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Irak am neunhundertundachtzehnten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Saddam-Hinrichtungsvideo schürt Spannungen im Irak
Mi.03.01.07 - Nach der Hinrichtung Saddam Husseins haben inoffizielle Filmaufnahmen
von den letzten Minuten des ehemaligen Diktators die Spannungen im Irak
geschürt.
Die Regierung leitete Ermittlungen ein, wer das Video mit einem
Mobiltelefon hergestellt hat.
Die inoffiziellen Aufnahmen unterscheiden sich in einem wesentlichen
Punkt von den Film, der von der Regierung veröffentlicht wurde: Auf
dem Band ist zu sehen und zu hören, wie der ehemalige Diktator bis
zum letzten Moment beschimpft und verhöhnt wird. Die Ermittlungen
richteten sich gegen Sicherheitskräfte, die bei der Hinrichtung
anwesend gewesen seien, sagte Sami Al-Askari, ein enger Berater von
Ministerpräsident Nuri al-Maliki. "Bevor wir den Raum betraten,
gab es die Absprache, dass niemand ein Mobiltelefon dabei hat", sagte
er.
Ansonsten versuchte er die Bedeutung der Aufnahmen herunterzuspielen:
"Ein paar Wächter haben Slogans gerufen, die nicht angemessen
waren." Die Männer skandierten den Namen von Moktada al-Sadr, eines
der radikalsten Milizanführers unter den Schiiten, und riefen
Saddam zu: "Fahr zur Hölle!" Askari kritisierte vor allem, dass
die Aufnahmen dem Ruf des Sadr-Lagers schade. "Das hätte nicht
passieren dürfen", sagte er. Sadr wird von den USA für einen
Großteil der religiösen Gewalt zwischen Sunniten und
Schiiten verantwortlich gemacht, er gilt aber als eine wichtige
Stütze Malikis in der Regierung.
Die Vollstreckung des Todesurteils am Samstag zum Auftakt eines der
größten islamischen Feste stärkte Malikis Position
innerhalb des schiitischen Lagers, löste aber Wut und
Rachegefühle unter den Sunniten aus. Maliki hatte
US-Regierungsvertretern zufolge gegen deutlichen Widerstand der USA auf
eine schnelle Hinrichtung des ehemaligen Machthabers gedrängt. "Die
Amerikaner wollten die Hinrichtung um 15 Tage aufschieben. Aber der
Ministerpräsident war sehr hartnäckig", sagte ein
Regierungsvertreter.
Augenzeugen zufolge brach in einem Gefängnis nahe der
nordirakischen Stadt Mossul ein Aufstand aus, als Besucher von den
Beschimpfungen Saddams während der Hinrichtung berichteten. In dem
Gefängnis sitzen mehrheitlich sunnitische Gefangene ein. Angaben
der Provinzregierung zufolge wurden bei dem Aufstand sieben Wächter
und drei Gefangene verletzt. Ein Besucher berichtete, es sei geschossen
worden und ein Insasse sei getötet worden. Stunden nach der
Hinrichtung war am Samstag eine Serie von Autobombenanschlägen
verübt worden, bei der in schiitischen Städten und Vierteln
70 Menschen getötet wurden.
Bei einem Bombenanschlag in Bagdad wurden am Dienstag drei Iraker
getötet, wie die Polizei mitteilte. Sieben Menschen wurden
verletzt.
Der Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten fielen im Dezember den
offiziellen Statistiken zufolge 1930 Zivilisten zum Opfer. Das ist mehr
als das Dreifache der Zahl der Todesopfer zu Beginn des Jahres im
Januar, als sich die meiste Gewalt noch gegen die US-geführten
Truppen im Land richtete. Insgesamt sind nach den am späten
Montagabend veröffentlichten Zahlen des Innenministeriums im
vergangenen Jahr 12.320 Zivilisten getötet worden, zudem 1231
Polizisten und 602 irakische Soldaten.
Die Zahlen dürften untertrieben sein. UN-Statistiken zufolge
kommen derzeit täglich 120 Zivilisten um. Allein für Oktober
hatten die Vereinten Nationen (UN) auf der Basis von Daten des
Gesundheitsministeriums und des Bagdader Leichenschauhauses rund 3700
tote Zivilisten errechnet.
Die US-Streitkräfte meldeten unterdessen den Tod eines weiteren
Soldaten. Die Zahl der getöteten US-Soldaten seit Kriegsbeginn im
März 2003 erhöhte sich nach AP-Berechnungen damit auf 3.003.
Der britische Premierminister Tony Blair bekräftigte die Absicht
seiner Regierung, an der Truppenpräsenz im Irak und in Afghanistan
festzuhalten. In seiner zehnten und wahrscheinlich letzten
Neujahrsansprache sagte Blair, die Bedrohung von Seiten des
internationalen Terrorismus lasse keine andere Wahl. In beiden
Ländern zeigten die britischen Truppen «Tag für Tag,
warum sie die besten in der Welt sind». Im Süden des Iraks
sind rund 7.000 britische Soldaten stationiert.
(Quellen: rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 03.01.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertvierundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.03.01.06 - Bush nennt den Irak die einzige Demokratie der arabischen Welt +++
US-Armee soll irakische Geistliche gekauft haben +++ Sunniten-Bündnis
zu Koalition mit Kurden und Schiiten bereit +++ Beurlaubter irakischer
Ölminister Ulum gibt Rücktritt bekannt +++ Sieben Tote bei
Selbstmordanschlag im Irak...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0601030.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Neuer UN-Generalsekretär wegen Todesstrafe im Kreuzfeuer
Mi.03.01.07 - Gleich an seinem ersten Arbeitstag hat der neue UN-Generalsekretär
Ban Ki Moon mit seinen Äußerungen zur Todesstrafe eine
Kontroverse ausgelöst. Auf die Bitte eines Reporters nach einer
Stellungnahme zur Hinrichtung Saddam Husseins antwortete Ban am
Dienstag, der früheren irakische Präsident habe sich schwerer
Verbrechen schuldig gemacht, und es es stehe jedem Land frei, über
Exekutionen zu entscheiden. Kritiker sahen darin einen Widerspruch zur
offiziellen Ablehnung der Todesstrafe seitens der Vereinten Nationen.
