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Irak 1700 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

Zehn Tote bei Selbstmordanschlag. Irak meldet Einigung mit den USA über Truppenstationierung

So.16.11.08 - Bei einem Selbstmordanschlag in der nordirakischen Stadt Tal Afar sind am Samstag zehn Menschen getötet und 20 verletzt worden. Nach Angaben eines US-Militärsprechers wollte der Attentäter mit seinem mit Sprengstoff beladenen Wagen offenbar einen Automarkt treffen. Bei einem Sprengstoffanschlag in der Provinz Anbar wurde nach Angaben der multinationalen Truppe ein US-Marineinfanterist getötet.

Die USA und der Irak haben sich nach irakischen Angaben auf einen Sicherheitsvertrag verständigt, nach dem weitere drei Jahre eine Stationierung amerikanischer Soldaten möglich ist. Das Abkommen verlängert das Mandat des am 31. Dezember auslaufenden Abkommens, verlautete aus Kreisen des irakischen Ministerpräsidenten Nur Al-Maliki am Samstag. Eine Abstimmung im Kabinett könnte bereits am heutigen Sonntag oder am Montag erfolgen. Zur Annahme müssten zwei Drittel der 37 Minister zustimmen. Ein Mitarbeiter Al-Malikis sagte, dafür gebe es eine gute Chance. Besonderen Wert hatten die irakischen Unterhändler darauf gelegt, dass nach dem 31.12.2011 keine US-Soldaten mehr im Irak sein dürfen.

(Quelle: ap)

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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 16.11.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am 1332sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Fr.16.11.07 - Sechs Tote bei Selbstmordanschlag im Nordirak. USA: 25 mutmaßliche Aufständische im Irak getötet. Türkischer General: Bereiten Operation im Irak vor... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0711160.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 


 

Gefälschte 'New York Times' meldet Ende des Irak-Kriegs - Aktionskünstlergruppe 'The Yes Men' outet sich als Herausgeber

Do.13.11.08 - Eine gefälschte Ausgabe der «New York Times» hat am Mittwoch mit Datum 4. Juli 2009 und großer Schlagzeile das Ende des Irak-Kriegs vermeldet (http://www.nytimes-se.com/.

Die täuschend echt wirkende «Sonderausgabe» der renommierten Tageszeitung berichtete auch über die Schließung des US-Gefangenenlagers Guantánamo Bay in Kuba und dass der frühere US-Präsident George W. Bush wegen Hochverrats angeklagt wurde. Die Aktivisten- und Aktionskünstlergruppe «The Yes Men» (http://www.theyesmen.org/) outete sich am Mittwoch als Herausgeber der 14-seitigen Zeitung. Sechs Monate lang hätten sie an dem Blatt gearbeitet und über eine Million Exemplare mit Hilfe von tausenden Freiwilligen kostenlos in New York und anderen US-Städten verteilt.

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/k0811130.htm#08111330

 
 

new york times fake
 
 
 
 

 


 



 

Zehn Tote bei Kämpfen in Afghanistan

So.16.11.08 - Bei Kämpfen im Süden und Osten von Afghanistan sind nach Angaben der US-Streitkräfte vom Sonntag zehn Aufständische ums Leben gekommen. In der östlichen Provinz Paktia seien fünf Kämpfer des Terrornetzwerks Al Kaida getötet worden, teilte die Militärführung mit. Acht weitere seien gefangen genommen worden. Weitere fünf Rebellen wurden in der südlichen Provinz Urusgan getötet. Bei einem Selbstmordanschlag in der westlichen Provinz Herat wurden am Sonntag zwei US-Soldaten verletzt und zwei Fahrzeuge eines Konvois beschädigt, wie ein Militärsprecher mitteilte.

(Quelle: ap)
 



 

G-20 beschließen Aktionsplan zur Reform des Weltfinanzsystems

So.16.11.08 - Die 22 führenden Industrie- und Schwellenländer wollen mit einem umfangreichen Aktionsplan eine Wiederholung der aktuellen Finanzkrise verhindern.

