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Irak 1698 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Iraks Außenminister verspricht keine Angriffe auf Syrien.
Perverse Logik des Terrors im Irak: Erwachsene glauben, Kinder als
Bomben einsetzen zu können. US-Frachtflugzeug im Irak
abgestürzt
Fr.14.11.08 - Vom Irak aus soll es künftig keine Angriffe auf das Nachbarland
Syrien mehr geben. Das versprach der irakische Außenminister
Hoschiar Sibari seinem syrischen Amtskollegen Walid al- Muallim bei
einem Besuch in Damaskus. Vor knapp drei Wochen hatten US-Truppen vom
Irak aus ein Dorf in Syrien angegriffen und mehrere Menschen
getötet. Die US-Regierung hat sich bislang nicht offiziell zu dem
Vorfall geäußert.
Im Irak ist am Donnerstag ein ziviles Frachtflugzeug der
US-Streitkräfte abgestürzt. Vier bis sechs
Besatzungsmitglieder seien an Bord gewesen, als die Maschine
südlich von Falludscha niederging, hieß es. Der Pilot habe
über technische Probleme berichtet. Nach Angaben der irakischen
Polizei stürzte die Maschine in der Wüste ab. Berichte
über Schüsse in dem Gebiet zur Zeit des Absturzes gebe es
nicht. Falludscha ist eine Hochburg der Aufständischen im Irak.
Die Gewalt im Irak nimmt kein Ende, selbst Kinder werden zu
Attentätern: In Bakuba hat sich eine 13-Jährige in die Luft
gesprengt.
Was hat das 13-jährige Mädchen gedacht, bevor es sich an
einer Straßensperre in die Luft sprengte? Hat sie überhaupt
etwas gedacht? Wusste sie, was sie tut? Oder war sie ahnungslos? Fest
steht nur: Das Mädchen tötete mehrere Zivilisten und
Mitglieder einer sogenannten "Bürgerwehr" - Angehörige
sunnitischer Stämme, die sich vom Aufstand gegen die
amerikanischen Besatzer losgesagt haben und nun an deren Seite den
Terror von Gruppen wie Al Qaida bekämpfen. Damit haben sie sich
gefährliche Feinde geschaffen. Gehören wirklich
13-jährige schon dazu?
Vielleicht. Das Mädchen mag getäuscht worden sein oder auch
auf eigene Faust gehandelt haben - aber Kinder werden nicht zu
Mördern geboren. Letztlich ist klar, dass sie von interessierter
Seite zum Morden instrumentalisiert und damit selbst in den Tod
geschickt wurde. Durch Indoktrination oder Vorspiegelung falscher
Tatsachen, das wird sich vielleicht noch zeigen. Jedenfalls durch
Erwachsene, die meinen, eigene machtpolitische Motive rechtfertigten
den Einsatz von Kindern als Bomben und den Tod Unschuldiger. Und die
ihre eigenen Interessen nur in einem Klima der Angst und des Terrors
gewahrt sehen. Das ist eine perverse Logik, die manche Optimisten im
Irak zuletzt schon für beinahe überwunden gehalten hatten.
Leider verfrüht, denn eine neue Welle der Gewalt erschüttert
das Land. Es ist keine Welle des "Widerstands", sondern eine Welle des
Terrors - daran kann überhaupt kein Zweifel bestehen. Die Mehrzahl
der Toten sind Zivilisten. Und nichts auf dieser Welt kann den
absichtlich herbeigeführten Tod Unschuldiger und den feigen
Missbrauch von Kindern für Terrorzwecke rechtfertigen: Keine
fremde Besatzung, kein Racheakt an vermeintlichen Feinden, kein
pseudoreligiöses "Märtyrertum".
Terrorgruppen mit Rekrutierungsproblemen: Zynisch betrachtet
könnte zwar vielleicht auch ein Anflug von Hoffnung darin liegen,
dass Al Qaida und ähnliche Gruppen im Irak zunehmend Kinder und
Frauen für Selbstmordanschläge missbrauchen: Es könnte
auf "Rekrutierungsprobleme" gewalttätiger Organisationen
hinweisen. Allerdings bergen die zahlreichen ungelösten Konflikte
im irakischen Staat und in seiner zersplitterten Gesellschaft und die
weiterhin offensichtlichen Schwächen des staatlichen
Sicherheitsapparats soviel Sprengkraft, dass einem nur Angst und Bange
werden kann und man sich fragt: Wird ein zumindest teilweiser Abzug der
Amerikaner, der irgendwann kommen mag, die Lage beruhigen - oder wird
er noch mehr Gewalt freisetzen?
(Quellen: ap, dpa, dw)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 14.11.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am 1330sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
Gefälschte 'New York Times' meldet Ende des Irak-Kriegs -
Aktionskünstlergruppe 'The Yes Men' outet sich als Herausgeber
Do.13.11.08 - Eine gefälschte Ausgabe der «New York Times» hat am
Mittwoch mit Datum 4. Juli 2009 und großer Schlagzeile das Ende
des Irak-Kriegs vermeldet (http://www.nytimes-se.com/.
Die täuschend echt wirkende «Sonderausgabe» der
renommierten Tageszeitung berichtete auch über die
Schließung des US-Gefangenenlagers Guantánamo Bay in Kuba
und dass der frühere US-Präsident George W. Bush wegen
Hochverrats angeklagt wurde. Die Aktivisten- und
Aktionskünstlergruppe «The Yes Men» (http://www.theyesmen.org/) outete sich am
Mittwoch als Herausgeber der 14-seitigen Zeitung. Sechs Monate lang
hätten sie an dem Blatt gearbeitet und über eine Million
Exemplare mit Hilfe von tausenden Freiwilligen kostenlos in New York
und anderen US-Städten verteilt.
