gestärkt daraus hervorgehen.
Weitere Maßnahmen zur Kostensenkung dienten auch dazu, den
Konzern «wetterfest» zu machen. Bis Ende 2010 sollen Kosten
in sämtlichen Geschäftsbereichen um rund 1 Milliarde Euro
gesenkt werden.
(Quelle: dpa)
Telekom Austria schickt 1250 Mitarbeiter nach Hause
Di.11.11.08 - Die Telekom Austria AG wird bis Ende 2009 bis zu 1250 Mitarbeiter ihres
Festnetzbereiches vom Dienst freistellen und bildet dafür eine
Rücklage von 630 Millionen Euro.
Unter dem Strich wird der ehemalige Monopolist damit 2008 einen
geringen Verlust ausweisen, versprach aber am Montagabend eine stabile
Dividene von 0,75 Euro zu zahlen.
Der Festnetzbereich verliert seit Jahren konstant Kunden an den
Mobilfunk. Neue Technologien machen bis zu insgesamt 2500 Mitarbeiter
bis zum Jahr 2011 überflüssig, sagte TA-Boris Nemsic am
Montagabend in einer Telefonkonferenz. 9200 Menschen arbeiten zurzeit
im Festnetzbereich, zum Großteil unkündbare Beamte. "Wir
haben konsistent kommuniziert, dass wir davon ausgehen, dass bis zu
2500 Mitarbeiter bis 2011 nicht mehr beschäftigt werden
können", sagte Nemsic.
Ob 2010 und 2011 weitere Rückstellungen erforderlich sein werden,
darauf wollte sich Nemsic nicht festlegen. "2010 oder 2011 werden wir
dann weiter reden", sagte er. Bis dahin könnten sich auch im Markt
wieder Veränderungen ergeben und zum anderen hofft Nemsic noch
immer, dass ihm der Staat einen Teil der Bürde abnimmt.
Seit Monaten versucht die TA mit der Österreichischen Post und
auch der Bundesbahn einen Personalpool zu schaffen.
Überzähliges Personal sollte damit aufgefangen und
anderweitig verwendet werden können. Die Regierung verweigerte
sich diesem Ansinnen bisher, auch weil es Geld kostet.
630 Millionen Euro werden im vierten Quartal in die Bilanz eingestellt,
weil nach IFRS der Nettobarwert der geschätzten künftigen
Personalkosten bis zur Pensionierung notwendig sind, sagte Finanzchef
Hans Tschuden. Darin enthalten sind auch 60 Millionen Euro für
Sozialpläne. Tschuden schätzt, dass etwa 400 Menschen diese
Pläne auch in Anspruch nehmen werden.
Ein Plus von 35 Millionen Euro beim Betriebsergebnis vor Abschreibungen
und Amortisation (EBITDA) erwartet Tschuden 2009. Wieviel dann 2010 an
Kosten gespart wird, hänge davon ab, wieviele Menschen die
Sozialpläne annehmen.
Michael Kolek von der Telekomgewerkschaft übte schwere Kritik an
der TA-Führung. Man werde dagegen "Sturm laufen", wenn das
Unternehmen zu Tode gespart werden soll.
Die TA nannte auch vorläufige Zahlen für das dritte Quartal.
Der Umsatz stieg demnach auf 1,33 (1,28) Milliarden Euro und das EBITDA
auf 539,9 (521,2) Millionen Euro. Der Reuters-Konsensus hatte auf 525
Millionen Euro gelautet. Detaillierte Zahlen will der Konzern am
Mittwoch vorlegen.
Nemsic sagte, operativ werde die TA 2008 planmäßig ein
Umsatzplus von fünf Prozent erzielen. Mit den Rückstellungen
werde das EBITDA um 30 Prozent zurückgehen. Unter dem Strich
dürfte ein kleiner Verlust stehen.
TA-Aktien notierten zuletzt mit 9,70 Euro. Der Börsenwert des
Unternehmens hat sich seit Jahresbeginn halbiert, während der
Sektor nur 38 Prozent verloren hat.
