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Irak am neunhunderteinundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Frankreichs Staatspräsident Chirac verurteilt Irak-Krieg - Ganze
Region destabilisiert. Irak-Politik: US-Präsident Bush besetzt
Regierung um und wechselt führende Generäle für Irak aus
Sa.06.01.07 - Der französische Staatspräsident Jacques Chirac hat den
Irak-Krieg mit scharfen Worten verurteilt und wegen den verheerenden
Auswirkungen Vorwürfe gegen die USA erhoben. «Wie Frankreich
vorhergesagt hat, hat der Krieg zu Umbrüchen geführt, deren
Effekte noch nicht abzuschätzen sind», sagte Chirac am
Freitag in einer Neujahrsansprache an die Botschafter seines Landes.
Er warf US-Präsident George W. Bush ein «Abenteuer»
vor, mit dem er dem Terrorismus zu einem neuen Verbreitungsfeld
verholfen habe. Nicht nur sei die Einheit des Iraks gefährdet,
sagte Chirac: «Jedes Land der Region ist inzwischen besorgt um
seine Sicherheit und Unabhängigkeit.» Oberste Priorität
müsse nun sein, den Irakern volle Souveränität über
ihr Land zurückzugeben, sagte der Präsident, dessen zweite
Amtszeit im Frühjahr endet.
US-Präsident George W. Bush hat derweil wenige Tage vor seiner
Rede zur künftigen Irak-Politik weitere Spitzenposten in seiner
Regierung neu besetzt. Der bisherige Geheimdienstdirektor John
Negroponte (67) werde stellvertretender Außenminister, sagte Bush
am Freitag in Washington.
Die Nachfolge des Top-Diplomaten Negroponte als Geheimdienstdirektor
soll der langjährige Geheimdienstmann Michael McConnell (63)
antreten. Beide Politiker müssen vom Senat bestätigt werden.
Zuvor hatte Bush bereits Verteidigungsminister Donald Rumsfeld
ausgewechselt. Neuer Pentagon-Chef wurde Robert Gates. Nach
Informationen des US-Nachrichtensenders CNN will Bush am kommenden
Mittwoch bei einer Fernsehansprache die Kurskorrekturen in der
Irak-Politik mitteilen.
Nach US-Medienberichten wollte Bush seine Neuausrichtung im Irak durch
personelle Veränderungen untermauern. Bush sprach am Freitag mit
führenden Mitgliedern beider Parteien im US-Kongress über den
Irak. Am Donnerstag hatte sich Bush während einer
zweistündigen Video-Konferenz mit dem irakischen
Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki abgestimmt. Er habe
während des Gesprächs feststellen wollen, ob Maliki
entschlossen sei, die notwendigen harten Dinge durchzusetzen, um die
irakische Bevölkerung zu schützen, sagte Bush. In seiner
ersten persönlichen Reaktion auf die Umstände der Hinrichtung
des irakischen Ex-Machthabers Saddam Hussein sagte Bush, er hätte
sich einen würdevolleren Weg gewünscht. Dennoch sei Saddam
Gerechtigkeit widerfahren.
Der ägyptische Präsident Husni Mubarak nannte die Hinrichtung
Saddams unterdessen «beschämend und entsetzlich».
«In aller Welt werden Leute hingerichtet, aber was in Bagdad am
ersten Tag von Eid al-Adha (dem islamischen Opferfest) passiert ist,
war unvorstellbar», sagte Mubarak im Interview der israelischen
Zeitung «Yediot Ahronot» (Freitag). «Wie sollen
kleine Kinder damit umgehen? Es ist entsetzlich.»
Nach übereinstimmenden US-Berichten will Bush im Zuge seiner
Neuausrichtung der Irak-Politik noch weitere wichtige Posten neu
besetzen. Danach soll der bisherige US-Botschafter im Irak, Zalmay
Khalilzad (55), US-Chefdiplomat bei den Vereinten Nationen in New York
werden. Khalilzad löst John Bolton ab, der vom US-Senat nicht
bestätigt wurde und sein Amt deshalb zur Verfügung stellte.
Nach Angaben der «Washington Post» soll der bisherige
US-Botschafter in Pakistan, Ryan Cocker, künftig die US-Botschaft
in Bagdad leiten.
Auch in der militärischen Führung im Irak bahnen sich
Medienberichten zufolge Umbesetzungen auf höchster Ebene an.
Danach soll der bisherige US-Oberkommandierende, der
Drei-Sterne-General George Casey (58), abberufen werden. An seine
Stelle soll der Zwei-Sterne-General David Petraeus (54) rücken.
Petraeus war beim Einmarsch der US-Truppen im März 2003 dabei und
erwarb sich bei der Verwaltung der nordirakischen Provinzhauptstadt
Mossul in der Bush-Administration hohes Ansehen.
Der bisherige Oberkommandierende des US-Zentralkommandos, General John
Abizaid (55), der die Militäroperationen im Nahen Osten, in
Afghanistan und am Horn von Afrika kommandiert, geht in den Ruhestand.
Er soll durch Admiral William Fallon vom US-Pazifik-Kommando
abgelöst werden.