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/k0811130.htm#08111330
|
Säureangriff auf afghanische Mädchen
Fr.14.11.08 - Afghanische Mädchen und Lehrerinnen sind auf dem Weg zu ihrer
Schule in der südlichen Provinz Kandahar mit Säure
angegriffen worden. Männer fuhren auf Motorrädern vor und
versprühten die Säure aus Wasserflaschen auf drei
Schülerinnengruppen, wie die Behörden mitteilten. Einige der
15 Getroffenen erlitten Gesichtsnarben, die sie fürs Leben
kennzeichnen dürften. Eine Schülerin konnte am Freitag immer
noch nicht die Augen öffnen.
Die Mirwais-Mena-Schule für 1.500 Mädchen blieb vorerst
geschlossen. Die Behörden verurteilten den Angriff, für den
sie die radikalislamischen Taliban verantwortlich machten. Die wiesen
jegliche Verantwortung von sich. Zu Zeiten der Herrschaft der Taliban
in Afghanistan von 1996 bis 2001 waren Mädchen vom Schulbesuch
ausgeschlossen.
(Quelle: ap)
Bin Laden laut CIA weitgehend isoliert
Fr.14.11.08 - El-Kaida-Chef Osama Bin Laden ist nach Angaben des US-Geheimdienstes
CIA weitgehend isoliert. Der Terroristenführer sei gezwungen,
"einen Großteil seiner Energie seinem eigenen Überleben zu
widmen", sagte CIA-Chef Michael Hayden in einer Rede in Washington.
Demnach ist Bin Laden weitgehend abgeschnitten von den täglichen
Aktivitäten El Kaidas. Dennoch bleibe die Suche nach ihm eine
Priorität des US-Auslandsgeheimdienstes, sagte Hayden.
Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York mit
fast 3000 Toten, die El Kaida zur Last gelegt werden, hatte eine
US-geführte Militärinvasion die radikalislamischen Taliban in
Afghanistan gestürzt, die El-Kaida-Mitgliedern Unterschlupf
gewährt hatten. Die Fahndung nach Bin Laden blieb bislang trotz
einer von den USA ausgesetzten Belohnung in Millionenhöhe aber
erfolglos. Die afghanischen und die US-Behörden vermuten, dass der
Gesuchte sich im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet versteckt.
(Quelle: afp)
Bundeswehr bleibt im Antiterrorkampf
Fr.14.11.08 - Mit gebremster Kraft wird sich Deutschland das achte Jahr in Folge am
US-geführten Antiterrorkampf «Operation Enduring
Freedom» (OEF) beteiligen. Der Bundestag verlängerte am
Donnerstag mit breiter Mehrheit gegen die Stimmen der Linken und der
Grünen das Bundeswehrmandat bis zum 15. Dezember 2009.
Die Mandatsobergrenze wurde von 1400 auf 800 Soldaten gesenkt, die
Bereitstellung der Elitetruppe «Kommando
Spezialkräfte» (KSK) gestrichen.
Geschlossen beklagte die Opposition, dass auch sieben Jahre nach den
Anschlägen auf die USA als Rechtsgrundlage für den weltweiten
Einsatz das Selbstverteidigungsrecht der Charta der Vereinten Nationen
herangezogen werde. Dies sei dauerhaft nicht haltbar.
Derzeit sind rund 100 Soldaten der Bundeswehr vor der Küste
Somalias und im Mittelmeer im Einsatz. Die Kosten für den Zeitraum
bis Ende 2009 betragen 48 Millionen Euro. Bisher hätten bis zu 100
KSK-Kräfte für die OEF-Mission nach Afghanistan geschickt
werden können. Seit 2005 kamen sie unter OEF aber nicht mehr zum
Einsatz. Jedoch kann das KSK unter dem Mandat für die
Afghanistan-Schutztruppe ISAF aktiv werden. Für die ISAF hatte der
Bundestag das Kontingent im Oktober um 1000 auf 4500 Soldaten
erhöht. Die ISAF hat ein Mandat der Vereinten Nationen, OEF nicht.
Unter OEF wird Deutschland nicht mehr in Afghanistan operieren.
428 Abgeordnete stimmten für die weitere Beteiligung der
Bundeswehr an dem Einsatz, 130 dagegen, 8 enthielten sich. Der CDU-
Abgeordnete Eckart von Klaeden sagte, die Gefahr des internationalen
Terrorismus sei nach wie vor gegenwärtig. «Es ist nicht nur
unsere Aufgabe, sondern auch unsere Pflicht, ihn zur Sicherheit unserer
Bürger an den Wurzeln zu bekämpfen.»
Die Grünen-Abgeordnete Kerstin Müller kritisierte dagegen,
der deutsche Beitrag für OEF sei heute «reine
Symbolpolitik». Verblieben sei ein Solidaritätsnachweis
für die USA. Soldaten in einen solchen Einsatz zu schicken, sei
«höchst unverantwortlich».
Der SPD-Politiker Walter Kolbow erklärte, der Kampf gegen den
internationalen Terror müsse so lange fortgeführt werden, wie
Anschlagsgefahren bestünden. Die Gefahr sei nicht gebannt, wie die
Anschläge in anderen Ländern nach dem Angriff auf die USA
zeigten. «Das Selbstverteidigungsrecht ist die
völkerrechtliche Grundlage für diese Operation», sagte
Kolbow.
