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Irak am neunhundertneunundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-Präsident will Truppenverstärkung auch gegen den Willen
des Kongresses. Bush fordert Demokraten auf, eigenen Plan zu Irak
vorlegen. Iraks Ministerpräsident Al-Maliki stellt sich hinter
Bushs neue Irak-Strategie
So.14.01.07 - US-Präsident George W. Bush ist entschlossen, notfalls auch gegen
den Willen des US-Kongresses zusätzliche 21 500 Soldaten in den
Irak zu entsenden. Er glaube, dass er «in dieser Situation»
als Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte dazu die Befugnis habe.
Das sagte Bush in einer am Freitag (Ortszeit) vorab
veröffentlichten Passage eines Interviews des US-Senders CBS, das
am Sonntag ausgestrahlt werden soll. Bush betonte, er sei sich
darüber im Klaren, dass der Kongress versuchen könnte, ihn an
seinem Vorhaben zu hindern. «Aber ich habe meine Entscheidung
getroffen, und wir werden voranschreiten», sagte der
Präsident.
Bush hatte die Entsendung der zusätzlichen US-Truppen zur
Eindämmung der religiös motivierten Gewalt in der Nacht zum
Donnerstag in einer Rede an die Nation angekündigt. Der Plan war
nicht nur bei Demokraten, sondern auch bei namhaften Republikanern im
Kongress auf Widerstand gestoßen.
US-Präsident George W. Bush forderte die Demokratische Partei auf,
selbst Pläne für eine neue Irak-Strategie vorzulegen.
"Diejenigen, die sich weigern, meinem Plan eine Chance zu geben, haben
die Verpflichtung, eine Alternative vorzulegen, die einen besseren Weg
für den Erfolg aufzeigt", sagte er in seiner wöchentlichen
Radioansprache. "Gegen alles zu sein und nichts vorzuschlagen ist
unverantwortlich", fügte er hinzu.
Die Kommandounternehmen der amerikanischen Streitkräfte gegen
Iraner im Irak in den vergangenen Monaten wurden von Bush
ausdrücklich gebilligt. Anlass für das aggressivere Vorgehen
seien die intensiveren Aktivitäten der Iraner und deren Tod
bringende Auswirkungen auf US-Soldaten gewesen, sagte
Außenministerin Condoleezza Rice der «New York Times»
(Samstagausgabe).
Viele der raffiniertesten Sprengkörper stammten aus dem Iran. Die
US-Regierung beschuldigt den Iran seit langem, aufständische
Schiiten mit Waffen zu versorgen und auszubilden. Für Rice handelt
es sich bei den US-Operationen gegen Iraner um Schutzmaßnahmen.
Aber sie seien auch aus der Besorgnis heraus ergriffen worden, dass
Teheran versuche, den Irak weiter zu destabilisieren.
In einem Interview mit dem britischen Fernsehsender BBC sagte Rice, mit
dem Vorgehen gegen Iraner im Irak sei aber keine
«Eskalation» des Krieges im Irak beabsichtigt. Die USA
würden es nicht zulassen, dass der Iran oder Syrien weiter die
US-Soldaten im Irak gefährdeten.
In dieser Woche hatten die US-Streitkräfte zwei Operationen gegen
Iraner unternommen und dabei mehrere von ihnen gefangen genommen. Ein
Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums kündigte weitere
Operationen gegen Iraner im Irak an. Der namentlich nicht genannte
Beamte wurde von der «New York Times» mit den Worten
zitiert: «Wir werden aggressiver sein... Wir werden nach ihnen
suchen und werden versuchen, alles in unserer Macht stehende tun, um sie
in Gewahrsam zu nehmen.»
Der irakische Ministerpräsident Nuri Al-Maliki hat sich am Samstag
offiziell hinter die neue Strategie von US-Präsident George W.
Bush gestellt. Er betonte aber in einer Erklärung seines
Büros, dass die Kontrolle über die Militäraktionen in
Bagdad bei der irakischen Regierung liege. Öffentlich hat sich
Al-Maliki bislang nicht zu den US-Plänen geäußert.
Das Vorhaben, die US-Truppen aufzustocken, um die anhaltende Gewalt in
den Griff zu bekommen, «repräsentiert eine gemeinsame Vision
und ein beiderseitiges Einvernehmen der irakischen Regierung und der
US-Regierung», erklärte Al-Malikis Sprecher Ali al Dabbagh.
