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Irak am neunhundertunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Del Ponte kritisiert Prozess gegen Saddam Hussein. Zehn Tote
bei Gefechten zwischen Soldaten und Aufständischen. Festgenommene
Iraner sollen Aufständische Irak unterstützt haben.
Mo.15.01.07 - Carla Del Ponte hätte sich für den Prozess gegen Saddam
Hussein ein internationales Gericht gewünscht. Dies sagte die
Chefanklägerin am internationalen Strafgerichtshof für das
ehemalige Jugoslawien am Sonntag im Westschweizer Radio. Angesprochen
auf die Bilder von Saddams Husseins Exekution sagte Del Ponte:
«Das hat nichts mit der Justiz zu tun, das ist eine politische
Entscheidung.» Weiter sagte Del Ponte, der Prozess habe nicht
alle Elemente eines gerechten Prozesses enthalten. Nur ein Teil der
Opfer habe Gerechtigkeit erhalten, aber Tausende andere nicht.
«Weshalb hat man nicht auf das Prozessende gewartet, bis man ihn
hingerichtet hat?» fragte Del Ponte. Saddam Hussein war am 5.
November wegen eines Massakers 1982 zum Tod verurteilt worden. In der
Ortschaft Dudschail wurden damals 148 Schiiten nach einen
Attentatsversuch auf Saddam Hussein getötet. Ein zweiter Prozess
gegen den früheren Machthaber, in dem es um ein Massaker an Kurden
ging, wurde wegen der Hinrichtung Saddam Husseins am 30. Dezember nicht
zu Ende geführt.
Bei Gefechten zwischen irakischen Soldaten und Aufständischen
nordöstlich von Bagdad sind am Sonntag mindestens zehn Menschen
getötet worden. Die Kämpfe trugen sich nach Angaben der
Polizei in der Umgebung der Stadt Bakuba zu, die in einer vorwiegend
von Sunniten bewohnten Region liegt. Bei den Getöteten handelt es
sich den Angaben zufolge um acht Aufständische und zwei Soldaten.
Zwei Menschen seien verletzt worden. Das britische
Verteidigungsministerium bestätigte den Tod eines Soldaten am
Samstag bei Gefechten in der Stadt Basra im Süden des Landes.
Die US-Streitkräfte im Irak werfen fünf festgenommenen
Iranern Verbindungen zu den iranischen Revolutionsgarden vor. In einer
Stellungnahme der amerikanischen Truppen hieß es am Sonntag, die
Organisation unterstütze extremistische Gruppen im Irak mit Geld,
Waffen und Anleitungen zum Bau von Sprengsätzen. Teheran beschrieb
die fünf am Donnerstag festgenommenen Landsleute als Diplomaten und
forderte ihre umgehend Freilassung.
US-Außenministerin Condoleezza Rice erklärte am Samstag in
Jerusalem, die USA hätten mit den Festnahmen auf Aktivitäten
der Iraner reagiert, die den Weg des Iraks zur Stabilität und die
amerikanischen Soldaten gefährdeten. Das Büro in Erbil, in dem
die Männer festgenommen wurden, sei kein Konsulat. Auch die
US-Streitkräfte erklärten, die Einrichtung genieße
keinen diplomatischen Status. Ein Sprecher des iranischen
Außenministeriums, Mohammed Ali Hosseini, sagte dagegen am Sonntag
vor Journalisten, die fünf Männer hätten konsularische
Arbeit geleistet. Die Aussagen der amerikanischen Seite, nach denen sie
Aufständische unterstützt hätten, seien falsch.
Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki stellte sich am
Samstag offiziell hinter die neue Strategie von US-Präsident George
W. Bush. Er betonte aber in einer Erklärung seines Büros,
dass die Kontrolle über die Militäraktionen in Bagdad bei der
irakischen Regierung liege. Öffentlich hatte sich Al-Maliki bis
zum Samstag nicht zu den US-Plänen geäußert, die Bush
am Mittwochabend vorstellte.
Das Vorhaben, die US-Truppen um 21.500 Soldaten aufzustocken, um die
anhaltende Gewalt in den Griff zu bekommen, «repräsentiert
eine gemeinsame Vision und ein beiderseitiges Einvernehmen der
irakischen Regierung und der US-Regierung», erklärte
Al-Malikis Sprecher Ali al Dabbagh. Die amerikanischen Truppen
würden den Irakern unterstützend zur Seite stehen, um den
Sicherheitsplan Al-Malikis für Bagdad umzusetzen.
