B.O.A.-NACHRICHTEN
 last update: boa München, Di.18.11.2008 - 14:00 
  [ Übersicht] [ Ticker ] [ Medien-Termine] [ Medien-Nachrichten]

 

.
 
a9-2008-k0811180      

Nachrichten und Berichte      [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ]

[ vorherige] [ nächste ]         

+++ Di.18.11.08, 12:00         zum Nachrichten-Archiv Nachrichten-Archiv         aktuelle Nachrichten Aktuelle Nachrichten

Irak 1702 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

Irakische Abgeordnete debattieren Sicherheitsabkommen mit den USA - Kritik aus Syrien

Di.18.11.08 - Das irakische Parlament hat am Montag das nach zähem Ringen ausgehandelte Sicherheitsabkommen mit den USA diskutiert. An der Sitzung in Bagdad nahmen mehr als zwei Drittel der 275 Abgeordneten teil, so dass auch bei der Abstimmung am 24. November das notwendige Quorum erreicht werden könnte. Das Kabinett hatte dem Abkommen, demzufolge US-Soldaten nach Ablauf des UN-Mandats Ende des Jahres noch drei weitere Jahre im Irak stationiert bleiben, am Sonntag zugestimmt.

Nach der deutlichen Unterstützung im Kabinett von Ministerpräsident Nuri al-Maliki wird erwartet, dass auch das Parlament das Abkommen verabschiedet. Eine wichtige Hürde stellte auch die Zustimmung des einflussreichsten Geistlichen des Landes, Großayatollah Ali al Sistani, dar. Der erklärte am Sonntag, er werde das Abkommen nicht ablehnen, wenn es mit einer deutlichen Mehrheit von den Abgeordneten angenommen werde. Schiitische Parteien hatten erklärt, sie wollten das Dokument erst unterzeichnen, wenn der Geistliche es offiziell unterstütze.

An der Parlamentssitzung am Montag nahmen auch Abgeordnete teil, die dem schiitischen Geistlichen Muktada al-Sadr nahestehen. Al-Sadr hat seine rund 30 Anhänger im Parlament und die übrigen Abgeordneten aufgefordert, das Abkommen abzulehnen. Er hat gedroht, die Angriffe auf US-Soldaten wiederaufzunehmen, sollten die Truppen nicht sofort mit dem Abzug beginnen.

US-Botschafter Ryan Crocker und der irakische Außenminister Hoschjar Sebari unterzeichneten in einer symbolischen Zeremonie das Papier. Crocker sprach von einem historischen Ereignis. Alle Iraker könnten stolz darauf sein, was ihre Unterhändler erreicht hätten.

Das gebilligte Sicherheitsabkommen sieht vor, dass die US-Soldaten nach Ablauf ihres UN-Mandats am 31. Dezember noch drei Jahre im Irak bleiben. Irakische Unterhändler setzten durch, dass die irakische Justiz künftig US-Soldaten und Mitarbeiter von Rüstungsunternehmen vor Gericht bringen können, sollten sie schwere Straftaten begangen haben. Sie erreichten auch, dass die USA von irakischem Boden aus keine Angriffe auf Nachbarstaaten wie Syrien und den Iran führen dürfen.

Syrien kritisierte das Abkommen als «Belohnung für die Besatzer» des Iraks. Die Besatzer sollten keinen Preis erhalten, sondern müssten sich für den angerichteten Schaden entschuldigten, sagte der syrische Informationsminister Mohsen Bilal in Damaskus.

(Quelle: ap)

mehr Nachrichten mehr Nachrichten vom Tage


 

 

Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

bush-irakkrieg-beginnt-tv-rede-20030319

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 18.11.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am 1334sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

So.18.11.07 - Polen will Einsatz im Irak im kommenden Jahr beenden +++ Sieben Tote bei Razzien der US-Truppen +++ Über 30 Leichen auf Baustellen in Bagdad entdeckt... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0711180.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 


 

Gefälschte 'New York Times' meldet Ende des Irak-Kriegs - Aktionskünstlergruppe 'The Yes Men' outet sich als Herausgeber

Do.13.11.08 - Eine gefälschte Ausgabe der «New York Times» hat am Mittwoch mit Datum 4. Juli 2009 und großer Schlagzeile das Ende des Irak-Kriegs vermeldet (http://www.nytimes-se.com/.

Die täuschend echt wirkende «Sonderausgabe» der renommierten Tageszeitung berichtete auch über die Schließung des US-Gefangenenlagers Guantánamo Bay in Kuba und dass der frühere US-Präsident George W. Bush wegen Hochverrats angeklagt wurde. Die Aktivisten- und Aktionskünstlergruppe «The Yes Men» (http://www.theyesmen.org/) outete sich am Mittwoch als Herausgeber der 14-seitigen Zeitung. Sechs Monate lang hätten sie an dem Blatt gearbeitet und über eine Million Exemplare mit Hilfe von tausenden Freiwilligen kostenlos in New York und anderen US-Städten verteilt.

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/k0811130.htm#08111330

 
 

new york times fake
 
 
 
 

 


 



 

Afghanistan: Taliban lehnen Friedensgespräche ab

Di.18.11.08 - Die Taliban haben Friedensgesprächen mit der afghanischen Regierung eine Absage erteilt. Ein Sprecher der Taliban erklärte am Montag, es werde keine Gespräche geben, solange noch ausländische Truppen im Land stationiert seien. Er wies damit ein Angebot von Präsident Hamid Karsai zurück und kündigte an, der Kampf gegen die ausländischen Streitkräfte und die Regierung werde fortgesetzt.

Karsai bot am Sonntag dem Taliban-Führer Mullah Omar sicheres Geleit an, falls er sich zu Friedensgesprächen bereitfindet. Mullah Omar hält sich seit der US-Invasion vor sieben Jahren im Untergrund auf. Es wird vermutet, dass er den Aufstand der Taliban führt. Die Taliban haben auf Appelle für Friedensverhandlungen bisher stets geantwortet, dass erst alle ausländischen Truppen das Land verlassen müssten. Karsai hat diese Forderung zurückgewiesen und erklärt, die Soldaten würden für die Sicherheit des Landes gebraucht.

(Quelle: ap)
 



 

Immer mehr Anschläge auf deutsche ISAF-Truppe

Di.18.11.08 - Beim zweiten Anschlag auf die Bundeswehr innerhalb von rund 30 Stunden sind am Montag in Afghanistan vier Soldaten leicht verletzt worden.

Eine Bundeswehr-Patrouille sei gegen 15.30 Uhr Ortszeit (12.00 Uhr MEZ) am Rande der nordafghanischen Stadt Feisabad in eine Sprengfalle geraten, teilte die Bundeswehr am Nachmittag mit. Bei der Explosion seien die vier deutschen Soldaten durch Splitter verwundet worden. Sie könnten am Ort medizinisch versorgt werden, teilte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam mit.