Im Abschlusskommunique des Treffens vom Samstag sind insgesamt rund 30 Einzelmaßnahmen aufgeführt, die kurzfristig bis Ende März 2009 umgesetzt werden sollen. Hinzu kommen weitere rund 20 Verbesserungs- und Änderungsvorschläge in den Feldern Regulierung, Stärkung der Transparenz, stärkere Risikoabfederung des Finanzsystems, bessere internationale Kooperation bei Regeln und Kontrollen sowie längerfristig orientierte Anreizsysteme, die auf mittlere Sicht notwendig seien. Unter anderem soll das Finanzsystem vor unfairem Wettbewerb und Risiken durch Steueroasen geschützt werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident George W. Bush werteten das Ergebnis des Gipfels als großen Erfolg. Das Treffen sei ein erster wichtiger Schritt gewesen, sagte Bush. Es gebe aber noch einiges zu tun und weitere Zusammenkünfte würden folgen.

Die Teilnehmerstaaten unterstrichen, dass sie enger kooperieren wollten, um das globale Wachstum wieder herzustellen und das Welt-Finanzsystem umfassend zu reformieren. Die in den einzelnen Ländern ergriffenen Maßnahmen gegen die Krise und zur Stabilisierung der Finanzmärkte reichten nicht aus. Die 22 Staats- und Regierungschefs bekannten sich einerseits zu Marktprinzipien, dem Grundsatz offener Märkte und dem eines liberalen Investitionsregimes. Andererseits forderten sie eine wirkungsvolle Regulierung der Finanzmärkte, die Raum schaffen soll für Dynamik, Innovation und Unternehmtertum - Grundbedingungen für Wachstum.

In der Erklärung sparten die großen Schwellen- und Industrieländern nicht mit Kritik und Selbstkritik. In der zurückliegenden Wachstumsphase habe es ein Streben nach immer höheren Renditen ohne den Blick auf die Risiken gegeben, hieß es in der Erklärung. Das Risikomanagement sei nicht angemessen gewesen. Es seien immer neue Finanzprodukte auf der Basis hoher Kreditaufnahme geschaffen worden, mit denen die Verwundbarkeit des Finanzsystems gelitten habe. "Die Politiker, die Regulatoren und die Aufsichtsbehörden in einigen fortgeschrittenen Ländern haben auf den damit verbundenen Aufbau von Risiken für das Finanzsystem nicht angemessen hingewiesen." Zudem hätten die Länder ihre Wirtschaftspolitik nicht ausreichend abgestimmt, ungenügend Strukturreformen betrieben und letztlich die Grundlage für Marktexzesse gelegt.

Es müsse nun mehr dafür getan werden, die Finanzmärkte zu stabilisieren und das Wachstum zu fördern, forderten die Teilnehmer der Gipfels in der Erklärung. Dem müsse mit einer abgestimmten Wirtschaftspolitik begegnet werden, um wieder mehr Wachstum zu schaffen. Eine Bedeutung dafür habe auch eine unterstützende Geldpolitik. Wo es angemessen sei, müssten wachstumsstimulierende Maßnahmen ergriffen werden.

Unter den Maßnahmen, die nach Einschätzung der Gipfel-Länder umgehend ergriffen werden sollten, wurden neue Richtlinien für die Bewertung von Wertpapieren und komplexen Finanzprodukten vorgeschlagen. Rating-Agenturen sollten unter verstärkte Aufsicht der Behörden gestellt werden, etwa in Hinblick auf ihre Verhaltensstandards und deren Einhaltung. Die Behörden sollten schärfere Vorschriften zur Eigenkapitalunterlegung von Geschäften und Produkten mit hohen Risiken erlassen.

(Quelle: rtr)
 



 

Brasiliens Präsident Lula da Silva bezeichnet Gruppe der G-8 als irrelevant

So.16.11.08 - Der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva hat die Gruppe der acht führenden Industrienationen angesichts der globalisierten Weltwirtschaft als irrelevant bezeichnet. Die Neuordnung des Finanzmarkts müsse der Gruppe der G-20 zufallen, forderte Lula da Silva am Samstag vor den Beratungen der Staats- und Regierungschefs in in Washington. «Wir reden heute über die G-20, weil die G-8 keine Existenzberechtigung mehr hat. Die Schwellenländer müssen in der heutigen globalisierten Welt berücksichtigt werden», forderte er. Dann werde die weltweite Finanzkrise gemeinsam schneller überwunden.

