+++ Mi.19.11.08, 11:30
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Irak 1703 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
US-Militärführung plant schon Abzug aus dem Irak
Mi.19.11.08 - Die US-Streitkräfte sind nach Angaben ihres Generalstabschefs
bereit, die vom künftigen Präsidenten Barack Obama
angekündigten Änderungen bei den Auslandseinsätzen
zügig umzusetzen. Die Militärführung entwickle
Pläne für einen schnellen Truppenabzug aus dem Irak und eine
Truppenverstärkung in Afghanistan, sagte Generalstabschef Mike
Mullen am Dienstag der Nachrichtenagentur AP.
Mullen war früher ein Kritiker von Obamas Plan, die Kampftruppen
innerhalb von 16 Monaten aus dem Irak abzuziehen. Jetzt sagte er, das
Pentagon habe bereits Strecken für den Abzug über die
Türkei und Jordanien ausgewählt und getestet. Die Regierungen
beider Staaten unterstützten diese Planungen, sagte der Admiral.
Mullen ist seit einem Jahr Generalstabschef, seine Amtszeit dauert zwei
Jahre. Er erwarte, dass er auch unter Obama diese Aufgabe erfülle,
sagte Mullen und fügte hinzu: «Ich werde solange dienen, wie
er es will.»
Obama hat vor seinem Wahlsieg angekündigt, mindestens zwei oder
drei zusätzliche Kampfbrigaden nach Afghanistan zu entsenden. Eine
Kampfbrigade zählt üblicherweise 3.500 bis 4.000 Soldaten.
Außerdem hat sich Obama dafür ausgesprochen, den Beitrag zur
Ausbildung der afghanischen Armee zu verstärken und auch die
nichtmilitärische Hilfe aufzustocken.
Derzeit sind im Irak 151.000 amerikanische Soldaten stationiert. In
Afghanistan sind es 32.000.
(Quelle: ap)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 19.11.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am 1335sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.19.11.07 - Zwei Iraker bei Zwischenfall mit US-Soldaten getötet -
Provinzregierung: Amerikaner schossen wahllos +++ Laut
US-Streitkräfte deutlicher Gewaltrückgang im Irak seit
Truppenverstärkung - Rolle des Irans unklar +++ Gewalt im Irak nach
wie vor allgegenwärtig - Landesweit starben 15 Menschen +++ Kinder bei
Anschlag auf Spielplatz getötet...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0711190.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
Gefälschte 'New York Times' meldet Ende des Irak-Kriegs -
Aktionskünstlergruppe 'The Yes Men' outet sich als Herausgeber
Do.13.11.08 - Eine gefälschte Ausgabe der «New York Times» hat am
Mittwoch mit Datum 4. Juli 2009 und großer Schlagzeile das Ende
des Irak-Kriegs vermeldet (http://www.nytimes-se.com/.
Die täuschend echt wirkende «Sonderausgabe» der
renommierten Tageszeitung berichtete auch über die
Schließung des US-Gefangenenlagers Guantánamo Bay in Kuba
und dass der frühere US-Präsident George W. Bush wegen
Hochverrats angeklagt wurde. Die Aktivisten- und
Aktionskünstlergruppe «The Yes Men» (http://www.theyesmen.org/) outete sich am
Mittwoch als Herausgeber der 14-seitigen Zeitung. Sechs Monate lang
hätten sie an dem Blatt gearbeitet und über eine Million
Exemplare mit Hilfe von tausenden Freiwilligen kostenlos in New York
und anderen US-Städten verteilt.
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/k0811130.htm#08111330
|
Isaf-Chef will afghanischen Stämmen mehr Einfluss geben
Mi.19.11.08 - Isaf-Kommandeur David McKiernan hat sich dafür ausgesprochen, zur
Eindämmung der Gewalt in Afghanistan die Stammesführer
stärker politisch zu beteiligen.
Dies gelte auch für frühere Taliban-Mitglieder, sagte der
US-General am Dienstag in Washington. "Das ist die örtliche
Führung, mit der wir für einen Erfolg in Afghanistan
zusammenarbeiten müssen." Versöhnung auf lokaler Ebene
könne ein sehr mächtiges Instrument sein. "Dieses Land hat
historisch sehr wenig zentrale Regierung gehabt. Aber es ist ein Land
mit einer Geschichte lokaler Autonomie und lokaler Systeme von
Stammesautorität", sagte McKiernan.