(Quellen: ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 06.01.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertsiebenundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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15 mutmaßliche Taliban-Kämpfer in Afghanistan getötet
Sa.06.01.07 - Bei Gefechten mit NATO-Truppen und afghanischen Soldaten sind nach
Polizeiangaben im Süden Afghanistans 15 mutmaßliche
Taliban-Kämpfer getötet worden. Soldaten der Alliierten seien
bei den dreistündigen Kämpfen in den Bergen der Provinz
Helmand am Donnerstag nicht verletzt worden, sagte Polizeisprecher
Ghulam Nabi Malachel am Freitag. Die wieder aufgeflammten Kämpfe in
Afghanistan haben seit Anfang 2006 rund 4.000 Menschen das Leben
gekostet. Die meisten Toten waren Kämpfer der Taliban.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Nahost-Quartett soll Ende Januar in Paris zusammenkommen. US-Regierung
will Abbas 83 Millionen Dollar zukommen lassen. Blutiger Konflikt
zwischen Palästinensern schwelt weiter
Sa.06.01.07 - Das so genannte Nahost-Quartett wird Ende Januar in Paris
zusammentreffen. Es sei entschieden worden, dass das Quartett am Rande
der Libanon-Konferenz am 25. Januar zusammentreten werde, sagte ein
Vertreter der EU in Washington. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela
Merkel (CDU) und US-Präsident George W. Bush hatten sich bei ihrem
Treffen in Washington für eine Wiederbelebung des Nahost-Quartetts
ausgesprochen.
Die deutsche Regierung hatte am 1. Januar die
EU-Ratspräsidentschaft übernommen. Berlin sieht die
Bemühungen um eine Friedenslösung für den Nahen Osten
als eine der Prioritäten ihrer Amtszeit. Das Nahost-Quartett setzt
sich aus der UNO, den USA, der EU und Russland zusammen.
Die US-Regierung von Präsident George W. Bush bittet den Kongress
um 83 Millionen Dollar für den palästinensischen
Präsidenten Mahmud Abbas. Das Geld solle den
Sicherheitskräften des palästinensischen Präsidenten
zugute kommen und für deren Ausbildung, Uniformen und Fahrzeuge
verwendet werden, verlautete am Freitag aus Regierungskreisen in
Washington. Möglicherweise werde die Summe auch noch steigen.
Die US-Regierung will sicherstellen, dass die amerikanische Hilfe nicht
die regierende Hamas erreicht, die mit Abbas um die Kontrolle der
Sicherheitskräfte streitet. Die Hamas reagierte verärgert auf
den Plan aus Washington. Den Amerikanern gehe es nicht darum,
Bevölkerungen oder Regierungen zu unterstützen, sagte
Hamas-Sprecher Fausi Barhum. Sie wollten vielmehr amerikanische
Projekte unterstützen, um Bevölkerungen zu spalten. Nach
amerikanischem Gesetz muss jede Form der Hilfe für die
Palästinenser an der Hamas vorbei organisiert werden. Washington
fordert, dass die Hamas die Gewalt gegen Israel einstellt und dessen
Existenzrecht anerkennt.
Trotz einer auf Spitzenebene vereinbarten neuen Waffenruhe schwelt der
blutige Konflikt zwischen den rivalisierenden palästinensischen
Gruppen Fatah und Hamas weiter. Die Fatah-Bewegung des Präsidenten
Mahmud Abbas erteilte am Freitag neuen Gesprächen mit der
radikalislamischen Hamas von Regierungschef Imail Hanija eine Absage.
Als Grund nannte sie in einer in Gaza veröffentlichten
Erklärung den tödlichen Angriff auf einen ihrer
Sicherheitsoffiziere.
Es werde keine Bemühungen um Aussöhnung geben, solange die
Täter nicht zur Rechenschaft gezogen worden seien, hieß es
in der Erklärung.
Für den Angriff auf den der Fatah nahe stehenden Oberst Mohammed
Ghajeb machte die Gruppe die Sicherheitskräfte von
Hamas-Innenminister Said Sijam verantwortlich. Bei den Kämpfen am
Donnerstag wurden auch sieben Leibwächter Ghajebs getötet.
Die Erklärung folgte nur wenige Stunden nach einer Vereinbarung
zwischen Abbas und Hanija, die Gewalt einzudämmen. In einer
Krisensitzung in der Nacht zum Freitag verständigten sich die
beiden Politiker auf eine neue Waffenruhe. «Wir werden unsere
bewaffneten Einheiten von der Straße zurückziehen»,
sagte Hanija anschließend. Abbas gab keinen Kommentar zu dem
Treffen ab.
Ob die Waffenruhe von Dauer ist, ist jedoch fraglich. Die
radikalislamische Hamas und die gemäßigtere Fatah liefern
sich seit Wochen blutige Kämpfe, Waffenstillstandsvereinbarungen
wurden immer wieder gebrochen. Bei der Trauerprozession für den am
Vortag getöteten Ghajeb und dessen Leibwächter schworen
bewaffnete Fatah-Kampfer am Freitag Rache. Vor einer Moschee im
Flüchtlingslager Mughasi im Gazastreifen wurde zudem ein als
Hamas-Kritiker bekannter Geistlicher aus einem Auto heraus erschossen.
In einer Predigt hatte Asdel Nasar zuvor die jüngsten Gewalttaten
verurteilt.
Im Westjordanland attackierten Fatah-Anhänger am Donnerstagabend
an mehreren Orten Büros und Fahrzeuge der Hamas. Zuvor waren bei
einer israelischen Razzia in Ramallah vier Palästinenser
getötet und rund 20 weitere verletzt worden. Die Gewalt
überschattete das Gipfeltreffen zwischen dem israelischen
Ministerpräsidenten Ehud Olmert und dem ägyptischen
Präsidenten Husni Mubarak im Sinai-Badeort Scharm el Scheich.