Auch afghanische Zivilisten seien von dem Anschlag betroffen gewesen. Wie viele Zivilisten verletzt oder sogar getötet wurden, konnte der Sprecher zunächst nicht sagen. Die Ermittlungen dauerten noch an.

Erst am Sonntag waren zwei Bundeswehrsoldaten bei einem Selbstmordanschlag in der Nähe der nordafghanischen Stadt Baghlan verletzt worden, einer von ihnen schwer. Der Schwerverletzte sollte am späten Montagabend mit einer Maschine der Bundeswehr nach Deutschland zurückgebracht werden, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam auf Anfrage. Die Ankunft wurde gegen 23.00 Uhr auf dem militärischen Teil des Flughafens Köln/Wahn erwartet. Der Mann sei nicht in Lebensgefahr, hieß es. Er soll im Bundeswehr-Krankenhaus Koblenz behandelt werden.

Die beiden am Sonntag verletzten Soldaten stammen aus einer Fernmeldeeinheit im nordhessischen Frankenberg. Ein entsprechender Bericht des Hessischen Rundfunks wurde der Deutschen Presse-Agentur dpa am Montag in Bundeswehrkreisen inoffiziell bestätigt. Der leicht verletzte Soldat bleibt Bundeswehrangaben zufolge in Afghanistan im Einsatz.

Der Attentäter hatte den Sprengsatz am Sonntag bei Baghlan neben einem Militärkonvoi mit mehreren gepanzerten Fahrzeugen gezündet. Dabei kam nach afghanischen Angaben ein Zivilist ums Leben. Unter der Zivilbevölkerung gab es zudem mindestens zwölf Verletzte.

(Quelle: dpa)
 



 

Nahost-Konflikt: Israel liefert wieder Hilfsgüter in Gazastreifen. Israel will 250 palästinensische Gefangene freilassen

Di.18.11.08 - Israel hat nach knapp zwei Wochen erstmals wieder eine begrenzte Menge humanitärer Hilfsgüter in den Gazastreifen geliefert. Insgesamt passierten 33 Lastwagen mit Medikamenten und Grundnahrungsmitteln den Grenzübergang Kerem Schalom.

Dies teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Montag mit. Der größte Teil der Lieferung sei für internationale Hilfsorganisationen bestimmt. Mit den begrenzten Hilfslieferungen hat Israel auf wachsenden internationalen Druck reagiert. Rund die Hälfte der 1,5 Millionen Palästinenser im Gazastreifen kann ohne Nahrungsmittelhilfen nicht überleben.

Israel hat den Gazastreifen wegen des andauernden Raketenbeschusses seit knapp zwei Wochen nahezu vollständig abgeriegelt. Allein am Montag schlugen auf israelischem Boden wieder acht selbst gebaute Raketen ein. Dabei wurde jedoch niemand verletzt. Nach Angaben eines Armeesprechers haben militante Palästinenser seit dem 4. November 135 Raketen auf Israel abgefeuert. Im gleichen Zeitraum wurden 13 militante Palästinenser sowie ein Zivilist getötet. Die tägliche Gewalt stellt die am 19. Juni vereinbarte Waffenruhe zwischen Israel und militanten Palästinensergruppen im Gazastreifen immer mehr in Frage.

Angesichts der immer brüchiger werdenden Waffenpause sind Israels amtierender Ministerpräsident Ehud Olmert und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas am Montag in Jerusalem zusammengetroffen. Olmert kündigte nach dem Gespräch an, in der kommenden Woche 250 militante Palästinenser aus israelischer Haft freizulassen. Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation B'tselem hält Israel rund 8350 radikale und militante Palästinenser in Gefängnissen fest.

Wegen des Lieferstopps von Industriediesel sowie neuer Schäden im Stromnetz weiten sich im Gazastreifen die Stromausfälle aus. Nach Angaben des stellvertretenden Direktors der Palästinensischen Energiebehörde, Kanaan Obaid, sind 70 Prozent des Gazastreifens ohne Strom. Wegen der Ausfälle seien auch Krankenhäuser und Wasseraufbereitungsanlagen gefährdet. Das einzige Kraftwerk im Gazastreifen steht wegen ausbleibender Diesellieferungen, die von der Europäischen Union gesponsert werden, seit Dienstag still. Das Kraftwerk lieferte zuvor rund 30 Prozent des Energiebedarfs.

Der Verband der Auslandsjournalisten in Israel protestierte derweil dagegen, dass Journalisten seit Tagen nicht mehr zur aktuellen Berichterstattung in das Gebiet fahren dürfen. Das komme einer «ernsthaften Verletzung der Pressefreiheit» gleich. Weiter heißt es in einer Erklärung vom Montag: «Wir betrachten das als einen skrupellosen Bruch der Pflicht der israelischen Regierung, Journalisten die Arbeit in der Region zu erlauben.» Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte zu dem Protest, die Politik Israels sei es, nur humanitäre Hilfe in den Gazastreifen zu lassen.

(Quelle: dpa)
 



 

UNO wirft Rebellen im Kongo Verstoß gegen Waffenruhe vor

Di.18.11.08 - Trotz zugesagter Bemühungen um einen Friedensprozess sind die Rebellen im Osten der Demokratischen Republik Kongo weiter vorgerückt. Wie die UN-Truppen im Kongo (MONUC) mitteilten, nahmen die Rebellen in der Krisenprovinz Nord-Kivu die Stadt Rwindi ein. Rebellenchef Laurent Nkunda forderte im Zusammenhang mit Friedensverhandlungen Garantien für die künftige Integration seiner Truppen in die Armee des Landes. Der kongolesische Präsident Joseph Kabila ernannte einen neuen Generalstabschef der Streitkräfte.

Die Kongo-Mission der Vereinten Nationen verurteilte die jüngsten Angriffe der Rebellen als Bruch einer Ende Oktober verkündeten Waffenruhe. Die Soldaten wurden nach Rebellenangaben von Rwindi, rund 100 Kilometer nördlich der Provinzhauptstadt Goma, bis nach Vitshumbi an den Eduardsee zurückgedrängt. In Rwindi befindet sich auch ein Stützpunkt der MONUC.

"Wir werden ihnen die Waffenruhe aufzwingen", sagte der Sprecher der Rebellenorganisation Nationalkongress zur Volksverteidigung (CNDP). Die CNDP und die Regierungsarmee beschuldigten sich gegenseitig, die Kämpfe um Rwindi begonnen zu haben. Nkundas Rebellen warfen den Soldaten zudem weitere "Provokationen" vor. Sie dienten laut CNDP dazu, den Ergebnissen des Treffens zwischen Nkunda und dem UN-Unterhändler Olusegun Obasanjo am Sonntag zu schaden.

Die Rebellen hätten entgegen eigenen Ankündigungen Angriffe gegen die Armee unternommen, teilte hingegen die MONUC mit. Sie bezog sich damit auf eine Waffenruhe, die die CNDP Ende Oktober einseitig verkündet hatte. Am Sonntag hatte Nkunda sich bei Gesprächen mit Obasanjo zu Beratungen über einen Waffenstillstand für den Osten des Kongos bereit erklärt.

