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Irak am neunhundertsiebenundzwanzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
US-Präsident Bush wirbt vor US-Truppen für neue
Irak-Strategie. Demonstrationen gegen Irak-Politik in den USA. 70
Prozent der Amerikaner gegen weitere Truppenentsendung in den Irak. 18
Jahre Haft für US-Soldaten wegen Tötung von Irakern
Fr.12.01.07 - Einen Tag nach seiner Irak-Rede an die Nation hat Präsident George
W. Bush vor US-Truppen für seine umstrittene neue Strategie zur
Befriedung des arabischen Landes geworben. Das Jahr 2006 im Irak sei
schwieriger gewesen als er erwartet habe, wiederholte Bush am
Donnerstag in Fort Benning (Bundesstaat Georgia).
Etwa 4000 Soldaten der dort stationierten 3. Infanterie-Division werden
im Zuge des neuen Bush-Planes demnächst nach Bagdad geschickt
werden. Insgesamt hatte Bush in der Rede am Mittwochabend (Ortszeit)
die zusätzliche Entsendung von 21.500 Soldaten in den Irak
angekündigt.
Ein Scheitern in diesem Teil der Welt könne angesichts der
Bedrohung durch radikale Islamisten ein Desaster daheim nach sich
ziehen, warnte Bush in Fort Benning erneut. Daher wäre ein
Rückzug aus dem Irak zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein Fehler.
Der Präsident bekräftigte weiter, dass die amerikanische
«Verpflichtung» im Irak nicht unbegrenzt sei. Die irakische
Regierung müsse ihre Entschlossenheit unter Beweis stellen, die
nötigen eigenen Schritte zur Eindämmung der religiös
motivierten Gewalt im Land zu unternehmen.
Auch der neue Verteidigungsminister Robert Gates verteidigte in einer
Anhörung des Streitkräfteausschusses des Abgeordnetenhauses
den Bush-Plan. Er sei eng mit den US-Kommandeuren vor Ort und der
irakischen Regierung abgestimmt worden, mit der «deutliche
Gespräche» stattgefunden hätten. Die neue Strategie sei
vernünftig. US- Generalstabschef Peter Pace äußerte
sich in demselben Hearing überzeugt, dass die neue Strategie zum
Erfolg führen werde.
Einen Tag nach der Grundsatzrede von US-Präsident George W. Bush
zur Irak-Politik sind von New York bis San Francisco hunderte von
Kriegsgegnern auf die Straße gegangen. Eine der Kundgebungen fand
auf einer Verkehrsinsel auf dem New Yorker Times Square statt. Dort
bekundeten Autofahrer auf der Kreuzung ihre Unterstützung mit
lautem Hupen. Zu Kundgebungen wurde auch in Boston und mehreren
kalifornischen Städten aufgerufen. Mehrere Organisationen von
Gegnern des Irak-Kriegs riefen für den 27. Januar zu einer
Großdemonstration in Washington auf, die sich vor allem an den
Kongress wenden soll.
70 Prozent der Amerikaner sind gegen die Entsendung weiterer Soldaten
in den Irak. Das geht aus einer AP-Ipsos-Umfrage hervor, die am
Donnerstag veröffentlicht wurde. Präsident George W. Bush
hatte am Mittwochabend im Rahmen seiner neuen Irak-Strategie eine
Verstärkung der US-Truppen in dem Land
angekündigt. 60 Prozent der Befragten vertraten in der Umfrage die
Ansicht, dass es wahrscheinlich nicht gelingen werde, im Irak eine
stabile demokratische Regierung zu etablieren. Für die Erhebung
wurden von Montag bis Mittwochabend 1.002 Erwachsene in den USA
telefonisch befragt.
Wegen Tötung von drei irakischen Gefangenen ist ein amerikanischer
Soldat in den USA zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt worden. In dem
Militärverfahren in Fort Campbell hatte er sich zuvor des Mordes,
versuchten Mordes und der Rechtsbehinderung schuldig bekannt, wie
Medien berichteten. Der verurteilte 24-Jährige gehört zu
einer Gruppe von vier US-Soldaten, die beschuldigt worden waren, die
drei Iraker nach deren Gefangennahme im Zuge einer Razzia bei Samara
Anfang 2006 vorsätzlich erschossen zu haben.
