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Irak am neunhundertzweiunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Blutbad vor Bagdader Universität - Mindestens 65 Tote. Laut UN
wurden 2006 fast 35.000 Zivilpersonen im Irak getötet
Mi.17.01.07 - Beim schwersten Anschlag im Irak seit Wochen sind am Dienstag vor der
Bagdader Universität mindestens 65 Menschen in den Tod gerissen
worden. Fast 140 weitere wurden verletzt, wie die Polizei mitteilte.
Der Anschlag ereignete sich am Nachmittag, als viele Studenten ihre
Seminare in der Mustansirija-Universität beendet hatten und sich
auf den Heimweg machten. Landesweit kostete die Gewalt erneut mehr als
100 Menschen das Leben.
Nach Angaben eines Polizeisprechers detonierten vor der
Mustansirija-Universität zwei in Kleinbussen versteckte
Autobomben, ein anderer Sprecher berichtete von einem
Selbstmordanschlag. Der Dekan der Hochschule, Tarik al Mussawi, sagte
dem startlichen Fernsehsender Al Irakia, nach zwei Explosionen habe
offenbar ein Selbstmordattentäter inmitten der flüchtenden
Studenten einen Sprengstoffgürtel zünden wollen. Dieser sei
jedoch vorab explodiert.
Ministerpräsident Nuri al-Maliki machte Terroristen und
Anhänger des hingerichteten Ex-Präsidenten Saddam Hussein
für das Blutbad verantwortlich und brachte den Anschlag mit der
Hinrichtung von Saddam Husseins beiden Mitangeklagten am Montag in
Verbindung.
Etwa 45 Minuten nach dem Anschlag vor der Hochschule beschossen
Bewaffnete von einem Minivan und zwei Motorrädern aus einen Markt
in einem vor allem von Schiiten bewohnten Viertel im Osten Bagdads.
Mindestens elf Menschen wurden nach Polizeiangaben getötet,
fünf weitere erlitten Verletzungen. Bei der Explosion zweier
Bomben in der Innenstadt kamen mindestens 13 Menschen ums Leben, es gab
74 Verletzte. Wie die Polizei mitteilte, detonierten die
Sprengsätze im Abstand von fünf Minuten auf einem Markt. Die
erste Bombe war an einem Motorrad befestigt. Als Schaulustige sich um
den Ort der Explosion versammelten, fuhr ein Selbstmordattentäter
mit seinem Wagen in die Menschenmenge und zündete seine Autobombe.
Im Irak sind nach Angaben der Vereinten Nationen allein im vergangenen
Jahr fast 35.000 Zivilpersonen getötet worden. Der Chef der
UN-Mission im Irak (UNAMI), Gianni Magazzeni, gab die Zahl der Opfer am
Dienstag mit 34.452 an, weitere 36.685 Zivilpersonen seien 2006
verwundet worden.
«Ohne deutliche Fortschritte bei der Rechtsstaatlichkeit wird die
religiös motivierte Gewalt endlos weitergehen und schließlich
außer Kontrolle geraten», sagte Magazzeni. Im November und
Dezember seien 6.367 Menschen getötet worden, fast 5.000 von ihnen
allein in Bagdad. Die meisten seien ihren schweren Schusswunden
erlegen. Magazzeni verwies auf einen leichten Rückgang der
Todesopfer im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Monaten, als nach
Angaben von UNAMI insgesamt 7.047 Zivilpersonen ums Leben kamen. Die
Zahlen beruhen laut Magazzeni auf Informationen des irakischen
Gesundheitsministeriums sowie von Krankenhäusern und Behörden
im gesamten Land.
Die UN-Mission gab als Grund für die Gewalt die zahlreichen Morde
aus Rache und die mangelnde Strafverfolgung der Täter an. Insgesamt
wachse im Land der Eindruck, dass Menschenrechtsverstöße
nicht bestraft würden. Unter Berufung auf das irakische
Innenministerium erklärte UNAMI, seit Kriegsbeginn 2003 seien im
Irak 12.000 Polizisten getötet worden.
Mit der neuen Irak-Strategie ihrer Regierung stieß die
amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice in Saudi-Arabien
auf Skepsis. Der saudiarabische Außenminister Saud al Faisal
erklärte am Dienstag, sein Land hoffe, dass die US-Pläne
für den Irak erfolgreich seien. Er stellte aber in Frage, ob die
irakische Regierung der Aufgabe gewachsen ist. Rice flog am Dienstag
nach Kuwait weiter, um dort die Außenminister acht arabischer
Staaten zu treffen.
