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Irak 1701 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
USA loben Irak für Verabschiedung des Plans für Truppenabzug
Mo.17.11.08 - Die USA haben die irakische Regierung für die Verabschiedung eines
Plans gelobt, wonach alle US-Truppen bis Ende 2011 abgezogen werden
sollen.
Dies sei ein "positiver Schritt", sagte ein Sprecher von Präsident
George W. Bush am Sonntag in Washington.
Die US-Regierung hatte sich lange gegen einen festen Zeitplan für
einen Abzug der im Irak stationierten amerikanischen Truppen gewehrt.
(Quelle: rtr)
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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 17.11.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am 1333sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.17.11.07 - US-Demokraten schieben Gesetz für Irak-Ausgaben auf die lange Bank:
Abstimmung über 196 Milliarden Dollar erst im nächsten
Jahr +++ US-Oberstleutnant wegen Massakers von Haditha vor Gericht +++
Über 40 Prozent mehr Deserteure in den US-Streitkräften...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0711170.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
Gefälschte 'New York Times' meldet Ende des Irak-Kriegs -
Aktionskünstlergruppe 'The Yes Men' outet sich als Herausgeber
Do.13.11.08 - Eine gefälschte Ausgabe der «New York Times» hat am
Mittwoch mit Datum 4. Juli 2009 und großer Schlagzeile das Ende
des Irak-Kriegs vermeldet (http://www.nytimes-se.com/.
Die täuschend echt wirkende «Sonderausgabe» der
renommierten Tageszeitung berichtete auch über die
Schließung des US-Gefangenenlagers Guantánamo Bay in Kuba
und dass der frühere US-Präsident George W. Bush wegen
Hochverrats angeklagt wurde. Die Aktivisten- und
Aktionskünstlergruppe «The Yes Men» (http://www.theyesmen.org/) outete sich am
Mittwoch als Herausgeber der 14-seitigen Zeitung. Sechs Monate lang
hätten sie an dem Blatt gearbeitet und über eine Million
Exemplare mit Hilfe von tausenden Freiwilligen kostenlos in New York
und anderen US-Städten verteilt.
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/k0811130.htm#08111330
|
Zwölf Minderjährige in Guantanamo inhaftiert
Mo.17.11.08 - Die Vereinigten Staaten haben die Zahl der jemals in Guantanamo
inhaftierten Minderjährigen auf zwölf korrigiert.
Pentagon-Sprecher Jeffrey Gordon erklärte am Sonntag, die
Regierung habe diese Zahl dem UN-Ausschuss für Kinderrechte
übermittelt und damit die Angaben vom Mai berichtigt. Damals
hatten die USA erklärt, es seien acht Minderjährige in dem
US-Gefangenenlager auf Kuba festgehalten worden.
Gordon betonte, die USA hätten nicht absichtlich falsche Angaben
gemacht. Vielmehr wüssten viele der jüngeren Inhaftierten ihr
Geburtsdatum nicht. Daher sei das genaue Alter von einigen noch immer
nicht bekannt. Das Zentrum für die Untersuchung der Menschenrechte
in Amerika hatte in der vergangenen Woche erklärt, acht der bisher
zwölf minderjährigen Gefangenen seien inzwischen aus dem
Lager entlassen worden. Zwei der noch verbliebenen Jugendlichen
müssen sich im Januar wegen Kriegsverbrechen verantworten. Ein
Araber, der 2002 als Minderjähriger nach Guantanamo gekommen war,
hatte sich 2006 das Leben genommen.
(Quelle: ap)
Deutsche Soldaten bei Anschlag in Afghanistan verletzt
Mo.17.11.08 - Bei einem neuen Selbstmordanschlag auf die Bundeswehr in Afghanistan
ist am Sonntag ein Soldat schwer verletzt worden. Ein zweiter Soldat
kam nach Angaben der Bundeswehr mit leichten Verletzungen davon.
Das Attentat richtete sich gegen einen deutschen Militärkonvoi,
der gegen 10.20 Uhr Ortszeit (6.50 Uhr MEZ) mit mehreren gepanzerten
Fahrzeugen in der Nähe der nordafghanischen Stadt Baghlan
unterwegs war. Dabei kam nach afghanischen Angaben auch ein Zivilist
ums Leben. Außerdem gab es unter der Zivilbevölkerung noch
mindestens zwölf Verletzte.
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sprach am Abend in Berlin
von einer «angespannten Sicherheitslage» in Afghanistan.
Der Anschlag hätte noch schlimmere Folgen haben können.
«Wir haben zwar einen schwer verwundeten Soldaten. Aber dank der
geschützten Fahrzeuge sind die Verletzungen nicht noch
schlimmer.» Der Soldat soll an diesem Montag nach Deutschland
zurückgeflogen werden, wo er im Bundeswehr-Krankenhaus in Koblenz
behandelt werden soll.
Nach Angaben des Polizeichefs der nordafghanischen Provinz, Abdul
Rahman Saeed Khail, sprengte sich der Attentäter in einem Fahrzeug
neben dem Konvoi in die Luft. Dabei sei ein Zivilist getötet
worden. Nach Angaben von Ärzten des Zentralkrankenhauses in
Baghlan wurden mindestens zwölf weitere Menschen verletzt,
darunter fünf Kinder.
