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Irak 1697 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Wieder neun Tote bei Anschlägen in Bagdad
Do.13.11.08 - In Bagdad haben Aufständische eine Serie von Bombenanschlägen
fortgesetzt und erneut mehrere Menschen getötet. Die Polizei
erklärte, die Anschläge am Mittwoch hätten neun Menschen
das Leben gekostet. Mehr als 30 weitere seien verletzt worden.
Zunächst explodierte im morgendlichen Berufsverkehr eine Autobombe
mitten in der Stadt. Vier Menschen wurden getötet, 15 verletzt.
Eine weitere Bombe detonierte in der Nähe einer Schule im
Stadtteil Schaab im Norden von Bagdad. Die US-Streitkräfte
sprachen von sieben Verletzten, während die irakische Polizei
fünf Todesopfer und zwölf Verletzte meldete. Bereits kurz
zuvor war in Schaab eine Bombe explodiert und hatte sieben Menschen
verletzt, darunter drei Polizisten.
An den beiden Tagen zuvor fielen in der irakischen Hauptstadt mehr als
30 Menschen ähnlichen Anschlägen zum Opfer, weitere 70 wurden
verwundet. Die irakischen Streitkräfte kündigten an,
entschlossen gegen die wachsende Zahl terroristischer Angriffe
vorzugehen. Insgesamt hat sich die Sicherheitslage in Bagdad allerdings
in den vergangenen Monaten deutlich verbessert.
(Quelle: ap)
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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 13.11.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am 1329sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Gefälschte 'New York Times' meldet Ende des Irak-Kriegs -
Aktionskünstlergruppe 'The Yes Men' outete sich als Herausgeber
Do.13.11.08 - Eine gefälschte Ausgabe der «New York Times» hat am
Mittwoch mit Datum 4. Juli 2009 und großer Schlagzeile das Ende
des Irak-Kriegs vermeldet (http://www.nytimes-se.com/).
Die täuschend echt wirkende «Sonderausgabe» der
renommierten Tageszeitung berichtete auch über die
Schließung des US-Gefangenenlagers Guantánamo Bay in Kuba
und dass der frühere US-Präsident George W. Bush wegen
Hochverrats angeklagt wurde. Die Aktivisten- und
Aktionskünstlergruppe «The Yes Men» (http://www.theyesmen.org/) outete sich am
Mittwoch als Herausgeber der 14-seitigen Zeitung. Sechs Monate lang
hätten sie an dem Blatt gearbeitet und über eine Million
Exemplare mit Hilfe von tausenden Freiwilligen kostenlos in New York
und anderen US-Städten verteilt.
Unter anderem ist zu lesen, dass sich die frühere
US-Außenministerin Condoleezza Rice für Lügen über
die angeblichen Massenvernichtungswaffen im Irak entschuldigt hat. Das
Blatt berichtet über eine Öl-Steuer zur Finanzierung von
Umweltstudien, den Ausbau von Fahrradwegen in New York und die
Einführung einer nationalen Gesundheitsvorsorge. «Ich denke,
es ist jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Diskussion, was wir
erreichen wollen», sagte «Yes Men»-Mitbegründer
Igor Vamos am Mittwoch der «Albany Times Union». Der
Assistenzprofessor am Rensselaer Polytechnic Institute in New York
erzählte dem Blatt, er habe für die falsche «New York
Times» einen Bericht über das weltweite Verbot von
Massenvernichtungswaffen geschrieben.
Einer der Urheber des Projekts, der sich selbst als «Wilfred
Sassoon» ausgab, sprach von rund 30 beteiligten Autoren. Seinen
Angaben nach lieferten auch einige Mitarbeiter der echten «New
York Times» Artikel ab. Von der renommierten Tageszeitung gab es
zunächst nur einen knappen Kommentar: «Das ist eindeutig
eine gefälschte Ausgabe der Times. Derzeit versuchen wir, mehr
darüber herauszufinden», sagte Sprecherin Catherine J.
Mathis.
Die «Yes Men»-Aktivisten schlossen sich Ende der 90er Jahre
zusammen. Die Globalisierungskritiker gerieten vor allem durch eine
gefälschte Internet-Seite der Welthandelsorganisation WTO in die
Schlagzeilen. Als vermeintlich legitime WTO-Mitarbeiter wurden sie zu
Konferenzen und Vorträgen eingeladen, bei denen sie satirisch
Kritik übten. Ihre Aktionen wurden 2003 in dem
Pseudo-Dokumentarfilm «The Yes Men» beleuchtet. Mehr
Information im Internet unter: http://de.wikipedia.org/wiki/The_Yes_Men
(Quelle: dpa)
Zehn Zivilisten bei Anschlag in Ostafghanistan getötet
Do.13.11.08 - Bei einem Selbstmordanschlag auf einen Konvoi der US-Streitkräfte
im Osten Afghanistans sind mindestens zehn Zivilisten getötet
worden. 55 weitere Menschen wurden verletzt, als der Attentäter
sich mit seinem Auto auf der Straße zwischen Dschalalabad und
Torcham nahe der Grenze zu Pakistan in die Luft sprengte, wie der
Gouverneur des Bezirks Batikot, Chaibar Mohmand, sagte. Wie ein
Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete, ereignete sich der
Anschlag in der Nähe eines Obst- und Gemüsemarktes.
Alle Opfer seien Zivilisten, bekräftigte ein Vertreter des
Gesundheitsministeriums der Provinz Nangarhar. Seinen Angaben zufolge
waren neun Menschen sofort nach dem Anschlag tot. Ein 13-jähriges
Kind starb demnach auf dem Weg ins Krankenhaus.
Bei einer Explosion im Süden des Landes wurden nach Armeeangaben
zwei Soldaten der NATO-Streitkräfte in Afghanistan (ISAF)
getötet. Der Vorfall habe sich bereits am Mittwoch ereignet,
erklärte die ISAF; den Ort nannte sie nicht. Damit starben in dem
Land am Hindukusch seit Jahresbeginn 258 Soldaten der US-geführten
Streitkräfte. In Afghanistan sind knapp 70.000 internationale
Soldaten stationiert, um gemeinsam mit einheimischen Truppen die
islamistischen Taliban zu bekämpfen.