Die Vereinigten Staaten verlegen einen zweiten Flugzeugträger in
den Nahen Osten. Die «USS John C. Stennis» sollte am
Dienstag ihren Heimathafen Bremerton im US-Staat Washington verlassen,
wie Fregattenkapitän Kevin Aandahl erklärte. Das Schiff wird
in einem Monat mit rund 3.200 Soldaten und mehr als 80 Flugzeugen in der
Region erwartet.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kritisierte unterdessen die
Hinrichtung von zwei Mitangeklagten des früheren irakischen
Machthabers Saddam Hussein. Ban bedauere, dass Barsan Ibrahim und Awad
Hamed al Bandar ungeachtet seiner Bitte und der des UN-Hochkommissars
für Menschenrechte gehängt worden seien, erklärte eine
Sprecherin des Generalsekretärs am Montag.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 17.01.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertachtundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.17.01.06 - Irakische Wahlkommission weist die meisten Beschwerden ab +++ Sechs Tote
bei Selbstmordanschlag +++ Erneut US-Hubschrauber im Irak abgestürzt +++
Neuer Richter leitet nächste Verhandlung gegen Saddam Hussein +++
Generalbundesanwalt in Deutschland prüft Anzeigen wegen
BND-Aktivitäten im Irak +++ Deutsche Botschaft bat Irak doch um
Einreiseverbot für Osthoff...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0601170.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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US-Verteidigungsminister Gates erhebt schwere Vorwürfe gegen
Pakistan
Mi.17.01.07 - Angesichts der anhaltenden Gewalt radikal-islamischer Rebellen in
Afghanistan hat der neue US-Verteidigungsminister Robert Gates schwere
Vorwürfe gegen Pakistan erhoben. Die Angriffe von der
pakistanischen Seite aus hätten zugenommen, sagte Gates bei seinem
ersten Besuch in Afghanistan in Kabul.
«El-Kaida-Netzwerke operieren auf der pakistanischen Seite der
Grenze.» Pakistanische Sicherheitskräfte töteten
unterdessen im halbautonomen Stammesgebiet an der Grenze zu Afghanistan
bis zu 30 radikal-islamische «Terroristen».
Gates sagte nach einem Treffen mit dem afghanischen Präsidenten
Hamid Karsai, man müsse in Afghanistan auf den bisherigen Erfolgen
aufbauen. Gates betonte: «Pakistan ist ein außerordentlich
starker Alliierter der Vereinigten Staaten im Kampf gegen den
Terror.» Die Grenze zu Afghanistan sei aber «ein
Problem». Die Regierung in Kabul wirft der in Islamabad immer
wieder vor, Pakistan gehe im Grenzgebiet nicht ausreichend gegen
Rebellen vor, die von dort aus Ziele in Afghanistan angreifen und
Anschläge verüben.
Bei den Kämpfen im Grenzgebiet seien am Dienstag in der Region
Süd-Wasiristan drei von Extremisten genutzte Gebäude von
pakistanischen Bodentruppen und Hubschraubern zerstört worden,
sagte Armeesprecher Shaukat Sultan in Islamabad. «Wir hatten
Informationen über Terroristen und lokale Unterstützer. Es
wird davon ausgegangen, dass sie in den Gebäuden waren.» Die
Gruppe, der der Angriff galt, habe Extremisten ausgebildet und
Terroranschläge verübt. Unter den Toten seien Ausländer
gewesen. Soldaten seien nicht zu Schaden gekommen.
Vergangene Woche hatte die Internationale Schutztruppe ISAF in der
ostafghanischen Provinz Paktika nach eigenen Angaben bis zu 150
Rebellen getötet, die von Pakistan aus nach Afghanistan
eingedrungen waren. Paktika grenzt an Süd-Wasiristan. Im
vergangenen Oktober waren in Süd-Wasiristan bei einem Luftangriff
auf eine Koranschule über 80 Menschen getötet worden. Nach
offiziellen pakistanischen Angaben hatte es sich bei den Toten um
militante Extremisten und bei der Koranschule um ein Ausbildungslager
gehandelt. Augenzeugen hatten dagegen von zivilen Opfern gesprochen.
Pakistan und Afghanistan gehören zu den engsten Alliierten der USA
im Anti-Terror-Kampf. Die Beziehungen zwischen Islamabad und Kabul
allerdings sind auf einem Tiefpunkt. Das vergangene Jahr war das
blutigste in Afghanistan seit dem Sturz des radikal-islamischen
Taliban-Regimes Ende 2001. Mehr als 4000 Menschen starben bei
Kämpfen und Anschlägen. Unter den Opfern waren rund 1000
Zivilisten. Der internationale Militäreinsatz am Hindukusch
kostete in diesem Zeitraum über 190 ausländischen Soldaten
das Leben, so vielen wie in keinem anderen Jahr seit dem Sturz der
Taliban.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
US-Außenministerin Rice wirbt in der arabischen Welt für
neue Irak-Strategie. Israelischer Generalstabschef zurückgetreten.