Das bei dem Attentat benutzte Fahrzeug soll nach Informationen aus
Sicherheitskreisen in der südafghanischen Unruheprovinz Kandahar
zugelassen gewesen sein. Die Region gilt als Hochburg der radikal-
islamischen Taliban. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat.
Erst Mitte Oktober waren bei einem Selbstmordanschlag der Taliban nahe
der nordafghanischen Stadt Kundus zwei Bundeswehr-Soldaten und
fünf Kinder getötet worden.
Unterdessen kam in der südlichen afghanischen Provinz Helmand ein
britischer Soldat bei der Explosion eines Sprengsatzes ums Leben. Nach
Angaben des britischen Verteidigungsministeriums fuhr er mit seinem
Fahrzeug auf einen Sprengkörper. In Afghanistan starben seit 2001
beim Militäreinsatz internationaler Truppen nach Angaben des
Internetdienstes icasualties.org mehr als 1000 Soldaten. Aus
Deutschland kamen dort bislang 30 Soldaten ums Leben.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt: Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas bröckelt
- Vier Palästinenser bei Angriff im Gazastreifen getötet -
Wieder Raketen auf Grenzgebiet abgefeuert - Israel lässt
Übergänge zum Gazastreifen geschlossen - UN können keine
Hilfsgüter ausliefern
Mo.17.11.08 - Die Waffenruhe zwischen Israel und den militanten Palästinensern
im Gazastreifen bröckelt: Israel reagierte am Sonntag mit einem
Luftangriff auf den Beschuss mit Raketen. Dabei kamen vier
Palästinenser ums Leben. Die Hamas-Führung drohte mit
Vergeltung. Ihr Sprecher Fausi Barhum sagte: «Das heutige
Verbrechen wird nicht straflos bleiben.» Diesen Artikel weiter
lesen
Der Luftangriff richtete sich gegen eine Gruppe der militanten
Volkswiderstandskomitees, die gerade dabei war, Mörsergranaten auf
Israel abzuschießen. Schon kurz zuvor war das israelische
Grenzgebiet mit zwei Raketen angegriffen worden. Wenig später
schlug erneut eine Rakete in der Grenzstadt Sderot ein, wie
Polizeisprecher Micky Rosenfeld erklärte. Ein Passant sei von
Splittern leicht verletzt worden.
Die Häufung der gewaltsamen Zwischenfälle gefährdet den
im Juni geschlossenen Waffenstillstand zwischen der Hamas-Regierung im
Gazastreifen und Israel, der im Dezember ausläuft, aber schon in
den vergangenen Tagen immer brüchiger wurde. In den vergangenen
zwei Wochen wurden nach israelischer Zählung mehr als 170 Raketen
und Mörser vom Gazastreifen aus abgeschossen. Im gleichen Zeitraum
wurden 15 palästinensische Extremisten bei israelischen
Militäraktionen getötet.
Der geschäftsführende Ministerpräsident Ehud Olmert
sagte am Sonntag, er habe der Militärführung Pläne
für «verschiedene Operationen gegen das terroristische
Regime der Hamas» vorgelegt. «Wir sind nicht begierig auf
den Kampf, aber wir fürchten ihn nicht», fügte Olmert
hinzu. Auch Verteidigungsminister Ehud Barak erklärte, Israel
würde eine Waffenruhe bevorzugen. Ministerpräsident Ismail
Hanija von der Hamas erklärte, Israel müsse die Aggressionen
gegen das palästinensische Volk stoppen. Dann werde auch der
Raketenbeschuss eingestellt.
Wegen der anhaltenden Raketenangriffe hält Israel die
Grenzübergänge zum Gazastreifen geschlossen. Deswegen
können die Vereinten Nationen keine Hilfsgüter mehr an die
Palästinenser dort verteilen. Das UN-Hilfswerk in den
palästinensischen Gebieten (UNRWA) teilte am Samstag mit, es habe
rund 20.000 Menschen abweisen müssen, die Reis, Mehl, Zucker und
Öl abholen wollten. Insgesamt sind rund 750.000 Palästinenser
im Gazastreifen auf Hilfe angewiesen.
Der syrische Präsident Baschar Assad forderte die Arabische Liga
auf, die Abriegelung des Gazastreifens zu beenden. Die Organisation
müsse auf ihrem Ministertreffen in Kairo noch in diesem Monat
entsprechende Entscheidungen treffen, sagte Assad nach einem Bericht
der amtlichen Nachrichtenagentur SANA.
(Quelle: ap)
Kämpfe in Kongo gehen trotz Zusagen der Rebellen weiter
Mo.17.11.08 - Kongolesische Regierungstruppen und Rebellen haben sich nach UN-Angaben
im Osten des Landes trotz einer Verständigung auf eine Waffenruhe
einige der heftigsten Kämpfe seit Wochen geliefert. Das berichtete
der Sprecher der UN-Friedenstruppen, Oberst Jean-Paul Dietrich,
über Gefechte am Sonntagabend in der Stadt Riwindi, die rund 125
Kilometer nördlich der Provinzhauptstadt Goma liegt.