(Quelle: afp)
Islamisten in Somalia erobern weitere Stadt
Do.13.11.08 - Auf ihrem Vormarsch Richtung Mogadischu haben militante Islamisten in
Somalia laut Augenzeugen eine weitere Stadt eingenommen. Einwohner von
Elasha berichteten am Donnerstag, mehr als 100 schwer bewaffnete
Kämpfer seien in der Nacht in die Ortschaft knapp 20 Kilometer
südwestlich von Mogadischu eingefallen. Regierungstreue Truppen
seien zuvor geflohen.
Ein Sprecher der Islamisten erklärte, die Miliz sei auf Elasha
vorgerückt, um Flüchtlinge dort zu schützen. Die
Islamisten haben in den vergangenen Tagen mehrere Orte erobert, die
zuvor zumindest nominell unter der Kontrolle der von den UN
unterstützten Regierung in Mogadischu standen. Die Regierung ist
trotz internationaler Unterstützung nach wie vor relativ machtlos.
In Somalia gibt es seit 1991 keine funktionierende politische
Führung mehr.
(Quelle: ap)
Sudan bietet Rebellen in Darfur Waffenruhe an
Do.13.11.08 - Der sudanesische Präsident Omar al Baschir hat den Rebellen in der
Krisenregion Darfur eine umfassende Waffenruhe angeboten. Die Regierung
werde die Milizen entwaffnen und allen Bewohnern der Provinz, die ihre
Häuser verloren hätten, eine Entschädigung zahlen, sagte
Al Baschir am Mittwoch in Khartum. Er forderte die Rebellen zur
Teilnahme an Friedensgesprächen auf. Diese wiesen das Angebot
jedoch zurück und erklärten, sie trauten dem Präsidenten
nicht.
Die Friedensmission der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union
(UNAMID) begrüßte die Ankündigung des Präsidenten.
Man werde nun auf die Rebellen zugehen und sie auffordern, die
Waffenruhe zu unterstützen, sagte UNAMID-Leiter Ali Hassan. Der
Anführer der Sudanesische Befreiungsbewegung, Abdulwahid Elnur,
erklärte jedoch, seine Organisation könne das Angebot nicht
annehmen. Vor einer Waffenruhe müssten die Milizen der
Dschandschawid entwaffnet werden. Ein ranghoher Kommandeur der
größten Rebellengruppe, der Bewegung für Gerechtigkeit
und Gleichheit, Suleiman Sandal, erklärte, die Regierung meine es
nicht ernst mit dem Frieden.
Die Regierung in Khartum hat in der Vergangenheit bereits mehrfach
einen Waffenstillstand ausgerufen, zumeist ohne Ergebnis. Die Gewalt in
Darfur hat nach Schätzungen der Vereinten Nationen in den
vergangenen Jahren 300.000 Menschen das Leben gekostet, mehr als 2,5
Millionen wurden vertrieben.
(Quelle: ap)
Nordkorea verweigert Entnahme von Atomproben
Do.13.11.08 - Im Streit um das Atomwaffenprogramm Nordkoreas zeichnen sich neue
Probleme bei der vereinbarten Überprüfung der umstrittenen
Nuklearanlagen in dem kommunistischen Land ab.
Das südkoreanische Außenministerium äußerte am
späten Mittwochabend (Ortszeit) sein Bedauern über eine
Ankündigung Nordkoreas, internationalen Inspekteuren die Entnahme
von Proben an den Atomanlagen zu verweigern. Die Probeentnahme sei ein
Kernelement des Überprüfungsverfahrens, sagte Südkoreas
Außenminister Yu Myung Hwan am Donnerstag bei einem Seminar in
Seoul.
In einer Erklärung hatte zuvor das Außenministerium in
Pjöngjang Angaben von US-Regierungsbeamten widersprochen, jemals
Probenahmen zugestimmt zu haben. Eine Vereinbarung mit den USA sehe
lediglich den Zugang von Atominspekteuren zum nordkoreanischen
Atomkomplex Yongbyon, die Einsicht in Dokumente und Befragungen von
Technikern vor. Die Entnahme von Proben dagegen stelle eine
«Verletzung der Souveränität» dar und käme
einer «Hausdurchsuchung» gleich.
Nordkorea hatte sich im Oktober zu einer strikten Überprüfung
seiner Atomanlagen bereiterklärt und war im Gegenzug von der
US-Liste der «Schurkenstaaten» genommen worden. Zu der
Vereinbarung gehörte nach amerikanischen Angaben auch die Entnahme
von Proben. Die Einigung wurde demnach in engen Konsultationen mit den
Teilnehmern der Sechs-Staaten-Gespräche über eine Beendigung
des nordkoreanischen Atomprogramms getroffen.
Die Vereinbarung hatte den Weg zur Wiederaufnahme der zuvor
ausgesetzten Arbeiten zur Stilllegung der nordkoreanischen Atomanlagen
freigemacht. Zur Sechserrunde gehören neben den USA und Nordkorea
noch Südkorea, China, Russland und Japan.
Am Mittwoch hatte Nordkorea bekannt gegeben, vom kommenden Monat an die
Landesgrenze zum Nachbarland zu schließen. Die Streitkräfte
in Pjöngjang warfen Südkorea eine Politik der Konfrontation
und «Lippenbekenntnisse» vor, was die Respektierung der
Vereinbarungen der innerkoreanischen Gipfeltreffen von 2000 und 2007
betreffe. Trotz Warnungen habe Südkorea die Konfrontation
über das «Niveau der Gefahr» hinaus getrieben. Im
Oktober 2007 hatten beide Länder noch eine Erklärung
über Frieden und den Ausbau der Wirtschaftskooperation
unterzeichnet. Südkorea bedauerte die angekündigte
Maßnahme und rief Nordkorea zur Wiederaufnahme des Dialogs auf.
Am Mittwochabend teilte Nordkorea mit, dass es auch das
Rot-Kreuz-Verbindungsbüro im Grenzort Panmunjom dichtmache und
alle direkten Telefonleitungen zu dem Ort kappe. Als Grund dafür
wurde angeführt, dass Südkorea eine UN-Resolution
unterstützt habe, in der die Menschenrechtsverletzungen in
Nordkorea verurteilt werden.
