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Irak am neunhundertzweiundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Iraks Regierung sagt Gewalt in Bagdad den Kampf an - Irakische Soldaten töten 30 Aufständische. US-Soldaten sollen in Haditha fünf Taxi-Kunden erschossen haben

So.07.01.07 - Die irakischen Streitkräfte unternehmen einen neuen Versuch, die Gewalt in Bagdad in den Griff zu bekommen. Der Sicherheitsplan für die Hauptstadt sei fertig, sagte Ministerpräsident Nuri al-Maliki am Samstag. Zu dessen Umsetzung seien die irakischen Streitkräfte auf Unterstützung von Seiten der multinationalen Truppen angewiesen. Noch am Wochenende werde damit begonnen, die Aufständischen Stadtviertel für Stadtviertel zu bekämpfen, erklärten ranghohe Berater Al-Malikis.

Die irakische Armee hat in Bagdad bei einem Feuergefecht 30 Aufständische getötet. Das berichtet das staatliche Fernsehen. Mehrere Kämpfer seien festgenommen worden.

Bei zwei neuen Autobombenanschlägen in Bagdad kamen vier Menschen ums Leben. Im Stadtteil Dora explodierte ein Auto in der Nähe einer Tankstelle. Drei Menschen wurden nach Polizeiangaben getötet, vier wurden verletzt. Ein weiterer Anschlag im Viertel Karrada kostete einen Passanten das Leben, sechs Menschen erlitten Verletzungen. Ziel dieses Anschlags war der Konvoi eines ranghohen Polizisten, wie ein Behördensprecher erklärte. Unter den Verletzten waren drei Leibwächter von Generalmajor Ali al Jassiri, dieser blieb unverletzt.

Wenige Stunden zuvor explodierte nach Polizeiangaben im Osten der Stadt eine am Straßenrand versteckte Bombe, dabei wurde eine Zivilperson verletzt. Im südirakischen Hilla erschossen Unbekannte ein ehemaliges Mitglied der Baath-Partei. Bei einem Bombenanschlag auf einen Militärkonvoi in Basra wurde ein britischer Soldat verletzt.

Bei Razzien töteten US-Soldaten in Bagdad am Samstag vier Iraker. Die Verdächtigen flüchteten in ein Gebäude und wurden erschossen, wie die Streitkräfte mitteilten. Eine fünfte Person sei festgenommen worden. Die Einsätze richteten sich gegen mutmaßliche Hersteller von Sprengsätzen.

Im Zuge des erwarteten Kurswechsels in der amerikanischen Irak-Politik wechselt US-Präsident George W. Bush die führenden Generäle in der Golfregion aus. John Abizaid, der oberste US-Kommandeur im Mittleren Osten, soll von Admiral William Fallon ersetzt werden, der zurzeit die Pazifik-Flotte kommandiert. George Casey, der Stabschef im Irak, soll von Generalleutnant David Petraeus abgelöst werden, wie das Weiße Haus am Freitag weiter mitteilte. Petraeus war federführend am Ausbildungsprogramm für irakische Sicherheitskräfte beteiligt.

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte sich angesichts der Reaktionen auf die Hinrichtung von Expräsident Saddam Hussein besorgt über die weitere Entwicklung im Irak. «Sicherlich besteht das Risiko, dass diese Exekution an einem islamischen Feiertag und ihre mediale Verbreitung die Grundlagen dafür schaffen, Saddam Hussein zu einem Märtyrer für seine Anhänger zu machen», sagte Steinmeier laut «Bild am Sonntag».

Während des mutmaßlichen Massakers in der irakischen Stadt Haditha im November 2005 haben amerikanische Soldaten einem Bericht zufolge auch fünf wehrlose Insassen eines Taxis getötet. Die «Washington Post» schrieb am Samstag unter Berufung auf einen Ermittlungsbericht, ein Marineinfanterist habe das Fahrzeug gestoppt und die fünf Passagiere aussteigen lassen. Anschließend habe er die unbewaffneten Iraker nacheinander erschossen. Ein zweiter Soldat habe Schüsse abgegeben, als die Opfer bereits am Boden gelegen hätten. Den US-Marineinfanteristen wird vorgeworfen, in Haditha nördlich von Bagdad am 19. November 2005 bis zu 24 irakische Zivilpersonen willkürlich erschossen zu haben