Monika Knoche von der Linken entgegnete, für OEF gebe es kein UN-
Mandat. Der Einsatz sei völkerrechtswidrig. Auch der
FDP-Abgeordnete Werner Hoyer sagte: «Man kann sich nicht ewig auf
einen Ausnahmetatbestand berufen.» Das Selbstverteidigungsrecht
der UN- Charta sei Ausnahmen vorbehalten. Die FDP stimme der
Verlängerung auch zu, um kein falsches Signal an die USA zu
senden, wo nach dem Machtwechsel ein grundlegender Wandel vollzogen
werde. Es sei richtig, Gespräche mit friedensbereiten Taliban zu
erwägen.
(Quelle: dpa)
12.000 Menschen aus dem Kongo nach Uganda geflüchtet
Fr.14.11.08 - Mindestens 12.000 Flüchtlinge haben wegen der Kämpfe zwischen
Rebellen und Regierungstruppen den Osten der Demokratischen Republik
Kongo in Richtung Uganda verlassen. Allein am Dienstag kamen 2000
Flüchtlinge nach Uganda, wie das UN-Flüchtlingswerks UNHCR in
der ugandischen Hauptstadt Kampala mitteilte. Die UNO verhandele
derzeit mit der ugandischen Regierung über den Aufbau von
Flüchtlingslagern. Nach Einschätzung der UNO sind wegen der
jüngsten Konflikte seit Ende August insgesamt 250.000 Menschen auf
der Flucht.
(Quelle: afp)
Greenpeace eröffnet erstes Büro in Afrika
Fr.14.11.08 - Die Umweltorganisation Greenpeace hat ihre internationalen
Aktivitäten auf Afrika ausgeweitet. Am Donnerstag eröffnete
die Organisation ein erstes Büro im südafrikanischen
Johannesburg. Als nächstes solle bereits Ende November eine
Niederlassung in Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik
Kongo, folgen. Ein drittes Büro sei im Frühjahr 2009 im
Senegal geplant, teilte die Organisation in Hamburg mit.
Die Greenpeace-Arbeit werde sich auf den Klimawandel, die Abholzung der
letzten großen Urwälder und die Überfischung der Ozeane
als größte Umweltprobleme des Kontinents richten. Afrika
habe jetzt die Chance, die Wende zu schaffen und eine Vorreiterrolle in
umweltschonender Entwicklung zu übernehmen, sagt
Afrika-Kampagnendirektor Amadou Kanoute.
Kanoute warnte, südlich der Sahara könnten bis zum Ende
dieses Jahrhunderts rund 180 Millionen Menschen an den
unkontrollierbaren Folgen der Erderwärmung sterben. Sintflutartige
Regenfälle, extreme Trockenheit und schwindende Nahrungsmittel
verursachten dort schon heute Flüchtlingsströme und Kriege.
Allein vom Urwaldgebiet des Kongobeckens hingen rund 40 Millionen
Menschen mit ihrem Lebensunterhalt ab. Es sei das
viertgrößte zusammenhängende Urwaldgebiet der Welt.
Greenpeace eröffnet seine afrikanischen Büros nur wenige
Wochen vor Beginn der diesjährigen Weltklimakonferenz vom 1. bis
13. Dezember im polnischen Poznan. Themen sind eine weltweite Reduktion
von Treibhausgasen und die Verhinderung der schlimmsten Folgen des
Klimawandels. «Südafrika braucht eine starke Position in den
UN-Gesprächen. Es geht um eine finanzielle Unterstützung der
Industrienationen für die afrikanischen Entwicklungsländer,
damit diese den Folgen des Klimawandels angemessen begegnen
können», sagt Kanoute.
(Quelle: ddp)
Sechsertreffen zum Iran-Konflikt offenbar ohne Fortschritte
Fr.14.11.08 - Vertreter der sogenannten Sechsergruppe haben in Paris über den
Atomkonflikt mit dem Iran beraten.
Anzeichen für größere Fortschritte in den
Gesprächen von Vertretern der fünf UN-Vetomächte und
Deutschlands gab es allerdings nicht. Das französische
Außenministerium erklärte in einer knappen Mitteilung nach
dem Treffen auf Direktorenebene am Donnerstagabend lediglich, die
Beteiligten hätten sich über die gegenwärtige Situation
ausgetauscht und über das weitere Vorgehen gesprochen. Die
Vertreter der USA, Großbritannien, Frankreichs, Russlands, Chinas
und Deutschlands würden ihre Beratungen in den kommen Wochen
fortsetzen.
Die Erwartungen an das Treffen waren ohnehin nicht sonderlich hoch.
Bereits zuvor war aus französischen Regierungskreisen verlautet,
dass vor der Amtsübergabe von US-Präsident George W. Bush an
seinen Nachfolger Barack Obama Mitte Januar nicht mit wesentlichen
Entwicklungen zu rechnen sei. Der Westen beschuldigt den Iran, unter
dem Deckmantel der zivilen Kernenergienutzung an dem Bau von Atomwaffen
zu arbeiten. Der Iran bestreitet das.
(Quelle: rtr)
USA verschärfen Iran-Sanktionen
Fr.14.11.08 - Im Streit über das iranische Atomprogramm hat Washington weitere
Finanz-Sanktionen gegen den Iran verhängt. Diesmal trifft es den
Bankensektor.
