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Irak am neunhundertsechsundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-Präsident Bush will Dilemma im Irak militärisch
lösen. Irakischer Präsident fordert Hinrichtungsaufschub. Bei
Anschlägen Mindestens 14 Tote
Do.11.01.07 - Die amerikanische Regierung will den anhaltenden Aufstand im Irak mit
mehr Truppen und verstärkter Aufbauhilfe niederschlagen. Vier
Jahre nach Beginn des Krieges kündigte Bush in einer
Fernsehansprache eine Änderung der bisherigen Strategie an und
bekannte sich erstmals zu Fehlern in der Irak-Politik: «Wo Fehler
gemacht wurden, liegt die Verantwortung bei mir.»
Die bisherigen Bemühungen um mehr Sicherheit in der irakischen
Hauptstadt Bagdad seien gescheitert, weil nicht genügend Truppen
dafür eingesetzt worden seien, sagte Bush am Mittwochabend in
Washington. Außerdem seien die US-Truppen von zu vielen
Einschränkungen behindert worden. Bush kündigte die
Entsendung von 21.500 zusätzlichen Soldaten in den Irak an. Diese
Truppen sollten das klare Mandat erhalten, den irakischen
Streitkräften bei der Herstellung von Sicherheit zu helfen.
Künftig sollten sie freie Hand erhalten, um in Wohnviertel
einzudringen. Auch werde es keine politische oder religiöse
Einflussnahme mehr geben, sagte Bush.
Der US-Präsident wandte sich gegen Forderungen der Demokratischen
Partei, ein Ende der amerikanischen Militärpräsenz im Irak
einzuleiten. Dies würde nur zu einem Kollaps der irakischen
Regierung führen, «dieses Land auseinander reißen und
zu massenhaftem Tod von unvorstellbarem Ausmaß
führen». Die Verstärkung der Truppen könne dazu
beitragen, den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen und «die
Ankunft des Tages zu beschleunigen, an dem unsere Truppen mit der
Heimkehr beginnen werden».
Die oppositionelle Demokratische Partei reagierte mit scharfer Kritik
auf die Rede Bushs. «Die Eskalation unserer militärischen
Verwicklung im Irak ist genau die falsche Botschaft, und wir sind
dagegen», hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von
Nancy Pelosi und Harry Reid, den Führern der Partei in beiden
Kammern des Parlaments. Bush habe schon zum dritten Mal in seiner
Amtszeit die Verstärkung der Truppen angekündigt, sagte
Pelosi. «Zwei Mal hat es nicht funktioniert.» In beiden
Kammern wird die Abstimmung über eine Entschließung
vorbereitet, die Bush dazu aufrufen soll, keine weiteren Soldaten in
den Irak zu schicken.
Nach Informationen aus dem Weißen Haus sollen fünf Brigaden
mit 17.500 Soldaten nach Bagdad geschickt werden. Die erste Brigade
soll bereits bis Montag eintreffen, die zweite bis zum 15. Februar und
die drei weiteren ebenfalls im Abstand von jeweils einem Monat.
Außerdem sollen 4.000 Marineinfanteristen in der Provinz Anbar
stationiert werden, die als Hochburg des sunnitischen Aufstands und
ausländischer Al-Kaida-Kämpfer gilt. In dem bevorstehenden
Ergänzungshaushalt sollen 5,6 Milliarden Dollar für die
Truppenverstärkung bereit gestellt werden. Das neue Programm Bushs
sieht ferner 1,2 Milliarden Dollar für Wiederaufbau und
Wirtschaftshilfe im Irak vor.
Von den Irakern verlangt die US-Regierung größere
Beiträge als bisher zum Wiederaufbau und zur Verbesserung der
Sicherheitslage. So sollen drei irakische Brigaden, insgesamt 10.000
bis 12.000 Mann, in Bagdad stationiert werden, die erste bis zum 1.
Februar, zwei weitere bis zum 15. Februar. Für den Wiederaufbau
soll die irakische Regierung zehn Milliarden Dollar bereitstellen.
