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Irak 1699 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.15.11.08 - Es liegen keine neuen Nachrichten zum Thema Irak vor.
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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 15.11.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am 1331sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.15.11.07 - US-Repräsentantenhaus fordert erneut Truppenabzug aus dem Irak.
Lage irakischer Flüchtlinge desaströs. Drei US-Soldaten im
Nord-Irak getötet - Anschlag in Bagdad. Blackwater-Einsatz in
Bagdad in mindestens 14 Fällen überzogen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0711150.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
Gefälschte 'New York Times' meldet Ende des Irak-Kriegs -
Aktionskünstlergruppe 'The Yes Men' outet sich als Herausgeber
Do.13.11.08 - Eine gefälschte Ausgabe der «New York Times» hat am
Mittwoch mit Datum 4. Juli 2009 und großer Schlagzeile das Ende
des Irak-Kriegs vermeldet (http://www.nytimes-se.com/.
Die täuschend echt wirkende «Sonderausgabe» der
renommierten Tageszeitung berichtete auch über die
Schließung des US-Gefangenenlagers Guantánamo Bay in Kuba
und dass der frühere US-Präsident George W. Bush wegen
Hochverrats angeklagt wurde. Die Aktivisten- und
Aktionskünstlergruppe «The Yes Men» (http://www.theyesmen.org/) outete sich am
Mittwoch als Herausgeber der 14-seitigen Zeitung. Sechs Monate lang
hätten sie an dem Blatt gearbeitet und über eine Million
Exemplare mit Hilfe von tausenden Freiwilligen kostenlos in New York
und anderen US-Städten verteilt.
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/k0811130.htm#08111330
|
Vorsitzender des Bundeswehrverbandes: Deutsches Engagement in
Afghanistan überdenken
Sa.15.11.08 - Nach der Wahl Barack Obamas zum neuen US-Präsidenten ist auch die
Debatte über das Engagement der Bundeswehr in Afghanistan wieder
aufgeflammt.
Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Oberst Bernhard Gertz, rechnet
damit, dass Obama die bisherige Strategie der USA verändern und
dann auch den Druck auf Deutschland erhöhen werde, mehr Truppen zu
entsenden und sie in ganz Afghanistan einzusetzen. Er könne sich
unter bestimmten Voraussetzungen Einsätze der Bundeswehr auch im
Süden und Osten Afghanistans vorstellen, sagte Gertz am Freitag
der ARD.
In Großbritannien berichtete die BBC unter Berufung auf
Regierungskreise, das Land könnte weitere 2000 Soldaten nach
Afghanistan schicken. Premierminister Gordon Brown würde ein
entsprechendes Ersuchen der USA kaum ausschlagen können,
hieß es.
Obama hatte angekündigt, er wolle im Kampf gegen die
radikal-islamischen Taliban mehr Soldaten einsetzen. Auch Afghanistans
Präsident Hamid Karsai hat die Verbündeten um mehr Truppen
gebeten.
Gertz sagte, die Bundesregierung müsse sich ernsthaft
überlegen, wie sie mit der zu erwartenden Forderung der USA
umgehe. "Unter der Voraussetzung, dass der bisher bestehende
Strategiedissens beseitigt wird und dass die USA weitestgehend auf
Luftschläge verzichten und stattdessen ihre Bodentruppen erheblich
verstärken sowie den Schwerpunkt auf zivilen Wiederaufbau setzen,
wird Deutschland mittelfristig um eine Erweiterung des Mandates und des
Mandatsgebietes nicht herumkommen. Das bedeutet möglicherweise
auch einen Einsatz der Bundeswehr im Süden und Osten Afghanistans
- natürlich nur nach entsprechender Entscheidung des Bundestages",
sagte Gertz. Bis zur Bundestagswahl 2009 werde die Bundesregierung in
diesem Punkt aber sicherlich noch standhaft bleiben, so Gertz weiter.
Eine Aufstockung der Truppen ist auch in Großbritannien nicht
populär. Derzeit sind 8000 britische Soldaten in Afghanistan
stationiert. Der Chef des britischen Heeres, Richard Dannatt, sagte dem
"Daily Telegraph", eine Aufstockung wäre wegen des gleichzeitigen
Einsatzes im Irak eine Belastung. Die britischen Streitkräfte
kämpften gegenwärtig in zwei Kriegen, obwohl sie nur für
einen ausgelegt seien. Einer BBC-Umfrage zufolge wollen zudem zwei
Drittel der Briten, dass ihre Truppen innerhalb eines Jahres aus
Afghanistan abgezogen werden.
Afghanistan erlebt zurzeit die schwerste Welle der Gewalt seit dem
Sturz der Taliban vor sieben Jahren. Die Hauptlast der Kämpfe wird
dabei von den USA, Großbritannien und Kanada getragen. Andere
Staaten wie Deutschland und Frankreich lehnen es ab, ihre Truppen in
den gefährlichen Taliban-Hochburgen im Süden des Landes
einzusetzen. Deutschland hat zwar die Aufstockung seiner
Afghanistan-Truppe um 1000 auf 4500 Soldaten beschlossen. Allerdings
wird die deutsche Elitetruppe KSK nicht mehr für den
Antiterror-Kampf in Afghanistan zur Verfügung stehen.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt: UN-Generalsekretär besorgt über Abriegelung
von Gazastreifen. Hamas feuert größere Raketen auf Israel
Sa.15.11.08 - UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat Israel aufgefordert, wieder
Lebensmittel- und Treibstofflieferungen in den Gazastreifen zuzulassen.
