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Irak am neunhundertundsechzehnten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Zahl der im Irak getöteten US-Soldaten steigt auf über 3.000.
Ex-Diktator Saddam in Tikrit beigesetzt. 20 Terrorverdächtige im
Irak festgenommen
Mo.01.01.07 - Seit Beginn des Krieges im Irak haben dort mindestens 3.000 US-Soldaten
ihr Leben verloren. Der 3.000. Tote war ein 22-jähriger Soldat aus
Texas, Dustin Donica. Er wurde bereits Ende vergangener Woche in Bagdad
beschossen und erlag am Donnerstag seinen Verletzungen. Das Pentagon
gab am Sonntag seinen Tod bekannt. Die Zählung der Toten seit
März 2003 beruht auf Erhebungen der Nachrichtenagentur AP. Allein
im Dezember kamen mindestens 111 US-Soldaten ums Leben, das ist die
höchste Zahl eines Monats im Jahr 2006, in dem mindestens 820
Amerikaner im Irak getötet wurden. Die Zahl von 2.000
getöteten US-Soldaten wurde erst im Oktober 2005 erreicht. Seit
Kriegsbeginn kamen auch mehrere zehntausend Iraker ums Leben.
Rund 24 Stunden nach seiner Hinrichtung ist der frühere irakische
Diktator Saddam Hussein in seinem Heimatdorf Audscha nahe der Stadt
Tikrit beigesetzt worden. Der 69-Jährige sei im Morgengrauen am
Sonntag im Beisein von mehreren hundert Mitgliedern seines Stammes in
einem Familiengrab beigesetzt worden, berichteten Augenzeugen.
In dem Grab liegen auch Saddams Söhne Kusai und Udai, die rund
drei Monate nach dem Sturz des Regimes im Juni 2003 in einem
Feuergefecht mit US-Soldaten getötet worden waren.
Der Sarg Saddams war in der Nacht mit einem US-Flugzeug von Bagdad zu
einem Luftwaffenstützpunkt bei Tikrit, rund 175 Kilometer
nördlich der irakischen Hauptstadt, geflogen worden. Von dort wurde
er ins Haus des Führers von Saddams Stamm, Scheich Ali al-Nada,
gebracht. Dort nahmen Stammesangehörige Abschied von dem
früheren irakischen Präsidenten, bevor der Sarg zum Friedhof
von Audscha gebracht wurde. Unter den Trauergästen war laut
Augenzeugen auch der Gouverneur der Provinz Salaheddin, deren Hauptstadt
Tikrit ist.
Der 69-Jährige war am Samstag gegen 04.00 Uhr (06.00 MEZ) in einem
Gebäude des berüchtigten früheren
Militärgeheimdienstes hingerichtet worden. Nachdem wenige Stunden
danach erste Videoaufnahmen von der Hinrichtung gezeigt worden waren,
wurden am Sonntag weitere Details bekannt. Die Zeitung «New
York» Times berichtete unter Berufung auf Augenzeugen der
Exekution, Saddams letzten Worte seien gewesen: «Nieder mit den
Verrätern, den Amerikanern, den Spionen und den Persern.»
Zuvor hatte er nach mehreren Berichten nochmals das islamische Schahada
gesprochen: «La Allah illa Allah wa Mohammed Rasul Allah»
(Es gibt keinen Gott außer Gott und Mohammed ist sein Prophet).
Der irakische Sicherheitsberater Muwaffak al-Rubai berichtete der
«New York Times», er habe Saddam kurz vor der Hinrichtung
gefragt, ob er Schuldgefühle oder Angst habe. Saddam habe
geantwortet: «Nein. Ich bin ein Soldat und ich habe keine Angst um
mich selbst.» Nach einem vom Nachrichtensender Al-Dschasira
ausgestrahlten Video, das vom offiziellen Fotografen gemacht wurde,
skandierten einige der Wächter im Raum Hochrufe auf den radikalen
Schiiten-Prediger Moktada al-Sadr, einen der größten Gegner
Saddams.
Über den Ort und den Termin der Beisetzung hatte zunächst
Unklarheit geherrscht. Eine von Saddams Töchtern hatte die Absicht
geäußert, ihren Vater zunächst im Jemen bestatten zu
lassen. In der irakischen Regierung gab es Überlegungen, Saddam an
einem geheimen Ort beizusetzen, um keinen Wallfahrtsort für seine
Anhänger entstehen zu lassen. Die Führung seines Stammes hatte
dagegen gefordert, der Sarg müsse mit einem US-Flugzeug nach
Tikrit gebracht werden. Am Samstagabend war dann eine Delegation aus
seinem Heimatort nach Bagdad gereist, um den Sarg zu begleiten.
