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Irak am neunhundertfünfundzwanzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Schwere Gefechte in Bagdad.. Demokraten kündigen Widerstand gegen
Bushs Irak-Plan an
Mi.10.01.07 - Amerikanische und irakische Soldaten haben sich am Dienstag in Bagdad
stundenlange Gefechte mit Rebellen geliefert. Dabei wurden 50
mutmaßliche Aufständische getötet, teilte das irakische
Verteidigungsministerium mit. Die US-Truppen setzten bei den
Kämpfen in der Gegend um die Haifa-Straße nördlich der
besonders gesicherten Grünen Zone auch Kampfflugzeuge und
Hubschrauber ein.
21 Rebellen seien gefangenen genommen worden, erklärte der
Sprecher des Verteidigungsministeriums, General Ibrahim Schaker.
Darunter seien sieben ausländische Araber. Regierungssprecher Ali
al Dabbagh erklärte, die irakischen Sicherheitskräfte
hätten beschlossen, alle Verstecke von Terroristen in der Gegend
endgültig zu zerstören. Er machte die Anhänger des
früheren Machthabers Saddam Hussein für die Gewalt
verantwortlich.
In der Haifa-Straße sind vor allem sunnitische Aufständische
aktiv, von dort gingen in der Vergangenheit häufig Anschläge
aus. Nach amerikanischen Angaben wurden die Soldaten unter anderem mit
Granaten beschossen. Nach Darstellung der Polizei begannen die
Gefechte, als Bewaffnete Kontrollpunkte der irakischen Truppen
angriffen und diese amerikanische Verstärkung anforderten.
Augenzeugen berichteten, ein Kampfflugzeug habe Geschosse abgefeuert.
Die Gefechte begannen kurz nachdem auf einer Website von Anhängern
der Baath-Partei ein weiteres heimlich gedrehtes Video mit Aufnahmen
des gehängten Saddam Hussein aufgetaucht war. Der 27 Sekunden
lange Film zeigt die Leiche des Exmachthabers und wurde offenbar mit
der Kamera eines Mobiltelefons aufgenommen.
Schon vor der Rede von US-Präsident George W. Bush über das
weitere Vorgehen im Irak haben führende Politiker der Demokraten
ihren Widerstand gegen die Regierungspolitik angekündigt. In
beiden Kammern des Parlaments soll es eine Abstimmung zu der erwarteten
Entscheidung Bushs geben, 20.000 zusätzliche Soldaten in den Irak
zu schicken.
«Das Repräsentantenhaus wird über den Vorschlag des
Präsidenten abstimmen», sagte Jennifer Crider, eine
Sprecherin der Parlamentspräsidentin Nancy Pelosi. Noch deutlicher
wurde der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid. Er
sprach sich für eine Entschließung mit der Botschaft aus:
«Wir unterstützen diese Eskalation des Krieges nicht.»
Senator Edward Kennedy drohte Bush mit der schärfsten Waffe des
Parlaments: Er kündigte an, dass es keine Bewilligung für die
von Bush beantragten Militärausgaben im Irak geben werde.
Die ersten Einheiten zur Verstärkung der amerikanischen
Militärpräsenz im Irak sollen nach Angaben aus dem Pentagon
schon bis Ende des Monats eintreffen. Dabei handle es sich um Soldaten
einer Luftlandedivision, die zurzeit in Kuwait stationiert seien, sagte
ein Beamter des Verteidigungsministeriums. Die betroffene Brigade hat
eine Mannschaftsstärke von 3.500 Soldaten. Geplant ist offenbar
auch die Entsendung des Flugzeugträgers «USS John C.
Stennis» in den Persischen Golf als Demonstration der Stärke
und als Warnung an die Adresse des Irans und Syriens.
Neben der Aufstockung der gegenwärtigen Militärpräsenz
von 132.000 Mann will Bush dem Vernehmen nach auch Investitionen von
mehr als einer Milliarde Dollar (770 Millionen Euro) im Irak
vorschlagen, die die Wirtschaft voranbringen und Arbeitsplätze
schaffen sollen. Als wichtigstes Ziel von Bushs Rede nannte
Regierungssprecher Tony Snow die Absicht, das Vertrauen der
Öffentlichkeit in die Irak-Politik der Regierung
zurückzugewinnen.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 10.01.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhunderteinundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.10.01.06 - US-Regierung und Paul Bremer streiten öffentlich über
Irak-Politik +++ Bekanntgabe von Wahlergebnis im Irak verzögert sich
weiter +++ 29 Tote bei Selbstmordanschlägen auf irakisches
Innenministerium +++ Polizei: US-Armee tötet im Irak bekannten
kurdischen Religionsgelehrten +++ Noch keine Spur von entführter
US-Journalistin +++ Früherer UN-Militärkommandeur in Bosnien
fordert Amtsenthebungsverfahren gegen Blair wegen Irak-Krieg +++
Bis zum Ende des letzten Jahres soll der Irak-Krieg den USA 251
Milliarden Dollar gekostet haben, Geld, das für Kampfhandlungen im
Irak seit der Invasion im März 2003 ausgegeben wurde. 'Die Hälfte
der Kriegskosten hätte das Sozialsystem der USA
für die nächsten 75 Jahre auf eine stabile Basis gestellt'
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0601100.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Nahost-Konflikt
Israels Verteidigungsminister Peretz stellt eigenen Nahost-Friedensplan
vor. Zahl der jüdischen Siedler im Westjordanland steigt
Mi.10.01.07 - Der israelische Verteidigungsminister Amir Peretz hat am Montag einen
eigenen Vorschlag für einen Friedensfahrplan für den Nahen
Osten vorgelegt. Er sieht Verhandlungen mit den Palästinensern in
sechs Monaten und eine Friedensvereinbarung zwei Jahre später vor.