Im Zuge der Finanzkrise hat die Debatte um die Erweiterung der G-8 zuletzt neuen Schwung erhalten. Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat eine Erweiterung des Kreises gefordert. Vor allem das Fehlen der bedeutenden Schwellenländer China, Indien und Brasilien wird als Manko angesehen.

Die 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G-20) hatten am Samstag in der US-Hauptstadt über eine umfassende Reform des Weltfinanzsystems beraten.

Die G-20 umfasst neben den Industriestaaten der G-8 auch die größten Schwellen- und Entwicklungsländer. Zusammen repräsentieren die Staaten zwei Drittel der Weltbevölkerung und fast 90 Prozent der Weltwirtschaftskraft.

(Quelle: ap)
 



 

Designierter US-Präsident Obama macht sich stark für Automobilindustrie

So.16.11.08 - Der designierte US-Präsident Barack Obama hat sich für staatliche Hilfen zugunsten der am Abgrund stehenden Automobilindustrie ausgesprochen. Das staatliche Rettungsprogramm müsse entsprechend angepasst werden, forderte Obama in einem Interview für die CBS-Sendung «60 Minutes» am Sonntag.

«In der gegenwärtigen Lage wär es eine Katastrophe, wenn die Automobilindustrie völlig zusammenbrechen würde», sagte Obama. Daher müsse der Staat zu Hilfe eilen. «Aber ich denke nicht, dass es einen Blankoscheck geben kann.» Obama, der erst am 20. Januar die Regierung übernimmt, sprach sich dafür aus, dass das Weiße Haus und der Kongress gemeinsame ein Beistandspaket für die Branche entwickeln. Außerdem seien Vereinbarungen für überschuldete Hausbesitzer erforderlich.

In einer Radioansprache sagte Obama am Samstag, der internationale Finanzgipfel in Washington könne nur ein Anfang sein. Er sei aber froh, dass Präsident George W. Bush diesen Prozess angestoßen habe, «weil unsere globale Wirtschaftskrise eine koordinierte globale Antwort verlangt». In den USA sei jetzt der Kongress gefordert, so schnell wie möglich ein Konjunkturpaket zu erstellen, das auch den Familien Entlastung verspreche. «Wenn der Kongress nicht einen Sofortplan verabschiedet, der der Wirtschaft den benötigten Schub gibt, dann werde ich dies zu meiner ersten Anordnung nach dem Amtsantritt als Präsident machen», sagte Obama.

(Quelle: ap)
 



 

Russlands Präsident Medwedew für 'echte Partnerschaft' mit den USA

So.16.11.08 - Der russische Präsident Dmitri Medwedew hat sich optimistisch über einen Neuanfang in den Beziehungen zu den USA geäußert. Bei seinem ersten Besuch in Washington seit seinem Amtsantritt im Mai konstatierte Medwedew am Rande des internationalen Finanzgipfels einen Mangel an Vertrauen zwischen beiden Staaten. Er hoffe, dass sich dies mit dem Regierungswechsel am 20. Januar ändern werde, wenn Barack Obama das Amt des US-Präsidenten übernehme.

Vor dem Rat für Auswärtige Beziehungen (Council on Foreign Relations) sagte Medwedew am Samstagabend, es gebe jetzt wieder die Perspektive für eine «echte Partnerschaft» mit den USA. Sein erstes Treffen mit Obama sollte schon bald nach dessen Regierungsübernahme erfolgen. Dabei sei es gar nicht so wesentlich, über welche Themen dann gesprochen werde.

Der russische Präsident deutete jedoch an, dass es ein guter Anfang wäre, erneut über das geplante Raketenabwehrsystem der USA in Polen und Tschechien zu beraten: «Ich hoffe, dass der neue Präsident, die neue Regierung, den Wunsch haben wird, darüber zu diskutieren.»