Der desertierte Tutsi-General Nkunda ist offenbar bereit, in die kongolesische Armee zurückzukehren und auch seine Truppen dort einzugliedern. Nkunda verhandele keinesfalls über eine mögliche Ausweisung seiner Truppen und seiner selbst aus dem Kongo, sagte Obasanjo. "Nkunda spricht von der Einbindung seiner Soldaten in die nationale Armee und er ist sogar bereit, selbst weiter der Armee zu dienen", ergänzte er. Dafür verlange der Rebellenchef Garantien der UNO und der Afrikanischen Union (AU).

Nach einer im Fernsehen verlesenen Anordnung beförderte Kabila "angesichts der Notwendigkeit" Didier Etumba Longomba. Dieser war zuvor als Militärberater bereits ein enger Vertrauter des Präsidenten. Bisher hatte er den Posten des Flottenstabschefs inne.

(Quelle: afp)
 



 

China weist Gespräche der Exiltibeter zurück

Di.18.11.08 - China hat die Gespräche der Exiltibeter über die Zukunft der Region als unbedeutend zurückgewiesen. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums erklärte am Dienstag, jeder Versuch, Tibet vom chinesischen Staatsgebiet zu trennen, sei zum Scheitern verurteilt. Vertreter der im Exil lebenden Tibeter kamen am Montag zu rund einwöchigen Beratungen über ihre weitere Strategie zur Durchsetzung der Selbstbestimmung ihres Volkes in China zusammen. Der Dalai Lama erschien nicht zu dem Treffen.

(Quelle: ap)
 



 

Georgien fordert unabhängige Untersuchung des jüngsten Krieges

Di.18.11.08 - Georgien hat sich nochmals für eine unabhängige internationale Untersuchung der Umstände des Krieges mit Russland im vergangenen Sommer ausgesprochen. Dabei solle festgestellt werden, welches Land für die heftigen Kämpfe verantwortlich gewesen sei, erklärte der georgische UN-Botschafter Irakli Alassania am Montag vor Journalisten am UN-Sitz in New York. Beide Seiten wollten am Dienstag in Genf ihre Gespräche über die Umsetzung des von der EU vermittelten Waffenstillstands wiederaufnehmen.

Georgien und Russland beschuldigen sich seit den fünftägigen Gefechten vom August gegenseitig der Aggression. Georgien sei bereit, mit einem Untersuchungsteam eng zusammenzuarbeiten und alle Fakten offenzulegen, sagte Alassania. Jüngste Berichte von Beobachtern der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) haben aber Zweifel an der georgischen Darstellung aufkommen lassen, es habe auf eine Aggression von Russland unterstützter Separatisten reagiert, als es in Südossetien angegriffen habe.

Russland verstärkte danach seine Truppenpräsenz in Georgien und rückte auch in georgisches Kernland vor. Umstritten sind die näheren Umstände, die zur Eskalation führten. Russland hat Südossetien sowie die andere abtrünnige georgische Region Abchasien inzwischen als eigenständige Staaten anerkannt.

Auch hundert Tage nach dem Krieg können nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International rund 20.000 geflüchtete Georgier noch immer nicht in ihre südossetische Heimat zurückkehren. Rückkehrer beider Seiten fänden ihre Häuser und Wohnungen geplündert oder zerstört vor, erklärte AI am Dienstag. Sie forderte die Konfliktparteien auf, Flüchtlingen und Vertriebenen so schnell wie möglich die Rückkehr ermöglichen und ihre Sicherheit zu gewährleisten. Gleichzeitig müssten beide Konfliktparteien beginnen, mögliche Kriegsverbrechen untersuchen zu lassen.

Entlang der Grenze sei auf südossetischer Seite eine Zone der Unsicherheit entstanden, aus der in den letzten Wochen wiederholt von Schießereien, Explosionen, Plünderungen und Entführungen berichtet worden sei, heißt es in dem Amnesty-Bericht weiter. «Im 21. Jahrhundert ist es an der Zeit, dass die andauernde Kette von Flucht und Vertreibung im Süden der russischen Föderation und im Südkaukasus ein Ende gemacht wird», erklärte Russlandexperte Peter Franck.

(Quelle: ap)
 



 

Bolivien will US-Drogenbehörde nicht mehr ins Land lassen

Di.18.11.08 - Der bolivianische Präsident Evo Morales hat sich für bessere Beziehungen zu den Vereinigten Staaten unter dem künftigen US-Präsidenten Barack Obama ausgesprochen. Er schloss aber kategorisch aus, die Anti-Drogen-Behörde der USA noch einmal in seinem Land arbeiten zu lassen. Sie könne für die Bekämpfung des Drogenhandels in Bolivien keine Lösungsansätze bieten, erklärte Morales am Montag vor Journalisten bei den Vereinten Nationen in New York. Der linksgerichtete Präsident hatte die US-Behörde unter dem Vorwurf der politischen Aggression am 1. November des Landes verwiesen. Seine Regierung arbeite an einem eigenen Konzept zur Drogenbekämpfung erklärte Morales. Zugleich wolle sich Bolivien darum bemühen, dass die Koka-Pflanzen von der UN-Liste der illegalen Drogen gestrichen werde.

(Quelle: ap)
 



 

Zahl der Hungernden in den USA auf höchstem Stand seit 1998

Di.18.11.08 - In den USA haben im vergangenen Jahr fast 700.000 Kinder Hunger leiden müssen. Die am Montag in Washington veröffentlichten Zahlen der Hungernden im Jahr 2007 waren die höchsten seit 1998 und übertrafen die des Vorjahres um 50 Prozent.

Sie stehen im Jahresbericht des US-Landwirtschaftsministeriums über Lebensmittelsicherheit. Demnach litten im vergangenen Jahr zeitweise 36 Millionen Erwachsene und Kinder in den USA Hunger, 700.000 mehr als 2006. Definiert wird Hunger so: Entweder haben die Leute nicht genug Geld, um sich Lebensmittel zu kaufen, oder sie erhalten nicht genug Lebensmittelhilfe, um ein gesundes Leben führen zu können. Fast ein Drittel dieser Menschen, fast zwölf Millionen, mussten sogar eine beträchtliche Unterbrechung in der Lebensmittelmenge hinnehmen, die sie normalerweise essen.

(Quelle: ap)
 



 

Obama und McCain rufen gemeinsam zu neuer 'Reform-Ära' auf

Di.18.11.08 - Der künftige US-Präsident Barack Obama und sein unterlegener Rivale John McCain haben zu einer "neuen Reform-Ära" in den USA aufgerufen und wollen dafür über Parteigrenzen hinweg zusammenarbeiten. Nach einem rund einstündigen Gespräch in Obamas Übergangs-Dienstsitz in Chicago teilten die beiden Politiker in einer gemeinsamen Erklärung mit, dass die US-Bürger sich eine Zusammenarbeit aller Parteien wünschten, um die "entscheidenen Herausforderungen" wie die Wirtschaftskrise zu meistern. Dafür wollten beide in den kommenden Tagen und Monaten zusammenarbeiten.