Die amerikanischen Truppen würden den Irakern unterstützend
zur Seite stehen, um den Sicherheitsplan Al-Malikis für Bagdad
umzusetzen.
Der Gewalt im Irak fielen am Samstag erneut mehrere Menschen zum Opfer.
Ein Polizist wurde in der Innenstadt von Bagdad aus dem Hinterhalt
erschossen, bei der Explosion einer Autobombe wurden mehrere Menschen
verletzt. Anschläge und Angriffe im Nordirak kosteten mindestens
fünf Menschen das Leben.
Unterdessen traf die New Yorker Senatorin Hillary Clinton zu
Gesprächen mit irakischen und amerikanischen Regierungs- und
Militärvertretern im Irak ein. Die Demokratin, die Bushs
Pläne zur Verstärkung der US-Truppen ablehnt, wurde von zwei
weiteren Kongressabgeordneten begleitet.
(Quellen: dpa, afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 14.01.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertfünfundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.14.01.06 - Zwei Tote bei US-Hubschrauberabsturz. Maschine wurde
möglicherweise abgeschossen +++ Insgesamt 16 Verletzte bei zwei
Bombenanschlägen +++ Parlamentarisches Kontrollgremium in Deutschland
nennt Beteiligung des deutschen Auslandsgeheimdienstes am Irak-Krieg
Gerüchte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0601140.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Nahost-Konflikt
Libanons Präsident Siniora bittet arabische Länder um
Unterstützung. Hanija wirft USA und Israel Anstachelung zu
Bürgerkrieg vor
So.14.01.07 - Der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora hat die arabischen
Staaten aufgerufen, seine Regierung zu unterstützen. Angesichts der
politischen Krise im Land brauche der Libanon Hilfe, sagte Siniora am
Samstag nach einem Gespräch mit dem ägyptischen
Präsidenten Husni Mubarak. Zu Protesten gegen Sinioras Regierung
gingen in Beirut mehrere hundert Menschen auf die Straße.
Die Demonstranten versammelten sich vor dem Justizministerium, einige
trugen Bilder des ermordeten Industrieministers Pierre Gemayel. Sie
forderten die Aufklärung einer Reihe von Anschlägen, darunter
die Ermordung des ehemaligen Ministerpräsidenten Rafik Hariri im
Februar 2005 und zuletzt die Gemayels im November. Die Hisbollah
kündigte eine Ausweitung der Anfang Dezember begonnen Proteste an.
Die Aktionen würden verstärkt, sagte der Abgeordnete Hussein
Hadsch Hassan in einem Fernsehinterview.
Siniora erklärte, auch für wirtschaftliche Stabilität
brauche der Libanon die Unterstützung arabischer Länder. Er
sprach mit Mubarak außerdem über eine internationale
Geberkonferenz für den Libanon am 25. Januar in Paris, auf der
Finanzhilfen für den Wiederaufbau nach dem Krieg Israels gegen die
Hisbollah im Sommer gesammelt werden sollen.
Der palästinensische Ministerpräsident Ismail Hanija hat den
USA und Israel Anstachelung zum Bürgerkrieg zwischen den
Palästinensern vorgeworfen. "Die Politik der USA und Israels soll
das palästinensische Volk in einen Bürgerkrieg treiben und in
interne Konflikte, damit sich der israelisch-palästinensische
Konflikt in einen palästinensisch-palästinensischen Konflikt
umwandelt", sagte Hanija am Samstag in einer Fernsehansprache. Die
Politik der beiden Länder sollten eine "wirkliche nationale
Einheit" der Palästinenser verhindern sowie eine "wirkliche
Regierung der nationalen Einheit, die den Willen und die Ziele des
palästinensischen Volkes äußert".
(QuelleN: ap; afp)
Indien und Pakistan vereinbaren Gespräche über Kaschmir
So.14.01.07 - Indien und Pakistan wollen im März erneut einen Anlauf zur
Lösung ihres Streits um Kaschmir starten. Beide Seiten hätten
eine weitere Runde von Friedensgesprächen vereinbart, teilten die
Außenminister der Länder am Samstag bei einer gemeinsamen
Pressekonferenz in Islamabad mit. Dabei solle die zwischen Indien und
Pakistan umstrittene Himalaya-Region Kaschmir prominent auf der
Tagesordnung stehen. Die vierte Runde der Verhandlungen soll am 13. und
14. März in Pakistan stattfinden.
Der pakistanische Außenminister Khursheed Kasuri erklärte,
er habe mit seinem indischen Kollegen Pranab Mukherjee am Samstag auch
über den Kaschmir-Konflikt gesprochen. Seit 60 Jahren habe es
zwischen Indien und Pakistan nicht derart umfassende Gespräche
über die geteilte Region gegeben. Sowohl Indien und Pakistan
erheben Anspruch auf Kaschmir und haben deswegen schon zwei Kriege
geführt. In den vergangenen beiden Jahren haben sich die
Beziehungen langsam verbessert.