Der israelische Infrastrukturminister Benjamin Ben-Elieser kritisierte
den Zeitpunkt der Militäraktion. Sie hätte nicht vor einem
strategisch so wichtigen Treffen stattfinden dürfen, sagte er am
Freitag im israelischen Rundfunk. Sicherheitsbeamte wiesen darauf hin,
es habe sich um eine Routine-Razzia gehandelt, die nicht vom
Verteidigungsministerium genehmigt werden müsse. Deshalb sei die
Regierung nicht vorab informiert gewesen.
(Quellen: afp, ap)
Somalia bittet um internationale Unterstützung
Sa.06.01.07 - Nach der Entmachtung der Islamisten mit Hilfe äthiopischer Truppen
hofft Somalia auf Unterstützung der internationalen Gemeinschaft.
Präsident Abdullahi Yusuf erklärte am Freitag bei einem
Treffen mit der Somalia-Kontaktgruppe in Nairobi, es gebe jetzt die
Chance, das seit 15 Jahren andauernde politische Chaos im Land zu
beenden. Notwendig dafür seien aber «finanzielle, materielle
und technische Hilfe», sagte Yusuf bei dem Gespräch mit
Vertretern aus Europa, den USA, Afrika und dem Nahen Osten.
Uganda hat zum Schutz der somalischen Übergangsregierung zwischen
1.000 und 2.000 Soldaten in Aussicht gestellt, wie der für Afrika
zuständige amerikanische Unterstaatssekretär Jendayi Frazer
mitteilte. Die US-Regierung hoffe, dass die Truppen noch im Januar in
Somalia stationiert werden können. Eine Friedenstruppe könne
die Lage zwar stabilisieren, die Lösung liege aber in «Dialog
und Versöhnung», sagte Frazer. US-Außenministerin
Condoleezza Rice kündigte am Donnerstag Hilfen für Somalia in
Höhe von 16 Millionen Dollar (zwölf Millionen Euro) an.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte an die somalische
Übergangsregierung, sich um Versöhnung zu bemühen. Der
Sieg gegen die islamische Miliz in den vergangenen Tagen biete ihr eine
neue Chance, erstmals die Kontrolle über das ganze Land zu
übernehmen, sagte UN-Sprecherin Michele Montas am Donnerstag in New
York. Zugleich fordere der Generalsekretär die rasche
Stationierung einer im Dezember vom Weltsicherheitsrat beschlossenen
afrikanischen Friedenstruppe in dem Land am Horn von Afrika. Ban
begrüße die Erklärung Äthiopiens, seine Truppen
schnell wieder aus Somalia zurückzuziehen, sagte Montas. Er habe
ferner alle Staaten der Region aufgefordert, die Souveränität,
Einheit und territoriale Integrität Somalias zu achten.
Der stellvertretende Al-Kaida-Führer Ajman al Sawahri rief die
Islamisten unterdessen zu weiteren Kämpfen auf. In einer am Freitag
im Internet verbreiteten Botschaft forderte er Widerstand gegen die
«Kreuzritter» aus Äthiopien, bis diese geschlagen
seien. Die Islamisten sollten sich unter anderem mit Landminen und
Selbstmordanschlägen zur Wehr setzen, erklärte Al Sawahri.
Somalia sei eines der «Kreuzritter-Schlachtfelder, die von Amerika
und seinen Verbündeten und den Vereinten Nationen gegen Islam und
Muslime» genutzt würden, hieß es in der rund
fünfminütigen Tonband-Botschaft. Ihre Authentizität wurde
zunächst nicht bestätigt. Die Aufnahme erschien aber auf
einer Website, auf der sich häufig militante Islamisten zu Wort
melden. Unter den islamischen Milizen sollen sich auch drei
mutmaßliche Al-Kaida-Mitglieder befinden, die wegen der
Bombenanschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998
gesucht werden.
(Quelle: ap)
UN und AU bekräftigen Bemühen um Frieden in Darfur
Sa.06.01.07 - Die Vereinten Nationen und die Afrikanische Union (AU) wollen ihre
gemeinsamen Bemühungen um eine Lösung des Darfur-Konflikts
verstärken. Es gehe darum, den politischen Prozess in der
sudanesischen Krisenregion neu zu beleben, sagten der UN-Sondergesandte
Jan Eliasson und der AU-Vertreter Salim Ahmed Salim nach einem Treffen
mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Freitag. Ban hatte bei
seinem Amtsantritt vor wenigen Tagen bekräftigt, die Beilegung der
Krise in Darfur verdiene größte Aufmerksamkeit.
Salim betonte, der Konflikt könne nicht militärisch, sondern
nur auf politischem Weg gelöst werden. Der schwedische Diplomat
Eliasson kündigte an, er werde in der kommenden Woche nach Khartum
und von dort weiter nach Darfur reisen.
Die Kämpfe in Darfur begannen im Februar 2003. Damals griffen
Rebellen afrikanischer Stämme zu den Waffen. Sie werfen der
arabisch-islamischen Regierung in Khartum Diskriminierung und
Unterdrückung vor. Die Regierung wird auch beschuldigt, arabische
Dschandschawid-Milizen zur Vertreibung der Bevölkerung nach Darfur
geschickt haben. In drei Jahren Bürgerkrieg wurden mehr als
200.000 Menschen getötet und 2,5 Millionen vertrieben.
(Quelle: ap)
USA und Japan bereiten Notfallplan für Korea-Krise vor
Sa.06.01.07 - Die USA und Japan bereiten zusammen einen Notplan für den Fall
einer größeren Krise auf der koreanischen Halbinsel vor.