Zuvor hatte der kongolesische Rebellenführer Laurent Nkunda noch
seine Unterstützung für die Friedensbemühungen der
Vereinten Nationen bekundet. Nkunda sagte am Sonntag dem
UN-Sondergesandten Olusegun Obasanjo, er wolle an der Waffenruhe
festhalten und begrüße die Vermittlung der internationalen
Gemeinschaft. Allerdings müsse auch die kongolesische Regierung
kooperieren.
Nkunda begründet seine Aufstand gegen die Regierung damit, dass er
mit seinen Kämpfern in der Region lebende Angehörige des
Tutsi-Volks vor Übergriffen aus Ruanda geflohener Hutu-Milizen
schützen will. Bei dem Völkermord in Ruanda brachten 1994
Hutus mehr als eine halbe Million Menschen um, die meisten Opfer waren
Tutsi.
(Quelle: ap)
Weitere Dissidenten in Birma zu je 65 Jahre Haft verurteilt
Mo.17.11.08 - Die Justiz in Birma geht weiter mit Härte gegen Gegner des
Militärregimes vor. Wie Exilbirmanen am Sonntag in Thailand dem
evangelischen Presse-Dienst (epd) mitteilten, wurden neun weitere
Dissidenten von einem Sondergericht zu je 65 Jahren Gefängnis
verurteilt. Dazu zähle auch Min Ko Naing, einer der prominentesten
Regimegegner des Landes. Bereits vor wenigen Tagen waren drakonische
Urteile gegen 14 andere Oppositionelle ergangen.
Ende Oktober hatten Min Ko Naing und die acht anderen Aktivisten die
Willkür der birmanischen Gerichte kritisiert. Daraufhin waren sie
zunächst zu sechs Monaten Haft wegen Missachtung der Justiz
verurteilt worden. Die Dissidenten gehören zur Gruppe "88er
Studentengeneration", die schon vor zwanzig Jahren Massenproteste gegen
die Junta organisiert hatte.
Der 46-jährige Min Ko Naing ist für seinen jahrzehntelangen
Kampf für Demokratie in Birma mit mehreren internationalen Preisen
ausgezeichnet worden. Er hatte bereits etliche Jahre in Haft gesessen,
bevor er im August 2007 erneut festgenommen wurde. Damals hatte er
friedliche Demonstrationen gegen drastische Preiserhöhungen
für Treibstoffe und Lebensmittel mitorganisiert. Die Proteste
mündeten schließlich in die von Mönchen angeführte
"Safran-Revolution". Die Demokratiebewegung war Ende September 2007 von
der Junta blutig niedergeschlagen worden.
Vor wenigen Tagen erst hatte ein Gericht im berüchtigten
Insein-Gefängnis in Rangun vierzehn andere Dissidenten der "88er
Studentengeneration" zu jeweils 65 Jahren Haft verurteilt. Auch der
landesweit bekannte Blogger Nay Phone Latt muss für zwanzig Jahre
hinter Gitter. In seinem Blog hatte er die katastrophalen
Lebensbedingungen in dem veramten Land angeprangert.
Auch hätten mindestens neun buddhistische Mönche sowie ein
Dutzend Mitglieder der oppositionellen Partei "Nationale Liga für
Demokratie" (NLD) hohe Haftstrafen erhalten, sagte Parteisprecher Nyan
Win. Die NLD ist die Partei der unter Hausarrest stehenden
Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi.
Nach Ansicht von Dissidenten will Birmas Militärregime mit den
drakonischen Haftstrafen ein Exempel statuieren. "Vor den für 2010
angesetzten Wahlen will es alle Oppositionellen loswerden", sagte Khin
Ohmar von der Exilorganisation "Forum für Demokratie in Birma" zum
epd. Gleichzeitig sollten die drastischen Gefängnisstrafen als
Abschreckung für andere Aktivisten dienen.
(Quelle: epd)
Japans Wirtschaft in der Rezession
Mo.17.11.08 - Die japanische Wirtschaft befindet sich nach Worten des Wirtschafts-
und Haushaltsminister Kaoru Yosano in einer Rezession. Er gehe von
einer weiteren Abwärtsbewegung der Binnenwirtschaft aus, da sich
die Entwicklung der Weltwirtschaft verlangsamt habe.
Das sagte Yosano vor dem Hintergrund eines im dritten Quartal
gesunkenen Bruttoinlandsprodukts (BIP) am Montag in Tokio. Falls die
Wirtschaftskrise in den USA und Europa eskalieren sollte, bestünde
die Sorge, dass mögliche Auswirkungen auch auf die heimische
Konjunktur durchschlagen könnten.
Der Abschwung der japanischen Wirtschaft hat sich im dritten Quartal
fortgesetzt. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde
schrumpfte nach Regierungsangaben vom Montag in diesem Zeitraum auf das
Jahr gerechnet um 0,4 Prozent. In den Monaten Juli bis September lag
der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Vergleich zu
zweiten Quartal nach vorläufigen Zahlen preisbereinigt bei 0,1
Prozent. Das war der zweite Rückgang in einem Quartal. Analysten
hatten mit einem durchschnittlichen Wachstum von 0,1 Prozent gerechnet.
(Quelle: dpa)
Designierter US-Präsident Obama will für Wirtschaftshilfen
Schuldenabbau zurückstellen
Mo.17.11.08 - Der künftige US-Präsident Barack Obama will die
schwächelnde Konjunktur in den USA mit staatlichen Hilfen
ankurbeln und den Schuldenabbau dafür vorerst zurückstellen.