Er sei "zutiefst besorgt" über die Verschlechterung der
humanitären Situation, teilte Ban mit. Es sei besorgniserregend,
dass hunderttausenden von Menschen Nahrung und Hilfsmaßnahmen
verweigert würden. Alle Maßnahmen, die die Not der
Zivilbevölkerung vergrößerten, seien "in ihrer
Gesamtheit" abzulehnen und müssten sofort eingestellt werden,
erklärte Ban. Israel müsse "dringend" eine dauerhafte und
ausreichende Belieferung des Gazastreifens ermöglichen.
Israel hält die Übergänge in den Gazastreifen seit dem
5. November geschlossen. Am Donnerstag musste ein Lastwagenkonvoi von
Hilfsorganisationen mit Grundnahrungsmitteln, Medikamenten und
medizinischem Material am Übergang Kerem Schalom wieder umkehren.
Das UN-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge
(UNRWA) musste deshalb die vorgesehene Lieferung von
Grundnahrungsmitteln für 750.000 Menschen einstellen, die unter
zunehmend prekären Umständen leben.
Als Reaktion auf einen israelischen Luftangriff hat die
radikal-islamische Hamas am Freitag vom Gazastreifen aus mehrere
Raketen auf den Süden Israels geschossen.
Nach Angaben der Hamas kamen dabei erstmals "Grad"-Raketen sowjetischer
Bauart aus den 60er Jahren zum Einsatz, die eine Reichweite von 25
Kilometern haben. Das ist deutlich weiter, als die bislang verwendeten
Kassam-Geschosse fliegen. Die fünf Raketen seien in der Stadt
Aschkelon eingeschlagen, teilten die israelischen Behörden mit.
Opfer habe es keine gegeben.
Ministerpräsident Ehud Olmert wollte nach Angaben eines
Regierungssprechers noch im Tagesverlauf mit seinen Sicherheitsberatern
zusammentreffen, um über die jüngste Eskalation zu beraten.
Die seit elf Tagen anhaltenden Kämpfe bedrohen die seit fünf
Monaten geltende Waffenruhe zwischen der Hamas und Israel.
Noch halten beide Seiten aber an der vereinbarten Warrenruhe fest.
Israels Verteidigungsminister Ehud Barak kündigte jedoch an,
weiterhin jedem Angriff auf israelische Soldaten und Bürger
entschlossen entgegenzuwirken. Die Hamas verwies auf ihr Recht der
Selbstverteidigung und zum Widerstand und erklärte, sie warte auf
ein Zeichen zur Einhaltung des Waffenstillstands.
(Quellen: afp, rtr)
Großer UN-Hilfstransport im Osten des Kongos
Sa.15.11.08 - Erstmals seit den neuerlichen Kämpfen im Osten des Kongos haben
die Vereinten Nationen einen umfangreichen Hilfstransport eingeleitet.
In den kommenden vier Tagen sollen rund 100 Tonnen Lebensmittel zu
60.000 Zivilpersonen im Kampfgebiet gebracht werden, wie ein Sprecher
des Welternährungsprogramms (WFP), Marcus Prior, am Freitag in der
Stadt Kiwanja mitteilte. Die seit Ende Oktober anhaltenden Gefechte
haben schon 250.000 Menschen in die Flucht aus ihren Häusern
getrieben. Prior zufolge wagen es viele Bauern auch nicht mehr, ihre
Felder abzuernten.
(Quelle: ap)
Rezession überschattet Auftakt von Welt-Finanzgipfel
Sa.15.11.08 - Alarmiert von der globalen Rezession sind die Staats- und
Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer
am Freitag zu ihrem Welt-Finanzgipfel nach Washington geeilt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte vor ihrem Aufbruch, wegen der
dramatischen Folgen für die Wirtschaft dürfe sich die
Finanzkrise nicht wiederholen. Erstmals seit der Euro-Einführung
vor zehn Jahren schrumpfte auch die Ökonomie in der Euro-Zone. Bei
dem Treffen soll ein Fahrplan für eine neue Finanzarchitektur
aufgestellt werden.
Mit konkreten Ergebnissen wird allerdings erst nach einer Serie
weiterer Begegnungen auf unterschiedlichen Ebenen im Frühjahr
gerechnet. Merkel sagte, sie fahre optimistisch in die USA. Durch die
Finanzkrise sei ein Handlungsdruck entstanden, jetzt Nägel mit
Köpfen zu machen. Die Welt müsse zeigen, dass sie aus der
Krise gelernt habe. Der Gipfel solle Arbeitsaufträge für die
nächsten hundert Tage erteilen. "Das wäre ein großer
Erfolg", sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, der Merkel
begleitete. Das Spitzentreffen der G-20 endet am späten Samstag.
Eine Expertenrunde um den Ex-Chefvolkswirt der Europäischen
Zentralbank (EZB), Otmar Issing, gab Merkel und Steinbrück einen
Katalog von Empfehlungen mit auf den Weg. Den Schlüssel zu einer
größeren Stabilität des globalen Kapitalverkehrs sehen
sie in mehr Transparenz der Finanzprodukte und der Banken. So schwebt
ihnen eine Risiko-Weltkarte vor, auf der die Verbindlichkeiten globaler
Institute abgebildet werden. Die Überwachung der Märkte soll
effizienter werden und zum Beispiel auch Hedge-Fonds unter die Lupe
nehmen. Für riskante Geschäfte wie Kreditverbriefungen sollen
die Banken mehr Geld als Sicherheit zurücklegen müssen.