Der General erklärte, er führe bereits Gespräche mit
afghanischen Regierungsmitgliedern über einen beispielhaften Plan
zur Einberufung von regionalen Stammesführern zu einer Schura,
einer traditionellen Stammesversammlung. Dieses Vorhaben verglich er
mit dem Vorgehen im Westen des Irak, wo sich sunnitische
Stammesführer im Kampf gegen Extremisten von Al-Kaida mit den
US-Truppen zusammengeschlossen haben. Allein mit Gewalt würden
sich die Aufständischen in Afghanistan nicht besiegen lassen,
sagte der General. "Letztlich werden es die Menschen sein, die
beschließen, dass sie ein anderes Ergebnis in Afghanistan haben
wollen. Es wird ein politisches Ergebnis sein", sagte er.
Eine Einbindung von Stammesmilizen in den bewaffneten Kampf gegen
Extremisten schloss McKiernan für Afghanistan allerdings aus.
Wegen der Komplexität der Beziehungen unter den Stämmen sei
die Gefahr zu groß, sich dabei neue Feinde zu schaffen.
(Quelle: rtr)
Sechs Tote bei mutmaßlichem US-Angriff auf pakistanisches Dorf
Mi.19.11.08 - Bei einem mutmaßlichen Raketenangriff der USA auf ein Dorf im
Nordwesten Pakistans sind nach pakistanischen Angaben am Mittwoch
mindestens sechs Militante getötet worden. Nach
Geheimdienstinformationen sollen auch Ausländer aus Zentralasien
unter den Toten sein. Die mit den USA verbündete Regierung in
Islamabad hat gegen die wiederholten Angriffe auf pakistanisches
Territorium protestiert.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt: Obama verspricht Abbas Unterstützung des
Friedensprozesses
Mi.19.11.08 - Der designierte US-Präsident Barack Obama will sich nach seinem
Amtsantritt für eine Belebung des Friedensprozesses im Nahen Osten
einsetzen. Dies habe Obama in einem Telefonat mit
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas erklärt, sagte der
palästinensische Unterhändler Sajeb Erakat der
Nachrichtenagentur AFP. Zudem habe der künftige US-Präsident
versichert, dass er für die Schaffung eines
Palästinenserstaates sei.
Israelis und Palästinenser hatten im November vergangenen Jahres
in Annapolis in den USA wieder Friedensgespräche aufgenommen.
Erklärtes Ziel war es, noch während der Amtszeit von George
W. Bush als US-Präsident eine Einigung auszuhandeln. Zentrale
Fragen, beispielsweise der Status von Jerusalem bei einer
Zwei-Staaten-Lösung, blieben jedoch bisher jedoch ungeklärt.
(Quelle: afp)
Deutsch-israelisches Anti-Terror-Abkommen
Mi.19.11.08 - Deutschland und Israel rücken im Kampf gegen den Terrorismus und
andere Formen der Kriminalität enger zusammen. Bundesinnenminister
Wolfgang Schäuble und sein israelischer Amtskollege Avi Dichter
unterzeichneten nach Ministeriumsangaben am Dienstag in Berlin eine
entsprechende Absichtserklärung.
Schäuble sagte: «Israel ist unser wichtigster und
zuverlässigster Partner im Nahen Osten. Die Experten unserer
beiden Länder verfügen im Bereich der Terrorismus- und
Kriminalitätsbekämpfung über große Erfahrungen und
Fachkenntnisse, so dass ein entsprechender vertiefter Austausch im
gemeinsamen Interesse unserer Länder liegt.»
Die Erklärung sieht die Einrichtung einer gemeinsamen
Arbeitsgruppe vor, die die Zusammenarbeit, beispielsweise auf den
Gebieten der Terrorismusprävention und -bekämpfung, der
Kriminalitätsprävention und -bekämpfung, der
Kriminaltechnik und der Entschärfung von Sprengsätzen
koordinieren wird.
(Quelle: ap)
Schon wieder Boot vor Somalia von Piraten entführt
Mi.19.11.08 - Vor der Küste Somalias ist schon wieder ein Schiff in die
Hände von Piraten gefallen. Wie die Internationale
Seefahrtsbehörde (IMB) am Mittwoch mitteilte, haben Piraten ein
thailändisches Fischerboot mit 16 Besatzungsmitgliedern
entführt. Der Zwischenfall ereignete sich am Dienstag im Golf von
Aden. Damit ist die Zahl der Schiffe, die sich in der Gewalt von
Piraten befinden, auf 17 gestiegen. Diesen Artikel weiter lesen
Zuletzt hatten die Piraten vor Somalia einen saudiarabischen Tankers
mit Rohöl im Wert von 100 Millionen Dollar und einen Frachter aus
dem Iran gekapert. Nach Informationen der chinesischen
Nachrichtenagentur Xinhua beförderte der Frachter mit seinen 25
Besatzungsmitgliedern 36.000 Tonnen Weizen.
