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Irak am neunhundertundsiebzehnten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Nach Bagdader Angaben mehr als 16.000 Iraker im Jahr 2006 getötet.
US-Flugzeug bombardierte Parteigebäude in Bagdad. Anhänger
pilgern zum Grab von Saddam Hussein
Di.02.01.07 - Der Gewalt im Irak sind im Jahr 2006 nach amtlichen Angaben aus Bagdad
insgesamt 16.273 Iraker zum Opfer gefallen. Getötet worden seien
14.298 Zivilpersonen, 1.348 Polizisten und 627 Soldaten, teilten die
irakischen Ministerien für Gesundheit, Inneres und Verteidigung am
Montag mit. Die Gesamtzahl übersteigt die auf täglichen
Medienberichten basierenden Berechnungen der Nachrichtenagentur AP um
mehr als 2.500. Laut AP kamen 2006 insgesamt 13.738 Iraker gewaltsam
ums Leben. 1.791 Getötete gehörten den
Sicherheitskräften an. In jüngster Zeit hat die Gewalt so
überhand genommen, dass nach UN-Angaben täglich rund 100
Iraker getötet werden. Unterdessen ist die Zahl der im Irakkrieg
getöteten US-Soldaten auf 3000 gestiegen. US-Präsident George
W. Bush kündigte trotzdem eine Fortsetzung des «Kampfes ohne
Wankelmut» an.
Ein US-Flugzeug hat nach einem Bericht des irakischen Staatsfernsehens
die Zentrale einer Oppositionspartei in Bagdad bombardiert. Dabei seien
sechs Menschen getötet worden, darunter zwei Kinder, berichtet
Al-Irakija. In dem bombardierten Gebäude ist die Zentrale der
Nationalen Dialog Front untergebracht.
Nach der Beisetzung von Saddam Hussein sind hunderte Anhänger des
gestürzten irakischen Staatschef zu seinem Grab gepilgert. Die
Trauernden hielten Fotos von Saddam Hussein in den Händen knieten
vor dem Grab in seinem Heimatort bei Tikrit nieder. Der frühere
Machthaber wurde am Sonntag kurz vor Sonnenaufgang auf dem Gelände
einer religiösen Stätte in der Ortschaft Udscha beerdigt, wie
der Gouverneur der Provinz Salahuddin, Hamad Hamud Schagtti, mitteilte.
An der Zeremonie hätten nur wenige Menschen teilgenommen.
Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Aufstand der Sunniten gab
es nach Polizeiangaben nicht, doch wurden die Sicherheitsvorkehrungen
deutlich verschärft. Die Zufahrten nach Tikrit wurden gesperrt, und
den Anwohnern wurde für vier Tage die Ausreise verboten. Doch trotz
eines Ausgehverbots zogen bewaffnete Anhänger Saddam Husseins durch
die Straßen der Stadt. Sie führten Bilder des Hingerichteten
mit sich, schossen in die Luft und riefen nach Rache.
Am Samstag fielen Anschlägen im Irak mindestens 92 Menschen zum
Opfer, was jedoch in den vergangenen Wochen mehr oder weniger die
normale Tagesbilanz war. Auch sechs weitere US-Soldaten wurden
getötet.
Saddam Husseins Leichnam wurde am Samstagabend von Bagdad nach Tikrit
übergeführt, wo er am frühen Sonntagmorgen eintraf.
Eskortiert wurde der Sarg laut einem Bericht des Senders Al Arabija von
Gouverneur Schagtti sowie vom Anführer von Saddam Husseins
Albu-Nassir-Clan, Scheich Ali al Nidawi. Diese beiden hätten in
Gesprächen mit den US-Behörden und der irakischen Regierung
die Beisetzung nahe Tikrit ausgehandelt, hieß es.