Der Plan sei «die neue Roadmap», erklärte Peretz. Das
Nahost-Quartett aus den USA, der EU, den Vereinten Nationen und
Russland hatte seine Roadmap bereits 2003 vorgestellt, sie wurde aber
bislang nicht umgesetzt.
Wie der internationale Plan sieht Peretz' Vorschlag drei Stufen vor.
Verhandeln werde er nur mit gemäßigten
palästinensischen Politikern wie mit Präsident Mahmud Abbas,
betonte Peretz. Der Verteidigungsminister und Vorsitzende der
Arbeitspartei ist nach dem Libanon-Krieg gegen die Hisbollah im Sommer
zunehmend in die Kritik geraten. In israelischen Medien wurde zuletzt
über eine baldige Ablösung des Ministers spekuliert. Bei der
Wahl des künftigen Vorsitzenden der Arbeitspartei will gegen
Peretz auch der frühere israelische Ministerpräsident Ehud
Barak antreten.
Die Zahl der jüdischen Siedler im Westjordanland steigt. Wie das
Innenministerium in Jerusalem am Dienstag mitteilte, wuchs die
Einwohnerzahl der Siedlungen im vergangenen Jahr um 5,8 Prozent.
Insgesamt lebten im Januar 268.163 Siedler im Westjordanland, zum
selben Zeitpunkt des Vorjahres waren es 253.371 Siedler.
Größte Siedlung ist nach wie vor Maale Adumim bei
Ost-Jerusalem mit 31.615 Einwohnern (plus 1644). Die Siedlung Modiin
Illit bei Ramallah wuchs mit 13 Prozent Zulauf besonders stark. 4000
Neubürger ließen die Einwohnerzahl auf 30.425 ansteigen.
Laut Ministerium gibt es zudem insgesamt 105 nicht genehmigte
Siedlungen. Die internationale Gemeinschaft sieht alle israelischen
Siedlungen in den besetzten Gebieten als unrechtmäßig an.
Den Gazastreifen hatte Israel im August 2005 geräumt.
(Quellen: ap, afp)
Zahlreiche Tote bei US-Angriffen im Süden Somalias
Mi.10.01.07 - Bei US-Luftangriffen auf mutmaßliche El-Kaida-Verstecke im
Süden Somalias sind nach Angaben von Anwohnern mindestens 19
Zivilisten getötet worden. Auch die von den USA unterstützte
somalische Übergangsregierung sprach von zahlreichen Todesopfern
durch die US-Angriffe, die sich laut Übergangspräsident
Abdullahi Yusuf Ahmed gegen die Urheber der Anschläge auf die
US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998 richteten. Ahmed sprach den
USA das Recht auf Luftangriffe gegen Mitglieder des El-Kaida-Netzwerks
"in aller Welt" zu.
Anwohner erklärten, 19 Zivilisten seien bei Angriffen auf zwei
Ortschaften getötet worden. Laut US-Fernsehberichten war ein
US-Kampfflugzeug vom Typ AC 130, die bewaffnete Version der
C-130-Hercules Frachtmaschine, an den Angriffen vom Montag beteiligt.
Ziele seien der Chef des El-Kaida-Netzwerks von Osama bin Laden
für das Horn von Afrika und der El-Kaida-Beauftragte für die
Bombenanschläge auf die US-Botschaften in Nairobi und Daressalam
im Jahr 1988 gewesen. Damals waren mehr als 220 Menschen getötet
worden.
Nach Angaben von US-Vertretern fanden drei Verantwortliche für die
Bombenanschläge Unterschlupf bei somalischen Islamisten: Fasul
Abdullah Mohamed von den Komoren, der Kenianer Saleh Ali Saleh Nabhan
und der Sudanese Abu Taha el Sudan. Nach Angaben der somalischen
Übergangsregierung erfolgten die Luftangriffe nach ergebnislosen
Verhandlungen mit Mitgliedern des Ayr-Klans. Diese hätten sich
geweigert, das Versteck der bei ihnen untergetauchten militanten
Islamisten preiszugeben.