Bush verteidigte am Samstag seine neue Irak-Strategie gegen die Kritik
der oppositionellen Demokraten und einiger Abgeordneten in den eigenen
Reihen. Kongressmitglieder, die seine Pläne ablehnten, sollten
zunächst ihre eigenen Vorschläge unterbreiten, sagte der
Präsident in seiner wöchentlichen Radioansprache. «Alles
abzulehnen, ohne etwas vorzuschlagen, ist unverantwortlich»,
erklärte er.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 15.01.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertsechsundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.15.01.06 - Wahlergebnis im Irak wird vermutlich erst Ende Januar
veröffentlicht. Schiiten-Allianz verfehlt offenbar knapp Mehrheit +++
Vorsitzender Richter im Saddam-Prozess zurückgetreten +++ Deutscher
Auslandsgeheimdienst meldete den USA offenbar auch Truppenbewegungen
der irakischen Armee. Deutschlands Außenminister verteidigt
Weitergabe von BND-Informationen an die USA während des Irakkriegs...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0601150.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Afghanischer Rebellenführer: 'Deutsche Söhne nicht für
amerikanische Interessen opfern'
Mo.15.01.07 - Der afghanische Rebellenführer Gulbuddin Hekmatyar fordert einen
Abzug der deutschen Truppen aus seinem Land. Von der deutschn
Bundeskanzlerin Angela Merkel erwarte er, dass sie «deutsche
Söhne nicht für amerikanische Interessen opfert», sagte
Hekmatyar dem Online-Magazin «stern.de».
Merkel solle die Bundeswehrsoldaten zurückziehen und anerkennen,
dass die militärische Niederlage des Westens in Afghanistan
besiegelt sei, sagte er weiter und betonte: «Mir erscheinen die
Verhältnisse vergleichbar mit der Zeit, als die Sowjetunion sich
entschloss, Afghanistan zu verlassen.»
Die Bundeswehr ist seit Anfang 2002 in Afghanistan präsent und
derzeit vor allem im Norden des Landes aktiv. Momentan sind knapp 3000
Soldaten im Rahmen der Friedensmission ISAF eingesetzt.
(Quelle: ddp)
Nahost-Konflikt
Agyptens Präsident Mubarak schlägt neuen Friedensplan
für Nahen Osten vor. US-Außenministerin Rice sagt Abbas
verstärktes Engagement in Nahost zu. Abbas will in Syrien mit
Hamas-Führer Maschaal sprechen. Israelischer Minister für
Nato-Truppen im Gazastreifen
Mo.15.01.07 - Angesichts des festgefahrenen Friedensprozesses im Nahen Osten hat sich
der ägyptische Präsident Husni Mubarak für eine neue
«Roadmap» ausgesprochen. Der 2003 vom Nahost-Quartett
vorgestellte Friedensfahrplan habe nicht funktioniert, erklärte ein
Sprecher Mubaraks in Kairo. In einem Brief an US-Präsident George
Bush habe Mubarak daher einen eigenen Vorschlag vorgebracht. Er werde
darüber am (heutigen) Montag auch mit US-Außenministerin
Condoleezza Rice sprechen.
Die bisherige Politik der einseitigen Schritte habe keine Erfolge
gezeigt und es sei an der Zeit, über eine umfassende
Friedensvereinbarung zwischen Israelis und Palästinensern zu
verhandeln, erklärte Sprecher Suleiman Awaad am Samstag.
Einzelheiten zu Mubaraks Vorschlag nannte Awaad nicht. Ägypten hat
mehrfach zwischen beiden Seiten vermittelt.
Die USA haben Palästinenserpräsident Mahmud Abbas
zugesichert, sich stärker für eine Lösung der
Nahost-Konflikts einsetzen.
"Ich habe laut und klar den Ruf für ein stärkeres
amerikanisches Engagement gehört", sagte Außenministerin
Condoleezza Rice am Sonntag nach einem Treffen mit Abbas in Ramallah.
"Seien Sie versichert, dass ich genau das tun werde." Rice hatte am
Vortag allerdings zu hohe Erwartungen an ihre Nahost-Reise gedämpft
und erklärt, sie wolle Israelis und Palästinensern keinen
konkreten Friedensplan vorlegen. Rice bereist den Nahen Osten, um unter
anderem die Chancen für eine von der deutschen Bundeskanzlerin
Angela Merkel geforderte neue Nahost-Initiative auszuloten.
Rice will insbesondere herausfinden, ob die Bedingungen für eine
Wiederbelebung des so genannten Nahost-Quartetts aus EU, USA, Russland
und die Vereinten Nationen gegeben sind. Der US-Außenministerin
geht es bei ihren Gesprächen neben dem Nahost-Konflikt um die
Stabilisierung des Libanon und des Irak. Am Donnerstag wird Rice Merkel
und den deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Berlin
über die Ergebnisse ihrer Reise informieren.
Rice bekräftigte, sie wolle sich für eine Beschleunigung des
internationalen Friedensfahrplans, der so genannten Road Map, einsetzen.
Den Palästinensern müssten Möglichkeiten zur
Gründung eines eigenen Staates aufgezeigt werden. Die
Außenministerin erklärte jedoch nicht, wie sie dieses Ziel
erreichen will.