Kurzfristig werde die neue Strategie eher zu einer Ausweitung der
Gewalt führen, warnte Bush. «Selbst wenn unsere neue
Strategie exakt funktioniert wie geplant, wird es weiter tödliche
Akte der Gewalt geben, und wir müssen weitere irakische und
amerikanische Opfer erwarten.» Seit der Invasion von US-Truppen
und Einheiten verbündeter Staaten im März 2003 sind im Irak
mehr als 3.000 amerikanische Soldaten getötet worden. Das
militärische Vorgehen im Irak kostete die USA bisher mehr als 400
Milliarden Dollar (308 Milliarden Euro).
Der irakische Präsident Dschalal Talabani hat am Mittwoch einen
Aufschub der geplanten Hinrichtungen von zwei Mitangeklagten Saddam
Husseins gefordert. Talabani sagte auf einer Pressekonferenz mit
US-Botschafter Zalmay Khalilzad, zunächst müsse die Lage
geprüft werden, nannte aber keine Einzelheiten. Saddam Husseins
Halbbruder Barzan Ibrahim und der ehemalige Richter Awad Hamed al Bandar
sollen nach Angaben aus irakischen Regierungskreisen in den kommenden
Tagen gehängt werden.
Sie waren gemeinsam mit Saddam Hussein schuldig gesprochen worden, an
der Ermordung von 148 Schiiten im Jahr 1982 beteiligt gewesen zu sein.
Ihre Hinrichtungen wurden auf die Zeit nach dem Ende des muslimischen
Festes Eid al Adha vertagt. Das Fest endete bereits vor einer Woche, ein
neues Datum für die Exekutionen wurde jedoch nicht bekannt
gegeben. Saddam Hussein war am 30. Dezember gehängt worden.
Bombenanschläge und Schießereien kosteten am Mittwoch im
Irak mindestens 14 Menschen das Leben. In der Stadt Tal Afar sprengte
sich ein Selbstmordattentäter in der Menge vor einem Polizeirevier
in die Luft und riss vier Zivilpersonen mit in den Tod. Fast zur
gleichen Zeit wurde der Konvoi des Bürgermeister von Tal Afar Ziel
eines Selbstmordanschlags. Ein Kind wurde getötet, vier weitere
Menschen erlitten Verletzungen. Der Bürgermeister überlebte
den Anschlag nach Angaben seines Fahrers. In Mahmudija explodierten fast
zeitgleich zwei Bomben in der Nähe einer Tankstelle. Dabei wurden
nach Polizeiangaben zwei Menschen getötet, mehrere Autos gerieten
in Brand. In Falludscha explodierten drei Granaten in einer Menge von
Polizeianwärtern. Ein Rekrut kam ums Leben.
Im Bagdader Armenviertel Sadr City wurden vier Mitglieder einer Familie
getötet, als ihr Haus zerstört wurde. Die Polizei
erklärte zunächst, das Haus sei am Dienstagabend mit
Mörsergranaten angegriffen worden. Später sagten Augenzeugen
und ein Polizist, es habe sich um einen Angriff durch ein amerikanisches
Flugzeug gehandelt.
Wegen der Erschießung eines irakischen Gefangenen wurde ein
21-jähriger US-Soldat zu neun Monaten Arrest verurteilt. Ein
Militärgericht in Kentucky befand Juston Graber am Dienstag der
schweren Körperverletzung für schuldig. Weil er in diesem
Anklagepunkt geständig war, wurden drei andere Anklagen, darunter
wegen Mordes, fallen gelassen. In dem Verfahren hätte Graber mit
einer Höchststrafe von acht Jahren Haft und unehrenhafter
Entlassung aus den Streitkräften rechnen müssen. So kann die
Strafe noch auf sechs Monate reduziert werden. Graber kann in den
Streitkräften bleiben, wurde aber zum einfachen Soldaten degradiert.
In dem Verfahren ging es um den Tod von drei Gefangenen bei einer
Razzia im Mai vergangenen Jahres in der Nähe der Stadt Samarra.