Der somalische Übergangspräsident sagte, die Angriffe der
US-Luftwaffe auf mutmaßliche Schlupfwinkel von
El-Kaida-Mitgliedern seien "richtig" und "zur rechten Zeit" erfolgt.
Der Informationsminister der Übergangsregierung, Ali Jama, sagte,
am Montag habe die US-Luftwaffe im Süden des Landes mehrere
Angriffe gegen "Terroristen" geflogen. Dabei seien "zahlreiche
Menschen" getötet worden. Während der Angriffe seien auch
"andere Orte nahe der kenianischen Grenze" getroffen worden. Im Laufe
des Tages flogen zwei US-Hubschrauber nach Angaben der
Übergangsregierung neue Angriffe in der Region.
Die EU-Kommission übte indirekt Kritik an den US-Luftangriffen.
Ein Sprecher von EU-Entwicklungskommissar Louis Michel sagte zu den
US-Luftangriffen: "Ein Vorfall dieser Art hilft langfristig nicht".
(Quelle: afp)
US-Atom-U-Boot mit japanischem Tanker kollidiert
Mi.10.01.07 - Ein atombetriebenes amerikanisches U-Boot ist im Arabischen Meer nahe
der Straße von Hormus mit einem japanischen Tanker kollidiert. Es
gebe aber keine Berichte über Verletzte, wie das
Außenministerium in Tokio am Dienstag mitteilte.
Japanische Medien zitierten einen Vertreter der US-Marine sowie den
Ölkonzern Showa Shell Sekiyu, wonach es bei dem Zusammenstoß
am Vorabend Ortszeit weder zu einem radioaktiven noch zu einem
Ölleck kam. Das atomar betriebene Jagd-U-Boot «USS Newport
News» der Los-Angeles-Klasse sei südlich der Straße
von Hormus mit seinem Bug gegen das Heck des 160 000-Tonnen-Tankers
«Mogamigawa» gestoßen, hieß es.
Der Tanker weise leichte Beschädigungen auf und sei auf dem Weg in
einen nahe gelegenen Hafen im Ostteil der Vereinigten Arabischen
Emirate, teilte das japanische Außenministerium weiter mit. Die
Straße von Hormus ist eine Meerenge, die den Persischen Golf im
Westen mit dem Golf von Oman, dem Arabischen Meer und dem Indischen
Ozean verbindet. Das Atom-U-Boot steht laut Medienberichten unter
Befehl des US-Marinestützpunktes in Bahrain.
An Bord des von der japanischen Reederei Kawasaki Kisen Kaisha
betriebenen Tankers befanden sich acht Japaner und 16 Philippinos. Der
Tanker war laut Medien mit 280 000 Tonnen Öl auf dem Weg von Saudi
Arabien nach Singapur. Im Jahre 2001 hatte ein amerikanisches U-Boot
bei einem Auftauchmanöver vor Hawaii ein japanisches Fischerboot
gerammt. Die «Ehime Maru» sank. Neun Menschen wurden dabei
in den Tod gerissen.
(Quelle: dpa)
Venezuela vor Umwandlung in sozialistische Republik
Mi.10.01.07 - Der venezolanische Präsident Hugo Chavez will sein Land in eine
sozialistische Republik umwandeln. Dazu kündigte Chavez zwei Tage
vor seiner Vereidigung für eine dritte Amtszeit die
Verstaatlichung der Stromversorgung und der Telekommunikation an.
«Wir bewegen uns auf den Sozialismus zu, und nichts und niemand
kann dies verhindern», sagte Chavez in einer Fernsehansprache am
Montagabend.
Der Staatschef kündigte im Anschluss an die Vereidigung des neuen
Kabinetts an, dass er das mehrheitlich von seinen Parteigängern
besetzte Parlament um größere Vollmachten bitten werde.
Dabei nannte er die Möglichkeit, mit Hilfe von
Präsidialdekreten zu regieren. Auch strebt er eine
Verfassungsänderung an, mit der die Zentralbank ihre bisherige
Autonomie verlieren soll.
Die angekündigte Verstaatlichung betrifft zum einen den
Stromversorger Electricidad de Caracas, eine Tochtergesellschaft des
US-Konzerns AES. Zum anderen muss auch die erst 1991 privatisierte C.A.
Nacional Telefonos de Venezuela (CANTV) als größtes
börsennotiertes Unternehmen des Landes mit der Verstaatlichung
rechnen. «Die Nation sollte ihr Eigentum an strategischen
Sektoren zurückerlangen», sagte Chavez. So sollten auch die
Ölförderprojekte im Orinoco-Becken unter staatliche Kontrolle
gelangen.