Die Deklaration der Menschenrechte, die bereits 1948 von der
UN-Vollversammlung verabschiedet wurde, betont das Recht eines jeden
Menschen auf Leben. Bans Vorgänger Kofi Annan hat sich stets gegen
die Todesstrafe ausgesprochen. Die verhaltene Antwort Bans wurde
deshalb als Abkehr von dieser Position gewertet. Seine neue Sprecherin
Michele Montas wurde bei ihrer ersten Pressekonferenz denn auch
intensiv zu diesem Thema befragt.
Montas, eine ehemalige Rundfunkjournalistin aus Haiti, betonte, dass
die Vereinten Nationen als Organisation die Todesstrafe weiterhin
ablehnten. Dennoch wolle Ban es den einzelnen Mitgliedstaaten
überlassen, wie sie es damit halten wollten. Schließlich
habe jedes Land ein eigenes Rechtssystem. Die Todesstrafe gibt es auch
in Südkorea, dem Heimatland des neuen UN-Generalsekretärs.
Ban hob an seinem ersten Arbeitstag die Bedeutung der Vereinten
Nationen im Kampf gegen Krankheit, Armut und Krieg hervor. Er beginne
seine Arbeit in einer Zeit gewaltiger Probleme, die von Darfur bis zum
Mittleren Osten und nach Nordkorea reichten. Diese Herausforderungen
könne kein Land allein lösen.
Als seine Prioritäten nannte Ban den Atomkonflikt mit Nordkorea,
die Lage in der sudanesischen Krisenregion Darfur, die Bekämpfung
der weltweiten Armut und die Verteidigung der Menschenrechte. Zugleich
bekundete er seine Entschlossenheit, das weit verbreitete Misstrauen
gegenüber den UN abzubauen.
Ban neue Sprecherin Montas begann ihre journalistische Laufbahn in 70er
Jahren gemeinsam mit ihrem Mann Jean Dominique, der den
regierungskritischen Rundfunksender Radio Haiti-Inter aufbaute.
Dominique wurde im April 2000 ermordet. Montas führte den Sender
allein weiter, sah sich nach Morddrohungen im Februar 2003 jedoch zur
Flucht gezwungen. Sie ging nach New York und wurde dort
Pressesprecherin der UN-Vollversammlung.
(Quelle: ap)
FBI berichtet über Misshandlungen in Guantanamo
Mi.03.01.07 - Die amerikanische Bundespolizei FBI hat neue Dokumente über
Misshandlungen von Häftlingen in Guantanamo freigegeben. Diese
basieren auf der Befragung von insgesamt 493 FBI-Beamten, wie aus dem
Bericht hervorgeht, der am Dienstag der Amerikanischen Union für
Bürgerrechte (ACLU) übergeben wurden. Dabei wurde 26 Mal
bestätigt, dass in dem Gefangenenlager auf Kuba gegenüber
Häftlingen aggressives Verhalten beobachtet worden sei, das nicht
mit den einschlägigen Regeln im Einklang gestanden habe.
Beschrieben wird unter anderem, dass einem Gefangenen der Kopf mit
Klebeband verhüllt wurde, um ihm am Rezitieren von Koranversen zu
hindern. Ein anderer Häftling soll so lange in einem heißen
Raum ohne Lüftung festgehalten worden sein, bis er sich vor
Verzweiflung die Haare ausriss. Ferner soll ein weibliches Mitglied des
Wachpersonals einen Inhaftierten sexuell gedemütigt haben.
Verantwortlich für die Misshandlungen waren dem Bericht zufolge
sowohl Militärbeamte als auch die privaten Wachdienste in
Guantanamo. In keinem Fall aber seien Exzesse beobachtet worden wie
einst im Bagdader Gefängnis Abu Ghraib, hieß es.
Zum Teil waren die dokumentierten Fälle schon bekannt. Die
relevanten Unterlagen hat die Bürgerrechtsunion für ihren
Rechtsstreit im Interesse der Misshandelten angefordert. ACLU hat wegen
der Vorfälle in Guantanamo den früheren
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld verklagt.
(Quelle: ap)
Äthiopische Soldaten sollen in wenigen Wochen aus Somalia abziehen
Mi.03.01.07 - Nach der Rückeroberung der letzten Hochburg der Islamisten hat
Äthiopien einen Abzug seiner Soldaten aus Somalia innerhalb einiger
Wochen in Aussicht gestellt. Sie seien keine Friedenstruppen, sagte
Ministerpräsident Meles Zenawi am Dienstag vor dem Parlament. Um
nach dem Abzug der äthiopischen Soldaten ein Vakuum zu verhindern,
müsse die internationale Gemeinschaft rasch eine Friedenstruppe in
Somalia stationieren.
Äthiopien hat an Weihnachten begonnen, die somalischen Soldaten im
Kampf gegen die islamische Miliz militärisch zu unterstützen.
Mit Hilfe äthiopischer Panzer und Kampfflugzeuge übernahmen
die Regierungstruppen am Sonntag Kismayo, nachdem die Islamisten am
vergangenen Donnerstag bereits aus der Hauptstadt Mogadischu vertrieben
wurden.