Graber sagte aus, dass er nach der Gefangennahme von mutmaßlichen
Aufständischen Schüsse gehört und drei Gefangene auf dem
Boden liegend gesehen habe. Zwei von ihnen seien offenbar noch am Leben
gewesen. Der Mitangeklagte Raymond L. Girouard habe vorgeschlagen, sie
«von ihrem Leid zu erlösen». Daraufhin habe er einem
Gefangenen ins Gesicht geschossen. «Ich wusste, dass es falsch
war, was ich getan habe», sagte Graber. Der Prozess gegen Girouard
und zwei weitere Soldaten steht noch aus.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 11.01.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertzweiundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.11.01.06 - US-Präsident schwört USA auf weitere Verluste im Irak ein:
Zustimmung zu Irak-Politik in den USA auf 39 Prozent gesunken. Bush
ruft Weltgemeinschaft zum Schuldenerlass für den Irak auf +++ Studie:
Irak-Krieg könnte USA mehr als eine Billion Dollar kosten +++ Keine
Zwischenfälle zu Beginn des Opferfestes im Irak...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0601110.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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744.000 Obdachlose in USA laut neuer Studie
Do.11.01.07 - In den Vereinigten Staaten waren im Jahr 2005 nach einer neuen Studie
schätzungsweise 744.000 Menschen obdachlos. Die am Mittwoch
vorgestellte Untersuchung der National Alliance to End Homelessness ist
die erste landesweite Erhebung über Obdachlosigkeit in den USA
seit einem Jahrzehnt. In der damaligen Studie aus dem Jahr 1996 wurde
die Zahl der Obdachlosen auf 444.000 bis 842.000 geschätzt.
Etwas mehr als die Hälfte der Obdachlosen lebt der neuen Erhebung
zufolge in Behelfsunterkünften, nahezu ein Viertel ist chronisch
obdachlos. Die Wohnsitzlosen sind mehrheitlich junge Erwachsene. 41
Prozent leben in Familien, wie aus der Studie der Organisation, die
sich für die Obdachlosen einsetzt, hervorgeht. Die meisten
Obdachlosen - 170.000 - lebten laut dem Bericht 2005 in Kalifornien,
gefolgt von den Staaten New York, Florida, Texas und Georgia.
Die National Alliance to End Homelessness fasste Daten zusammen, die
vom Ministerium für Wohnung und Stadtentwicklung gesammelt wurden.
das Ministerium will in den nächsten Wochen eine eigene
Untersuchung über Obdachlosigkeit in den USA veröffentlichen,
wie Minister Alphonso Jackson ankündigte. Künftig will das
Ministerium einmal jährlich einen Bericht über die
Obdachlosigkeit im Land erstellen.
(Quelle: ap)
US-Angriffe in Somalia lösen international Sorge aus
Do.11.01.07 - Der erste amerikanische Militäreinsatz in Somalia seit Beginn der
90er Jahre hat international Besorgnis ausgelöst. Die UN,
Deutschland und Frankreich kritisierten, dass unter den mindestens 30
Toten der Luftangriffe auch zahlreiche Zivilisten sein sollen. Sie
äußerten auch die Befürchtung, dass sich der Konflikt
ausweiten könnte.
Nach Angaben von Augenzeugen und somalischen Soldaten vom Mittwoch
sollen bei weiteren Luftangriffen nahe der Halbinsel Ras Kamboni an der
Grenze zu Kenia erneut zahlreiche Menschen ums Leben gekommen sein.
Dort sollen islamische Milizen Zuflucht gesucht haben. Ein Sprecher der
somalischen Übergangsregierung dementierte die Berichte.
Der US-Einsatz in dem ostafrikanischen Land ist möglicherweise
umfangreicher als bisher bekannt. Die Zeitung «Boston
Globe» berichtete unter Berufung auf US-Militärs,
amerikanische Spezialeinheiten seien bereits vor zwei Wochen gemeinsam
mit äthiopischen Soldaten in Somalia eingerückt. Vor der
somalischen Küste kreuzen mehrere US-Kriegsschiffe, um islamische
Milizen an der Flucht über das Meer zu hindern. Die USA wollen
seit langem verhindern, dass Somalia Zufluchtsort für Terroristen
wird.