US-amerikanische Banken dürfen künftig nicht mehr als
Zwischenstation bei iranischen Geldtransaktionen agieren. Mit dieser
Maßnahme will die noch amtierende Regierung unter George W. Bush
ein letztes Schlupfloch bei iranisch-amerikanischen Geldgeschäften
stopfen. Direkte Finanz-Kontakte sind zwar bereits im Rahmen der
generellen Handelssektionen verboten, eine Ausnahme bildeten aber
sogenannte "U-Turn-Überweisungen". Demnach durften US-Banken
bislang Geldtransaktionen einiger iranischer Banken ausführen,
wenn sie - über einen Umweg - von nicht-iranischen Geldanstalten
im Ausland angewiesen und empfangen wurden. Lange bestehende
Handelssanktionen
Mit den Sanktionen solle der finanzielle Druck auf das Land
verstärkt werden, um es dazuzubringen, sein Atomprogramm
aufzugeben, erklärte das US-amerikanische Finanzministerium am
Donnerstag (6.11.2008). Der Iran steht im Verdacht unter dem Deckmantel
der friedlichen Nutzung der Atomenergie den Bau von Atomwaffen
anzustreben. Die Regierung in Teheran bestreitet das.
Die Handelssektionen gegen den Iran wurden bereits 1979 von USA
verhängt, als es noch gar nicht um das Nuklearprogramm ging.
Damals wurde Schah Reza Pahlawi abgesetzt und die Islamische Republik
Iran unter Ajatollah Chomeini errichtet. Die US-Botschaft in Teheran
wurde besetzt und Mitarbeiter als Geiseln genommen, um von den USA die
Auslieferung des Schah zu erpressen, der dorthin geflüchtet war.
Daraufhin verhängte Washington Sanktionen, die bis heute gelten,
um zu verhindern, dass Teheran Atomwaffen baut.
Gespannt blickt die Welt nun auf Barack Obama. Im Gegensatz zu Bush,
der das Land zur sogenannten "Achse des Bösen" zählt, hatte
sich der kommende Präsident in seinem Wahlkampf für die
Wiederaufnahme von Gesprächen ausgesprochen. Auch Mahmud
Ahmadinedschad schlug ungewöhnlich versöhnliche Töne an,
als er dem Demokraten zu seinem Sieg gratulierte. Experten sind jedoch
skeptisch, ob sich das Verhältnis zwischen Washington und Teheran
tatsächlich entspannen wird.
(Quelle: dw)
Clinton als US-Außenministerin im Gespräch
Fr.14.11.08 - Hillary Clinton wird in Washington als Kandidatin für das Amt des
US-Außenministers gehandelt. Die Senatorin, die dem
künftigen Präsidenten Barack Obama nach einem harten
Wahlkampf in der internen Ausscheidung der demokratischen Partei
unterlegen war, werde von Obama in Betracht gezogen, verlautete am
Donnerstag aus Kreisen der Demokraten. Der Sprecher Clintons, Philippe
Reines, verwies alle Fragen dazu an das Übergangsteam Obamas, das
wiederum keine Stellung nehmen wollte. Neben Clinton werden für
die Besetzung des Außenministeriums auch der republikanische
Senator Chuck Hagel, der frühere demokratische
Präsidentschaftskandidat John Kerry und der Gouverneur von New
Mexico, Bill Richardson, genannt.
(Quelle: ap)
Washingtoner Gipfel sucht nach Wegen aus Finanzkrise
Fr.14.11.08 - Vor Beginn des Weltfinanzgipfels hat UN-Generalsekretär Ban Ki
Moon die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20)
dazu aufgerufen, auch die Interessen der ärmeren Länder zu
berücksichtigen. Die Menschen in den Entwicklungsländern
seien am stärksten betroffen von einem weltweit stockenden
Wirtschaftswachstum, schrieb Ban in einem Brief an die
Gipfelteilnehmer. US-Präsident George W. Bush hatte zu dem Treffen
nach Washington eingeladen, bei dem ab heute über die Zukunft des
globalen Finanzsystems beraten werden soll. Deutschland dämpfte
die Erwartungen.
Die G-20 müssten "ihre Kräfte bündeln", damit aus der
Finanzkrise nicht eine "humanitäre Tragödie" werde, sagte Ban
mit Blick auf die Entwicklungsländer. Er wolle deshalb auch den
ärmeren Staaten eine Stimme verleihen. Zugleich forderte Ban die
Teilnehmer des Finanzgipfels dazu auf, Probleme wie den Klimawandel,
Armut und Konflikte bei ihren Beratungen zu berücksichtigen.
Einen ähnlichen Appell wie Ban richteten auch die
lateinamerikanischen Staaten der so genannten Rio-Gruppe an den
Weltfinanzgipfel. Die Industriestaaten müssten trotz Finanzkrise
von drastischen Kürzungen bei Entwicklungshilfen absehen, sagte
Mexikos Außenministerin Patricia Espinosa. Mexiko, Brasilien und
Argentinien werden als einzige lateinamerikanische Staaten an dem
Gipfel teilnehmen.
Deutschland dämpfte im Vorfeld des Treffens bereits die
Erwartungen. Es sei fälschlicherweise der Eindruck entstanden,
dass eine "Weltrevolution" beschlossen werde, hieß es aus
Delegationskreisen in Berlin. Dennoch äußerte sich
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) optimistisch darüber, dass
Vereinbarungen erzielt werden könnten. Leitlinie für die
Reformen müsse sein, dass "in Zukunft alle Gebiete, alle Produkte
und alle Geschäfte" auf den Finanzmärkten angemessen
reguliert und überwacht würden, sagte die Kanzlerin der
"Süddeutschen Zeitung".
US-Präsident Bush sagte in New York, es gelte Grundlagen für
eine Reform des Finanzsystems zu legen, um künftige Krisen zu
verhindern. Ein einziges Spitzentreffen werde dafür allerdings
nicht ausreichen. Die japanische Regierung kündigte an, dem
Internationalen Währungsfonds (IWF) ein Darlehen von bis zu 100
Milliarden Dollar bereitstellen zu wollen.