Tokio müsse für den Schutz von 20.000 in Südkorea
lebenden Japanern gerüstet sein, sagte der japanische
Außenminister Taro Aso am Freitag. Dasselbe gelte für die
Zehntausenden von japanischen Touristen in Südkorea. Es gehe darum,
japanische Bürger möglicherweise mit US-Kriegsschiffen und
zivilen Schiffen außer Landes zu bringen. Tokio und Washington
befassten sich außerdem mit der Möglichkeit einer
Massenflucht aus Nordkorea im Krisenfall. Der Zeitung "Asahi Shimbun"
zufolge stellt sich Tokio vorsichtshalber auf 100.000 bis 150.000
nordkoreanische Flüchtlinge ein.
(Quelle: afp)
China fordert Iran zu ernsthafter Reaktion im Atomstreit auf
Sa.06.01.07 - China hat den Iran am Freitag zu einer «ernsthaften
Antwort» auf die vom Weltsicherheitsrat verhängten
Sanktionen wegen seiner Urananreicherung aufgefordert. Die
UN-Resolution spiegle die Besorgnis der internationalen Gemeinschaft
wider, sagte Präsident Hu Jintao während eines Treffens mit
dem iranischen Chefunterhändler Ali Laridschani, wie die amtliche
Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Laridschani betonte erneut,
Teheran wolle sein Nuklearprogramm nur zu zivilen Zwecken nutzen.
Derzeit lehne Teheran Atomwaffen ab, sagte Laridschani nach
zweitägigen Gesprächen in Peking. Diese Haltung könne
sich aber ändern, wenn sein Land bedroht werde. China
unterhält starke Handelsbeziehungen mit dem Iran und ist
ständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat, der Ende Dezember
Strafmaßnahmen wegen des iranischen Nuklearprogramms beschlossen
hat.
Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad bekräftigte,
der Iran werde ungeachtet der Sanktionen an der Urananreicherung
festhalten. Die Regierung werde sich keinem Zwang beugen. Nach Angaben
von Ahmadinedschads Stellvertreter Gholamresa Aghasadeh verfügt
der Iran inzwischen über 250 Tonnen Uran-Hexafluorid, den
Grundstoff für Urananreicherung. Das Gas sei in Tunneln unter der
Atomanlage Isfahan gelagert, sagte Aghasadeh am Freitag im staatlichen
Fernsehen. Uran-Hexafluorid kann in angereichertes Uran umgewandelt
werden, das je nach Grad der Bearbeitung zum Bau von Atomwaffen dienen
könnte.
(Quelle: ap)
Umweltgruppen aus Lateinamerika warnen vor Bioenergie-Boom
Sa.06.01.07 - Umweltgruppen aus Lateinamerika warnen in einem offenen Brief an
EU-Vertreter vor Nahrungsmittelknappheit und Naturschäden als
Folgen eines Booms der Bioenergie. In dem Schreiben, das in Hamburg von
dem Verein Rettet den Regenwald veröffentlicht wurde, nannten es
die Organisationen unwahrscheinlich, dass Europa sich künftig aus
eigener Produktion mit Bioenergie versorgen könne. Deswegen werde
dies auf Kosten landwirtschaftlicher Flächen geschehen, von denen
die autonome Nahrungsmittelversorgung lateinamerikanischer Länder
abhänge.
Die Umweltschützer warnten zudem, dass der großflächige
Anbau von Energiepflanzen das natürliche Ökosystem
zerstöre. Sojabohnen, die nach den Prognosen einer der wichtigsten
Rohstoffe für Biodiesel werden könnten, seien bereits jetzt
ein Hauptgrund für die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes.
"Das Problem des Klimawandels, für das der Norden verantwortlich
ist, kann nicht gelöst werden, indem bei uns neue Probleme
geschaffen werden", erklärten die fünf lateinamerikanischen
Umweltnetzwerke, die nach Angaben von Rettet den Regenwald hunderte
Gruppen vertreten.
Ihr Schreiben richteten die Organisationen an das Europaparlament, die
Europäische Kommission sowie die Regierungen und Bürger der
EU. Anlass des Briefes ist die anstehende Entscheidung der
Brüsseler Kommission über den so genannten "Biomasse
Aktionsplan", die für Mittwoch nächster Woche erwartet wird.
(Quelle: afp)
Armut: Über 200 Millionen Kinder können ihr geistiges Potenzial
nicht nutzen
Sa.06.01.07 - Wegen ihrer Armut können weltweit mehr als 200 Millionen Kinder
unter fünf Jahren ihr geistiges Potenzial nicht voll
ausschöpfen. Das berichtet eine Gruppe um Sally Grantham-McGregor
vom University College in London im Medizinjournal «The
Lancet» (Bd. 369, S. 60) vom Samstag.
Der Geldmangel führe unter anderem zu schlechter Gesundheit und
Mangelernährung. «Diese benachteiligten Kinder sind
wahrscheinlich schlechter in der Schule, haben deswegen später ein
geringes Einkommen, versorgen ihre Kinder schlechter und tragen die
Armut über die Generationen weiter», erklärt
Grantham-McGregor.
Ihre Gruppe beziffert die Zahl der betroffenen Kinder auf insgesamt 219
Millionen. Ein großer Teil (89 Millionen) lebt in Südasien.