Der 69 Jahre alte irakische Expräsident wurde am Samstag gegen
06.00 Uhr Ortszeit (04.00 Uhr MEZ) gehängt - knapp zwei Monate nach
dem Todesurteil wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die
Hinrichtung löste unterschiedliche Reaktionen aus. Im schiitischen
Stadtteil Sadr City tanzten hunderte Iraker vor Freude auf den
Straßen, andere gaben Schüsse in die Luft ab. In Tikrit
bedauerten die Menschen den Tod. Der Präsident sei ein
Märtyrer, sagte Scheich Jahja al Attawi. Die Stadt wurde aus
Sicherheitsgründen ebenso abgeriegelt wie eine weitere sunnitische
Hochburg, Samarra. Dort verhängten die Behörden ein
Ausgehverbot, nachdem 500 Iraker gegen die Hinrichtung protestiert
hatten. Pro-Saddam-Demonstrationen gab es auch in Ramadi und Adwar. In
dem Dorf nahe Tikrit war Saddam Hussein von US-Truppen gefasst worden.
In Jordanien nahm die Tochter von Saddam Hussein, Raghad, kurz an einer
Protestaktion gegen die Hinrichtung teil. «Gott segne Euch, und
ich danke Euch dafür, dass ihr Saddam, den Märtyrer,
ehrt», sagte sie nach Angaben von Augenzeugen bei ihrer Ankunft.
Kurz danach verließ sie die Veranstaltung wieder. Es war ihr
erster öffentlicher Auftritt seit der Hinrichtung ihres Vaters am
Samstag. Die Demonstranten in Amman riefen «Wir werden zwei Dinge
niemals aufgeben, Irak und Saddam Hussein». «Wir opfern
unser Blut und unsere Seelen für Dich».
(Quellen: ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 02.01.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertdreiundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Italien fordert Abschaffung der Todesstrafe weltweit
Di.02.01.07 - Italien will nach sich Angaben von Außenminister Massimo D'Alema
für die Abschaffung der Todesstrafe weltweit einsetzen. D'Alema
sagte am Sonntag in Brasilien, die Hinrichtung von Saddam Hussein habe
der Debatte über die Todesstrafe neue Impulse verliehen. Ihre
Abschaffung müsse international Priorität haben, damit die
Barbarei der Todesstrafe ein Ende habe, zitierte die Nachrichtenagentur
ANSA den Minister. Die Hinrichtung von Saddam Hussein am Samstag war in
Italien einhellig verurteilt worden. Der frühere Regierungschef
Silvio Berlusconi sprach von einem politischen Fehler, während
Ministerpräsident Romano Prodi einen Anstieg der Gewalt im Irak
befürchtete.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Gewalt zwischen Hamas und Fatah erneut aufgeflammt. Al-Kaida-Vize
attackiert Regierungen in Nahost
Di.02.01.07 - Nach einwöchiger Ruhe ist die Gewalt zwischen rivalisierenden
Gruppen der Palästinenser im Gazastreifen erneut aufgeflammt. Bei
Schießereien im Flüchtlingslager Dschebalija wurden
mindestens zwei Menschen verletzt und mehrere entführt. Mitte
Dezember waren bei Zusammenstößen zwischen den Kämpfern
der islamisch-fundamentalistischen Hamas und der gemäßigten
Fatah 17 Menschen erschossen worden. Auslöser der Eskalation war
am 11. Dezember die Erschießung von drei kleinen Kindern eines
Fatah-Funktionärs.
In der Stadt Gaza wurde am Montag auch ein ausländischer
Journalist entführt. Fünf bewaffnete Männer stoppten den
50-jährigen peruanischen Pressefotografen Jaime Razuri mit
gezogener Waffe, zogen ihn in ein Auto und fuhren mit ihm davon. Razuri
berichtete aus Gaza für die französische Nachrichtenagentur
Agence France Press (AFP). Augenzeugen teilten mit, der Fotograf sei
offenbar vor dem AFP-Büro verschleppt worden. Zu der Tat bekannte
sich niemand.