Merkel nannte die Empfehlungen außerordentlich wertvoll.
Über erste Warnungen, es dürfe nicht zu einer
Überregulierung kommen, zeigte sie sich verwundert. Noch
lägen keine Beschlüsse vor. Sie betonte, die Bundesregierung
werde alles daran setzen, dass es zu besseren Regeln komme, die Krisen
verhinderten.
Der designierte US-Präsident Barack Obama wird nicht an dem
G-20-Gipfel teilnehmen. Merkel sagte, sie erhoffe sich nach dessen
Amtseinführung am 20. Januar Kontinuität. Obama habe das
gleiche Interesse an einer Lösung wie George W. Bush.
Bei der Krisenbewältigung wollen auch die Europäische Union
und Russland an einem Strang ziehen. Der EU-Ratspräsident und
französische Präsident Nicolas Sarkozy sagte nach einem
Gipfel in Nizza, die Vorschläge Russlands seien denen der EU sehr
nahe. Russlands Präsident Dmitri Medwedew ergänzte: "Ich bin
sicher, dass wir in Washington mit einer Stimme sprechen werden." Auch
die japanische Regierung legte ein Maßnahmenbündel vor. Sie
will wie Deutschland und die EU die Ratingagenturen kontrollieren, die
die Bonität von Marktteilnehmern und Produkten bewerten.
Im Gegensatz zu vielen europäischen Staaten will Japan den
Internationalen Währungsfonds (IWF) aber nicht zum Oberaufseher
der Märkte machen. Auch in Schwellenländern gibt es
Vorbehalte gegen den IWF, der dort in früheren Jahrzehnten wegen
strikter Bedingungen für seine Kreditvergaben auf Kritik
gestoßen war.
Ewigen Streit werden sich die Regierungen allerdings nicht leisten
können, wenn sie ihre Bürger und die Märkte von der
Handlungsfähigkeit der Politik in der Krise überzeugen
wollen. So schrumpfte die Wirtschaft in der Euro-Zone im dritten
Quartal wie schon im zweiten um 0,2 Prozent. Die rote Laterne teilt
sich Deutschland mit Italien mit einem Rückgang um 0,5 Prozent.
Frankreichs Wirtschaft legte dagegen im Sommer überraschend um 0,1
Prozent zu, bleibt aber weiter von einer Rezession bedroht.
Großbritanniens Premierminister Gordon Brown rief nach
koordinierten Maßnahmen zur Stimulierung der Wirtschaft. Werde
nicht gehandelt, würden die Kosten am Ende viel höher sein.
Zur Abfederung der Folgen der Finanzkrise für die
Güterwirtschaft kommt es zudem auf die weitere Zinspolitik der
Zentralbanken an. Der Chef der US-Notenbank Fed, Ben Bernanke,
unterstrich die Handlungsbereitschaft der Geldpolitiker, die in
ständigem Kontakt zueinander stünden. In der Euro-Zone wird
schon bald mit einer weiteren Kürzung des Leitzinses von 3,25
Prozent gerechnet, zu dem sich die Banken Geld bei der EZB leihen.
(Quelle: rtr)
US-Präsident Bush weiter gegen radikale Reform der Finanzsysteme
Sa.15.11.08 - Kurz vor dem Weltfinanzgipfel hat US-Präsident George W. Bush
einer radikalen Reform der Finanzsysteme erneut eine Absage erteilt.
Zwar sei es notwendig, die Regeln für die Finanzmärkte zu
modernisieren, sagte Bush in einer vorab veröffentlichten
Radioansprache. Langfristig müsse es jedoch vor allem darum gehen,
ein stabiles Wachstum zu ermöglichen, denn staatliche
Interventionen seien kein Allheilmittel.
"Deshalb werde ich bei diesem Gipfel mit anderen Staatsführern
daran arbeiten, Prinzipien für Reformen aufzustellen, wie etwa die
Märkte transparenter zu machen und dafür zu sorgen, dass
Märkte, Firmen und Finanzprodukte ausreichend reguliert werden",
sagte Bush.
Der kanadische Premierminister Stephen Harper warb für einen
Kompromiss zwischen Befürwortern und Gegnern einer stärkeren
internationalen Kontrolle der Finanzmärkte. Es sei unrealistisch
zu glauben, dass sich die großen Wirtschaftsmächte einer
Kontrolle von außen unterwerfen würden, sagte er vor seinem
Abflug nach Washington. Möglich sei dagegen, sich zu mehr
Transparenz zu verpflichten, um Risiken künftig besser
abschätzen zu können. Zum Weltfinanzgipfel am Freitag und
Samstag in Washington kommen die Staats- und Regierungschefs der
wichtigsten Industrie- und Schwellenländer zusammen.
(Quelle: afp)
Venezuelas Präsident Chavez plant Gegengipfel zum Washingtoner
G-20-Treffen
Sa.15.11.08 - Der venezolanische Präsident Hugo Chavez plant einen Gegengipfel
zur Finanzmarktkrise. Während sich die Staats- und Regierungschefs
der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, die «Gruppe
der 20», in Washington trafen, erklärte Chavez am Freitag,
er werde mehr als 18 Staaten der Karibik und Lateinamerikas einladen,
um über die Folgen der Weltfinanzkrise zu beraten. Ein Datum
für die Konferenz nannte er nicht. Der linksgerichtete
Präsident warf den Teilnehmern des Washingtoner Gipfels vor, die
Interessen der kleineren Länder nicht zu berücksichtigen.