(Quellen: ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 12.01.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertdreiundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.12.01.06 - Deutscher Auslandsgeheimdienst hat angeblich US-Truppen im Irak-Krieg
unterstützt +++ US-Soldaten töten in Bagdad sechs
Aufständische +++ Britischer Offizier kritisiert Vorgehen der
US-Streitkräfte im Irak +++ Bush drängt zu 'ehrlicher'
Irak-Debatte im Kongress-Wahlkampf +++ Deutschland verstärkt
Wiederaufbauhilfen für Irak...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0601120.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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NATO meldet Tod von 150 Aufständischen in Afghanistan
Fr.12.01.07 - Bei schweren Gefechten im Osten Afghanistans sind nach NATO-Angaben bis
zu 150 Aufständische getötet worden. Zwei große Gruppen
von Kämpfern hätten von Pakistan aus die Grenze
überschritten und seien vom Boden und aus der Luft beschossen
worden, teilte das Militärbündnis am Donnerstag mit. Ein
Taliban-Sprecher bezeichnete die Angaben als falsch.
Der afghanische General Murad Ali erklärte, die Rebellen seien mit
mehreren Lastwagen voll Munition unterwegs gewesen. Die NATO teilte mit,
nach ersten Schätzungen seien in der Provinz Paktika 150
Kämpfer ums Leben gekommen. Ali sprach von mehr als 50 Toten, ein
Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums von etwa 80 Toten.
Ein Taliban-Sprecher, Muhammad Hanif, erklärte in einer
Textbotschaft an einen Reporter der Nachrichtenagentur AP, die Zahl von
150 Toten sei eine Lüge. Die Amerikaner wollten auf diese Weise die
Moral ihrer Truppen verbessern.
Bei Gefechten im Süden des Landes wurden neun mutmaßliche
Taliban-Rebellen getötet, wie ein Polizeisprecher am Donnerstag
mitteilte. Die NATO-Truppen forderten bei den Kämpfen am Mittwoch
in der Provinz Helmand Luftunterstützung an und stellten in der
Ortschaft Gereschk Waffen und Munition der Aufständischen sicher.
Ein afghanischer Soldat erlitt nach Angaben des
Militärbündnisses Verletzungen.
Der afghanische Rebellenführer Gulbuddin Hekmatjar erklärte
in einem Fernsehinterview, seine Kämpfer hätten dem
Terroristenführer Osama bin Laden vor fünf Jahren zur Flucht
aus der Bergregion Tora Bora verholfen. Hekmatjar sagte dem
pakistanischen Fernsehsender Geo TV, seine Anhänger hätten Bin
Laden, seinen Stellvertreter Aiman al Sawahiri und andere
Verbündete an einen sicheren Ort gebracht. Einzelheiten nannte er
nicht. Nach Einschätzung von westlichen, afghanischen und
pakistanischen Behörden waren die US-Truppen damals kurz davor, den
Terrorführer zu fassen.
(Quelle: ap)
Weltweite Forderung nach Schließung Guantanamos
Fr.12.01.07 - Zum fünfjährigen Bestehen des US-Gefangenenlagers Guantanamo
haben Menschenrechtsaktivisten und Politiker am Donnerstag in der ganzen
Welt erneut dessen Schließung gefordert. In mehreren Ländern
kam es zu Protestkundgebungen. Eine Delegation der amerikanischen
Friedensbewegung protestierte vor dem umstrittenen
US-Militärgefängnis auf Kuba.
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte für
Donnerstag zu weltweiten Protestaktionen gegen das Gefangenenlager
aufgerufen, in dem die USA nach den Anschlägen vom 11. September
2001 hunderte Terrorverdächtige aus der ganzen Welt festhalten.
In Berlin folgten nach Auskunft von AI 20 bis 25 Menschen dem Aufruf
der Organisation.
Etwa 100 Menschen demonstrierten in London vor der US-Botschaft. In
Sprechchören forderten sie die Schließung des Lagers. Die
Demonstranten trugen wie die Gefangenen in Guantanamo orangefarbene
Häftlingskleidung. Unter ihnen waren auch drei Personen in
grünen Kampfanzügen, die Wachleute darstellten und die
übrigen Demonstranten abwechselnd aufforderten, sich niederzuknien
und wieder aufzustehen.