In den vergangenen Monaten wurden in Gaza mehrfach ausländische
Journalisten und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen entführt. In
den meisten Fällen wurden sie innerhalb weniger Stunden unversehrt
wieder auf freien Fuß gesetzt. Im Sommer wurden zwei Journalisten
des US-Senders Fox News zwei Wochen lang festgehalten.
In Jerusalem wiesen israelische Regierungsbeamte am Mittwoch die
Darstellung der Hamas zurück, wonach es bei Verhandlungen
über eine Gefangenenfreilassung zu Fortschritten gekommen sei.
Für die Freilassung des Ende Juni verschleppten israelischen
Soldaten Gilad Schalit verlangt die Hamas die Freilassung von
palästinensischen Häftlingen. Die Bemühungen um eine
Lösung dieses Konflikts sind auch ein Thema, wenn der israelische
Ministerpräsident Ehud Olmert am Donnerstag zu Gesprächen mit
dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak in Kairo erwartet
wird. Ägypten hat bei den Verhandlungen zur Freilassung des
Soldaten eine Vermittlerrolle übernommen.
Der stellvertretende Al-Kaida-Führer Ajman al Sawahri hat den
arabischen Regierungen Verrat am Islam vorgeworfen. Die
Führungsspitzen dort kollaborierten mit den Vereinigten Staaten und
Israel, hieß es in einer Stellungnahme, die in Al Sawahris Namen
am Montag im Internet veröffentlicht wurde.
Ägypten, Saudi-Arabien und der Jemen handelten nur im Interesse
der Vereinigten Staaten, erklärte Al Sawahri. Die US-Regierung
bombardiere Muslime in Afghanistan und im Irak und weise danach die
arabischen Regierung an, ihr Rohöl billig an Amerika zu verkaufen.
Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas dürfe nicht
länger als Bruder bezeichnet werden, da er «fett geworden ist
mit Hilfe der Schmiergelder der Juden und der Geschenke der
Amerikaner». Der ägyptische Präsident Husni Mubarak
wurde als Verräter bezeichnet.
In der Stellungnahme gratulierte der Al-Kaida-Vize den Islamisten
weltweit zum Beginn des Opferfestes al-Adha und zur «Niederlage
der Amerikaner und ihrer verbündeten Kreuzritter in Afghanistan und
im Irak». Als einziges Datum wurde in der Erklärung
«Dezember 2006» genannt. Al Sawahri ging darin aber nicht
auf die Niederlage der islamischen Miliz in Somalia ein, die am in der
vergangenen Woche aus Mogadischu vertrieben wurde. «Ich gratuliere
auch meinen muslimischen Brüdern in Somalia und ermutige sie, die
Ehre des Islams und der Muslime in Ostafrika standhaft zu
verteidigen», hieß es in dem Text.
Der Al-Kaida-Führer Osama bin Laden wurde nicht erwähnt. Al
Sawahri lobte jedoch den Taliban-Führer Mullah Omar, der in
Afghanistan 2001 von der US-geführten Koalition gestürzt
worden war. Mullah Omar sei der «Kommandeur der
Gläubigen», hieß es.
(Quelle: ap)
Letzte Islamisten-Bastion in Somalia gefallen
Di.02.01.07 - Nach tagelangen Kämpfen haben die Regierungstruppen auch die
letzte Bastion der Islamisten in Somalia eingenommen. Augenzeugen und
die Armee berichteten übereinstimmend, die Stadt Kismayo im
Süden sei unter Kontrolle der Regierungstruppen und der mit ihnen
verbündeten äthiopischen Einheiten. Ein Gesprächsangebot
der Regierung hatten die islamischen Milizen zuvor abgelehnt. Der
somalische Regierungschef Ali Mohamed Gedi forderte eine schnelle
Entsendung von Friedenstruppen der Afrikanischen Union (AU) in sein Land.