Kasuri zeigte sich zuversichtlich, dass schon bald eine Lösung
für den Siachen-Gletscher im Norden Kaschmirs gefunden werden
könne. Dort stehen sich seit den 80er Jahren tausende Soldaten
beider Seiten gegenüber. Bis zu einem Waffenstillstand vor drei
Jahren kam es an dem Gletscher, der oft als das höchstgelegene
Schlachtfeld der Welt bezeichnet wurde, immer wieder zu blutigen
Gefechten. Die Bemühungen um eine Truppenreduzierung sollten nun
verstärkt werden, sagte Mukherjee.
Der Gast aus Indien traf am Samstag auch mit Präsident Pervez
Musharraf zusammen. Den pakistanischen Ministerpräsidenten
Shaukuat Aziz lud er zur Konferenz der Südasiatischen Gemeinschaft
für regionale Zusammenarbeit (SAARC) im April in Neu-Delhi ein.
Bislang hat an den Gipfeln Musharraf teilgenommen, in diesem Jahr wird
Aziz sein Land vertreten.
Im pakistanischen Teil Kaschmirs demonstrierten Studenten gegen den
Besuch Mukherjees. Auf indischer Seite protestierten
Separatistenführer gegen die Gespräche in Islamabad. Mehr als
ein Dutzend militante Gruppen kämpfen im indischen Teil Kaschmirs
für Unabhängigkeit oder den Anschluss an Pakistan.
(Quelle: ap)
Mehr als 2.500 Festnahmen bei Razzien in Bangladesch
So.14.01.07 - Einen Tag nach der Vereidigung einer neuen Übergangsregierung in
Bangladesch sind bei Razzien im ganzen Land mehr als 2.500 Menschen
festgenommen worden. 195 der insgesamt 2.552 Verhafteten stammten aus
der Hauptstadt Dkaha, teilte die Polizei am Samstag mit. Sie würden
«diverser Vergehen» beschuldigt. Bei den Razzien über
Nacht seien 34 Waffen mit Munition sowie fünf selbst gebaute
Bomben sichergestellt worden. Inhaftiert wurde den Angaben zufolge auch
ein früherer Abgeordneter der Awami-Liga.
Nach wochenlangen gewaltsamen Protesten der Opposition ernannte
Präsident Iajuddin Ahmed am Freitag den früheren Notenbankchef
Fakhruddin Ahmed zum neuen Ministerpräsidenten. Bislang hatte der
Präsident dieses Amt selbst ausgeübt. Iajuddin Ahmed
akzeptierte auch die Forderung der Opposition, die für 22. Januar
geplante Parlamentswahl zu verschieben. Gleichzeitig rief er den
Notstand aus. Die Opposition hat dem Präsidenten vorgeworfen, bei
den Wahlvorbereitungen die frühere Ministerpräsidentin
Khaleda Zia zu fördern.
(Quelle: ap)
Zehn Deutsche wegen SS-Massakers in Italien verurteilt
So.14.01.07 - Mehr als 60 Jahre nach einem SS-Massaker bei Bologna hat ein
italienisches Gericht am Samstag zehn beteiligte Deutsche in
Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt. Sieben weitere Angeklagte
wurden freigesprochen, wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA
meldete. Angeklagt waren vor dem Militärgericht in La Spezia ein
ehemaliger Offizier und 16 ehemalige Soldaten der 16. SS-Division. Sie
sollen alle in Deutschland leben.
Die SS hatte im Herbst 1944 in dem Bergdorf Marzabotto bei Bologna 700
Zivilisten getötet. Es war das schwerste deutsche Verbrechen des
Zweiten Weltkriegs auf italienischem Boden. Offiziell suchten die Nazis
nach Partisanen, bei dem Blutbad kamen aber vor allem Frauen, Kinder
und Alte ums Leben. Zwei Kommandeure wurden kurz nach Kriegsende
verurteilt.