Der somalische Ministerpräsident Ali Mohamed Gedi erklärte,
er rechne nach dem Fall Kismayos mit einem baldigen Ende der
Kämpfe. Die Miliz sei zerschlagen, einige Islamisten hätten
sich gestellt.
Die somalische Übergangsregierung leitete am Dienstag eine
dreitägige Aktion zur Entwaffnung der Bevölkerung ein. In der
Hauptstadt Mogadischu wurden Sammelstellen für Waffen eingerichtet.
Ministerpräsident Gedi kündigte gleichzeitig Erleichterungen
im Grenzverkehr an. «Ab Mittwoch werden der Flughafen und der
Seehafen (von Mogadischu) wieder geöffnet, Fluggesellschaften
können wieder einfliegen», sagte er.
Gedi bot den islamistischen Kämpfern aus Somalia eine Amnestie an.
Ausgenommen werden sollen jedoch ausländische Kämpfer, von
denen viele aus Eritrea stammen, sowie die Führung der als Union
Islamischer Gerichte (UIC) bekannt gewordenen Islamisten.
Die freiwillige Entwaffnung der Bevölkerung lief schleppend an. An
zwei Sammelstellen in Mogadischu wurde vorerst nicht eine einzige Waffe
abgegeben. «Ich bin nicht bereit, mein Gewehr abzugeben»,
sagte der 24-jährige Milizionär Lidan Warsame. «Sobald
ich meine Waffe abliefere, greifen uns möglicherweise feindliche
Clans an.» In Mogadischu und Kismayo wurde bereits eine
Neugruppierung alter, bewaffneter Clans registriert. Daneben ging in
der Bevölkerung der «Ausverkauf» von Waffen weiter -
auf dem Schwarzmarkt sank der Preis für ein
Kalaschnikow-Sturmgewehr von 350 auf 140 Dollar.
Die Islamisten hatten nach der Einnahme Mogadischus vor sechs Monaten
den Großteil des Landes kontrolliert und die in Baidoa im
Süden des Landes ansässige Übergangsregierung zunehmend
bedrängt. Mit dem Fall ihrer letzten Bastion hat die
Übergangsregierung nun den Großteil des Landes unter ihrer
Kontrolle.
Regierungstruppen nahmen unterdessen die Verfolgung der fliehenden
Milizionäre auf, die in einem zerklüfteten Landstrich nahe der
Grenze zu Kenia vermutet wurden. Das Nachbarland schloss alle
Grenzübergänge, und die US-Marine patrouillierte die lange
Küste am Horn von Afrika, um eine Flucht auf dem Seeweg zu
verhindern.
Die kenianische Polizei nahm nach eigenen Angaben bereits zehn
Verdächtige fest. Medienberichten zufolge handelt es sich um acht
Männer aus Eritrea und zwei Kanadier. Den Vereinten Nationen
zufolge hat Eritrea 2.000 Soldaten zur Unterstützung der Islamisten
nach Somalia entsandt. Außerdem gibt es Berichte, wonach sich
Somalier mit kanadischer Staatsbürgerschaft der islamischen Miliz
angeschlossen haben.
Unter den fliehenden Islamisten sollen sich auch drei mutmaßliche
Al-Kaida-Mitglieder befinden, die wegen der Bombenanschläge auf die
US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998 gesucht werden. Die Milizen
drohten ihrerseits mit einem Guerilla-Krieg wie im Irak.
Regionale Diplomaten intensivierten derweil ihre Bemühungen um die
baldige Stationierung einer afrikanischen Friedenstruppe in Somalia.
Damit soll die Präsenz äthiopischer Truppen beendet werden, um
das politische Gleichgewicht in der Region zu wahren. Uganda
erklärte sich bereit, umgehend 1.000 Soldaten für die
Friedenstruppe abzustellen, wie der somalische Regierungssprecher
Abdirahman Dinari mitteilte. Auch Nigeria habe Truppen versprochen.
Somalia hatte seit rund 15 Jahren keine funktionsfähige Regierung
mehr.
(Quellen: ap, dpa)
Deutscher EU-Vorsitz startet mit Initiative für Somalia
Mi.03.01.07 - Deutschland hat die Ratspräsidentschaft der Europäischen
Union mit einer Initiative für Somalia begonnen. Einen Tag nach
Übernahme des Vorsitzes lud der deutsche Außenminister
Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Dienstag die europäischen
Mitglieder der Internationalen Somalia-Kontaktgruppe zu gemeinsamen
Beratungen in Brüssel an diesem Mittwoch ein.
«Ziel des Treffens ist es, eine Bestandsaufnahme der
gegenwärtigen Situation in Somalia vorzunehmen und die
europäischen Bemühungen zu koordinieren, einen Beitrag zum
Friedens- und Versöhnungsprozess in Somalia zu leisten»,
teilte die deutsche Präsidentschaft mit.
(Quelle: dpa)
120 Flüchtlinge erreichen am Neujahrstag Gran Canaria
Mi.03.01.07 - Mit Beginn des neuen Jahres sind erneut Bootsflüchtlinge aus
Afrika nach Europa gekommen: Am Montag erreichten rund 120 illegale
Einwanderer in einem Fischerboot die Küste der spanischen
Kanareninsel Gran Canaria. Nach Berichten des Radiosenders Cadena Ser
starben drei Menschen bei der gefährlichen Überfahrt mitten im
Winter (Xetra: 555560 - Nachrichten) . Zwei der Leichen seien über
Bord geworfen worden. Drei Überlebende wurden nach Angaben von
Rettungskräften wegen Unterkühlung in ein Krankenhaus
gebracht. Mehrere andere Flüchtlinge seien nach der Ankunft
ambulant versorgt worden.
