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Irak am neunhundertvierundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mehr als 17.000 Iraker im zweiten Halbjahr 2006 getötet.
US-Präsident Bush will 20.000 zusätzliche Soldaten in den
Irak schicken
Di.09.01.07 - Die Zahl der Gewaltopfer im Irak hat sich in der zweiten
Jahreshälfte 2006 nach einem Zeitungsbericht gegenüber dem
ersten Halbjahr auf über 17.000 verdreifacht. Dies berichtete die
US-Zeitung "Washington Post" unter Berufung auf einen nicht näher
genannten Mitarbeiter des irakischen Gesundheitsministeriums. Der
starke Anstieg der Opfer unter Zivilisten und irakischen
Sicherheitskräften von 5640 im ersten auf 17.310 im zweiten
Halbjahr habe auch durch den verstärkten Einsatz von US-Truppen
zur Stabilisierung der Sicherheitslage in der Hauptstadt nicht
verhindert werden können.
Dem Ministeriumsmitarbeiter zufolge ist die Statistik noch nicht
vollständig und könnte noch schlimmer ausfallen. Die
Gesamtzahl von 22.950 irakischen Opfern im Jahr 2006 übersteigt
laut Zeitungsbericht deutlich die vom Bagdader Verteidigungsministerium
am 1. Januar offiziell genannte Zahl von 13.896 getöteten
Zivilisten, Polizisten und Soldaten im Irak.
US-Präsident George W. Bush will nach Angaben aus seiner Partei
20.000 zusätzliche Soldaten in den Irak schicken. Die Truppen
sollen an den Schwerpunkten der Aufstandsbewegung in Bagdad sowie in
der westlichen Provinz Anbar eingesetzt werden. Diese Entscheidung soll
in einer Fernsehansprache Bushs in der Nacht zum Donnerstag mitgeteilt
werden.
Zur Vorbereitung seiner Rede traf Bush am Montag in Washington mit etwa
30 Kongressabgeordneten zusammen. Anschließend sagte der
republikanische Senator Gordon Smith, der Plan für eine
Truppenverstärkung von derzeit 140.000 auf 160.000 Mann gehe auf
den irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki zurück.
Bush sei darauf eingegangen, weil sich die Iraker zur Einhaltung
bestimmter Kriterien verpflichtet hätten.
Bushs Sprecher Tony Snow sagte, dass eine Truppenverstärkung nach
Einschätzung von Offizieren vor Ort zur Beruhigung der Lage im
Irak beitragen könnte. Damit werde auch der Tag näher
rücken, an dem die amerikanische Militärpräsenz im Irak
beendet werden könne. Snow sagte, dass Bushs
Vorwärtsstrategie auch politische, diplomatische und
wirtschaftliche Komponenten enthalte. Die Rede Bushs beginnt am
Mittwochabend um 21.00 Uhr Ortszeit (Donnerstag 03.00 Uhr MEZ) und soll
nach Angaben Snows etwa 25 Minuten dauern.
Zur Finanzierung des weiteren Einsatzes will das Weiße Haus den
Kongress um die Bewilligung von 100 Milliarden Dollar (76,9 Milliarden
Euro) bitten. Da inzwischen die oppositionellen Demokraten die
Kongressmehrheit stellen, ist mit heftigen Diskussionen zu rechnen. Die
meisten Demokraten treten für eine schrittweise Reduzierung der
Truppenstärke im Irak ein.
Einem Anschlag auf einen Bus sind am Montag in Bagdad neun Arbeiter zum
Opfer gefallen. Bewaffnete beschossen den Bus, der die Männer zum
Flughafen bringen sollte. Mindestens elf weitere Menschen wurden nach
Angaben eines Sanitäters bei dem Anschlag verletzt. Bei den Opfern
handelte es sich überwiegend um schiitische Muslime aus dem
Armenviertel Sadr City.