Im April 2002 gedachte der damalige deutsche Präsident Johannes
Rau während eines Italienbesuchs in Marzabotto der Opfer des
Massakers.
(Quelle: ap)
Europäische Linke fordert größere Teilhabe der
Bürger an Politik
So.14.01.07 - Die Partei der Europäischen Linken hat eine größere
Teilhabe der Bürger an politischen Entscheidungen gefordert. Damit
solle die Politikverdrossenheit der Menschen abgebaut werden,
hieß es am Samstag in einem in Berlin veröffentlichten
Appell an die deutsche EU-Ratspräsidentschaft.
Der Chef der Linkspartei.PDS, Lothar Bisky, warnte vor zu großen
Hoffnungen: «Die Politik der großen Koalition hat
Deutschland zum europäischen Vorreiter im Sozial- und
Demokratieabbau gemacht», sagte er laut einer Mitteilung der
Partei. Die Regierung sei dafür verantwortlich, dass sich immer
mehr Menschen von Europa abwendeten.
Die Partei, in der sich sozialistische und kommunistische Gruppen
zusammengeschlossen haben, will sich nach eigener Aussage besonders
dafür einsetzen, die Freiheits- und Bürgerrechte in der EU zu
verteidigen. «So lange die Entwicklung einer sozialen,
demokratischen EU-Verfassung auf Eis liegt, befindet sich Europa auf
dem falschen Weg», wurde Oskar Lafontaine, Vorsitzender der
Linksfraktion im Bundestag, zitiert.
(Quelle: ap)
Deutscher Alt-Bundespräsident Herzog gegen EU-Verfassung
So.14.01.07 - Alt-Bundespräsident Roman Herzog lehnt die geplante EU-Verfassung
in ihrer derzeitigen Form ab. Damit würden die «erheblichen
Fehlentwicklungen in der Europäischen Union» nur weiter
zementiert, schreibt Herzog als Kuratoriumsmitglied des Centrums
für Europäische Politik (CEP) in einem Beitrag für die
«Welt am Sonntag». Die Politik der Europäischen Union
leide «in Besorgnis erregender Weise unter einem
Demokratiedefizit und einer faktischen Aufhebung der
Gewaltenteilung», betonte Herzog. Auch sei der Bundestag in die
für Deutschland relevante EU-Gesetzgebung nicht so eingebunden,
wie es das Grundgesetz für das deutsche Parlament verlange. Hinzu
komme, dass die EU immer weitere Kompetenzen erlange, obwohl dies
sachlich häufig nicht angebracht sei.
Diese Probleme könnten durch die EU-Verfassung nicht gelöst
werden. Daher müsse der Verfassungsvertrag überarbeitet
werden. Konkret fordert Herzog eine Umwandlung des Ministerrates in
eine zweite Kammer, die sachwidrige EU-Regelungen verhindern, aber
nicht selbst betreiben kann. Außerdem soll es eine exakte
Festlegung der Zuständigkeiten der EU geben, forderte Herzog
gemeinsam mit seinem Co-Autor, CEP-Präsident Lüder Gerken.
(Quelle: ddp)
Deutschen Energiekonzernen droht harte Gangart - EU hat angeblich
Beweise für Marktmissbrauch
So.14.01.07 - Die deutschen Energiekonzerne müssen sich wegen ihrer Preispolitik
offenbar auf weiteren Druck aus Brüssel einstellen. Laut einem
Medienbericht vom Samstag hat die EU-Kommission umfangreiche Beweise,
wie die Energieversorger den Wettbewerb zum Schaden der Kunden
ausschalten. Beamte bereiteten bereits eine hohe Geldbuße in einem
besonders eklatanten Fall vor. Derweil ist das Bundeskabinett uneins,
ob die Stromkonzerne zerschlagen werden sollten.
Wie die Düsseldorfer «Wirtschaftswoche» am Samstag
vorab berichtete, haben die Mitarbeiter von EU-Wettbewerbskommissarin
Neelie Kroes bei mehreren Razzien in deutschen Stromkonzernen Beweise
gefunden, dass die Unternehmen die Trennung in drei rechtliche Einheiten
- Stromproduktion, Stromtransport und Stromvertrieb - nur auf dem
Papier vollzogen haben. Die gefundenen internen Dokumente bewiesen,
dass Netzunternehmen kalkulierten, welche Auswirkungen ihre
Investitionen auf die eigentlich getrennten Vertriebsunternehmen haben.