Die Wirtschaftskrise müsse gelöst, neue Energiegesetze müssten verabschiedet und die nationale Sicherheit gewährleistet werden, erklärten der Demokrat und der Republikaner. Anhänger aller Parteien erwarteten, dass die Verantwortlichen zusammenkämen und die "schlechten Angewohnheiten aus Washington" änderten. Sie hätten daher ein "produktives" Gespräch über die Notwendigkeit geführt, der Verschwendung öffentlicher Gelder und dem Hick-Hack zwischen Demokraten und Republikanern in Washington entgegenzutreten. So solle das Vertrauen in die US-Regierung wieder hergestellt und für "Wohlstand bei jeder hart arbeitenden amerikanischen Familie" gesorgt werden.

Beide Politiker verträten bekanntermaßen die Ansicht, "dass die Amerikaner sich eine effektivere und effizientere Regierung wünschen und diese auch verdient haben", erklärte das Beraterteam Obamas. An dem Treffen in Chicago nahmen auch der republikanische Senator und McCain-Vertraute Lindsey Graham sowie der künftige Stabschef des Weißen Hauses, Rahm Emanuel, teil.

Obama hatte am Sonntag angekündigt, einen Republikaner in sein Kabinett berufen zu wollen. Nach Angaben aus seinem Übergangsteam ist es aber unwahrscheinlich, dass McCain selbst ein Angebot erhalten könnte.

US-Finanzminister Henry Paulson kündigte unterdessen an, das 700 Milliarden Dollar schwere Rettungspaket für den US-Finanzsektor bis zum Amtsantritt Obamas am 20. Januar nicht mehr anzapfen zu wollen. Paulson hatte das Rettungspaket erst in der vergangenen Woche geändert und Hilfen auch für Autobanken, Studienfinanzierer und Kreditkartengesellschaften angekündigt. Sie sollen den Verbrauchern den Zugang zu Krediten erleichtern und so den Konsum ankurbeln. Der ursprünglich geplante Aufkauf fauler Kredite ist vom Tisch.

(Quelle: afp)
 



 

US-Senat: Demokraten wollen Automanagern Bonuszahlungen streichen

Di.18.11.08 - Die Demokraten im US-Senat wollen Managern der amerikanischen Autohersteller im Gegenzug für eine staatliche Milliardenhilfe Bonuszahlungen streichen. Das geht aus einem Gesetzentwurf hervor, der der Nachrichtenagentur AP am Montag in Washington bekanntwurde. Demnach müssen die Unternehmen der Regierung einen Plan für ihre langfristige finanzielle Überlebensfähigkeit vorlegen, für Manager mit einem Einkommen von mehr als 250.000 Dollar soll der Bonus entfallen. Dafür sollen den Autoherstellern und ihren Zulieferern dann 25 Milliarden Dollar Kredit aus dem 700 Milliarden-Dollar-Rettungspaket für die Finanzindustrie abgezweigt werden. Gegen diese Umwidmung haben sich allerdings republikanische Senatoren ausgesprochen. Deswegen erscheint eine Freigabe noch in diesem Jahr noch nicht als gesichert.

(Quelle: ap)
 



 

US-Großbank Citigroup will weltweit rund 50.000 Stellen streichen

Di.18.11.08 - Der US-Bankenriese Citigroup will weltweit rund 50.000 Stellen streichen. Die Zahl der Mitarbeiter solle in naher Zukunft um ein Fünftel reduziert werden, bezogen auf den Höchststand bei der Stellenzahl, kündigte die Citigroup an. Den Höhepunkt bei der Stellenzahl hatte die Bank im vierten Quartal 2007 bei 375.000 Mitarbeitern erreicht. Ende September dieses Jahres beschäftigte die Bank nur noch 352.000 Mitarbeiter. Mit den zusätzlichen Stellenstreichungen würde die Zahl der Beschäftigten auf rund 300.000 gekürzt werden.

Die Citigroup reagiert mit den weiteren Stellenstreichungen auf die Folgen der Finanzkrise. Sie wolle bezogen auf Ende 2007 20 Prozent ihrer Ausgaben einsparen, erklärte die Großbank. Die schwächelnde Citigroup zählt zu neun US-Banken, die Hilfe aus dem Rettungspaket der US-Regierung erhalten. Die Citigroup hatte im dritten Quartal dieses Jahres einen Verlust von 2,8 Milliarden Dollar angegeben und damit das vierte Quartal in Folge rote Zahlen geschrieben.

(Quelle: afp)
 



 

Finanzkrise  - Deutsche Banker üben Selbstkritik - Schärfere Regulierung kommt

Di.18.11.08 - Die öffentliche Selbstkritik der deutschen Banken nimmt zu. Top-Banker machten am Montag in Frankfurt erneut schwere Fehler des Kreditgewerbes mitverantwortlich für die Krise an den Finanzmärkten.

"Wir sind in den letzten Jahren sicher zu weit gegangen", räumte Deutsche-Bank--Chef Josef Ackermann auf einer Finanzkonferenz ein. Der Präsident des Bankenverbandes und frühere Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller forderte deshalb von der Branche einen "Mentalitätswechsel".

Auch der Vorstandsvorsitzende der genossenschaftlichen DZ Bank sieht die Banker und nicht die Aufseher als Hauptverantwortliche: "Wir haben quer Beet Schwächen gezeigt", sagte Wolfgang Kirsch. Es seien letztlich die Banker gewesen, die die Risiken in die Bilanzen genommen hätten - und nicht die Aufsichtsbehörden.

Als Folge der seit mehr als einem Jahr währenden Finanzkrise wollen Regulierungsbehörden und Politik die Banken stärker an die Kandare nehmen. "Wir brauchen die ordnende Hand des Staates, die Regeln setzt und durchsetzt", betonte Finanzstaats-Sekretär Jörg Asmussen. Das alleine reiche aber nicht, um künftige Krisen zu verhindern, räumte er ein. Letztlich müssten die Banken sich untereinander wieder vertrauen und damit dem System Leben einhauchen.

Die Idee der Selbstregulierung der Banken habe sich nicht als tragfähig erwiesen, sagte der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Jochen Sanio. Nun sei die Stunde der Regulierung gekommen: "Wenn nicht jetzt, wann dann", betonte er. Bundesbank-Präsident Axel Weber sagte, der Glaube an die Selbstregulierungsfähigkeit der Märkte habe in den "letzten Monaten deutlich abgenommen".

Weber warnte allerdings davor die Banken in ein "Korsett" zu zwingen. Die Kontrolle des Finanzsystems dürfe nicht zu weit gehen. "Mehr Regulierung ist nicht zwangsläufig gleichbedeutend mit besserer Regulierung. So sehr der derzeitige Reformeifer auch gerechtfertigt und begrüßenswert ist - er sollte nicht in eine Überregulierungswut umschlagen."

