+++ So.16.11.08, 13:00
Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak 1700 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Zehn Tote bei Selbstmordanschlag. Irak meldet Einigung mit den USA
über Truppenstationierung
So.16.11.08 - Bei einem Selbstmordanschlag in der nordirakischen Stadt Tal Afar sind
am Samstag zehn Menschen getötet und 20 verletzt worden. Nach
Angaben eines US-Militärsprechers wollte der Attentäter mit
seinem mit Sprengstoff beladenen Wagen offenbar einen Automarkt
treffen. Bei einem Sprengstoffanschlag in der Provinz Anbar wurde nach
Angaben der multinationalen Truppe ein US-Marineinfanterist
getötet.
Die USA und der Irak haben sich nach irakischen Angaben auf einen
Sicherheitsvertrag verständigt, nach dem weitere drei Jahre eine
Stationierung amerikanischer Soldaten möglich ist. Das Abkommen
verlängert das Mandat des am 31. Dezember auslaufenden Abkommens,
verlautete aus Kreisen des irakischen Ministerpräsidenten Nur
Al-Maliki am Samstag. Eine Abstimmung im Kabinett könnte bereits
am heutigen Sonntag oder am Montag erfolgen. Zur Annahme müssten
zwei Drittel der 37 Minister zustimmen. Ein Mitarbeiter Al-Malikis
sagte, dafür gebe es eine gute Chance. Besonderen Wert hatten die
irakischen Unterhändler darauf gelegt, dass nach dem 31.12.2011
keine US-Soldaten mehr im Irak sein dürfen.
(Quelle: ap)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 16.11.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am 1332sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
Gefälschte 'New York Times' meldet Ende des Irak-Kriegs -
Aktionskünstlergruppe 'The Yes Men' outet sich als Herausgeber
Do.13.11.08 - Eine gefälschte Ausgabe der «New York Times» hat am
Mittwoch mit Datum 4. Juli 2009 und großer Schlagzeile das Ende
des Irak-Kriegs vermeldet (http://www.nytimes-se.com/.
Die täuschend echt wirkende «Sonderausgabe» der
renommierten Tageszeitung berichtete auch über die
Schließung des US-Gefangenenlagers Guantánamo Bay in Kuba
und dass der frühere US-Präsident George W. Bush wegen
Hochverrats angeklagt wurde. Die Aktivisten- und
Aktionskünstlergruppe «The Yes Men» (http://www.theyesmen.org/) outete sich am
Mittwoch als Herausgeber der 14-seitigen Zeitung. Sechs Monate lang
hätten sie an dem Blatt gearbeitet und über eine Million
Exemplare mit Hilfe von tausenden Freiwilligen kostenlos in New York
und anderen US-Städten verteilt.
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/k0811130.htm#08111330
|
Zehn Tote bei Kämpfen in Afghanistan
So.16.11.08 - Bei Kämpfen im Süden und Osten von Afghanistan sind nach
Angaben der US-Streitkräfte vom Sonntag zehn Aufständische
ums Leben gekommen. In der östlichen Provinz Paktia seien
fünf Kämpfer des Terrornetzwerks Al Kaida getötet
worden, teilte die Militärführung mit. Acht weitere seien
gefangen genommen worden. Weitere fünf Rebellen wurden in der
südlichen Provinz Urusgan getötet. Bei einem
Selbstmordanschlag in der westlichen Provinz Herat wurden am Sonntag
zwei US-Soldaten verletzt und zwei Fahrzeuge eines Konvois
beschädigt, wie ein Militärsprecher mitteilte.
(Quelle: ap)
G-20 beschließen Aktionsplan zur Reform des Weltfinanzsystems
So.16.11.08 - Die 22 führenden Industrie- und Schwellenländer wollen mit
einem umfangreichen Aktionsplan eine Wiederholung der aktuellen
Finanzkrise verhindern.
Im Abschlusskommunique des Treffens vom Samstag sind insgesamt rund 30
Einzelmaßnahmen aufgeführt, die kurzfristig bis Ende
März 2009 umgesetzt werden sollen. Hinzu kommen weitere rund 20
Verbesserungs- und Änderungsvorschläge in den Feldern
Regulierung, Stärkung der Transparenz, stärkere
Risikoabfederung des Finanzsystems, bessere internationale Kooperation
bei Regeln und Kontrollen sowie längerfristig orientierte
Anreizsysteme, die auf mittlere Sicht notwendig seien. Unter anderem
soll das Finanzsystem vor unfairem Wettbewerb und Risiken durch
Steueroasen geschützt werden.
Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident George W. Bush
werteten das Ergebnis des Gipfels als großen Erfolg. Das Treffen
sei ein erster wichtiger Schritt gewesen, sagte Bush. Es gebe aber noch
einiges zu tun und weitere Zusammenkünfte würden folgen.
Die Teilnehmerstaaten unterstrichen, dass sie enger kooperieren
wollten, um das globale Wachstum wieder herzustellen und das
Welt-Finanzsystem umfassend zu reformieren. Die in den einzelnen
Ländern ergriffenen Maßnahmen gegen die Krise und zur
Stabilisierung der Finanzmärkte reichten nicht aus. Die 22 Staats-
und Regierungschefs bekannten sich einerseits zu Marktprinzipien, dem
Grundsatz offener Märkte und dem eines liberalen
Investitionsregimes. Andererseits forderten sie eine wirkungsvolle
Regulierung der Finanzmärkte, die Raum schaffen soll für
Dynamik, Innovation und Unternehmtertum - Grundbedingungen für
Wachstum.
In der Erklärung sparten die großen Schwellen- und
Industrieländern nicht mit Kritik und Selbstkritik. In der
zurückliegenden Wachstumsphase habe es ein Streben nach immer
höheren Renditen ohne den Blick auf die Risiken gegeben,
hieß es in der Erklärung. Das Risikomanagement sei nicht
angemessen gewesen. Es seien immer neue Finanzprodukte auf der Basis
hoher Kreditaufnahme geschaffen worden, mit denen die Verwundbarkeit
des Finanzsystems gelitten habe. "Die Politiker, die Regulatoren und
die Aufsichtsbehörden in einigen fortgeschrittenen Ländern
haben auf den damit verbundenen Aufbau von Risiken für das
Finanzsystem nicht angemessen hingewiesen." Zudem hätten die
Länder ihre Wirtschaftspolitik nicht ausreichend abgestimmt,
ungenügend Strukturreformen betrieben und letztlich die Grundlage
für Marktexzesse gelegt.
Es müsse nun mehr dafür getan werden, die Finanzmärkte
zu stabilisieren und das Wachstum zu fördern, forderten die
Teilnehmer der Gipfels in der Erklärung. Dem müsse mit einer
abgestimmten Wirtschaftspolitik begegnet werden, um wieder mehr
Wachstum zu schaffen. Eine Bedeutung dafür habe auch eine
unterstützende Geldpolitik. Wo es angemessen sei, müssten
wachstumsstimulierende Maßnahmen ergriffen werden.
Unter den Maßnahmen, die nach Einschätzung der
Gipfel-Länder umgehend ergriffen werden sollten, wurden neue
Richtlinien für die Bewertung von Wertpapieren und komplexen
Finanzprodukten vorgeschlagen. Rating-Agenturen sollten unter
verstärkte Aufsicht der Behörden gestellt werden, etwa in
Hinblick auf ihre Verhaltensstandards und deren Einhaltung. Die
Behörden sollten schärfere Vorschriften zur
Eigenkapitalunterlegung von Geschäften und Produkten mit hohen
Risiken erlassen.
(Quelle: rtr)
Brasiliens Präsident Lula da Silva bezeichnet Gruppe der G-8 als
irrelevant
So.16.11.08 - Der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva hat die
Gruppe der acht führenden Industrienationen angesichts der
globalisierten Weltwirtschaft als irrelevant bezeichnet. Die Neuordnung
des Finanzmarkts müsse der Gruppe der G-20 zufallen, forderte Lula
da Silva am Samstag vor den Beratungen der Staats- und Regierungschefs
in in Washington. «Wir reden heute über die G-20, weil die
G-8 keine Existenzberechtigung mehr hat. Die Schwellenländer
müssen in der heutigen globalisierten Welt berücksichtigt
werden», forderte er. Dann werde die weltweite Finanzkrise
gemeinsam schneller überwunden.