Kroes sehe es demnach als erwiesen an, dass deutsche Unternehmen wegen
ihrer Integration zu wenig in die Netze investierten. Konkret listeten
ihre Mitarbeiter drei deutsche Netzbetreiber auf, die zwischen 2001 und
2005 an den Kuppelstellen Engpassgelder von fast 500 Millionen Euro
kassiert hätten. Von diesen Geldern hätten sie aber nur 20 bis
30 Millionen Euro in die Erweiterung der Kuppelstellen gesteckt.
Außerdem fanden die Brüsseler Ermittler laut Magazin
Beweise, dass die Netzbetreiber ihren Schwesterbetrieben
Sonderkonditionen einräumen. «Bei einer Zerschlagung
würden wir den Discount für die Netzbenutzung wohl
verlieren», heiße es in einem internen Papier eines
Versorgers, das die Beamten bei einer Razzia gefunden hätten.
Derweil ist das Bundeskabinett uneins, wie mehr Wettbewerb auf dem
Strommarkt erreicht werden kann. Außenminister Frank-Walter
Steinmeier (SPD) lehnte im «Spiegel» eine Zerschlagung der
Konzerne ab. «Das würde bei der Preisbildung im Innern wenig
nützen, dafür aber unseren langfristigen Energieinteressen in
den Förderländern potenziell schaden», sagte er.
Um sichere Energielieferungen aus Ländern wie Russland zu wahren,
müssten sich deutsche Firmen nach Steinmeiers Ansicht
«stärker an der Exploration und Förderung neuer
Vorkommen beteiligen». Hierfür brauche Deutschland
investitionsstarke «Global Player», die mit den Firmen in
den Förderländern kooperieren könnten. «Die
Zerschlagung unserer Stromfirmen wäre da genau das Falsche»,
betonte Steinmeier.
Dagegen schloss Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) in der
«Welt am Sonntag» eine Zerschlagung der Stromkonzerne als
«Ultima Ratio» nicht aus. Zunächst sollten die Konzerne
die Chance haben, unter ihren Dächern eine organisatorische
Trennung der eigenen Netze von der Stromerzeugung zu organisieren.
Falls dies nicht ausreiche, müsse aber die von der EU-Kommission
empfohlene Zerschlagung erfolgen.
(Quelle: ddp)
Umweltminister Gabriel will Spritverbrauch notfalls per Gesetz senken
So.14.01.07 - Bundesumweltminister Sigmar Gabriel will den Kraftstoffverbrauch von
Neuwagen notfalls mit gesetzlichen Vorgaben senken. «Alle
Automobilhersteller in Europa müssen runter mit dem
Spritverbrauch», sagte Gabriel der «Welt am Sonntag».
Obergrenzen könnten ein Verbrauch von 5,8 Litern bei Benzin- und
5,1 Litern bei Dieselfahrzeugen auf 100 Kilometer sein.
Der SPD-Politiker begründete die Forderung mit der Belastung des
Klimas durch den Straßenverkehr. Denkbar seien verschiedene
Instrumente ordnungsrechtlicher oder ökonomischer Art, etwa die
Festlegung von Verbrauchsobergrenzen, ein Emissionshandelssystem
für den Verkehrssektor, eine Kennzeichnungspflicht über den
Spritverbrauch oder ein Mix aus mehreren Instrumenten. «Wir
werden in unserer EU-Präsidentschaft mit den Mitgliedstaaten
darüber reden, welche Lösungsmodelle am besten geeignet und
konsensfähig sind», sagte Gabriel.
Die vom Minister genannten Obergrenzen entsprechen der
ursprünglich von der Automobilindustrie ausgesprochenen
Selbstverpflichtung. Die Konzerne wollten freiwillig bis zum Jahr 2008
den Ausstoß von Kohlendioxid bei den von ihnen produzierten
Neuwagen auf 140 Gramm pro Kilometer begrenzen.
Nach einer Studie des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer von der
Fachhochschule Gelsenkirchen im Auftrag des Wirtschaftsmagazins
«Capital» liegt die Schuld für das Verfehlen der
Eigenverpflichtung vor allem bei den deutschen Herstellern. So liegen
die CO2-Emissionen bei den Fahrzeugen des VW-Konzerns in Schnitt bei
163, bei DaimlerChrysler bei 184, bei BMW bei 190 und bei Porsche sogar
bei knapp 300 Gramm pro Kilometer. Im Vergleich dazu stünden
französische oder italienische Hersteller recht gut da.