(Quelle: ap)
Island prüft nach Finanzkrise einen EU-Beitritt
Sa.15.11.08 - Das von der Finanzkrise schwer gebeutelte Island will nunmehr einen
Beitritt zur Europäischen Union (EU) prüfen.
Ministerpräsident Geir Haarde kündigte am Freitag die Bildung
einer Kommission an, die die Möglichkeit eines Beitritts studieren
soll. Seine Unabhängigkeitspartei werde dann im Januar
darüber beraten.
Haarde hat einen Beitritt zur EU bislang abgelehnt. Die Bürger
Islands sind in dieser Frage gespalten. Die Folgen der Finanzkrise
haben aber viele Isländer für einen Beitritt erwärmt:
Jüngsten Umfragen zufolge sind nunmehr 70 Prozent dafür.
Die Mitgliedschaft in der EU ist eine Voraussetzung für die
Einführung des Euro. Auch diese Idee findet in Island immer mehr
Anhänger, nachdem die isländische Währung im vergangenen
Monat kollabierte.
(Quelle: rtr)
Opel fehlen offenbar zwei Milliarden Euro - Autobauer ruft nach
Staatsbürgschaft
Sa.15.11.08 - Dem Automobilkonzern Opel fehlen offenbar zwei Milliarden Euro, die das
US-Mutterhaus General Motors (GM) nicht überweisen kann. Das
berichtet der "Focus". Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD)
bestätigte in Washington Berichte, wonach es am Dienstag ein
Spitzentreffen geben werde. Der stellvertretende CDU-Vorsitzende und
NRW-Ministerpräsident, Jürgen Rüttgers, stellte der
deutschen Autoindustrie über den Fall Opel hinaus Hilfen in
Aussicht. "Wir müssen der deutschen Autoindustrie helfen", sagte
Rüttgers der "Bild am Sonntag".
Ohne staatliche Hilfe wäre laut "Focus" die Produktion bei Opel
und damit 25.000 Arbeitsplätze gefährdet. Auf dem
Opel-Krisengipfel am Dienstag im Berliner Finanzministerium wollen Bund
und Länder demnach über eine Staatsbürgschaft
entscheiden. Der Bund solle eine Milliarde übernehmen, die
Länder teilten sich eine weitere Milliarde nach einem
Arbeitsplatz-Schlüssel, berichtete das Magazin unter Berufung auf
Regierungskreise. Demnach soll Hessen 500 Millionen Euro und
Nordrhein-Westfalen 250 Millionen Euro übernehmen. Rheinland-Pfalz
und Thüringen übernehmen dem Bericht zufolge 150 Millionen
beziehungsweise 100 Millionen Euro. Opel hatte Bund und Länder am
Freitag um Bürgschaften gebeten.
Steinbrück bestätigte das Treffen am Dienstag. Es sei aber
bedauerlich, dass Informationen darüber bereits in die
Öffentlichkeit gelangt seien. Es "wäre sehr ratsam", wenn der
Politik die Gelegenheit gegeben würde solide zu arbeiten, sagte er
in Washington am Rande des Finanzgipfels. Es gebe da noch eine ganze
Reihe von Problemen, zum Beispiel beihilferechtlicher Art. Laut "Focus"
stellen Bund und Länder Bedingungen für einen Risikoschirm
zugunsten des Autokonzerns. Demnach fordern Steinbrück und die
Ministerpräsidenten von Opel für die Finanzhilfe eine
Absicherung nach dem US-Insolvenzrecht sowie eine zusätzliche
Absicherung durch "nationale Gegenwerte".
Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag, Mike
Mohring, hatte zuvor einen Autogipfel gefordert. "Es macht durchaus
Sinn, dass der Bund die Gespräche über Hilfen für die
Autoindustrie koordiniert", sagte Mohring der Onlineausgabe des
"Handelsblatt". Ziel des Spitzentreffens mit den Chefs von
Autokonzernen und Zulieferern müsste aus seiner Sicht sein, die
Rahmenbedingungen für die Branche zu verbessern.
Bürgschaften für Opel seien ein erster Schritt, sagte
Rüttgers der "Bild am Sonntag". Er stellte der deutschen
Autobranche zudem weitere Hilfen in Aussicht. Rüttgers reagierte
damit auf Berichte, dass bei Daimler Benz Kurzarbeit und bei anderen
Herstellern Zwangsurlaub droht.
(Quelle: afp)
Bankenverband gegen stärkere Regulierung des des Finanzmarktes
Sa.15.11.08 - Der Bundesverband Deutscher Banken hat sich gegen eine stärkere
Regulierung und zugleich für eine größere Transparenz
des Finanzmarktes ausgesprochen. Dieser sei bereits die am
stärksten regulierte Branche der Wirtschaft überhaupt, sagte
der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Manfred Weber, am
Samstag im Deutschlandradio Kultur. Er räumte zugleich ein, dass
viele Produkte gerade im Bereich der Derivate zu komplex geworden
seien. Hier müsse es eine Entwicklung zurück geben:
«Produkte müssen überschaubar sein, denn Märkte
leben von Transparenz. Das ist in den letzten Jahren zu kurz
gekommen», sagte Weber.