Zwei Drittel aller betroffenen Kinder kommt aus zehn Ländern:
Indien, Nigeria, China, Bangladesch, Äthiopien, Indonesien,
Pakistan, Kongo, Uganda und Tansania.
Außer ihren geistigen Fähigkeiten litten in einer wenig
fordernden Umgebung auch die Beweglichkeit und die emotionale
Entwicklung der Kinder. Dabei spielten die ersten Lebensjahre eine
entscheidende Rolle für die Entwicklung des Menschen, weil in
dieser Zeit die Grundlagen fürs Lernen, die Neugier und das
Vertrauen gelegt werden.
Die Studie ist der erste Beitrag einer dreiteiligen Serie und
beschreibt zunächst den Umfang des Problems. Teil zwei konzentriert
sich auf die unmittelbaren Ursachen: Jod- und Eisenmangel, Blei- und
Arsenvergiftung, Verkrüppelung und eine unzureichende Stimulation
der Kinder. Die dritte Studie will zeigen und beurteilen, wie und dass
sich dem Problem abhelfen lässt.
Die Vereinten Nationen haben sich in ihren Millenniums-Zielen dazu
verpflichtet, bis zum Jahr 2015 allen Kindern weltweit eine
Grundschulausbildung zu gewähren und die Zahl hungernder Menschen
zu halbieren. Zusammen mit ihren Mitautoren verlangt Grantham-McGregor
von den Regierungen und der Zivilgesellschaft mehr und bessere
Förderprogramme für Kinder.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Rekord bei rechtsextremer Kriminalität droht
Sa.06.01.07 - Bei der rechtsextremen Kriminalität in Deutschland droht für
2006 ein Fünfjahresrekord. Bundesweit hat die Polizei von Januar
bis November nach vorläufigen Zahlen 11 254 rechte Straftaten
registriert, berichtet der «Tagesspiegel» (Freitag).
Experten gingen davon aus, dass 2006 so viele rechtsextremistische
Delikte registriert wurden wie seit 2001 nicht mehr. Endgültige
Zahlen für das gesamte vergangene Jahr werden erst im
Frühjahr erwartet.
Wie die Bundesregierung auf die monatliche Anfrage der
Linkspartei-Abgeordneten Petra Pau mitteilte, wurden im November
bundesweit 1100 rechte Straftaten gemeldet - mehr waren es im
vergangenen Jahr nur in den Monaten Mai, Juni und Oktober. Nach
dpa-Informationen wurden im November die meisten rechtsextrem
motivierten Straftaten in Nordrhein-Westfalen (176) verzeichnet,
gefolgt von Berlin mit 164 Straftaten.
Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch hatte vor kurzem gesagt,
dass sich die Zahl der rechtsextremen Gewalttaten in Berlin im
vergangenen Jahr verdoppelt habe. Während es im Jahr 2005 allein
52 Gewaltdelikte gegeben hatte, erwartete Glietsch für 2006 einen
Anstieg auf mehr als 100.
Pau sagte dem Online-Dienst tagesschau.de, besonders erschreckend sei
die hohe Zahl der Gewalttaten. Durchschnittlich gebe es täglich
2,5 Übergriffe in Deutschland - und dementsprechend viele Opfer.
Sie forderte eine parteiübergreifende Strategie gegen den
Rechtsextremismus. Die Rechtsextremismus-Expertin der Grünen-
Bundestagsfraktion, Monika Lazar, unterstützte Paus Forderung.
SPD- Vorstandsmitglied Niels Annen forderte einen Demokratiegipfel, der
ein Zeichen gegen die rechtsextremen Straftaten setzen solle. FDP-
Innenexperte Max Stadler sagte: «Die ansteigenden Zahlen
rechtsextremer Straftaten zeigen, dass mit allen Mitteln des Polizei-
und Strafrechts dagegen vorgegangen werden muss.»
Entgegen dem Bundestrend kann Sachsen 2006 einen Rückgang der
rechtsextremen Straftaten verzeichnen. Im ersten Halbjahr des Vorjahres
sanken sie auf 906 im Vergleich zu 1092 im ersten Halbjahr 2005, sagte
ein Sprecher des Landeskriminalamtes am Freitag. Der Trend werde sich
bis Jahresende fortsetzen. Die Zahl der rechtsextremen Gewaltdelikte
blieb mit 45 (Vorjahreszeitraum: 44) praktisch gleich.
Auch in Brandenburg ist die rechtsmotivierte Kriminalität leicht
zurückgegangen. 1108 Straftaten wurden von Januar bis November
2006 registriert, wie das Innenministerium mitteilte. 2005 seien es
1131 Delikte gewesen. Dies war den Angaben zufolge allerdings der
höchste Wert seit 2001. Nach den vorläufigen Zahlen gehen
nach Angaben des Innenministeriums die rechtsextremistischen
Gewaltdelikte zurück. Bis November 2006 wurden 63 Fälle
registriert, im Jahr davor waren es insgesamt 86 Straftaten.
In Niedersachsen ist die Zahl rechtsextremer Propagandadelikte wie das
Zeigen von Hakenkreuzen oder das Grölen verfassungswidriger
Parolen im vergangenen Jahr angestiegen. «Insgesamt hat sich die
Zahl rechtsextremer Straftaten erhöht», sagte eine
Sprecherin des Landesamtes für Verfassungsschutz. Nach Angaben des
Innenministeriums gab es 2006 im Vergleich zu den Vorjahren auch mehr
rechtsextreme Demonstrationen. Die Zahl rechter Gewalttaten sei dagegen
weniger stark angestiegen.