(Quelle: rtr)
Konjunkturerwartungen für Deutschland gestiegen
Di.11.11.08 - Allen ökonomischen Hiobsbotschaften zum Trotz sind die
Konjunkturerwartungen für Deutschland im November wieder
gestiegen. Wie das Zentrum für Europäische
Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag in Mannheim berichtete, legten
die Erwartungen um 9,5 Prozent auf minus 53,5 Punkte zu. Die
Wirtschaftsforscher sehen darin eine «Teilkorrektur zum
Vormonat». Im Oktober waren die Erwartungen angesichts der
Zuspitzung an den Finanzmärkten auf minus 63,0 Punkte
eingebrochen. Der historische Mittelwert liegt bei 27,1 Punkten.
«Das Rettungspaket der Bundesregierung für den Finanzsektor
sowie das geplante Konjunkturprogramm scheinen das Vertrauen der
Finanzmarktexperten im Vergleich zum Vormonat etwas gestärkt zu
haben», erklärte das ZEW. Außerdem dürften die
weltweiten Zinssenkungen den Konjunkturabschwung bremsen,
erläuterten die Forscher weiter.
Das ZEW befragt monatlich Finanzexperten zur Einschätzung der
Konjunktur.
(Quelle: ap)
Mehr als jeder Zweite geht mit Abschlägen in Rente
Di.11.11.08 - Bereits jeder zweite Rentenversicherte muss hohe Abschläge auf
seine Renten hinnehmen, weil er vorzeitig in den Ruhestand geht. Nach
einem Bericht der "Bild"-Zeitung betraf dies im vergangenen Jahr 55,1
Prozent der Neurentner. 2006 waren es 49,6 Prozent gewesen. Im
Durchschnitt erhielten demnach 2007 die Betroffenen ihre Renten 37,2
Monate vor dem eigentlichen Rentenalter. Dafür wurden ihre
Altersbezüge um durchschnittlich rund 100 Euro auf 745 Euro
gekürzt.
Besonders dramatisch ist die Entwicklung laut "Bild" bei Frauen. Im
Westen stieg demnach der Anteil der Neurentnerinnen mit Abschlägen
2007 um 8,8 Prozent auf 49,1 Prozent. Im Osten gab es einen Anstieg um
4,1 Prozent auf sogar 79 Prozent, verglichen jeweils mit dem Stand des
Vorjahres. Der finanzielle Verlust für die Rentnerinnen betrug im
Westen Deutschlands durchschnittlich 89 Euro und in den neuen
Ländern 103 Euro pro Monat.
(Quelle: afp)
Laut Bericht weniger sozialversicherungspflichtige Jobs
Di.11.11.08 - Trotz der Konjunkturbelebung der vergangenen Jahre liegt die Zahl der
sozialversicherten Beschäftigten in Deutschland einem Bericht
zufolge deutlich unter dem Stand von 1995. Bis 2007 ging die Zahl um
1,2 Millionen Stellen beziehungsweise 4,5 Prozent zurück und lag
zuletzt bei 26,9 Millionen, wie die «Chemnitzer Freie
Presse» unter Berufung auf eine Erhebung des Deutschen
Gewerkschaftsbundes (DGB) schreibt. Nach Gewerkschaftsangaben seien vor
allem die Vollzeitjobs erheblich zurückgegangen, während
Teilzeit auf dem Vormarsch sei. Diesen Artikel weiter lesen
Demnach fiel seit Mitte der 90er Jahre vor allem in Ostdeutschland jede
vierte Vollzeitstelle weg. Während 1995 im Osten noch rund 5,7
Millionen Menschen einen Vollzeitjob hatten, waren es Ende 2007 nur
noch etwa 4,2 Millionen und damit beinahe 26 Prozent weniger. In
Westdeutschland war der Rückgang der Vollzeitstellen anteilig
gesehen mit 5,9 Prozent deutlich geringer. Dort sank die Zahl demnach
von knapp 19 auf 17,9 Millionen. In ganz Deutschland gab es dem Bericht
zufolge bis Ende 2007 noch rund 22 Millionen sozial versicherte
Vollzeitbeschäftigte, 1,4 Millionen weniger als zwölf Jahre
zuvor. Das bundesweite Minus beläuft sich damit auf insgesamt 10,5
Prozent.