(Quellen: ap, dpa)


 

 

Blick ins Archiv:

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Chronologie des Irak-Kriegs:

Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01. 2006 bis 07.01.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
 
 


Vor einem Jahr:
 
Irak am fünfhundertachtundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Sa.07.01.06 - Tausende Schiiten protestieren in Bagdad gegen Terror +++ An einem Tag elf US-Soldaten bei Anschlägen getötet. Seit Kriegsbeginn sind mindestens 2.194 Angehörige der US-Truppen im Irak ums Leben gekommen +++ US-Präsident spricht von 'verdammt guten Fortschritten' im Irak +++ Bush berät mit Kritikern über Irak-Strategie... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0601070.htm#news

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919 Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.

Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine verlässlichen Angaben. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp
 
 

 


 


 

Nahost-Konflikt

Krise zwischen Abbas und Palästinenserregierung verschärft.  Palästinenserpräsident fordert Eingliederung von Hamas-Truppe in Sicherheitskräfte

So.07.01.07 - Der Konflikt zwischen Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und der regierenden radikalislamischen Hamas um deren Sicherheitskräfte spitzt sich zu: Abbas erklärte, die Hamas-Sicherheitstruppe sei "illegal" und werde als solche behandelt werden, wenn sie nicht unverzüglich in die rechtmäßigen Sicherheitskräfte eingegliedert werde. Die Hamas warnte daraufhin davor, gegen ihre bewaffnete Truppe vorzugehen. Diese soll nach Angaben eines Sprechers im Laufe der kommenden Woche um gut das Doppelte auf insgesamt 12.000 Mann aufgestockt werden. Die Entscheidung sei in Absprache mit Innenminister Said Siam getroffen worden.

Ein Sprecher des palästinensischen Innenministeriums bezeichnete Abbas' Ankündigung als "übereilt". Jegliches "Antasten" der Hamas-eigenen Truppe werde eine "gewaltsame Antwort" nach sich ziehen. Ein Sprecher der derzeit 5500 Mann umfassenden Truppe sagte, die Verdoppelung werde "vom palästinensischen Volk gefordert". Sie habe nichts mit der Entscheidung Abbas' zu tun. Ein ranghohes Fatah-Mitglied wandte sich scharf gegen die Aufstockung. Dahinter stecke der "Plan, noch mehr politische Verbrechen zu begehen", sagte er.

Beobachter befürchteten eine Ausweitung der Kämpfe zwischen den bewaffneten Formationen der Hamas von Ministerpräsident Ismail Hanija und denen von Abbas' Fatah. Vermummte bewaffnete Männer verschleppten derweil nach Angaben von palästinensischen Sicherheitsdiensten zwei führende Hamas-Politiker. Der Kabinettsdirektor des Innenministeriums, Ihab Suleiman Ghaidhan, wurde eine Stunde später in Ramallah mit drei Schussverletzungen an den Beinen aufgefunden und ins Krankenhaus eingeliefert. Bei dem anderen Entführungsopfer handelte es sich um den stellvertretenden Bürgermeister von Nablus, Mehdi Hambali.

In Gaza verschleppte eine bewaffnete Gruppe fünf Hamas-Mitglieder. In Dschabalija im nördlichen Gazastreifen wurde das Haus des Hamas-Abgeordneten Jussef el Ischrafi in Brand gesteckt. Die Tat erfolgte als Reaktion auf die Tötung eines Fatah-Offiziers wenige Tage zuvor.

Bei bewaffneten Kämpfen zwischen zwei großen Familienclans in Gaza wurden nach Angaben von Ärzten und Augenzeugen drei Palästinenser getötet und neun verletzt. Die Kämpfe ereigneten sich in der Nähe des Hauses von Außenminister Mahmud Sahar.

Bei erneuten innerpalästinensischen Ausschreitungen waren am Mittwoch und Donnerstag 13 Anhänger oder Mitglieder von Hamas und Fatah getötet worden. Allein am Donnerstag wurden 60 Menschen verletzt, darunter zehn Kinder.

(Quelle: afp)
 


 

UN: Zehntausende weitere Flüchtlinge im Tschad

So.07.01.07 - Im Osten des Tschad sind wegen der anhaltenden Gewalt mittlerweile mehr als 300.000 Menschen auf der Flucht.