Ebenfalls 25 Besatzungsmitglieder sind an Bord des Supertankers
«Sirius Star», der am Samstag mit zwei Millionen Barrel
Öl verschleppt wurde. Die 330 Meter lange «Sirius
Star» ist das größte Schiff, das jemals von
somalischen Piraten entführt wurde. Es war im Auftrag der Reederei
Vela International unterwegs, einer Tochter des saudiarabischen
Konzerns Aramco.
(Quelle: ap)
Kongo-Rebellen kündigen Rückzug an - UN soll Pufferzone bilden
Mi.19.11.08 - Die Tutsi-Rebellen im Kongo haben einen Rückzug angekündigt,
um eine Friedensinitiative der UN zu unterstützen.
Die CNDP unter der Führung von Laurent Nkunda erklärte am
Dienstag, ihre Kämpfer würden "einseitig und sofort" an zwei
Fronten 40 Kilometer zurückweichen. In diesen Zonen sollten nur
UN-Soldaten stationiert werden. Am Mittwoch würden
Rebellen-Vertreter mit einem Kommandeur der kongolesischen Truppen
zusammenkommen, um "jede Gefahr von Konfrontationen" zu vermeiden,
hieß es weiter.
Ein Sprecher der UN-Schutztruppe sagte Reuters, die Angaben der
Rebellen würden überprüft. Die Trennung der
Kampfverbände wäre jedoch ein Schritt in die richtige
Richtung.
Die Tutsi-Rebellen haben sich bei den Kämpfen in den vergangenen
Wochen wiederholt gegen die Regierungstruppen von Präsident Joseph
Kabila durchgesetzt. Hunderttausende Menschen sind in der Region auf
der Flucht.
Nkundas Aufstand begann vor vier Jahren. Er schützt nach eigenen
Angaben die Tutsi-Minderheit im Osten Kongos und wirft der Regierung
vor, mit Hutu-Rebellen aus Ruanda zusammenzuarbeiten. Die Regierung
weist dies zurück und verdächtigt ihrerseits die ruandische
Regierung, Nkunda zu helfen. Bei dem Völkermord 1994 in Ruanda
wurden 800.000 Tutsi von Hutu-Milizen getötet.
(Quelle: rtr)
Ghana erhöht Steuereinnahmen um 20 Prozent pro Jahr
Mi.19.11.08 - Im Kampf gegen die Armut können Entwicklungsländer auch mehr
eigene Mittel aufbringen. Seit 2003 habe das westafrikanische Ghana
seine Steuereinnahmen jährlich um 20 Prozent gesteigert, teilte
die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) am
Montag in Eschborn mit. Gleichzeitig sei der Anteil der internationalen
Hilfe am Staatshaushalt von zehn auf fünf Prozent gesunken.
Ghana gehört den Angaben zufolge zu den Ländern, die mit
Hilfe der GTZ ein transparentes Steuersystem aufbauen. Die höheren
Einnahmen machten die Regierung handlungsfähiger, sagte der
zuständige GTZ-Experte David Nguyen-Thanh. "Mit den Mitteln
verfügt Ghana über das Fundament, um eigenständig
Reformen zu verwirklichen und Armut aus eigener Kraft besser zu
bekämpfen."
Seit den Ölfunden vor Ghanas Küste im vergangenen Jahr seien
Reformen noch wichtiger geworden, hieß es. Eine Besteuerung des
Ölsektors werde vorbereitet, mittelfristig sei eine Verdoppelung
der Staatseinnahmen zu erwarten. In Ghana dürfe sich nicht das
Beispiel anderer afrikanischer Länder wiederholen, wo sich die
Lage der Armen durch die Ölförderung verschlechtert hat,
erklärte die bundeseigene GTZ, die im Auftrag der Bundesregierung
Entwicklungsprojekte unterstützt.
Wie Entwicklungsländer mehr Mittel für die
Armutsbekämpfung aufbringen können, ist eines der Themen der
zweiten UN-Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung vom 29. November bis
2. Dezember in Doha (Katar). Bis 2015 sollen Hunger und extreme Armut
weltweit halbiert werden.