Eine neue rechtsextreme Gruppe, die sich von der Kleidung kaum von
Linksautonomen unterscheidet, ist unterdessen im Visier des
Bundesverfassungsschutzes. Es gehe um ein «ernst zu nehmendes
Phänomen», sagte eine Sprecherin der Behörde in
Köln und bestätigte damit einen Bericht der
«Frankfurter Rundschau». Die so genannten «Autonomen
Nationalisten» (AN) seien «immer bereit, gewaltsam gegen
Polizisten oder Gegendemonstranten zu agieren». Wie das Blatt
berichtete, sind relevante AN-Gruppen bislang vor allem in Berlin,
München und im Ruhrgebiet aufgetaucht.
(Quelle: dpa)
Entwicklungsministerium plant Freiwilligendienst im Ausland
Sa.06.01.07 - Das Bundesentwicklungsministerium will für junge Deutsche einen
Freiwilligendienst in Entwicklungsländern einführen.
Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) kündigte in einem
Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" an, mit Mitteln aus
ihrem Ministerium sollten mittelfristig bis zu 10.000 Plätze bei
Nichtregierungsorganisationen und privaten Trägern gefördert
werden. "Wir bekommen jeden Tag Anfragen von Jugendlichen, die etwas
tun wollen. Wir wollen diesen Wunsch, sich zu engagieren, aufnehmen",
sagte Wieczorek-Zeul. Der neue Dienst soll im Januar 2008 starten und
kann zwischen drei und 24 Monaten dauern.
Die Jugendlichen können mit dem Dienst nach Ansicht von
Wieczorek-Zeul "eine wichtige Hilfe in Ländern leisten, wo sie
wirklich gebraucht werden. Die Erfahrung wird auch für ihre eigene
Zukunft wichtig sein." Das Angebot werde sich an junge Menschen
zwischen 18 und 28 Jahren richten, kündigte die Ministerin an.
Während ihres Einsatzes im entwicklungspolitischen
Freiwilligendienst sollen sie den Plänen zufolge monatlich 580
Euro für Unterkunft, Verpflegung, Versicherungen und Taschengeld
erhalten. Zudem sollen die Kosten der Krankenversicherung
übernommen werden.
Dadurch solle vor allem Jugendlichen aus einkommensschwachen Familien
ermöglicht werden, sich im Ausland zu engagieren, sagte ein
Sprecher des Entwicklungsministeriums. Bisher müssen Jugendliche
die Kosten für ihr Engagement häufig selbst tragen. Das
Ministerium rechnet nach "SZ"-Angaben mit Gesamtkosten in Höhe von
etwa 70 Millionen Euro. Der Start des neuen Dienstes sei für
Anfang 2008 geplant, im ersten Halbjahr 2007 wolle das Ministerium mit
Verbänden Vorabsprachen treffen, sagte der Sprecher.
(Quelle: afp)
Gesamtmetall mahnt maßvolle Tarifabschlüsse an
Sa.06.01.07 - Die Metall-Arbeitgeber haben die Gewerkschaftsforderung nach
höheren Lohnzuschlägen zurückgewiesen. «Es gibt
überhaupt keinen Grund, den Betrieben jetzt einen
größeren Zuwachs bei den Lohnkosten aufzuladen, als in dem
außergewöhnlichen Jahr 2006», sagte
Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser der «Frankfurter
Rundschau» (Samstagausgabe). Zur Begründung sagte der
Gesamtmetall-Chef, dass sich die konjunkturelle Entwicklung in der
Metall- und Elektroindustrie 2007 verlangsamen werde.
Nach einem Produktionswachstum von rund sechs Prozent im vergangenen
Jahr rechnet Gesamtmetall laut Kannegiesser nur noch mit einem Plus von
drei bis 3,5 Prozent. Die IG Metall will in der kommenden Tarifrunde
mehr Geld fordern als 2006. Damals verlangte sie fünf Prozent und
setzte drei Prozent durch. Jetzt ist eine Forderung von bis zu sieben
Prozent im Gespräch. Eine endgültige Entscheidung trifft die
Gewerkschaft im Februar.
Kannegiesser forderte, in der Tarifrunde Augenmaß zu halten:
«Wir dürfen auf keinen Fall unsere internationale
Wettbewerbsfähigkeit durch einen zu hohen Abschluss aufs Spiel
setzen», sagte er dem Blatt. In der Metall- und Elektroindustrie
seien 2006 erstmals seit langem wieder neue Arbeitsplätze
entstanden. Sein Verband rechne mit mehr als 30.000 zusätzlichen
Stellen. Ob sich dieser Prozess fortsetze, hänge auch von der
Tarifrunde ab: «Ich hoffe, dass sich die Betriebe nicht von dem
Getöse über höhere Löhne verunsichern lassen und
geplante Investitionen überdenken.»
(Quelle: ap)
Telekom-Beschäftigte müssen mit Einschnitten rechnen
Sa.06.01.07 - Die Beschäftigten des Telekom-Konzerns müssen mit
Einschnitten rechnen: Vorstandschef René Obermann fasst
Kürzungen bei den Gehältern und anderen Leistungen der
Beschäftigten ins Auge. Im Vergleich zu anderen Firmen und Branchen
biete die Deutsche Telekom "immer noch komfortable Rahmenbedingungen
und eine gute Bezahlung", erklärte Obermann in einem Brief an die
Beschäftigten, von dem AFP eine Kopie vorliegt. Dies werde "nicht
so bleiben können, weil wir unsere Kosten dringen senken
müssen. Leider eben auch unsere Personalkosten."