Im zu Ende gegangenen Jahr erreichte eine Rekordzahl von rund 31.000
illegalen Einwanderer die Küsten Spaniens. Das waren viermal so
viele wie im Jahr 2005. Die Behörden gehen davon aus, dass weitere
6000 die Flucht von Afrika in Richtung Spanien versuchten, aber entweder
aufgaben haben oder die Überfahrt in den meist völlig
überladenen Booten nicht überlebten.
(Quelle: afp)
Spanien: Aus für Friedensprozess mit ETA
Mi.03.01.07 - Drei Tage nach dem Bombenanschlag der baskischen Untergrundorganisation
ETA auf den Madrider Flughafen hat die spanische Regierung den
Friedensprozess im Baskenland für beendet erklärt.
Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba betonte am Dienstag in
Madrid: «Die ETA hat mit dem Anschlag den Friedensprozess
gebrochen, zerstört und erledigt. Da gibt es nicht den geringsten
Zweifel.»
Die sozialistische Regierung von Ministerpräsident José
Luis Rodríguez Zapatero hatte auf Grund des Anschlags, bei dem
am Samstag zwei Menschen getötet und riesige Schäden
verursacht worden waren, alle Kontakte zur ETA abgebrochen. Der
Innenminister rief die Parteien auf, im Kampf gegen den Terror eine
gemeinsame Front zu bilden. Mit seiner Erklärung kam er indirekt
einer Forderung der Opposition der Konservativen nach, die von Anfang
an gegen Verhandlungen mit der ETA waren und nach dem Anschlag verlangt
hatten, dass die Regierung ein Scheitern des Friedensprozesses
eingestehe.
Die beiden Ecuadorianer, die am Samstag in ihren Autos in einem
Parkhaus des Großflughafens Barajas von der Explosion
überrascht worden waren, konnten bislang nicht aus den
Trümmern geborgen werden. Die Bergungsmannschaften arbeiteten sich
am Dienstag bis in die Zone vor, in denen sich die Fahrzeuge der Opfer
befunden hatten.
Die Regierung in Ecuador hatte den Tod der beiden Männer
bestätigt. Dagegen sprachen die spanischen Behörden offiziell
noch von «Vermissten». Allerdings räumten auch sie
ein, dass die Ecuadorianer in dem Parkhaus keine Überlebenschancen
gehabt hätten, weil bei der Explosion Temperaturen von über
1000 Grad herrschten.
Experten der Versicherungsbranche bezifferten den Schaden des
Bombenanschlags auf über zehn Millionen Euro. Durch die Wucht der
Explosion waren mehrere Parkdecks eingestürzt. Über 1000
Autos wurden zerstört oder beschädigt. In dem erst vor kurzem
eingeweihten Terminal 4 des Flughafens zerbarsten Fensterscheiben. Der
spanische Architekt Carlos Lamela, der das Terminal zusammen mit dem
Briten Richard Rogers entworfen hatte, bezifferte die Schäden gar
auf bis zu 30 bis 40 Millionen Euro.
Mit dem Anschlag beendete die ETA eine «Waffenruhe», die
sie im März erklärt und mit der sie den Weg zur Einleitung
eines Friedensprozesses freigemacht hatte. Die ETA kämpft mit
Mitteln des Terrors für die Schaffung eines unabhängigen
baskischen Staates. Seit 1968 wurden bei Anschlägen der
Organisation über 800 Menschen getötet.
(Quelle: dpa)
Attac verlangt neuen Verfassungsprozess
Mi.03.01.07 - Das globalisierungskritische Netzwerk Attac hat die Bundesregierung
aufgefordert, aus dem gescheiterten EU-Verfassungsprozess Konsequenzen
zu ziehen. «Die Politik muss einsehen, dass die Verfassung tot
ist», sagte Sven Giegold von Attac Deutschland am Dienstag in
Berlin. Der Verfassungsvertrag werde zwischen den Bürgern und nicht
von den Regierungen geschlossen, sagte er mit Verweis auf die
ablehnenden Voten in Frankreich und den Niederlanden.
Attac verlangte stattdessen, unter der deutschen
EU-Präsidentschaft sollten Alternativen für ein friedliches,
demokratisches, soziales und ökologisches Europa vorgestellt
werden. Giegold befürchte, dass mit der Wiederbelebung des
Verfassungsprozesses der Sozialabbau in Europa auf Jahre festgeschrieben
werde.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://www.attac.de/
Ausländische Investoren fordern weitere Reformen
Mi.03.01.07 - Ausländische Unternehmen fordern nach Einschätzung des
Bundesbeauftragten für Auslandsinvestitionen, Klaus Mangold,
weitere Reformen in Deutschland. Mangold sagte der
«Saarbrücker Zeitung» (Mittwochausgabe), dass die
Bundesregierung daran gemessen werde, wie ernsthaft weitere Reformen
«verfolgt und umgesetzt werden».
Insgesamt habe sich das Bild vom Standort Deutschland im Ausland
deutlich verbessert. Internationale Investoren erwarteten jedoch, dass
Deutschland nicht stehen bleibe, sagte Mangold dem Blatt. «Das
gilt ganz besonders für die Themen Steuern und
Lohnnebenkosten», betonte der ehemalige Aufsichtsratschef des
Mautbetreibers Toll Collect.
Zugleich lobte Mangold die Lohnzurückhaltung der vergangenen
Jahre. Deutschland sei kein übermäßig teurer Standort
mehr. Allerdings forderte er von der Wirtschaft, dass sie sich um die
Qualifizierung von Fachkräften kümmern müsse. Bislang
hätten die Unternehmen «völlig ignoriert», dass
die Zahl der hervorragenden Fachkräfte in den asiatischen
Ländern rasant zunehme. «Das zu unterschätzen, ist
sträflich», unterstrich Mangold.