(Quelle: dpa)
Ex-US-Außenministerin Albright vertritt Obama beim
Weltfinanzgipfel
Do.13.11.08 - Der künftige US-Präsident Barack Obama schickt die
frühere Außenministerin Madeleine Albright und den
ehemaligen Kongressabgeordneten Jim Leach zum Weltfinanzgipfel am
Wochenende nach Washington. Das teilte sein Team am Mittwoch mit. Obama
selbst wird nicht an den Beratungen der Staats- und Regierungschefs aus
20 Ländern teilnehmen.
Es sei wichtig, dass der amtierende Präsident George W. Bush dort
im Namen der Vereinigten Staaten sprechen könne, sagte der Chef
von Obamas Übergangsteam, John Podesta. Obama will auch nicht am
Rande der Konferenz mit ausländischen Politikern zusammenkommen.
An dem Weltfinanzgipfel nehmen Vertreter der 20 größten
Industriestaaten und wichtigsten Schwellenländer teil.
Die frühere Außenministerin Albright, eine Demokratin, und
der Republikaner Leach sollen auch nicht aktiv in die Beratungen des
Weltfinanzgipfels eingreifen. Leach hatte sich im Wahlkampf hinter
Obama gestellt.
(Quelle: ap)
Russland: Präsident Medwedew zeigt sich kompromissbereit in Streit
über Raketenschild
Do.13.11.08 - Der russische Präsident Dimitri Medwedew hat den USA im Streit
über den geplanten Raketenschild die Hand entgegen gestreckt.
«Wir sind bereit, von einer Stationierung von Raketen in
Kaliningrad (Königsberg) abzusehen, wenn die neue US-Regierung vom
Aufbau ihres Raketenschildes Abstand nimmt», sagte Medwedew in
einem Interview mit der französischen Tageszeitung «Le
Figaro» (Donnerstagsausgabe). Die ersten Reaktionen des
künftigen Präsidenten Barack Obama deuteten an, dass dieser
darüber nachdenke. «Wir sind bereit, über eine
'Null-Lösung' zu verhandeln», sagte Medwedew der Zeitung.
Moskau habe statt dessen Interesse am Aufbau eines globalen
Sicherheitssystems, über das gemeinsam mit den USA und den Staaten
der EU nachgedacht werden müsse.
(Quelle: ap)
Russlands Ministerpräsident Putin droht Europa mit Stopp der
Ostsee-Pipelinepläne
Do.13.11.08 - Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin hat mit einem
Abbruch des Ostsee-Pipelineprojekts Nord Stream gedroht, sollte Europa
die Entscheidung für die Gasleitung weiter aufschieben.
Als Alternative würde Russland Anlagen zur Gasverflüssigung
bauen und das Erdgas per Tanker auf den Weltmarkt bringen, sagte Putin
am Mittwoch bei einem Treffen mit dem finnischen
Ministerpräsidenten Matti Vanhanen in Moskau. "Europa muss sich
entscheiden, ob es die Leitung braucht oder nicht." Sollte Russland das
Gas verflüssigt per Tanker transportieren, wäre dies für
Europa aber teurer, betonte Putin. Indes kündigte Norwegen an,
seine Gaslieferungen an Europa auszuweiten. Europa könne bei der
Energieversorgung auf Norwegen zählen, sagte Regierungschef Jens
Stoltenberg nach einem Treffen mit EU-Kommissionspräsident Jose
Manuel Barroso in Brüssel.
Die unter der Ostsee geplante Durchleitung von russischem Gas nach
Deutschland ist für die Europäische Union ein Kernprojekt, um
die Energieversorgung Europas sicherer zu gestalten. Allerdings haben
Abgeordnete des EU-Parlaments eine neue Untersuchung über die
Folgen für die Umwelt gefordert. Zudem sind die Anrainer-Staaten
Polen, Litauen und Estland verärgert, weil sie befürchten mit
dem Projekt von der Gasversorgung aus Russland abgeschnitten zu werden.
Die 1220 Kilometer lange Leitung soll ab 2011 vom russischen Wyborg Gas
nach Greifswald transportieren und kostet schätzungsweise 7,4
Milliarden Euro. Das Nord-Stream-Konsortium wird vom russischen
Versorger Gazprom geführt. Ihm gehören auch E.ON, BASF und
die niederländische Gasunie an. Aufsichtsratschef ist
Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder.
(Quelle: rtr)
Großbritannien: Telekommunikationsriese BT streicht 10.000 Stellen
Do.13.11.08 - Der britische Telekommunikationsriese BT streicht 10 000 Stellen. Die
meisten Jobs würden bei Agenturen und Subunternehmen wegfallen,
teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.
Bisher seien bereits 4000 Stellen weggefallen, der Rest soll bis
März abgebaut werden. Zudem teilte BT mit, dass der
Vorsteuergewinn im zweiten Quartal bis Ende September um elf Prozent
auf 590 Millionen Pfund (708,5 Mio Euro) gefallen sei; der Umsatz war
mit 5,3 Milliarden Pfund um vier Prozent höher als im
Vorjahreszeitraum.
Wegen der Probleme in der Sparte Global Services erwartet BT - wie
bereits angekündigt - für das Gesamtjahr einen geringeren
bereinigten Gewinn. BT beschäftigt weltweit rund 160 000 Menschen.
Bei den direkt Angestellten sollen Stellen durch natürliche
Fluktuation abgebaut werden. Die Nachricht trägt weiter zur
düsteren Stimmung im Königreich bei. In den vergangenen Tagen
hatten zahlreiche Unternehmen Stellenstreichungen angekündigt.
Zudem bewegt sich die Zahl der Arbeitslosen auf die sensible Marke von
zwei Millionen zu.
(Quelle: dpa)
Deutschland: Siemens übersteht Konzernumbau mit Milliardengewinn
Do.13.11.08 - Siemens hat trotz des kostspieligen Konzernumbaus einen
Milliardengewinn eingefahren und setzt mit der Neuaufstellung auf gute
Geschäfte auch in der Wirtschaftsflaute. Unterm Strich verdiente
Siemens im vergangenen Geschäftsjahr rund 5,9 Milliarden Euro und
damit 46 Prozent mehr als im Vorjahr. «Die Transformation von
Siemens ist abgeschlossen», erklärte Siemens-Chef Peter
Löscher bei der Vorlage der Jahresbilanz am Donnerstag in
München. «Trotz zunehmender konjunktureller Widrigkeiten
halten wir an unserem Wachstumsziel fest.»