(Quelle: ap)
Struck schlägt Steinbrück Abschaffung der Wirtschaftsweisen
vor
Sa.15.11.08 - Angesichts der unerwartet starken Finanzkrise hat sich
SPD-Fraktionschef Peter Struck für die Abschaffung des
Sachverständigenrats der sogenannten Wirtschaftsweisen
ausgesprochen. Das habe er Finanzminister Peer Steinbrück
vorgeschlagen, sagte Struck der Zeitschrift «Super Illu».
Vergleiche man Prognosen mit der Realität, merke man, dass die
Wirtschaftsweisen vor allem viel heiße Luft produzierten, so
Struck. Der Rat besteht aus fünf Ökonomen, die für
jeweils fünf Jahre zu Beratern der Regierung berufen werden.
(Quelle: dpa)
EU will neues VW-Gesetz erneut vor Gericht bringen
Sa.15.11.08 - Das VW-Gesetz wird trotz mehrerer Änderungen wieder vor dem
Europäischen Gerichtshof (EuGH) landen.
Die EU-Kommission kündigte nach der Entscheidung des Bundestages
über das neue Gesetz am Donnerstagabend umgehend weitere Schritte
in dem Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland noch vor
Weihnachten an. Damit rückt eine erneute Klage der Kommission vor
dem höchsten EU-Gericht in Luxemburg näher.
Die Kommission stößt sich weiterhin an dem verbliebenen
Recht auf eine Sperrminorität bei Volkswagen von 20 Prozent, von
der das Land Niedersachsen als zweitgrößter Aktionär
nach Porsche profitiert. Üblich sind bei Aktiengesellschaften in
Deutschland und anderen Ländern als Sperrminderheit 25 Prozent der
Anteile. Niedersachsen hält aber lediglich etwas mehr als 20
Prozent.
Die Bundesregierung und das Land sehen sich gleichwohl mit dem neuen
VW-Gesetz rechtlich auf der sicheren Seite. Die von der Kommission
weiterhin beanstandete besondere Sperrminderheit von 20 Prozent bei
Volkswagen sei keine Frage europäischen Rechts, sagte
Ministerpräsident Christian Wulff (CDU). "Das ist nationales
Recht. Das kann jedes Land in Europa regeln, wie es das möchte",
sagte der CDU-Politiker am Freitag in Hannover zu Reuters TV.
Der Bundestag hatte am Vorabend das neue VW-Gesetz beschlossen. Es war
nach einem EuGH-Urteil vom vergangenen Jahr nur in zwei von drei
strittigen Punkten geändert worden. So darf der Stimmrechtsanteil
eines einzelnen Aktionärs nicht länger auf 20 Prozent
begrenzt werden. Zudem dürfen Bund und Niedersachsen nicht mehr
per Gesetz je zwei Aufsichtsratsmitglieder stellen, sondern müssen
diese von der Hauptversammlung wählen lassen.
Die verringerte Sperrminorität aber bleibt erhalten. Damit kann
Niedersachsen dem Hauptaktionär Porsche weiterhin bei wichtigen
Entscheidungen die Stirn bieten. VW ist mit fünf Werken allein in
Niedersachsen größter Arbeitgeber in dem Land. Porsche hat
mehrfach das neue Gesetz als Verstoß gegen das EuGH-Urteil
kritisiert.
Auch Porsche liege hier falsch, sagte Wulff. Nach Rechtsauffassung
Niedersachsens und der Bundesregierung habe der Europäische
Gerichtshof die Sperrminorität von 20 Prozent für sich allein
nicht als rechtswidrig zurückgewiesen. In diesem Punkt werde die
EU-Kommission vor dem Gerichtshof scheitern, sagte Wulff.
(Quelle: rtr)
Grüne peilen 100 Prozent Ökostrom bis 2030 an
Sa.15.11.08 - Die Grünen peilen eine Komplett-Umstellung der Stromversorgung in
Deutschland auf Ökostrom bis zum Jahr 2030 an. Dafür werde
sich die Partei «anstrengen», beschloss der Bundesparteitag
nach engagierter Debatte am Freitag in Erfurt.
Zur Eindämmung des forcierten Klimawandels sei es nötig,
spätestens bis 2050 die gesamte Energie, auch zum Heizen, aus
erneuerbaren Quellen bereitzustellen. Nach Möglichkeit solle das
aber bereits 2040 erreicht werden. Parteichef Reinhard Bütikofer,
der nicht wieder kandidiert, verabschiedete sich von der Partei mit dem
Appell für «einen neuen Aufbruch» in ein
gesellschaftliches Bündnis gegen Klima- und Finanzkrise vor der
Bundestagswahl.
In seiner Abschiedsrede nach einer Rekordzeit von sechs Jahren an der
Grünen-Spitze warnte Bütikofer seine Partei vor
Orientierungsverlust und Erschöpfung. Kurz vor Beginn sprach sich
der designierte Nachfolger Cem Özdemir für einen
verschärften Konfrontationskurs zur großen Koalition aus.
Die Grünen stünden vor großen Herausforderungen, sagte
Bütikofer. «Könnten wir nicht wirksamer sein als wir
sind?» Nun müsse die Partei «verständlich machen,
was unsere Vision und unsere Alltagstauglichkeit zusammenbindet»,
sagte er. Bütikofer warb für ein breites Bündnis
für einen «grünen New Deal». Darunter verstehen
die Grünen Umwelt- und Gesellschaftsreformen mit
Milliarden-Investitionen und klare Leitlinien für die Wirtschaft.