(Quelle: epd)
China gewährt Kuba Schuldenaufschub
Mi.19.11.08 - China gewährt dem wirtschaftlich unter Druck stehenden Kuba
für einen Teil seiner Schulden einen Zahlungsaufschub.
Während des Kuba-Besuchs des chinesischen Präsidenten Hu
Jintao unterzeichneten die beiden kommunistisch regierten Länder
am Dienstag ein Abkommen über die zehnjährige Stundung von
bis zum Jahr 1995 aufgelaufenen Handelsschulden in ungenannter
Höhe. Außerdem gab China dem karibischen Staat fünf
Jahre mehr Zeit zur Rückzahlung eines Kredits aus dem Jahr 1998.
Die Gesamthöhe der kubanischen Schulden an China ist nicht
bekannt. Die Rückzahlung der Kredite wäre für das
lateinamerikanische Land aber zur Unzeit fällig geworden, da es
derzeit mit der internationalen Finanzkrise sowie mit den Folgen der
Hurrikane Gustav, Ike und Paloma kämpft, die in Kuba Schäden
von rund zehn Milliarden Dollar angerichtet haben. China ist mit 2,3
Milliarden Dollar Handelsvolumen im Jahr 2007 der
zweitgrößte Handelspartner Kubas nach Venezuela.
Hu sagte Kuba auch Hilfen von 80 Millionen Dollar für die
Modernisierung von Krankenhäusern und andere Projekte zu. Nach
Angaben der amtlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua traf er
zudem den seit dem Sommer 2006 nicht mehr öffentlich aufgetretenen
ehemaligen kubanischen Staatschef Fidel Castro. "Ich sehe
persönlich, dass Sie sich erholt haben und energiegeladen sind,
was mich sehr freut", zitierte die Agentur Hu anschließend.
(Quelle: rtr)
US-Autobauer wollen 25 Milliarden Finanzspritze vom Staat
Mi.19.11.08 - Die Chefs der drei großen US-Autobauer haben mit Warnungen vor
einem Kollaps der Autoindustrie ihrer Bitte um einen neuen
Milliarden-Staatskredit Nachdruck verliehen.
Ein neuer Kredit in Höhe von 25 Milliarden Dollar (20 Mrd Euro)
sei nötig, «um die Liquiditätskrise zu
überleben», sagte Chrysler-Vorstandschef Robert Nardelli vor
einem US-Senatsausschuss. «4,5 Millionen Menschen hängen von
dieser Industrie ab. Ohne Unterstützung könnten fast drei
Millionen von ihnen binnen zwölf Monaten ihren Job
verlieren.» Neben Nardelli sagten Ford-Chef Alan Mulally und der
Vorstandsvorsitzende von General Motors, Rick Wagoner, aus.
Die deutsche GM-Tochter Opel braucht laut einem Zeitungsbericht im
«schlimmsten anzunehmenden Fall» eine Bürgschaft
über 1,8 Milliarden Euro. Dabei gehe es um 1,3 Milliarden Euro
für das kommende Jahr und weitere 500 Millionen für 2010,
berichtete die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ) unter
Berufung auf Teilnehmer der Berliner Krisengespräche.
Opel plane zudem eine deutliche Volumenreduzierung in fast allen
europäischen Werken. «Wir bereiten uns auf schlechte Zeiten
vor und korrigieren unsere Volumenplanung für 2009 um gut 10
Prozent nach unten», sagte Opel-Geschäftsführer Hans
Demant laut FAZ.
Die deutlich reduzierten Erwartungen würden Konsequenzen für
Produktion und Beschäftigung haben. Denn statt 1,7 Millionen Autos
dürfte Opel künftig nur noch um die 1,5 Millionen herstellen.
Das räumte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz in der
«Frankfurter Allgemeinen Zeitung» ein: «Diskutiert
wird eine 30- Stunden-Woche in allen unseren europäischen Werken
mit Ausnahme von Rüsselsheim, weil dort der neue Insignia
anläuft.»
Der Europachef des Opel-Mutterkonzerns General Motors, Carl-Peter
Forster hatte das erbetene Bürgschaftsvolumen am Montagabend auf
«etwas mehr als eine Milliarde Euro» beziffert. Opel
betont, es gehe nur um eine Vorsorge für den Fall, dass nach einer
Insolvenz der amerikanischen Konzernmutter die Geldströme
abreißen. Die Bundesregierung will bis Weihnachten über die
Gewährung einer Bürgschaft entscheiden.