Das Treffen in Washington beginnt am Abend mit einem Arbeitsessen. Die
Gespräche über die künftige Finanzarchitektur werden am
Samstag aufgenommen. Dabei soll es um mehr Transparenz auf den
Finanzmärkten, eine verbesserte Zusammenarbeit der
Finanzinstitutionen sowie Regulierungsmaßnahmen gehen.
(Quelle: afp)
Haftstrafen wegen Polizeigewalt beim G-8-Gipfel in Genua
Fr.14.11.08 - Sieben Jahre nach dem von Gewalt überschatteten G-8-Gipfel in
Genua sind in Italien 13 Polizisten zu Haftstrafen von bis zu vier
Jahren verurteilt worden. Das Gericht in Genua befand sie der Gewalt
gegen Demonstranten für schuldig, die während des G-8-Gipfels
in einer Schule untergebracht waren. Die Urteilsverkündung wurde
live im italienischen Fernsehen übertragen. 16 weitere Polizisten
und auch die drei Hauptverantwortlichen der Ordnungskräfte
während des Gipfels wurden hingegen freigesprochen.
Das Verfahren gegen die Polizisten lief bereits seit drei Jahren. Sie
mussten sich wegen Körperverletzung und willkürlicher
Hausdurchsuchung verantworten, nachdem sie im Juli 2001 eine Schule
erstürmt hatten, in der Globalisierungsgegner schliefen. Bei der
gewaltsamen Erstürmung der Schule waren 93 Globalisierungsgegner
festgenommen worden, unter ihnen mehrere Deutsche. Zudem wurde ein
Polizist für schuldig befunden, im Nachtlager der Demonstranten
zwei Molotow-Cocktails versteckt zu haben. Er wurde zu drei Jahren Haft
verurteilt.
Der Prozess hatte erst vor einem Jahr eine Wende genommen, als einer
der Angeklagten sein Schweigen brach und das Fehlverhalten der
Polizisten eingestand. Seinen Schilderungen zufolge schlugen die
Beamten auf Unbewaffnete ein. Er sprach damals von einem "Gemetzel". Im
Juli waren bereits 15 Polizisten in einem ähnlichen Fall in Genua
zu Haftstrafen zwischen fünf Monaten und fünf Jahren
verurteilt worden. Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten
und Sicherheitskräften in Genua hatte ein Polizist einen
23-jährigen italienischen Globalisierungsgegner erschossen.
Mehrere hundert Menschen wurden damals verletzt.
(Quelle: afp)
Experten fordern radikale Umstellung der Manager-Bezahlung
Fr.14.11.08 - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet vom Weltfinanzgipfel der
größten Wirtschaftsmächte in Washington den Beginn
einer tiefgreifenden Reform des globalen Finanzsystems.
Unmittelbar vor dem Treffen der über 20 Staats- und
Regierungschefs in der US-Hauptstadt wurde aber in Berlin vor zu hohen
Erwartung gewarnt. Die Konferenz werde noch keine detaillierten
Ergebnisse zur Abwendung künftiger Finanzkrisen bringen,
hieß es am Donnerstag in Regierungskreisen. Den Angaben zufolge
ist jedoch mit einer Grundsatzverständigung zu rechnen, dass die
Finanzmärkte künftig umfassend reguliert werden sollen.
Kurz vor dem Gipfel schlägt die Expertengruppe von Merkel für
eine neue Weltfinanzordnung eine radikale Umstellung der
Manager-Bezahlung vor. Entsprechende Informationen liegen der Deutschen
Presse-Agentur (dpa) vor. Nach Ansicht der Arbeitsgruppe um den
ehemaligen Chefvolkswirt der Deutschen Bundesbank, Otmar Issing, hat
die auf kurzfristige Bonuszahlungen ausgerichtete
Manager-Vergütung erheblich zur Finanzkrise beigetragen.
Neue Formen der Bezahlung sind nach Auffassung der Experten nötig,
um zu mehr Balance zwischen kurzfristiger und langfristiger
Orientierung in den Banken zu kommen. Diese könnten sich mehr an
der Bildung von Pensionsansprüchen orientieren als an kurzfristige
Barauszahlungen. Staatliche Vorschriften in diese Richtung lehnen
Issing und seine Kollegen aber ab.
Merkel wird die Empfehlungen kurz vor ihrer Abreise zum
Weltfinanzgipfel im Berliner Kanzleramt entgegennehmen. Auch die
Managergehälter werden dort Gegenstand der Gespräche sein.
Der Gipfel selbst beginnt in der Nacht zum Samstag deutscher Zeit in
Washington.
Issing und seine Mitstreiter sprechen sich auch für eine
regelmäßige Bewertung der Ratingagenturen aus. Der Erfolg
ihrer Arbeit soll von unabhängigen Experten einmal im Jahr
öffentlich publiziert werden. Zudem hat die Runde auch die
Einführung einer sogenannten Weltrisikokarte vorgeschlagen, in der
alle internationalen Finanzinstitutionen aufgeführt sein sollen.
Dazu gehören auch Hedgefonds und Rückversicherer. Die Karte
soll Grundlage für ein schnelleres Eingreifen bei neuen
Finanzkrisen bieten.
Außerdem ist die Einführung eines Kreditregisters
vorgesehen. Auch hier ist das Ziel, den Regierungen einen
Überblick zu verschaffen, in welchem Ausmaß in ihren
Ländern Darlehen mit einem hohen Risiko erteilt worden sind.