Die USA haben nach eigenen Angaben bereits am Sonntag mutmaßliche
El-Kaida-Terroristen aus der Luft angegriffen. Nach
Augenzeugenberichten gab es auch am Montag und Dienstag Luftangriffe
auf mehrere Orte im Süden des Landes. Dabei sollen insgesamt 60
Menschen ums Leben gekommen sein, unter ihnen viele Viehhirten. Die
Herkunft der Angreifer blieb unklar. Die somalische Regierung war nach
eigenen Angaben über Angriffe der USA informiert und rechtfertigte
den Einsatz gegen mutmaßliche Terroristen.
Äthiopiens Ministerpräsident Meles Zenawi sagte am
Mittwochabend in Addis Abeba, bei dem US-Luftangriff seien «acht
Terroristen» getötet worden. Fünf weitere seien
verletzt und von äthiopischen Soldaten festgenommen worden.
Ungewiss ist, ob dabei der als Terrorist gesuchte Fazul Abdullah
Mohammed ums Leben kam. Er wird als einer der Verantwortlichen für
die Anschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998
gesucht, bei denen mehr als 200 Menschen starben. Der 34-Jährige
steht auf der Liste der meistgesuchten Terroristen der Bundespolizei
FBI. Auf ihn ist ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar
ausgesetzt. Die US-Regierung äußerte sich nicht zu den
Berichten über seinen Tod.
Eine UN-Sprecherin in New York erklärte: «Ungeachtet der
Motive der berichteten Militäraktion fürchtet der
Generalsekretär (Ban Ki Moon), dass das Vorgehen eine neue
Dimension in den Konflikt einbringt und die Feindseligkeiten
möglicherweise noch eskalieren lässt.» Für die
Bundesregierung erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes
in Berlin, man habe mit Sorge zur Kenntnis genommen, dass auch
Zivilisten ums Leben gekommen sein sollen. Ein Sprecher des
Außenministeriums in Paris erklärte, die Luftangriffe
«machen die Lage in Somalia komplizierter und können die
schon sehr großen Spannungen in diesem Land erhöhen».
Unterdessen kamen bei einem erneuten Anschlag auf ein äthiopisches
Militärlager in Mogadischu am Dienstagabend nach
Augenzeugenberichten drei Menschen ums Leben. Auch am Mittwoch waren in
der Hauptstadt Schießereien zu hören. Das mit den USA
verbündete Äthiopien hatte Ende Dezember Truppen nach Somalia
geschickt, um die islamischen Milizen zu vertreiben, die weite Teile
des Landes kontrollierten.
(Quelle: dpa)
Bomben und Tote vor ASEAN-Gipfel in Manila
Do.11.01.07 - Kurz vor dem Beginn eines prestigeträchtigen Gipfeltreffens mit 16
Staats- und Regierungschefs sind am Mittwoch auf den Philippinen zwei
Bomben explodiert.
In General Santos City rund 1000 Kilometer südlich von Manila riss
ein Sprengsatz auf einem belebten Markt sechs Menschen in den Tod,
darunter einen zehnjährigen Jungen, und verletzte 23. Kurz darauf
explodierte an einem Polizeiposten ein zweiter Sprengsatz und verletzte
zwei Menschen. Die Behörden gingen nach ersten Angaben von
Terroranschlägen aus.
Auf der Insel Cebu etwa auf halbem Weg zwischen Manila und General
Santos City soll an diesem Samstag der Gipfel des Verbundes der
südostasiatischen Staaten (ASEAN) beginnen. Am Sonntag werden auch
die Regierungschefs unter anderem aus China, Indien und Australien
erwartet. Das Treffen war im Dezember in letzter Minute verschoben
worden, offiziell wegen eines nahenden Taifuns, doch hatten mehrere
Regierungen ihre Delegationen vor Terrorgefahren gewarnt. Im Süden
der Philippinen kämpfen seit Jahren muslimische Terrorgruppen
für einen separaten Staat.