Bei der Explosion einer Bombe wurden am Montag im Südosten Bagdads
drei Polizisten verletzt, wie die Polizei erklärte.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 09.01.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Elf Häftlinge in Guantanamo im Hungerstreik
Di.09.01.07 - In Guantanamo befinden sich vor dem fünften Jahrestag der
Eröffnung des US-Gefangenenlagers elf Häftlinge im
Hungerstreik, mehr als doppelt so viele wie im Dezember. Fünf von
ihnen werden zwangsernährt, wie die Streitkräfte am Montag
mitteilten. Zwei der Streikenden begannen demnach bereits im August
2005, die Nahrungsaufnahme zu verweigern. Dem damaligen Streik hatten
sich 131 Häftlinge angeschlossen. Viele gaben auf, als das
Militär rigide Methoden der Zwangsernährung einführte.
Die USA halten in Guantanamo derzeit rund 400 Verdächtige fest,
denen Kontakte zum Terrornetzwerk Al Kaida oder den Taliban vorgeworfen
werden. Die ersten Häftlinge wurden am 11. Januar 2002 in das
Lager gebracht.
(Quelle: ap)
Bush und Barroso streben weiterhin Zwei-Staaten-Lösung in Nahost an
Di.09.01.07 - US-Präsident George W. Bush und EU- Kommissionspräsident
José Manuel Barroso wollen sich weiterhin gemeinsam für
eine Zwei-Staaten-Lösung im Nahen Osten einsetzen. Es gehe um eine
Lösung, bei der Israel und die Palästinenser friedlich
nebeneinander leben, sagten Bush und Barroso in Washington.
Gemeinsamkeiten gibt es auch bei der Krise in der westsudanesischen
Provinz Darfur. Die internationale Gemeinschaft müsse da mit einer
gemeinsamen Stimme sprechen, so beide Politiker.
(Quelle: dpa)
Amerikanischer Luftangriff auf Al-Kaida-Ziel in Somalia
Di.09.01.07 - Die US-Luftwaffe hat ein Ziel in Südsomalia angegriffen, in dem
sich mehrere mutmaßliche Mitglieder des Terrornetzwerks Al Kaida
aufgehalten haben sollen. An dem Angriff sei mindestens ein
Kampfflugzeug vom Typ AC-130 beteiligt gewesen, teilte ein
Regierungsbeamter am Montagabend in Washington mit.
An dem Ort des Luftangriffs soll sich nach Informationen des
Fernsensenders CBS auch der Ostafrika-Chef der Al Kaida befunden haben.
Außerdem richtete sich der Militärschlag den Angaben zufolge
gegen einen Mann, der 1998 an den Bombenanschlägen auf die
US-Botschaften in Kenia und Tansania beteiligt gewesen sein soll. Dabei
kamen mehr als 250 Menschen ums Leben.
Die USA haben den Ende Dezember aus der somalischen Hauptstadt
Mogadischu vertriebenen Islamisten vorgeworfen, Terroristen der Al
Kaida Unterschlupf gewährt zu haben. Nach dem militärischen
Sieg der Übergangsregierung mit Unterstützung
äthiopischer Truppen haben sich die Kämpfer der islamischen
Miliz in das südliche Grenzgebiet zu Kenia zurückgezogen.
(Quelle: ap)
Chávez will in Venezuela Strom- und Telefonsektor verstaatlichen
Di.09.01.07 - Venezuelas Staatspräsident Hugo Chávez will den Strom- und
Telefonsektor in dem südamerikanischen Land verstaatlichen. Bei
der Vereidigung seines neuen Kabinetts kündigte er zudem eine
Verfassungsänderung an. Auf dem Weg zum Sozialismus werde er mit
«revolutionären Gesetzen» regieren, sagte der
Linksnationalist in der venezolanischen Hauptstadt. Er wolle dazu beim
Kongress in den nächsten Wochen Sondervollmachten beantragen. Auch
wolle er die Autonomie der Zentralbank abschaffen, sagte Chávez.