In seiner Ansprache berief sich Chavez auf die kommunistischen Ideale
von Karl Marx und Wladimir Lenin und sagte, er sehe sich in der
Traditionslinie von Leon Trotzki und der von diesem vertretenen
permanenten Revolution. «Wir bewegen uns hin zu einer
Sozialistischen Republik Venezuela, und dies erfordert eine tiefe
Reform unserer nationalen Verfassung.»
Chavez wurde 1998 erstmals zum Präsidenten des
südamerikanischen Landes gewählt. Seither richtete er unter
anderem staatlich finanzierte Kooperativen ein und setzte eine
Landreform in Gang. Chavez' dritte Amtszeit, zu der er am (morgigen)
Mittwoch vereidigt wird, läuft bis 2013.
(Quelle: ap)
Öl-Stopp belastet Beziehungen zwischen EU und Russland
Mi.10.01.07 - Der Öl-Streit zwischen Russland und Weißrussland belastet
die Beziehungen der Länder zur Europäischen Union.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und die
deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichneten es am Dienstag in
Berlin als inakzeptabel, dass sie wegen des Stopps der Ölimporte
nicht informiert worden seien. In Deutschland ließ der
Öl-Streit die Debatte über die Zukunft der Atomenergie wieder
aufflammen.
Im Kräftemessen zwischen Russland und Weißrussland zeichnete
sich am Dienstag keine rasche Lösung ab. Eine ranghohe
weißrussische Delegation flog nach Moskau, doch der Beginn der
Verhandlungen verzögerte sich. Der russische Präsident
Wladimir Putin wies sein Kabinett an, über eine Reduzierung der
Ölförderung nachzudenken. Russland kann Rohöl nur in
begrenztem Umfang verarbeiten und müsste die Förderung bei
einem Rückgang der Exporte zurückfahren.
Moskau hatte am Montag die Einspeisung von Öl eingestellt und
Weißrussland vorgeworfen, Öl für eigene Zwecke
abgezweigt zu haben. Der Lieferstopp betrifft vor allem die Ukraine,
Polen und Deutschland. Die Bundesrepublik bezieht ein Fünftel
seiner jährlichen Ölimporte aus der Leitung.
Die anhaltende Blockade russischer Öllieferungen entwickelte sich
zur Belastungsprobe für die Beziehungen zwischen der EU und
Moskau: Barroso und Merkel nannten es inakzeptabel, dass sie über
das Vorgehen nicht informiert worden seien. «Das zerstört
immer wieder Vertrauen. Darauf kann sich keine wirklich vertrauensvolle
Zusammenarbeit dann ungestört aufbauen», sagte
EU-Ratspräsidentin Merkel.
Am (heutigen) Mittwoch will die EU-Kommission den Entwurf für eine
gemeinsame Energiestrategie vorstellen. Sie zielt darauf ab, die
Abhängigkeit von Energie-Importen zu verringern. Am 21. Januar
wird Merkel nach Moskau reisen, um Putin zu treffen.
Trotz der Blockade der «Druschba»-Pipeline fiel der
Ölpreis am Dienstag. Im elektronischen Handel an der New Yorker
Rohstoffbörse gab er am Dienstagnachmittag 77 Cent auf 55,32
Dollar je Barrel (159 Liter) nach. Öl sei ausreichend vorhanden,
teilte der Mineralölwirtschaftsverband mit.
In Deutschland flammte wegen des Öl-Problems die Debatte über
die Zukunft der Atomenergie wieder auf. Bundeskanzlerin Merkel warnte
vor einseitigen Liefer-Abhängigkeiten und deutete ein
Abrücken vom Atomausstieg an. Es sei klug, sich nicht einseitig
von Lieferanten abhängig zu machen: «Deshalb muss man sich
natürlich auch überlegen, was für Folgen es hat, wenn
wir Kernkraftwerke abschalten.»
Widerspruch kam aus den Reihen des Koalitionspartners: Der Anteil der
Stromerzeugung durch Öl liege in der Bundesrepublik unter 1,7
Prozent, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im
Bundesumweltministerium, Michael Müller (SPD). Er sehe daher
keinen Zusammenhang zwischen Öllieferungen und Strom.
Grünen-Fraktionschefin Renate Künast warnte vor einem
Wiedereinstieg in die Atomenergie und betonte, es handele sich um eine
Risikotechnologie.
Laut einer Emnid-Umfrage ist den meisten Deutschen die
Abhängigkeit von russischem Öl und Gas zu groß: Demnach
sähen es 71 Prozent lieber, wenn Deutschland weniger Energie aus
Russland importieren würde. 61 Prozent lehnen eine weitere Nutzung
der Atomenergie über die rot-grüne Ausstiegsvereinbarung
hinaus ab.