"Unsere Einheiten haben die Kontrolle über ganz Kismayo",
berichtete Oberst Abdurasak Asdadud telefonisch aus der
Küstenstadt. Augenzeugen bestätigten die Information. Die
Bevölkerung habe die Ankunft der Truppen gefeiert und die Soldaten
singend empfangen, sagte ein Einwohner. Die Islamisten hatten sich am
Morgen aus ihrer letzten Bastion zurückgezogen. Damit kontrollieren
die Regierungstruppen praktisch wieder das ganze ostafrikanische Land.
Der islamistische Kommandeur Sheik Yakub Moalim Ishak bestätigte
die Flucht der Milizen. Allerdings hätten die Islamisten nicht
aufgegeben. Ein Gesprächsangebot der Regierung hatten die
Milizionäre bereits am Sonntag abgelehnt. Solange die
Äthiopier auf somalischem Gebiet seien, könne nicht verhandelt
werden, sagte einer ihrer Anführer.
Auf ihrem Vormarsch nach Kismayo vertrieben die Regierungstruppen die
Islamisten zunächst aus dem rund 100 Kilometer nördlich von
Kismayo gelegenen Jilib. Am Sonntagabend berichteten Augenzeugen von
schweren Kämpfen in Jilib.
Das internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hatte bereits am
Samstag von mehreren hundert Toten bei den Kämpfen der vergangenen
Tage gesprochen. Unter den Opfern seien sowohl Zivilisten als auch
Kämpfer beider Seiten.
Gedi gab den Einwohnern von Mogadischu drei Tage Zeit, ihre Waffen
abzugeben. Die Frist laufe von Dienstag bis Donnerstag, danach
würden die Regierungstruppen die Waffen mit Gewalt einsammeln. Der
Regierungschef forderte auch eine schnelle Entsendung von
AU-Friedenstruppen in sein Land. Eine solche Mission werde als
Unterstützung für die Befriedung und Stabilisierung Somalias
gebraucht, sagte Gedi. Seine Regierung wünsche, dass
Militärbeobachter und Friedenstruppen so schnell wie möglich
kämen. Im September hatte die AU Pläne für den Einsatz
einer fast 8000 Mann starken Friedensmission in Somalia gebilligt. Die
islamischen Milizen lehnen einen solchen Einsatz ab.
Die Übergangsregierung, die 2004 eingesetzt worden war, hatte sich
in der Vergangenheit als weitgehend machtlos erwiesen.
(Quelle: afp)
Brasilien: Lula da Silva verspricht Überwindung der Kluft zwischen
Arm und Reich
Di.02.01.07 - In seiner zweiten Amtszeit will der brasilianische Präsident Luiz
Inacio Lula da Silva nach eigenem Bekunden weiter daran arbeiten, die
Kluft zwischen Arm und Reich zu überwinden. Nach seiner
neuerlichen Vereidigung am Montag in Brasilia versprach der
sozialistische Politiker ferner Initiativen zur Belebung der
stagnierenden Wirtschaft. «Eine meiner größten
Verpflichtungen besteht darin, nie zu vergessen, wo ich hergekommen
bin», sagte der Bauernsohn und ehemalige Metallarbeiter vor den
Abgeordneten des Parlaments.
Während seiner ersten Amtszeit habe sich hinsichtlich der
Verteilung des Wohlstands und des Zugangs zu Bildung, Gesundheit und
Wohnungen vieles zum Besseren gewendet, betonte Lula da Silva.
«Aber wir müssen noch viel mehr tun.» Dem
Präsidenten wird zu Gute gehalten, sieben Millionen neue
Arbeitsplätze geschaffen zu haben. Allerdings hatte er in seinem
Wahlkampf 2002 insgesamt zehn Millionen neue Stellen versprochen.
Später wandte sich Lula da Silva auch an rund 10.000 Anhänger
seiner Arbeiterpartei, die sich für die Vereidigungsfeiern in der
Hauptstadt Brasilia versammelt hatten. Viele waren aus weit entfernten
Regionen des lateinamerikanischen Landes angereist.