(Quelle: ap)
Bundeswehr-Einsätze - SPD gegen Koalitionsbeschluss
Di.11.11.08 - Die SPD lehnt laut einem Zeitungsbericht den Koalitionsbeschluss zum
Einsatz der Bundeswehr im Innern weiter ab und will solche Operationen
nur in zwei Ausnahmesituationen zulassen.
«Einsätze der Bundeswehr im Inland soll es nur zur Abwehr
unmittelbar drohender Gefahren aus der Luft oder von See geben»,
sagte Präsidiumsmitglied Ralf Stegner der «Neuen
Osnabrücker Zeitung» nach dem entsprechenden Beschluss einer
SPD-Arbeitsgruppe am Montagabend. «Anderenfalls würde die in
Deutschland bewährte Trennung von innerer und äußerer
Sicherheit verwischt.»
Die Anfang Oktober im Koalitionsausschuss zwischen CDU, CSU und SPD
gefundene Einigung habe demnach keine Chance mehr, sagte der
schleswig-holsteinische SPD-Landeschef der Zeitung. Die
Sozialdemokraten seien aber weiterhin an einer Lösung interessiert.
Die große Koalition hatte zunächst beschlossen, dass die
Bundeswehr zur Abwehr extremer Gefahren auch im Inland mit Waffengewalt
eingreifen darf - wenn die Polizei mit ihren eigenen Mitteln nicht
weiterkommt. Dazu sollte der Artikel 35 des Grundgesetzes ergänzt
werden, der die Amtshilfe bei Katastrophen regelt. Vorgesehen waren
Einsätze nicht nur aus der Luft oder auf See, sondern auch bei
Zwischenfällen auf dem Boden.
(Quelle: dpa)
Atomtransport erreicht Gorleben mit deutlicher Verzögerung
Di.11.11.08 - Begleitet vom massivsten Widerstand seit Jahren hat der elfte
Castortransport ins Wendland kurz nach Mitternacht das Zwischenlager
Gorleben erreicht. Laut Polizei passierten die elf Tieflader mit hoch
radioaktivem Müll um 00.19 Uhr die Einfahrt. Die Polizei musste am
Montag auf der Straßenstrecke von Dannenberg nach Gorleben erst
zahlreiche Blockaden auflösen, ehe der Transport mit erneut
deutlicher Verzögerung ab 23.00 Uhr die knapp 20 Kilometer lange,
letzte Etappe absolvieren konnte.
Schon am Samstag war der Zug aus der französischen
Wiederaufbereitungsanlage La Hague durch eine Ankettaktion an der
deutsch-französischen Grenze 14 Stunden aufgehalten worden. Allein
vor dem Zwischenlager hatten rund tausend Atomkraftgegner fast zwei
volle Tage ausgehalten, ehe die Polizei am Montagnachmittag die
Blockade räumte. An anderen Streckenabschnitten mußten
Treckerblockaden aufgelöst werden. Die längste Zeit
verbrachte die Polizei damit, am späten Montagabend acht
Mitglieder der bäuerlichen Notgemeinschaft im Wendland aus
Betonpyramiden auf der einzigen Zufahrt zum Zwischenlager zu befreien.
Die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg teilte am Montagabend
mit, man habe den bislang "längsten Castortransport hingekriegt,
bleibt ruhig und gelassen". Der Transport vor zwei Jahren hatte 58
Stunden gedauert, dieses Mal waren es knapp 80. Bei den Protesten und
Blockadeaktionen gab es im Wendland am Sonntag und Montag Verletzte auf
beiden Seiten. Der friedliche Protest bei einer Kundgebung am
Wochenende übertraf mit 15.000 Teilnehmern frühere
Veranstaltungen um weit mehr als das Doppelte.