Im Zuge der Finanzkrise hat die Debatte um die Erweiterung der G-8
zuletzt neuen Schwung erhalten. Auch Außenminister Frank-Walter
Steinmeier hat eine Erweiterung des Kreises gefordert. Vor allem das
Fehlen der bedeutenden Schwellenländer China, Indien und Brasilien
wird als Manko angesehen.
Die 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G-20) hatten am
Samstag in der US-Hauptstadt über eine umfassende Reform des
Weltfinanzsystems beraten.
Die G-20 umfasst neben den Industriestaaten der G-8 auch die
größten Schwellen- und Entwicklungsländer. Zusammen
repräsentieren die Staaten zwei Drittel der Weltbevölkerung
und fast 90 Prozent der Weltwirtschaftskraft.
(Quelle: ap)
Designierter US-Präsident Obama macht sich stark für
Automobilindustrie
So.16.11.08 - Der designierte US-Präsident Barack Obama hat sich für
staatliche Hilfen zugunsten der am Abgrund stehenden Automobilindustrie
ausgesprochen. Das staatliche Rettungsprogramm müsse entsprechend
angepasst werden, forderte Obama in einem Interview für die
CBS-Sendung «60 Minutes» am Sonntag.
«In der gegenwärtigen Lage wär es eine Katastrophe,
wenn die Automobilindustrie völlig zusammenbrechen
würde», sagte Obama. Daher müsse der Staat zu Hilfe
eilen. «Aber ich denke nicht, dass es einen Blankoscheck geben
kann.» Obama, der erst am 20. Januar die Regierung
übernimmt, sprach sich dafür aus, dass das Weiße Haus
und der Kongress gemeinsame ein Beistandspaket für die Branche
entwickeln. Außerdem seien Vereinbarungen für
überschuldete Hausbesitzer erforderlich.
In einer Radioansprache sagte Obama am Samstag, der internationale
Finanzgipfel in Washington könne nur ein Anfang sein. Er sei aber
froh, dass Präsident George W. Bush diesen Prozess
angestoßen habe, «weil unsere globale Wirtschaftskrise eine
koordinierte globale Antwort verlangt». In den USA sei jetzt der
Kongress gefordert, so schnell wie möglich ein Konjunkturpaket zu
erstellen, das auch den Familien Entlastung verspreche. «Wenn der
Kongress nicht einen Sofortplan verabschiedet, der der Wirtschaft den
benötigten Schub gibt, dann werde ich dies zu meiner ersten
Anordnung nach dem Amtsantritt als Präsident machen», sagte
Obama.
(Quelle: ap)
Russlands Präsident Medwedew für 'echte Partnerschaft' mit
den USA
So.16.11.08 - Der russische Präsident Dmitri Medwedew hat sich optimistisch
über einen Neuanfang in den Beziehungen zu den USA
geäußert. Bei seinem ersten Besuch in Washington seit seinem
Amtsantritt im Mai konstatierte Medwedew am Rande des internationalen
Finanzgipfels einen Mangel an Vertrauen zwischen beiden Staaten. Er
hoffe, dass sich dies mit dem Regierungswechsel am 20. Januar
ändern werde, wenn Barack Obama das Amt des US-Präsidenten
übernehme.
Vor dem Rat für Auswärtige Beziehungen (Council on Foreign
Relations) sagte Medwedew am Samstagabend, es gebe jetzt wieder die
Perspektive für eine «echte Partnerschaft» mit den
USA. Sein erstes Treffen mit Obama sollte schon bald nach dessen
Regierungsübernahme erfolgen. Dabei sei es gar nicht so
wesentlich, über welche Themen dann gesprochen werde.
Der russische Präsident deutete jedoch an, dass es ein guter
Anfang wäre, erneut über das geplante Raketenabwehrsystem der
USA in Polen und Tschechien zu beraten: «Ich hoffe, dass der neue
Präsident, die neue Regierung, den Wunsch haben wird, darüber
zu diskutieren.»
Nur wenige Stunden nach dem Wahlsieg Obamas am 4. November hatte
Medwedew damit gedroht, dass Russland Kurzstreckenraketen an seine
Westgrenze verlagern werde, um das Raketenabwehrsystem zu
«neutralisieren». Am Samstag betonte er, dass Russland
nicht vor dem ersten Schritt der USA handeln werde. Auch versicherte
er, dass der Zeitpunkt seiner Rede zur Lage der Nation nicht als
persönlicher Affront gegen Obama gemeint gewesen sei.