Saddam war am 5. November zusammen mit seinem Halbbruder Barsan
al-Tikriti und dem Ex-Richter Awad al-Bandar wegen des Massakers an 148
Schiiten in dem Ort Dudschail im Juli 1982 zum Tode verurteilt worden.
Die Hinrichtung der beiden Mitangeklagten wurde verschoben. Unklar ist
noch, wann sie vollstreckt wird. Der Samstag solle «allein mit der
Hinrichtung Saddams in historischer Erinnerung bleiben», sagte
Sicherheitsberater Al-Rubai.
In der muslimischen Welt - vor allem in Saudi-Arabien - war kritisiert
worden, dass Saddam wenige Stunden nach Beginn des islamischen
Opferfestes Eid Al-Adha hingerichtet wurde. Das Opferfest dauert noch
bis Dienstag. Libyen ordnete am Samstag eine dreitägige
Staatstrauer an. Israels Vize-Ministerpräsident Schimon Peres
verglich Saddams Hinrichtung am Sonntag mit dem Ende Adolf Hitlers. Der
Tod des Ex-Diktators, der eine Gefahr für den Nahen Osten und den
Weltfrieden dargestellt habe, sei wie der Hitlers vorhersehbar gewesen.
Irakische und amerikanische Soldaten haben bei Razzien im Irak 20
mutmaßliche Terroristen festgenommen. Die Festgenommenen werden
verdächtigt, Bomben gebaut oder Anschläge verübt zu
haben, wie die US-Streitkräfte am Sonntag in Bagdad mitteilten. 15
Verdächtige mit mutmaßlichen Verbindungen zum Terrornetzwerk
Al Kaida im Irak seien am Samstag in der Nähe von Habanija, 80
Kilometer westlich der Hauptstadt, festgenommen worden. Fünf
weitere Personen wurden ebenfalls am Samstag in Falludscha, 65 Kilometer
westlich von Bagdad, aufgegriffen.
(Quellen: dpa, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 01.01.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertzweiundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.01.01.06 - US-Präsident Bush will Einsatz im Irak bis zum 'Sieg' führen +++
Fünf Tote bei Bombenanschlag auf Büro von Sunnitenpartei +++
Zwei Polizisten bei Explosion in Bagdad getötet +++ Sudan
kündigt nach Geiselnahme Schließung der Botschaft im Irak an...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0601010.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Zahl getöteter Journalisten auf Rekordstand
Mo.01.01.07 - Die Zahl der getöteten Journalisten hat im Jahr 2006 einen
Höchststand erreicht. 81 Journalisten seien im Jahresverlauf bei
der Ausübung ihres Berufes ums Leben gekommen, teilte die
Organisation Reporter ohne Grenzen in Paris mit. Dies seien so viele
wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Im Jahr 2005 waren es 63. Die
Bilanz des Internationalen Journalistenverbandes (IFJ), die auch
Übersetzer und Fahrer in ihrer Statistik berücksichtigt,
zählte im Jahr 2006 sogar 155 getötete Medienvertreter und
damit einen neuen Rekord.
Mit Abstand das gefährlichste Land für Journalisten war laut
Reporter ohne Grenzen das vierte Jahr in Folge der Irak, wo 64
Medienleute starben. An zweiter Stelle folgte Mexiko vor den
Philippinen und Russland. Die meisten Entführungen ereigneten sich
ebenfalls im Irak, wo 17 Journalisten verschleppt wurden.
Die Zahl der inhaftierten und angegriffenen oder bedrohten Journalisten
erreichte mit mehr als 2000 ebenfalls einen Höchststand. Als
Erklärung fürte Reporter ohne Grenzen die zahlreichen
Wahlkämpfe im vergangenen Jahr an. Die Zensur sei dagegen 2006
zurückgegangen. Es wurden nur 912 Fälle gezählt
gegenüber 1006 im Jahr zuvor. Die meisten Eingriffe in die
Pressefreiheit gab es in Thailand nach dem Militärputsch im
September.
"Es war das bisher schlimmste Jahr", erklärte IFJ in Brüssel.
Der Beruf des Journalisten werde immer gefährlicher. Gleichzeitig
wachse aber auch der Einfluss der Medien.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Entführter israelischer Soldat Schalit angeblich bald frei.
El-Kaida-Vize kritisiert Abbas als 'Feind des Islam'
Mo.01.01.07 - In den Verhandlungen über eine Freilassung des entführten
israelischen Soldaten Gilad Schalit hat es nach Angaben von
palästinensischer Seite Fortschritte gegeben. Es sei ein wichtiger
Durchbruch in den Gesprächen über einen Gefangenenaustausch
erzielt worden, sagte ein Sprecher des bewaffneten Arms der
radikal-islamischen Hamas-Bewegung, Abu Obeida, am Sonntag im
israelischen Rundfunk. Wenn die Gespräche in die eingeschlagene
Richtung fortgesetzt würden, könnte Schalit "sehr bald" gegen
palästinensische Gefangene ausgetauscht werden. Der bewaffnete Arm
der Hamas hatte sich Ende Juni zu Schalits Entführung bekannt.