Wirtschaftsexperten von links und rechts seien sich einig, "dass wir
tun müssen, was auch immer nötig ist, um diese Wirtschaft
wieder in Schwung zu bringen", sagte Obama dem Fernsehsender CBS. Er
forderte erneut staatliche Hilfen für die angeschlagenen Autobauer
und versprach, seine Wahlversprechen zum Ende des Militäreinsatzes
im Irak und zur Schließung des umstrittenen US-Gefangenenlagers
Guantanamo einzuhalten.
Es bestehe in den USA Konsens darüber, "dass wir uns im kommenden
Jahr oder sogar im Jahr danach keine Sorgen über das Defizit
machen sollten", sagte Obama in seinem ersten großen
Fernseh-Interview seit seinem Wahlsieg am 4. November. Vorläufig
sei es am wichtigsten, eine wachsende Rezession zu verhindern. Es sei
auch noch nicht genug unternommen worden, um das Vertrauen in die
Finanzmärkte wieder herzustellen. Ein Zusammenbruch der
Autoindustrie wäre nach Obamas Worten ein "Desaster". Es
dürfe jedoch auch keinen Blankoscheck für sie geben. Für
in Not geratene Eigenheimbesitzer stellte der designierte
US-Präsident ein gezieltes Hilfsprogramm in Aussicht.
Er habe im Wahlkampf versprochen, die meisten US-Truppen innerhalb von
16 Monaten aus dem Irak abzuziehen, sagte Obama. Sobald er im Amt sei,
werde er einen Rückzugsplan in Auftrag geben. Er wolle sich auf
Afghanistan konzentrieren und das Terrornetzwerk El Kaida "ein für
allemal ausmerzen". Es sei "entscheidend" für die Sicherheit der
USA, dass Terroristenführer Osama bin Laden getötet oder
gefasst werde. Auch die Schließung von Guantanamo werde er wahr
machen. Er werde außerdem dafür sorgen, dass nicht gefoltert
werde, um die "moralische Statur" der USA wieder herzustellen.
Am Sonntag hatte Obama weitere wichtige Posten im Weißen Haus
besetzt. Sein früherer Stabschef im Senat, Pete Rouse, soll sein
enger Berater werden. Zu stellvertretenden Stabschefs des Weißen
Hauses ernannte Obama Mona Sutphen und Jim Messina. Sutphen bringt
Erfahrungen aus dem Auswärtigen Dienst mit, Messina arbeitete
für mehrere Kongressabgeordnete. Bereits zwei Tage nach seiner
Wahl zum Präsidenten hatte Obama den demokratischen
Kongressabgeordneten Rahm Emanuel zu seinem Stabschef ernannt.
(Quelle: afp)
Auch nach Welt-Finanzgipfel Ungewissheit an US-Börsen
Mo.17.11.08 - Der Krisengipfel in Washington hat zwar Vorschläge für eine
umfassende Reform des internationalen Finanzsystems auf den Weg
gebracht.
Jedoch kaum ein Börsianer erwartet nach zwei verlustreichen Wochen
in Folge von dem Treffen einen Durchbruch, der in der neuen Woche
für einen nachhaltigen Aufschwung an den US-Börsen sorgen
wird. Es sei schwierig, Ergebnisse zu erzielen, die über das
Wochenende wirklich etwas verändern, sagte Warren Simpson von
Stephens Capital Management.
Die Staats- und Regierungschefs der 22 führenden Industrie- und
Schwellenländer kamen am Wochenende zusammen, um erste
Konsequenzen aus der Finanzkrise zu ziehen und einen Fahrplan für
den Umbau des Finanzsystems zu erarbeiten. Mit konkreten Ergebnissen
rechneten Experten erst nach weiteren Gipfeln, obwohl bereits eine
Reihe konkreter Maßnahmen auf den Weg gebracht wurden.
Die Aussichten den Welt-Finanzgipfel verliehen in den Märkten in
der vergangenen Woche keine Flügel. Der Dow-Jones-Index der
Standardwerte ging am Freitag mit einem Abschlag von 3,8 Prozent auf
8497 Punkte aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 4,2
Prozent auf 873 Zähler, die Technologiebörse Nasdaq sogar
fünf Prozent auf 1516 Punkte. Im Wochenverlauf büßte
der Dow fünf Prozent ein, während der S&P um 6,2 Prozent
und der Nasdaq um 7,9 Prozent nachgaben.
Das Geschehen an der Wall Street dürfte in den kommenden Tagen
vielmehr von vielen Konjunkturdaten und Quartalsberichten bestimmt
werden. Die Aufmerksamkeit der Anleger wird vor allem wichtigen
Indikatoren wie den Erzeugerpreisen am Dienstag und dem
Verbraucherpreisindex am Mittwoch gelten. Marktteilnehmer wollen von
ihnen weiteren Aufschluss über die Wucht und die Dauer des
Wirtschaftsabschwungs gewinnen. Viele Investoren werden aber auch
gebannt auf Daten aus Übersee achten.
Mit Spannung blicken viele Anleger zudem zum Ende der Berichtssaison
auf eine Fülle von Quartalszahlen. Angekündigt sind unter
anderem die Berichte von Target Corp, Dell, Home Depot, Gap und H. J.