Nach einem Bericht der «Bild»-Zeitung (Mittwochausgabe)
müssen die Führungskräfte der General-Motors-Tochter
Adam Opel müssen von sofort an auf größere Teile ihres
Einkommens verzichten. GM-Europa- Chef Carl-Peter Forster habe für
die kommenden 14 Monate konzernweit alle vertraglich zugesicherten
Bonuszahlungen, Prämien und sonstigen Sondervergütungen
gestrichen. Die Regelung gelte für die oberen Management-Ebenen an
allen europäischen Standorten.
Die US-Demokraten um den künftigen Präsidenten Barack Obama
wollen die 700 Milliarden Dollar aus dem Banken-Rettungspaket der
Regierung anzapfen, um den schwer angeschlagenen Autobauern zu helfen.
Präsident George W. Bush und die meisten Republikaner lehnen das
ab. Sie wollen, dass die Autokonzerne frei über ein bereits
bewilligtes Kreditpaket von ebenfalls 25 Milliarden Dollar
verfügen können, das eigentlich für die Entwicklung
sparsamerer Autos gedacht ist.
GM-Chef Wagoner warnte vor «katastrophalen gesellschaftlichen
Folgen», sollte die heimische Autoindustrie untergehen. Das
Einkommen der Bevölkerung würde binnen eines Jahres um 150
Milliarden Dollar (119 Mrd Euro) verringert, über drei Jahre
drohten Steuerausfälle in etwa derselben Höhe. «Sie
können uns helfen, diese Krise zu überwinden. Im Gegenzug
erstatten wir das Vertrauen und die Unterstützung der Steuerzahler
um ein Vielfaches zurück», sagte Wagoner. Alle drei
Vorstandsvorsitzenden versprachen tiefgreifende Reformen und neue
Modelle, um konkurrenzfähig zu sein.
Die Chefs der «Big Three» stießen bei den Senatoren
auf Skepsis. «Werden wir hier im Senat darum gebeten, einer
stärkeren, wettbewerbsfähigeren Autoindustrie den Weg zu
bereiten, oder darum, ein Scheitern am Markt endlos
fortzusetzen?», fragte der Republikaner Richard Shelby.
«Wir brauchen eine Versicherung, dass sie (die Autobauer) nicht
in sechs Monaten zurückkommen und noch mehr verlangen»,
sagte der demokratische Senator Charles Schumer.
Die Autoverkäufe in den USA sind im Oktober auf den tiefsten Stand
seit 1991 gestürzt. Ursache sind vor allem die Probleme am
Kreditmarkt, wodurch Verbraucher weit schwerer als bislang an Darlehen
für einen Autokauf kommen.
(Quelle: ap)
Obama verspricht führende Rolle beim Klimaschutz
Mi.19.11.08 - Der künftige US-Präsident Barack Obama hat eine führende
Rolle seiner Regierung im Kampf gegen den Klimawandel angekündigt.
«Meine Präsidentschaft markiert ein neues Kapitel der
amerikanischen Führungsrolle», sagte Obama in einer
Videobotschaft an die Teilnehmer einer Klimaschutzkonferenz in Los
Angeles.
Obama sprach sich dafür aus, die Emission klimaschädlicher
Gase bis 2020 auf den Stand von 1990 zurückzufahren. Bis 2050
sollte der Ausstoß dann um weitere 80 Prozent verringert werden.
Der scheidende Präsident George W. Bush ist wegen seiner von
Wirtschaftsinteressen geprägten Haltung zum Klimaschutz
international scharf kritisiert worden.
An der zweitätigen Konferenz in Los Angeles nehmen
Wissenschaftler, Umweltschützer, Industrievertreter und
Regierungsbeamte teil, darunter auch Gäste aus Australien,
Brasilien, Kanada, China, Indien, Indonesien und Mexiko. Der
«Governors' Global Climate Summit» geht der
UN-Klimaschutzkonferenz in Posen voraus, die am 2. Dezember beginnt.
Obama sagte, er werde nicht nach Polen kommen, nach seinem
Regierungsantritt am 20. Januar aber alles für eine aktive
Beteiligung der USA an den weiteren Verhandlungen tun.