El-Kaida-Vize Aiman el Sawahiri hat die palästinensische
Autonomiebehörde und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas
scharf kritisiert. In einem zum muslimischen Opferfest
veröffentlichten Tonband rief Sawahiri die Palästinenser auf,
Abbas nicht als legitim anzuerkennen und nicht seiner laizistischen
Religion und seinen Ratschlägen zu folgen, die der Scharia
widersprächen. "Wie kann Mahmud Abbas unser Bruder sein?", fragte
Sawahiri. Dieser sei ebenso wie der ranghohe Fatah-Funktionär und
frühere Sicherheitschef Mohammed Dahlan ein "Verräter" und
"Feind des Islam".
In einer am 20. Dezember veröffentlichten Videobotschaft hatte
Sawahiri bereits die radikalislamische Hamas kritisiert, weil sie an der
Parlamentswahl teilgenommen hatte. Anlässlich des Opferfestes
sandte der Stellvertreter von Osama bin Laden Grüße an den
selbst ernannten Emir des Islamischen Staates im Irak, Abu Omar el
Bagdadi, sowie an alle "heldenhaften Mudschahedin-Gruppen, die den Irak
verteidigen" und eine Einheit bilden sollten.
In seiner letzten Botschaft hatte sich Sawahiri ausführlich zum
israelisch-palästinensischen Konflikt geäußert und die
Palästinenser zu einem "Heiligen Krieg" gegen Israel aufgerufen.
Zudem drohte er den USA mit weiteren Anschlägen.
Der El-Kaida-Vize meldet sich immer wieder per Video zu Wort. Ende
September kritisierte er neben Bush auch Papst Benedikt XVI., den er
wegen "seiner Haltung zum Islam und zur arabischen Welt" einen
"Hochstapler" schimpfte. Davor hatte sich Sawahiri zum fünften
Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 zu Wort
gemeldet und Israel und den Golfstaaten mit Anschlägen gedroht. Der
in Ägypten geborene El-Kaida-Vize gilt als ideologischer Vordenker
der Terrorgruppe. Auf Hinweise, die zu seiner Verhaftung oder seinem
Tod führen, haben die USA ein Kopfgeld von 25 Millionen US-Dollar
(knapp 20 Millionen Euro) ausgesetzt.
(Quelle: afp)
Schwere Kämpfe bei Vorstoß auf Islamistenhochburg in Somalia
Mo.01.01.07 - Bei ihrem Vorstoß auf die letzte Bastion der Islamisten haben
sich somalische Soldaten unterstützt von äthiopischen Truppen
schwere Kämpfe mit islamischen Milizen geliefert. Etwa 100
Kilometer vor der von Islamisten kontrollierten Stadt Kismayo im
Süden des Landes kam es in Jilib zu heftigen Gefechten, wie
Vertreter der Milizen mitteilten. Auf beiden Seiten gebe es hohe
Verluste, sagte Miliz-Kommandeur Sheikh Yusuf Hassan Ali. Zuvor hatten
die Islamisten ein Gesprächsangebot der Regierung abgelehnt. Bei
einer Explosion in Mogadischu starben zwei Zivilisten.
Die islamischen Milizionäre würden sich nicht ergeben und
Jilib und Kismayo bis zuletzt verteidigen, sagte der Miliz-Kommandeur.
Ein weiterer Anführer der Milizen berichtete von zwei
Frontverläufen in der Region. Die Regierungstruppen setzten Panzer
und Raketen ein. Auch Dorfbewohner in der Umgebung von Jilib
berichteten von schweren Kämpfen mit Granatfeuer.
Zuvor hatte einer der Islamistenanführer in Kismayo gesagt,
solange die Äthiopier auf somalischem Gebiet seien, könne
nicht verhandelt werden. "Das ist nicht die Zeit des Friedens. Das ist
die Zeit der Befreiung, und wir werden unser Land von den Feinden
befreien", sagte Sheikh Mohammed Ibrahim. Regierungschef Ali Mohammed
Gedi hatte die Islamisten am Samstag zum Dialog aufgefordert. Kurz
darauf rückten die Regierungstruppen Richtung Kismayo vor. Die
fundamentalistischen Kämpfer hatten sich am Donnerstag aus der
Hauptstadt Mogadischu zurückgezogen, wo die von Äthiopien
unterstützten Truppen der Übergangsregierung einrückten.
Unterstützung erhielten die Islamisten unterdessen vom
Terrornetzwerk Al Kaida. Vizechef Ajman al Sawahri rief in einer
Tonbandbotschaft die Muslime in aller Welt auf, den Kampf gegen die
«Ungläubigen und Kreuzritter» in Somalia
fortzuführen. Äthiopien, das die Übergangsregierung
unterstützt, ist ein überwiegend christliches Land.