Heinz. Diese werden Händlern zufolge erahnen lassen, wie schwer
die wirtschaftlichen Probleme sein werden.
In Atem halten wird die Wall Street auch das geplante 25 Milliarden
Dollar schwere Hilfsprogramm für die Autoindustrie. Nach Angaben
des demokratischen Mehrheitsführers Harry Reid wird der Senat am
Montag über ein Paket für die taumelnden US-Branchenriesen
General Motors, Ford und Chrysler beraten. Unklar blieb aber vor allem
die Unterstützung der Republikaner in der Kammer, die über
eine Sperrminderheit verfügen. Die Folgen des Zusammenbruchs der
Investmentbank Lehman Brothers vor Augen warnten einige Börsianer
vor einem Scheitern der Hilfen.
(Quelle: rtr)
Analysten sehen USA vor längerer Phase der Rezession
Mo.17.11.08 - Die USA sinken nach Ansicht von Analysten immer tiefer in eine
Wirtschaftsflaute und dürften darin auch über einen
längeren Zeitraum verharren. Dies ist das Ergebnis einer am Montag
veröffentlichten Prognose von Experten der Nationalen Vereinigung
für Betriebswirtschaft (NABE). Einschlägigen Erhebungen
zufolge sind 96 Prozent der befragten Analysten der Auffassung, dass
die Rezession bereits begonnen hat. Fast drei Viertel waren sich darin
einig, dass sie auch im ersten Quartal des Jahres 2009 anhalten werde.
Laut einer allgemein akzeptierten Definition liegt eine Rezession dann
vor, wenn sich das Wirtschaftswachstum eines Landes in zwei aufeinander
folgenden Quartalen ins Negative verkehrt. Die US-Wirtschaft schrumpfte
im Ende September abgelaufenen Quartal gemessen am Bruttoinlandsprodukt
um 0,3 Prozent - das schlechteste Ergebnis seit 2001. Für das noch
laufende Vierteljahr sagen die NABE-Experten einen neuerlichen
Rückgang um 2,6 Prozent vorher. Im ersten Quartal 2009 dürfte
die Wirtschaft dann um weitere 1,3 Prozent schrumpfen. Diese Prognosen
widersprechen früheren Angaben, in denen noch von einem
geringfügigen Wachstum ausgegangen wurde.
(Quelle: ap)
SPD-Vorsitzender Müntefering macht mit Finanzkrise Wahlkampf gegen
CDU/FDP-Bündnis
Mo.17.11.08 - SPD-Chef Franz Müntefering macht mit dem Thema Finanzkrise
Wahlkampf gegen CDU und FDP. Er sagte am Sonntag in Burgstädt auf
einem Landesparteitag der sächsischen SPD, die Finanzkrise zeige,
dass der Marktradikalismus am Ende sei. «Eins muss klar sein,
Schwarz-Gelb wird es nicht geben», fügte er hinzu.
Müntefering rief er seine Partei auf, selbstbewusst in die
bevorstehenden Wahlen im kommenden Jahr zu gehen. Dabei müsse es
auch darum gehen, im Bundestag eine CDU/FDP-Koalition zu verhindern.
Was die Bündnispartner der SPD angeht, betonte er erneut:
«Es wird keine Zusammenarbeit mit der Linken geben auf
Bundesebene.» Ziel der Sozialdemokraten sei es, weiter in
Deutschland zu regieren und mit dem Außenminister und
SPD-Spitzenkandidaten Frank-Walter Steinmeier in das Kanzleramt
einzuziehen.
Der Parteivorsitzende betonte, er schließe eine Zusammenarbeit
mit der Linkspartei nicht «in emotionaler Hochmut»
gegenüber vergangenen Zeiten aus. Nach seiner Überzeugung
müssten Kinder und Enkelkinder von ehemaligen SED-Mitgliedern die
Chance haben, in der Demokratie anzukommen. Ein Problem habe er aber
damit, dass diejenigen «Sozialromantiker», die in der
Partei heute das Sagen hätten, weder ökonomisch noch sozial
verlässlich seien und auch Europa ablehnten.
Müntefering kritisierte erneut den Vorsitzenden der Linksfraktion
im Bundestag, Oskar Lafontaine. Dieser sagte jetzt Blick auf die
Finanzmarktkrise, er habe bereits 1999 als damaliger
Bundesfinanzminister alles kommen sehen. Dann habe er sich aber mit
einem Dreizeiler verabschiedet, statt das Schlimmste zu verhindern.
«Was ist das für eine Art Moral», fragte
Müntefering.
Der saarländische SPD-Spitzenkandidat Heiko Maas schließt
rot-rote Koalitionen auch auf Bundesebene «nicht auf ewig
aus». Er sagte dem «Spiegel», Voraussetzung sei, dass
die Linke ihren fundamentalen Oppositions- und Populismuskurs verlasse.
Für die Landtagswahl im Saarland am 30. August nächsten
Jahres hält Maas ein Bündnis zwischen SPD und Linke bereits
für möglich. Bedingung dafür sei, dass Lafontaine nicht
Ministerpräsident würde.
Ein neuer Bundestag soll im September 2009 gewählt werden. Bereits
Ende August wird in Sachsen ein neuer Landtag gewählt. Auf dem
Landesparteitag wurde SPD-Landeschef Thomas Jurk im Amt bestätigt.