(Quelle: dpa)
Weißrussland blockiert russische Öllieferungen nach Westen
Di.09.01.07 - Der Energiestreit zwischen Weißrussland und Russland hat sich
dramatisch zugespitzt - mit unmittelbaren Auswirkungen auch auf
Deutschland. Die Regierung in Minsk blockierte am Montag laut einem
Interfax-Bericht russische Erdöllieferungen nach Deutschland,
Polen und in die Ukraine. Der staatliche weißrussische Konzern
Belneftechim habe angeordnet, die so genannte Freundschafts-Pipeline
still zu legen, zitierte die russische Nachrichtenagentur die Minsker
Behörde für den Energietransit. Die Regierungen in Berlin und
Warschau bestätigten den Lieferstopp.
Der Sprecher des deutschen Bundeswirtschaftsministeriums, Hendrik
Luchtmeier, erklärte, der Mineralölwirtschaftsverband habe
gemeldet, dass die Pipeline geschlossen sei. Die Leitung mit einem
Volumen von 22 Millionen Tonnen jährlich versorge die Raffinerien
Schwedt und Leuna mit Rohöl. Mit Engpässen sei in Deutschland
aber nicht zu rechnen.
Auch das Wirtschaftsministerium in Warschau erklärte, in Polen
seien Unterbrechungen der russischen Öllieferungen über die
durch Weißrussland führende Pipeline «Druschba»
(Freundschaft) registriert worden. Polen beziehe aus dieser Leitung 96
Prozent seiner Erdölimporte. Es seien noch Reserven für 80
Tage übrig. Der Fall unterstreiche jedoch die Abhängigkeit
von diesen Importen, sagte der stellvertretende Ministeriumschef Piotr
Naimski.
Der staatliche russische Pipeline-Betreiber Transneft warf
Weißrussland vor, für Europa bestimmtes Öl abzuzweigen.
Dieser Diebstahl sei erstmals am vergangenen Freitag registriert
worden, sagte Transneft-Chef Simon Wainschtok laut russischen
Nachrichtenagenturen. Er forderte die Regierung in Minsk auf, dieses
Vorgehen sofort zu stoppen.
Das weißrussische Außenministerium dementierte all diese
Berichte. Weißrussland sei für den Druckabfall in der
Pipeline nicht verantwortlich, hieß es. Ministeriumssprecher
Andrei Popow deutete allerdings an, die Regierung habe Maßnahmen
ergreifen müssen, um wirtschaftlichen Schaden infolge von
verknappten Energieressourcen abzuwenden. Eine Erklärung gab er
nicht.
Weißrussland musste sich zum Jahreswechsel den russischen
Forderungen nach einem deutlich höheren Gaspreis beugen: Dem neuen
Liefervertrag zufolge zahlt Weißrussland in diesem Jahr 100
Dollar je 1.000 Kubikmeter Erdgas an den russischen Konzern Gazprom -
mehr als doppelt so viel wie bisher. Zudem führte Russland einen
Exportzuschlag von 180 Dollar pro Tonne Erdöl ein, die an
Weißrussland geliefert wird.
Die Regierung in Minsk reagierte darauf am Mittwoch mit der
Ankündigung, rückwirkend zum 1. Januar eine
Transitgebühr in Höhe von 45 Dollar pro Tonne russischen
Öls zu erheben, das über ihr Gebiet Richtung Westen gepumpt
wird. Russland protestierte am Wochenende offiziell gegen die
Einführung einer solchen Gebühr und bestellte den
weißrussischen Botschafter in Moskau ein.