Der somalische Präsident Abdullahi Yusuf traf sich derweil in
einem Außenbezirk von Mogadischu mit Clanführern, um einen
reibungslosen Abschluss der Machtübernahme zu organisieren. Er
kündigte die Stationierung weiterer Truppen an, um die Lage in der
Region zu stabilisieren. Die Übergangsregierung hatte ihren Sitz
bisher in Baidoa, rund 250 Kilometer nordwestlich von Mogadischu.
(Quellen: afp, ap)
Kongo: Kabila ernennt ehemaligen Rebellenführer zum Regierungschef
Mo.01.01.07 - Der kongolesische Präsident Joseph Kabila hat den ehemaligen
Rebellenführer Antoine Gizenga zum Ministerpräsidenten
ernannt. Der 81-Jährige werde zu Beginn des neuen Jahres sein
Kabinett zusammenstellen, meldete der staatliche Rundfunk.
Gizenga war Stellvertreter von Patrice Lumumba, dem legendären
ersten Ministerpräsidenten im Kongo nach der Unabhängigkeit
von Belgien. Später leitete er eine Rebellenbewegung und eine
Exilpartei. In diesem Jahr stellte er sich hinter Kabila, der am 28.
Oktober die Präsidentenwahl gewann. An der Sicherung der Wahlen
waren auch Soldaten der Bundeswehr beteiligt. Die Regierung Gizengas
löst eine Regierung der nationalen Einheit ab, die nach dem
Bürgerkrieg von 1998 bis 2002 gebildet worden war.
(Quelle: ap)
Gazprom vereinbart neuen Liefervertrag mit Weißrussland
Mo.01.01.07 - Wenige Stunden vor der angedrohten Einstellung der Erdgaslieferungen
haben der russische Energiekonzern Gazprom und Weißrussland einen
Fünfjahresvertrag unterzeichnet, der die weitere Versorgung sicher
stellt. Nach der am Neujahrsmorgen erzielten Vereinbarung zahlt
Weißrussland in diesem Jahr 100 Dollar je 1.000 Kubikmeter
Erdgas, wie Gazprom-Sprecher Sergej Kuprijanow zum Abschluss der
Verhandlungen in Moskau mitteilte. Das sind fünf Dollar weniger,
als Gazprom gefordert hatte, aber mehr als doppelt so viel wie bisher.
Die Vereinbarung sieht auch vor, dass Gazprom einen Anteil von 50
Prozent an der weißrussischen Pipeline-Gesellschaft Beltransgaz
erwirbt, wie Kuprijanow weiter mitteilte. Dafür zahlt Gazprom
einen Barbetrag in noch nicht bekannter Höhe.
Nach der Einigung können die durch Weißrussland
geführten Erdgaslieferungen nach Deutschland und in andere
Länder wie bisher fortgeführt werden. Die Regierung in
Weißrussland hatte damit gedroht, diese Exporte zu behindern,
falls Gazprom die Lieferungen einstellen sollte. Bei einem Stopp der
Erdgasexporte an die Ukraine war es vor genau einem Jahr zeitweise zu
Kürzungen bei den Lieferungen an westeuropäische Länder
gekommen. Der Konflikt Anfang 2006 trug Russland den Vorwurf ein, das
Erdgas als politische Waffe zu missbrauchen. Anders als die Ukraine
unterhält Weißrussland aber enge Verbindungen zu Moskau.
(Quelle: ap)
Rumänien und Bulgarien sind Mitglieder der Europäischen Union
Mo.01.01.07 - Rumänien und Bulgarien sind um Mitternacht Ortszeit (23.00 Uhr
MEZ) Mitglieder der Europäischen Union geworden. In der
rumänischen Hauptstadt Bukarest feierten tausende Menschen das
historische Ereignis bei einem Pop-Konzert auf dem Revolutionsplatz; im
Zentrum der bulgarischen Hauptstadt Sofia läutete eine gigantische
Licht-Show den EU-Beitritt ein. Die blaue EU-Flagge mit den gelben
Sternen wurde bereits einige Stunden vor Mitternacht auf
öffentlichen Gebäuden gehisst. Deutschlands
Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) nahm an der Feier in
Bukarest teil. Am Neujahrstag wollte er nach Sofia weiterreisen, um
dort ebenfalls an den Feiern zum EU-Beitritt teilzunehmen.
(Quelle: afp)
Deutschland übernimmt EU-Ratsvorsitz
Mo.01.01.07 - Unter dem Motto «Europa gelingt gemeinsam» hat Deutschland
heute die EU-Ratspräsidentschaft übernommen. Mit dem Beitritt
Rumäniens und Bulgariens hat die Union jetzt 27 Mitglieder mit
insgesamt 493 Millionen Menschen. Bis Juni will die Bundesregierung
unter anderem versuchen, den festgefahrenen Verfassungsprozess wieder
in Gang zu bringen. Weitere Schwerpunkte sind die künftige
Energiepolitik und der Bürokratieabbau.