Angeblich Geheimverhandlungen zwischen Israel und Syrien
Mi.17.01.07 - US-Außenministerin Condoleezza Rice hat bei arabischen
Verbündeten für die neue Irak-Strategie von Präsident
George W. Bush geworben. Rice, die am Dienstagabend von Saudi-Arabien
nach Kuwait weiterflog, sagte den sie begleitenden Journalisten, die
amerikanischen Verpflichtungen und Ziele im Irak würden
begrüßt. Doch alle Gesprächspartner hätten darauf
hingewiesen, dass auch die irakische Regierung ihre Aufgaben
erfüllen müsse.
Rice trifft am (heutigen) Mittwoch in Berlin mit
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier zusammen, für
Donnerstag ist eine Zusammenkunft mit der deutschen Bundeskanzlerin
Angela Merkel geplant.
Der saudiarabische Außenminister Saud al Faisal erklärte am
Dienstag, sein Land hoffe, dass die US-Pläne für den Irak
erfolgreich seien. Er stellte aber in Frage, ob die irakische Regierung
der Aufgabe gewachsen ist. Rice dankte Saudi-Arabien für seine
Aufrufe zur nationalen Versöhnung im Irak, bat aber nicht um
konkrete weitere Hilfe aus dem Königreich. Im Gegensatz zu ihrem
saudiarabischen Kollegen zeigte sie sich zuversichtlich, dass die
irakische Regierung ihren Teil der Vereinbarung umsetzen kann. Die
Ministerin bekräftigte, dass die Iraker letztlich allein
entscheiden müssten, in was für einem Land sie leben wollten.
Der wegen des Libanon-Kriegs in die Kritik geratene israelische
Generalstabschef Dan Halutz hat seinen Rücktritt erklärt, wie
die Streitkräfte in der Nacht zum Mittwoch mitteilten. Halutz war
nach dem 34-tägigen Krieg gegen die Hisbollah-Miliz im vergangenen
Sommer unter Druck geraten, aus dem die israelischen Streitkräfte
trotz massiven Einsatzes nicht als klarer Sieger hervorgegangen waren.
Das Armeeradio berichtete, Halutz übernehme in seinem
Rücktrittsschreiben an Ministerpräsident Ehud Olmert die
Verantwortung für den Ausgang des Krieges. Die Streitkräfte
erklärten, Halutz habe sich zum Rücktritt entschlossen, weil
nunmehr die zahlreichen Untersuchungen der Streitkräfte zu
verschiedenen Aspekten des Krieges vorlägen. Keine von ihnen
verlangt jedoch den Rücktritt von Halutz.
Er war bereits kurz nach Ende des Krieges Mitte August in die Kritik
geraten, weil weder die Hisbollah endgültig besiegt noch die
beiden verschleppten israelischen Soldaten befreit worden waren. Zudem
gelang es der Miliz, fast 4.000 Raketen vom Libanon in den Norden
Israel abzuschießen. Dabei kamen 39 Israelis ums Leben. Insgesamt
wurden in dem Konflikt mehr als 1.000 Menschen getötet, die
meisten von ihnen im Libanon.
Der Rücktritt von Halutz dürfte den Druck auf
Ministerpräsident Olmert und Verteidigungsminister Amir Perez
verstärken, die wegen ihrer Entscheidungen in dem Krieg ebenfalls
in die Kritik geraten waren. Der Rücktritt des Generalstabschefs
muss von beiden Politikern akzeptiert werden, erklärten die
Streitkräfte.
Israel und Syrien haben sich angeblich im vergangenen Jahr auf die
Grundzüge eines Friedensabkommens verständigt. Bei
Geheimverhandlungen in Europa von September 2004 bis Juli 2006
hätten sich Unterhändler beider Seiten in Anwesenheit eines
europäischen Vermittlers auf einen schrittweisen Rückzug
Israels von den Golanhöhen geeinigt, schrieb die israelische
Zeitung "Haaretz". Beide Regierungen dementierten die Informationen.
Israel wolle für den Abzug 15 Jahre Zeit, Syrien fordere dagegen,
dass der Rückzug in fünf Jahren abgeschlossen werde,
berichtete "Haaretz". An der östlichen Uferseite des Sees
Genezareth soll demnach eine Pufferzone mit einem bis zu den Hängen
der Golanhöhen reichenden Naturpark entstehen. Dieser solle sowohl
für Israelis als auch für Syrer zugänglich sein. Auf
beiden Seiten der Grenze solle es eine entmilitarisierte Zone geben.
Diese Zone solle auf syrischer Seite vier Kilometer, auf israelischer
Seite einen Kilometer tief sein.