(Quelle: ap)
EU-Kommission tritt für Atomausbau ein
Mi.10.01.07 - Die EU-Kommission tritt laut einem Bericht der «Frankfurter
Rundschau» mit Nachdruck für den Ausbau der Atomenergie in
Europa ein. Die Zeitung zitiert aus dem Energiebericht der Kommission,
der am (heutigen) Mittwoch in Brüssel vorgestellt werden soll,
trotz «erheblicher Probleme beim Handhaben des nuklearen Abfalls
und der Endlagerung» sei die Nuklearenergie die
kostengünstigste Form, Strom zu erzeugen, ohne die Umwelt durch
Treibhausgase zu belasten.
Wenn sich an der gegenwärtigen Entwicklung bei Stromverbrauch und
Energiemix nichts ändere, werde die Europäische Union im Jahr
2030 bis zu 65 Prozent ihres Energiebedarfs importieren müssen,
zitiert die Zeitung.
Die EU-Kommission prognostiziere zudem dramatische wirtschaftliche
Folgen, wenn der Klimawandel nicht gebremst werde. In ihrer
Klimastudie, die ebenfalls am Mittwoch vorgelegt wird, warne sie, die
Zahl der Hitze- und Kältetoten werde sich um bis zu 36.000
beziehungsweise 86.000 Menschen erhöhen, sollte sich das globale
Klima bis 2071 im Durchschnitt um 2,2 bis 3 Grad Celsius im Vergleich
zu 1990 erwärmen. Die Ernteerträge könnten in
Südeuropa um mehr als ein Fünftel zurückgehen.
(Quelle: ap)
Spanien: ETA will an Waffenstillstand festhalten
Mi.10.01.07 - Die baskische Untergrundorganisation ETA hat sich am Dienstag zu dem
jüngsten Bombenanschlag in Madrid bekannt. Zugleich versicherte
sie, der vor neun Monaten verkündete Waffenstillstand habe weiter
Bestand. Bei dem Attentat waren am 30. Dezember in einem Parkhaus des
Flughafens von Madrid zwei Menschen getötet worden.
Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero hatte
daraufhin den Friedensprozess mit der ETA für beendet erklärt.
Die ETA übernahm die Verantwortung für das Attentat in einer
Erklärung, die sie an die für die Unabhängigkeit des
Baskenlandes eintretende Zeitung «Gara» schickte - das
Blatt diente schon mehrfach als Sprachrohr der Untergrundorganisation.
Bislang hatte sich die ETA nicht direkt zu dem Anschlag bekannt, doch
kurz vor der Explosion gab es einen Warnanruf von einem Unbekannten,
der sich als ETA-Mitglied ausgab.
Innenminister Alfredo Perez Rubalcaba erklärte am Dienstag, der
ETA bleibe nur ein Weg - «die Gewalt zu beenden». Am Montag
hatte der politische Arm der Untergrundorganisation, Batasuna, die ETA
öffentlich aufgerufen, den Waffenstillstand einzuhalten. Sie
müsse sich an ihre Ankündigung vom März halten, sagte
der Führer der verbotenen Partei, Arnaldo Otegi.
In Südfrankreich wurden unterdessen am Dienstag zwei
mutmaßliche ETA-Mitglieder festgenommen. Das spanische
Innenministerium erklärte, einer der Verdächtigen werde mit
zwei Waffenfunden in Nordspanien in den vergangenen Wochen in
Verbindung gebracht. Die zweite Person sei noch nicht identifiziert.
Beide seien in der Ortschaft Ascain von französischen Beamten in
Zusammenarbeit mit ihren spanischen Kollegen in Gewahrsam genommen
worden.
Dem Kampf der Untergrundorganisation für die Unabhängigkeit
des Baskenlandes sind seit den 60er Jahren mehr als 800 Menschen zum
Opfer gefallen. Die ETA hatte vor dem Attentat Ende Dezember mehr als
drei Jahre lang keinen tödlichen Anschlag mehr verübt.
Zuletzt waren im Mai 2003 bei einem Autobombenanschlag zwei Polizisten
ums Leben gekommen.
(Quelle: ap)
Deutschland
Produktions- und Exportplus nähren Konjunkturzuversicht
Mi.10.01.07 - Überraschend starke Konjunkturdaten haben die Hoffnung
geschürt, dass die Wirtschaft trotz höherer Mehrwertsteuer
weiter brummt.
Die Industrie stellte im November 1,4 Prozent mehr her als im Oktober,
wie das Bundeswirtschaftsministerium am Dienstag mitteilte. Auch
für die kommenden Monate rechnen Experten mit guten Aussichten.
Für Zuversicht sorgte zudem, dass die Exporteure im November so
viel verkauften wie nie zuvor.
Getrieben wurde die Industriekonjunktur vor allem von der starken
Nachfrage nach Investitionsgütern wie Maschinen und Fahrzeugen.
Ihre Produktion legte um 2,6 Prozent zu. Vor allem die Autoherstellung
zog an, da die Bürger vor der Erhöhung der Mehrwertsteuer
ihre Nachfrage noch einmal kräftig steigerten. Zuwächse gab
es auch bei Konsum- und Vorleistungsgütern sowie im Energiebereich.