Israelischen Angaben zufolge setzte sich Rice bei einem Treffen mit
ihrer israelischen Kollegin Zipi Liwni am Samstag für die Schaffung
eines Palästinenserstaats mit einer vorläufigen Grenzziehung
ein. Diese Option schloss Abbas umgehend aus. "Ich habe der
Außenministerin verdeutlicht, dass wir vorübergehende
Lösungen ablehnen", sagte der Präsident. Viele
Palästinenser fürchten, dass provisorische Grenzen später
nicht mehr geändert würden und ihr Staat kleiner als das von
ihnen beanspruchte Gebiet wäre.
Die von Abbas geführte Fatah liefert sich seit Monaten erbitterte
Auseinandersetzungen mit der islamistischen Hamas. Die USA planen nun,
die Präsidentengarde des Palästinenserführers mit 86
Millionen Dollar zu unterstützen.
Ministerpräsident Ismail Hanija von der Hamas forderte am Samstag
dazu auf, die Gewalt zwischen Palästinensern zu beenden. Die
Bemühungen für eine Regierung der Nationalen Einheit
müssten verstärkt werden. Abbas erklärte daraufhin, es
gebe neue Bemühungen. Er dämpft aber Hoffnungen auf einen
schnellen Erfolg: "Ich kann nicht sagen, dass wir schon eine Einigung
erzielt haben." Die Verhandlungen von Hamas und Fatah waren wegen des
Machtkampfes ohne Ergebnis abgebrochen worden.
Abbas will in den kommenden Tagen zu einem Gespräch mit
Hamas-Führer Chalid Maschaal nach Syrien reisen, wie
palästinensische Regierungsbeamte am Sonntag erklärten. Auch
mit syrischen Regierungsvertretern werde Abbas sprechen. Bei den
Gesprächen in Damaskus werde es um Wege zur Bildung einer Regierung
der nationalen Einheit und eine Beendigung des Machtkampfs zwischen
Hamas und Fatah gehen. Abbas selbst schränkte nach einem
Gespräch mit US-Außenministerin Condoleezza Rice am Sonntag
in Ramallah ein, es sei verfrüht, über ein Gespräch mit
Maschaal zu reden.
Vertreter von Hamas und Fatah bestätigten am Samstag, dass Abbas
im Ringen um eine Regierung der nationalen Einheit indirekt in Kontakt
mit Maschaal stehe. Zwei Gesandte Abbas' hätten vor rund zwei
Wochen geheime Verhandlungen in Syrien aufgenommen. Es seien bereits
wichtige Fortschritte erzielt worden, hieß es.
Ein israelischer Minister hat sich derweil für die Stationierung
von 30.000 Nato-Soldaten im palästinensischen Gazastreifen
ausgesprochen.
Diese sollten nach einem unausweichlichen Militärschlag Israels in
dem Küstengebiet die Wiederbewaffnung palästinensischer
Extremisten verhindern, sagte eine Sprecherin des für strategische
Fragen zuständigen Ministers Awigdor Lieberman am Sonntag.
Ein Militärschlag im Gazastreifen sei nötig, um den
palästinensischen Waffenschmuggel aus Ägypten zu unterbinden
und den Beschuss Südisraels durch Raketen zu stoppen. Der
rechtsgerichtete Politiker habe den Vorschlag beim Besuch von
US-Außenministerin Condoleezza Rice vorgebracht. Über die
Reaktion von Rice sagte die Sprecherin nichts.
Vize-Verteidigungsminister Efraim Sneh lehnte den Vorschlag Liebermans
ab. Dadurch werde das Problem eher verschlimmert. Ministerpräsident
Ehud Olmert äußerte sich zunächst nicht. Gleich bei
seiner Amtsübernahme im November hatte Lieberman gefordert, Teile
des 2005 von Israel geräumten Gazastreifens wieder zu besetzen.
Israel hat sich in der Vergangenheit zurückhaltend zu
Vorschlägen geäußert, ausländische Truppen in den
Palästinenser-Gebieten zu stationieren. Das Land befürchtet,
diese könnten den eigenen Kampf gegen palästinensische
Extremisten behindern.
(Quellen: rtr, ap)
Besorgnis über mangelnde Fortschritte bei Abrüstung in
Nordkorea
Mo.15.01.07 - Die Regierungen von China, Japan und Südkorea haben Besorgnis
über den jüngsten Atomtest in Nordkorea geäußert
und effektive Schritte zur Fortsetzung der festgefahrenen
Atomgespräche gefordert. Eine Vereinbarung aus dem Jahr 2005, die
eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel anstrebt, müsse
vollständig umgesetzt werden, erklärten der
südkoreanische Präsident Roh Moo Hyun, der chinesische
Ministerpräsident Wen Jiabao und der japanische
Ministerpräsident Shinzo Abe am Sonntag nach einem Treffen am Rande
des ASEAN-Gipfels in der philippinischen Stadt Cebu.
Nordkorea hatte im Oktober erstmals einen Atomsprengsatz gezündet.