Er erhielt 89,1 Prozent der Stimmen. Jurk kündigte an, er wolle
seine Partei auch als Spitzenkandidat in den Wahlkampf führen. Der
Parteitag beschloss mehrheitlich, vor der Wahl keine Koalitionsaussage
zu treffen.
CDU und SPD regieren in Sachsen seit 2004 in einer Koalition. Jurk
steht im Kabinett von CDU-Regierungschef Stanislaw an der Spitze des
Wirtschaftsressorts.
(Quelle: ap)
Finanzminister Steinbrück gegen pauschale Hilfe für
Autoindustrie
Mo.17.11.08 - Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat generellen Hilfen
für die deutsche Autoindustrie eine klare Absage erteilt:
«Ein generelles Konjunkturprogramm für die
Automobilindustrie macht keinen Sinn.»
«Der Staat kann die private Kaufkraft nicht ersetzen und ist auch
nicht für die Fehler der Industrie verantwortlich», sagte
Steinbrück der «Bild»-Zeitung.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat für heute den Opel-Chef,
den GM-Europachef und den Betriebsratsvorsitzenden ins Kanzleramt
eingeladen. Dabei soll es auch um die Bitten nach staatlichen
Bürgschaften in Milliardenhöhe gehen. Am Dienstag wollen
Steinbrück und Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) mit den
Ländern über mögliche Hilfen für Opel sprechen.
Opel betont, mit den bei Bund und mehreren Bundesländern mit Opel-
Werken beantragten Bürgschaften lediglich für den Fall einer
drohenden Insolvenz des Mutterkonzerns General Motors (GM) vorzusorgen.
Aktuell sei das Unternehmen zahlungsfähig. Opel beschäftigt
in Deutschland knapp 25 700 Menschen in Hessen, Nordrhein-Westfalen,
Rheinland-Pfalz und Thüringen.
(Quelle: dpa)
Künast und Trittin sollen Grüne in den Wahlkampf führen
Mo.17.11.08 - Mit dem für Grünen-Verhältnisse traumhaften Ergebnis von
92 Prozent Zustimmung hat der Parteitag Renate Künast und
Jürgen Trittin als Spitzenkandidaten für den Bundestag
nominiert. Die Delegierten in Erfurt schlossen damit die personelle
Neuaufstellung der Grünen für das Superwahljahr 2009 ab.
Zuvor war am Samstag Cem Özdemir zum neuen Bundesvorsitzenden
gewählt worden. Ko-Parteichefin Claudia Roth wurde in ihrem Amt
bestätigt. Inhaltlich forderte der Parteitag einen "Grünen
New Deal" zur Bewältigung der Finanzkrise.
Mit kämpferischen Reden und großen, grünen Bällen,
die sie den Delegierten zuwarfen, stimmten Künast und Trittin die
Partei auf den Wahlkampf ein. "Grün ist stark, Grün gewinnt
2009", sagte Künast. Sie kündigte an, die Grünen wollten
"die Weichen in diesem Land wieder auf eine grüne Zukunft stellen".
Trittin sagte, die Grünen würden die Antwort geben auf drei
Jahrzehnte Neoliberalismus: "Eine andere Welt ist nötig und eine
andere Welt ist möglich und dafür stehen wir Grünen." Er
griff auch die CDU und Bundeskanzlerin Angela Merkel scharf an.
Özdemir ist der erste türkischstämmige Bundesvorsitzende
einer deutschen Partei. Auch er erhielt mit 79,2 Prozent der
Delegiertenstimmen eine klare Mehrheit, Roth sogar 82,7 Prozent.
Weitere Vorstandsmitglieder bleiben Geschäftsführerin Steffi
Lemke, Schatzmeister Dietmar Strehl sowie die Beisitzer Astrid
Rothe-Beinlich und Malte Spitz. Bei den Wahlen zum Parteirat fiel
Bundestags-Fraktionschef Fritz Kuhn durch. Die meisten Stimmen erhielt
hier der hessische Partei- und Fraktionschef Tarek Al-Wazir.
Özdemir sagte, sein Vorgänger Reinhard Bütikofer, der
nicht erneut kandidiert hatte, hinterlasse "große
Fußstapfen". "Wir wollen gestalten in den Kommunen, in den
Ländern, im Bund und in Europa", meldete der neue Parteichef in
einer kämpferischen Rede ebenfalls den Anspruch auf politische
Mitsprache an. Als einen politischen Schwerpunkt nannte er neben Umwelt
und Klima auch die Bildungspolitik.
Im Rahmen des "Grünen New Deal" soll ein sozial-ökologisches
Investitionsprogramm dafür sorgen, "die konjunkturellen Folgen der
Finanzkrise zu mildern und den ökologischen Umbau zu
beschleunigen".
Zum Ziel des vollständigen Umstiegs auf erneuerbare Energien bis
2050 in Deutschland und Europa sagte Trittin, nur so könne eine
Erderwärmung von mehr als zwei Grad verhindert werden. Beim Strom
soll der Umstieg auf hundert Prozent erneuerbare Energien
möglichst bereits 2030 erreicht sein.