Die Pläne der EU-Kommission, die Steuern an die CO2-Emissionen der
Fahrzeuge zu koppeln oder sogar Verbote auszusprechen, hätten
dramatische Auswirkungen für die deutschen Konzerne. Die
Umsätze könnten bis 2015 im schlimmsten Fall um 40 Prozent
einbrechen, ergaben die Berechnungen Dudenhöffers.
Der Streit mit der EU-Kommission um den Ausstoß von Klimagasen
durch die deutsche Industrie könnte nach Aussage von Gabriel noch
in diesem Monat beigelegt werden. «Ich bin zuversichtlich, dass
wir bis Ende Januar mit der Kommission eine Einigung in dieser Frage
erzielen werden», sagte der SPD-Politiker der «Welt am
Sonntag».
EU-Umweltkommissar Stavros Dimas verlangt, dass die deutsche Industrie
in der Zeit von 2008 bis 2012 ihren Kohlendioxid-Ausstoß auf 455
Millionen Tonnen begrenzt. In seiner letzten Sitzung vor Weihnachten
habe sich das Kabinett auf ein neues Angebot in Höhe von 467
Millionen Tonnen an die EU-Kommission verständigt, sagte Gabriel.
Das sei die Verhandlungsgrundlage mit der Kommission, der auch
Wirtschaftsminister Michael Glos zugestimmt habe, sagte der
Umweltminister.
Derweil will die SPD-Bundestagsfraktion den Staat verpflichten,
verstärkt erneuerbare Energieträger zum Beheizen von
Behördenräumen einzusetzen. So sollte der Staat als Vorbild
für private Verbraucher dienen, zitiert das Magazin
«Focus» unter Berufung auf ein noch unveröffentlichtes
Thesenpapier «Erneuerbare Energien im Wärmebereich».
Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ulrich Kelber sagte:
«Wir bestehen auf Verhandlungen innerhalb der Koalition noch in
diesem Jahr.» Würden alle darin vorgesehenen Maßnahmen
umgesetzt, «könnten wir den Importbedarf an Öl und Gas
für die Wärmegewinnung bis zum Jahr 2020 um die Hälfte
senken».
(Quelle: ap)
Opposition droht mit Klage gegen Tornados für Afghanistan
So.14.01.07 - Die Oppositionsfraktionen Grüne und Linke wollen vor dem
Bundesverfassungsgericht gegen eine Verlegung von Bundeswehr-Tornados in
den umkämpften Süden Afghanistans klagen, wenn die Regierung
diese Entscheidung nicht dem Parlament überlasst.
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte unterdessen am Samstag in Bremen,
es sei noch keine Entscheidung über einen solchen Einsatz gefallen.
Deshalb stelle sich die Frage noch nicht, ob ein neues Mandat des
Bundestages notwendig sei.
SPD-Fraktionschef Peter Struck hatte hingegen am Vortag deutlich
gemacht, die Koalition habe bereits beschlossen, einem entsprechenden
Ersuchen der NATO Ende des Monats Folge zu leisten. Er sieht keine
Notwendigkeit für ein neues Bundestagsmandat zur deutschen
Beteiligung an der internationalen Schutztruppe für Afghanistan
(ISAF), weil eine Verlegung der Kampfjets durch einen bereits 2005
gefassten Beschluss des Bundestags gedeckt sei.
Die Bundeswehr-Tornados sollen nach dem Wunsch der Militärallianz
die ISAF-Einheiten im Süden Afghanistans unterstützen, die
sich zum Teil in schweren Gefechten mit Taliban-Kämpfern befinden.
Der Parlamentarische Geschäftsführer der Linken, Ulrich
Maurer, sagte in Berlin, die Bundeswehr-Aufklärungsflugzeuge
würden zur Unterstützung von Kampfeinsätzen anderer
NATO-Partner im Süden und Osten Afghanistans eingesetzt werden. Das
sei ein gravierender Unterschied zum bestehenden Bundestagsmandat
für die deutsche Beteiligung an der internationalen Schutztruppe
ISAF.