Der Stopp russischer Öllieferungen über die
Freundschafts-Pipeline stellt nach den Worten von EU-Energiekommissar
Andris Piebalgs «kein unmittelbares Risiko» für die
Vorräte in der Europäischen Union dar. Er bemühe sich
aber bei den Behörden in Weißrussland und Russland um eine
«eilige und ausführliche Erklärung», sagte
Piebalgs am Montag in Brüssel. Außerdem versuche er
herauszufinden, ob neben Deutschland und Polen auch die Slowakei und
Staaten im Südosten Europas von dem Lieferstopp betroffen seien.
(Quelle: ap)
EU-Kommission will Energieversorgern Kontrolle über Netze
entreißen
Di.09.01.07 - Die EU-Kommission will die großen Energiekonzerne in einen
schärferen Wettbewerb zwingen und ihnen die Kontrolle über
ihre milliardenschweren Liefernetze nehmen. Das geht aus einem der
Nachrichtenagentur AP vorliegenden Entwurf für einen lang
erwarteten Aktionsplan für Energiepolitik hervor, den die 27
EU-Kommissare am Mittwoch beschließen wollen.
Der Entwurf sieht zwei Optionen vor: Die Energieversorger könnten
gezwungen werden, ihre Netze zu verkaufen oder aber die Kontrolle
darüber an einen unabhängigen Betreiber abzugeben.
Begründet wird dies damit, dass heute viele Konzerne Konkurrenten
aus dem In- und Ausland behinderten und somit die Preise hoch hielten.
Zudem will die Kommission den Energiemarkt strenger regulieren. Auch
hier schlägt der Entwurf mehrere Varianten vor, die von einer
verstärkten Zusammenarbeit der nationalen
Regulierungsbehörden bis zu einer neuen Behörde auf EU-Ebene
reichen.
Um die Abhängigkeit Europas von Öl- und Gas-Importen zu
verringern, will Brüssel den Einsatz Energie sparender Geräte
fördern und die Nutzung alternativer Energiequellen fördern.
Vorgesehen ist unter anderem ein Ausbau des Anteils erneuerbarer
Energien. Hier soll offenbar ein EU-weit einheitlicher Prozentsatz
festgelegt werden, eine konkrete Zahl ist in dem AP vorliegenden
Entwurf aber noch nicht enthalten. Aus Kommissionskreisen verlautete,
der Zielwert werde voraussichtlich erst am Mittwoch vom Kollegium der
27 Kommissare beschlossen.
In dem Entwurf wird neben erneuerbaren Energien auch die Kernkraft als
sinnvolle Alternative zu fossilen Rohstoffen bezeichnet. Dies wird vor
allem mit den geringen Treibhausgas-Emissionen von Atomkraftwerken
begründet. Bei allen Problemen mit der Entsorgung von
Nuklearabfällen sei die Atomkraft «eine der billigsten
kohlenstoffarmen Energien», heißt es in dem Papier. Zwar
sei es «an jedem Mitgliedstaat zu entscheiden, ob er sich auf
Atomkraft verlassen will oder nicht». Es sei aber klar, dass die
Stilllegung von Kernkraftwerken das Ziel, Treibhausgas-Emissionen zu
senken, «zu einer noch größeren Herausforderung machen
wird».
Laut einer am Montag in Brüssel veröffentlichten Erhebung
bleibt die Kernenergie in Europa stark umstritten. In sieben der 27
Mitgliedstaaten lehnt eine Mehrheit der Bevölkerung die Atomkraft
gänzlich ab, in vielen weiteren gibt es große Vorbehalte.
Um den Klimawandel zu bekämpfen, müssten nach Auffassung der
EU-Kommission bis 2020 die Kohlendioxid-Emissionen aller
Industriestaaten um 30 Prozent vermindert werden. Eine Zielmarge
für die EU allein ist in dem Entwurf vorgesehen, aber noch nicht
beziffert. Nach Angaben aus Kommissionskreisen ist unsicher, ob die
Kommissare sich überhaupt auf eine solche Selbstverpflichtung
einigen werden.