Nach UN-Angaben vom Freitag verließen alleine in den vergangenen zwei Wochen weitere 20.000 Menschen aus Angst ihre Dörfer in dem zentralafrikanischen Land, nachdem sie auch von Rebellen aus dem Nachbarland Sudan angegriffen wurden. Insgesamt waren damit über 100.000 Bürger des Tschad auf der Flucht. Hinzu kamen 230.000 Sudanesen, die aus der sudanesischen Unruheprovinz Darfur über die Grenze in den Tschad geflohen sind. Sie sind dort nahe der Grenze in mehreren Flüchtlingslagern untergekommen.

Nach den seit Monaten anhaltenden Kämpfen im Osten des Tschad hatten sich die Regierung und ein Teil der Rebellen um Weihnachten zwar auf ein Friedensabkommen geeinigt. Andere Aufständische kündigten jedoch an, den Kampf fortsetzen zu wollen. Bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen sind bereits zahlreiche Menschen getötet worden. Die Vereinten Nationen (UN) warnten zuletzt vor einer Verschlimmerung der Lage gerade für die Zivilbevölkerung.

(Quelle: rtr)
 


 

Mehr als 40 Menschen von Rebellen im Nordosten Indiens erschossen

So.07.01.07 - Bei etwa zehn Überfällen im Nordosten Indiens haben mutmaßliche Separatisten mindestens 42 Wanderarbeiter erschossen. Rund 20 weitere Menschen wurden bei den Angriffen verletzt, wie die Behörden mitteilten. Demnach überrannten Bewaffnete in der Nacht zum Samstag eine Schlafstätte für Wanderarbeiter in der entlegenen Stadt Sadiya im Unionsstaat Assam und erschossen 13 Menschen im Schlaf. Ähnlichen Überfällen am Freitag fielen in derselben Region mindestens 29 Menschen zum Opfer.

Die Polizei machte Rebellen der Vereinigten Befreiungsfront von Asom (ULFA) für die Taten verantwortlich. Die ULFA kämpft seit ihrer Gründung 1979 für die Unabhängigkeit des Unionsstaats Assam. Ihr wurden schon zahlreiche Anschläge zur Last gelegt, doch markierten die jüngsten Überfälle nach Behördenangaben eine deutliche Eskalation der Gewalt. Am Samstag detonierte auch ein Sprengsatz in einem Zug auf der Fahrt von Neu-Delhi nach Assam. Menschen kamen dabei nicht zu Schaden.

(Quelle: ap)
 


 

Belgrad bleibt in Sachen Kosovo hart

So.07.01.07 - Der serbische Regierungschef Vojislav Kostunica hat die Bürger seines Landes zur Verteidigung der abtrünnigen südlichen Provinz Kosovo aufgerufen. «Kosovo geben wir nicht her», schrieb Kostunica am Samstag in einer zweiseitigen Anzeige in der Belgrader Zeitung «Politika».

«Es ist noch kein Serbe geboren worden, der Kosovo aufgeben würde», heißt es weiter. «Bürger Serbiens, niemand kann geteilter Meinung in Sachen Kosovo sein», denn «so lange Serbien besteht, wird Kosovo, dieser erste Buchstabe im geistigen Alphabet des serbischen Volkes, ein Teil Serbiens sein».

«Es muss über jeden Zweifel erhaben, unannehmbar und unmöglich sein, dass die international anerkannten Grenzen gegen den Willen Serbiens geändert werden» und Belgrad so auf 15 Prozent seines Territoriums verzichten muss, verlangte Kostunica weiter. «Kosovo müssen wir gemeinsam und einhellig verteidigen, jeder Bürger, das ganze Volk.» «Denn wir würden dann nicht nur Kosovo, sondern Serbien und seine Identität verlieren und uns damit selbst vernichten.»

Der UN-Kosovo-Vermittler Martti Ahtisaari will Ende Januar die Pläne für die staatsrechtliche Zukunft der fast nur noch von Albanern bewohnten Provinz vorlegen. Empfohlen werden dürfte die eingeschränkte Souveränität Kosovos unter Aufsicht der Europäischen Union (EU). Kosovo wird sei 1999 von den Vereinten Nationen verwaltet, nachdem NATO-Bomben die Massenvertreibungen von Albanern durch serbisches Militär und Paramilitär gestoppt hatten.