Kalifornien beschloss unterdessen, bis zum Jahr 2020 ein Drittel seiner
Energie aus erneuerbaren Quellen zu beziehen. Eine entsprechende
Verfügung unterzeichnete Gouverneur Arnold Schwarzenegger vor
Beginn der von ihm initiierten Konferenz. Das Parlament des US-Staates
muss die Verfügung noch bestätigen. Bisher wollte Kalifornien
bis 2010 insgesamt 20 Prozent seiner Energie aus Wind und Sonne
beziehen.
(Quelle: ap)
US-Vizepräsident der Häftlingsmisshandlung beschuldigt
Mi.19.11.08 - Ein Geschworenengericht im US-Bundesstaat Texas wirft
Vizepräsident Dick Cheney Mitverantwortung für die
Misshandlung von Gefangenen in privaten Haftanstalten vor. In dem
dreiseitigen Dokument wird Cheney beschuldigt, die Ermittlungen zur
Aufklärung der Misshandlungen unterbunden zu haben. Darüber
hinaus habe er 85 Millionen Dollar in Unternehmen angelegt, die Profite
aus dem Betreiben von privaten Gefängnissen zögen. Hier liege
eine "Interessenverquickung" vor, weil Cheney die Vergabe von
Verträgen der Bundesverwaltung mit privaten Haftanstalten direkt
beeinflussen könne.
Cheneys Sprecherin wollte zu den Vorwürfen nicht Stellung nehmen.
Sie erklärte, zunächst solle der Eingang der
Schriftstücke abgewartet werden. Die Vorwürfe beziehen sich
unter anderem auf das privat betriebene Gefängnis in Willacy
County. Der frühere Justizminister Alberto Gonzalez soll
Untersuchungen zur Aufdeckung der Missstände in diesem
Gefängnis blockiert haben.
(Quelle: afp)
Deutsch-italienischer Gipfel der Vergangenheitsbewältigung
Mi.19.11.08 - Deutschland und Italien wollen die Aufarbeitung von NS-Gräueltaten
während des Zweiten Weltkriegs gemeinsam vorantreiben. Das soll
auf geschichtswissenschaftlicher und juristischer Ebene geschehen. Bei
ihren Konsultationen am Dienstag in Triest vereinbarten beide
Regierungen, die Entscheidung des Internationalen Gerichtshofs zu
umstrittenen Entschädigungsfragen zu respektieren. Die
Außenminister luden zu einer Historikerkonferenz für
kommendes Jahr nach Norditalien ein.
Nach den Regierungskonsultationen veröffentlichten Bundeskanzlerin
Angela Merkel und der Ministerpräsident Silvio Berlusconi am
Dienstag eine Erklärung, in der Italien die deutsche Entscheidung
respektiert, gegen eine höchstrichterliche italienische
Entscheidung den Haager Gerichtshof anzurufen. Zugleich wird des
«immensen Leids» gedacht, das deutsche Wehrmachts- und
SS-Einheiten während des Zweiten Weltkriegs bei Massakern an der
Zivilbevölkerung und bei Misshandlungen italienischer Soldaten
verursacht haben.
Das italienische Urteil erkennt Entschädigungsansprüche von
Hinterbliebenen des Massakers von Civitella 1944 an die Bundesregierung
an. Danach muss Deutschland neun Hinterbliebenen-Familien von Opfern
eines SS-Massakers von Civitella eine Million Euro Entschädigung
zahlen. Deshalb droht die Pfändung deutschen Regierungsbesitzes in
Italien. Die Bundesregierung lehnt unter Berufung auf den
internationalen Grundsatz der Staatenimmunität
Einzelentschädigungen ab. Durch die Staatenimmunität sei
hoheitliches Handeln etwa durch die Armee geschützt.
In der Erklärung vom Dienstag heißt es: «Italien
respektiert die Entscheidung, den Internationalen Gerichtshof
anzurufen, damit dieser sich zum Prinzip der Staatenimmunität
äußert.» Das sei «hilfreich zur
Herbeiführung der Klärung dieser komplexen Frage».
Außenminister Frank-Walter Steinmeier und sein italienischer
Kollege Franco Frattini luden zu einer gemeinsamen Historikerkonferenz
im nächsten Sommer ein. Dabei soll das Schicksal der rund 600.000
im Zweiten Weltkrieg deportierten italienischen Soldaten aufgearbeitet
werden. Die Minister besuchten am Rande der Konsultationen die
Konzentrationslager-Gedenkstätte Risiera di San Sabba.