(Quelle: dpa)
Klimaschutz-Berater der deutschen Regierung: EU soll Ausstoß von
Treibhausgasen um 30 Prozent senken
Mo.01.01.07 - Anlässlich der deutschen EU-Ratspräsidentschaft hat der
Chefberater der Bundesregierung für Klimaschutz, Hans Joachim
Schellnhuber, die EU-Länder zur Senkung ihres CO2-Ausstoßes
um 30 Prozent bis 2020 aufgerufen. Um der Klimakatastrophe entgegen zu
wirken, sei dies ein absolut notwendiger Einstieg, sagte der Direktor
des Potsdam-Institutes für Klimafolgenforschung (PIK) in einem
Interview der Nachrichtenagentur AP. Außerdem forderte er eine
G-8-Initiative für die Zeit nach Ablauf des Kioto-Protokolls.
Deutschland könne auf dem G-8-Gipfel kommenden Juni in
Heiligendamm vorschlagen, dass jedes der Länder einen eigenen
Fahrplan zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes vorlege, sagte
Schellnhuber. Darin könne jede Regierung festschreiben, wie ihr
Land langsam aber sicher aus der fossilen Wirtschaft aussteigen soll.
Vorteil gegenüber dem Kyoto-Abkommen mit seinen Vorgaben von oben
sei, dass jede Regierung an ihren eigenen Aussagen gemessen werde.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte angekündigt, die Klima- und
Energiepolitik zu einem Schwerpunkt der deutschen
Doppelpräsidentschaft im Europäischen Rat und der G-8 zu
machen.
Schellnhuber ließ keinen Zweifel daran, dass für eine
Milderung des Klimawandels bis Mitte dieses Jahrhunderts der weltweite
Ausstoß von Treibhausgasen halbiert werden muss. Nur dann
könnten die globale Erwärmung auf zwei Grad gegenüber
vorindustrieller Zeit begrenzt und unumkehrbare dramatische Umweltfolgen
vermieden werden, sagte er. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten
die Industriestaaten als größte Luftverschmutzer ihre
CO2-Emissionen sogar um 80 Prozent senken.
In diesem Zusammenhang nannte es der Forscher ein wichtiges Symbol,
wenn Deutschland die von der EU-Kommission geforderte Festlegung seines
CO2-Ausstoßes auf 453 Millionen Tonnen zwischen 2008 und 2012
akzeptiere. Bundesumweltminister Gabriel hatte zwölf Millionen
Tonnen mehr vorgeschlagen, die Industrie besteht sogar auf Rechten
für 482 Millionen Tonnen. Schellnhuber begrüßte das
deutsche Angebot, die eigenen Emissionen bis 2020 um 40 Prozent zu
senken, wenn die anderen EU-Länder sich auf die 30-Prozent-Marke
einigen würden.
Ohne wirksame Schritte gegen den Klimawandel drohe der Erde
wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge eine Katastrophe. Schellnhuber
warnte, bei einem globalen Temperaturanstieg von mehr als zwei Grad
seien die Folgen nicht mehr zu beherrschen. Aber selbst unter dieser
Grenze könne es zu so genannten Rückkopplungseffekten kommen,
die den vom Menschen verursachten Treibhauseffekt noch verstärken
würden. Als Beispiel nannte er den Zerfall großer Waldsysteme
wie am Amazonas. Dann würden zusätzlich große Mengen
CO2 freigesetzt. «Das ist schon eine sehr beklemmende
Vorstellung», erklärte er.
(Quelle: ap)
Industrie verlangt Erhalt der Atomkraft in Deutschland
Mo.01.01.07 - Deutschland sollte aus Sicht der Industrie nicht auf Atomkraft
verzichten. «Wenn wir es mit dem Klimaschutz ernst meinen, dann
wird das in den nächsten Jahrzehnten nicht ohne Kernenergie gehen
können», sagte BDI-Präsident Jürgen Thumann in
einem Interview der Nachrichtenagentur AP in Berlin. Es sei im Moment
einfach keine andere Technologie verfügbar, «die wir im
großen Stil einsetzen können».
Zwar sei er auch für einen Energiemix und den Ausbau von
erneuerbaren Energien wie Solartechnik und Windkraft. «Sie
müssen aber für uns Konsumenten bezahlbar bleiben. Heute sind
die Technologien noch nicht wettbewerbsfähig», sagte Thumann.