Der Präsident kündigte an, mit aller Entschlossenheit gegen
die jüngste Welle der Gewalt in Rio de Janeiro vorzugehen. Bei den
Übergriffen der organisierten Kriminalität handele es sich um
eine Barbarei, die nicht als gewöhnliches Verbrechen, sondern als
Terrorismus behandelt werden müsse, sagte er. In der vergangenen
Woche wurden in Rio de Janeiro Polizeistationen überfallen und
Busse in Brand gesetzt. 19 Menschen kamen ums Leben.
Im Unterschied zum Amtsantritt vor vier Jahren waren diesmal keine
hochrangigen Staatsgäste zu der Zeremonie eingeladen.
Prominentester Gast aus dem Ausland war der italienische
Außenminister Massimo D'Alema. Lula da Silva wurde bei der
Präsidentenwahl am 29. Oktober mit rund 60 Prozent der Stimmen im
Amt bestätigt.
(Quelle: ap)
Mexiko: Zapatisten erinnern an 13. Jahrestag ihres Aufstands
Di.02.01.07 - Mit traditionellen Tänzen und Kampfliedern haben die Zapatisten im
Süden Mexikos den Jahrestag ihres Aufstands vor 13. Jahren
gefeiert. Auch wurden Diskussionsforen veranstaltet, um auf die
Probleme der armen indianischen Bevölkerung aufmerksam zu machen.
An den Feiern in der Ortschaft Oventic im Staat Chiapas nahmen am
Montag mehrere tausend Menschen teil, unter ihnen auch hunderte
Sympathisanten aus dem Ausland.
Die Zapatisten leiten ihren Namen von dem mexikanischen
Revolutionär Emiliano Zapata (1879-1919) ab. Ihr Anführer,
der nur unter dem Namen Subcomandante Marcos bekannt ist, erinnerte bei
den Feierlichkeiten daran, dass der Kampf für die Rechte der
indianischen Gemeinschaften in der Region noch nicht gewonnen sei. Es
war das erste Mal seit vielen Jahren, dass der frühere Professor
persönlich bei einer Veranstaltung seiner Bewegung auftrat.
Die Zapatistische Nationale Befreiungsarmee (EZLN) erhob sich am 1.
Januar 1994 gegen die Zentralregierung in Mexiko-Stadt und besetzte
mehrere Tage lang San Cristobal de las Casas sowie andere Städte
und Dörfer in Chiapas. Ein Waffenstillstand beendete die
Kämpfe nach wenigen Tagen. Seitdem beschränken sich die
Zapatisten unter Subcomandante Marcos auf politische Aktionen.
(Quelle: ap)
Deutschland hat EU-Ratspräsidentschaft übernommen - Merkel
ruft zur Einigkeit in Europa auf
Di.02.01.07 - Mit einem Appell zur Einigkeit in Europa hat Bundeskanzlerin Angela
Merkel die deutsche EU-Ratspräsidentschaft eingeläutet.
In ihrer Neujahrsansprache erklärte die CDU-Chefin: "Nur ein
geeintes Europa kann die Herausforderungen von Globalisierung, also
weltweitem Handel, aber auch von Gewalt, Terror und Krieg annehmen."
Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier unterstrichen,
ein Schwerpunkt der am Montag von Finnland übernommenen
Ratspräsidentschaft werde ein neuer Anlauf für eine
europäische Verfassung. Nach dem Willen der CSU soll Merkel die
Präsidentschaft auch nutzen, um der Brüsseler Bürokratie
Grenzen zu setzen. EU-Kommissar Günter Verheugen schlug dafür
einen Umbau der EU-Kommission vor.