Dies wird auch vom Wirtschaftsweisen Peter Bofinger begrüßt.
Die Instabilität des globalen Finanzsystems sei vor allem auf eine
zu geringe Transparenz der Finanzinstitute zurückzuführen,
sagte Bofinger in einem Gespräch mit handelsblatt.com. Um dies zu
beheben, müsse eine globale Finanzdatenbank eingerichtet werden,
der als globale Schufa alle Bankkredite von mehr als einer Million Euro
gemeldet werden müssen.
(Quelle: dpa)
Lafontaine fordert 80 Prozent Steuern ab 600.000 Euro Einkommen
Fr.14.11.08 - Linke-Chef Oskar Lafontaine hat sich für eine drastische Anhebung
des Spitzensteuersatzes ausgesprochen. «Die beste Lösung
wäre, den Steuersatz bei Einkommen ab 600.000 Euro sprunghaft auf
80 Prozent ansteigen zu lassen. Das sind Einkommen, die dem 20-fachen
des Durchschnittseinkommens entsprechen. Alle schamlosen Einkommen
wären erfasst «, sagte Lafontaine der «Passauer Neuen
Presse».
(Quelle: ap)
Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen im Westen
höher
Fr.14.11.08 - Der Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen ist im Westen
Deutschlands höher als im Osten. Der Abstand der
durchschnittlichen Bruttostundenverdienste von Männern und Frauen
lag 2007 im früheren Bundesgebiet bei 24 Prozent, während er
in den neuen Bundesländern nur bei 6 Prozent lag, wie das
Statistische Bundesamtes am Freitag mitteilte.
Die Statistiker erklären die regionalen Differenzen mit deutlich
höheren Verdiensten der Männer in den alten
Bundesländern im Vergleich zu denen in den neuen Ländern. So
lag der Bruttostundenverdienst von Männern im früheren
Bundesgebiet um 45 Prozent über dem der Männer in den neuen
Bundesländern. Bei den Frauen betrug dieser Unterschied lediglich
17 Prozent.
Bundesweit wurde für das Jahr 2007 ein Verdienstunterschied
zwischen den Geschlechtern in Höhe von 23 Prozent ermittelt. In
den Wirtschaftszweigen, in denen viele Frauen tätig sind,
fällt der geschlechterspezifische Verdienstabstand
überdurchschnittlich hoch aus. Dies gilt insbesondere für die
Wirtschaftszweige Unternehmensnahe Dienstleistungen (30 Prozent),
Verarbeitendes Gewerbe (29 Prozent), Handel (25 Prozent) sowie
Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen (24 Prozent).
(Quelle: ap)
Mehrere Metall-Firmen wollen Lohnplus nicht zahlen
Fr.14.11.08 - Der Tarifabschluss in der Metallindustrie wird bei zehntausenden
Beschäftigten offenbar gar nicht oder erst mit Verzögerung
ankommen. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung werden die
Beschäftigten im Bochumer Opel-Werk 2009 nicht mehr Geld erhalten.
Das im Tarifvertrag ausgehandelte Lohnplus werde komplett mit den
bereits übertariflich gezahlten Löhnen verrechnet, sagte ein
Opel-Sprecher dem Blatt. Das sehe der 2005 vereinbarte Zukunftsvertrag
des Unternehmens vor. In den Werken Rüsselsheim und Kaiserslautern
werde die Lohnerhöhung einen Prozentpunkt geringer ausfallen als
der Tarifvertrag vorsehe.
Zudem berichtet die Zeitung, dass mehrere Firmen die Möglichkeit
prüfen, die für Mai 2009 vorgesehene zweite Lohnerhöhung
später zu zahlen. Neben Heidelberger Druck wollen demnach
mindestens fünf größere Autozulieferer, darunter
Continental, mit ihren Betriebsräten entsprechende Gespräche
führen. Bereits am Mittwochabend hatte der Münchener
Chiphersteller Infineon seinen Austritt aus dem bayerischen
Arbeitgeberverband erklärt, um die Lohnerhöhung nicht
bezahlen zu müssen.
(Quelle: afp)
Hälfte der Einstellungen befristet
Fr.14.11.08 - Fast jede zweite Neueinstellung in Deutschland ist befristet. Wie das
Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
(IAB) am Donnerstag mitteilte, stieg der Anteil der befristet
abgeschlossenen Arbeitsverträge seit 2001 von 32 auf 43 Prozent.
Übermäßig machten Staat und Kommunen von diesem
Instrument Gebrauch: Zwei Drittel der neuen Arbeitsverträge im
öffentlichen Dienst würden nur auf Zeit abgeschlossen, und
nur ein Viertel münde hier in eine Festanstellung. Auch im
Gesundheits-, Sozial- und Bildungswesen und bei
Nonprofit-Organisationen seien Befristungen schon der Normalfall,
erklärte der Arbeitsmarktforscher Christian Hohendanner. In der
Industrie dagegen seien Befristungen eher Probezeiten, zwei Drittel
würden am Schluss übernommen.
(Quelle: ap)
Özdemir will soziales Profil der Grünen schärfen
Fr.14.11.08 - Der designierte Vorsitzende der Grünen, Cem Özdemir, will
sich für ein stärkeres sozial- und bildungspolitisches Profil
seiner Partei einsetzen: «Die Grünen müssen dafür
stehen, dass alle Menschen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft
eine berufliche Aufstiegsmöglichkeit erhalten».
Das sagte Özdemir der «Saarbrücker Zeitung».