Thumann kritisierte den von Rot-Grün beschlossenen Atomausstieg:
«Es ist leicht, sich heute hinzusetzen und zu sagen, wir schalten
ungefähr jedes Jahr ein Kernkraftwerk ab.» Das Ergebnis seien
aber höhere CO2-Belastungen und steigende Energiekosten.
Mit Sorge betrachtet Thumann die weltweite Klimaentwicklung und den
Energiehunger der Schwellenländer, wie er der AP sagte. Bis 2020
wolle China 31 Atomkraftwerke bauen und 500 Kohlekraftwerke. «Was
durch deren berechtigten Energiebedarf an Klimaveränderungen auf
uns zu kommt, macht mir am meisten Sorge und sollte uns alle
nachdenklich machen.» Daher gelte: «Wir kämpfen
für Klimaschutz, aber wir können uns keine andere Lösung
in den nächsten 20 bis 40 Jahren vorstellen, ohne in einem
intelligenten Energiemix auch die Kernenergie deutlich einzubeziehen und
sie auch auszubauen.»
Mit Blick auf die kommende EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands im
ersten Halbjahr 2007 sagte Thumann, es werde zu Recht viel von Kanzlerin
Angela Merkel erwartet. «Andererseits sind die Erwartungen an die
Agenda so zahlreich, dass sie das unmöglich in sechs Monaten
erreichen kann. Also muss man Prioritäten setzen, und da steht
für uns ganz oben das Thema Energie und Klimaschutz.»
Die Akzeptanz von Atomkraft in der Bevölkerung wandelt sich nach
seinem Eindruck. «Ich rede heute öffentlich über
Kernenergie und werde nicht sofort beschimpft. Das zeigt: Die
öffentliche Meinung verändert sich», sagte Thumann. Die
Bevölkerung werde nachdenklicher und sei zunehmend besorgt, was den
Klimaschutz angeht.
(Quelle: ap)
Kanzlerin Merkel stimmt Bundesbürger auf weitere Reformen ein
Mo.01.01.07 - Bundeskanzlerin Angela Merkel stimmt die Bundesbürger in ihrer
Neujahrsansprache auf weitere Reformbemühungen ein und hat damit
Forderungen von SPD-Chef Kurt Beck erneut eine Absage erteilt.
2007 solle der Aufschwung dauerhaft gemacht werden, sagte die
CDU-Chefin in der Ansprache, die am Silvesterabend in voller Länge
ausgestrahlt werden sollte. "Gäben wir uns mit ersten Erfolgen
zufrieden, dann bliebe der wirtschaftlichen Belebung, wie schon in der
Vergangenheit viel zu oft erlebt, wieder nur ein Strohfeuer."
Sie wisse sehr wohl, welche Belastungen mit manchen Entscheidungen der
Bundesregierung verbunden gewesen seien. Die jetzige positive
wirtschaftliche Entwicklung und der damit verbundene Rückgang der
Arbeitslosigkeit zeige aber, dass sich die Härten auszahlten. "Das
kann uns auf dem weiteren Reformweg nur ermutigen", betonte Merkel.
Beck hatte mit Blick auf die von der großen Koalition
angestoßenen Reformen gesagt, damit sei die Grenze der
Zumutbarkeit für die Bürger erreicht. Merkel und
Bundespräsident Horst Köhler sowie mehrere Unionspolitiker
hatten dieser Ansicht bereits früher widersprochen.
Merkel kündigte an, vordringliches Ziel bleibe weiterhin der Abbau
der Arbeitslosigkeit. Besonderes Augenmerk gelte hier den
Langzeitarbeitslosen. Die Schuldenlast der Haushalte solle weiter
gesenkt werden. Daneben solle mehr für Bildung und Forschung
gemacht, die Energieversorgung effizienter und der Klimaschutz
verbessert werden.
Mit Blick auf die am Montag beginnenden deutsche
EU-Ratspräsidentschaft erklärte sie, Europa gelinge, wenn alle
zu Hause im eigenen Land ihre Hausaufgaben machten. "Wir müssen
uns also 2007 schlichtweg doppelt anstrengen - für Fortschritte in
Europa und vorneweg für die Fortsetzung des wirtschaftlichen
Aufschwungs in Deutschland."
(Quelle: rtr)
Was 2007 den Bürgern bringt: Belastungen und Entlastungen
Mo.01.01.07 - Mit den in der Silvesternacht steigenden Neujahrsraketen startete
für die Bürger zugleich ein Feuerwerk an neuen Belastungen in
Folge zahlreicher gesetzlicher Änderungen zum 1. Januar. Der
Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) geht von Mehrbelastungen
unter dem Strich von 24 Milliarden Euro im nächsten Jahr aus.
Dabei überragt die Mehrwertsteuer-Erhöhung von 16 auf 19
Prozent und damit um gut 19 Milliarden Euro alles andere.