Gelingen könne ein einiges Europa nur, "wenn alle zu Hause in
ihrem eigenen Land ihre Hausaufgaben machen", erklärte Merkel. Die
Bundesrepublik werde sich deshalb besonders ins Zeug legen: "Wir
müssen uns also 2007 schlichtweg doppelt anstrengen - für
Fortschritte in Europa vorneweg und für die Fortsetzung des
wirtschaftlichen Aufschwungs in Deutschland." Ähnlich wie Merkel
betonte Steinmeier in einem Grußwort: "Es gilt, das
europäische Projekt weiter voranzubringen und den Bürgerinnen
und Bürgern zu vermitteln, dass die EU langfristigen Wohlstand,
Sicherheit und soziale Gerechtigkeit gewährleistet." Neben der
EU-Verfassung stehen auf der Agenda der deutschen
Ratspräsidentschaft auch die Themen Energiesicherheit, das
Verhältnis zu Russland sowie die Beitrittsverhandlungen mit der
Türkei
Eine EU-Verfassung ist nach Merkels Ansicht unverzichtbar. "Europa
braucht einen Verfassungsvertrag, um handlungsfähig zu bleiben",
erklärte sie in einem Grußwort für das neue
Internetportal zur deutschen EU-Präsidentschaft. Steinmeier
verspricht sich von einer Verfassung eine Umkehr der verbreiteten
Europaverdrossenheit. Ziel der Bundesregierung ist ein Fahrplan, der
zeigen soll, wie ein Verfassungsvertrag in Europa Wirklichkeit werden
kann.
Im Frühjahr 2005 hatte die Bevölkerungen in Frankreich und
den Niederlanden die EU-Verfassung in Referenden abgelehnt. Auch
Großbritannien und Polen haben den Text noch nicht ratifiziert.
Kritik am bisherigen Verfassungs-Entwurf kam vom Präsidenten des
Bundesverfassungsgerichtes, Hans-Jürgen Papier. "Der
Verfassungsvertrag trifft leider keine konkreten Aussagen zum Ziel der
Europäischen Union. Wohin soll Europa steuern?", sagte er der "Bild
am Sonntag". In dem Entwurf hätten die Zuständigkeiten der
Union klarer begrenzt und die nationalen Zuständigkeiten deutlicher
gewahrt werden sollen.
Der CSU-Landesgruppen-Chef im Bundestag, Peter Ramsauer, forderte
Merkel auf, die EU-Kommission zur Ordnung zu rufen. Die CSU erwarte von
der deutschen Ratspräsidentschaft, "dass die Kommission mit ihrem
teilweise selbstherrlichen Gebaren an die Kandare genommen wird", sagte
er dem "Tagesspiegel am Sonntag".
EU-Kommissar Günter Verheugen sprach sich in der "Berliner
Zeitung" dafür aus, künftig solle der
Kommissionspräsident aus den Wahlen zum europäischen Parlament
hervorgehen. Bislang wird er von den Regierungschefs der
Mitgliedsstaaten bestimmt. Verheugen plädierte weiter dafür,
der Kommissionspräsident solle seine Kommissare selber bestimmen
können. Diese sollten volle Finanz- und Personalhoheit erhalten.
CSU-Chef Edmund Stoiber bekräftige in der "Welt am Sonntag", die
Türkei dürfe kein EU-Mitglied werden. Das Land habe keine
gemeinsame Wertebasis mit Europa. "Deswegen wird die Türkei niemals
ein europäischen Land sein." Merkel erwähnte in ihrem
Grußwort zwar die Türkei nicht, betonte aber, die
Erfolgsgeschichte der EU beruhe auf einem gemeinsamen
Werteverständnis. Die CDU-Chefin hat wiederholt klar gemacht, dass
die einen EU-Beitritt der Türkei ablehnt.
Neben der EU-Ratspräsidentschaft hat Deutschland mit Beginn des
neuen Jahres auch den Vorsitz der G8-Staaten übernommen.
Höhepunkt soll hier der G8-Gipfel im Juni im Ostseebad Heiligendamm
sein. Themen des Treffens der Regierungschefs der wichtigsten
Industrienationen soll die Entwicklung Afrikas und eine stärkere
Kontrolle von Hedge-Fonds sein.