So peilt der Konzern im Geschäftsjahr 2009 ein Ergebnis der drei
Sektoren zwischen 8 und 8,5 Milliarden Euro an. Angesichts der sich
abkühlenden Weltkonjunktur rechne Siemens aber «mit
abflachenden Wachstumsraten beim Auftragseingang und in der
Folgewirkung auch beim Umsatz», räumte Löscher ein. Man
werde quartalsweise die Auswirkungen der Finanzkrise auf die
Realwirtschaft bewerten. Der Konzern verfüge aber über einen
Auftragsbestand von mehr als 85 Milliarden Euro, der nicht nennenswert
korrigiert werden müsse.
Trotz Finanzmarktkrise machte der Konzern im vergangenen Jahr gute
Geschäfte. Der Auftragseingang stieg im Vergleich zum Vorjahr um
11 Prozent auf 93,5 Milliarden Euro, der Umsatz legte um 7 Prozent auf
77,3 Milliarden Euro zu. Das Ergebnis der drei Sektoren Industrie,
Energie und Gesundheit, das die Entwicklung des operativen
Geschäfts widerspiegelt, ging im vergangenen Geschäftsjahr um
2 Prozent auf 6,52 Milliarden Euro zurück. Kosten in Höhe von
325 Millionen Euro für den Konzernumbau hätten das operative
Ergebnis gedrückt, teilte Siemens mit.
Im Schlussquartal bescherte der Konzernumbau Siemens tiefrote Zahlen.
Zwischen Juli und September verbuchte der Konzern rund 4 Milliarden
Euro für Sonderlasten. Jeweils eine Milliarde Euro fiel für
eine erwartete Strafe der US-Börsenaufsicht SEC an, für den
Abbau von weltweit 17.000 Stellen und für die Trennung von der
defizitären Telefonanlagensparte SEN. Unterm Strich blieb nach
weiteren Umbaukosten schließlich ein Quartalsverlust von 2,4
Milliarden Euro.
Der Verkauf des Autozulieferers VDO an Continental rettete Siemens die
Bilanz, weil er dem Technologiekonzern 5,5 Milliarden Euro in die Kasse
spülte. «Die größten Brocken beim Umbau haben wir
2008 weggeräumt», sagte Löscher, der die Neuaufstellung
seit seinem Amtsantritt vor gut eineinhalb Jahren angetrieben hatte.
Damit sei Siemens für eine Wirtschaftskrise besser gerüstet,
als manche Wettbewerber. «Wir können uns jetzt voll auf die
Kunden konzentrieren, während andere erst beginnen, ihre
Hausaufgaben zu machen», sagte Löscher.
Siemens wolle aus eigener Kraft wachsen und nur «punktuell»
in den Kerngeschäften zukaufen, sagte Löscher.
Größter Umsatzbringer für den Konzern war der
Industrie-Sektor mit einem Plus von 6 Prozent auf rund 38 Milliarden
Euro im vergangenen Geschäftsjahr. Einziger Verlustbringer in dem
Sektor war die Mobility-Sparte mit dem kriselnden Bahngeschäft.
Im Energiesektor konnte der Konzern dank des weltweiten Booms der
Energiebranche den Umsatz um 11 Prozent auf 22,6 Milliarden Euro
steigern. Im Gesundheitssektor wuchs der Umsatz um 13 Prozent auf 11,1
Milliarden Euro.
In der Korruptionsaffäre setzt die Siemens-Führung auf eine
baldige Einigung mit der SEC. «Wir sind auf der Zielgeraden, aber
deutlich noch nicht am Ziel», sagte Löscher. Allein im
vergangenen Geschäftsjahr kostete die Aufarbeitung der Affäre
und der Aufbau einer internen Anti-Korruptionseinheit Siemens 510
Millionen Euro.
(Quelle: ap)
Metall-Einigung: 4,2 Prozent mehr in zwei Stufen
Do.13.11.08 - Mit einer Einigung in letzter Minute haben Arbeitgeber und IG Metall
den ersten Arbeitskampf seit sechs Jahren in der deutschen Metall- und
Elektrobranche abgewendet.
Nach einem fast 23-stündigen Verhandlungsmarathon vereinbarten
beide Seiten am Mittwoch in Sindelfingen eine zweistufige
Entgelterhöhung von 4,2 Prozent, Einmalzahlungen sowie die
Möglichkeit für Sonderregelungen in den Betrieben. Die
Laufzeit beträgt 18 Monate bis April 2010. Ursprünglich hatte
die Gewerkschaft acht Prozent mehr Geld gefordert, die Gegenseite bot
anfangs 2,1 Prozent plus Einmalzahlungen.
Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser und sein Gegenpart,
IG-Metall-Chef Berthold Huber sprachen sich für eine bundesweite
Übernahme des Kompromisses aus. «Die Tarifparteien haben
bewiesen, dass sie auch in schwierigen Zeiten handlungsfähig sind.
Wir werden empfehlen, die Einigung in allen Bezirken zu
übernehmen», sagte Kannegiesser nach der hart
umkämpften Einigung. Der IG Metall-Vorsitzende Berthold Huber
betonte ebenfalls: «Natürlich werden auch wir empfehlen, die
Einigung in allen Bezirken zu übernehmen.»
Nach der hart erkämpften Einigung erhalten die Beschäftigten
im Südwesten vom 1. Februar 2009 an 2,1 Prozent mehr Geld. Die
volle Erhöhung der Entgelte von 4,2 Prozent soll von Mai an
kommen. Doch kann dieser Schritt auf betrieblicher Ebene - je nach der
wirtschaftlichen Situation in den Betrieben - um bis zu sieben Monate
bis Dezember aufgeschoben werden. Für November 2008 bis Januar
2009 wird zudem eine Einmalzahlung von insgesamt 510 Euro gezahlt.
Im September 2009 soll es nach Angaben der Arbeitgeber eine weitere
Zahlung von 122 Euro geben - aus betriebswirtschaftlichen Gründen
kann sie aber gestrichen werden. Zudem gab es Vereinbarungen zur
Finanzierung der jüngst beschlossenen Altersteilzeit.