Der Streit zwischen Brüssel und Berlin über die deutsche
Klimaschutzpolitik schwelte unterdessen weiter. Umweltkommissar Dimas
bekräftigte in der «Frankfurter Rundschau» vom Montag,
Deutschland müsse den Ausstoß von Treibhausgasen im Rahmen
des Emissionshandels bis 2012 stärker senken als bislang geplant.
Kritik von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, die Zahlen der
Kommission seien nicht nachvollziehbar, wies Dimas zurück.
(Quelle: ap)
Rot-schwarze Koalition in Österreich mit Gusenbauer als Kanzler
Di.09.01.07 - Gut drei Monate nach der Parlamentswahl in Österreich haben sich
Sozialdemokraten (SPÖ) und Volkspartei (ÖVP) auf die Bildung
einer Großen Koalition nach deutschem Vorbild geeinigt. Neuer
Bundeskanzler wird der SPÖ-Vorsitzende Alfred Gusenbauer. Ob sein
konservativer Vorgänger Wolfgang Schüssel ein Amt in der
Regierung übernimmt, soll am (morgigen) Dienstag geklärt
werden.
Die ÖVP erhält die Schlüsselministerien für
Äußeres, Finanzen, Innen, Wirtschaft, Landwirtschaft/Umwelt,
Gesundheit und Wissenschaft; den Sozialdemokraten fällt neben den
Ressorts Bildung, Justiz, Infrastruktur, Soziales und Frauen erstmals
seit Jahren wieder das Verteidigungsministerium zu, wo der
künftige Ressortchef den strittigen Kauf von 18 Eurofightern
nachverhandeln muss.
Die Regierungsbildung zog sich 99 Tage lang hin, die
Koalitionsverhandlungen drohten unter anderem am Streit über die
Kampfflugzeuge zu scheitern. Bei der Wahl am 1. Oktober errang die
SPÖ 35,3 Prozent der Stimmen, die ÖVP kam auf 34,3 Prozent.
Die künftigen Regierungspartner vereinbarten eine Senkung des
Wahlalters auf 16 Jahre und verständigten sich beim Streitpunkt
Studiengebühren auf einen Kompromiss: Von den Beiträgen wird
befreit, wer pro Semester 60 Stunden Sozialdienste ableistet, wie die
Nachrichtenagentur APA berichtete. Auch Stipendien und
Kreditmöglichkeiten sollen ausgebaut werden. Auf die
österreichischen Autofahrer kommt eine Erhöhung der
Mineralölsteuer zu. Die ÖVP wehrte sich laut APA mit Erfolg
gegen eine eingetragene Partnerschaft für homosexuelle Paare.
Gusenbauer, der nach sieben Jahren der erste Sozialdemokrat an der
Spitze des österreichischen Regierung wird, sagte APA zufolge am
Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Schüssel, die
Senkung der Arbeitslosigkeit sei das wichtigste Ziel. «Wir haben
uns wirklich viel vorgenommen.» Besonders solle in die Zukunft
des Landes investiert werden, erklärte der 46-Jährige.
SPÖ und ÖVP werden am Dienstag über die Besetzung der
Ministerposten entscheiden, wie die APA weiter meldete. Dass die Zahl
der Regierungsämter (14 Ministerien und 6 Staatssekretariate)
entgegen Gusenbauers Ankündigung noch einmal stieg,
begründete der SPÖ-Chef mathematisch: «19 ist schwer zu
teilen, deshalb haben wir uns auf 20 geeinigt.»
Die SPÖ lehnt den von der Regierung Schüssel beschlossenen
Kauf von Eurofightern ab. Die ÖVP zog sich Ende Oktober aus
Protest gegen die Einsetzung zweier Untersuchungsausschüsse zum
Eurofighter-Kauf und zu verschiedenen Bankenaffären aus den
Koalitionsverhandlungen zurück. Nach mehreren Wochen Stillstand
wurden die Gespräche Ende November erneut aufgenommen. Im Dezember
erklärten Gusenbauer und Schüssel dann, die Verhandlungen
sollten bis zum 8. Januar abgeschlossen sein.