(Quelle: rtr)
Deutsche EU-Ratspräsidentschaft schaltet Sonder-Website frei
Di.02.01.07 - Mit Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft zum 1. Januar hat
die Bundesregierung auch die offizielle Website der Präsidentschaft
freigeschaltet. Unter http://www.eu2007.de
informiert sie über die Arbeit der Europäischen Union sowie
das kulturelle Rahmenprogramm der Bundesregierung, der Bundesländer
und der Kommunen. Sie begleitet das politische Geschehen mit aktuellen
Informationen in drei Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch.
Der Tagungskalender ist das Herzstück der Internetseite. Über
diesen lassen sich alle Termine der Präsidentschaft abrufen. Ein
täglicher Newsletter fasst das Geschehen des Tages zusammen. Die
Rubrik Medienservice ist auf die Bedürfnisse von Journalisten
zugeschnitten. Sie können sich online für alle
Veranstaltungen, die im Rahmen der Ratspräsidentschaft in
Deutschland stattfinden akkreditieren und finden Programme, Routenplaner
und Informationen zur Hotelreservierung. Der Deutsche Wetterdienst zeigt
das aktuelle Präsidentschaftswetter.
(Quelle: ap)
Innenminister Schäuble will 'Quasi-Verteidigungsfall' im
Grundgesetz
Di.02.01.07 - Im Grundgesetz soll es nach einem Bericht der «Süddeutschen
Zeitung» künftig neben dem Verteidigungsfall einen
«Quasi-Verteidigungsfall» geben.
Die Entführung eines Flugzeugs durch Terroristen solle einen
solchen «Quasi-Verteidigungsfall» darstellen, der nach den
Vorstellungen von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) zum
Abschuss des Flugzeugs durch die Bundeswehr berechtige, schreibt das
Blatt. Damit solle das Luftsicherheitsgesetz, das im vergangenen
Februar von Karlsruhe für verfassungswidrig erklärt wurde,
verfassungsgemäß gemacht werden.
Der neue Gesetzentwurf war vor Weihnachten bekannt geworden und hatte
zu Auseinandersetzungen in der Koalition geführt. Schäuble
erläuterte nun in einem Gespräch mit der
«Süddeutschen Zeitung» (SZ) die Pläne, die in
seinem Ministerium «auf Fachebene» erarbeitet wurden. Im
«Quasi-Verteidigungsfall» gelten nach Schäubles Ansicht
die Regeln des Kriegsvölkerrechts, also vor allem die Regeln des
Genfer Abkommens über den Schutz der Opfer bewaffneter Konflikte.
Demnach sind nur Angriffe verboten, «die in keinem
Verhältnis zu erwarteten konkreten und unmittelbaren
militärischen Vorteilen stehen». Das
Verhältnismäßigkeitsprinzip bleibe gewahrt, wenn zur
Vermeidung einer noch größeren Katastrophe der Abschuss
eines entführten Zivilflugzeugs, also die Tötung von
unschuldigen Flugpassagieren, gesetzlich erlaubt wird.
Man habe sich zwar dagegen entschieden, einen terroristischen Angriff
als Verteidigungsfall zu benennen, stelle ihn aber, «in seiner
Qualität dem Verteidigungsfall gleich», gibt die Zeitung
Schäuble wieder. Der neue Verfassungsartikel 87 a Absatz 2 solle
deshalb lauten: «Außer zur Verteidigung sowie zur
unmittelbaren Abwehr eines sonstigen Angriffs auf die Grundlagen des
Gemeinwesens dürfen die Streitkräfte nur eingesetzt werden,
soweit dieses Grundgesetz es ausdrücklich zulässt.»
(Quelle: dpa)
Rekordbeteiligung bei Protestwanderung gegen 'Bombodrom'
Di.02.01.07 - Mit einer Rekordbeteiligung ist am Neujahrstag die traditionelle
Protestwanderung gegen die Wiederinbetriebnahme des so genannten
Bombodroms in der Kyritz-Ruppiner Heide zu Ende gegangen. Rund 2000
Menschen kamen am Montag zu der 103. Veranstaltung dieser Art, wie der
Sprecher der Bürgerinitiative «Freie Heide», Benedikt
Schirge, in Schweinrich auf Anfrage der Nachrichtenagentur ddp sagte.