(Quelle: ddp)
Mieterbund fordert 'bezahlbare Wohnungen'
Mi.03.01.07 - Angesichts zunehmender Wohnkosten fordert der Deutsche Mieterbund (DMB)
eine Neubelebung der staatlichen Förderung von Sozialwohnungen und
eine Wohngeld-Erhöhung.
Der Staat und insbesondere die Kommunen müssten den Totalverlust
des jetzigen Bestandes von nur noch 1,8 Millionen Sozialwohnungen im
Interesse von Millionen einkommensschwacher Haushalte verhindern, sagte
Mieterbund-Direktor Franz-Georg Rips in einem dpa-Gespräch mit
Blick auf die zahlreichen Verkäufe an Finanzinvestoren.
Der Ausverkauf kommunaler Wohnungen an internationale Investoren
müsse gestoppt und schnelle Neubauaktivitäten in Gang gesetzt
werden, forderte Rips. «Wir brauchen bezahlbare Wohnungen und wir
müssen gegen die Preistreiber Strom, Gas und Öl verstärkt
in die Modernisierung zur Energieeinsparung bei Gebäuden
investieren.»
Nach DMB-Berechnungen müssen die Mieterhaushalte derzeit im
Schnitt rund 28,3 Prozent ihres verfügbaren Nettoeinkommens
für ihre Wohnungen zahlen. Im Jahr 2004 seien dies 27 Prozent und
1994 nur 24 Prozent gewesen.
Hauptursache für den Anstieg der Wohnkosten seien die Energie-
Aufwendungen und sonstigen Wohnnebenkosten. Von der Entwicklung
besonders getroffen seien ärmere Haushalte. «Sie gaben schon
2004 in Westdeutschland rund 41 Prozent und in Ostdeutschland 34 Prozent
für die Wohnung aus», sagte Rips.
«Da sich die Einkommenssituation für Arbeitslose,
Arbeitslosengeld-II-Empfänger und Rentner nicht verbessert, sondern
eher verschlechtert hat und die Kosten gestiegen sind, dürften
diese Haushalte heute im Westen 43 Prozent ihres Einkommens und im
Osten 36 Prozent zahlen müssen.»
(Quelle: dpa)
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung:
Mehrwertsteuererhöhung kostet 190.000 Arbeitsplätze
Mi.03.01.07 - Die Anhebung der Mehrwertsteuer zum Jahresanfang vernichtet nach
Berechnungen von Experten fast 190.000 Arbeitsplätze.
Die Zusatzeinnahmen dienten unter dem Strich vollständig der
Haushaltskonsolidierung und würden damit der Wirtschaft als
Nachfrage entzogen, rechnete das Institut für Arbeitsmarkt- und
Berufsforschung (IAB) in einer am Dienstag verbreiteten Studie vor. Das
Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit (BA) kommt darin zu
dem Ergebnis, dass dies binnen drei Jahren knapp 190.000
Arbeitsplätze koste. Wenn die Regierung die Zusatzeinnahmen
stattdessen ausschließlich zur Senkung der Sozialabgaben
verwendete, ließe sich der Beschäftigungsverlust vermeiden.
Nach drei Jahren gäbe es den Berechnungen zufolge dann sogar rund
180.000 Beschäftigte mehr.
Die Steuererhöhung um drei Prozentpunkte auf 19 Prozent kommt nach
der IAB-Einschätzung im Endeffekt allein der
Haushaltskonsolidierung zugute. Zwar würden rund 6,5 Milliarden
Euro an die BA gezahlt, um einen Teil der Absenkung des Beitrages zur
Arbeitslosenversicherung zu bezahlen. Gleichzeitig würden aber
Zahlungen des Bundes an die gesetzliche Kranken- und Rentenversicherung
in annähernd gleicher Höhe gestrichen. "Die
Sozialversicherungen insgesamt erhalten damit nicht mehr Geld aus
Steuern", heißt es in der IAB-Studie. Die Haushaltskonsolidierung
sei im Grundsatz ein Schritt in die richtige Richtung. Langfristig wirke
sich auch ein verringerter Schuldenstand positiv auf den Arbeitsmarkt
aus.
(Quelle: rtr)
GEW kritisiert Durcheinander bei Lehrerausbildung
Mi.03.01.07 - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die unklare
Situation bei der künftigen Lehrerausbildung scharf kritisiert.
«Es ist grauenhaft, was den Lehramtsstudenten im Moment zugemutet
wird», sagte der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne der
Nachrichtenagentur AP zur Umstellung der Lehrerausbildung auf Master und
Bachelor. «Sie wissen nicht, was und mit welchem Ergebnis sie
studieren sollen, damit ihr Abschluss mit Sicherheit in allen
Bundesländern anerkannt wird.» Zur Verbesserung der Vorschul-
und Schulbildung forderte Thöne ein gemeinsames Studium für
Lehrer und Erzieher.
Im so genannten Bologna-Prozess wird der europäische Hochschulraum
bis 2010 vereinheitlicht, was vor allem eine Umstellung des
Hochschulsystems auf Master- und Bachelor-Studiengänge bedeutet. In
Deutschland schafft dies bei der Lehrausbildung Probleme, da diese
bisher mit einem Staatsexamen endet, während MA- und
BA-Abschlüsse von den Hochschulen vergeben werden. Bisher sind die
Anforderungen an die neuen Lehramtstudiengänge bundesweit nicht
einheitlich geregelt, sondern variieren von Hochschule zu Hochschule.