Unmittelbar nach der Einigung im Tarif-Pilotbezirk
Baden-Württemberg schloss Südwestmetall-Chef und
Verhandlungsführer Stefan Roell einen Arbeitsplatzabbau in der
Branche nicht aus. Der Auto- Experte Ferdinand Dudenhöffer nannte
den Abschluss laut «Bild»-Zeitung ein
««falsches Signal» für die kriselnde
Autoindustrie.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt begrüßte den
Abschluss als «Zeichen der Vernunft in einer wirtschaftlich
schwierigen Zeit». Die Laufzeit, die Einmalzahlungen und die
betriebliche Gestaltungsmöglichkeit seien «wichtige und
richtige Elemente».
Kannegiesser betonte, mit der Möglichkeit, die zweite
Einkommenserhöhung zu verschieben, könnten auch Betriebe in
schwieriger Lage ihre Arbeitsplätze halten, «vor allem die
Fachkräfte». Allerdings lasse sich derzeit schwer absehen,
wie stark die Konjunktur sich abkühlen wird.
Für das Kernjahr 2009 bedeutet der Abschluss laut Kannegiesser 2,9
Prozent Mehrkosten, für Betriebe, die die zeitliche Verschiebung
der zweiten Erhöhungsstufe wahrnehmen, nur 1,4 Prozent.
Südwestmetall-Chef Roell sagte, die Verhandlungen seien sehr
schwierig gewesen. Da ein Prozent Erhöhung allein für
Baden-Württemberg 200 Millionen Euro mehr an Lohnkosten bedeutet,
habe man sorgfältig verhandeln müssen.
Roell zeigte sich froh, dass inmitten einer drohenden Rezession der
erste Arbeitskampf seit 2002 vermieden werden konnte. IG-Metall-
Verhandlungsführer Jörg Hofmann betonte: «Das Ergebnis
ist geprägt von dem Wollen beider Seiten, einen Arbeitskampf
abzuwehren.»
IG Metall-Chef Huber sagte zur Atmosphäre während des
gesamten Tarifkonfliktes: «Nicht jede Beleidigung bleibt im Sakko
hängen.» Die Runde sei von einer heftigen Auseinandersetzung
zwischen IG Metall und Gesamtmetall geprägt gewesen. Der Konflikt
werde aber andauern, weil es noch immer eine Gerechtigkeitslücke
in Deutschland gebe. «Die Situation in diesem Jahr hat nicht in
jedem Fall zu Freude geführt.»
Vor den Verhandlungen hatte die Gewerkschaft mit massiven Warnstreiks
Druck auf die Arbeitgeber aufgebaut. Seit dem 1. November beteiligten
sich daran rund 600 000 Beschäftigte. Die Arbeitgeber hatten im
Vorfeld der Entscheidung in Sindelfingen argumentiert, dass die
derzeitige Krise besonders in der Automobilbranche einen hohen
Abschluss verbiete und letztlich Arbeitsplätze stark
gefährden würde. Die IG Metall verwies dagegen darauf, dass
besonders die Maschinenbauer noch volle Auftragsbücher hätten.
(Quelle: dpa)
Infineon schert aus Arbeitgeberverband aus
Do.13.11.08 - Nach der Einigung im Tarifstreit der deutschen Metall- und
Elektrobranche ist der Halbleiterhersteller Infineon aus dem
Arbeitgeberverband ausgeschert. Infineon trete mit sofortiger Wirkung
aus dem Arbeitgeberverband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie
(VBM) aus.
Das teilte das Unternehmen am Mittwoch in München mit. Zur
Begründung hieß es, in der gegenwärtig angespannten
Marktsituation habe der Vorstand beschlossen, im laufenden
Geschäftsjahr (Ende September) keine Gehaltserhöhungen
vorzunehmen.
«Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht, sehen
jedoch im Blick auf den von uns angestrebten wirtschaftlichen Erfolg
unseres Unternehmens keine Alternative», sagte Finanzvorstand
Marco Schröter laut Mitteilung.
Am Mittwoch hatten sich IG Metall und Arbeitgeber nach einem
23-stündigen Verhandlungsmarathon in Sindelfingen auf eine
zweistufige Entgelterhöhung von 4,2 Prozent, Einmalzahlungen sowie
die Möglichkeit für Sonderregelungen in den Betrieben
geeinigt. Infineon leidet derzeit massiv unter hohen Abschreibungen bei
der Speicherchiptochter Qimonda und der schwachen Konjunktur. Das
Unternehmen hatte daher im Sommer den Abbau von 3000 Stellen
angekündigt.
(Quelle: dpa)
Verdi-Chef Bsirske stimmt Länder auf harte Tarifrunde ein
Do.13.11.08 - Die Bundesländer müssen sich nach Angaben von Verdi-Chef
Frank Bsirske Anfang 2009 auf harte Tarifauseinandersetzungen
einstellen. Einen tarifpolitischen Kurswechsel der Gewerkschaften
angesichts der aktuellen Finanzkrise lehnte Bsirske gegenüber der
"Neuen Osnabrücker Zeitung" ab. "Auch der öffentliche Bereich
muss dringend Signale zur Stützung der Binnenkonjunktur setzen",
sagte er.
Verdi werde sich deshalb am Forderungsniveau des Jahres 2008
orientieren, um in den Ländern das nachzuholen, was im
öffentlichen Dienst des Bundes und der Kommunen im laufenden Jahr
bereits vollzogen wurde. Hier seien die Löhne und Entgelte der
Tarifbeschäftigen um 5,1 Prozent angehoben worden.
"Nicht die Gewerkschaften, andere müssen umdenken", sagte Bsirske.
Er beklagte, dass es selbst auf dem Höhepunkt des Konjunkturzyklus
zwischen 2005 und 2007 trotz explodierender Gewinne zu
Reallohnverlusten gekommen sei. Um die Nachfrage zu stärken,
müsse nun kräftig gegengesteuert werden.
(Quelle: afp)
Männer bekommen im Durchschnitt knapp 1.000 Euro Rente - - Pensionen
für Bundes- und Landesbeamte fast drei Mal so hoch
Do.13.11.08 - Unter den Rentnern haben jeder dritte Mann und jede zweite Frau weniger
als 1.000 Euro im Monat. Dies meldete die «Bild»-Zeitung am
Donnerstag aus dem Alterssicherungsbericht, den Sozialminister Olaf
Scholz kommende Woche vorlegen will. Das Sozialministerium wollte auf
Anfrage noch nichts zu dem Bericht sagen.