(Quelle: ap)
IWF einig über Hilfskredit für Island
So.16.11.08 - Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat beschlossen, das von
der Finanzkrise besonders betroffene Island mit einem Kredit zu
unterstützen. Die IWF-Mitgliedsstaaten hätten sich auf die
Hilfen für Island verständigt, sagte IWF-Chef Dominique
Strauss-Kahn in Washington am Rande des Weltfinanzgipfels. Über
den Kredit solle am Mittwoch endgültig abgestimmt werden.
Strauss-Kahn machte keine Angaben zur Höhe der Hilfe. Berichten
zufolge hatte Island um zwei Milliarden Dollar gebeten.
Island ist von der Finanzkrise besonders betroffen. Die Regierung
musste die größten Banken des Landes verstaatlichen. Der
Inselstaat mit nur 320.000 Einwohnern steht wegen der internationalen
Bankenkrise am Rande eines Staatsbankrotts. Am Samstag forderten rund
6000 Demonstranten in der isländischen Hauptstadt Reykjavik
Regierungsmitglieder zum Rücktritt auf.
(Quelle: afp)
Bedenken gegen staatliche Rettungsprogramme für Autoindustrie
So.16.11.08 - Gegen ein großangelegtes staatliches Rettungspaket für die
deutsche Automobilindustrie gibt es zunehmend Bedenken.
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und der Steuerzahlerbund
warnten davor, den Steuerzahler damit zu überfordern. Die FDP
betonte, dass der Staat nicht bei jedem Konzern einspringen könne.
«Ich halte es für falsch, jetzt über ein
großangelegtes Rettungspaket für die Automobilindustrie zu
spekulieren», sagte Glos der «Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung». Letztlich werde kein Weg daran
vorbeiführen, die Produktion an die Nachfrage anzupassen. Er sehe
die Gefahr, «dass sich eine Branche nach der anderen meldet, und
die Steuerzahler wären auch überfordert, wenn wir allen
Branchen zur Seite springen müssten».
Der Ruf nach dem Staat dürfe nur der allerletzte Weg sein, wenn
alle anderen Mittel ausgeschöpft seien. «Und für alle
Branchen gilt: Der Staat kann nicht die wegbrechende Nachfrage der
Konsumenten ersetzen», sagte der Minister. Er erneuerte deswegen
seine Forderung nach einer Einkommensteuersenkung. «Das wäre
sicher der sinnvollere und ordnungspolitisch saubere Weg, etwas gegen
die Absatzkrise zu tun», sagte er.
Der Präsident des Steuerzahlerbundes, Karl-Heinz Däke
kritisierte in der «Bild am Sonntag»: «Die Politik
verspricht zu schnell staatliche Hilfen. Ich fordere die
Bundesregierung auf, sorgfältig zu prüfen, ob die
Steuergelder sinnvoll eingesetzt sind.» Es sei zu
befürchten, «dass der Steuerzahler zwar für die
Milliarden-Opel-Bürgschaft aufkommen muss, aber die
Arbeitsplätze weiter in Gefahr sind».
Auch FDP-Vize Rainer Brüderle forderte, das Für und Wider bei
staatlichen Hilfen sorgfältig zu prüfen: «Man muss den
Menschen ehrlich sagen, dass der Staat zukünftig nicht bei jedem
Konzern einspringen kann.»
(Quelle: ap)
Autoexperte Dudenhöffer ruft Opel-Mitarbeiter zu Lohnverzicht auf
So.16.11.08 - Angesichts der aktuellen Krise hat Automobilexperte Ferdinand
Dudenhöffer die 26.000 Beschäftigten der Opel AG zu einem
dreijährigen Verzicht auf Lohnerhöhungen aufgerufen. In der
«Bild am Sonntag» schlug Dudenhöffer vor, dass die
Mitarbeiter die Lohnerhöhungen erst 2011 ausgezahlt bekommen,
«also dem Arbeitgeber quasi einen Kredit geben.»
Dagegen sieht die IG Metall ungeachtet der Krise bei Opel keinen
Anlass, die gerade beschlossenen Lohnerhöhungen von 4,2 Prozent
auszusetzen. IG-Metall-Sprecher Georgios Arwanitidis sagte: «Es
gibt keinen Grund, am Tarifvertrag zu rütteln. Sollte ein
einzelnes Unternehmen in Schwierigkeiten geraten, hat die IG Metall
schon vor Jahren mit den Arbeitgebern vereinbart, dass man unter
bestimmten Bedingungen vom Tarifvertrag abweichen kann.»