Grünen-Chefin Claudia Roth hatte die Gorleben-Blockierer noch am
Nachmittag zum Durchhalten aufgefordert. Sie sagte im SWR, es sei
gerechtfertigt, den Transport "so lange wie möglich aufzuhalten"
und damit ein deutliches Zeichen gegen eine von Union und FDP geplante
Verlängerung von Akw-Laufzeiten zu setzen. Roth sprach sich gegen
"Vorfestlegungen" aus, die den Salzstock Gorleben trotz der aktuellen
Erfahrungen mit dem maroden Atommülllager Asse zum Endlager machen
wollten. Es müsse endlich wissenschaftlich untersucht werden, ob
nicht Granit- oder Ton-Gesteine in Süddeutschland für ein
Endlager geeigneter seien.
Unionsfraktionsvize Katherina Reiche warf den Grünen erneut vor,
sie machten sich unglaubwürdig, da sie als Regierungspartei
Proteste gegen Atomtransporte als "Teil des rot-grünen
Ausstiegsszenarios" noch abgelehnt hätten.
(Quelle: afp)
Schutz vor Aids scheitert an Pharmakonzernen
Di.11.11.08 - Genfer Forscher haben eine vielversprechende Substanz entdeckt, die
Frauen als Vaginalgel zum Schutz gegen eine HIV-Infektion benützen
könnten. Sie sei billig in der Herstellung, wäre leicht
anzuwenden und effizient.
Doch bis jetzt habe sich keine Pharmafirma dazu bereiterklärt, die
noch notwendigen klinischen Tests durchzuführen, bedauern die
Forscher der Universität Genf.
«Die potenziellen Konsumenten eines Medikaments gegen HIV sind
die ärmsten Menschen dieses Planeten», sagte Olivier Hartley
von der Abteilung strukturelle Biologie und Bioinformatik der
medizinischen Fakultät am Montag der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Er war an der Entwicklung des Wirkstoffs beteiligt, den die Forscher im
US- Fachjournal «PNAS» (Bd. 105, S. 17706) vorstellen.
«Die Kaufkraft dieser Menschen ist gering, deshalb ist die
Industrie nicht interessiert.»
Mit dem in Genf entwickelten Gel hätten Frauen ein Mittel um sich
selbst, unabhängig vom Mann, aktiv zu schützen, sagte
Hartley. Ein großer Teil der nötigen Untersuchungen wurde
bereits am medizinischen Institut in Genf unternommen. So wurde ein
Anti-HIV-Mikrobizid entwickelt, dass die Übertragung des Virus
beim Affen nachweislich verhinderte, sich jedoch als sehr teuer in der
Herstellung erwies. Das Team um Olivier Hartley forschte weiter und
entdeckte ein ähnliches Molekül, das nur einen Bruchteil des
ersten kosten würde. Eben jenes Molekül mit dem Namen
5P12-RANTES, das sich zur Anwendung in einem Gel eignet.
Die Forschungsgruppe der Universität versucht nun, private
Stiftungen und Regierungen für das Projekt zu gewinnen, um die
Tests zu finanzieren. Nicht klar ist, ob die Substanz bei einer
tatsächlichen Anwendung am Menschen Wirkung zeigen würde. In
der Vergangenheit hatten einige Anti-HIV-Mikrobizide im Labor
vielversprechende Ergebnisse erbracht, versagten dann aber bei Studien
an Menschen.
Die Zahl der im Jahr 2007 neu mit HIV Infizierten beträgt nach
Schätzungen des Aids-Bekämpfungsprogramms der Vereinten
Nationen UNAIDS 2,5 Millionen. Weltweit lebten im vergangenen Jahr mehr
als 33 Millionen Menschen mit dem Virus. Etwa 95 Prozent der
Infizierten befinden sich in den Entwicklungsländern und haben
keinen Zugang zu Prävention und Behandlung von HIV und AIDS.
Medikamente sind teuer, das Kondom wird sozial oft nicht akzeptiert.
(Quelle: dpa)