Die britische AI-Direktorin Kate Allen kritisierte das
US-Gefangenenlager als «Ikone der Gesetzlosigkeit». In einer
Erklärung appellierte Amnesty International an die deutsche
EU-Ratspräsidentschaft, darauf zu dringen, dass Guantanamo
geschlossen werde.
Ein zehnjähriger Junge, dessen Vater vier Jahre im dem Lager
inhaftiert ist, bat den britischen Premierminister Tony Blair in einem
Brief, sich für dessen Freilassung einzusetzen. «Lebt er
überhaupt noch? Nur Gott weiß es», schreibt Anas
el-Banna. Der 44-jährige in Großbritannien lebende Jamil
el-Banna war im November 2002 auf einer Geschäftsreise in Gambia
gefangen genommen und den US-Behörden übergeben worden. Er
soll zunächst nach Afghanistan und dann nach Guantanamo gebracht
worden sein.
Unter den Demonstranten vor dem Lager war auch die als «Peace
Mom» bekannte amerikanische Friedensaktivistin Cindy Sheehan,
deren Sohn im Irak-Krieg getötet wurde. In dem
Militärgefängnis sind nach US-Angaben noch 395 Männer
wegen mutmaßlicher Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Kaida oder
den afghanischen Taliban inhaftiert. 60 bis 80 Häftlingen wollen
die US-Streitkräfte den Prozess machen. Die überwiegende
Mehrheit der Gefangenen sitzt ohne Anklage in dem Lager.
Politiker mehrerer Parteien in Deutschland verlangten am Donnerstag
ebenfalls eine Schließung des Lagers. Grünen-Chefin Claudia
Roth forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, ihre guten Beziehungen
zu US-Präsident George W. Bush zu diesem Zweck zu nutzen. Der
Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke, warnte
indes vor einer einseitigen Fixierung auf das Thema und erntete damit
heftige Kritik.
Die stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion, Petra Pau,
erklärte, Guantanamo sei ein Hort und ein Symbol permanenter und
vorsätzlicher Menschenrechtsverletzung. Der Name sei längst
Symbol für die falsche Politik der USA im Antiterror-Krieg geworden.
Der FDP-Politiker Wolfgang Gerhardt sagte, die USA hätten mit dem
Lager «nicht nur die Menschenrechte eklatant verletzt, sie haben
sich damit auch außerhalb gültiger Rechtsnormen der gesamten
westlichen Welt gestellt». Der kürzlich erschienene Berichte
des FBI über die Foltermethoden in dem Lager zeige nur eines:
«Das Lager muss sofort geschlossen und die Gefangenen müssen
vor ordentliche Gerichte gestellt werden.»
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Palästinenserpräsident Abbas fordert Ende der Kämpfe
zwischen Fatah und Hamas
Fr.12.01.07 - Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas hat auf einer
Fatah-Kundgebung am Donnerstag zu einem Ende der Kämpfe zwischen
Anhängern seiner Bewegung und der Hamas aufgerufen. Wer die von ihm
geforderten Neuwahlen in den Autonomiegebieten ablehne, solle die
Entscheidung nicht auf den Straßen, sondern vor Gericht anfechten,
sagte Abbas. Er vermied jedoch, die militante Hamas direkt für die
jüngsten Zusammenstöße verantwortlich zu machen.
«Das Wichtigste für mich ist, die nationale Einheit zu
bewahren und interne Kämpfe zu verhindern und zu verbieten»,
betonte er.
Abbas ließ offen, ob er weiter an seiner Forderung nach Neuwahlen
festhält. Abbas-Berater Rafik Husseini erklärte jedoch, der
Präsident wolle zunächst Koalitionsverhandlungen mit der Hamas
eine weitere Chance geben. Die Gespräche über die Einbindung
der Fatah in die Hamas-geführte Regierung würden bald
fortgesetzt und mindestens zwei Wochen dauern. Wenn die Verhandlungen
scheiterten, werde Abbas seine Pläne für vorgezogene
Neuwahlen jedoch weiter verfolgen. Bei Kämpfen zwischen
bewaffneten Anhängern der Fatah und der Hamas wurden in den
vergangenen Wochen Dutzende Menschen getötet.