(Quelle: ap)
Deutschland
Linksfraktion fordert neuen EU-Verfassungsvertrag
Di.09.01.07 - Die Linksfraktion im Bundestag fordert einen komplett neuen
EU-Verfassungsvertrag. Die Fraktionsvorsitzenden Gregor Gysi und Oskar
Lafontaine stellten am Montag in Berlin ein Memorandum vor, in dem sie
als Reaktion auf die Ablehnung der Verfassung durch die Franzosen und
Niederländer einen «konsequenten Neuanfang» für
die EU forderten. Gysi sagte: «Man kann Frankreich und die
Niederlande nicht austricksen, indem man dem alten Entwurf lediglich
eine neue Verpackung gibt.»
In dem Memorandum hieß es: «Der Verfassungsentwurf steht
eher für Stillstand.» Er verfestige die seit Ende der 80er
Jahre sichtbaren Fehlentwicklungen innerhalb der EU. So verfolge die
Europäische Union einen neoliberalen Kurs des Markt-Rigorismus,
der fortgesetzten Sozialabbau und einen Steuersenkungswettlauf
begünstige. In der Außen- und Sicherheitspolitik sei die EU
auf einem «verhängnisvollen Weg der Militarisierung».
Lafontaine beklagte ein «erhebliches Demokratiedefizit» in
Europa. «Die Gemeinschaft steckt in einer tiefen Krise»,
heißt es in dem Text.
Die Linke lege mit dem Memorandum Vorschläge für einen neuen
Verfassungsentwurf vor, sagte Gysi. Darin wird unter anderem die
Festschreibung verbindlicher und einklagbarer Grundwerte gefordert. Die
Linksfraktion verlangt außerdem ein besonderes Kapitel über
eine zu schaffende Sozialunion.
«Dieser neue Entwurf hat keine Chance, wenn er Lohndumping,
Sozialdumping und Steuerdumping fortschreibt», betonte
Lafontaine. Er forderte außerdem, dass über einen neuen
Verfassungsentwurf per Volksentscheid in ganz Europa abgestimmt werde.
Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft will den auf Eis liegenden
Verfassungsvertrag wiederbeleben. Bis Juni sollen dazu eine Fahrplan
sowie inhaltliche Eckpunkte vorgestellt werden. Spätestens zur
Europawahl 2009 soll die Verfassung stehen.
(Quelle: ap)
Motassadeq zur Höchststrafe von 15 Jahren verurteilt
Di.09.01.07 - Das Hamburger Oberlandesgericht (OLG) hat den Marokkaner Mounir el
Motassadeq wegen der Terroranschläge vom 11. September 2001 zur
Höchsstrafe von 15 Jahren Haft verurteilt. Das Gericht folgte
damit dem Antrag der Bundesanwaltschaft; die Verteidigung hatte keinen
Antrag zum Strafmaß formuliert. Motassadeq hatte in seinem
Schlusswort abermals seine Unschuld beteuert. Der Bundesgerichtshof
hatte Motassadeq bereits im November wegen Beihilfe zum Mord in 246
Fällen und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung
rechtskräftig verurteilt. Das Hamburger Gericht musste nur noch
das Strafmaß neu festlegen.
Motassadeq war im weltweit ersten Prozess um die Anschläge vom 11.
September vom OLG Hamburg bereits im Februar 2003 unter anderem wegen
Beihilfe zum Mord in 3066 Fällen zu 15 Jahren Haft verurteilt
worden. Diese Entscheidung hatte der BGH aufgehoben, weil das OLG
damals von den USA gesperrte Zeugenaussagen nicht berücksichtigt
hatte. Daraufhin wurde Motassadeq in einem neuen Verfahren in Hamburg
zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt; dieses Urteil
verschärfte der BGH dann im November 2006.