Özdemir soll an diesem Samstag beim Grünen-Parteitag in
Erfurt als Nachfolger von Reinhard Bütikofer in die Doppel-Spitze
der Grünen gewählt werden. Die Wiederwahl der
langjährigen Vorsitzenden Claudia Roth gilt als sicher.
Özdemir wäre der erste Sohn türkischer Einwanderer, der
in Deutschland den Aufstieg zum Parteivorsitzenden schafft.
Die bis zu 850 Delegierten beginnen ihren Parteitag heute mit einer
Debatte über die angestrebte Energiewende. Eine Kontroverse wird
darüber erwartet, wie schnell die Versorgung komplett auf
erneuerbare Energien umgestellt werden kann. Am Sonntag sollen die
Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Renate Künast, und der
frühere Umweltminister Jürgen Trittin zu Spitzenkandidaten
für die Bundestagswahl 2009 gewählt werden.
Nach Ansicht ihres baden-württembergischen Landtagsfraktionschefs
Winfried Kretschmann bleiben die Grünen weit hinter ihren
Möglichkeiten zurück. «Eigentlich sollten wir viel
besser dastehen, da unser Thema Ökologie und Klimaschutz in der
Mitte der Gesellschaft angekommen ist», sagte Kretschmann der
«Badischen Zeitung». «Wir sollten eher um 15 Prozent
kämpfen statt um zehn.» Verantwortlich dafür machte er
die Parteistrukturen mit Doppelspitzen in Bundespartei und
Bundestagsfraktion: «So kann man in einer modernen
Mediendemokratie eine Partei nicht erfolgreich führen.»
Kretschmann kritisierte auch den eigenen Landesverband, der
Özdemir vor einigen Wochen einen sicheren Listenplatz für die
Bundestagswahl 2009 verweigert hatte.
Der scheidende Vorsitzende Reinhard Bütikofer sieht mit Blick auf
die nächste Bundestagswahl keine Chancen für ein
rot-grünes Bündnis. «Rot-Grün im Bund hatte vor
dem Kladderadatsch der Hessen-SPD keine Mehrheit, und durch den
Kladderadatsch der Hessen-SPD hat es auch keine bekommen», sagte
Bütikofer NDR Info. «Rot-Grün im Bund ist entweder eine
Nostalgie oder die Vorstellung, was später einmal wieder sein
könnte, ist aber keine Aktualität». Er fügte
hinzu, er könne sich nach der Bundestagswahl auch keine
rot-rot-grüne und auch keine Jamaika-Koalition vorstellen.
Möglich sei dagegen - wenn es die Zahlen hergäben - ein
Bündnis aus Grünen, SPD und FDP. «Aber auch dann
würde sich die Frage stellen: Was würden die denn zusammen
machen?»
Bütikofer will sich nach dem Rückzug von der Parteispitze im
Frühsommer um ein Mandat im Europaparlament bewerben.
(Quelle: dpa)
Auch ver.di-Chef Bsirske von Telekom bespitzelt
Fr.14.11.08 - Die Telekom-Spitzelaffäre nimmt immer größere
Dimensionen an. Nach Angaben der Bonner Staatsanwaltschaft sind
mindestens 55 Personen betroffen, darunter Aufsichtsräte von
Telekom und T-Mobile, ein Telekom-Vorstandsmitglied, Angehörige
des Betriebsrats und weitere Mitarbeiter der Telekom sowie sieben
Journalisten und «dem Konzernbereich nicht zuzuordnende
Dritte». Dabei handelt es sich nach Gewerkschaftsangaben um
ver.di-Chef Frank Bsirske und Bundesvorstand Rolf Büttner.
Ver.di-Sprecher Jan Jurczyk sagte am Donnerstag in Berlin: «Das
ist aus unserer Sicht ein schwerwiegendes Delikt.» Es handele
sich um einen «Angriff auf die Mitbestimmung». Bsirskes
Name sei offensichtlich auf den von der Staatsanwaltschaft bei der
Telekom gefundenen Listen aufgetaucht. Büttner sei am Mittwoch von
Telekom-Chef René Obermann telefonisch informiert worden.
Ursprünglich hatte es geheißen, mit den Bespitzelungen
sollte eine undichte Stelle bei dem Unternehmen gefunden werden,
über die sensible Informationen an die Medien sickerten.
Der Bonner Oberstaatsanwalt Friedrich Apostel betonte, bei den 55
Betroffenen handele sich um eine vorläufige Zahl, die sich mit
Sicherheit noch erhöhen werde. Man habe die Personen angeschrieben
und ihnen Gelegenheit gegeben, Strafantrag zu stellen. Ein
Telekom-Sprecher kündigte an, das Unternehmen werde sich bei ihnen
entschuldige.
Bei dem bespitzelten Telekom-Vorstand handelt es sich nach
Informationen des «Spiegels» um den früheren
Personalchef Heinz Klinkhammer. Er war in seiner Zeit als
Personalvorstand von 1996 bis 2006 auch für die Konzernsicherheit
verantwortlich. «Spiegel online» zitierte Klinkhammer mit
den Worten: «So etwas hätte ich bis vor kurzem für
unmöglich gehalten.» Zuletzt hatte er den ehemaligen
Konzernchef Kai-Uwe Ricke in der Abhöraffäre massiv
angegriffen und für den Skandal mitverantwortlich gemacht.
Ex-Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke hatte zugegeben, den Auftrag zur Suche
nach der Quelle von Indiskretionen gegeben zu haben. Klinkhammer hatte
dem «Handelsblatt» gesagt, der Auftrag sei an ihm vorbei
erteilt worden. Intern war aufgedeckt worden war, dass 2005 und 2006
unter anderem Journalisten und Aufsichtsräte von der
Konzernsicherheit bespitzelt wurden.