Der erste Sprengsatz in General Santos City detonierte vor einem
Lottoschalter. Dort standen Dutzende Menschen Schlange, um ihre
Tippscheine abzugeben. Nach Angaben von Polizeidirektor Alfredo
Toroctocon entkamen die Täter. Der zweite Sprengsatz explodierte in
der nahe gelegenen Stadt Kidapawan City an einer Polizeistation.
Die philippinische Regierung hat die Alarmbereitschaft im ganzen Land
wegen des Gipfels erhöht. Sie beteuerte mehrfach, dass die
Sicherheit der anreisende Delegationen garantiert sei.
Erst am Dienstag hatte die Armee in einem Gefecht auf der Insel Jolo
einen Anführer der mit El Kaida verbündeten Terrorgruppe Abu
Sayyaf getötet. Am Samstag waren fünf Kämpfer der Gruppe
und ein mutmaßlicher Anführer der Terrorgruppe Jemaah
Islamiyah vor der Insel Tawi-Tawi in einem Boot aufgebracht und
getötet worden. Die beiden Gruppen werden für zahlreiche
Terroranschläge in Südostasien verantwortlich gemacht, unter
anderem auf Bali, wo 2002 mehr als 200 Menschen ums Leben kamen. Die
Gipfelteilnehmer wollten unter anderem eine Vereinbarung über eine
engere Zusammenarbeit in der Terrorbekämpfung unterzeichnen.
(Quelle: dpa)
Russland und Weißrussland legen Ölstreit bei - Pipeline
wieder auf
Do.11.01.07 - Nach gut zweitägiger Unterbrechung fließt wieder russisches
Öl durch die "Druschba"-Pipeline nach Westeuropa.
Weißrussland nahm den unterbrochenen Transport am Mittwochabend
wieder auf, wie russische Nachrichtenagenturen berichteten. Zuvor hatte
die Regierung in Minsk nach eigenen Angaben die umstrittenen
Transitgebühren für Öl aus dem Nachbarland aufgehoben,
die die Blockade der "Druschba"-Pipeline am Montag mit veranlasst
hatten.
Die Öldurchleitung sei entsprechend der zwischen Russland und
Weißrussland erzielten Übereinkunft wieder aufgenommen
worden, zitierte die russische Nachrichtenagentur RIA-Nowosti den Chef
der Pipeline-Betreibergesellschaft, Alexej Kostjuschenko. Die
weißrussische Regierung hatte zuvor erklärt, sie habe die
umstrittenen Transitgebühren für russisches Öl wieder
gestrichen. Diese Gebühren waren Teil des Streits zwischen Minsk
und Moskau, der zur Pipeline-Blockade geführt hatte.
Die Anlage in Schwedt sowie die Großraffinerie in Spergau bei
Leuna mussten am Mittwoch ihre Produktion wegen der Blockade der
Pipeline deutlich drosseln. In Schwedt wurden nur noch rund 60 Prozent
des üblichen Volumens von etwa 31.000 Tonnen pro Tag verarbeitet.
In Spergau wurden rund 70 Prozent der üblichen Rohölmenge
verarbeitet.
Deutschland hat nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbandes im
Jahr 2005 insgesamt 112,2 Millionen Tonnen Rohöl importiert. Davon
kamen 38,3 Millionen Tonnen aus Russland, von denen wiederum 23,4
Millionen Tonnen über die weißrussische Pipeline "Druschba"
flossen.
(Quelle: afp)
EU droht mit Zerschlagung der Energiekonzerne
Do.11.01.07 - Mit einer neuen Energiestrategie will die EU-Kommission gegen die
wachsende Abhängigkeit Europas von Energie-Importen
ankämpfen; den Energieriesen droht die Behörde die
Zerschlagung an, um mehr Wettbewerb zugunsten der Verbraucher
durchzusetzen. In ihrem neuen Energiepaket dringt die Kommission - auch
angesichts der aktuellen russischen Pipeline-Blockade - auf eine
sicherere Versorgung bei geringerer Umweltbelastung: Bis 2020 soll etwa
der Treibhausgas-Ausstoß im Vergleich zu 1990 um ein Fünftel
sinken.