(Quelle: dpa)
 


 

Deutschland

SPD will Steuergutschriften für Geringverdiener - DGB fordert Neuordnung des Niedriglohnbereiches

So.07.01.07 - Mit Steuergutschriften will die SPD mehr Jobs im Niedriglohnbereich schaffen. SPD-Chef Kurt Beck kündigte am Samstag auf der Klausurtagung seiner Partei in Bremen «ergänzende Impulse» für den Arbeitsmarkt an. Verschiedene Modelle würden nun geprüft. Ziel sei, dass es mehr Anreize für die Aufnahme einer gering bezahlten Beschäftigung geben müsse. DGB-Chef Michael Sommer verlangte eine komplette Neuordnung des Niedriglohnbereiches.

In der «Bremer Erklärung», die der Vorstand am Nachmittag einstimmig verabschiedete, wird auch ein sozialer Arbeitsmarkt für Menschen gefordert, die auf dem freien Markt keine Chance mehr haben. Die SPD verspricht sich davon 100.000 Stellen.

Ein eindeutiges Bekenntnis geben die Sozialdemokraten auch zum Mindestlohn ab. SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte: «Für die SPD-Fraktion und die Partei ist klar, dass wir einen Mindestlohn fordern werden.» Dem von der CDU favorisierten Kombilohnmodell für den Niedriglohnbereich erteilte er eine Absage. Das werde nicht die Zustimmung der SPD finden, sagte Struck. Auch Sommer mahnte im SWR die Einführung einer unteren Lohngrenze an.

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil bekräftigte, tarifvertragliche Lösungen und eine Ausweitung des Entsendegesetzes hätten für die SPD Vorrang. Aber die SPD stehe für existenzsichernde Löhne. «Daran halten wir fest.»

Nach dem SPD-Vorstoß sollen Geringverdiener, die mehr als 30 Stunden in der Woche arbeiten, künftig ein existenzsicherndes Einkommen erzielen, das über dem Niveau des Arbeitslosengeldes II liegt. Das Modell einer solchen «negativen Einkommensteuer» wird von der SPD «Bonus für Arbeit» genannt und ist von dem Wirtschaftsweisen Peter Bofinger ausgearbeitet worden.

Bis Ende Februar sollen die finanziellen Auswirkungen der Pläne für den Niedriglohnbereich errechnet werden. Beck sagte, derzeit werde geprüft, ob sich die Vorschläge der SPD in der Koalition realisieren ließen. Arbeitsminister Franz Müntefering machte klar, dass es zu Änderungen bei den Zuverdienstgrenzen für Langzeitarbeitslose kommen werde. Die 400-Euro-Jobs sollten aber bestehen bleiben. Müntefering will im Frühjahr die Vorstellungen der Koalition für den Niedriglohnbereich präsentieren. Eine Koalitionsarbeitsgruppe konnte sich bislang nicht auf gemeinsame Vorschläge einigen.

Auch von den Jusos kam Zustimmung zu dem Vorstoß am Arbeitsmarkt. Juso-Chef Björn Böhning sagte: «Ich begrüße den Vorschlag sehr, um den Wildwuchs im Niedriglohnbereich zu beseitigen.»

Außerdem verabschiedete der Parteivorstand den Entwurf für ein neues Parteiprogramm, das im Oktober auf einem Parteitag in Hamburg beschlossen werden soll. Darin bekennen sich die Sozialdemokraten zur konsequenten Erneuerung der sozialen Marktwirtschaft. Als Leitbild für das 21. Jahrhundert wird der vorsorgende Sozialstaat beschrieben. Am Ziel der Vollbeschäftigung wird ebenso wie an einer fairen Mitbestimmung der Arbeitnehmer festgehalten. Außerdem tritt die SPD für eine «neue Kultur der Selbstständigkeit» ein und will sich verstärkt um die Leistungsträger der Gesellschaft bemühen. Das neue Grundsatzprogramm würde das aus dem Jahr 1989 stammende «Berliner Programm» abgelösen.<

(Quelle: ap)
 


 

DIHK lehnt gesetzlichen Anspruch auf Auszeit für Pflege ab

So.07.01.07 - Aus der deutschen Wirtschaft kommt Widerstand gegen den Plan der großen Koalition, Arbeitnehmern zur Pflege von Angehörigen die Freistellung von der Arbeit zu ermöglichen. Es sei "unnötig und kontraproduktiv", eine solche Pflegezeit per Gesetz zu garantieren, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Ludwig Georg Braun, der "Wirtschaftswoche". Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollten die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf selbst regeln. "Schon heute ermöglichen mehr als ein Drittel aller Unternehmen ihren Mitarbeitern Auszeiten zur Pflege", sagte Braun.