(Quelle: ap)
ASEAN beschließt Wirtschaftsgemeinschaft nach Vorbild der EU
Fr.12.01.07 - Die zehn Mitglieder der Südostasiatischen Staatengemeinschaft
(ASEAN) wollen bis 2015 einen engen Wirtschaftsverbund nach dem Vorbild
der EU bilden. Die Teilnehmer des ASEAN-Gipfels verständigten sich
am heute in der philippinischen Stadt Cebu darauf, eine entsprechende
Charta zu verfassen. Dies geht aus dem Entwurf für das
Abschlusskommunique vor, das am Sonntag verabschiedet werden soll.
Die geplante «ASEAN-Wirtschaftsgemeinschaft» soll demnach
eine Freihandelszone sowie einen gemeinsamen Binnenmarkt für den
freien Fluss von Gütern, Dienstleistungen, Investitionen und
Kapital einschließen. Geplant ist ferner der gemeinsame Kampf
gegen Terrorismus und grenzüberschreitende Kriminalität, der
Schutz von Wanderarbeitern, Maßnahmen gegen die Armut und die
Umstellung von fossilen auf erneuerbare Energieträger.
(Quelle: ap)
Notstand in Bangladesch ausgerufen
Fr.12.01.07 - Nach wochenlangen gewaltsamen Protesten der Opposition hat die
Regierung in Bangladesch am Donnerstag den Notstand ausgerufen.
Übergangspräsident Iajuddin Ahmed werde sich in einer Fernseh-
und Radioansprache an das Volk wenden, um seine Entscheidung zu
erklären, sagte sein Pressesprecher. Für die Hauptstadt Dhaka
und 60 weitere Städte und Ortschaften wurden Ausgehverbote
verhängt, die ab Donnerstagabend gelten sollten. Das staatliche
Fernsehen berichtete, die Verbote sollten von 23.00 Uhr bis 05.00 Uhr
gelten. Die Opposition will eine Verschiebung der für den 22.
Januar geplanten Parlamentswahl erreichen und fordert eine
Wahlrechtsreform.
(Quelle: ap)
Grüne für europaweite Volksabstimmung über EU-Verfassung
Fr.12.01.07 - Die Grünen plädieren für eine europaweite
Volksabstimmung über den geplanten neuen Entwurf einer
EU-Verfassung 2009. Nach einem Treffen der Grünen-Fraktionen in
Bundestag und EU-Parlament am Donnerstag in Berlin sagte der
Europaabgeordnete Daniel Cohn-Bendit, die Entscheidung der
Bevölkerung müsse für die 27 EU-Mitgliedstaaten bindende
Wirkung haben. Die italienische Europaabgeordnete Monica Frassoni
forderte eine parlamentarische Beteiligung an der Neufassung des
Entwurfs.
Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft will bis Juni einen Fahrplan
vorlegen, wie die auf Eis liegende EU-Verfassung wiederbelebt werden
kann. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich zum Ziel gesetzt, dass die
Verfassung bis zur Europawahl 2009 in Kraft sein soll. Für die
Neufassung des Texts ist die Einberufung einer Regierungskonferenz im
Gespräch.
Dies lehnen die Grünen ab. Die Kovorsitzende der
Grünen-Fraktion im Europaparlament, Frassoni, sagte, um einen
akzeptablen Verfassungstext zu bekommen, müsse es eine
parlamentarische Beteiligung geben. Das könne in Form eines
Konvents geschehen. Der Kovorsitzende Cohn-Bendit forderte ein
beschränktes Mandat für den Konvent, der aus der Verfassung
einen handhabbaren Text machen müsse. Dieser solle die
Grundrechtscharta und einen institutionellen Teil umfassen. Man
könne den Franzosen und Niederländern, die in Referenden gegen
die Verfassung gestimmt hatten, nicht den selben Text vorlegen, sagte
Frassoni.