Ackermann gab zu, dass er angesichts der Übertreibungen an den Märkten inzwischen sogar dafür sei, dass die Aufsichtsbehörden auch Geschäftsmodelle kritisch hinterfragen sollten. "Ich bin hier vom Saulus zum Paulus geworden", sagte er. Die Aufseher müssten auch das Recht haben, Übernahmen infrage zu stellen. Dann wären einige Akquisitionen, mit denen sich Banken verhoben hätten, sicher nicht zustande gekommen.

Müller machte sich für eine internationale Regulierung stark. Diese Standards müssten dann für alle Banken gelten. Nationale Sonderwege wie etwa im Falle der USA bei den Eigenkapitalstandards dürfe es nicht mehr geben. "Das Ziel ist nicht einfach ein mehr an Regulierung, sondern eine bessere Regulierung." Am Ende sollte eine einheitliche Aufsicht für grenzüberschreitend tätige Großbanken stehen.

Finanzstaatssekretär Asmussen dringt als Antwort auf die Krise auf eine europäische Lösung und will den Banken höhere Kapitalstandards vorschreiben, was die Ergebnisse entsprechend schmälern dürfte. "Die Krise zwingt uns, das Niveau der Kapitalausstattung generell mittelfristig zu überdenken, um die Widerstandsfähigkeit zu erhöhen", sagte er. Mehr Regulierung an der richtigen Stelle sei eines der wichtigsten Resultate des Weltfinanzgipfels am Wochenende in Washington. Die 22 führenden Industrie- und Schwellenländer hatten sich in Washington getroffen, um eine Neuordnung für die globale Finanzwirtschaft zu einzuläuten.

(Quelle: rtr)
 



 

Globalisierungskritiker enttäuscht von Weltfinanzgipfel

Di.18.11.08 - Globalisierungskritiker sind enttäuscht von den Ergebnissen des Weltfinanzgipfels. Mit den vereinbarten Schritten ließen sich die globalen ökonomischen Ungleichheiten nicht beseitigen, erklärte das Netwerk Attac am Sonntag in Frankfurt. Kern einer neuen Weltwirtschaftsordnung müsse aber die Überwindung der sozialen Unterschiede sein. Die Entschuldungskampagne erlassjahr.de kritisierte unter anderem die geplante Stärkung des Internationalen Währungsfonds.

Die vorgeshehen neuen Regeln deuteten an, dass es den wichtigsten Industrie- und Schwellenländern (G-20) vor allem um Kosmetik gehe, sagte Alexis Passadakis von Attac. "Sie haben offensichtlich kein Interesse, die tiefer liegenden Ursachen der Krise anzugehen, insbesondere das chronische Defizit der USA und die horrenden Exportüberschüsse von Deutschland und China."

Als "katastrophal" bezeichnete Attac die Absicht der G-20, die Doha-Verhandlungsrunde der Welthandelsorganisation (WTO) zu einem Abschluss zu bringen. Bei den WTO-Verhandlungen gehe es um eine weitere Liberalisierung der Finanzmärkte. "Das Abkommen zur Deregulierung von Buchhaltungsstandards liegt schon fertig auf dem Tisch und würde im Falle eines Doha-Abschlusses automatisch in Kraft treten", warnte Passadakis.

Auf Kritik stieß bei den Globalisierungskritikern auch die Absicht der G-20, den Internationalen Währungsfonds (IWF) zu stärken. "Der IWF ist mit seiner Liberalisierungs- und Deregulierungspolitik einer der Brandstifter, der munter weiter zündelt", sagte Attac-Aktivist Passadakis. Die Entschuldungskampagne erlassjahr.de erklärte: Den IWF in seiner Rolle als Oberaufseher zu stärken, komme "der Rückkehr von Skandalschiedsrichter Hoyzer in die Bundesliga-Stadien gleich". Der Fonds habe aus seiner "fatalen Doppelrolle" als Gläubiger und Aufsichtsgremium Staaten wie Argentinien in den Bankrott getrieben.

Attac und erlassjahr.de bemängelten, dass vor allem arme Länder bei den Beratungen fehlten. Von den Ländern, die wegen der Finanzkrise an den Rand des Staatbankrotts geraten, habe kein einziges in Washington mit am Tisch gesessen, kritisierte Jürgen Kaiser von erlassjahr.de. Schwellenländer wie Brasilien, die in der G-20-Gruppe vertreten sind, repräsentierten nicht die kleineren und ärmeren Volkswirtschaften Asiens, Afrikas und Lateinamerikas. Kerstin Sack vom Attac-Koordinierungskreis sagte: "Der G-20-Gipfel wiederholt die Fehler der G-7- und G-8-Treffen: Der Großteil der Länder ist ausgeschlossen."

(Quelle: epd)
 



 

Klimagasausstoß der Industrieländer seit 2000 gestiegen

Di.18.11.08 - Der klimaschädliche Treibhausgasausstoß der Industrienationen hat nach UN-Angaben seit der Jahrtausendwende weiter zugenommen: Von 2000 bis zum Jahr 2006 legten die Emissionen der 40 der UN-Klimarahmenkonvention angehörenden Industrieländer um 2,3 Prozent zu, wie das Klimasekretariat der UNO in Bonn mitteilte. In den Jahren seit 1990 war demnach allerdings ein Rückgang um 4,7 Prozent zu verzeichnen, bei jenen Industrieländern, die auch das Klimaschutzprotokoll von Kyoto unterzeichnet haben, sogar um 16,7 Prozent.

Der größte Emissionszuwachs bei den Industrieländern sei in den vergangenen Jahren durch den Aufschwung in den "Volkswirtschaften im Übergang" - also den mittel- und osteuropäischen Staaten - verursacht worden, erklärte der Chef des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer. Diese Übergangsvolkswirtschaften hätten zwischen 2000 und 2006 einen Emissionszuwachs um 7,4 Prozent verbucht.

Der Zuwachs zeige, wie dringend nötig ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Klimaschutzprotokoll von Kyoto sei, um gegen die Erderwärmung anzugehen, hob de Boer hervor. Gute Fortschritte bei der UN-Klimakonferenz in Posen (Poznán) Anfang Dezember seien daher erforderlich. Er hoffe, dass dort ein erstes Papier auf dem Tisch liege, wie die abschließenden Verhandlungen 2009 in Kopenhagen aussehen könnten, sagte de Boer weiter.

Bei der Einhaltung der Klimaziele von Kyoto sieht das UN-Sekretariat Deutschland noch nicht auf dem rechten Weg: Nach den jetzt vorgestellten Daten war der Klimagasausstoß 2006 um 18,5 Prozent gesunken, die Zielmarke liegt jedoch bei minus 21 Prozent im Vergleich zum Basisjahr 1990. Die EU als Ganzes hatte sich minus acht Prozent zum Ziel gesetzt, bis 2006 aber nur ein Minus von 2,7 Prozent erreicht. Grundsätzlich glaube er, dass die Industrieländer ihre Kyoto-Ziele erreichen könnten, jedoch müssten einige von ihnen dafür noch große Anstrengungen unternehmen, mahnte de Boer.