Im Vorjahr hatten etwa 1000 Menschen gegen den geplanten
Truppenübungsplatz demonstriert.
Die Organisatoren sammelten Unterschriften für einen offenen Brief
an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). In dem Schreiben wird eine
Beteiligung der Bundeswehr an Aufklärungsflügen im Süden
Afghanistans strikt abgelehnt.
Die Protestwanderung hatte mit einer musikalischen Andacht in der
Dorfkirche begonnen. Danach spazierten die Teilnehmer zu einem zentralen
Platz, wo ein Protestschild der Gemeinde enthüllt wurde und
anschließend eine Kundgebung stattfand.
Seit 1. Januar 1992 hat die Bürgerinitiative laut Schirge das neue
Jahr mit einer Protestwanderung in Schweinrich begonnen. Die Bundeswehr
plant unweit von Wittstock wieder einen Luft-Boden-Schießplatz
einzurichten. Verwaltungsgerichte erließen mehrere vorläufige
Übungsverbote gegen die Bundeswehr.
Die Luftwaffe will den rund 12 000 Hektar großen früheren
sowjetischen Truppenübungsplatz bei Wittstock für
Übungsflüge nutzen. Geplant sind rund 1700 Einsätze pro
Jahr. Nach Angaben der Bundeswehr ist das Übungsgelände wegen
seiner Ausdehnung der einzige Platz in Deutschland, auf dem
Kampfflugzeug-Besatzungen Einsätze unter realistischen Bedingungen
trainieren können.
(Quelle: ddp)
Arbeitslose laden zum öffentlichen Waschen und Rasieren ein
Di.02.01.07 - Zu einer öffentlichen Wasch- und Rasieraktion lädt das
Erwerbslosen-Forum Deutschland am heutigen Dienstag (10.00 Uhr) nach
Mainz ein. Unter dem Motto «Waschen und Rasieren - Kurt Beck gibt
uns einen Job!» wollen die Teilnehmer dabei gegen den
rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten und SPD-Chef Beck
in der Nähe der Staatskanzlei protestieren. Zum Abschluss sollen
einige von ihnen nach Angaben der Organisatoren in der Staatskanzlei
empfangen werden. Dabei wollen sie Bewerbungsmappen, einen antiken
Friseurstuhl und ein Haar-Gel «Shock waves» übergeben.
Aktionen seien auch in 30 anderen Städten bundesweit geplant,
teilte das Forum weiter mit. Damit solle deutlich gemacht werden, dass
«Hartz IV» «eine Un-Reform» sei, die zu
Repression und Verarmung führe. In Mainz rechnen die Veranstalter
mit rund 400 Teilnehmern. Darunter sei ein sich im Hungerstreik
befindender Arbeitsloser aus dem Landkreis Osterode im Harz.
Hintergrund des Aktionstags ist eine verbale Auseinandersetzung
zwischen Beck und dem Arbeitslosen Henrico Frank auf dem Wiesbadener
Weihnachtsmarkt vor wenigen Wochen. Frank hatte Beck angepöbelt
und sich ironisch für «Hartz IV» bedankt, woraufhin
der SPD-Politiker ihm riet: «Wenn Sie sich waschen und rasieren,
haben Sie in drei Wochen einen Job.» Der 37-jährige Frank
ging daraufhin tatsächlich zum Friseur. Die Jobangebote mehrerer
Unternehmen, die ihm die Mainzer Staatskanzlei dann übermittelte,
wurden allerdings von der inzwischen als Sprecherin des Arbeitslosen
fungierenden Vorsitzenden des Wiesbadener «Hartz4-Forums»,
Brigitte Vallenthin, als «Mogelpackungen» abgelehnt.
(Quelle: ddp)