Cohn-Bendit schlug vor, die Europawahl 2009 mit der Abstimmung
über den Verfassungstext zu verbinden. Anschließend
müsste das Dokument von den Mitgliedstaaten ratifiziert werden. Er
verlangte eine doppelte Mehrheit für die Verfassung: die Mehrheit
der Bürger der Europäischen Union und die Mehrheit der 27
Mitgliedstaaten. Diejenigen Staaten, in denen die Verfassung nicht
angenommen werde, müssten sich fragen, ob sie in der EU bleiben
wollten.
(Quelle: ap)
Arbeitnehmer bekommen immer weniger vom Volkseinkommen
Fr.12.01.07 - Während Unternehmensgewinne und Vermögenseinkünfte 2006
erneut kräftig zulegten, mussten sich die Arbeitnehmer zum siebten
Mal in Folge mit einem geringeren Anteil des Volkseinkommens
begnügen.
"Die Einkommensschere zwischen Arbeitnehmerentgelt und
Unternehmenseinkommen hat sich weiter geöffnet", sagte der
Präsident des Statistischen Bundesamtes, Walter Radermacher, am
Donnerstag bei der Bekanntgabe des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für
2006. Die Arbeitnehmerentgelte legten um 1,3 Prozent zu, die Einkommen
aus Unternehmensgewinnen und Vermögen um 6,9 Prozent. Netto lagen
Löhne und Gehälter 0,3 Prozent über dem Niveau des
Vorjahres.
Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger kritisierte den geringen
Lohnanstieg. Die Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre habe zwar
die deutsche Exportindustrie enorm gestärkt, aber auch den privaten
Konsum gebremst, sagte er Reuters. "Das ist eine sehr einseitige
Strategie, die insgesamt dazu geführt hat, dass die
Wachstumsdynamik in Deutschland schwächer war als in anderen
europäischen Ländern." Der Aufschwung habe deswegen keine
Breite entfaltet. "Damit das funktioniert, müssen wir von der
Lohnzurückhaltung weg zu einer normalen Strategie mit einem
nominellen Anstieg der Löhne von rund drei Prozent."
Seit 2000 sank der Anteil der Arbeitnehmerentgelte am Volkseinkommen
auf 66,2 von 72,2 Prozent, während der Anteil der
Unternehmensgewinne und Vermögenseinkünfte - wie Zinsen und
Dividenden - entsprechend zunahm. "Das heißt, dass der Anteil der
Arbeitnehmer am Kuchen geringer wird", sagte Bofinger.
Bundesbank-Vorstandsmitglied Hans Reckers hingegen warnte in einem
Zeitungsinterview, überzogenen Lohnforderungen würden die
Stabilität des Euro gefährden. Wichtiger als hohe
Tarifabschlüsse sei die Sicherheit von Arbeitsplätzen: "Die
maßvolle Lohnpolitik der letzten Jahre hat in Deutschland
Beschäftigung geschaffen", sagte er der "Neuen Osnabrücker
Zeitung" (Donnerstagsausgabe). Auch der Direktor des arbeitgebernahen
Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, forderte in
einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung", die Lohn- und
Gehaltszuwächse müssten unterhalb der
Produktivitätssteigerung - im vergangenen Jahr 1,8 Prozent -
bleiben.
Insgesamt nahm das Volkseinkommen 2006 um 3,1 Prozent auf 1728
Milliarden Euro zu, 2005 war der Anstieg mit 1,5 Prozent nur etwa halb
so groß gewesen. Pro Kopf lag das Volkseinkommen bei rund 21.000
Euro. Die deutsche Wirtschaft war im vergangenen Jahr um 2,5 Prozent
gewachsen nach 0,9 Prozent im Vorjahr.
(Quelle: rtr)
Laut Zeitung dramatischer Anstieg bei Hartz-IV-Prozessen
Fr.12.01.07 - Immer mehr Hartz-IV-Empfänger reichen laut einem Zeitungsbericht
bei den Sozialgerichten Klage gegen die Bestimmungen der
Arbeitsmarktreform ein. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der
Verfahren um mehr als 50 Prozent an, schreibt die
«Bild»-Zeitung unter Berufung auf eine Umfrage bei den
Landessozialämtern. Insgesamt habe es mehr als 100.000 Verfahren
in der ersten Instanz gegeben, im Jahr zuvor seien es noch rund 66.000
gewesen. Die größten Zuwächse gab es laut dem Bericht
in Mecklenburg-Vorpommern mit 140 Prozent und Baden-Württemberg
mit 97 Prozent.