Zunächst soll eine Konferenz in der Villa Vigoni am Comer See
«sich eingehend und offen mit der deutsch-italienischen
Kriegsvergangenheit und dem Schicksal der italienischen
Militärinternierten» beschäftigen, wie Steinmeier
sagte. Das Treffen soll Angaben des Außenamts zufolge Auftakt
für die Einrichtung einer Kommission sein, die die Aufarbeitung
dann systematisieren soll.
Der Besuch in dem Lager wurde angesichts der jüngsten Urteile
gegen Deutschland im Zusammenhang mit Klagen auf Entschädigung
für ein Wehrmachts-Massaker im italienischen Civitella als Zeichen
der Versöhnung gesehen. Steinmeier erinnerte daran, dass vor 65
Jahren, nach dem Sturz des Diktators Benito Mussolini und Italiens
Kriegserklärung an das nationalsozialistische Deutschland, auch
die ehemalige Reisfabrik «zum Kriegsgefangenenlager, zum Haft-
und Folterlager für Geiseln, Partisanen und andere politische
Gefangene» wurde. Dort wurden zwischen 3.000 und 5.000 Menschen
umgebracht und Hunderttausende deportiert.
Das Schicksal bedürfe «Gedenken und Aufarbeitung, nicht
Sprachlosigkeit und Verdrängung». Deshalb würden
Frattini und er zu der Historiker-Konferenz in das deutsch-italienische
Begegnungszentrum Villa Vigoni einladen. Das Begegnungszentrum ist ein
Vermächtnis einer deutsch-italienischen Familie und gehört
der Bundesrepublik.
(Quelle: ap)
Globale Finanzkrise: Finanzminister Steinbrück muss offenbar
Neuverschuldung fast verdoppeln
Mi.19.11.08 - Die Bundesregierung muss nach Informationen der "Süddeutschen
Zeitung" im kommenden Jahr beinahe doppelt so viele neue Schulden
aufnehmen wie bislang geplant. Wie die "SZ" berichtet, geht das aus dem
überarbeiteten Etatentwurf für 2009 hervor, über den der
Haushaltsausschuss des Bundestags heute abschließend beraten
soll. Danach steigt die Nettokreditaufnahme auf voraussichtlich 17,9
Milliarden Euro. Noch im Juni hatte Finanzminister Peer Steinbrück
(SPD) eine Drosselung auf 10,5 Milliarden Euro angekündigt.
Die Entwicklung sei in erster Linie durch die Weltfinanzkrise
verursacht, heißt es in dem Zeitungsbericht. Der Rückgang
des Wirtschaftswachstums in Deutschland führe zu
Steuermindereinnahmen auf der einen und höheren Ausgaben auf der
anderen Seite. Die Mindereinnahmen beliefen sich im Vergleich zur
bisherigen Planung auf vier Milliarden Euro. Die Ausgaben stiegen um
zwei Milliarden Euro auf 290,5 Milliarden Euro.
(Quelle: afp)
Bundeswirtschaftsminister Glos kritisiert Merkel und die CDU
Mi.19.11.08 - Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat deutliche Kritik an
Bundeskanzlerin Angela Merkel und der CDU geübt. Glos sagte der
«Bild»-Zeitung (Mittwochausgabe) laut einem Vorabbericht:
«In einem Orchester bestimmt derjenige vorn am Pult die
Einsätze. Und die Dirigentin der Regierung hat bei der Lösung
der Bankenkrise den öffentlichen Einsatz des
Wirtschaftsministeriums wenig gefordert.» Glos verteidigte sich
damit gegen Vorwürfe, er sei zu Anfang der Krise abgetaucht.
Zugleich stellte sich der Minister gegen Kanzlerin und Finanzminister,
die beide Steuersenkungen ablehnen, weil die Bürger in der Krise
das Geld eher sparen und nicht ausgeben würden.
Glos sagte der Zeitung: «Dieses Misstrauen gegen den
mündigen Bürger kann ich nicht verstehen. Und selbst wenn von
jedem Euro, den man zusätzlich bekommt, 10 Cent gespart werden,
bleiben immer noch 90 Cent für den Konsum.»
Zugleich beklagte der Minister, dass die CDU den Wünschen der
Schwesterpartei CSU nicht ausreichend entgegen gekommen sei. Glos:
«Wir erwarten in Zukunft mehr Verständnis.» Als
Beispiel nannte er die Erbschaftssteuer und erklärte: «Ohne
die CSU wären die CDU und Kanzlerin viel früher vor den
SPD-Umverteilungswünschen eingeknickt.»