Im Durchschnitt liegen dem Zeitungsbericht zufolge die Renten für
Männer derzeit im Durchschnitt bei 963 Euro im Westen und 1.066
Euro im Osten. Frauen erhalten im Durchschnitt 456 Euro im Westen und
669 Euro im Osten. Hinzu kommen allerdings häufig noch
Betriebsrenten oder sonstige Einkünfte.
Die Pensionen für rund eine Million frühere Beamte sind dem
Bericht zufolge im Durchschnitt deutlich höher. So bekamen
frühere Bundes- und Landesbeamte 2007 im Durchschnitt 2.580 Euro,
Gemeindebeamte erhielten im Schnitt 2.680 Euro, frühere Bahnbeamte
1.750 und frühere Postbeamte 1.730 Euro. Frühere
Bundestagsabgeordnete erhalten den Informationen zufolge 3.011 Euro im
Monat, Minister bis zu 7.900 Euro.
Der Alterssicherungsbericht wird einmal pro Legislaturperiode
vorgelegt. Er vergleicht die Entwicklung sämtlicher
Alterseinkünfte. Daneben gibt es jährlich den sogenannten
Rentensicherungsbericht über die Entwicklung der gesetzlichen
Renten. Beide will Scholz kommenden Mittwoch im Kabinett
präsentieren.--
(Quelle: ap)
Obdachlose protestieren gegen Kürzungen
Do.13.11.08 - Rund 100 Obdachlose und Sozialarbeiter haben am Montag vor dem
Düsseldorfer Landtag gegen geplante Kürzungen von
Zuschüssen für Wohnungslose demonstriert. Die Betroffenen
protestierten gegen das Vorhaben der schwarz-gelben Koalition,
Zuschüsse für Obdachlosen-Projekte in Höhe von 1,2
Millionen Euro zu streichen. Unterstützung bekamen die
Demonstranten von den Oppositionsfraktionen SPD und Grüne. Das
Land wies die Kritik an den Kürzungen zurück.
«Die Begründung von CDU und FDP, die Wohnungslosigkeit sei
um 70 Prozent zurückgegangen und damit eine weitere Förderung
nicht mehr sinnvoll, ist zynisch und widerspricht auch der Wahrnehmung
der Menschen im Land», sagte SPD-Fraktionsvize Britta Altenkamp.
Die vielen Ehrenamtlichen, die eng mit den Kirchen,
Wohlfahrtsverbänden und unter Beteiligung weiterer
gesellschaftlicher Gruppen daran arbeiteten, die soziale Not zu
lindern, würden «vor den Kopf gestoßen». In NRW
gibt es nach ihren Angaben rund 13 000 Obdachlose.
Eine Sprecherin des Generationenministeriums sagte auf Anfrage, das
auslaufende Landesprogramm für Projekte gegen Obdachlosigkeit sei
immer als «Anschubfinanzierung» gedacht gewesen. Insgesamt
130 Projekte seien seit 1996 befristet unterstützt worden. Es sei
kommunale Aufgabe, die Obdachlosenarbeit weiter zu fördern. Zehn
Projekte würden vom Land noch bis zum Ende der Laufzeit
bezuschusst. Im laufenden Jahr werden insgesamt 17 Projekte
gefördert.
Grünen-Fraktionsvize Barbara Steffens bezeichnete die geplanten
Kürzungen als «Skandal». Die anhaltend
rückläufigen Obdachlosenzahlen seien kein Anlass für
Entwarnung. «Da in der amtlichen Statistik nur Personen erfasst
werden, die in städtischen Notunterkünften leben, ist die
Dunkelziffer hoch», sagte Steffens.
(Quelle: ddp)
Mehr als 100.000 Schüler protestieren für bessere Bildung
Do.13.11.08 - In ganz Deutschland sind mehr als hunderttausend Schüler und
Studenten für ein besseres Bildungssystem auf die Straße
gegangen. Allein in Berlin protestierten laut den Veranstaltern rund
10.000 Schüler gegen überfüllte Klassen und forderten
die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems, das in ihren Augen zu
einer sozialen Spaltung führt. Die Polizei sprach von rund 8000
Demonstranten, knapp tausend von ihnen stürmten kurzzeitig die
Berliner Humboldt-Universität. An den bundesweiten Schulstreiks
beteiligten sich rund 40 Städte.
Zu dem Protest hatte das Bündnis "schulaction" aufgerufen. Nach
Angaben der Organisatoren beteiligten sich bundesweit rund 125.000
Jugendliche an den Protestaktionen. So demonstrierten etwa in
Braunschweig, Bremen und Hannover jeweils rund 8500 Schüler, in
Hamburg 6000. In Frankfurt am Main, Kassel und Gießen gingen
insgesamt knapp 9000 Schüler auf die Straße, in Stuttgart,
München und Kiel jeweils rund 5000.
In Berlin forderten die Schüler Klassengrößen von
maximal 20 Schülern, die Abschaffung des Notendrucks und mehr Geld
für Lehrmittel. An Berliner Gymnasien sitzen laut der Gewerkschaft
Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Durchschnitt 28 Schüler in den
Klassenräumen. An Realschulen sind es 27, an den Grundschulen
durchschnittlich 24 Kinder pro Klasse.
Mit Blick auf den Bildungsgipfel von Bundeskanzlerin Angela Merkel
(CDU) im Oktober erklärte Niklas Wuchenauer von der
Landesschülervertretung Berlin: "Die Politiker haben wieder einmal
über die Köpfe von uns Betroffenen hinweg diskutiert." Nun
müssten die Schüler ihre Probleme selbst in die Hand nehmen.
Nach Angaben der Berliner Polizei stürmten rund tausend
Demonstranten das Gebäude der Berliner Humboldt-Universität
und warfen Bücher und Toilettenpapier aus den Fenstern. Sie
verließen das Universitätsgebäude nach rund 20 Minuten
wieder.
Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Patrick
Meinhardt, begrüßte die Proteste. Auch die Linke im
Bundestag unterstützte den Protest. Es müsse für die
Schüler "wie ein Schlag ins Gesicht wirken", wenn Bund und
Länder mehrere hundert Milliarden Euro für die Rettung der
Banken habe, für kleinere Klassen, mehr Lehrer und den kostenlosen
Zugang zu Bildung jedoch kein Geld da sei, erklärte die
bildungspolitische Sprecherin der Links-Fraktion, Nele Hirsch.
(Quelle: afp)
Steuereinnahmen steigen trotz Finanzkrise weiter
Do.13.11.08 - Die Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden sind einem
Zeitungsbericht zufolge trotz der Finanzkrise auch im Oktober weiter
gestiegen. Der Staat habe ein Steuerplus von 1,7 Prozent gegenüber
dem Vorjahresmonat verbuchen können.
Das schreibt die «Financial Times Deutschland» unter
Berufung auf einen der Zeitung vorliegenden Bericht des
Bundesfinanzministeriums. Damit sei die Einnahmesituation derzeit
weiterhin besser als von den Steuerschätzern Anfang November
prognostiziert. Zwischen Januar und Oktober hätten die Einnahmen
um insgesamt 4,9 Prozent gegenüber dem entsprechenden
Vorjahreszeitraum zugelegt, verglichen mit der Schätzung von plus
4,2 Prozent.
Deutschland rutscht erstmals seit 2003 in die Rezession
Do.13.11.08 - Deutschland steckt erstmals seit fünf Jahren in der Rezession.
Die Wirtschaft spürt zunehmend die schwindende weltweite Nachfrage
und schrumpfte von Juli bis September überraschend deutlich um 0,5
Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag
mitteilte. Damit sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) das zweite Quartal
in Folge, was nach gängiger Definition als Rezession gilt. Dies
hatte es zuletzt 2003 gegeben. Wegen der Finanzkrise haben Experten
derzeit kaum Hoffnung auf Besserung. "Wir werden insgesamt mit einer
sehr schwierigen und lang andauernden Wirtschaftskrise rechnen
müssen", sagte Wirtschaftsstaatssekretär Walther Otremba im
Reuters-Interview. Zum Jahresende werde die Wirtschaftsleistung wohl
erneut sinken.
Nach den Boomjahren 2006 und 2007 mit Wachstumsraten von bis zu drei
Prozent befindet sich die deutsche Wirtschaft längst auf Talfahrt.
Der erfolgsverwöhnten Industrie brechen die Aufträge so
massiv weg, dass sie zuletzt ihre Produktion so kräftig drosselte
wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Die Maschinenbauer rechnen
nach fünf Wachstumsjahren 2009 nur noch mit stagnierendem
Geschäft. Auch die Exporteure - bisher Weltmeister ihres Fachs -
leiden unter der globalen Nachfrageflaute und stellen sich auf raue
Zeiten ein. Die Autoindustrie bekommt dies bereits mit voller Wucht zu
spüren und fährt die Produktion deutlich herunter. Nicht viel
besser sieht es bei der Chemiebranche aus. Für die
Einzelhändler wären stagnierende Umsätze im kommenden
Jahr bereits ein Erfolg.
"Wir haben es schwarz auf weiß, die Rezession ist da", sagte
Sebastian Wanke von der DekaBank. Im dritten Quartal habe es Rekorde
bei Ölpreis und Euro gegeben und zudem die Finanzkrise ihren
vorläufigen Höhepunkt. "Das hat der Wirtschaft ein Bein
gestellt." Wachstumsimpulse kamen im Sommer nur von der
Binnennachfrage. Die Privathaushalte und der Staat hätten ihre
Konsumausgaben leicht gesteigert, erklärten die Statistiker. Zudem
bauten die Firmen ihre Lager auf. Dies gilt unter Experten aber als
Hypothek für das vierte Quartal, wenn die Unternehmen einfach vom
Lager abverkaufen und nicht mehr so viel produzieren. Der
Außenhandel hingegen bremste zuletzt die Wirtschaftsentwicklung,
da die Importe stark zulegten, die Exporte sich aber gleichzeitig
abschwächten. Ausführliche Ergebnisse legt das Amt am 25.
November vor.
Während die meisten Ökonomen den kräftigen Abschwung mit
dem gefürchteten "R-Wort" beim Namen nennen, ziert sich die
Regierung: "Ich würde weiter eher von einer Lage am Rande der
Rezession sprechen", sagte Otremba und verweist auf den starken
Jahresauftakt mit einem Wachstum von 1,4 Prozent. Dies habe den
Rückgang von 0,4 Prozent im zweiten Quartal verzerrt. Allerdings
räumt Otremba ein, dass in den aktuellen BIP-Daten die
jüngste Verschärfung der Finanzkrise noch nicht enthalten
sei. Dies deute auf ein weiteres Schrumpfen zum Jahresende hin. Die
Commerzbank rechnet sogar mit einem Minus von rund 0,8 Prozent.
Die fünf Wirtschaftsweisen sagen auch noch für das
nächste Jahr eine Rezession voraus, aus der sich die Wirtschaft
erst ab Mitte 2009 langsam lösen kann. Ein besonders düsteres
Bild malte zuletzt der Internationale Währungsfonds: Demnach wird
Deutschlands Wirtschaft nächstes Jahr um 0,8 Prozent schrumpfen.
Die Bundesregierung will hier aber mit einem Konjunktur-Paket
gegensteuern. Geplant sind Hilfen für Investitionen und
Kaufanreize in einem Gesamtvolumen von 50 Milliarden Euro. Die
Koalitionsfraktionen stimmten dem Vorhaben der Regierung am Donnerstag
zu. Mit Blick auf das Maßnahmen-Bündel warnte
SPD-Fraktionschef Peter Struck vor zu großem Pessimismus. "Ich
denke, wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht selbst sozusagen
in eine schwere Rezession hereinreden." Die Politik müsse
eindeutige Zeichen setzen. "Wir gehen nicht in eine Katastrophe hinein."