Die bei den Industrie- und Handelskammern organisierten Unternehmen sprechen sich dem Bericht zufolge mit breiter Mehrheit gegen eine gesetzliche Regelung aus. Hauptkritikpunkt der Wirtschaft ist demnach, dass sich anders als bei der Elternzeit weder Eintritt noch Dauer der Pflegezeit kalkulieren lassen.

Die große Koalition will mit der Pflegereform die ambulante gegenüber der stationären Pflege stärken. Bund und Länder sind sich in dem Ziel einig, eine "Pflegezeit" für Angehörige einzuführen, die zu Hause pflegen wollen. Sie könnten dann vermutlich unbezahlten Sonderurlaub nehmen. Ab April soll im Gesundheitsministerium die Arbeit an einem Gesetzentwurf beginnen, der im Herbst im Bundestag beraten werden könnte. Die Reform soll ab 2008 gelten.

(Quelle: afp)
 


 

Elterngeld fällt laut 'Focus' vielfach niedriger aus als erwartet

So.07.01.07 - Viele Paare werden weniger Elterngeld bekommen als erwartet. Daran hat das Magazin «Focus» erinnert. Grund sei ein kaum beachteter Passus im Gesetz, der die neue Leistung zunächst mit dem Mutterschaftsgeld verrechnet. Arbeitnehmerinnen erhielten dadurch in der Regel erst vom dritten Monat an das neue Elterngeld. Anschließend hätten sie nur noch höchstens zehn Monate Anspruch auf Elterngeld, bestätigte das Bundesfamilienministerium dem «Focus». Zwei weitere Monate würden nur dann finanziert, wenn der Partner zu Hause bleibe.

(Quelle: dpa)
 


 

Künast kündigt neue Familienpolitik der Grünen an

So.07.01.07 - Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Renate Künast, hat eine neue Familienpolitik ihrer Partei angekündigt. "Die grüne Sicht auf Familie hat sich verändert", sagte Künast der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Dazu gehöre ein positives Verständnis der Kleinfamilie. "Die Orientierung auf die Kleinfamilie findet einfach statt", sagte die Grünen-Politikerin. Bislang hätten sich die Grünen nur mit Themen wie Kinderarmut und Bildungsnotstand beschäftigt. "Wir müssen den Familienbegriff neu bestimmen", sagte Künast.

Die Grünen dürften nicht länger nur Teilbereiche von Familienpolitik aussuchen, sondern müssten einen ganzheitlichen Ansatz entwickeln. Damit solle auf der Fraktionsklausur am Dienstag in Wörlitz begonnen werden. "Familie ist der Ort, an dem dauerhaft und verbindlich Verantwortung übernommen wird. Werte werden dort in einer Art und Weise vermittelt, wie es keine andere Institution in dieser Gesellschaft kann", umschrieb Künast die neue Sicht ihrer Partei auf die Familie.

(Quelle: afp)
 


 

Wissenschaft

Misshandlungen in der Kindheit haben Langzeitfolgen

So.07.01.07 - Eine deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit, an Depressionen zu erkranken, weisen Menschen auf, die als Kind vernachlässigt oder misshandelt wurden. Selbst wenn die schlimme Kindheit viele Jahre zurückliegt und betroffene Erwachsene ein scheinbar normales Leben führen, können Spätfolgen in Form von psychischen Störungen auftreten. Das hat nach einem Bericht der "Medical Tribune" eine Langzeitstudie ergeben.