(Quelle: afp)
 



 

Wirtschaftsweiser Bofinger fordert Verstaatlichung von Opel

Di.18.11.08 - Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hat sich für eine Verstaatlichung des deutschen Autobauers Opel ausgesprochen. «Im Fall Opel sollte die Bundesregierung erwägen, den deutschen Konzern zeitweise zu verstaatlichen, um ihn nach überstandener Krise möglichst bald wieder an private Investoren weiterzuverkaufen», wird Bofinger im «Münchner Merkur» zitiert. Forderungen nach einem «Schutzschirm» für die gesamte deutsche Autobranche wies er als «weit überzogen» zurück. Der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker verwies darauf, dass Staatshilfen für deutsche Autokonzerne von der EU genehmigt werden müssen.

Bofinger begründete seine Forderung nach einer Verstaatlichung Opels unter anderem damit, dass der Staat gegenüber anderen Herstellern nicht so stark in Zugzwang gerate. «Bei einer temporären Übernahme in Staatseigentum sehe ich weniger die Gefahr, dass andere Konzerne folgen. Die meisten deutschen Autobauer und Zulieferer werden kaum ein Interesse daran haben, vorübergehend in Staatseigentum überzugehen», sagte er den Angaben zufolge. Vor einer Verstaatlichung müsse Opel jedoch aus dem US-Mutterkonzern General Motors herausgelöst werden.

Der Präsident des Zentralverbandes Deutsches Handwerk (ZDH), Otto Kentzler, unterstützt die staatlichen Hilfspläne für Opel. «Es geht hier um viele Arbeitsplätze, nicht nur in der Automobilindustrie, auch im Zulieferhandwerk und im Kraftfahrzeuggewerbe», sagte er der «Thüringer Allgemeinen» zufolge. Dagegen erklärte der Präsident des Bundesverbandes der Mittelständischen Wirtschaft (BVMW) Mario Ohoven: «Mittelständische Unternehmen sterben still und unbemerkt, Großunternehmen werden ihrer schieren Größe wegen vom Staat gerettet.» Mit einem milliardenschweren Rettungsschirm für Automobilunternehmen riskiere die Bundeskanzlerin einen «Dammbruch», weil andere Hersteller und Unternehmen anderer Branchen folgen würden.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht die mögliche Krisenhilfe der Bundesregierung für Opel kritisch. «Staatliche Eingriffe können allenfalls das letzte Mittel in der Krise sein und das nur dann, wenn ohne diese Eingriffe weite Teile der Gesamtwirtschaft negativ betroffen wären», wird DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier in der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» zitiert.

Der Automobilexperte Willi Diez warnte vor staatlicher Hilfe für Opel. «Wäre ich VW-Manager, würde ich es alles andere als schön finden, wenn ein Konkurrent zinsverbilligte Kredite erhält. Das ist Wettbewerbsverzerrung», wird er in der in Hannover erscheinenden «Neuen Presse» zitiert.

Der luxemburgische Regierungschef Juncker sprach sich in der «Bild»-Zeitung für ein Rettungskonzept für die Autoindustrie auf europäischer Ebene aus. «Wenn die US-Regierung mit Milliarden von Dollars Ford, GM und Chrysler vor der Pleite rettet, dann können wir nicht einfach zusehen und unsere Hersteller in Europa allein lassen», sagte er. Die Regierungen der Autobauer-Staaten müssten sich zusammensetzen und gemeinsam nach Lösungen suchen.

Zugleich erinnerte er an geltende EU-Regeln: «Die EU-Kommission wird jede Unterstützung überprüfen und schauen, ob sie mit dem EU-Recht übereinstimmt.»

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch rechtfertigte Hessens geplante Hilfe für Opel sowie der Zuliefererindustrie. «Es gibt im Augenblick Situationen, in denen viele Arbeitsplätze gefährdet würden und die Betriebe eigentlich gar nichts dafür können», sagte der CDU-Politiker am Montagabend in der ARD-Sendung «Beckmann». «Dann kann man nicht einfach sagen: Das ist uns egal.»

Er nannte außerdem seine Voraussetzungen für eine Opel-Bürgschaft: «Kein Geld soll abfließen, Arbeitsplätze sollen nicht abgebaut werden, die Zukunftsfähigkeit muss hergestellt werden. Das wird zu den schwierigen Aufgaben gehören: Wenn wir Bürgschaften geben, dann wollen wir Sicherheiten haben. Dann wollen wir nicht Geld geben, das aus Europa rausgeht.»

(Quelle: ap)
 



 

Steinmeier plädiert für EU-Pakt zur Sicherung von Arbeitsplätzen

Di.18.11.08 - Die Autobranche steht nach Worten von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) weltweit vor einer schweren Absatzkrise. Helfen könne jetzt nur eine europäische Lösung.

Steinmeier sagte in Berlin nach dem Gespräch mit den Betriebesratschefs der deutschen Autoindustrie und IG-Metall-Chef Berthold Huber: «Es ist deutlich geworden, dass die Autobranche in Deutschland, Europa und weltweit vor einer schweren Absatzkrise steht. Wir müssen hier als Bundesregierung außen- und innenpolitisch alles tun, um deutsche Interessen und Arbeitsplätze so gut wie möglich zu schützen. Wir werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen.»

Steinmeier betonte, er halte es für notwendig, «dass wir die Rettungsaktion für die Autoindustrie auch europäisch gemeinsam angehen. Wir in Europa sind stark, auch im Wettbewerb mit anderen Teilen der Welt, wenn wir uns jetzt auf eine gemeinsame Marschrichtung verständigen. Darauf will ich hinarbeiten.»

Es müsse verhindert werden, «im Grunde gesunde Unternehmen kaputt gehen. Wenn es nach der Krise wieder aufwärtsgeht, brauchen die deutschen Autofirmen die qualifizierten Zulieferer und jeden gut ausgebildeten Arbeitnehmer. Deswegen müssen wir dafür kämpfen, dass jetzt keine Strukturen zerfallen, die den Automobilstandort Deutschland so stark gemacht haben», hieß es in der Mitteilung des Auswärtigen Amts weiter.

Es sei deutlich geworden: Einer der größten Risiken für Beschäftigung in der Automobil- und Zuliefererindustrie sei nach wie vor die Risikoscheue der Banken. Finanzminister «Peer Steinbrück und ich sind uns einig: Die Banken müssen ihrer Verantwortung gerecht werden ­ die Voraussetzungen dafür sind von der Bundesregierung geschaffen worden.»