(Quelle: ap)
51 Prozent der Deutschen für Atomausstieg
Fr.14.11.08 - Jeder zweite Bundesbürger (51 Prozent) hält einen Ausstieg
aus der Atomenergie weiterhin für richtig. 41 Prozent der
Teilnehmer einer Infratest dimap-Umfrage für das ARD-Morgenmagazin
finden es falsch, in absehbarer Zeit auf die Atomenergie zu verzichten.
Im Sommer 2000, als der Ausstieg aus der Atomenergie unter der
damaligen rot-grünen Bundesregierung beschlossen wurde,
hätten noch 61 Prozent der Bürger für einen Atomausstieg
gestimmt, 32 Prozent waren dagegen, meldete die ARD.
Mit weit schwereren Protesten als in vergangenen Jahren hatten
Kernkraftgegner am vergangenen Wochenende die Ankunft des umstrittenen
Atommüll-Transportes in Gorleben stark verzögert.
(Quelle: dpa)
Wissenschaft - Erstmals Planeten außerhalb des Sonnensystems
fotografiert
Fr.14.11.08 - Der Gruppe um Christian Marois vom kanadischen Forschungsrat ist es
gelungen, erstmals ein System mehrerer Planeten bei einem anderen Stern
abzulichten. Gleich drei sogenannte Exoplaneten fanden sie auf ihrer
Infrarot-Aufnahme bei der 130 Lichtjahre entfernten Sonne HR 8799 im
Sternbild Pegasus. Und mit dem «Hubble»-Weltraumteleskop
schossen Astronomen um Paul Kalas von der Universität von
Kalifornien das nach ihren Angaben erste Foto eines Exoplaneten im
sichtbaren Licht.
Dieser Begleiter des 25 Lichtjahre entfernten Sterns Fomalhaut im
Sternbild Südlicher Fisch ist den Berechnungen zufolge etwa
dreimal so massereich wie der größte Planet unseres eigenen
Systems, der Jupiter. Der Exoplanet umläuft seinen Stern alle 872
Jahre in mehr als 100 Mal größerer Entfernung als die Erde
die Sonne. Astronomen hatten seit langem einen Planeten bei Fomalhaut
vermutet, aber erst jetzt ließ sich der Trabant nachweisen.
Für die komplizierte Beobachtung mussten die Astronomen das
hundert Millionen Mal hellere Licht von Fomalhaut (arabisch für
«Maul des Fischs») ausblenden, das den schwach schimmernden
Planeten gewöhnlich überstrahlt.
Es ist nicht das erste Foto eines fernen Planeten, aber nach Angaben
der Astronomen das erste im sichtbaren Licht. Es sind keinerlei Details
des Exoplaneten auf dem Bild zu erkennen, die Forscher vermuten jedoch,
dass er von einem gigantischen Staubring umgeben ist, größer
noch als der majestätische Ring des Saturns in unserem
Sonnensystem. Denn der Exoplanet bei Fomalhaut erscheint heller, als er
bei seiner berechneten Masse sein dürfte.
Chancen für Leben dürfte es im Fomalhaut-System kaum geben:
Der Stern verbraucht seinen Brennstoff so rasch, dass er schon in etwa
einer Milliarde Jahren ausgebrannt sein wird. «Das bedeutet, dass
es wenig Gelegenheit für die Entwicklung fortgeschrittenen Lebens
auf irgendeinem bewohnbaren Planeten gibt, den dieser Stern vielleicht
besitzt», erläuterte das europäische
«Hubble»-Zentrum in Garching bei München. Bis zur
Entstehung des Menschen waren auf der Erde mehr als vier Milliarden
Jahre nötig.
Wie der Fomalhaut-Trabant sind auch die drei nun entdeckten Begleiter
des Sterns HR 8799 deutlich größer als alle Planeten in
unserem System. Sie besitzen sieben- bis zehnmal soviel Masse wie der
Jupiter. Die erst 60 Millionen Jahre alten Planeten sind selbst noch so
heiß, dass sie im Infrarotlicht strahlen. Es ist nicht die erste
Entdeckung eines Systems aus mehreren Planeten bei einem anderen Stern,
aber nach Angaben der Astronomen das erste Mal, dass ein solches System
direkt abgelichtet werden konnte.
«Wir haben seit acht Jahren versucht, Planeten abzubilden - ohne
Erfolg», erläuterte Bruce Macintosh aus dem Entdeckerteam.
«Endlich haben wir ein echtes Bild eines ganzen Systems. Das ist
ein Meilenstein in der Suche und der Einordnung von
Planetensystemen.»
Insgesamt sind mit verschiedenen Methoden bereits mehr als 300
Exoplaneten entdeckt worden. Die meisten verrieten sich indirekt
über ihre Schwerkraft, mit der sie an ihren Heimatsternen zerren
und diese zu einem leichten regelmäßigen Wackeln bringen,
das sich von der Erde aus beobachten lässt. «Wenn Astronomen
bislang neue Planeten bei einem Stern entdeckt haben, haben wir bislang
nur Schlängellinien auf einem Diagramm der Geschwindigkeit oder
Helligkeit des Sterns gesehen», betonte Macintosh. «Jetzt
haben wir ein echtes Bild, das die Planeten selbst zeigt, und das macht
die Sache sehr interessant.»
(Fachartikelnummern: HR 8799: DOI 10.1126/science.1166585; Fomalhaut:
DOI 10.1126/science.1166609)
(Quelle: dpa)