Entlastungen wie die Senkung der Beiträge zur
Arbeitslosenversicherung von 6,5 auf 4,2 Prozent (7,5 Milliarden) und
der Einstieg in die steuerfinanzierte Kindermitversicherung im
Gesundheitswesen (1,0 Milliarden Euro) sind dabei von der Gesamtlast
bereits abgezogen. Wichtig für Familien: das bisherige
Erziehungsgeld wird durch ein Elterngeld ersetzt. Es orientiert sich am
bisherigen Einkommen des betreuenden Elternteils. Das Elterngeld
beträgt 67 Prozent des letzten Nettolohnes, maximal 1800 Euro
monatlich.
In der Silvesternacht selbst herrschte in Kneipen und Restaurants sowie
sonstigen öffentlichen Bewirtungen zunächst weiterhin der
Mehrwertsteuersatz von 16 Prozent. Erst seit Neujahrsmorgen sind drei
Prozent Aufschlag auf die bisherigen Nettopreise zu berappen. Bei der
Mehrwertsteuer ist das Interesse allerdings besonders auch auf die
neuen Tankstellenpreise gerichtet, die von diesem Montag an gelten
sollen. Am Silvestertag wurde noch mit einem erheblichen Ansturm an den
Zapfsäulen gerechnet, um noch einmal etwa sechs Cent billiger zu
tanken.
Allerdings bleibt es beim reduzierten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent
etwa für fast alle Lebensmittel, für Leitungswasser,
Bücher, Zeitungen und Zeitschriften, Blumen, Tierfutter und
für Fahrkarten im Öffentlichen Nahverkehr.
Weitere Belastungen betreffen die Anhebung der Versicherungsteuer von
16 auf 19 Prozent sowie die Rentenbeitragserhöhung um 0,4
Prozentpunkte auf 19,9 Prozent, die die Arbeitnehmer mit 1,7 Milliarden
Euro jährlich trifft.
Die Verschärfung der Voraussetzungen für Arbeitslosengeld-II-
Empfänger und die auslaufende Förderung von Ich-AGs
führt nach Angaben der Verbraucherorganisation zu Mehrbelastungen
für die privaten Haushalte von 1,5 Milliarden Euro. Die
Einschränkung der Pendlerpauschale soll dem Staat jährlich
2,5 Milliarden mehr in die Kasse spülen, die Halbierung des
Sparerfreibetrages 750 Millionen Euro. Aus Gründen des
Jugendschutzes gibt es Zigaretten an Automaten lediglich mit EC-Karte.
(Quelle: dpa)
Oberster Richter Papier: Politik verspielt Vertrauen in Demokratie
Mo.01.01.07 - Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans Jürgen
Papier, hat der Politik in Deutschland vorgeworfen, Vertrauen in die
Demokratie zu verspielen. Die Bürger erwarteten, dass «die
Regierenden programmatische Orientierung bieten - und keine smarten
Sprüche aus den Werbeabteilungen der Politikberater», sagte
Papier der «Bild am Sonntag».
«Politik sollte sich durch Stetigkeit und Verlässlichkeit
auszeichnen. Sachorientierte Politik ist gefragt - und keine mediale
Politik-Inszenierung. Wir brauchen verantwortliche politische
Führung - und keine Vor-Führung taktischer
Scharmützel.»
Die parlamentarische Demokratie «lebt davon, dass den
demokratischen Strukturen und der gewählten politischen
Führung ein Grundvertrauen entgegengebracht wird», betonte
der Präsident. «Ich beobachte eine erhebliche
Beeinträchtigung dieses Grundvertrauens.» Ein Grund
dafür sei «die Art und Weise, wie in Zeiten der
Mediendemokratie Politik betrieben wird».
Die Gesellschaft werde «von einem Normenwerk überzogen, das
in Teilen unvollziehbar geworden ist», bemängelte Papier.
«Ob Gammelfleisch auftaucht oder ein Dopingskandal im Radsport
bekannt wird - bei jeder Gelegenheit wird nach dem Gesetzgeber gerufen
und die Gesetzesmaschinerie angeworfen.» Deutschlands oberster
Richter forderte: «Anlassbezogene Placebo-Gesetzgebung sollte
vermieden werden. Der Bevölkerung darf nicht vorgemacht werden, der
Staat könne mit immer mehr Gesetzen jedes Problem in den Griff
bekommen. Sonst geht noch mehr Vertrauen in die Demokratie
verloren.» Mit Blick auf die rechtsextremistische NPD mahnte der
Präsident, auch ein zunehmender Erfolg radikaler Parteien stehe
«mit dem Vertrauensverlust in die Politik in Zusammenhang».