Thöne bezeichnete es als Witz, dass das Durcheinander bei der
Lehrerausbildung ausgerechnet im Namen des Bologna-Prozesses ablaufe,
der die Entwicklung eines gemeinsamen europäischen Hochschulraumes
zum Ziel habe. «Stattdessen haben wir gerade in Deutschland bei
der Lehrerausbildung einen bunten Flickenteppich.» Nötig sei
ein nationaler Bildungsrat, der sich mit der Ausbildung von Lehrern,
aber auch von Erziehern beschäftige. «Es sollte ein
einheitliches, achtsemestriges Studium für angehende Lehrer und
Erzieher mit gemeinsamem Kerncurriculum und zusätzlichen
Spezialisierungen geben», sagte Thöne.
Zur Einführung von Studiengebühren in einigen
Bundesländern sagte der GEW-Chef, den ersten Daten zufolge gingen
die Studierendenzahlen nun zurück. «Das Problem ist, dass wir
in Deutschland bei den Studierendenzahlen ohnehin bereits unter dem
OECD-Durchschnitt liegen», sagte er. Mit Studiengebühren
werde die Zahl weiter zurückgehen, was weit reichende Folgen haben
werde: «Ausgerechnet im nächsten Jahr werden wir den
stärksten Jahrgang haben, der nach Lehrstellen sucht. Klar ist,
dass dann die Abiturienten die guten Realschüler verdrängen
werden - mit dem folgenden Dominoeffekt.»
Es sei daher unsinnig, Studiengebühren rein unter
betriebswirtschaftlichen Aspekten zu betrachten, kritisierte Thöne.
Man müsse stattdessen auch die volkswirtschaftlichen und
gesellschaftlichen Folgekosten mitberechnen. Deutschland brauche
dringend mehr Hochschulabsolventen. «Statt Studiengebühren
einzuführen, müssen das Stipendiensystem ausgebaut und das
BAföG verbessert werden», forderte der GEW-Vorsitzende.
(Quelle: ap)
Bildungsministerin Schavan will Zahl der Schulabbrecher halbieren
Mi.03.01.07 - Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) will sich im neuen Jahr
stärker um Schulabbrecher kümmern. Die Abbrecherquote solle
bis 2012 mit einer Bund-Länder-Offensive um die Hälfte
verringert werden, sagte Schavan. Während das CDU-regierte
Thüringen als erstes Bundesland seine Unterstützung für
die Initiative zusagte, stieß Schavans Vorschlag bei Liberalen
und Linken auf Kritik.
Laut Statistischem Bundesamt verließen in Deutschland 2005 rund
76 000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss. Das waren rund acht
Prozent aller Jugendlichen.
Der Bildungsexperte der FDP-Bundestagsfraktion Patrick Meinhardt sagte,
wer weniger Schulabbrecher haben wolle, müsse den Schülern
Berufs- und Ausbildungsperspektiven aufzeigen. Die bildungspolitische
Sprecherin der Linksfraktion, Nele Hirsch, bezeichnete die geplante
Initiative als unzureichend, da sie an der «perspektivlosen
Situation zahlreicher Haupt- und Sonderschüler nichts
ändern» werde.
Die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und
Wissenschaft (GEW), Marianne Demmer, sagte, sie sei «gespannt wie
ein Flitzebogen», wie die Länder auf den Vorstoß
reagierten. «Bekanntlich werden die Länder ja nicht
müde, auf ihre Zuständigkeit in schulischen Fragen zu
pochen.» Demmer verwies zudem darauf, dass die Senkung der
Schulabbrecherquote ein Ziel der europäischen Union sei. Es sei
2001 im Zusammenhang mit dem Lissabon-Prozess vereinbart worden.
Das thüringische Kultusministerium begrüßte Schavans
Vorschlag bereits. Ein Ministeriumssprecher sagte, er gehe davon aus,
dass sich der Freistaat bei der Bund-Länder-Offensive engagieren
werde.
Schavan forderte, dass die Schüler stärker zu den technischen
Fächern hingeführt werden müssten. »Das ist eine
zwingende Voraussetzung, um am Ende genügend junge Leute für
die Bereiche ausbilden und hoch qualifizieren zu können, in denen
künftig die Musik spielt», sagte sie. Nur so könne
Deutschland auch in der Bildung im europäischen Wettbewerb eine
starke Rolle spielen.
Die Wirtschaft beklagte erneut die mangelnde Qualifikation vieler
Jugendlicher. Der Präsident des Deutschen Industrie- und
Handelkammertages (DIHK), Georg Ludwig Braun, sagte: «Die Schere
zwischen Jugendlichen, die ohne Hilfe keinen Einstieg mehr ins
Berufsleben schaffen, und Unternehmen, die immer höhere
Anforderungen an ihre Mitarbeiter stellen müssen, öffnet sich
zusehends.»
(Quelle: ddp)
Kritik an Schäubles Plan zum Abschuss von Terror-Jets
Mi.03.01.07 - Die FDP-Rechtspolitikerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wirft
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble wegen dessen Plänen zum
Abschuss entführter Flugzeuge verfassungswidriges Verhalten vor.
Der CDU-Politiker begebe sich zumindest in die Gefahr,
verfassungswidriges Verfassungsrecht zu schaffen, sagte sie der
«Süddeutschen Zeitung». «Schäuble will eine
Lizenz zum Töten einführen», was ein Verstoß
gegen den Kern des Grundgesetzes sei.
Der Kern der Menschenwürde müsse selbstverständlich auch
in Kriegszeiten gewahrt werden, betonte Leutheusser-Schnarrenberger.