Demnach trifft dies sowohl auf Menschen zu, die als Kind physisch oder psychisch misshandelt wurden. Nicht nur Schläge wirken sich negativ auf die kindliche Psyche aus, auch verbale Demütigungen und seelische Vernachlässigung können großen Schaden anrichten. Daher sollte eine entsprechende Behandlung misshandelter Kinder möglichst früh erfolgen und zudem nicht zu früh abgebrochen werden. Nur eine intensive Behandlung könne laut Studie spätere psychische Beschwerden bei den Betroffenen verhindern.

(Quelle: afp)
 


 

Technik

Verwirrende Signale aus dem All - Kleinere Bauteile machen Elektronik anfälliger

So.07.01.07 - Computer werden immer kompakter und leistungsstärker. Doch die Verkleinerung der elektronischen Schaltkreise wird zum Problem: Kosmische Strahlung, die den Maschinen früher kaum etwas anhaben konnte, erzeugt inzwischen auch auf der Erde immer mehr Fehler. Die meisten solcher Vorfälle bleiben unbemerkt und folgenlos. Experten halten schwere Unfälle inzwischen aber für möglich, wenn etwa die Steuerung eines Herzschrittmachers, eines Hochgeschwindigkeitszuges oder einer ABS-Bremse wegen des kosmischen Beschusses versagt.

Vor Millionen von Jahren von weit entfernten Gestirnen oder durch Eruptionen unserer eigenen Sonne ausgesendet, steht die Erde unter einem Dauerbeschuss durch Teilchen aus dem All. Dabei haben vor allem die Atomkerne, Protonen und Elektronen aus den Tiefen des Weltraums eine enorme Energie, denn sie sind auf ihrem langen Weg oft fast bis auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt worden.

In der Raumfahrt ist das Problem des "Weltraumwetters" schon lange bekannt. Satelliten sind dem Beschuss ohne Filter direkt ausgesetzt. 1994 führte dieser etwa zum Totalausfall des kanadischen Erdtrabanten ANIK. Elektronische Anlagen im All müssen deshalb durch besondere Abschirmungen geschützt werden. Auf der Erde werden seit den 40er Jahren Kraftwerksausfälle registriert, die allerdings meist Folge massiver magnetischer Stürme waren.

Denn mit dem Eintritt in die Erdatmosphäre werden einzelne Teilchen durch die Kollision mit dortigen Atomen nach und nach abgebremst. Auf der Erdoberfläche kommen deshalb nur wenige der Weltraumreisenden an: So wurden etwa auf Flughöhe von Langstreckenmaschinen noch 10.000 Neutronen pro Stunde und Quadratzentimeter gemessen, auf Meereshöhe dagegen nur zehn pro Stunde. "Nehmen Sie ihren Laptop und machen Sie einen Transatlantikflug", sagt Jean-Luc Autran vom französischen Wissenschaftszentrum CNRS. "Die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich hoch, dass er während ihrer Reise mindestens einmal ausfällt und Sie gezwungen sind, neu zu booten."

Auf der Erdoberfläche war das kein Problem, solange Computer noch mit relativ hohen Energien arbeiteten, die über denen noch ankommender kosmischer Teilchen lagen. Doch heute ist das anders: "Mit der Miniaturisierung von Computerteilen kann fortan jedes elektronische Gerät Opfer werden", sagt Autran. "Heute erreicht die Ladung, die durch das Phänomen verursacht wird, dieselbe Größenordnung wie die Ladung, durch die Informationen im Speicher festgehalten werden." Damit kann ein kosmisches Teilchen inzwischen aus einer Computer-Null eine Eins machen oder umgekehrt. "Die Verletzlichkeit der Schaltkreise wächst mit jeder Generation um den Faktor zwei", warnt Autran.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ausgerechnet ein entscheidender Schalter im Rechner umgestellt wird, ist relativ gering. Doch es kommt vor. Im Mai 2003 erwischte es beispielsweise eine Wahlmaschine im belgischen Schaerbeek. Sie zeigte 4096 Stimmen mehr an als bei einer Auszählung per Hand nachgewiesen wurden. Für die Ermittler war die Zahl ein Hinweis auf eine außerirdische Ursache des Problems: Denn 4096 ist die zwölfte Potenz von zwei und kann in Computern durch das Umlegen eines einzigen elektronischen Schalters erzeugt werden.