In einem gemeinsamen Interview mit Steinmeier sagte der luxemburgischen Ministerpräsidenten Jean-Claude Juncker, die Wirtschaftskrise könne nur mit einem EU-weit abgestimmten Vorgehen bekämpft werden. Zur Finanzierung eines solchen Programms meinte Juncker in der «Bild»-Zeitung: «Die EU-Kommission könnte Euro-Anleihen auflegen und die Einnahmen gezielt z.B. in Straßen, Schienennetze und Energieversorgung investieren. Europa muss jetzt gemeinsam handeln - und die Wirtschaftskrise genauso entschlossen bekämpfen wie die Finanzkrise.»

Der Ministerpräsident fügte hinzu: «Wirkliche Lösungen kann es nur auf europäischer Ebene geben. Deshalb ist der von Frank-Walter Steinmeier vorgeschlagene EU-Pakt zur Sicherung von Arbeitsplätzen vernünftig. Allergisch bin ich nur gegen Konjunkturprogramme, die mit der großen Gießkanne Geld übers Land schütten - und am Ende nur die Verschuldung erhöhen.»

Außenminister Steinmeier sagte in dem Interview: «Nach dem Rettungsschirm für die Banken brauchen wir jetzt den Schutzschirm für die Arbeitsplätze. Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz. Aber wir wollen, dass jeder Euro des Steuerzahlers wirklich sinnvoll angelegt ist und Nutzen bringt. Deshalb die Konzentration auf Zukunftsinvestitionen und den Erhalt von Jobs. Wir brauchen Brücken über die Krise hinweg, zum Beispiel mit qualifizieren statt entlassen.»

(Quelle: dpa)
 



 

Vorbehalte gegen BKA-Gesetz auch in Sachsen-Anhalt

Di.18.11.08 - Nach dem Nein der sächsischen SPD zum BKA-Gesetz hat nun auch die SPD in Sachsen-Anhalt Widerstand angekündigt. "Ich gehe davon aus, dass wir dem Gesetz nicht zustimmen werden", sagte der Sprecher des stellvertretenden Ministerpräsidenten Jens Bullerjahn (SPD), Franz Stänner, der "Berliner Zeitung". Eine entsprechende Vereinbarung mit dem Koalitionspartner CDU gibt es dem Bericht zufolge allerdings noch nicht.

Auch das SPD-geführte Innenministerium von Schleswig-Holstein fordert dem Bericht zufolge Korrekturen an dem Gesetzentwurf. Generell befürworte die SPD im Kieler Landtag aber eine Neuregelung der BKA-Befugnisse. "Wir sind grundsätzlich für das BKA-Gesetz", sagte der Fraktions- und Landesvorsitzende der schleswig-holsteinischen SPD, Ralf Stegner, der Zeitung. Es müsse länderübergreifende Kompetenzen und Aktivitäten in der Terrorbekämpfung geben. Stegner rechnet mit einem Verfahren im Vermittlungsausschuss von Bundesrat und Bundestag, "in dem man sich dann auf Detailveränderungen einigen wird."

Am Sonntag hatte die sächsische SPD angekündigt, insbesondere wegen der im BKA-Gesetz vorgesehenen Online-Durchsuchung im Bundesrat nicht für die Regelung stimmen zu wollen. Damit hat das Gesetz keine Mehrheit in der Länderkammer.

(Quelle: afp)
 



 

Sachsen, Bayern und Thüringen bei PISA-Vergleich Spitze

Di.18.11.08 - Deutschlands Schüler zeigen in den meisten Bundesländern in den Naturwissenschaften international überdurchschnittliche Leistungen; im Lesen und in Mathematik liegt Deutschland aber noch deutlich hinter der internationalen Spitze zurück, wie aus dem Bundesländervergleich im Rahmen der PISA-Schulstudie hervorgeht. Deutschlandweit liegt erstmals Sachsen in allen drei Testbereichen vorne, gefolgt vom bisherigen Spitzenreiter Bayern, den dritten Platz belegt Thüringen. Schlusslichter sind die Stadtstaaten Hamburg und Bremen. Zentrales Problem bleibt der Untersuchung zufolge der enge Zusammenhang zwischen Schulerfolg und sozialer Herkunft.

In 13 Ländern übertreffen die im Rahmen der PISA-Studie getesteten 15-Jährigen in Naturwissenschaften als Schwerpunkt der aktuellen Untersuchung den Mittelwert der Länder der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Auf den ersten Plätzen liegen in Deutschland Sachsen, Bayern und Thüringen, die damit auch international zur Spitze gehören würden. Schlusslicht ist Bremen, wo die Kompetenzen bei dem Test etwa zwei Schuljahre unter denen Sachsens liegen.

Im Lesen und Mathematik, den Schwerpunkten der vorherigen PISA-Studien, schneiden die Bundesländer insgesamt schlechter ab. Vorne liegt in beiden Bereichen Sachsen, das aber auf diesen Feldern noch ein Stück hinter der internationalen Spitze liegt. Der deutsche PISA-Koordinator Manfred Prenzel hob hervor, dass gerade die systematische Leseförderung in Deutschland eine große Herausforderung darstelle.

In allen Bundesländern haben zudem Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern und mit Migrationshintergrund schlechtere Chancen. Die Koppelung von sozialer Herkunft und Kompetenz sei in allen Ländern zu hoch, heißt es in der Studie. Immerhin habe sich diese aber tendenziell abgeschwächt.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sprach von "Licht und Schatten" bei der Studie. Sie freue sich mit Sachsen, es blieben aber insgesamt Aufgaben wie die Förderung schwächerer Schüler bestehen, sagte die Ministerin dem Fernsehsender N24. Sachsens Kultusminister Roland Wöller (CDU) bezeichnete das Abschneiden seines Bundeslandes als "Bestätigung und Ansporn zugleich." Sachsen sei auf dem richtigen Weg.

(Quelle: afp)
 



 

Gemischtes Echo auf PISA-Studie

Di.18.11.08 - Auf ein gemischtes Echo ist die neue PISA-Vergleichsstudie zum Bildungsstand in den 16 Bundesländern gestoßen. Lehrerverbände, Bildungsforscher und Politiker sehen das insgesamt gute Abschneiden bei den Naturwissenschaften als Ergebnis eingeleiteter Reformen.

Zugleich wurde beklagt, dass die soziale Herkunft beim Bildungserfolg weiter eine entscheidende Rolle spiele. Nach Ansicht des Deutschen Philologenverbandes wirkt sich die Orientierung an der Förderung einzelner Schüler in vielen Bundesländern aus. Dies zeige sich an dem durchgängig hohen Leistungszuwachs in Ostdeutschland, sagte der Bundesvorsitzende Heinz-Peter Meidinger. Die Gründe dafür lägen aber auch in den deutlich geringeren Klassenstärken, einer guten Lehrerversorgung sowie in der geringeren Zahl von Schülern aus Ausländerfamilien.