Das Produzierende Gewerbe insgesamt - dazu gehören Industrie, Bau
und Energiewirtschaft - stellte 1,8 Prozent mehr her. Von Reuters
befragte Experten hatten nur mit 1,0 Prozent gerechnet. Besonders
kräftig legte der Bau mit 6,2 Prozent zu. Das milde Wetter half
DekaBank-Experte Andreas Scheuerle zufolge, den hohen Auftragsbestand
wegen der Mehrwertsteuererhöhung abzubauen. Der Branche komme der
ungewöhnlich warme Winter auch in den kommenden Monaten zugute.
Wegen der guten Auftragslage und hohen Nachfrage in wichtigen Bereichen
der Industrie erwartet das Ministerium für das gesamte vierte
Quartal ein Produktionsplus. Damit rechnen Bankenexperten auch für
die kommenden Monate. "Denn das Auftragspolster ist gut gefüllt
und die Stimmungsindizes deuten auf eine hohe Zuversicht der
Unternehmen Deutschlands hin", sagte Brian Mandt von der Postbank. Die
Industrieaufträge hatten im November vor allem wegen der
höheren Bestellungen aus dem Ausland um 1,5 Prozent angezogen.
Die Außenhandelsdaten für November bestärken Experten,
dass der Außenbeitrag nicht nur zum Jahresende, sondern auch
künftig einen hohen Wachstumsbeitrag zusteuert. "Der
Außenhandel bleibt die wichtigste Wachstumsstütze im neuen
Jahr", sagte Carsten Klude von MM Warburg. Wegen des starken Euro und
der schwächeren Weltwirtschaft rechnet der
Außenhandelsverband BGA für 2007 nur noch mit einem
Exportplus von sechs Prozent. Für das abgelaufene Jahr geht er von
einer markanten Steigerung um 13 Prozent auf 888 Milliarden Euro aus.
Damit sei Deutschland zum vierten Mal in Folge Exportweltmeister.
Mit 85,2 Milliarden Euro übertraf der Wert der Warenexporte im
November den Spitzenwert von Oktober noch einmal um gut eine Milliarde.
Damit lieferten die Exporteure den Statistikern zufolge nach elf
Monaten bereits mehr ins Ausland als im gesamten Vorjahr. Von Januar
bis November betrug der Wert knapp 823 Milliarden Euro, 2005 waren es
insgesamt 786 Milliarden.
Im November lag der Exportwert rund ein Fünftel über dem des
Vorjahresmonats. Um mehr als ein Drittel und damit besonders
kräftig kletterten die Ausfuhren in die Länder
außerhalb der Europäischen Union. Wichtigster Markt bleiben
die EU-Staaten, in die das Gros der Exporte ging. Der Wert der
importierten Waren stieg im November um fast 14 Prozent zum Vorjahr auf
knapp 67 Milliarden. Die deutsche Handelsbilanz schloss im November mit
einem Rekordüberschuss von 18,5 Milliarden Euro.
(Quelle: rtr)
Grüne wollen sich als Wirtschaftspartei profilieren
Mi.10.01.07 - Die Grünen wollen ihr Profil als Wirtschaftspartei schärfen.
Auf der traditionellen Fraktionsklausur in Wörlitz am Dienstag
diskutierten die Abgeordneten über ein Papier zur so genannten
Grünen Marktwirtschaft. Fraktionschef Fritz Kuhn sagte, den
Bürgern dürfe beim Stichwort wirtschaftliche Kompetenz nicht
mehr in erster Linie FDP und CDU einfallen. Angesichts der Blockade
russischer Öllieferungen warnte Fraktionschefin Renate Künast
vor einem Wiedereinstieg in die Atomenergie.
Es solle gezeigt werden, dass man «mit grünem Denken
Arbeitsplätze schaffen und mit grünen Ideen schwarze Zahlen
schreiben kann», betonte Kuhn. «Wir wollen die
Marktwirtschaft in Deutschland erneuern, weil wir ökologische
Rahmenbedingungen und soziale Erneuerung brauchen.» Dem
Wettbewerb sollten etwa durch die Festsetzung von Verbrauchsobergrenzen
für Energie Rahmenbedingungen gesetzt werden. Dadurch werde
Innovation angeregt. Das Papier soll bis zum zweiten Quartal
überarbeitet und dann verabschiedet werden.
Auf der Klausur ging es auch um Wege ins Solarzeitalter. Die
Grünen wollen 2007 davon profitieren, dass ihr ureigenes Thema
Ökologie durch den wahrnehmbaren Klimawandel und die wachsende
Energieabhängigkeit von Drittstaaten ohnehin hoch auf die
politische Agenda gerückt ist. Die Grünen müssten
deutlich machen, dass sie in der Umweltpolitik das Original und die
anderen Parteien die Kopie seien, hatte Parteichefin Claudia Roth zuvor
betont.