(Quelle: ap)
SPD-Fraktionschef Struck attackiert Wirtschaftsweise
So.16.11.08 - SPD-Fraktionschef Peter Struck hält das Gremium der fünf
Wirtschaftsweisen für inkompetent und überflüssig.
«Ich glaube denen kein Wort. Wenn man frühere Prognosen mit
der eingetretenen Realität vergleicht, merkt man recht schnell,
dass diese sogenannten Weisen vor allem viel heiße Luft
produzieren», sagt Struck in einem am Samstag
veröffentlichten Interview der Zeitschrift «Super
Illu». Er habe Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD)
deshalb vorgeschlagen, den Sachverständigenrat abzuschaffen.
«Ich finde, wir haben genug Sachverstand in den Ministerien, um
Erkenntnisse zu sammeln, und genug Sachverstand in der Politik, um die
richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen», betonte der
Fraktionschef der Sozialdemokraten.
Das Beratergremium der Bundesregierung hatte in seinem Herbstgutachten
zur wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands für das kommende
Jahr eine Rezession prognostiziert. Gleichzeitig forderten die
Wirtschaftsweisen von der Bundesregierung «Maßnahmen
für eine konjunkturgerechte Wachstumspolitik».
Der Rat besteht aus fünf Ökonomen, die für jeweils
fünf Jahre zu Beratern der Regierung berufen werden. Vorsitzender
der Sachverständigengruppe ist zurzeit der Renten- und
Gesundheitsexperte Bert Rürup. Außer ihm gehören die
Ökonomen Beatrice Weder di Mauro, Peter Bofinger, Wolfgang Franz
und Wolfgang Wiegard zu den Wirtschaftsweisen.
«Wir sollten uns davor hüten, uns selbst in die Krise
hineinzureden und in Aktionismus zu verfallen. Kein Staat der Welt, und
schon mal gar nicht Deutschland allein, kann mit Konjunkturprogrammen,
und mögen sie noch so viele Milliarden umfassen, die Probleme der
Weltwirtschaft lösen», sagte Struck.
Auch Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) kritisierte am Samstag die
Wirtschaftsweisen. Der Sachverständigenrat habe sich innerhalb von
wenigen Wochen «um 180 Grad gedreht. Erst haben sie monate- und
jahrelang gesagt, Haushaltskonsolidierung über alles und jetzt auf
einmal ist das nichts mehr wert». Er sei sich nicht mehr so ganz
sicher, was die Sachverständigenräte veranlasse, ihre Meinung
so schnell und so stark zu wechseln, sagte Gabriel im Deutschlandfunk.
(Quelle: ddp)
Weitere Vergünstigungen bei der Erbschaftssteuer geplant
So.16.11.08 - Die große Koalition will die Steuerlast für Immobilienerben
einem Medienbericht zufolge deutlich stärker mildern als bisher.
Das ergibt sich aus den Details der gemeinsamen
Änderungsanträge von CDU/CSU und SPD, die der Finanzausschuss
des Bundestages in seiner nächsten Sitzung beschließen soll,
wie das Nachrichtenmagazin «Focus» berichtet. Danach
könnten sich mittellose Erben die Steuer bei einer vermieteten
Immobilie bis zu zehn Jahre stunden lassen. Wenn der Erbe das Haus oder
die Wohnung selbst bewohnt und die Steuer nicht zahlen kann, soll ihm
der Fiskus den fälligen Betrag sogar für die gesamte Wohnzeit
zinsfrei stunden. Erst bei einem Verkauf würde die Abgabe
fällig.
Union und SPD wollten auch eine in den 70er-Jahren abgeschaffte
Steuergestaltung wieder ermöglichen. Danach können Eltern
Immobilien auf die Kinder übertragen und sich dabei Nutzungsrechte
wie ein lebenslanges Wohnrecht oder die Mieteinnahmen sichern. Anders
als bisher könnten die Erben diese Wertminderung künftig
steuersparend einsetzen. Damit lasse sich ab dem kommenden Jahr
beispielsweise auch eine nicht selbst genutzte Immobilie im Wert von
800 000 Euro bereits zu Lebzeiten steuerfrei von einem Elternteil auf
ein Kind übertragen. Nach geltendem Recht wären dafür
mindestens 23 097 Euro Erbschaftsteuer fällig.