Nur wenige Stunden nach dem Wahlsieg Obamas am 4. November hatte Medwedew damit gedroht, dass Russland Kurzstreckenraketen an seine Westgrenze verlagern werde, um das Raketenabwehrsystem zu «neutralisieren». Am Samstag betonte er, dass Russland nicht vor dem ersten Schritt der USA handeln werde. Auch versicherte er, dass der Zeitpunkt seiner Rede zur Lage der Nation nicht als persönlicher Affront gegen Obama gemeint gewesen sei.

(Quelle: ap)
 



 

IWF einig über Hilfskredit für Island

So.16.11.08 - Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat beschlossen, das von der Finanzkrise besonders betroffene Island mit einem Kredit zu unterstützen. Die IWF-Mitgliedsstaaten hätten sich auf die Hilfen für Island verständigt, sagte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn in Washington am Rande des Weltfinanzgipfels. Über den Kredit solle am Mittwoch endgültig abgestimmt werden. Strauss-Kahn machte keine Angaben zur Höhe der Hilfe. Berichten zufolge hatte Island um zwei Milliarden Dollar gebeten.

Island ist von der Finanzkrise besonders betroffen. Die Regierung musste die größten Banken des Landes verstaatlichen. Der Inselstaat mit nur 320.000 Einwohnern steht wegen der internationalen Bankenkrise am Rande eines Staatsbankrotts. Am Samstag forderten rund 6000 Demonstranten in der isländischen Hauptstadt Reykjavik Regierungsmitglieder zum Rücktritt auf.

(Quelle: afp)
 



 

Bedenken gegen staatliche Rettungsprogramme für Autoindustrie

So.16.11.08 - Gegen ein großangelegtes staatliches Rettungspaket für die deutsche Automobilindustrie gibt es zunehmend Bedenken. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und der Steuerzahlerbund warnten davor, den Steuerzahler damit zu überfordern. Die FDP betonte, dass der Staat nicht bei jedem Konzern einspringen könne.

«Ich halte es für falsch, jetzt über ein großangelegtes Rettungspaket für die Automobilindustrie zu spekulieren», sagte Glos der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». Letztlich werde kein Weg daran vorbeiführen, die Produktion an die Nachfrage anzupassen. Er sehe die Gefahr, «dass sich eine Branche nach der anderen meldet, und die Steuerzahler wären auch überfordert, wenn wir allen Branchen zur Seite springen müssten».

Der Ruf nach dem Staat dürfe nur der allerletzte Weg sein, wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft seien. «Und für alle Branchen gilt: Der Staat kann nicht die wegbrechende Nachfrage der Konsumenten ersetzen», sagte der Minister. Er erneuerte deswegen seine Forderung nach einer Einkommensteuersenkung. «Das wäre sicher der sinnvollere und ordnungspolitisch saubere Weg, etwas gegen die Absatzkrise zu tun», sagte er.

Der Präsident des Steuerzahlerbundes, Karl-Heinz Däke kritisierte in der «Bild am Sonntag»: «Die Politik verspricht zu schnell staatliche Hilfen. Ich fordere die Bundesregierung auf, sorgfältig zu prüfen, ob die Steuergelder sinnvoll eingesetzt sind.» Es sei zu befürchten, «dass der Steuerzahler zwar für die Milliarden-Opel-Bürgschaft aufkommen muss, aber die Arbeitsplätze weiter in Gefahr sind».

Auch FDP-Vize Rainer Brüderle forderte, das Für und Wider bei staatlichen Hilfen sorgfältig zu prüfen: «Man muss den Menschen ehrlich sagen, dass der Staat zukünftig nicht bei jedem Konzern einspringen kann.»

(Quelle: ap)
 



 

Autoexperte Dudenhöffer ruft Opel-Mitarbeiter zu Lohnverzicht auf

So.16.11.08 - Angesichts der aktuellen Krise hat Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer die 26.000 Beschäftigten der Opel AG zu einem dreijährigen Verzicht auf Lohnerhöhungen aufgerufen. In der «Bild am Sonntag» schlug Dudenhöffer vor, dass die Mitarbeiter die Lohnerhöhungen erst 2011 ausgezahlt bekommen, «also dem Arbeitgeber quasi einen Kredit geben.»