Weltraumwetter könne "durchaus zu Katastrophen führen", warnte die ESA schon vor einigen Jahren. "So wurden in Schweden durch Weltraumwettereffekte bedingte Fehlfunktionen von Eisenbahnsignalen beobachtet (...) Betroffen sind im Prinzip alle hochtechnisierten Teile einer Gesellschaft, wie die Telekommunikation, die Gas- und Ölindustrie, Energieversorgung und Verkehrswesen." Auch wenn die Hersteller sensibler Anlagen nicht gerne über das Problem reden, arbeiten sie deshalb inzwischen längst an wirksamen Abschirmungen. Und bislang blieb die Katastrophe aus dem All noch aus.

(Quelle: afp)
 


 

Festplatte mit einem Terabyte Speicher

So.07.01.07 - Die erste Festplatte mit einer Speicherkapazität von einem Terabyte stellt Hitachi auf der Computermesse CES in Las Vegas vor. Die "Deskstar 7K1000" gibt es in Variationen für verschiedene Computertypen - für Privatanwender-PCs ebenso wie für digitale Videorekorder sowie für Server. In der für PCs standardmäßigen Größe für den 3,5-Zoll-Einschub arbeitet sie mit der marktüblichen Geschwindigkeit von 7 200 Umdrehungen pro Minute, die maximale Datentransferrate beträgt dabei angeblich 1 070 Megabit pro Sekunde.

Die Ein-Terabyte-Festplatte - ein Terabyte sind 1 024 Gigabyte - kommt noch im ersten Quartal 2007 auf den Markt, ihr Preis soll um die 400 Euro liegen. Das entspricht 40 Cent pro Gigabyte. Die derzeit gängige Größe von 250 GB liegt bei etwa 33 Cent pro GB, größere Modelle liegen auf dem Niveau der Terabyte-Festplatte. Beim Einsatz für digitale Videorekorder bietet sie Platz für 250 Stunden Videomaterial in hochauflösender HD-Qualität oder 250 000 Musikdateien im MP3-Format, steht aber erst im zweiten Quartal 2007 zur Verfügung.

(Quelle: yahoo-Nachrichten)
 


 

'Total HD' soll Formatstreit zwischen Blu Ray und HD DVD beenden

So.07.01.07 - Mit der "Total HD" will das Hollywood-Studio Warner Brothers den Formatstreit zwischen der Blu-Ray-Disc und der HD DVD beenden. Die "Total HD", zitiert die New York Times einen Warner-Manager, sei ein so genannter Hybrid. Das heißt, das Speichermedium kann sowohl von HD-DVD- als auch von Blu-Ray-Laufwerken oder -Playern gelesen werden. Für den Anwender wäre diese Entwicklung ein Segen: Er ist bei seiner Wahl der Hardware nicht mehr nur auf ein Abspielmedium beschränkt.

Warner Brothers rechnet jedoch nicht damit, dass die beiden konkurrierenden Formate Blu Ray und HD DVD deshalb von der Bildfläche verschwinden würden. Sinn und Zweck der "Total HD" sei es vielmehr, den immer noch nicht in Schwung gekommenen Markt für die DVD-Nachfolge überhaupt anzukurbeln. Jetzt muss Warner nur noch andere Studios davon überzeugen, ihre Filme auf "Total HD" zu produzieren. Unterdessen will der Hardware-Hersteller LG in der kommenden Woche auf der Fachmesse "Consumer Electronics Show" (CES) in Las Vegas einen so genannten "Dual-Format-Player" vorstellen. Er soll sowohl Blu-Ray-Discs als auch HD DVDs abspielen können.

Die beiden rivalisierenden Unternehmenskonsortien von Blu Ray (Sony) und HD DVD (Toshiba) konnten sich bis heute nicht darauf einigen, welches der einzig wahre Nachfolgestandard der DVD sein soll. Also brachten sie ihre Entwicklungen samt Laufwerke und Player konkurrierend auf den Markt. Mit dem Effekt, dass Anwender, die sich für ein Blu-Ray-Laufwerk entscheiden, auch nur Blu-Ray-Discs kaufen können. Entsprechend gilt dieser indirekte Zwang für Käufer von HD-DVD-Hardware. Mit der "Total HD" und dem "Dual-Format-Player" würde es indes keine Rolle mehr spielen, für welche Technik sich die Anwender entscheiden.

(Quelle: yahoo-Nachrichten)
 
 
 
 

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