In der Friedenspolitik bekräftigten die Grünen den Vorrang
ziviler Konfliktprävention und knüpften Auslandseinsätze
an strenge Voraussetzungen.
(Quelle: afp)
Özdemir schließt schwarz-grüne Koalition im Bund nicht
aus
Mo.17.11.08 - Der neue Grünen-Chef Cem Özdemir schließt eine
Koalition mit der Union auf Bundesebene nicht aus. Voraussetzung
für eine schwarz-grüne Koalition sei aber, dass die Union
ihren Atomkurs ändere, sagte Özdemir der "Passauer Neuen
Presse". "Es kann im Einzelfall durchaus sein, dass man grüne
Inhalte besser mit Schwarz als mit Rot umsetzen kann", sagte der
Parteichef. Entscheidend sei, "dass die grüne Handschrift
erkennbar ist".
"Wenn die Union an ihrem Atomkurs festhält, wird es mit ihr nicht
gehen", sagte Özdemir. Auf Landesebene sollten jedoch die
Verbände entscheiden. Schwarz-Grün in Hamburg zeige, dass es
um Inhalte und nicht um ideologische Barrieren gehe.
Für das Wahljahr 2009 kündigte Özdemir eine härtere
Gangart seiner Partei in der Opposition an. "Wir Grüne wollen noch
stärker harte Oppositionspartei sein." Es gebe genügend
"offene Flanken" in der Bundesregierung, allen voran der
Umweltminister. "Sigmar Gabriel kneift, wenn es ernst wird",
kritisierte der neue Parteivorsitzende. Dann seien Umweltinteressen
abgemeldet und Autointeressen angesagt, "ganz wie bei seinem Mentor,
Alt-Autokanzler Gerhard Schröder". Bei Tempolimit und niedrigen
CO2- Ausstoßwerten blockiere Gabriel, bei der Kfz-Steuerbefreiung
für Spritfresser aber gebe er Gas. "Die Umwelt hat das Nachsehen.
Da müssen wir unnachgiebig attackieren", sagte der
Grünen-Chef.
Özdemir war am Wochenende beim Parteitag der Grünen in Erfurt
zum ersten türkischstämmigen Bundesvorsitzenden einer
deutschen Partei gewählt worden. Er erhielt mit 79,2 Prozent der
Delegiertenstimmen eine klare Mehrheit.
(Quelle: afp)
Brandenburgs CDU-Chefin: Linke nicht verteufeln
Mo.17.11.08 - Die brandenburgische CDU-Landesvorsitzende Johanna Wanka hat die Union
vor einer neuen "Rote-Socken-Kampagne" anlässlich der
Bundestagswahl 2009 gewarnt. "Davon rate ich dringend ab", sagte Wanka
der Zeitschrift "Super Illu". Sie sprach sich dafür aus, die Linke
nicht zu verteufeln, sondern sich mit ihr offensiv auseinanderzusetzen.
"Man muss klar zeigen, welche Gefahren es für das Land gäbe,
wenn die Linke ihre populistischen Forderungen oder Konzepte mit der
SPD durchsetzen könnte", sagte die CDU-Politikerin. "Wie
Regierungsbilanzen von Rot-Rot aussehen, hat man ja in Sachsen-Anhalt
und Mecklenburg-Vorpommern erlebt", fügte sie hinzu.
(Quelle: afp)
Linkspartei-Bundestagsabgeordneter ließ 'wikipedia.de' sperren
Mo.17.11.08 - Der Bundestagsabgeordnete Lutz Heilmann von der Linkspartei hat die
Internet-Adresse «wikipedia.de» per einstweiliger
Verfügung tagelang unbrauchbar gemacht. Hintergrund waren nach
Angaben des Abgeordneten im Online-Nachrichtenportal
«zoomer.de» «falsche Tatsachenbehauptungen» in
seiner Wikipedia-Biografie. Am Sonntag erklärte er, dass er seine
am 13. November durchgesetzte Sperrung nicht mehr aufrechterhalte.
Die Verfügung hatte zwar zur Folge, dass die Weiterleitung von
«wikipedia.de» nach «de.wikipedia.org»
unterbunden wurde, die Biografie Heilmanns war aber nach wie vor im
Internet abrufbar. Der jetzt 42-jährige Heilmann war von 1985 bis
1990 im Personenschutz des Ministeriums für Staatssicherheit der
DDR tätig, nach Ableistung der regulären Wehrpflicht als
Berufssoldat. Seine Stasi-Tätigkeit hatte er 2005 öffentlich
zugegeben.
Laut dem Betreiber Wikimedia Deutschland galt die Verfügung so
lange, wie «bestimmte Äußerungen über Lutz
Heilmann vorgehalten werden». Dabei ging es angeblich unter
anderem um die Frage, ob er sein Jura-Studium «abgebrochen»
oder «unterbrochen» hat. Am Sonntag stand an der fraglichen
Stelle, er «unterbrach» 2005 das Studium.
Am Sonntag teilte Heilmann über die Pressestelle der Linkspartei
mit, die Weiterleitung könne wieder geschaltet werden.
«Nachdem die falschen, ehrabschneidenden und deshalb mein
Persönlichkeitsrecht verletzenden Inhalte weitgehend aus dem
entsprechenden Artikel entfernt wurden, habe ich gegenüber dem
Wikimedia e.V. erklärt, dass ich keine weiteren juristischen
Schritte unternehmen werde und die Weiterleitung auf die
Wikipedia-Inhalte ... wieder geschaltet werden kann»,
erklärte der Bundestagsabgeordnete.