(Quelle: ddp)
Özdemir und Roth neues Grünen-Spitzenduo
So.16.11.08 - Mit großer Mehrheit haben die Grünen in Erfurt Cem
Özdemir und Claudia Roth zum neuen Spitzenduo der Partei für
das Wahljahr 2009 gewählt. Der Grünen-Parteitag forderte
einen "Grünen New Deal" zur Bewältigung der Finanzkrise. In
der Energiepolitik verlangen die Grünen, spätestens 2050,
möglichst aber bereits 2040 die gesamte Energieversorgung in
Deutschland auf erneuerbare Energien umzustellen. Beim Strom soll der
Umstieg möglichst bereits 2030 zu hundert Prozent erreicht sein.
Bei den Wahlen zum Parteirat fiel Bundestags-Fraktionschef Fritz Kuhn
durch.
Özdemir ist damit der erste türkischstämmige
Bundesvorsitzende einer deutschen Partei. Er erhielt 79,2 Prozent der
Delegiertenstimmen, Roth sogar 82,7 Prozent und damit erheblich mehr
als vor zwei Jahren (66,5 Prozent). Özdemir sagte, sein
Vorgänger Reinhard Bütikofer, der nicht erneut kandidiert
hatte, hinterlasse "große Fußstapfen". Roth richtete eine
scharfe Warnung an die CDU/CSU: "Wer neue Akw bauen will, muss wissen,
dass er den sozialen Frieden in unserem Land gefährdet."
Die meisten Stimmen bei den Wahlen zum Parteirat erhielt der hessische
Fraktionschef Tarek Al-Wazir. Er kam damit noch vor
Bundestags-Fraktionsvize Jürgen Trittin. Auch
Bundestags-Fraktionschefin Renate Künast setzte sich klar durch.
Trittin und Künast sollen heute als Spitzenkandidaten für die
Bundestagswahl nominiert werden. Als Vorstandsmitglieder
wiedergewählt wurden neben Roth auch die politische
Geschäftsführerin Steffi Lemke mit 86 Prozent der Stimmen und
der langjährige Schatzmeister Dietmar Strehl mit 65,4 Prozent.
Im Rahmen des "Grünen New Deal" soll ein sozial-ökologisches
Investitionsprogramm dafür sorgen, "die konjunkturellen Folgen der
Finanzkrise zu mildern und den ökologischen Umbau zu
beschleunigen". Zudem sollen eine europaweite Umsatzsteuer für
Finanzmarkttransaktionen und eine strenge Finanzmarktaufsicht
eingeführt werden.
Beim Thema Menschenrechte kritisierten die Grünen, diese
würden in vielen Ländern bei der Bekämpfung des
Terrorismus grob missachtet. Mit großer Mehrheit wurde die
Schließung des US-Gefangenenlagers Guantanamo verlangt. Die
Bundesregierung wurde aufgefordert, ihre Bereitschaft zur Aufnahme von
unschuldigen Gefangenen zu erklären.
Die Grünen verlangten zudem die Bewahrung der Elbe als naturnahem
und freifließenden Fluss. Eine Absage erteilten sie dem Bau von
Verkehrsachsen durch die Unesco-Welterbestätten am Dresdner Elbtal
und im Oberen Mittelrheintal.
(Quelle: afp)
Patiententötungen während der NS-Zeit - Mitverantwortung der
Ärzteschaft
So.16.11.08 - Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich
Hoppe, hat sich deutlich zur Mitverantwortung der Ärzteschaft an
systematischen Patiententötungen in der Zeit des «Dritten
Reichs» geäußert. Die «übergroße
Mehrheit der Ärzte», habe zum staatlich verordneten
Massenmord geschwiegen oder sei damit «einverstanden»
gewesen, zitiert das Nachrichtenmagazin «Focus» aus einer
Stellungnahme Hoppes anlässlich einer medizinhistorischen Tagung
der Universität Gießen. Von Medizinern seien in der NS-Zeit
«Tod und Leiden herbeigeführt, angeordnet und gnadenlos
verwaltet» worden.