Dagegen sieht die IG Metall ungeachtet der Krise bei Opel keinen Anlass, die gerade beschlossenen Lohnerhöhungen von 4,2 Prozent auszusetzen. IG-Metall-Sprecher Georgios Arwanitidis sagte: «Es gibt keinen Grund, am Tarifvertrag zu rütteln. Sollte ein einzelnes Unternehmen in Schwierigkeiten geraten, hat die IG Metall schon vor Jahren mit den Arbeitgebern vereinbart, dass man unter bestimmten Bedingungen vom Tarifvertrag abweichen kann.»

(Quelle: ap)
 



 

SPD-Fraktionschef Struck attackiert Wirtschaftsweise

So.16.11.08 - SPD-Fraktionschef Peter Struck hält das Gremium der fünf Wirtschaftsweisen für inkompetent und überflüssig. «Ich glaube denen kein Wort. Wenn man frühere Prognosen mit der eingetretenen Realität vergleicht, merkt man recht schnell, dass diese sogenannten Weisen vor allem viel heiße Luft produzieren», sagt Struck in einem am Samstag veröffentlichten Interview der Zeitschrift «Super Illu». Er habe Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) deshalb vorgeschlagen, den Sachverständigenrat abzuschaffen.

«Ich finde, wir haben genug Sachverstand in den Ministerien, um Erkenntnisse zu sammeln, und genug Sachverstand in der Politik, um die richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen», betonte der Fraktionschef der Sozialdemokraten.

Das Beratergremium der Bundesregierung hatte in seinem Herbstgutachten zur wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands für das kommende Jahr eine Rezession prognostiziert. Gleichzeitig forderten die Wirtschaftsweisen von der Bundesregierung «Maßnahmen für eine konjunkturgerechte Wachstumspolitik».

Der Rat besteht aus fünf Ökonomen, die für jeweils fünf Jahre zu Beratern der Regierung berufen werden. Vorsitzender der Sachverständigengruppe ist zurzeit der Renten- und Gesundheitsexperte Bert Rürup. Außer ihm gehören die Ökonomen Beatrice Weder di Mauro, Peter Bofinger, Wolfgang Franz und Wolfgang Wiegard zu den Wirtschaftsweisen.

«Wir sollten uns davor hüten, uns selbst in die Krise hineinzureden und in Aktionismus zu verfallen. Kein Staat der Welt, und schon mal gar nicht Deutschland allein, kann mit Konjunkturprogrammen, und mögen sie noch so viele Milliarden umfassen, die Probleme der Weltwirtschaft lösen», sagte Struck.

Auch Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) kritisierte am Samstag die Wirtschaftsweisen. Der Sachverständigenrat habe sich innerhalb von wenigen Wochen «um 180 Grad gedreht. Erst haben sie monate- und jahrelang gesagt, Haushaltskonsolidierung über alles und jetzt auf einmal ist das nichts mehr wert». Er sei sich nicht mehr so ganz sicher, was die Sachverständigenräte veranlasse, ihre Meinung so schnell und so stark zu wechseln, sagte Gabriel im Deutschlandfunk.

(Quelle: ddp)
 



 

Weitere Vergünstigungen bei der Erbschaftssteuer geplant

So.16.11.08 - Die große Koalition will die Steuerlast für Immobilienerben einem Medienbericht zufolge deutlich stärker mildern als bisher. Das ergibt sich aus den Details der gemeinsamen Änderungsanträge von CDU/CSU und SPD, die der Finanzausschuss des Bundestages in seiner nächsten Sitzung beschließen soll, wie das Nachrichtenmagazin «Focus» berichtet. Danach könnten sich mittellose Erben die Steuer bei einer vermieteten Immobilie bis zu zehn Jahre stunden lassen. Wenn der Erbe das Haus oder die Wohnung selbst bewohnt und die Steuer nicht zahlen kann, soll ihm der Fiskus den fälligen Betrag sogar für die gesamte Wohnzeit zinsfrei stunden. Erst bei einem Verkauf würde die Abgabe fällig.