Die Bundesregierung könne nicht «Deutschland per
Protokollnotiz unmittelbar in den Krieg hineinziehen». Dass sie
die parlamentarische Debatte scheue, zeuge von grober Missachtung der
Volksvertreter. Die Entwicklung in Afghanistan mit vielen Toten unter
Zivilisten zeige, dass die NATO-Strategie der militärischen
Eskalation zum Scheitern verurteilt sei, sagte Maurer weiter. Statt sich
an der Vorbereitung einer neuen militärischen Offensive im
Frühjahr zu beteiligen, müsse die Bundesregierung konstruktive
Maßnahmen einleiten, um den innerafghanischen Friedensprozess und
den Wiederaufbau zu stärken.
Grünen-Fraktionsvize Jürgen Trittin sagte der «Berliner
Zeitung» (Samstag): «Sollten die Tornados ohne ein neues
Mandat des Bundestages nach Afghanistan entsandt werden, wäre eine
Klage in Karlsruhe unausweichlich.» Der
Grünen-Verteidigungsexperte Winfried Nachtwei sagte der
«Münsterschen Zeitung» (Samstag): «Das Parlament
darf hier nicht umgangen werden. Das wäre ein ganz massiver
Vertrauensbruch.»
(Quelle: dpa)
CDU will Arbeitslosenbeitrag unter vier Prozent drücken
So.14.01.07 - Die CDU will den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung binnen eines
Jahres unter vier Prozent senken und bis 2010 die
Langzeitarbeitslosigkeit von Jugendlichen beseitigen. Das beschloss der
Parteivorstand auf seiner Klausur in Bremen. Mit Hilfe weiterer Reformen
vor allem auf dem Arbeitsmarkt solle der Aufschwung gestärkt und
die Situation der Menschen verbessert werden, sagte Bundeskanzlerin und
CDU-Chefin Angela Merkel zum Abschluss der Tagung. Am Rande der Sitzung
zeigten sich zahlreiche Vorstandsmitglieder besorgt über die
Führungskrise in der Schwesterpartei CSU.
Die so genannte "Bremer Erklärung" zu weiteren Reformen auf dem
Arbeitsmarkt wurde vom Vorstand laut Generalsekretär Ronald Pofalla
bei einer Enthaltung einstimmig angenommen. Seinen Angaben zufolge soll
mit der weiteren Absenkung der Beiträge zur
Arbeitslosenversicherung erreicht werden, dass sich die Lohnnebenkosten
um einen halben Prozentpunkt verringern. In der "Bremer Erklärung"
wird darauf verwiesen, dass ein Prozent weniger Lohnzusatzkosten bis zu
100.000 neue Stellen bedeutet.
Derzeit liegt der Arbeitslosenbeitrag bei 4,2 Prozent. Merkel betonte
aber, dass eine weitere Absenkung solide finanziert werden müsse.
Die Bundesagentur für Arbeit dürfe nicht erneut auf
Zuschüsse angewiesen sein. In der Erklärung wird für die
Absenkung des Arbeitslosenbeitrags kein Zeitraum genannt, Pofalla setzte
aber den Jahresanfang 2008 als Ziel.
Durch Kombilohn-Modelle sollen zudem gerade jugendliche und ältere
Langzeitarbeitlose bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt bekommen. Ziel
der CDU-Parteispitze ist der Erklärung zufolge, "dass
spätestens 2010 kein Jugendlicher mehr von Langzeitarbeitslosigkeit
betroffen ist". Als weiteres Ziel formulierte der CDU-Vorstand, die
Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss in den nächsten
fünf Jahren zu halbieren.
Ausdrücklich bekräftigte die CDU ihre Ablehnung eines
flächendeckenden Mindestlohns, wie ihn die SPD anstrebt, und
bekräftigte ihre Beschlüsse des Dresdner Parteitags: Darunter
fallen die Lockerung des Kündigungsschutzes und die besonders vom
nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen
Rüttgers (CDU) betriebene verlängerte Arbeitslosengeld-Zahlung
für Ältere. Diese Vorhaben werden aber wiederum von der SPD
angelehnt.
Zudem beschloss die CDU, den Klima- und Umweltschutz zu stärken.
Dazu wurde eine neue Kommission ins Leben gerufen, die der Hamburger
Bürgermeister Ole von Beust (CDU) leiten und die binnen eines
Jahres Ergebnisse vorlegen soll.