Das Versagen von Markt und Staat habe die Klima- und die Finanzkrise
ausgelöst, so der Grünen- Chef.
Bütikofer warb für eine offene, realistische Haltung. Die
Grünen müssten Anhängern grüner Themen zuhören
und sich für sie öffnen. Einvernehmen sei zentral. «Wer
sich mit mächtigen Gegnern anlegt, ist gut beraten, geschlossen
vorzugehen.» Scharfe Attacken richtete der scheidende
Grünen-Chef gegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wegen ihrer
Klimapolitik. Er griff auch die Auto- und Stromkonzerne an.
Bütikofer sprach sich erneut für einen eigenständigen
Wahlkampf ohne Zielvorgabe für eine bestimmte Koalition aus.
Parteichefin Claudia Roth, die wiedergewählt werden will, warnte
vor einem Unions-FDP-Bündnis 2009: «Wir stehen klar gegen
eine schwarz-gelbe neoliberale Eiszeit.»
Vor der mit Spannung erwarteten Abstimmung über das Tempo der
angestrebten Komplettumstellung auf erneuerbare Energien warnten
führende Grüne die Delegierten vor zu drastischen
Forderungen. Am Ende fanden sich dann die Radikalforderungen in einer
abgeschwächten Variante in dem Beschluss. Die Grünen
dürften ihr Ziel nicht so fassen, «dass es uns um die Ohren
gehauen wird», warnte Bütikofer. «Unsere Aufgabe ist
es heute, die gesellschaftlichen Mehrheiten für erneuerbare
Energie in Politik umzusetzen», mahnte der Bremer Umweltsenator
Reinhard Loske.
Energieexperte Hans-Josef Fell, der beim Strom eine
100-Prozent-Umstellung bis 2030 forderte, sagte hingegen, nötig
sei «wirklich radikaler Realismus». Fraktionschefin Renate
Künast warb bei den zeitlichen Fristen für einen Kompromiss,
den Fraktionsvize Jürgen Trittin den Delegierten vorstellte.
Mit Spannung erwartet wird die Wahl des neuen Führungsduos und des
16-köpfigen Parteirats an diesem Samstag. In der
Führungsriege herrschte teils Nervosität, wie
Parteimitglieder sagten. Bei den Parteiratswahlen stellen sich auch
Trittin und Künast zur Wahl. Als Spitzenduo für die
Bundestagswahl wollen sie sich zum Abschluss des Parteitags am Sonntag
gemeinsam den beinahe 800 Delegierten stellen. Auch Fraktionschef Fritz
Kuhn strebt erneut einen Platz im Parteirat an.
Özdemir sagte zur Zusammenarbeit mit Roth: «Wenn wir beide
gewählt werden sollten, sehe ich dem mit Freuden entgegen.»
Er wäre der erste Parteichef aus einer Zuwandererfamilie in
Deutschland. Özdemir sprach sich für eine Schärfung des
Oppositionsprofils der Grünen aus. Die Grünen seien
Gegenspieler zur Koalition. «Da ist Manndeckung angesagt.»
(Quelle: dpa)
Deutschland will kostenlose CO2-Rechte für Industrie
Sa.15.11.08 - Die Bundesregierung will bei den geplanten Klimaschutzvorgaben der EU
weitreichende Ausnahmeregelungen für wichtige Industriezweige
erreichen.
Besonders energieintensive Branchen sollten nach den deutschen
Vorstellungen die geplanten Verschmutzungsrechte für den
Ausstoß des klimaschädigenden Kohlendioxid (CO2) kostenlos
erhalten, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Freitag in Berlin.
Es müsse verhindert werden, dass durch Klimaauflagen Unternehmen
gefährdet würden. Die Verhandlungen liefen noch. Zu Details
der Vorschläge und Grenzwerte könne er sich daher noch nicht
äußern, sagte Wilhelm. Die EU-Länder wollen Mitte
Dezember auf ihrem Gipfeltreffen in Brüssel eine Einigung
über das Klimapaket erzielen.
Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" will Deutschland
alle Industriezweige von den Kosten befreien, wenn sie mehr als vier
Kilogramm Kohlendioxid pro Euro Umsatz ausstoßen. Damit
kämen energieintensive Branchen wie Stahl, Glas, Zement, Papier,
Keramik, Chemie sowie Kokereien und Raffinerien in den Genuss
kostenloser CO2-Rechte.
Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, die Industrie ab 2013
stufenweise bis 2020 zum Kauf von 100 Prozent der Rechte für den
Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids zu zwingen. Die
Bundesregierung will maximal 20 Prozent zulassen. Energieversorger
sollen bereits ab 2013 alle nötigen Rechte kaufen oder ersteigern
müssen.
Die Verbände der energieintensiven Branchen laufen seit Wochen
Sturm gegen diese Pläne. Nach ihren Berechnungen würden sich
die Kosten für die CO2-Rechte bis 2020 auf mehr als sieben
Milliarden Euro belaufen. Kanzlerin Angela Merkel hat bereits mehrfach
erklärt, Industriezweige im weltweiten Wettbewerb dürften
durch die Klimaschutzpolitik der EU nicht benachteiligt werden. Die
weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Befürchtungen der
Regierung noch verstärkt.