Die ersten Verhandlungen über das nordkoreanische Atomprogramm seit
mehr als einem Jahr wurden im Dezember ohne greifbare Ergebnisse
beendet. In einer Abschlusserklärung vereinbarten die Beteiligten,
sich «zur frühest möglichen Gelegenheit» wieder zu
treffen, ein Termin wurde aber nicht genannt. Die Delegierten
bestätigten eine im September 2005 getroffene Vereinbarung, wonach
Nordkorea seine Abrüstungsbereitschaft im Gegenzug für
Sicherheitsgarantien und Hilfe zusichert.
(Quelle: ap)
Japan erwägt offenbar Präventiveinsätze bei
Friedensmissionen
Mo.15.01.07 - Die japanische Regierung erwägt einem Medienbericht zufolge, die
Einsätze ihrer Soldaten bei internationalen Friedensmissionen nicht
mehr nur auf die Verteidigung zu beschränken. Es gebe die
Überlegung, den Truppen auch Präventiveinsätze zu
erlauben, schrieb die Zeitung «Yomiuri» am Sonntag. Der
Verfassung zufolge darf Japan keine Gewalt einsetzen, um internationale
Konflikte zu lösen. Die Streitkräfte sind streng auf die
Landesverteidigung ausgerichtet.
Ministerpräsident Shinzo Abe und Verteidigungsminister Fumio Kyuma
haben bereits angekündigt, man werde prüfen, ob den Soldaten
im Rahmen einer «kollektiven Selbstverteidigung» auch
Einsätze zu Gunsten Verbündeter erlaubt werden können.
Erst in der vergangenen Woche wandelte die Regierung die bisherige
Verteidigungsbehörde in ein Ministerium um. Die Streitkräfte
waren nach dem Zweiten Weltkrieg lediglich einer Behörde
unterstellt worden, um jeden Anklang an den Militarismus der Kriegszeit
zu vermeiden.
(Quelle: ap)
Venezuela und Iran schmieden Allianz gegen USA
Mo.15.01.07 - Die erklärten US-Gegner Venezuela und Iran haben ihre so genannte
«strategische Allianz» gestärkt. Beim zweiten
Staatsbesuch des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad
innerhalb von vier Monaten wurden am Samstagabend (Ortszeit) elf neue
bilaterale Abkommen und auch eine gemeinsame Erklärung
unterzeichnet.
Venezuelas Präsident Hugo Chávez und Ahmadinedschad
sprachen sich in Caracas zur Stützung der Erdölpreise für
eine Senkung der Produktion der Organisation Erdöl exportierender
Länder (OPEC) aus.
Nach dem Treffen mit Chávez im Regierungspalast sagte
Ahmadinedschad, das iranische Volk werde «heute und immer an der
Seite Venezuelas sein». «Wir fördern die
revolutionären Gedanken in der Welt», sagte der Iraner. Heute
fliegt Ahmadinedschad nach Nicaragua weiter, bevor er seine
Südamerikareise in Ecuador beendet.
Zu den neuen Abkommen zählen nach Angaben aus Caracas
Verträge zur Intensivierung der Zusammenarbeit in den Bereichen
Energie, Industrie, Handel und Wohnungsbau. Beim ersten Besuch
Ahmadinedschads in Venezuela waren im September bereits 29
Kooperationsabkommen vor allem in den Sektoren Wirtschaft und Energie
besiegelt worden. Geplant sind demnach die Gründung gemeinsamer
Erdölgesellschaften, Zement-, Flugzeug-, Fahrrad-, Auto- und
Schießpulver-Fabriken sowie die Gründung eines bilateralen
Fonds in Höhe von zwei Milliarden US-Dollar.
Die Präsidenten beschlossen jetzt, die Schaffung des Fonds
«zu beschleunigen». Mit diesen Geldern sollen nach den
Worten des Linksnationalisten Chávez auch Investitionen in jenen
Ländern getätigt werden, die sich vom «Joch des
Imperialismus» befreien wollten. Chávez und Ahmadinedschad
sagten sich außerdem gegenseitige Unterstützung in der
Außenpolitik zu.
(Quelle: dpa)
Sarkozy zum Präsidentschaftskandidaten der französischen
Konservativen nominiert
Mo.15.01.07 - Die französische Regierungspartei UMP hat Nicolas Sarkozy am
Sonntag offiziell zu ihrem Kandidaten für die
Präsidentschaftswahl im April nominiert. 70.000 Parteimitglieder
feierten den Innenminister im Parc des Expositions in Paris. In einer
Urabstimmung erhielt Sarkozy hundert Prozent der Stimmen - er war der
einzige Kandidat.
Nachdem ein Störfeuer von Sarkozys Rivalen, Premierminister
Dominique de Villepin und Staatspräsident Jacques Chirac, die
vergangenen Tage geprägt hatte, bemühte sich Sarkozy um
Einigung. «Ich brauche jeden hier», sagte der Kandidat zum
Auftakt des Sonderparteitages.
Er begrüßte Villepin demonstrativ herzlich, der Premier
verließ den Parteitag jedoch nach einer halben Stunde wieder.