"Man muss sich klarmachen, dass 246 Leute getötet worden sind",
sagte der Vorsitzende Richter Carsten Beckmann nunmehr bei der
Urteilsbegründung. "Wenn man diese Zahl sieht, hat das fast etwas
Blasses, und das darf eben nicht sein." Allein der Vorwurf der Beihilfe
zum Mord am Mord der Passagiere und Besatzungsmitglieder der
entführten Maschinen ziehe aus Sicht des Gerichts die
Höchststrafe nach sich.
Bundesanwalt Walter Hemberger warf dem Angeklagten vor, sein Wissen um
die Tat verdrängt zu haben. "Der Angeklagte hat gesehen, was
für ein Unheil er angerichtet hat und hat sich eine eigene
Wahrheit geschaffen." Motassadeq habe bei Gericht immer nur das
zugegeben, was bereits erwiesen war.
Der Angeklagte beschwor erneut seine Unschuld. "Sie haben mir Unrecht
angetan", warf er Heimberger vor. "Meine Kinder, meine Eltern, meine
Familie, meine Zukunft ist ruiniert." Zuvor hatte sein Verteidiger
Ladislav Anisic angekündigt, alle weiteren Rechtsmittel zu nutzen,
um am Ende einen Freispruch zu erzielen. "Wir werden nicht ruhen",
sagte Anisic. Die Verteidigung bereite Anträge zu einer
Wiederaufnahme des Verfahrens vor. Die Anwälte können
innerhalb einer Woche nach Zustellung des schriftlichen Urteils
Revision einlegen.
(Quelle: afp)
Ärzte lassen Kassenpatienten mit Beschwerden wochenlang warten
Di.09.01.07 - Auch bei akuten Beschwerden muss jeder vierte Kassenpatient mehr als
zwei Wochen auf einen Arzttermin warten. Bei Privatpatienten sind es
hingegen nur knapp acht Prozent. Dies meldete das Wissenschaftliche
Institut der AOK am Montag aus einer aktuellen Befragung mit 3.000
Teilnehmern.
Grundsätzlich sind die Wartezeiten in kleineren Orten länger
als in Ballungsräumen, was nach Einschätzung des Instituts
mit der Arztdichte zusammenhängen dürfte. «Je
größer der Ort, desto größer ist auch der Anteil
der Patienten, die beim Vorliegen akuter Beschwerden keine oder nur
geringe Wartezeiten in Kauf nehmen müssen», heißt es
in der Analyse.
Allerdings profitieren Privatversicherte davon mehr als
Kassenpatienten. Auch in Großstädten muss ein Fünftel
der gesetzlich Krankenversicherten bei akuten Beschwerden länger
als zwei Wochen auf einen Termin warten. Bei Privatversicherten sind es
2,5 Prozent.
33,5 Prozent der befragten Kassenpatienten gaben an, ihnen sei die
Wartezeit subjektiv zu lange gewesen. Bei Privatversicherten waren es
mit 14,7 Prozent knapp halb so viele. In Ostdeutschland klagten fast 40
Prozent der gesetzlich Versicherten über zu lange Wartezeiten,
aber nur 13,3 Prozent der Privatversicherten.
Am deutlichsten sei die Ungleichbehandlung bei Orthopäden,
hieß es weiter. 17,3 Prozent der GKV-Patienten mit akuten
Beschwerden mussten der Studie zufolge mehr als vier Wochen auf einen
Termin warten, aber nur 2,4 Prozent der Privatpatienten mit
Beschwerden. 43,3 Prozent der PKV-Patienten mit Beschwerden wurden
sofort oder am nächsten Tag behandelt, aber nur 26,2 Prozent der
Kassenpatienten, wie es weiter hieß.
Die Studie hatte die Erfahrungen beim letzten Arztbesuch abgefragt.
(Quelle: ap)