Schäuble wolle zudem noch einen weiteren Paradigmenwechsel im
Grundgesetz, indem er mit einem «Quasi-Verteidigungsfall»
die Regelung wegschieben wolle, dass nicht die Regierung, sondern die
Legislative den Verteidigungsfall festzustellen habe. «Die
Aufteilung der Gewalten auf Bundesregierung, Bundestag und Bundesrat
ist eine der Grundstrukturen unserer Verfassung - und nicht die
Konzentration auf die Exekutive, die dann alles dürfte.»
Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz bezifferte in der
«Frankfurter Rundschau» die Chancen, dass die Idee des
CDU-Koalitionspartners verwirklicht wird, auf «null». In
puncto Luftsicherheitsgesetz diskutiere die SPD lediglich eine
Änderung von Grundgesetzartikel 35. «Wir sind bereit zu
einer schmalen, eng umrissenen Verfassungsänderung, die es
ermöglichen würde, künftig im äußersten
Notfall ein als Waffe missbrauchtes Zivilflugzeug
abzuschießen», sagte Wiefelspütz. «Allerdings
nur unter der Voraussetzung, dass sich ausschließlich, und ich
betone: ausschließlich, Terroristen an Bord dieser Maschine
befinden oder das Flugzeug unbemannt ist.»
(Quelle: ap)
Rasante Entwicklung der Technik stellt Datenschutz vor neue Probleme
Mi.03.01.07 - Die Überwachungskamera im Bahnhof hat das Gesicht erfasst.
Automatisch werden die biometrischen Merkmale ermittelt. Nur wenige
Minuten dauert der Abgleich mit den Datenbeständen, die über
die Meldeämter der Republik verteilt sind. Die Person ist
identifiziert. Polizei, Geheimdienste, womöglich auch illegitime
Interessenten wissen jetzt, wo sie sich wann aufgehalten hat.
Daten aus anderen Quellen kommen hinzu: Die Person ist am Tag zuvor mit
dem Auto in einer Radarfalle geblitzt worden, einige hundert Kilometer
entfernt. Die automatische Überwachungsanlage hat auch hier die
biometrischen Merkmale des Gesichts erfasst und abgefragt. Und was der
Bequemlichkeit dient, die Frage per automatisch geortetem Handy nach dem
nächsten italienischen Restaurant in wieder einer anderen Stadt,
ist ebenfalls in irgendeiner Datei gespeichert, mitsamt der Uhrzeit.
Ein Horrorszenario? «Ja», urteilt Deutschlands oberster
Datenschützer Peter Schaar, «aber eine unter technologischen
Gesichtspunkten nicht abwegige Vorstellung.» Die rasante
Entwicklung der Computertechnik auf allen Gebieten sei potenziell dazu
geeignet, eine Vollüberwachung zu ermöglichen. Es gebe
praktisch keine Verarbeitungsgrenzen mehr: «Die
Speicherkapazitäten sind heute keine Restriktion mehr.» Die
Daten könnten auch sehr schnell ausgewertet werden.
Die Vorstellung, Informationen wären schon wegen der schieren
Masse nicht mehr auffindbar, lasse sich angesichts aktueller
Auswertungsprogramme auch nicht mehr halten, weiß Schaar.
«Die Daten können über alle möglichen Netze
übertragen werden, über Internet oder Funknetze, und zwar ohne
Kontrolle des Betroffenen.» Es könnten verschiedenste
Methoden zur Erfassung zusammengeführt werden.
«Das heißt: Technisch gibt es keine Grenzen mehr für
die Datenverarbeitung.» Auch das Datenaufkommen nehme weiter zu,
da sich Informationstechnik immer häufiger in
Alltagsgegenständen befinde, seien es Kühlschränke,
Kaffeemaschinen oder Turnschuhe. «Man kann fast sagen,
Datenverarbeitung ist heute schon allgegenwärtig», sagt
Schaar.
Der vom Schriftsteller George Orwell im «Großen
Bruder» beschriebene Überwachungsstaat wird Wirklichkeit?
«Ich hoffe, dass unsere Gesellschaft es nicht so weit kommen
lassen wird», sagt Schaar. «Die technologischen Potenziale
wachsen derzeit in einem Maße, wie wir es überhaupt noch
nicht gesehen haben.»
Früher unterschiedliche und inkompatible Systeme für die
Erfassung und Verarbeitung von Daten würden durch den
technologischen Fortschritt zusammengeführt, erläutert Schaar.
Auch die Auffassung, dass vor allem in zentralen Computern
zusammengefasste Informationen aus Sicht des Datenschutzes problematisch
seien, lasse sich nicht mehr halten.
Wegen der Vernetzung mit schnellen Datenleitungen gehe es heute
letztlich darum, wer auf bestimmte Daten zugreifen könne, und ob
die Daten überhaupt gespeichert seien, sagt der Datenschützer.
Zentrale Speicherung könnte in diesem Szenario sogar von Vorteil
sein, weil es wenigstens einen Verantwortlichen gäbe, an den man
sich halten könnte. «Wenn sich die Daten auf 100
verschiedene Stellen verteilen, führt das nicht automatisch dazu,
dass der Datenschutz besser gewährleistet wird.»
Die Kombination von Videotechnik, Biometrie, Internet, Vernetzung,
digitaler Speichertechnik, verbunden mit intelligenten
Mustererkennungsverfahren ergebe eine neue Qualität, gibt Schaar zu
bedenken. «All so etwas, das ist nicht nur auf dem Sprung, das
ist jetzt schon teilweise Realität.» Im Hauptbahnhof von
Mainz wird die automatische Gesichtserkennung seit einigen Monaten
erprobt.
«Es wird unser aller Leben umkrempeln», meint Schaar.
«Wie wir arbeiten, wie wir leben, wie wir wohnen, wie wir uns in
der Öffentlichkeit bewegen, wird in zehn Jahren völlig anders
sein. Vielleicht merken wir die Änderung individuell gar nicht
so.» Aber objektiv werde sich sehr viel verändert haben.