(Quelle: ap)
BKA-Gesetz steht im Bundesrat auf der Kippe
Mo.17.11.08 - Das umstrittene BKA-Gesetz droht im Bundesrat zu scheitern. Nach einem
Parteitagsbeschluss der Sozialdemokraten in Sachsen müsste sich
die von CDU und SPD regierte Koalition des Landes bei der Abstimmung im
Bundesrat enthalten. Die Delegierten der sächsischen SPD
verabschiedeten auf ihrem Parteitag in Burgstädt mit großer
Mehrheit einen Antrag der Jusos des Landes, der einen weiteren Abbau
von Freiheitsrechten verhindern will. Zwar bezog sich der Antrag nicht
ausdrücklich auf das BKA-Gesetz, doch spricht er sich gegen
weitere Gesetzesverschärfungen bei der inneren Sicherheit aus.
"An das Votum des Parteitags werde ich mich halten", sagte der
SPD-Landesvorsitzende Thomas Jurk. Union und SPD verfügen im
Bundesrat nur über eine Stimme Mehrheit.
(Quelle: afp)
Computer-Sicherheit ist ein soziales Problem
Mo.17.11.08 - Die Zahl der Bedrohungen aus dem Internet wächst stetig. Anstatt
technisch immer weiter gegen die Gefahren aufzurüsten, sollte das
Übel an der Wurzel gepackt werden. Denn offenbar stecken vor allem
soziale Probleme hinter der Schwemme von Computer-Schädlingen.
Davon ist Mikko Hyppönen, ein Sicherheits-Experte des Unternehmens
F-Secure überzeugt.
Ein Großteil der schädlichen Programme, die über das
Internet verteilt werden, haben ihren Ursprung laut dem Magazin
"Vnunet" in Ländern wie China, Russland oder Brasilien. Sie
stammen somit aus Ländern, die weniger stark entwickelt sind als
etwa die USA oder Deutschland. Dennoch gibt es in den Staaten
inzwischen eine gute technische Infrastruktur und sehr viele
Spezialisten, die sich bestens mit der Programmierung von Software
auskennen. Allerdings finden diese Menschen kaum Arbeit, weshalb sich
viele von ihnen in den Dienst von Online-Kriminellen stellen und
für sie Trojaner, Viren und andere Computer-Schädlinge
programmieren.
Indem die Programmierer für legale Arbeiten eingestellt
würden, ließe sich deren Energie in die richtigen Bahnen
lenken und den Cyber-Kriminellen würden die "Handwerker" ausgehen.
Hinzu kommt laut Hyppönen, dass die Verursacher von
Online-Angriffen meist nur geringe Strafen erhalten, falls sie erwischt
werden. Deshalb ist Online-Betrug ein lukratives und vergleichsweise
ungefährliches Verbrechen, das für mittellose Experten in
Entwicklungsländern zu einem attraktiven Betätigungsfeld
avanciert ist. Um dem entgegen zu wirken, setzen sich Experten wie
Hyppönen dafür ein, eine internationale "Internet-Polizei"
ins Leben zu rufen. Denn es dürfte sich als leichter erweisen, die
Kriminellen zu stellen, als komplexe soziale Probleme wie
Arbeitslosigkeit in Entwicklungsländern zu lösen.
(Quelle: gp)
Wissenschaft - Bei Männern geht es ab dem Rentenalter gesundheitlich bergab
Mo.17.11.08 - In zahlreichen Ländern der Europäischen Union bleibt den
Männern keine Zeit, das Rentnerdasein wirklich zu genießen.
Nach einer europäischen Studie, die in der britischen
Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht wurde, sind in zehn
EU-Staaten die Männer nur bis zu einem Alter von 65 Jahren "bei
guter Gesundheit". Im Durchschnitt aller 25 Mitgliedsländer, die
der EU bis zum Zeitpunkt der Erhebung vor drei Jahren angehörten,
schränkte eine schwächelnde Gesundheit die europäischen
Wissenschaft - Männer ab dem Alter von 67 Jahren ein, Frauen ab
dem 68. Lebensjahr.
Deutsche Männer sind der Studie zufolge bis zum Alter von 63,5
Jahren gesundheitlich fit. Sie liegen damit wie die Finnen und
Portugiesen unter dem EU-Durchschnitt. Das Forscherteam um die
britische Wissenschaftlerin Carol Jagger von der Universität in
Leicester förderte mit der Erhebung deutliche Unterschiede
zwischen den Ländern zu Tage.
Während ein heute 50-jähriger Mann aus Italien, den
Niederlanden, aus Schweden oder Malta in mehr als 20 Jahren immer noch
ohne gesundheitliche Einschränkungen leben kann, ist das bei
Männern aus Ungarn, Lettland, Litauen oder der Slowakei schon etwa
ab dem 60. Lebensjahr nicht mehr möglich. Nach Angaben der
Forscher führen die Menschen in den Mitgliedsländern der
ersten 15 EU-Staaten ein "längeres und gesünderes Leben" als
die osteuropäischen Länder.
(Quelle: afp)