Chirac, der sich die Möglichkeit einer eigenen Kandidatur noch
offen hält, blieb der Veranstaltung ganz fern.
Für Sarkozy ist die Nominierung ein Wendepunkt: «Nach dem
14. Januar werde ich frei sein», sagte er im Sommer, als der
parteiinterne Machtkampf noch nicht gewonnen war. In den vergangenen
Tagen schlugen sich wichtige Vertraute Chiracs, wie Expremier Alain
Juppé und Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie,
auf seine Seite. «Nicolas, Du kannst auf mich zählen»,
rief Alliot-Marie am Sonntag unter dem Jubel der Massen.
Als offizieller Kandidat will Sarkozy sein Image vom
Law-and-Order-Innenminister abmildern und sich als Integrator zeigen.
«Ich habe mich verändert, weil ich verstanden habe, dass ich
durch Eure Wahl nicht mehr der Mann einer Partei bin, sondern ganz
Frankreichs», sagte er. Die Liebe zu seinem Land stellte er in den
Mittelpunkt seiner Rede.
Seine aggressive Art, mit der er die eigene Partei überzeugt hat,
ist vielen Landsleuten suspekt. In einer am Sonntag
veröffentlichten Umfrage gaben 51 Prozent an, Sarkozy
«beunruhige» sie. Die sozialistische Kandidatin
Ségolène Royal, mit der Sarkozy in Umfragen Kopf-an-Kopf
liegt, sammelt dagegen durch ihre ruhige und charmante Art viele
Pluspunkte.
Das 3,5 Millionen Euro teure mediale Großereignis mit
gigantischen Leinwänden ließ Sarkozy, der auch Parteichef
ist, im Geheimen vorbereiten. In der Messehalle im Süden von Paris
gründete Chirac 1975 die gaullistische Sammlungsbewegung RPR, 20
Jahre später startete er dort seine erfolgreiche
Präsidentschaftskampagne. In Bussen und Sonderzügen wurden die
UMP-Mitglieder aus ganz Frankreich herbeigebracht, um Sarkozy
Rückenwind für das Rennen um den Élysée-Palast
zu geben. Die riesige Bühne war in die Parteifarben rot und blau
getaucht.
(Quelle: ap)
Rechtsextremisten wollen eigene Fraktion im Europaparlament gründen
Mo.15.01.07 - Im Europaparlament wird sich am (heutigen) Montag voraussichtlich eine
rechtsextremistische Fraktion konstituieren. Der neuen Gruppierung
namens «Identität, Tradition und
Souveränität» sollen insgesamt 20 Abgeordnete aus
Frankreich, Italien, Belgien, Großbritannien, Österreich
sowie den neuen EU-Staaten Bulgarien und Rumänien angehören.
Als Fraktionsvorsitzender ist der Generalsekretär der
französischen Partei Front National (FN), Bruno Gollnisch,
vorgesehen. FN-Chef Jean-Marie Le Pen und seine Tochter Marine werden
der Fraktion ebenfalls angehören. Auch die Enkelin des
italienischen Diktators Benito Mussolini, Alessandra Mussolini, will
sich der Gruppe anschließen.
Ohne den EU-Beitritt Bulgariens und Rumäniens zum Jahresbeginn
wäre die Bildung der neuen Gruppierung nicht möglich gewesen,
da Fraktionen des Europaparlaments mindestens 20 Abgeordnete aus
mindestens sechs Staaten angehören müssen. Aus Rumänien
werden fünf Abgeordnete der Großrumänischen Partei zu
der neuen Fraktion stoßen, aus Bulgarien ein Vertreter der Partei
Ataka (Attacke).
(Quelle: ap)
Aufstachelung zu Hass und Gewalt soll europaweit strafbar werden
Mo.15.01.07 - Deutschlands Justizministerin Brigitte Zypries hat sich optimistisch
gezeigt, dass die Verbreitung fremdenfeindlicher und rassistischer
Äußerungen, die zu Hass und Gewalt aufstacheln, europaweit
unter Strafe gestellt werden kann. Zum Auftakt des EU-Innen- und
Justizministerrates in Dresden sagte Zypries am Sonntagabend, sie
strebe einen Strafrahmen von ein bis drei Jahren Gefängnis an.
Zypries äußerte sich zuversichtlich, dass ein entsprechender
Rahmenbeschluss zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit bis zum Ende der
deutschen EU-Ratspräsidentschaft im Juni erzielt werden kann. Sie
räumte allerdings ein, dass von der einen oder anderen Seite
«erhebliche Bedenken» bestehen.
Zypries wies darauf hin, dass bei einer entsprechenden Vereinbarung
jedem Mitgliedstaat freistehen würde, einen eigenen Strafrahmen
festzulegen. EU-Justizkommissar Franco Frattini betonte, es würden
nicht Äußerungen als solche bestraft, sondern die
Aufstachelungen zu Hass und Gewalt. Der Rahmenbeschluss lasse den
Mitgliedstaaten Manövrierfähigkeit.