Im Zusammenhang mit der Ölblockade warnte Künast vor einer
Infragestellung des Atomausstiegs. Atomkraft sei eine
Risikotechnologie, betonte sie. Atomkraftwerke seien nach wie vor nicht
geschützt gegen Terrorangriffe. Außerdem gebe es noch immer
keine Lösung für die Endlagerung von Kernbrennstäben.
Als Übergangslösungen für den Weg ins Solarzeitalter
nannte sie erneuerbare Energien, Energieeinsparung und eine
Verbesserung der Energieeffizienz.
Diskutieren will die Fraktion am (heutigen) Mittwoch über ein
neues Papier zur Familienpolitik unter der Federführung
Künasts. Die Familie zu Beginn des 21. Jahrhunderts sei anders als
im 20. Jahrhundert, sagte sie unter Verweis auf Patchworkfamilien,
Wahlverwandtschaften und gleichgeschlechtliche Paare. Dieser
veränderten Realität müssten die Strukturen Rechnung
tragen. Die Privilegierung von Besserverdienenden und Verheirateten
müsse abgebaut werden. Künast wies Kritik aus den eigenen
Reihen zurück, dass sie mit ihrem Papier die bürgerliche
Kleinfamilie in den Vordergrund rücke. «Kleinfamilien gibt
es in vielerlei Gestalt», sagte sie. Kernforderung ist ein
Betreuungsanspruch für alle Kinder ab dem vollendeten ersten
Lebensjahr.
Die stellvertretende Fraktionschefin Katrin Göring-Eckart wies
Mutmaßungen zurück, dass ein von ihr und vier anderen
Grünen entworfenes Analysepapier mit dem Titel «Jenseits der
Lager, diesseits der Realität» eine dritte Gruppierung
innerhalb der Grünen - neben Realos und Fundis - begründen
wolle. Die Bundestagsvizepräsidentin sagte, das Papier wolle neben
Ökologie und Ökologie grüne Werte in den Vordergrund
rücken.
(Quelle: ap)
Gesundheitsreform lässt Bürger ratlos zurück
Mi.10.01.07 - Das zähe Feilschen der großen Koalition um Details der
Gesundheitsreform lässt die Bürger ratlos zurück. Vier
von fünf Deutschen wissen laut einer Forsa-Umfrage nicht, was die
Regierung mit dem Mammutprojekt will. Klar ist indes, dass die
Krankenkassenbeiträge auf Rekordniveau gestiegen sind: Nach
Berechnungen der Arbeitgeber lag der Durchschnitt im Januar bei 14,9
Prozent. Ein Gutachten des Innen- und des Justizministeriums kommt
unterdessen zu dem Schluss, dass die Gesundheitsreform
verfassungsgemäß ist.
Die 14-seitige Studie, die der Nachrichtenagentur AP seit Dienstag
vorliegt, stärkt die Auffassung von Gesundheitsministerin Ulla
Schmidt (SPD). Bedenken der Union und von Verfassungsrechtlern werden
hingegen zurückgewiesen.
Im Streit über Änderungen am Reformentwurf suchten die
Fachleute von Union und SPD am Dienstag erneut nach einer gemeinsamen
Linie. Hauptstreitpunkt ist inzwischen die Reform der privaten
Krankenversicherung. Neunstündige Verhandlungen in der Nacht zum
Dienstag hatten keine Annäherung gebracht, wie
SPD-Gesundheitsexpertin Carola Reimann der AP sagte.
Vor allem die Union zeigte sich aber zuversichtlich, dass eine
Lösung in den nächsten Tagen möglich ist. «Es
sieht sehr gut aus», sagte CSU-Gesundheitsexperte Wolfgang
Zöller.
Sein Parteichef Edmund Stoiber bezeichnete die Veränderung des
geplanten PKV-Basistarifs als entscheidend für das Gelingen der
Reform. «Wir sind der Meinung, die Eckpunkte sind hier nicht
umgesetzt», sagte der bayerische Ministerpräsident. Nur die,
die aus dem Versicherungsschutz herausgefallen seien, sollten in den
Basistarif zurückkehren können. Dies dürfe nur für
eine begrenzte Zeit gelten. Sonst wäre ein Ansturm in den
preisgünstigen Basistarif zu erwarten, den die Privatversicherer
als Verlustgeschäft sehen.
Das Gesundheitsministerium und die SPD halten die Eckpunkte zur
Privatversicherung hingegen für korrekt umgesetzt und lehnen
Änderungen ab. Die Vorschriften im Gesetz gingen auf
Vorschläge der Union zurück und seien für die SPD
bereits ein Kompromiss, sagten Reimann und die stellvertretende
Fraktionsvorsitzende Elke Ferner.