(Quelle: rtr)
Polizeigewerkschaft: Zu wenig Aufklärung über BKA-Gesetz
Sa.15.11.08 - Nach Verabschiedung des umstrittenen BKA-Gesetzes im Bundestag hat der
Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, der
Bundesregierung vorgeworfen, Bedenken in der Bevölkerung gegen die
Online-Durchsuchung ignoriert zu haben. "Es ist Aufgabe der Politik und
vor allem des zuständigen Bundesinnenministers Wolfgang
Schäuble, die Menschen aufzuklären, ohne ihnen dabei Angst zu
machen", sagte Freiberg dem "Hamburger Abendblatt". "Aber das ist
bisher nicht ausreichend passiert."
Freiberg äußerte zugleich Zweifel an der
Verfassungsmäßigkeit von Teilen des BKA-Gesetzes. Zwar sei
die Online-Durchsuchung durch das letzte Urteil des Verfassungsgerichts
abgedeckt. "Die rechtsstaatliche Absicherung aber könnte
anfechtbar sein", sagte er der Zeitung. "Da hätten Richter
stärker eingeschaltet werden müssen."
(Quelle: afp)
Rechtsprofessor plädiert für 'Religionsverfassungsrecht'
Sa.15.11.08 - Der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland will Dachverbände
der Muslime in den Bundesländern schaffen. Damit wollten die
Muslime Ansprechpartner für die Landesregierungen bereitstellen,
sagte der Sprecher des Koordinationsrats, Erol Pürlü, auf der
Sitzung des Deutschen Islamforums am Donnerstag in Frankfurt. Viele
politische Fragen wie die eines islamischen Religionsunterrichts
würden auf Länderebene entschieden.
Der Koordinationsrat will laut Pürlü bestehende
Zusammenschlüsse von Muslimen auf Landesebene einbeziehen, wie
etwa die Schura in Niedersachsen oder Hamburg. Die Kultusministerien
sollten den Rat bei der Entwicklung eines islamischen
Religionsunterrichts einbeziehen, ebenfalls bei der Berufung von
Professoren für die Lehrerausbildung.
Der Vertreter des nordrhein-westfälischen
Integrationsministeriums, Wael El-Gayar, forderte seinerseits den
Dachverband zur Mitwirkung an der Einführung eines islamischen
Religionsunterrichts auf. Dieser habe sich bisher geweigert, an einem
Vorhaben in Duisburg und Köln mitzuwirken. Die Landesregierung
warte darüber hinaus seit langem auf die Gründung einer
Landesvertretung der Muslime.
Im Blick auf den evangelisch-muslimischen Dialog in Deutschland
würdigte Pürlü, dass die "Kritik der Muslime an der
evangelischen Handreichung 'Klarheit und gute Nachbarschaft'
angekommen" sei. Die Gespräche hätten in den vergangenen zwei
Jahren eine gute Entwicklung genommen. Allerdings bestehe noch
Gesprächsbedarf. Pürlü versprach, sich darüber
hinaus für einen islamisch-jüdischen Dialog einzusetzen.
Der Erlanger Jurist und Islamwissenschaftler Mathias Rohe
plädierte für die Umwandlung des Staatskirchenrechts in ein
"Religionsverfassungsrecht". Alle Religionen müssten nach der
Verfassung gleich behandelt werden, sagte Rohe. Es müsse
berücksichtigt werden, dass islamische Religionsgemeinschaften in
Deutschland nicht rasch eine Struktur wie die Kirchen entwickeln
könnten, die in Jahrhunderten gewachsen sei.
Die Moscheegemeinden erweiterten ihre Tätigkeitsfelder
beträchtlich, erläuterte die hannoverische
Islamwissenschaftlerin Kathrin Klausing. Über die traditionellen
Aufgaben der Gebete, des Religionsunterrichts und des Fastenbrechens
hinaus übernähmen viele Moscheen inzwischen Bestattungen,
religiöse Eheschließungen und -scheidungen, Seelsorge,
Krankenbesuche, muttersprachlichen Unterricht, Sport- und
Kulturangebote. Allerdings mangele es noch an ausgebildeten Seelsorgern.
Das Deutsche Islamforum wurde 2002 vom Interkulturellen Rat in
Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Rat der Türkeistämmigen
Staatsbürger gegründet. Vertreter von islamischen
Verbänden, Behörden und anderen Religionsgemeinschaften
treffen sich in der Regel zweimal im Jahr zu einem Meinungsaustausch.
Finanziert wird das Islamforum von der
Karl-Konrad-und-Ria-Groeben-Stiftung.
(Quelle: epd)
Wissenschaft - Vorwürfe gegen Stammzellforscher
Sa.15.11.08 - In der Debatte um die embryonale Stammzellforschung gibt es Streit um
einen möglichen Präzedenzfall. Gegner der Embryonenforschung
beschuldigen laut einem Bericht der «Rheinischen Post»
(Freitagausgabe) den Kölner Forscher und Vorsitzenden der
Deutschen Gesellschaft für Stammzellforschung, Jürgen
Hescheler, ein Projekt bewusst nicht angemeldet zu haben.
«Hescheler wusste genau, was er tat», sagte der
CDU-Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe der Zeitung. Hüppe ist
stellvertretender Vorsitzender der CDU-Organisation Christdemokraten
für das Leben (CDL).
Bei dem Projekt handelt es sich dem Bericht zufolge um eine
vergleichende Untersuchung von embryonalen Stammzellen mit adulten
Stammzellen aus Hoden. Das Robert-Koch-Institut (RKI) sagte der
«Rheinischen Post», dass Hescheler dafür keine
Genehmigung eingeholt habe. Der Fall werde geprüft, wird eine
Sprecherin zitiert.