(Quelle: ap)
'Geldregen' der deutschen Aktiengesellschaften fließt
größtenteils in Ausland
Mo.15.01.07 - Die erwartete Rekord-Dividendensumme von Deutschlands wichtigsten
Aktiengesellschaften fließt in diesem Jahr überwiegend auf
die Konten ausländischer Investoren. «Die Mehrheit der
deutschen Aktien liegt heute bei Aktionären im Ausland»,
sagte der DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker in einem
dpa-Gespräch.
Deshalb würden die ausländischen Investoren auch den
größten Teil des «Geldregens» der DAX
-30-Unternehmen für das Geschäftsjahr 2006 abbekommen, der auf
mehr als 20 Milliarden Euro geschätzt wird. Die Dividenden werden
auf den Hauptversammlungen 2007 beschlossen, deren Reigen in der
kommenden Woche mit ThyssenKrupp in Bochum beginnt.
«Relativ viele Privataktionäre sind auf dem
Rückzug», schilderte Hocker mit Verweis auf Zahlen des
Deutschen Aktieninstitutes die Situation. Demnach kehrten der Aktie im
ersten Halbjahr 2006 fast 900 000 Kapitalanleger in Deutschland den
Rücken. Ein Grund hierfür sei sicher auch die aktuelle
Diskussion der Politik um Steuerrechtsänderungen, die große
Kreise verunsichert habe. So werde etwa die geplante Abgeltungssteuer,
die in diesem Jahr beschlossen werden solle, für etliche
Aktionäre eine massive Steuererhöhung mit sich bringen.
Ein weiterer Grund sei die im internationalen Vergleich schwache
Aktienkultur in Deutschland. «Wir verlassen uns seit Bismarck
darauf, dass der Staat unsere Pension regelt», betonte Hocker.
«Im Ausland kümmert man sich selbst um die Rente.»
Deshalb gebe es in den USA große Pensionsfonds, die auch zunehmend
in Deutschland investierten.
Der wachsende Einfluss amerikanischer und englischer Investoren werde
auf den Hauptversammlungen 2007 deutlich werden. «Diese Fonds
werden jetzt langsam rabiater. Sie drücken zunehmend unseren
Unternehmen ihre Vorstellungen auf.» Betroffen hiervon seien
beispielsweise Vorratsbeschlüsse für Kapitalerhöhungen
mit Bezugsrechtsausschluss. Diese würden wegen der damit
verbundenen Verwässerungseffekte nicht mehr so einfach
«durchlaufen» wie noch in den Vorjahren.
Auch in der Organisation der Hauptversammlungen spiegelten sich
amerikanische Vorbilder wider. «Vermehrt werden Dienstleister
eingesetzt, um die Präsenz auf den Aktionärstreffen zu
erhöhen. Damit sollen Zufallsmehrheiten verhindert werden.»
Diese so genannten «Proxy-Solicitors» motivierten die
Aktionäre, ihre Rechte vertreten zu lassen. «Das kostet viel
Geld, macht aber Sinn.»
Mit den Hauptversammlungen 2007 werden erstmals alle 30 im Aktienindex
DAX gelisteten Unternehmen die Vergütungen ihrer Vorstände
individualisiert vorlegen. «Kaum einer der normalen
Aufsichtsräte kennt die Vorstandsvergütung im Detail. Das wird
jetzt besser», sagte der Hauptgeschäftsführer der
größten deutschen Aktionärsvertretung.
Die Korruptionsaffären bei Siemens und VW würden keine
zentrale Themen der Hauptversammlungen anderer DAX-Unternehmen. Die
Skandale hätten aber eine nicht zu unterschätzende
abschreckende Wirkung, die dafür sorgten, dass mehr Transparenz
einziehe und Unregelmäßigkeiten schneller aufgedeckt
würden. «Die so genannten nützlichen Abgaben werden
nicht mehr toleriert», unterstrich Hocker.
Die Aktionärsrechte in Deutschland würden in diesem Jahr
insbesondere durch neue Regelungen auf EU-Ebene gestärkt.
«Ein wichtiges Thema ist hier die grenzüberschreitende
Stimmrechtsvertretung.» Wer beispielsweise Aktionär einer
italienischen Gesellschaft sei, könne seine Rechte dann leichter
auf der Hauptversammlung vertreten lassen.
(Quelle: dpa)
Ermittlungen wegen mutmaßlicher Korruption bei Handelskonzernen
Mo.15.01.07 - Gegen Manager der Konzerne Aldi, Tengelmann und Metro wird einem
Bericht zufolge wegen Korruptionsverdachts ermittelt. Hintergrund ist
die Einführung des Dosenpfands und ein umstrittener Beratervertrag
für den früheren sächsischen Wirtschaftsminister Kajo
Schommer, wie das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» schreibt.
Demnach weitete die Dresdner Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen auf
die Handelskonzerne aus, die früher Gesellschafter des Dualen
Systems Deutschland (DSD) waren.
Dem Bericht zufolge besteht der Verdacht der Vorteilsgewährung.