Auch die für die verfassungsrechtliche Prüfung
zuständigen Ministerien kommen zu dem Schluss, dass die
Neuregelungen zur privaten Krankenversicherung mit dem Grundgesetz
vereinbar sind. Zwar heißt es, die Gestaltung des Basistarifs
greife in die «grundrechtlich gewährleistete
Privatautonomie» ein. Dieser Eingriff sei jedoch wegen
übergeordneter «gemeinwohlorientierter Ziele» zu
rechtfertigen. Die Vorschrift, dass die Privatversicherer in den
Basistarif jeden ohne Ansehen des Gesundheitszustands aufnehmen
müssen (Kontrahierungszwang), sei für die Unternehmen
zumutbar.
Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther
Oettinger verlangte, die Mehrkosten einzelner Bundesländer
müssten bei höchstens 100 Millionen Euro pro Jahr gedeckelt
werden. Oettinger und Stoiber forderten zudem die Rücknahme von
Einsparungen bei Krankenhäusern und Rettungsdiensten.
Die Arbeitgeber zeigten sich erbost über die Beitragssteigerung zu
Jahresbeginn und forderten Gegenmaßnahmen in der Reform. Nach
ihren vorläufigen Berechnungen stieg der durchschnittliche Satz
von zuletzt rund 14,3 Prozent auf 14,9 Prozent. Dies schließt den
allein vom Arbeitnehmer gezahlten Sonderbeitrag von 0,9 Prozentpunkten
ein.
Am (heutigen) Mittwoch will sich erneut eine Spitzenrunde der Koalition
mit der Reform befassen. Zudem will die Bundesregierung offiziell
erklären, welche Änderungen sie für akzeptabel
hält. Der Bundesrat hatte mehr als 100 Änderungsanträge
beschlossen.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Natürlicher Malaria-Wirkstoff auf Madagaskar entdeckt
Mi.10.01.07 - Aus einer Pflanze, die von Bewohnern Madagaskars seit Generationen zur
Behandlung von Malaria eingesetzt wird, haben Wissenschaftler ein gegen
den Krankheitserreger wirksames Molekül isoliert. Die Pflanze
kommt nur in den östlichen Regenwäldern Madagaskars vor und
enthält das einzige bislang entdeckte Molekül, das den
Erreger bereits im ersten Infektionsstdium bekämpft, wie Philippe
Rasaonaivo vom Institut für angewandte Forschung in Madagaskar
erklärte. Die meisten Medikamente wirken erst, nachdem der Erreger
den Blutkreislauf erreicht hat.
«In ein oder zwei Jahren werden wir wahrscheinlich sagen
können, dass dies eine wichtige Entdeckung für Afrika im
Kampf gegen Malaria sein könnte», sagte Rasanaivo. Auch Jaya
Banjerji, Sprecher der Schweizer Hilfsorganisation Medicines for
Malaria Venture, äußerte sich zurückhaltend:
«Obwohl es zunächst aufregend klingt, würde ich sagen,
dass es zu früh ist um zu beurteilen, ob das Molekül
letztlich den Entwicklungsprozess durchlaufen und zum Medikament werden
kann», sagte er.
Malaria ist eine der häufigsten Todesursachen der Welt.
Schätzungen zufolge fallen der von Moskitos übertragenen
Krankheit allein in Afrika täglich 2.000 Kinder zum Opfer.
(Quelle: ap)
Erstmals drei Schwarze Löcher nahe beieinander entdeckt
Mi.10.01.07 - Astronomen haben zum ersten Mal drei dicht beeinander liegende Schwarze
Löcher entdeckt. Wie die europäische Organisation für
astronomische Forschung in der südlichen Hemisphere (ESO) in
München mitteilte, liegt das einmalige Trio (Stockholm: TRIO.ST -
Nachrichten) rund 10,5 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt. Auf
die Spur kamen die Forscher aus Frankreich und den USA den Schwarzen
Löchern durch die Entdeckung von drei Quasaren mittels
Großteleskopen in Chile und auf Hawai. Sie sind sehr hell
stahlende Objekte, die unter dem hohen Gravitationsdruck entstehen,
wenn Materie in ein Schwarzes Loch gezogen wird. Die drei Quasare
liegen "nur" 100.000 bis 150.000 Lichtjahre auseinander, was für
intergalaktische Verhältnisse ein Klacks ist.
"Quasare sind sehr seltene Objekte", erklärte George Djorgovski
vom California Institute of Technology, dessen Team das Trio entdeckt
hat. "Zwei so nahe beieinander zu finden ist sehr unwahrscheinlich.
(...) Dass drei gefunden werden, hat es noch nie gegeben." Ein einziger
Quasar kann heller strahlen als unsere gesamte Galaxie, die aus
hunderten Milliarden von Sternen besteht. Bisher sind 100.000 Quasare
bekannt, darunter auch mehrere Paare, aber bisher kein Trio.
(Quelle: afp)