Bei der Vorstellung der mehr als tausend Seiten starken Brüsseler
Pläne sagte Kommissionschef José Manuel Barroso, eine
aktuelle Überprüfung habe gezeigt, dass die Märkte
für Strom und Gas nicht so wettbewerbsfähig arbeiteten, wie
dies möglich sei. Es sei daher die "klare Präferenz" der
Behörde, bei den Konzernen Produktion und Verteilernetz zu
trennen. Das soll den Konkurrenten der Energieriesen helfen, sich am
Markt zu etablieren. Den Kunden könnte dies sinkende Preise
bescheren.
Nach Angaben der Kommission ist die EU bei Öl und Gas heute schon
zu 50 Prozent von Drittstaaten abhängig, im Jahr 2030 wären
es sogar 65 Prozent, wenn es weitergehe wie bisher. Barroso forderte
daher, die Union müsse gegenüber Drittstaaten künftig
mit einer Stimme sprechen und stärker als bisher auf verschiedene
Anbieter und Energiequellen setzen.
Die Brüsseler Pläne für die Energieriesen lösten
unverzüglich scharfe Kritik aus: Der Verband der
Elektrizitätswirtschaft (VDEW) kritisierte, dies gehe "deutlich zu
weit". Die Zeitung "Die Welt" zitiert Eon-Chef Wulf Bernotat mit den
Worten, nach deutschem Recht laufe die Forderung aus Brüssel auf
eine Enteignung hinaus. Der Präsident der deutschen
Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, erklärte: "Der faire Netzzugang
lässt sich auch gewährleisten, ohne dass die Unternehmen das
Eigentum abgeben müssen." Deutschlands Wirtschaftsminister Michael
Glos (CSU) sagte, zunächst müsse geprüft werden, ob eine
Entflechtung verfassungskonform sei.
Bei der Atomenergie will die Kommission den Staaten freie Hand lassen.
Es sei nicht Sache der Kommission, den Ländern in diesem Bereich
Vorschriften zu machen, sagte Barroso. Konkrete Gesetzesvorhaben
enthält das Energiepaket nicht. Die europäische
Energiepolitik ist aber eines der Top-Themen beim Frühjahrsgipfel
der EU-Staats- und Regierungschefs im März.
(Quelle: afp)
EU-Kommission will Treibhausgase bis 2020 um 20 Prozent reduzieren
Do.11.01.07 - Die EU-Kommission will beim Klimaschutz vorangehen und die
Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um mindestens 20 Prozent unter das
Niveau von 1990 drücken. «Europa muss die Welt in eine neue,
postindustrielle Revolution führen», sagte
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Mittwoch bei
der Vorstellung der neuen Energiestrategie seiner Behörde. Falls
die anderen Industriestaaten mitziehen, sollte sich die EU nach
Vorstellung der Kommission sogar auf eine Reduzierung der
Kohlendioxid-Emissionen um 30 Prozent verpflichten.
Zugleich soll der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung
bis 2020 auf 20 Prozent erhöht werden, der Anteil von Biodiesel am
Kraftstoffverbrauch auf zehn Prozent. Die Kommission bekräftigte
überdies ihr bereits im Oktober vorgelegtes Ziel, den
Energieverbrauch bis 2020 um 13 Prozent gegenüber dem derzeitigen
Stand zu senken. Während in Deutschland Regierung und Industrie die
Vorschläge im Grundsatz begrüßten, zeigten sich
Grüne und Umweltverbände enttäuscht.
Positiv an den Kommissionsvorschlägen seien vor allem die
Ansätze, den Ausbau der erneuerbaren Energien zu fördern und
mehr für Energieeffizienz zu tun, sagte der stellvertretende
Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Auch der Präsident des
Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann,
begrüßte das Bemühen der EU-Kommission für mehr
Energieeffizienz. Hier könne die deutsche Industrie auf beachtliche
Erfolge verweisen, erklärte der BDI-Präsident.
Dagegen bemängelten der Deutsche Naturschutzring, Greenpeace, der
BUND und die Umweltstiftung WWF, die angestrebte Reduzierung der
Treibhausgas-Emissionen um 20 Prozent sei nicht ehrgeizig genug.