Den Beschuldigten werde zur Last gelegt, im November 2001 Schommer,
einem Gegner des Dosenpfandes, einen DSD-Beratervertrag zugeschanzt zu
haben. Wenige Wochen nach Schommers Ausscheiden aus dem sächsischen
Kabinett im April 2002 trat der Politiker in DSD-Dienste gegen ein
Entgelt von 600.000 Euro. Kurz darauf wurde der Dreijahresvertrag
gekündigt, das Geld aber ausbezahlt.
Die Dresdner Strafverfolger vermuten laut «Spiegel» in der
Honorierung ein Dankeschön für Schommers politischen Einsatz
gegen die Einführung des Dosenpfands. Sie ermitteln schon
länger wegen des Verdachts der Vorteilsannahme. Ein Sprecher der
Staatsanwaltschaft konnte am Samstag die Ausweitung der Ermittlungen
weder bestätigen noch dementieren. Gegen Schommer werde nach wie
vor ermittelt. Ein Metro-Sprecher gab auf Anfrage keine Stellungnahme
ab. Bei Tengelmann und Aldi waren keine Ansprechpartner verfügbar.
Schommer selbst ließ am Sonntag über seinen Anwalt
erklären, dass der Vorwurf völlig haltlos sei, weil er den
Vertrag erst nach dem Ausscheiden aus dem Ministeramt erhalten habe.
«Insbesondere ist der Vorwurf deswegen völlig aus der Luft
gegriffen, weil alle politischen Entscheidungen im Hinblick auf das
Dosenpfand vor meinem ersten Treffen mit den Vertretern des Dualen
Systems durch die Staatsregierung getroffen waren.»
Die Bundesregierung will die Bekämpfung von Korruption forcieren.
Künftig sollen auch Bedienstete, Richter und Soldaten
ausländischer und internationaler Institutionen verfolgt werden
können, wenn sie sich in Deutschland bestechen lassen oder zur Zeit
der Tat Deutsche sind. Das erklärte das Bundesjustizministerium in
Berlin und bestätigte damit entsprechende
«Spiegel»-Informationen. Strafbar machen soll sich in
Zukunft auch derjenige, der gegen Bezahlung wichtige
Unternehmensinterna preisgibt.
(Quelle: ap)
Kanzlerin Merkel verlangt von Atomkraft-Gegnern Alternativen
Mo.15.01.07 - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat von den Gegnern der Atomkraft
Antworten in der Frage des Klimaschutzes verlangt.
Da Kohlekraftwerke das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2)
ausstießen, könnten sie die CO2-freien Atomkraftwerke nicht
ersetzen. "Ich sage, dass diejenigen, die den Atomausstieg wollen und
gleichzeitig Klimaschutz wollen, natürlich jetzt auch aufgefordert
sind, Antworten zu geben", sagte die Kanzlerin am Sonntag im
Deutschlandfunk. Der Klimawandel sei eine der größten
Menschheitsherausforderungen. Sie betonte aber zugleich, sie stehe zum
Koalitionsvertrag, in dem der Atomausstieg praktisch vereinbart sei.
"Zumindest für die Legislaturperiode gibt es daran keine
Änderung."
SPD-Vize-Fraktionschef Ulrich Kelber warf der Kanzlerin daraufhin
Unaufrichtigkeit vor. Die Bundesregierung habe die Antworten in Studien
bereits selbst gegeben, Merkel kenne sie. "Der Atomausstieg bei
gleichzeitiger Verschärfung des Klimaschutzes ist möglich",
sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Allein der Ausbau der
erneuerbaren Energien mache den den Verzicht auf Atomkraft mehr als
wett. Zudem gebe es große Reserven beim Energiesparen und dem
effizienten Einsatz von Energie. Auch die umweltfreundliche
Kraft-Wärme-Kopplung, bei der Strom und Wärme erzeugt wird,
könne allein den Atomausstieg auffangen. Einer Umfrage zufolge
wollen fast zwei Drittel der Bürger einen Atomausstieg erst dann,
wenn der Anteil durch Ökostrom aufgefangen werden kann. Atomkraft
hat derzeit einen Anteil am deutschen Strommarkt von knapp 30 Prozent.
Das Umweltministerium hat sich zum Ziel gesetzt, den Ökostrom bis
2020 auf über 20 Prozent auszubauen.
Merkel äußerte sich skeptisch, ob der Ersatz der Atomkraft
rechtzeitig möglich ist: "Da muss man auch sehr realistisch gucken,
in welchem Zeitablauf kann man wie viel schaffen." Man müsse nun
gemeinsam darüber nachdenken, wie Energie effizienter eingesetzt
und gespart werden könne. Auch beim Thema Biokraftstoffe sei noch
Spielraum. Sie räumte ein: "Die Kernenergiefrage allein löst
das Klimaproblem mit Sicherheit nicht." Es müssten nun aber
realistische Szenarien entwickelt werden. Wirtschaftsminister Michael
Glos (CSU) nannte dagegen die Kernkraft für die
Versorgungssicherheit erneut unverzichtbar. "Auch Umweltminister Sigmar
Gabriel kann sich nicht dauerhaft dieser Erkenntnis entziehen", sagte
er der "Bild am Sonntag".