Die Bildungsgewerkschaft GEW forderte die Kultusminister auf, «den Daten endlich Taten» folgen zu lassen. Mangelnde Chancengleichheit und die großen Anteile von schwachen Schülern blieben zentrale Probleme des deutschen Schulsystems, sagte die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer. Eine Konsequenz müsse sein, die Hauptschule abzuschaffen.

Die Union wies Forderungen nach einer Einheitsschule zurück. Die PISA-Resultate zeigten, dass die Kritik am differenzierten Schulsystem unbegründet sei, sagte die CDU-Bildungsexpertin Katherina Reiche. Die SPD warnte davor, nur auf schulische Spitzenleistungen zu starren. Nach Überzeugung der Grünen ist das mehrgliedrige Schulsystem überholt. Notwendig sei der flächendeckende Ausbau von Ganztagsschulen. Die Linkspartei plädierte für Gemeinschaftsschulen, um das bisherige «Prinzip der Auslese» zu beenden.

Für den Berliner Bildungsforscher Olaf Köller zeigen die Ergebnisse, dass sich Baden-Württemberg und Bayern zu stark «auf ihren Lorbeeren» ausgeruht hätten. Beide Länder seien in der Schulpolitik gegenüber Ost-Ländern zurückgeblieben, sagte Köller, der im Auftrag der Kultusminister den nächsten Ländervergleich leitet, der «Stuttgarter Zeitung» (Mittwoch).

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kündigte zusätzliche Schritte an, um beim nächsten Test wieder ganz vorn zu sein: «Das bedeutet kleine Klassen, mehr Lehrer, mehr Ganztagsschulen und noch mehr Qualität im Unterricht.» Sachsens Kultusminister Roland Wöller (CDU) sagte zum PISA-Erfolg, sein Land habe mit die kleinsten Klassen in Deutschland. So könnten schwächere Schüler intensiv betreut werden.

Nordrhein-Westfalens Schulministerin Barbara Sommer (CDU) hält den PISA-Ländervergleich nicht für aussagekräftig. Ein fairer Vergleich zwischen den einzelnen Regionen lasse sich auf der Grundlage der PISA-Zahlen nicht treffen. So betrage beispielsweise beim PISA-Sieger Sachsen der Migrantenanteil unter den Schülern weniger als 3 Prozent. In Teilen des Ruhrgebiets liege er dagegen zwischen 30 und 40 Prozent.

Der DGB forderte eine «maßgeschneiderte Förderung» für jedes Schulkind. Nach Ansicht der Spitzenverbände der Wirtschaft muss der Bildungs-Wettbewerb zwischen den Bundesländern belebt werden. Es sei nicht einsehbar, warum Unternehmen durch schlechtere Ausbildung in einigen Ländern Standortnachteile hätten.

(Quelle: dpa)
 



 

Wissenschaft - Menschen lebten schon vor 4600 Jahren in Familien

Di.18.11.08 - Bei der Untersuchung mehrerer Steinzeit-Gräber in Sachsen-Anhalt hat ein deutsch-britisches Forscherteam den bislang ältesten Hinweis auf eine Kleinfamilie gefunden. Erbgutanalysen belegen demnach, dass die Menschen bereits vor 4600 Jahren in Familien zusammenlebten.

Wie eine Art Vaterschaftstest habe die DNA-Analyse bei vier gemeinsam bestatteten Steinzeitmenschen «die weltweit älteste Kernfamilie naturwissenschaftlich nachgewiesen», sagte Sachsen-Anhalts Landesarchäologe Harald Meller am Montag. Er berichtet mit seinen Kollegen in den «Proceedings» der US-Akademie der Wissenschaften («PNAS»; Bd. 105, S. 18226) über die Analysen der Funde von Eulau bei Naumburg.

«Wir wissen nunmehr auch, dass die Frauen, deren Überreste wir in Eulau gefunden haben, offenbar ursprünglich nicht aus der Gegend stammten, sondern dort wahrscheinlich eingeheiratet haben», sagte Meller. Das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle zeigt Teile der Gräber aus dem Burgenlandkreis in einer Sonderausstellung.

«Ganz liebevoll wurden die Toten von den Überlebenden bestattet», erklärte Meller. «Es wurden zudem die Familienbeziehungen analysiert. In einem etwa 4600 Jahre alten Grab halten sich Vater, Mutter und zwei Kinder noch im Tode bei den Händen», sagte Meller. Sie seien von Gesicht zu Gesicht blickend bestattet worden, ihre Zuneigung wurde damit noch im Tode ausgedrückt. «Das ist sehr beeindruckend und zeigt, dass Liebe, Familie eine Grundlage des menschlichen Verhaltens sind und dass die Menschen damals das Gleiche ersehnt haben wie wir heute.»

Die Untersuchung brachte die Wissenschaftler jedoch auch auf die Spur eines grausamen Geheimnisses: So stellten die Archäologen fest, dass entgegen ursprünglicher Annahmen mehrere erwachsene Mitglieder von Familien in den 2005 entdeckten Gräbern gewaltsam ums Leben kamen. «Wir haben anhand moderner wissenschaftlicher Methoden Erkenntnisse darüber gewonnen, dass zum Beispiel zwei ältere Männer vor etwa 4600 Jahren mit einem wuchtigen Hieb getötet wurden», sagte Meller. Archäologen waren bei der Entdeckung des Fundes zunächst davon ausgegangen, dass die Menschen an einer Krankheit gestorben waren.

(Quelle: dpa)
 



 

Forscher beweisen Chaos-Verhalten von Pendeln

Di.18.11.08 - Ein vierköpfiges Mathematiker-Team aus Ungarn hat den Beweis erbracht, dass die Bewegungen eines Pendels unter bestimmten Umständen chaotisch verlaufen können.

Balazs Banhelyi, Tibor Csendes, Barnabas M. Garay und Laszlo Hatvani sei es damit gelungen, eine Jahrzehnte alte mathematische Vermutung zu erhärten, heißt es in einer Presseerklärung der Universität Szeged (Südungarn), die am Montag veröffentlicht wurde.

Den vier Wissenschaftlern aus Szeged und Budapest gelang es, die aus der experimentellen Beobachtung gewonnene «Hubbardsche Gleichung» als Theorem zu beweisen. Im Wesentlichen besagt diese, dass das Verhalten eines normalen Pendels, das in periodischen Abständen angestoßen wird und der Reibung ausgesetzt ist, völlig unvorhersehbar ist. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift «SIAM Journal on Applied Dynamical Systems» (Bd. 7, S. 843) veröffentlicht.

(Quelle: dpa)
 
 
 
 

mehr Nachrichten...


[ vorherige ]   [ Ticker ]   [ nach oben ]   



 

WebSite-Search

PicoSearch

| Nachrichtenticker | Nachrichten der vergangen Tage |

 | kunst&kult | philosophie | wissenschaft | gesellschaft | diverses | öko | medien | links

| home | home(no frame) |

B.O.A.-Künstlerkooperative
Gabelsbergerstr.17, D-80333 München, Telefon/Fax : 089- 280621,
boa-kuenstlerkooperative@t-online.de