Damit die Telekom möglichst vielen Menschen ein langfristige
Beschäftigungsperspektive sichern könne, müsse sie
"deutlich produktiver werden und von einigen Gewohnheiten Abschied
nehmen, um so die Kosten pro Arbeitsstunde zu senken", betonte Obermann.
Die Deutsche Telekom hat derzeit weltweit 250.000 Beschäftigte,
davon 180.000 in Deutschland. Anfang des vergangenen Jahres hatte das
ehemalige Staatsunternehmen ein Programm zum Abbau von 32.000 Stellen
eingeleitet, das 2008 abgeschlossen werden soll.
In seinem Brief zeichnete Obermann ein düsteres Bild von der
aktuellen Lage der Telekom. Es sei nicht zu erwarten, dass sich der
Verlust von Festnetzkunden kurzfristig stoppen lasse. Dieser Trend
könne sich "kurzfristig sogar verschärfen". Ihre
größten Anstrengungen werde die Deutsche Telekom auf den
Ausbau des Breitbandgeschäfts richten. "Darin liegt unsere Chance
auf Wachstum", betonte der Vorstandschef. Obermann hatte im November
Kai-Uwe Ricke an der Spitze des Unternehmens abgelöst.
(Quelle: afp)
SPD setzt auf soziales Profil
Sa.06.01.07 - Im Ringen um ein schärferes Profil setzt die SPD nun auf
sozialpolitische Akzente. «Wir wollen im neuen Jahr in die
Offensive kommen», kündigte Generalsekretär Hubertus
Heil im Gespräch mit der «Frankfurter Rundschau»
(Samstagausgabe) an. So solle der «vorsorgende Sozialstaat»
zum Leitbegriff im neuen Grundsatzprogramm der SPD werden,
erklärte Heil vor der am (heutigen) Samstag in Bremen beginnenden
Klausurtagung des Parteivorstandes.
Ziel des vorsorgenden Sozialstaats sei, große Lebensrisiken
weiterhin solidarisch abzusichern und eine gerechte Teilhabe für
alle zu ermöglichen, sagte der SPD-Generalsekretär. Die
Sozialversicherungen müssten die tragende Säule des Systems
bleiben, sollten aber schrittweise stärker über Steuern
finanziert werden. Der Generalsekretär gestand ein, dass das Jahr
2006 «nach all den Personalwechseln» dazu gedient habe, die
Partei zu stabilisieren. Im neuen Jahr wolle die SPD wieder «in
die Offensive kommen». Als erstes Angriffsfeld habe sie sich nun
für die Sozial- und Arbeitsmarktpolitik entschieden.
(Quelle: ap)
Auch die FDP will sich verstärkt sozialen Themen zuwenden
Sa.06.01.07 - Der Generalsekretär der Liberalen, Dirk Niebel, sagte vor dem
traditionellen Dreikönigstreffen der Liberalen am (morgigen)
Samstag in Stuttgart: «Wir müssen deutlich machen, unsere
Politik führt zu besseren sozialen Ergebnissen.» Die Partei
müsse in der Vermarktung besser werden. FDP-Chef Guido Westerwelle
erklärte, seine Partei wolle sich inhaltlich verbreitern.
Der Vorwurf, die Liberalen kümmerten sich nicht um sozial
Schwache, nannte der Parteivorsitzende töricht. Westerwelle
kündigte auch an, dass die FDP ihr Wählerpotenzial im
zweistelligen Bereich etablieren wolle, ohne jedoch eine konkrete
Prozentzahl anzustreben.
Westerwelle sagte den «Stuttgarter Nachrichten»:
«2007 wird ein Jahr der inhaltlichen Verbreiterung der Liberalen
sein. Wir wollen neue Bevölkerungskreise gewinnen.» Den
Vorwurf der sozialen Kälte wies er zurück. «Die sozial
Schwächsten brauchen nicht nur das Herz, sondern zuallererst den
Verstand von Politikern.» Sonst versickere immer mehr Geld im
Sozialetat, von dem die Faulen profitierten. Die wirklich
Bedürftigen aber gingen leer aus.»
Der FDP-Partei- und Fraktionschef hatte bereits am Donnerstag in Berlin
eine Grundsatzrede für das Dreikönigstreffen
angekündigt, in der nicht nur wirtschaftliche Fragen, sondern auch
die Sozialpolitik dominieren solle. Beide Themen seien eng miteinander
verwoben. Dabei betonte er, dass er mit Sozialpolitik nicht staatliche
Umverteilung meine, sondern die Übernahme persönlicher
Verantwortung der Bürger. Den anderen Parteien warf er vor, die
Mittelschicht und die Leistungsträger der Gesellschaft zu
vergessen.
Der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum forderte von seiner
Partei ebenfalls ein schärferes soziales Profil. Die FDP habe
«in den Augen der Wähler keine oder wenig sozialpolitische
Kompetenz», sagte Baum im Bayerischen Rundfunk. Die
Oppositionszeit müsse dazu genutzt werden, das programmatische
Spektrum zu erweitern. Er mahnte auch ein «schärferes
außenpolitisches Profil» an.