(Quelle: dpa)
Transnet will sich bei Auswahl von Bahn-Investor einmischen
Mo.01.01.07 - Die Bahngewerkschaft Transnet hat Widerstand gegen den Einstieg eines
nur renditeorientierten Anlegers bei der Deutschen Bahn
angekündigt. "Ein reiner Finanzinvestor, der pro Jahr 15 Prozent
Rendite sehen will und kein Interesse an einer Weiterentwicklung der
Bahn hat, kommt nicht in Frage", sagte Transnet-Chef Norbert Hansen dem
"Tagesspiegel am Sonntag".
Seine Gewerkschaft werde sich bei der Wahl eines Investors einmischen,
sagte Hansen: Der Bund solle einen Geldgeber suchen, der auch an der
strategischen Entwicklung des Unternehmens interessiert sei. Geeignet
wären etwa große Pensionsfonds oder Konzerne aus den
Bereichen Transport, Logistik oder Dienstleistungen. Die Regierung peilt
die Privatisierung der Bahn 2008 oder 2009 an.
Zur im Frühjahr beginnenden Tarifrunde für die 180.000
Bahn-Beschäftigten sagte Hansen, die Löhne sollten
"kräftig steigen". Er verwies zur Begründung auf die
"dramatisch gestiegene Produktivität der Beschäftigten" sowie
auf den Rekordgewinn der Bahn von rund zwei Milliarden Euro in diesem
Jahr.
(Quelle: afp)
IG-Metall-Chef: Zeit der Lohnzurückhaltung ist vorbei
Mo.01.01.07 - IG-Metall-Chef Jürgen Peters hat angesichts der guten
Konjunkturlage einer weiteren Lohnzurückhaltung der Arbeitnehmer
eine klare Absage erteilt. Die Beschäftigten wollten ihren Anteil
an der guten wirtschaftlichen Entwicklung haben, sagte Peters im
Deutschlandfunk.
Das sei mehr als berechtigt, sie hätten schließlich
maßgeblich zu diesem Erfolg beigetragen. Mit Blick auf die
Erhöhung von Vorstandsbezügen etwa bei Siemens sagte der
Gewerkschafts-Chef: «Wenn unsere Leute das sehen, dass die sich
alle bedienen, dann sollen sie jetzt Lohnzurückhaltung üben?
Das ist doch ein schlechter Scherz.»
Es sei allerdings noch zu früh, die Forderung der Gewerkschaft
für die kommende Tarifrunde im Frühjahr in Zahlen zu fassen.
«Wir werden zeitnah die Forderung miteinander behandeln, das
heißt im Januar/Februar. Und wir werden dann die Gespräche
mit den Arbeitgebern aufnehmen und dann werden wir sehen, ob die
Bereitschaft wirklich da ist, die Leute zu beteiligen, oder ob das nur
Lippenbekenntnisse waren.» Grundsätzlich gehe es den
Unternehmen, zumal in der Metall- und Elektroindustrie,
außerordentlich gut.
Bei den Tarifverhandlungen habe die Gewerkschaft «immer die
gesamtwirtschaftliche Sicht im Blick», sagte Peters. Die
Preissteigerungsrate müsse ausgeglichen werden. «Und wir
wollen natürlich teilhaben an der Produktivität.» Die
Konjunktur sei besser gewesen als vermutet.
(Quelle: dpa)
Britische Gewerkschaft sucht Schulterschluss mit IG Metall
Mo.01.01.07 - Die größte Gewerkschaft in Großbritannien, Amicus,
plant den Schulterschluss mit der IG Metall und zwei
Stahlarbeitergewerkschaften in den USA. Entsprechende Verträge
für die Gründung eines internationalen Gewerkschaftsverbands
seien bereits unterzeichnet, teilte Amicus-Generalsekretär Derek
Simpson am Sonntag in London mit. Ziel ist ein Zusammenschluss der vier
Organisationen, die insgesamt sechs Millionen Mitglieder vertreten.
Eine solche internationale Gewerkschaft könnte die Interessen von
Arbeitnehmern in multinationalen Unternehmen besser wahrnehmen und den
Herausforderungen einer globalisierten Welt besser begegnen, betonte
Simpson. Amicus ist aus einem Zusammenschluss von drei britischen
Gewerkschaften hervorgegangen und vertritt hauptsächlich
Beschäftigte der Metall- und Elektrobranche, aber auch
medizinisches Personal. Für den Sommer ist eine Fusion mit der
Transport and General Workers' Union geplant, der größten
britischen Gewerkschaft in der Verkehrsbranche.
An der internationalen Organisation sollen laut Amicus neben der IG
Metall die amerikanischen Gewerkschaften United Steelworkers
(Vereinigte Stahlarbeiter) und International Association of Machinists
(Internationaler Verband der Maschinenbauer) beteiligt sein. Letztere
haben zusammen rund zwei Millionen Mitglieder, die IG Metall etwa 2,4
Millionen. Amicus würde es nach der Fusion mit der
Verkehrsgewerkschaft ebenfalls auf zwei Millionen bringen.
(Quelle: afp)