Union und SPD wollten auch eine in den 70er-Jahren abgeschaffte Steuergestaltung wieder ermöglichen. Danach können Eltern Immobilien auf die Kinder übertragen und sich dabei Nutzungsrechte wie ein lebenslanges Wohnrecht oder die Mieteinnahmen sichern. Anders als bisher könnten die Erben diese Wertminderung künftig steuersparend einsetzen. Damit lasse sich ab dem kommenden Jahr beispielsweise auch eine nicht selbst genutzte Immobilie im Wert von 800 000 Euro bereits zu Lebzeiten steuerfrei von einem Elternteil auf ein Kind übertragen. Nach geltendem Recht wären dafür mindestens 23 097 Euro Erbschaftsteuer fällig.

(Quelle: ddp)
 



 

Özdemir und Roth neues Grünen-Spitzenduo

So.16.11.08 - Mit großer Mehrheit haben die Grünen in Erfurt Cem Özdemir und Claudia Roth zum neuen Spitzenduo der Partei für das Wahljahr 2009 gewählt. Der Grünen-Parteitag forderte einen "Grünen New Deal" zur Bewältigung der Finanzkrise. In der Energiepolitik verlangen die Grünen, spätestens 2050, möglichst aber bereits 2040 die gesamte Energieversorgung in Deutschland auf erneuerbare Energien umzustellen. Beim Strom soll der Umstieg möglichst bereits 2030 zu hundert Prozent erreicht sein. Bei den Wahlen zum Parteirat fiel Bundestags-Fraktionschef Fritz Kuhn durch.

Özdemir ist damit der erste türkischstämmige Bundesvorsitzende einer deutschen Partei. Er erhielt 79,2 Prozent der Delegiertenstimmen, Roth sogar 82,7 Prozent und damit erheblich mehr als vor zwei Jahren (66,5 Prozent). Özdemir sagte, sein Vorgänger Reinhard Bütikofer, der nicht erneut kandidiert hatte, hinterlasse "große Fußstapfen". Roth richtete eine scharfe Warnung an die CDU/CSU: "Wer neue Akw bauen will, muss wissen, dass er den sozialen Frieden in unserem Land gefährdet."

Die meisten Stimmen bei den Wahlen zum Parteirat erhielt der hessische Fraktionschef Tarek Al-Wazir. Er kam damit noch vor Bundestags-Fraktionsvize Jürgen Trittin. Auch Bundestags-Fraktionschefin Renate Künast setzte sich klar durch. Trittin und Künast sollen heute als Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl nominiert werden. Als Vorstandsmitglieder wiedergewählt wurden neben Roth auch die politische Geschäftsführerin Steffi Lemke mit 86 Prozent der Stimmen und der langjährige Schatzmeister Dietmar Strehl mit 65,4 Prozent.

Im Rahmen des "Grünen New Deal" soll ein sozial-ökologisches Investitionsprogramm dafür sorgen, "die konjunkturellen Folgen der Finanzkrise zu mildern und den ökologischen Umbau zu beschleunigen". Zudem sollen eine europaweite Umsatzsteuer für Finanzmarkttransaktionen und eine strenge Finanzmarktaufsicht eingeführt werden.

Beim Thema Menschenrechte kritisierten die Grünen, diese würden in vielen Ländern bei der Bekämpfung des Terrorismus grob missachtet. Mit großer Mehrheit wurde die Schließung des US-Gefangenenlagers Guantanamo verlangt. Die Bundesregierung wurde aufgefordert, ihre Bereitschaft zur Aufnahme von unschuldigen Gefangenen zu erklären.

Die Grünen verlangten zudem die Bewahrung der Elbe als naturnahem und freifließenden Fluss. Eine Absage erteilten sie dem Bau von Verkehrsachsen durch die Unesco-Welterbestätten am Dresdner Elbtal und im Oberen Mittelrheintal.

(Quelle: afp)
 



 

Patiententötungen während der NS-Zeit - Mitverantwortung der Ärzteschaft

So.16.11.08 - Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, hat sich deutlich zur Mitverantwortung der Ärzteschaft an systematischen Patiententötungen in der Zeit des «Dritten Reichs» geäußert. Die «übergroße Mehrheit der Ärzte», habe zum staatlich verordneten Massenmord geschwiegen oder sei damit «einverstanden» gewesen, zitiert das Nachrichtenmagazin «Focus» aus einer Stellungnahme Hoppes anlässlich einer medizinhistorischen Tagung der Universität Gießen. Von Medizinern seien in der NS-Zeit «Tod und Leiden herbeigeführt, angeordnet und gnadenlos verwaltet» worden.