(Quelle: afp)
Gewerkschaft der Polizei sieht in Gewaltkriminalität auch Folge
sozialer Ausgrenzung
So.14.01.07 - Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) führt die hohe
Gewaltkriminalität in Deutschland auch auf eine wachsende soziale
Ausgrenzung zurück. GdP-Chef Konrad Freiberg sagte am Samstag in
Frankfurt am Main, mit polizeilichen Mitteln alleine sei das Problem
nicht zu lösen. Der Staat müsse auch dafür sorgen, dass
nicht immer mehr Menschen anhaltender Arbeitslosigkeit und fehlender
Perspektive anheim fielen. Auf dem Neujahrsempfang des DGB Frankfurt
wandte sich Freiberg zugleich gegen weiteren Stellenabbau bei der
Polizei und den Einsatz freiwilliger Polizeihelfer ohne Ausbildung.
Der GdP-Chef beklagte, dass soziale Verwahrlosung, Gewalt und
Alkoholismus immer mehr um sich griffen. Die Zahl der Gewaltdelikte
steige seit Jahren, Straftaten wie schwere und gefährliche
Körperverletzung hätten in den letzten Jahren sogar um 45
Prozent zugenommen. Über die Hälfte der Täter seien
Jugendliche. Freiberg führte diese Entwicklung ganz wesentlich
darauf zurück, dass sich die soziale Spaltung in der Gesellschaft
dramatisch verschärfe.
Immer mehr Menschen seien von Armut betroffen, und bereits eine Million
Sozialhilfeempfänger sei unter 18 Jahre alt. Während auch die
Einkommen der Arbeitnehmer inflationsbereinigt seit Ende der 90er Jahre
um fünf Prozent zurückgegangen sei, wüchsen die privaten
Vermögen der Milliardäre, aber auch die Vorstandsbezüge
in den Großunternehmen immer schneller. Jetzt müsse dringend
umgesteuert und für mehr soziale Gerechtigkeit gesorgt werden. Als
Alarmzeichen wertete der Gewerkschafter auch, dass die Mitgliederzahlen
der Parteien drastisch zurückgingen; diese seien bei der SPD seit
1990 um 40 Prozent gefallen und bei der CDU um 25 Prozent. In
Gewerkschaften und Kirchen sehe es kaum anders aus.
Auch die rechtsextremistisch motivierten Straftaten nähmen immer
mehr zu, und fast jedes Wochenende müssten oft mehrere tausend
Polizisten in wechselnden Städten bei Demonstrationen von
Rechtsextremisten ihren Kopf hinhalten. Hinzu komme die Bedrohung durch
islamistischen Terrorismus, es gebe in Deutschland eine nennenswerte
Zahl zu Anschlägen bereiter Personen. In dieser Situation
dürften bei der Polizei keine Stellen mehr abgebaut werden, wie
dies in einigen Ländern der Fall sei. Es gehe nicht an, alles rein
betriebswirtschaftlich zu sehen. Bei einem vermissten Kind könne
man ja auch nicht der Mutter nach zwei Tagen sagen, eine weitere Suche
im Wald rechne sich ökonomisch nicht mehr.
Entschieden wandte sich der GdP-Vorsitzende dagegen, Polizisten durch
nicht ausgebildete freiwillige Polizeihelfer zu ersetzen. Auch
zusätzlich machten sie keinen Sinn, denn innere Sicherheit
könne man nicht entprofessionalisieren. Sie müsse Aufgabe der
dafür qualifizierten Polizei bleiben, auch die Bundeswehr sei dazu
nicht geeignet.
(Quelle: ap)
Deutsche entdecken den Islam
So.14.01.07 - Immer mehr Deutsche treten zum Islam über. Nach Angaben des
Hamburger Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» sind rund 4000
Menschen zwischen Juli 2004 und Juni 2005 konvertiert und damit viermal
so viel wie im Vorjahreszeitraum. Das zeige eine Studie zum islamischen
Leben in Deutschland. Während bis vor wenigen Jahren vorrangig
Frauen, die einen muslimischen Partner heirateten, die Religion
gewechselt hätten, konvertierten nunmehr auch bislang gläubige
Christen «aus freien Stücken».
Nach Einschätzung der Religionssoziologin Monika Wohlrab-Sahr sind
zahlreiche Konvertiten auf der Suche nach dem Andersartigen. Die
aktuellen Debatten über Muslime hätten den Islam zudem zu
einem Dauerthema in den Medien gemacht.
(Quelle: ddp)