Grünen-Fraktionschefin Renate Künast nannte dies «ein
Armutszeugnis». Zudem kritisierte Künast ebenso wie die
Umweltverbände, die Kommission halte ihrer Energiestrategie an
fossilen Energieträgern wie Öl und Kohle sowie an der
Atomkraft fest. «Die Kommission spricht von einem Energiemix, doch
was sie da zusammengemischt hat, ist eher ein energiepolitischer
Gift-Cocktail», kritisierte der Präsident des Deutschen
Naturschutzrings (DNR), Hubert Weinzierl, in Bonn.
Tatsächlich wird die Atomkraft von der Kommission als «eine
Option zur Reduzierung von CO2-Emissionen» gewürdigt. Zudem
will die Brüsseler Behörde die Errichtung von bis zu
zwölf Modellkraftwerken für «nachhaltige Nutzung
fossiler Brennstoffe» fördern. Ferner regt sie an,
Kohlekraftwerke mit Abfangfiltern und Speichertechniken für CO2
auszustatten.
Zur Begründung verweist die Brüsseler Behörde auf
wissenschaftliche Untersuchungen, die dramatische Folgen einer weiteren
Erderwärmung prognostizieren. Bei einem Anstieg der weltweiten
Durchschnittstemperatur um drei Grad Celsius könnte im letzten
Drittel dieses Jahrhunderts die Zahl der Hitze- und Kältetoten in
der EU um 86.000 pro Jahr steigen, schreibt die Kommission. Bei einem
Anstieg um 2,2 Grad Celsius könnte dieser Anstieg auf 36.000
zusätzliche Opfer jährlich begrenzt werden. Die
Vorschläge der Kommission zielen darauf ab, den weltweiten
Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen.
Die EU-Kommission forderte die Entwicklungsländer auf, ebenfalls
einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Zwar liege die
Hauptverantwortung für die globale Erwärmung bei den
Industriestaaten. Die Entwicklungsländer sollten jedoch beginnen,
zumindest die Zunahme ihrer Treibhausgas-Emissionen zu begrenzen und ab
2020 auch Schritte zu deren Reduzierung ergreifen.
(Quelle: ap)
Deutschland
Streit über neues Wärmegesetz
Do.11.01.07 - In der Bundesregierung ist einem Bericht zufolge ein Streit über
das geplante Wärmegesetz zur Förderung regenerativer
Heizwärme und eine damit verbundene Energie-Abgabe ausgebrochen.
Die Union befürchte, dass das von Umweltminister Sigmar Gabriel
geplante Gesetz die Heizkosten der Verbraucher in die Höhe treiben
könnte, schreibt die «Berliner Zeitung».
«Ein Wärmegesetz ist in der Koalition nicht
mehrheitsfähig. Das würde alle Verbraucher belasten»,
sagte die stellvertretende Unionsfraktionschefin Katherina Reiche. Nach
der Mehrwertsteuererhöhung zu Beginn des Jahres sei dies nicht
durchsetzbar. Zuvor hatte Gabriel angekündigt, regenerative
Wärme etwa aus Biogas, Solarthermie oder Biomasse analog des
Erneuerbare-Energien-Gesetzes fördern zu wollen. Signifikante
Kostensteigerungen für die Verbraucher hatte er ausgeschlossen,
zugleich aber betont, dass Heizwärme am Anfang des
Förderzeitraums minimal teurer werden könne.
(Quelle: ap)
Koalitionsrunde bringt keine konkreten Ergebnisse
Do.11.01.07 - Das Treffen der Koalitionsspitzen am Mittwochabend in Berlin hat
erwartungsgemäß keine konkreten Ergebnisse gebracht. Der
SPD-Vorsitzende Kurt Beck sprach nach der zweieinhalbstündigen
Sitzung trotzdem von einem «äußerst konstruktiven
Gespräch» und von großen Fortschritten.