Das Eingeständnis, an NS-Verbrechen beteiligt gewesen zu sein, sei für die Mediziner ein «schleichender Prozess» gewesen, sagte Hoppe dem Magazin. Wenn die wissenschaftliche Aufarbeitung dieses «dunkelsten Kapitels der deutschen Medizingeschichte» abgeschlossen sei, werde sich die Frage stellen, in welcher Form die Ärzteschaft die Angehörigen beziehungsweise Nachkommen der Euthanasie-Opfer um Verzeihung bitten werde.

(Quelle: ddp)
 



 

Proteste gegen Neonazi-Aufmarsch in München

So.16.11.08 - Bei den Protesten gegen einen Neonazi-Aufmarsch in München sind am Samstag etwa 70 Personen festgenommen worden. Unter anderem würden den Betroffenen Sachbeschädigung und Körperverletzung vorgeworfen, sagte ein Polizeisprecher. Außerdem und bestehe Verdacht auf Landfriedensbruch. Die Festgenommenen seien vor allem der linksautonomen Szene zuzuordnen. Insgesamt protestierten etwa 1000 Menschen gegen den Neonazi-«Heldengedenkmarsch».

Sie versammelten sich am Vormittag zunächst zu einer Kundgebung auf dem Marienplatz. «Wir werden klar machen, dass wir Neonazis in dieser Stadt nicht dulden», sagte der Fraktionschef der Grünen im Münchner Stadtrat, Siegfried Benker. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hatte sich zuvor entsetzt gezeigt, dass der Neonazi-Aufmarsch nicht verhindert werden konnte.

Der sogenannte «Heldengedenkmarsch» war durch die Stadt München und das Verwaltungsgericht München zunächst verboten worden. In einem Eilverfahren gab der Bayerische Verwaltungsgerichtshof am Freitag dann der Beschwerde des Veranstalters - eines polizeibekannten Rechtsextremisten - gegen die Eilentscheidung des Verwaltungsgerichts teilweise statt und genehmigte den Aufmarsch unter Auflagen.

Rund 150 Neonazis versammelten sich am Samstagnachmittag am Goetheplatz, bevor sie durch die Stadt zogen. Mit lautstarken Protesten und Sitzblockaden versuchten die Gegendemonstranten, sie zu stoppen. Zuvor wollte eine größere Gruppe von ihnen am Marienplatz eine Polizeisperre durchbrechen. Sie wurden umstellt und vorläufig festgenommen, wie der Polizeisprecher berichtete.

Zu der Gegendemonstration hatten das «Bündnis gegen Nazi-Aufmärsche» und das «Bündnis für Toleranz, Demokratie und Rechtsstaat» aufgerufen. Es dürfe nicht hingenommen werden, dass sechs Tage nach dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus anlässlich des Jahrestages der Reichspogromnacht Neonazis nun an die Täter erinnern wollten, betonte Benker. Auf Transparenten hieß es: «Stoppen wir gemeinsam die Nazis» und «München ist bunt, nicht braun».

Die Polizei war mit mehr als 1000 Beamten im Einsatz. Unter den Demonstranten hätten sich etwa 150 Personen aus der autonomen Szene befunden, die als gewaltbereit eingestuft würden, sagte der Sprecher. Insgesamt habe man das Demonstrationsgeschehen im Griff gehabt. Informationen über Verletzte gab es zunächst nicht.

Knobloch kritisierte die Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs für eine Zulassung des «Heldengedenkmarschs» als «nicht akzeptabel». «Die Neonazis missbrauchen den Aufmarsch zum Volkstrauertag, um ihr NS-verherrlichendes Gedankengut öffentlich kundzutun«, sagte sie. Ihre wahren Ziele seien eindeutig. »Neonazi-Aufmärsche an diesem und an anderen Tagen darf es nicht geben», betonte sie.

Gleichzeitig rief Knobloch alle Münchner dazu auf, «Gesicht gegenüber den braunen Banden zu zeigen» und ein klares Zeichen gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus zu setzen.

(Quelle: ddp)
 
 
 
 

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