Jegliche Versuche mit embryonalen Stammzellen in Deutschland
bedürfen dem Bericht zufolge einer Genehmigung durch das RKI. So
schreibt es das Stammzellgesetz vor. Hescheler gilt als einer der
größten Kritiker des Gesetzes. Er ist Direktor des Instituts
für Neurophysiologie am Kölner Universitätsklinikum.
Unabhängig von der laufenden RKI-Prüfung werde der Vorgang
auch hausintern geprüft, teilte die Universität Köln am
Freitag auf ddp-Anfrage mit. «Eine Beurteilung ist erst nach
Abschluss dieser Prüfungen sinnvoll und möglich»,
hieß es weiter.
Die Grünen im Düsseldorfer Landtag forderten eine
Aufklärung der Vorwürfe. «Sollte Professor Hescheler
tatsächlich gegen geltendes Recht verstoßen haben, so muss
dies ernsthafte Konsequenzen haben», sagte die
wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen, Ruth Seidl.
(Quelle: ddp)
US-Bestattungsinstitut bietet Beerdigungen auf dem Mond an
Sa.15.11.08 - Ein Bestattungsinstitut in den USA hat damit begonnen, Reservierungen
für Beerdigungen auf dem Mond entgegenzunehmen. Er rechne damit,
dass im Jahr 2010 die ersten Kapseln mit menschlicher Asche zum Mond
gebracht werden könnten, teilte der Chef des Unternehmens
Celestis, Charles M. Chafer, mit. Sein Unternehmen wolle 5000 Kapseln
zum Mond bringen und dort einen Friedhof einrichten, den Hinterbliebene
eines Tages besuchen können sollen. Den Angaben zufolge verlangt
das Bestattungsunternehmen 9995 Dollar (rund 7930 Euro) dafür, ein
Gramm menschliche Asche zum Mond zu bringen.
Für den Transport arbeitet das Bestattungsunternehmen mit zwei
privaten Raumfahrtgesellschaften zusammen, die auch touristische
Flüge zum Mond anbieten. Für 700 Dollar wird zudem angeboten,
menschliche Asche in die Erdumlaufbahn zu bringen. Nach dem Bau
spezieller Kapseln will das Bestattungsunternehmen ab 2011 auch
anbieten, menschliche Überreste ins Weltall zu schießen. Die
Kosten für diesen Service werden mit 37.000 Dollar angeben.
(Quelle: afp)
Deutscher Raumfahrt-Chef glaubt an Aliens
Sa.15.11.08 - Der Chef des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums (DLR),
Johann-Dietrich Wörner, glaubt an Außerirdische. «Ich
denke schon, dass es da draußen Aliens oder andere intelligente
Lebensformen gibt, die Wahrscheinlichkeit spricht einfach
dafür.», sagte er im Gespräch mit der
«Frankfurter Rundschau» (Samstagausgabe) und ergänzte:
«Aber so weit unsere physikalischen Gesetze stimmen, werden wir
Aliens wohl nie kennenlernen.» Dagegen schließt
Wörners Kollege von der NASA, Michael Griffin, aus, dass es
Außerirdische gibt.
Die Wissenschaftler wollen auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten
weiter an der Mission zum Mars arbeiten. «Wir arbeiten seit drei
Jahren sehr hart daran, die ISS-Partner auch für dieses Programm
zu begeistern, und daran werden wir auch festhalten», sagte
Griffin. Wörner meinte: «Irgendwann werden Astronauten auch
zum Mars und wieder zurückfliegen können, das wird
klappen.»
Noch sei nicht geklärt, wie Astronauten physisch und psychisch die
monatelange Reise überstünden. «Nicht zu vergessen die
Strahlungsfrage. Die Apollo-Astronauten hatten ja großes
Glück, dass während der Mondmission kein heftiger Sonnenwind
ausgebrochen ist, den sie womöglich nicht überlebt
hätten», erklärte Wörner. «Für eine
Mars-Mission kann man derartige Risiken nicht akzeptieren, man muss
also strahlungssichere Fahrzeuge bauen.» Außerdem
müsste die Energie für die Rückreise erst zum Mars
transportiert werden.
Griffin sagte, für einen Ersatz des auslaufenden
Space-Shuttle-Programms fehle schlicht das Geld. Für eine kurze
Zeit würden deshalb nur die Russen die Astronauten zur ISS fliegen
können. «Möglicherweise sind auch die Europäer
bald in der Lage, Astronauten ins All zu schicken», sagte der
NASA-Chef. Zu seinem Kollegen sagte er: «Jan, dann würden
wir von euch ein paar Tickets kaufen.»
Wörner antwortete: «Gute Idee, technisch gesehen
könnten wir den Job übernehmen. Wir haben das
Columbus-Raumlabor an der ISS gebaut, auch der unbemannte
Raumtransporter Automated Transfer Vehicle, ATV, fliegt bereits. Er ist
in der Lage, vollautomatisch an die ISS anzudocken.» Der DLR-Chef
meinte, es wäre sowieso vernünftig, unabhängig
voneinander mit eigenen Systemen Menschen ins All bringen zu
können. Das würde die Sicherheit erhöhen.
Griffin stimmte dem zu. «Mit nur einem System können wir die
Internationale Raumstation langfristig nicht am Leben erhalten, in die
viele Milliarden investiert worden sind», sagte er.
(Quelle: ap)