Es sei eine entscheidende Frage für unsere Gesellschaft, dass sie
sich den Herausforderungen der Informationstechnologie offensiv stelle,
betont der Datenschutzbeauftragte. Politik und Gesellschaft dürften
sich nicht darauf beschränken, irgendwelche Gefahren gesetzlich
einzuhegen. Sie müssten vielmehr auf die Technikentwicklung und
die Entwicklung von Verfahren Einfluss nehmen, damit Grundwerte wie der
Schutz der Privatsphäre auch in einer technologisch geprägten
Welt gewahrt blieben.
Das sei eine essenzielle Notwendigkeit, unterstreicht Schaar:
«Wenn man das übersieht, wird man eine Gegenbewegung
bekommen, die weit über den Datenschutz hinausgeht, weil sie
letztlich die Akzeptanz von Technologie generell in Frage stellen
wird.»
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Forscher suchen Diabetes-Therapie mit Pille statt Spritze
Mi.03.01.07 - Auf der Suche nach einer Alternative zur Insulin-Spritze für
Diabetiker haben chinesische Forscher laut einer Studie erstmals
erfolgreich einen als Tablette verabreichbaren Wirkstoff getestet. Das
Molekül Boc5 zeige im Tierversuch ähnliche Eigenschaften wie
das Darmhormon GLP-1, das beim Menschen auf natürliche Weise den
Blutzuckerspiegel reguliert, schreibt eine Forschergruppe aus Schanghai
im US-Wissenschaftsmagazin "Proceedings of the National Academy of
Science".
Die im Labor behandelten Mäuse hätten Blutzucker effektiver
abgebaut, zeigten niedrigere Cholesterin-Werte und ein länger
anhaltendes Sättigungsgefühl.
Der große Vorteil sei, dass Boc5 anders als verfügbare
Diabetes-Medikamente auch oral verabreicht werden könne, schreiben
die Forscher. Bisher müssten sich Menschen mit Typ-2-Diabetes in
der Regel zweimal täglich ein Hormon unter die Haut spritzen, etwa
Insulin.
Die Wissenschaftler vom Chinesischen Zentrum für
Medikamentenentwickung in Schanghai suchen nach den Worten des
Hauptautoren der Studie, Ming-Wei Wang, nun nach Partnern in der
Pharma-Industrie, um ihre Forschungen weiterzuführen. Um einen
GLP-1-verwandten Stoff zu finden, der vom Körper langsamer abgebaut
wird, habe sein Team tausende Substanzen getestet, erklärte Wang.
Das natürliche GLP-1 reguliert die Insulinfreisetzung aus der
Bauchspeicheldrüse, wird aber selbst im Blutkreislauf schnell
abgebaut. Bei Diabetes-Patienten könnte es deshalb nur als
Dauerinfusion eingesetzt werden.
(Quelle: afp)
Nasa produziert künstlichen Mondstaub
Mi.03.01.07 - Forscher der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa haben damit
begonnen, künstlichen Mondstaub in großen Mengen
herzustellen. Mit dem Material wollen die Wissenschaftler Geräte
und Maschinen testen, die sich in Zukunft auf dem Mond bewegen oder in
dessen Oberfläche bohren sollen. Außerdem suchen die
Nasa-Forscher Verfahren, wie aus Mondgestein Sauerstoff und andere
chemische Elemente gewonnen werden können. Damit könnten sich
die Bewohner einer Mondstation selbst mit lebensnotwendigen Ressourcen
versorgen. Die Produktion sei nötig geworden, weil die erste, in
den 90er Jahren hergestellte Ladung simulierten Mondstaubs kürzlich
zur Neige gegangen sei, teilt die Nasa mit.
Mondstaub ist ein besonderer Stoff: Das Material ist nicht durch eine
Atmosphäre geschützt, daher unterliegt es einer eigenen Form
von Verwitterung. Ein Regen von kleinen Meteoriten prasselt ständig
auf die Mondoberfläche. Mit Geschwindigkeiten von 100 000
Kilometern pro Stunde schmelzen diese Mikrometeoriten beim Aufschlag
das Gestein auf und verdampfen Anteile davon. Anschließend
erstarrt die Schmelze wieder. Der Dampf schlägt sich auf das
Material in der Nachbarschaft nieder. Auch der Teilchenstrom des
Sonnenwinds verändert den chemischen Aufbau des Mondstaubs.
Das durch die Apollomissionen in den 60er und 70er Jahren auf die Erde
gebrachte Original-Mondgestein beläuft sich zwar auf mehrere
hundert Kilogramm. Es wird von der Nasa jedoch wie Kronjuwelen
gehütet und an Forscher nur in geringsten Mengen herausgegeben.
Schon in den 90er Jahren produzierte die Nasa daher 25 Tonnen
simulierten Staub, der jedoch vor kurzem ausgegangen ist. Dieser Staub
bestand noch hauptsächlich aus basalthaltigem Gestein. Da damit die
komplizierte chemische und mineralogische Struktur des Mondstaubs
jedoch nicht nachgeahmt werden konnte, versuchen die Forscher der Nasa
nun, diese durch Mischen verschiedener Minerale aus mehreren Regionen
der Erde zu imitieren.
Insgesamt sollen so 16 Tonnen Mondstaub produziert werden, die dann in
Packmaßen eines Zementsacks an kooperierende Forscher verteilt
werden. Mit diesem Staub und Gestein der Korngrößen fein,
mittel und grob können Wissenschaftler dann ihre Mondfahrzeuge
testen, Löcher bohren und Instrumente ausprobieren.
(Quelle: ddp)