Man habe den Zeitplan für die Gesundheitsreform bestätigt,
die am 1. April in Kraft treten soll, sagte er. «Ich bin mir
zwischenzeitlich sehr sicher, dass wir zu einer Lösung kommen in
Bundestag und Bundesrat, die einvernehmlich sein wird.» CSU-Chef
Edmund Stoiber hat bei dem Treffen nach Angaben Becks
Kompromissbereitschaft signalisiert. «Ich hatte deutlich das
Gefühl, gerade auch beim Kollegen Stoiber, dass man sich
aufeinander zubewegen will.»
Die scharfe Kritik des SPD-Fraktionsvorsitzenden Peter Struck am
Verhalten der CSU in der Koalition spielte bei dem Treffen auch eine
Rolle. «Wir haben uns heute sehr schnell darauf verständigt,
dass wir konstruktiv weiter machen wollen», sagte Beck dazu.
«Deshalb schaue ich nicht zurück, sondern nur nach vorne. Es
ist offen gesprochen worden, aber sehr verbindlich.»
Struck hatte unmittelbar vor der Sitzung das Gebaren der CSU scharf
kritisiert. «Ich akzeptiere nicht, dass der kleinste Partner mit
46 Abgeordneten die Richtung bestimmen will», sagte er dem
«Handelsblatt» (Donnerstagsausgabe). Der SPD-Fraktionschef
forderte, der Gesundheitsstreit der vergangenen Wochen müsse
Konsequenzen haben. Insbesondere die Anwürfe von
CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer gegen Gesundheitsministerin Ulla
Schmidt (SPD) seien «nicht akzeptabel». Inhaltlich wies
Struck die Forderungen der CSU kategorisch zurück.
Auch zur Zukunft der Steinkohle trafen die Koalitionspartner noch keine
Entscheidung. «Darüber wird noch verhandelt», sagte
Beck. Die zu dem Thema eingesetzte Arbeitsgruppe tage weiter.
Voraussichtlich bei der nächsten Koalitionsrunde am 29. Januar
werde eine Grundsatzentscheidung getroffen.
Ein für Freitag geplanter Kohlegipfel unter Leitung von
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos war bereits vor der
Koalitionsrunde abgesagt worden - offenbar wegen geringer
Kompromisschancen. Der nordrhein-westfälische
Ministerpräsident Jürgen Rüttgers zeigte sich besorgt.
«Wir brauchen eine schnelle Entscheidung über den
Börsengang der RAG, um die Arbeitsplätze der Mitarbeiter zu
sichern», sagte er in Düsseldorf.
(Quelle: ap)
Landtags-Anhörung zur Häufung von Leukämiefällen
Do.11.01.07 - Die auffällig häufigen Leukämieerkrankungen in der
Elbmarsch beschäftigen demnächst den niedersächsischen
Landtag. Auf Initiative der Grünen beschloss der Sozialausschuss am
Mittwoch eine Experten-Anhörung zu diesem Thema. «Ich bin
zuversichtlich, dass jetzt mehr Licht in das Dunkel rund um die
Leukämieerkrankungen und die Vorgänge im Zusammenhang mit den
Funden der mysteriösen Kügelchen in der Elbmarsch
kommt», sagte der atompolitische Grünen-Sprecher Andreas
Meihsies in Hannover. Nach der Anhörung werde der Ausschuss
gegebenenfalls weitere Untersuchungen beauftragen.
Die Ursache für die Häufung von Leukämieerkrankungen in
der Elbmarsch ist nach Ansicht der Bundesregierung unklar. Im Oktober
hatte sie in einer Antwort auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion
erklärt, dass es keine Belege dafür gebe, dass das nahe
gelegene Kernkraftwerk Krümmel etwas mit den Erkrankungen zu tun
habe. Eine zufällige Leukämiehäufung sei zwar
unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen.
Seit 1989 sind bereits 16 Kinder in der Umgebung des Kernkraftwerkes
Krümmel und der Kernforschungsanlage GKSS in Geesthacht an der
schweren Blutkrankheit erkrankt. Bei Bodenproben in der Elbmarsch waren
unter anderem «Kügelchen» mit angereichertem Uran
gefunden worden.
(Quelle: ddp)