Im laufenden Jahr zehrt die Wirtschaft noch von ihrer Mitgift aus dem
Aufschwungjahr 2007 und dürfte Experten zufolge um etwa 1,7
Prozent zulegen. Die schlechte Entwicklung in Deutschland als
größter Volkswirtschaft der Euro-Zone dürfte auch den
gesamten Währungsraum in die Rezession hineinziehen. Für die
15 Länder erwarten Fachleute einen BIP-Rückgang um 0,2
Prozent im Quartal. Bereits im Frühjahr war die Wirtschaft der
Euro-Zone erstmals überhaupt geschrumpft.
(Quelle: rtr)
Mehr Straftaten von Rechtsextremen als bislang bekannt
Do.13.11.08 - Die Rechtsextremisten in Deutschland haben einem Pressebericht zufolge
im ersten Halbjahr 2008 erheblich mehr Straftaten begangen als bislang
bekannt. Nach aktualisierten Zahlen der Bundesregierung registrierte
die Polizei von Januar bis Juni insgesamt 10.655 Delikte, wie der
Berliner "Tagesspiegel" unter Berufung auf die Linksfraktion
berichtete. Das seien über 3300 Straftaten mehr, als sich aus der
Summe der vorläufigen Antworten auf die monatlichen Anfragen der
Linken ergebe.
Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) und die Linksfraktion
hatten im September wissen wollen, wieviele Nachmeldungen der Polizei
zu rechten Delikten im ersten Halbjahr aufgelaufen waren. Dies gilt
auch für die in der Summe enthaltenen Gewaltdelikte, die
Rechtsextremisten verüben. In der neuen Statistik spricht die
Regierung von 612 einschlägigen Taten. In der Gesamtschau der
monatlichen Meldungen waren es 425.
(Quelle: afp)
Bundestag beschließt BKA-Gesetz trotz massiver Kritik
Do.13.11.08 - Gegen massiven Protest von Opposition, Ärzten, Anwälten,
Datenschützern und der IT-Branche hat der Bundestag gestern das
BKA-Gesetz beschlossen. Die umstrittene Befähigung des
Bundeskriminalamts zu heimlichen Computer-Durchsuchungen und
Spähangriffen auf Wohnungen kam mit den Stimmen der großen
Koalition durch. FDP, Grüne und Linkspartei stimmten dagegen. Die
Opposition bekräftigte ihre Ankündigung, vor dem
Bundesverfassungsgericht gegen das BKA-Gesetz klagen zu wollen.
In der namentlichen Abstimmung waren 375 Abgeordnete für den
Gesetzentwurf von Union und SPD, 168 Abgeordnete stimmten dagegen,
sechs enthielten sich. Falls auch der Bundesrat das Gesetz durchwinkt,
bekommt das Bundeskriminalamt mit dem Ziel der Abwehr von Gefahren
durch den internationalen Terrorismus deutlich ausgeweitete Befugnisse.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte, er sehe dem
angedrohten Gang nach Karlsruhe "mit großer Gelassenheit und
Sicherheit entgegen". Das Gesetz entspreche genau den Vorgaben des
Grundgesetzes. Der Minister warf FDP, Grünen und Linken vor, mit
der Schärfe der Kritik den Eindruck zu erwecken, nun entstehe eine
neue Stasi. "Das Gegenteil ist der Fall: Wir verteidigen die
Freiheitsrechte." Anders als behauptet würden auch nicht die
Befugnisse der Bundesländer beschnitten.
Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz sagte, es handle sich um
das wichtigste Sicherheitsgesetz der laufenden Legislaturperiode.
Allerdings stieß das Gesetz auch innerhalb der SPD-Fraktion auf
Ablehnung. Deren bildungspolitischer Sprecher Jörg Tauss lehnt das
Gesetz insbesondere wegen der Online-Durchsuchung, der Vermengung
geheimdienstlicher und polizeilicher Aufgaben und des mangelnden
Schutzes von Journalisten ab.
Der Grünen-Innenexperte Wolfgang Wieland sagte, das BKA verlege
nun seine Aufgaben in den Geheimbereich. Es entstehe eine
"Monsterbehörde", die nicht einmal parlamentarisch kontrolliert
werde. Deshalb werde seine Partei auch den Gang nach Karlsruhe antreten.
Die Linken-Innenpolitikerin Ulla Jelpke sagte, das Gesetz atme "den
Geist eines Obrigkeitsstaates". Nach Ansicht des FDP-Innenexperten Max
Stadler ist der Rechtsstaat stark genug, um sich zu wehren. Die
Liberalen wollen nun versuchen, das Gesetz über den Bundesrat noch
zu stoppen.
Der Präsident des IT-Branchenverbandes Bitkom, Wilhelm Scheer,
erklärte: "Wir müssen dafür sorgen, dass bei der
Kriminalitätsbekämpfung das Vertrauen unbescholtener
Computer-Nutzer in ihre Privatsphäre nicht leidet."
(Quelle: afp)
Ab 2009 gibt es Schulnoten für Pflegeheime
Do.13.11.08 - Pflegeheime sollen ab dem kommenden Jahr mit Schulnoten bewertet
werden. Die Organisationen der Heimträger und der Spitzenverband
des gesetzlichen Krankenkassen teilten am Mittwoch in Berlin mit, sie
hätten sich auf 82 Kriterien verständigt, anhand derer der
Medizinische Dienst der Krankenkassen die Heime kontrollieren und
bewerten soll.
Schulnoten von sehr gut bis mangelhaft gibt es jeweils für die
Pflege und medizinische Versorgung, den Umgang mit Demenzkranken, die
soziale Betreuung, die Wohnverhältnisse, das Haus und die
Verpflegung. Außerdem werden die Heimbewohner selbst befragt und
ihre Einschätzung in einer Note zusammengefasst. Die Ergebnisse
sollen von den Pflegekassen im Internet veröffentlicht und in den
Heimen selbst ausgehängt werden. Kassen und Pflegeeinrichtungen
setzen damit die Auflage aus der Pflegereform um, die Prüfberichte
des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen transparenter zu gestalten.
Die Einigung war bereits am Dienstag zu Stande gekommen. Bei der
Verabschiedung der Pflegereform waren zunächst auch andere
Bewertungsysteme wie eine Ampel oder Smilies diskutiert worden.
Sanktionen sind mit der Benotung nicht verbunden. Wenn ein Heim sehr
schlecht bewertet wird, muss die Heimaufsicht des jeweiligen
Bundeslandes tätig werden.
(Quelle: epd)