Die baden-württembergische FDP-Chefin Birgit Homburger warf der
großen Koalition mangelnden Reformwillen vor. Homburger sagte am
Freitag am Rande des Landesparteitags, bei der Sanierung der
Staatsfinanzen gebe es keine großen Fortschritte. Die
Neuverschuldung müsse stärker gesenkt werden. CDU und SPD
hätten zudem bislang die Probleme bei der Pflegeversicherung nicht
in Angriff genommen. Homburger kritisierte auch die Steuerpolitik von
CDU und SPD in Berlin. «Die große Koalition ist nur in
einem groß: dem Abzocken der Bürger», rief sie.
In einem Leitantrag fordern die Südwest-Liberalen, sich
stärker um die Integration von Ausländern zu kümmern.
Die Betroffenen sollen nach dem Willen der FDP auch einen eigenen
Beitrag zur Eingliederung leisten, indem sie die deutsche Sprache
lernen, die Demokratie anerkennen und sich nicht abschotten.
(Quelle: ap)
SPD in Wiesbaden vergisst Anmeldung ihres OB-Kandidaten
Sa.06.01.07 - Peinliche Schlappe für die SPD in Wiesbaden: Die Sozialdemokraten
in der hessischen Landeshauptstadt haben verschludert, ihren
Spitzenkandidaten für die Oberbürgermeisterwahl im März
beim Wahlleiter anzumelden. Bis zum Ende der Registrierungsfrist sei
der SPD-Bewerber Ernst-Ewald Roth nicht gemeldet worden, sagte ein
Sprecher der Stadt. Da es sich um eine Ausschlussfrist handelt,
könne Roth auch nicht mehr nachgemeldet werden. Die Gründe
für den eklatanten Fehler standen zunächst nicht fest.
Für die Oberbürgermeisterwahl am 11. März sind nun nur
vier Kandidaten von CDU, Grüne, Linker Liste,
Bürgerrechtsbewegung Solidarität sowie der parteilose Hartmut
Schrader registriert. Sie bewerben sich um die Nachfolge von CDU-OB
Hildebrand Diehl, der aus Altersgründen ausscheidet. Als
Konsequenz aus der Panne trat der gesamte Vorstand des SPD-Unterbezirks
Wiesbaden um den Vorsitzenden Marco Pighetti zurück. Wie es bei
den Sozialdemokraten dort nun weitergehen soll, ist noch offen. Am
kommenden Montag wollen die zuständigen Gremien beraten.
Der Wahlkampf des ehemaligen katholischen Stadtdekans und Priesters
Roth hatte indirekt sogar bundesweit Schlagzeilen gemacht: SPD-Chef
Kurt Beck hatte am Rande eines Auftritts mit Roth dem Arbeitslosen
Henrico Frank empfohlen, sich zu waschen und zu rasieren, damit er auch
wieder Arbeit finde. Die Aussagen hatten Proteste von
Arbeitsloseninitiativen und eine tagelange Debatte ausgelöst.
Roths Kandidatur selbst war ebenfalls lange umstritten: Der Limburger
Bischof Franz Kamphaus entband den Geistlichen wegen der Kandidatur von
der Ausübung des priesterlichen Dienstes.
(Quelle: afp)
Klimaerwärmung: Nordsee-Fischen bleibt der Sauerstoff weg
Sa.06.01.07 - Wärmere Temperaturen in den Sommermonaten rauben den Fischen der
Nord- und Ostsee den Sauerstoff zum Atmen und bedrohen sie dadurch in
ihrem Bestand. Das berichten Hans-Otto Pörtner und Rainer Knust vom
Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in
Bremerhaven im Journal «Science» (Bd. 315, S. 95).
Bei steigender Wassertemperatur verschlechtere sich die
Sauerstoffversorgung der Fische und breche schließlich zusammen.
Die Forscher zeigen damit erstmals einen direkten Zusammenhang zwischen
steigenden Temperaturen - etwa durch den Klimawandel -, dem
resultierenden Sauerstoffmangel und Veränderungen der
Bestandsdichte von Fischen.
Pörtner und Knust verglichen Daten aus dem deutschen Wattenmeer
mit Laboruntersuchungen an Aalmuttern (Zoarces viviparus). Diese Art
gilt als so genannter Bioindikator und erlaubt auch
Rückschlüsse auf andere Fischarten der Nord- und Ostsee. Die
Forscher fanden ein geringeres Wachstum und höhere Sterblichkeit
der Aalmuttern in warmen Sommern mit Wassertemperaturen von mehr als 17
Grad Celsius.
Von 21 Grad Wassertemperatur an konnten die Fische nur noch kurzzeitig
überleben, berichten die Forscher. Außer der Temperatur sei
daher auch die Dauer, für die die Aalmuttern dem warmen Wasser
ausgesetzt sind, von Bedeutung. Zudem verringern warme Sommer die
Fruchtbarkeit der Tiere und wirken sich so auch auf die folgenden
Jahrgänge aus, vermuten Pörtner und Knust.
Grund für die tödliche Wirkung des warmen Wassers sind seine
physikalischen Eigenschaften: Je höher die Temperatur, desto
weniger Sauerstoff kann Wasser aufnehmen. Dadurch steht den Fischen bei
höheren Temperaturen weniger Sauerstoff zur Verfügung und sie
drohen zu ersticken.
Innerhalb der vergangenen 40 Jahre ist die Wassertemperatur in der
Deutschen Bucht um 1,13 Grad gestiegen, wie Pörtner und Knust
erklären. In den nächsten 100 Jahren sei mit einem weiteren
Anstieg um bis zu 3 Grad in der nördlichen und bis zu beinahe 4
Grad in der südlichen Nordsee zu rechnen.
(Quelle: dpa)