(Quelle: ap)
Linksfraktion fordert Börsensteuer
Fr.12.01.07 - Die Linksfraktion im Bundestag hat ein Konzept zur Schaffung von 500
000 neuen Arbeitsplätzen im öffentlichen
Beschäftigungssektor vorgelegt. Finanziert werden könnten die
sozialversicherungspflichtigen Stellen über die
Wiedereinführung der Börsenumsatzsteuer von einem Prozent auf
alle Geschäfte mit Wertpapieren.
Das erklärte Linksfraktionschef Oskar Lafontaine am Donnerstag
nach einer zweitägigen Fraktionsklausur in Bremen. Die Fraktion
stellt sich eine 30-Stunden-Woche für einen Monatsbruttolohn von
1400 Euro für die neuen Kräfte etwa im Pflege- und
Bildungsbereich vor.
Sie warf der Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor, die
Arbeitsplatzvernichtung in Deutschland nicht zu verhindern. Zudem
arbeiteten 5,4 Millionen Menschen - mehrheitlich Frauen - in unsicheren
Beschäftigungsverhältnissen zu Armutslöhnen, die keine
längerfristige Lebensplanung zuließen.
In der Kapitalmarktstatistik der Deutschen Bundesbank seien für
2005 Börsenumsätze von 3,8 Billionen Euro ausgewiesen, sagte
Lafontaine. Bei einer Börsenumsatzsteuer von einem Prozent
nähme der Staat 38 Milliarden Euro ein. Da durch eine solche
Steuer nützlicherweise auch die Spekulationen an der Börse
zurückgingen, könne noch mit 30 Milliarden Euro gerechnet
werden. Wenn die schwarz-rote Regierung die Mehrwertsteuer auf 19
Prozent erhöhen könne, was vor allem Menschen mit geringem
Einkommen belaste, könne sie sich auch an die Vermögenden
wenden.
«Solange aber die anderen Parteien zu feige sind, Vermögen
so zu besteuern wie in den USA und Frankreich, werden wir eine soziale
Schieflage haben», sagte Lafontaine. Sein Amtskollege Gregor Gysi
meinte dazu, die USA stünden nicht im Verdacht, eine
sozialistische Politik zu machen. Dennoch werde der Vorschlag seiner
Partei für eine Vermögenssteuer, mit dem Deutschland 50
Milliarden Euro jährlich mehr einnähme, als radikal bewertet.
Lafontaine warf der SPD vor, bei ihrer Tagung in Bremen am vergangenen
Wochenende «wüste Versprechungen» zu kostenlosen
Kindertagesstättenplätzen gemacht zu haben, ohne die
Finanzierung zu klären. Gysi kritisierte scharf, dass die SPD bei
kostenloser Kinderbetreuung das Kindergeld nicht mehr erhöhen
wolle. Das bedeute, dass die Eltern Beiträge sparten, während
ihre Kinder dafür zahlten. Außerdem glaube er SPD-Chef Kurt
Beck nicht, dass die Verbesserungen für Familien im Jahr 2010 ein
Jahr nach der nächsten Bundestagswahl umgesetzt würden. Bei
der Mehrwertsteuer habe die SPD vor der letzten Wahl auch gelogen.
Nach Ansicht der Linken würde es durch eine gerechtere Besteuerung
der Vermögen in Deutschland keine finanziellen Probleme bei der
staatlichen Unterstützung von Bedürftigen geben.
Außerdem könnte die Regierung kostenneutral selbst 500 000
neue Arbeitsplätze schaffen, wenn sie alle bisher bestehenden
staatlichen Leistungen zusammengelegte.
Die Börsenumsatzsteuer sei 1990 aufgehoben worden, um Nachteile
des Finanzplatzes Deutschland im internationalen Wettbewerb zu
beseitigen. In anderen EU-Ländern werde diese Steuer aber nach wie
vor erhoben, darunter in Großbritannien als einem der weltweit
größten internationalen Finanzplätze.