(Quelle: ddp)
Institute erwarten Preisrutsch bei Rohstoffen
Mi.19.11.08 - Wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise erwarten europäische
Konjunkturforscher im kommenden Jahr einen Rückgang der
Rohstoffpreise deutlich unter die Rekordstände von 2008.
Eine Rückkehr auf das Preisniveau vor Beginn des Rohstoffbooms
hält die AIECE-Arbeitsgruppe Rohstoffpreise aber für
unwahrscheinlich, teilte das Kieler Institut für Weltwirtschaft am
Dienstag mit. In der Organisation sind europäische
Wirtschaftsforschungsinstitute zusammengeschlossen. Die Experten gehen
zudem davon aus, dass die Preise rasch wieder ansteigen, sobald eine
wirtschaftliche Erholung einsetzt.
Die Wissenschaftler prognostizierten, dass die Rohstoffpreise -
gemessen am Index des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) -
im kommenden Jahr um 34 Prozent sinken. In diesem Jahr erwarten die
Experten noch ein Plus von 35 Prozent.
Die Arbeitsgruppe, an der neun der 44 AIECE-Mitgliedsinstitute
beteiligt sind, geht den Angaben zufolge davon aus, dass die
Ölpreise 2009 bei etwa 60 Dollar pro Barrel liegen und nicht
deutlich unter das Niveau von 2006 fallen. Die Preise für
Nicht-Energie-Rohstoffe werden dem Bericht zufolge 2009 um rund 30
Prozent unter dem Niveau von 2008 liegen. Bei Grundnahrungsmitteln
hätten die höheren Preise zu einem deutlich
größeren Angebot geführt, was die Preise etwa für
Getreide weiter unter Druck setzen werde.
Ein Teil der schlechten Wirtschaftsaussichten sei bereits in den
aktuellen Rohstoffpreisen enthalten. Der tiefe Fall der Rohstoffpreise
seit dem Rekord aus dem Juli dürfte den Experten zufolge auch auf
Überreaktionen und Spekulationen zurückzuführen sein. So
vermuten sie etwa, dass Finanzinvestoren in den vergangenen Monaten
gezielt auf fallende Preise gesetzt und so die Kurse unter die
fundamental gerechtfertigten Niveaus gedrückt haben.
Dass die Preise aus ihrer Sicht nicht mehr auf frühere
Tiefststände fallen, führen die Experten auf den
wirtschaftlichen Aufstieg Chinas und Indiens zurück. Dies habe zu
einer strukturellen Verschiebung des
Nachfrage-Angebots-Verhältnisses geführt.
(Quelle: dpa)
Immer weniger Stare, Kiebitze und Bluthänflinge in Deutschland
Mi.19.11.08 - Die Vielfalt der Vogelwelt in Deutschland ist bedroht. Jede dritte als
häufig geltende Vogelart nahm seit 1990 im Bestand ab, wie aus dem
am Dienstag in Bonn vorgestellten Statusbericht «Vögel in
Deutschland 2008» hervorgeht. Ein alarmierendes Zeichen sei, dass
selbst viele bislang häufige Arten wie Kiebitz, Bluthänfling
und Star in ihrem Bestand zurückgingen, fasste die
Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Beate Jessel,
die Situation bei den Brutvögeln zusammen. «Von den 100
häufigsten Arten werden 20 als gefährdet eingestuft oder auf
der sogenannten Vorwarnliste geführt», sagte sie.
Bodenbrütenden Feldvögeln gehe es schlecht, ihre Situation
werde sich ohne entschiedene Veränderungen in der Agrarpolitik
weiter verschärfen.
Der Geschäftsführer der Länderarbeitsgemeinschaft der
Vogelschutzwarten, Stefan Jaehne, verglich den Zustand der Vogelwelt
mit der Finanzmarktkrise: «Unsere heimischen Brutvögel
benötigen ebenfalls einen staatlichen Rettungsschirm.»
Der zunehmende Anbau nachwachsender Rohstoffe werde die Situation
für Feldlerche, Grauammer und Stieglitz weiter verschärfen,
befürchtet Stefan Fischer, Vorsitzender des Dachverbandes
Deutscher Avifaunisten (DDA). Auch in den Feuchtgebieten müsse ein
Aussterben weiterer Arten verhindert werden. Als Beispiele nannte er
den Alpenstrandläufer und Kampfläufer. Sinkende
Rastbestände im Wattenmeer zeigten an, dass diese Arten nicht nur
in Deutschland, sondern in ganz Eurasien auf dem Rückzug sind.
(Quelle: ddp)