Das Eingeständnis, an NS-Verbrechen beteiligt gewesen zu sein, sei
für die Mediziner ein «schleichender Prozess» gewesen,
sagte Hoppe dem Magazin. Wenn die wissenschaftliche Aufarbeitung dieses
«dunkelsten Kapitels der deutschen Medizingeschichte»
abgeschlossen sei, werde sich die Frage stellen, in welcher Form die
Ärzteschaft die Angehörigen beziehungsweise Nachkommen der
Euthanasie-Opfer um Verzeihung bitten werde.
(Quelle: ddp)
Proteste gegen Neonazi-Aufmarsch in München
So.16.11.08 - Bei den Protesten gegen einen Neonazi-Aufmarsch in München sind am
Samstag etwa 70 Personen festgenommen worden. Unter anderem würden
den Betroffenen Sachbeschädigung und Körperverletzung
vorgeworfen, sagte ein Polizeisprecher. Außerdem und bestehe
Verdacht auf Landfriedensbruch. Die Festgenommenen seien vor allem der
linksautonomen Szene zuzuordnen. Insgesamt protestierten etwa 1000
Menschen gegen den Neonazi-«Heldengedenkmarsch».
Sie versammelten sich am Vormittag zunächst zu einer Kundgebung
auf dem Marienplatz. «Wir werden klar machen, dass wir Neonazis
in dieser Stadt nicht dulden», sagte der Fraktionschef der
Grünen im Münchner Stadtrat, Siegfried Benker. Die
Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte
Knobloch, hatte sich zuvor entsetzt gezeigt, dass der Neonazi-Aufmarsch
nicht verhindert werden konnte.
Der sogenannte «Heldengedenkmarsch» war durch die Stadt
München und das Verwaltungsgericht München zunächst
verboten worden. In einem Eilverfahren gab der Bayerische
Verwaltungsgerichtshof am Freitag dann der Beschwerde des Veranstalters
- eines polizeibekannten Rechtsextremisten - gegen die Eilentscheidung
des Verwaltungsgerichts teilweise statt und genehmigte den Aufmarsch
unter Auflagen.
Rund 150 Neonazis versammelten sich am Samstagnachmittag am
Goetheplatz, bevor sie durch die Stadt zogen. Mit lautstarken Protesten
und Sitzblockaden versuchten die Gegendemonstranten, sie zu stoppen.
Zuvor wollte eine größere Gruppe von ihnen am Marienplatz
eine Polizeisperre durchbrechen. Sie wurden umstellt und vorläufig
festgenommen, wie der Polizeisprecher berichtete.
Zu der Gegendemonstration hatten das «Bündnis gegen
Nazi-Aufmärsche» und das «Bündnis für
Toleranz, Demokratie und Rechtsstaat» aufgerufen. Es dürfe
nicht hingenommen werden, dass sechs Tage nach dem Gedenken an die
Opfer des Nationalsozialismus anlässlich des Jahrestages der
Reichspogromnacht Neonazis nun an die Täter erinnern wollten,
betonte Benker. Auf Transparenten hieß es: «Stoppen wir
gemeinsam die Nazis» und «München ist bunt, nicht
braun».
Die Polizei war mit mehr als 1000 Beamten im Einsatz. Unter den
Demonstranten hätten sich etwa 150 Personen aus der autonomen
Szene befunden, die als gewaltbereit eingestuft würden, sagte der
Sprecher. Insgesamt habe man das Demonstrationsgeschehen im Griff
gehabt. Informationen über Verletzte gab es zunächst nicht.
Knobloch kritisierte die Entscheidung des Bayerischen
Verwaltungsgerichtshofs für eine Zulassung des
«Heldengedenkmarschs» als «nicht akzeptabel».
«Die Neonazis missbrauchen den Aufmarsch zum Volkstrauertag, um
ihr NS-verherrlichendes Gedankengut öffentlich kundzutun«,
sagte sie. Ihre wahren Ziele seien eindeutig.
»Neonazi-Aufmärsche an diesem und an anderen Tagen darf es
nicht geben», betonte sie.
Gleichzeitig rief Knobloch alle Münchner dazu auf, «Gesicht
gegenüber den braunen Banden zu zeigen» und ein klares
Zeichen gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus zu setzen.
(Quelle: ddp)