(Quelle: dpa)
Offener Streit in CSU-Landtagsfraktion über Stoibers Zukunft
Fr.12.01.07 - Um die Zukunft von Ministerpräsident Edmund Stoiber ist nun auch
innerhalb der bayerischen CSU-Landtagsfraktion offener Streit
ausgebrochen. Mehrere Abgeordnete stellten sich am Donnerstag auf die
Seite der Fürther Landrätin Gabriele Pauli und forderten
Stoiber offen zum Verzicht auf eine erneute Kandidatur auf. Der CSU-Chef
selbst deutete unterdessen erstmals einen vorzeitigen Rückzug
für die Zeit nach der Landtagswahl 2008 an. CSU-Fraktionschef
Joachim Herrmann forderte seine Abgeordneten zur Unterstützung
Stoibers auf, rückte jedoch zugleich von einer vorzeitigen
Nominierung Stoibers ab.
Stoiber betonte, er sei sich seiner Verantwortung für Bayern und
die CSU bewusst und werde immer danach handeln: «Dazu gehört
natürlich auch, dass ich zum richtigen Zeitpunkt gemeinsam mit
meinen Parteifreunden meinen Beitrag für eine verantwortungsvolle
Zukunft in den Ämtern an der Spitze des Landes und der Partei
leisten werde.» Stoiber kündigte an, dass der Parteitag im
Herbst über seine Zukunft entscheiden solle: «Ich stelle mich
als Spitzenkandidat zur Verfügung und möchte ein Votum des
Parteitags herbeiführen.» Über eine erklärte
Rückendeckung seiner Fraktion würde er sich freuen, fügte
der CSU-Chef hinzu.
Allerdings wagten sich in der CSU-Fraktion immer mehr Kritiker aus der
Deckung: «Eine breite Mehrheit ist dafür, dass Stoiber nicht
über 2008 hinaus weiter macht», sagte der Miesbacher
CSU-Landtagsabgeordnete Jakob Kreidl der Münchner
«Abendzeitung» über die Stimmung in der Fraktion.
Stoibers über 13 Jahre lange Amtszeit müsse vernünftig
zum Abschluss gebracht werden, da der Ministerpräsident kein Ende
wie sein Amtsvorgänger Max Streibl verdient habe.
Auch mehrere fränkische Fraktionsmitglieder stellten sich offen
gegen eine neue Kandidatur Stoibers: Der Forchheimer CSU-Abgeordnete
Günther Gabsteiger sagte der «Bild»: «Ich
empfehle Stoiber den geordneten Rückzug. In Kreuth wird auf keinen
Fall eine Entscheidung fallen, ob er wieder antritt.» Sein
Fraktionskollege Sebastian Freiherr von Rotenhan sagte dem Blatt, er
rechne mit einem baldigen Verzicht Stoibers auf eine Kandidatur für
2008.
Der Nürnberger Abgeordnete Hermann Imhof stellte sich in der
«Süddeutschen Zeitung» hinter die Forderung Paulis nach
einer Mitgliederbefragung: «Es wäre ein Akt menschlicher
Größe und ein Dienst an der Demokratie, wenn sich Stoiber
der Diskussion an der Basis stellen würde», sagte Imhof.
«Er muss jetzt seine Ambitionen dem Wohl des Ganzen
unterordnen.»
Fraktionschef Herrmann forderte dagegen die CSU-Abgeordneten auf, sie
sollten am kommenden Dienstag bei ihrer Klausur in Kreuth
unmissverständlich deutlich machen, dass sie zu Stoiber
stünden und mit ihm an der Spitze weiter eine erfolgreiche Politik
für die Menschen in Bayern gestalten wollten. Er sei sich jedoch
mit Stoiber einig, dass die letztliche Entscheidung über die
Spitzenkandidatur erst der CSU-Parteitag im November treffen solle.
Herrmann hatte sich Anfang Januar noch für eine vorzeitige
Nominierung Stoibers auf der Kreuther Klausur ausgesprochen.
Unterdessen ergab eine Infratest-Umfrage des NDR-Politmagazins
Panorama, dass der Streit um die Kandidatur Stoibers dem Ansehen der
Politik Schaden zufüge. Demnach geben 36 Prozent der Befragten an,
dass ihr Vertrauen in die Politik durch die Vorgänge abgenommen
habe.
(Quelle: ap)