Der frühere Wirtschaftsminister und heutige Chef des Mischkonzerns
RAG, Werner Müller, nannte langfristig sogar den Neubau von
Kernkraftwerken in Deutschland nötig, um das Klimaproblem in den
Griff zu bekommen. Wenn Deutschland wie angekündigt seinen
Treibhausgasausstoß bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990
senken wolle, sei dies mit dem Kernenergie-Ausstieg nicht zu verbinden,
sagte Müller dem "Focus".
Zunächst aber sollten Kraftwerke weiter laufen, so lange sie
technisch sicher seien. Im Gegenzug könne man dann ein Neubauverbot
ins Grundgesetz schreiben, was dann erst mit Zwei-Drittel-Mehrheit des
Parlaments wieder aufgehoben werden könne, sagte Müller.
Einer Forsa-Umfrage im Auftrag der "Bild am Sonntag" zufolge spricht
sich etwa die Hälfte der Befragten für längere Laufzeiten
der Kraftwerke oder einem Abschied vom Atomausstieg insgesamt aus. Die
andere Hälfte plädiert dafür, am Ausstieg wie geplant
festzuhalten.
(Quelle: rtr)
Julis kritisieren FDP-Bekenntnis zu Atomkraft
Mo.15.01.07 - Die Jugendorganisation der FDP kritisiert das Bekenntnis der
Parteispitze zur Atomkraft. «Die Positionierung der FDP zum Thema
Energiepolitik sehen wir Julis mit Sorge», schreibt laut
«Berliner Zeitung» der Vorsitzende der «Jungen
Liberalen» (Julis), Johannes Vogel, in einem offenen Brief an
FDP-Parteichef Guido Westerwelle. Die jüngsten
Äußerungen missachteten die Beschlüsse des letzten
Bundesparteitags in Rostock.
Es solle nicht der Eindruck entstehen, dass die Liberalen die heutige
Atomtechnik für ewig als gangbare Alternative betrachteten,
heißt es demnach in dem Brief. Die Partei habe vielmehr
beschlossen, die Kernspaltungstechnik als Übergangstechnologie
anzusehen. Die Julis bemängeln demnach zudem, dass wegen der
Äußerungen der FDP-Spitze die beschlossene Förderung
der erneuerbaren Energie zu Lasten der fossilen Brennträger
völlig außer Acht geraten sei.
(Quelle: ap)
BA-Vorstandsmitglied bezweifelt Erfolg von Kombilöhnen
Mo.15.01.07 - Die Bundesagentur für Arbeit (BA) bezweifelt den Erfolg der
derzeit in der Bundesregierung diskutierten Kombilöhne.
Lohnsubventionen hätten ein hohes Mitnahmepotenzial, sagte
BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt der «Frankfurter
Rundschau». «Der erste Anreiz muss sein, Arbeit zu finden,
mit der jemand genug Geld zum Leben verdient.» Arbeitsplätze
entstünden in der Wirtschaft, die Politik sei für die
Rahmenbedingungen zuständig.
Alt beklagte, die BA verfüge über zu viele
arbeitsmarktpolitische Instrumente, die konzentriert und
übersichtlicher werden müssten. Er kritisierte zudem die
allgemeine Klage über den Mangel an Ingenieuren und
Baufacharbeitern: «Das ist bei Betrieben, die nicht ausbilden,
eine Selbstanzeige. Facharbeiter fallen nicht vom Himmel.» Staat
und Unternehmen seien gefordert, dass jeder Jugendliche eine Ausbildung
erhalte, betonte das BA-Vorstandsmitglied. «Eine gute
Erstausbildung ist die Basis für spätere Weiterbildung.»
(Quelle: ap)
Tausende bei Gedenkveranstaltung für Luxemburg und Liebknecht
Mo.15.01.07 - Mehrere tausend Menschen haben am Sonntag in Berlin an der
traditionellen Gedenkveranstaltung für die vor 87 Jahren ermordeten
Kommunistenführer Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg teilgenommen.
Auch Linksparteichef Lothar Bisky und der Linksfraktionsvorsitzende
Oskar Lafontaine legten an der Gedenkstätte der Sozialisten in
Friedrichsfelde Kränze nieder.
Bei einem Demonstrationszug zur Gedenkstätte kam es nach Angaben
der Polizei zu drei Festnahmen wegen Verstößen gegen das
Versammlungsrecht. Bei einem Demonstranten seien Pflastersteine gefunden
worden, hieß es.
Das Gedenken an die beiden Kommunistenführer, die am 15. Januar
1919 von rechten Freikorpssoldaten ermordet wurden, hatte bereits zu
DDR-Zeiten Tradition und findet jedes Jahr am zweiten Sonntag im Januar
statt.
(Quelle: ap)