Die Verfügungsgewalt über den Jordan und den See Genezareth,
das größte Süßwasserreservoir in der wasserarmen
Region, soll Israel behalten. Außerdem soll ein von den USA
betriebenes Frühwarnsystem eingerichtet werden -
einschließlich einer Station auf dem Hermonberg an der
äußersten Nordspitze der von Israel nach dem Sechs-Tage-Krieg
von 1967 besetzten und 1981 annektierten Golanhöhen. Derzeit leben
dort etwa 17.000 Israelis.
Syrien habe zugesichert, dass es seine Unterstützung für die
Schiiten-Miliz Hisbollah und die radikalislamische
Palästinenserorganisation Hamas stoppen werde. Bei den
Vereinbarungen handele es sich aber nicht um ein offizielles Abkommen
zwischen den beiden Ländern.
Eine Sprecherin des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert
sagte, weder Olmert noch sein Büro seien über "diese geheimen
Kontakte mit Syrien und diese Vereinbarungen informiert". Aus dem
syrischen Außenministerium erfolgte ein Dementi des Berichts. Die
offiziellen Friedensverhandlungen zwischen Syrien und Israel liegen seit
2000 auf Eis.
(Quellen: ap, afp)
US-Senat will Bush Druck beim Klimaschutz machen
Mi.17.01.07 - Im US-Senat formiert sich parteiübergreifend Widerstand gegen die
Klimapolitik von Präsident George W. Bush. Der Vorsitzende des
Auswärtigen Senatsausschusses, Joseph Biden, und der Republikaner
Richard Luger brachten am Dienstag einen gemeinsamen Antrag ein, in die
US-Regierung aufgefordert wird, an den internationalen Verhandlungen
zum Klimawandel teilzunehmen.
Die USA lehnen das Kyoto-Protokoll zur Eindämmung von
Treibhausgasen bislang ab. Die übereinstimmende Meinung der
Wissenschaftler, dass der Mensch eine Rolle bei der globalen
Erwärmung spiele, müsse die USA dazu zwingen, die
Führung bei der Reduzierung von Emissionen zu übernehmen,
verlangen die Senatoren.
Der Sprecher von Bush, Tony Snow, kündigte an, dass der
Präsident bei seiner Rede zur Lage der Nation am 23. Januar seine
Klimapolitik darlegen werde. Bindende Obergrenzen für
C02-Emissionen in den USA werde es aber nicht geben.
(Quelle: ap)
Streit zwischen Polen und Russland wegen Jamal-Pipeline
Mi.17.01.07 - Russland streitet erneut mit einem Partner wegen des Exports von
Erdgas: Der staatliche Konzern Gazprom habe seine Zusammenarbeit mit
Polen beim Betrieb der Jamal-Pipeline eingeschränkt, über die
russisches Erdgas nach Westeuropa geleitet wird, wie das polnische
Unternehmen PGNiG am Dienstag mitteilte. Ein Gazprom-Sprecher
bestätigte, dass es einen Disput wegen Gebühren gebe.
Berichte, wonach der Konzern mehr Einfluss bei der
Betreibergesellschaft der Jamal-Pipeline erzwingen wolle, wies Gazprom
zurück.
Das russische Unternehmen habe seine Kooperation eingeschränkt,
nachdem die PGNiG die Forderung nach einer Reduzierung von
Transitgebühren zurückgewiesen habe, erklärte der
polnische Konzern. Inwieweit der Streit Auswirkungen auf den Export
über die Jamal-Pipeline habe, über die auch Deutschland
beliefert wird, sei bislang noch unklar.
Bei einer Aufsichtsrats-Sitzung des Pipeline-Betreibers EuRoPol Gaz in
Moskau habe Gazprom eine Aufstockung seiner Anteile gefordert,
erklärte PGNiG weiter. Laut einer 1993 getroffenen Vereinbarung
halten Gazprom und PGNiG jeweils 48 Prozent von EuRoPol Gaz. Die
übrigen vier Prozent hat das von PGNiG kontrollierte Unternehmen
Gas-Trading SA inne.
Der russische Partner habe deutlich gemacht, dass die Zusammenarbeit
dann wieder in normalen Bahnen verlaufen solle, wenn Gazprom bei
EuRoPol Gaz mehr Einfluss erhalte, erklärte PGNiG. Die beiden
Unternehmen streiten bereits seit mehr als einem Jahr um die Kontrolle
des Pipeline-Betreibers.
(Quelle: ap)
Deutscher Pöttering ist neuer Präsident des EU-Parlaments
Mi.17.01.07 - Der deutsche Christdemokrat Hans-Gert Pöttering (61) ist neuer
Präsident des Europaparlaments. Bereits im ersten Wahlgang erhielt
der Jurist aus Niedersachsen in Straßburg mit 450 Stimmen weit
mehr als die erforderliche absolute Mehrheit der 689 abgegebenen Stimmen.
Spekulationen, dass wegen Unzufriedenheit in der eigenen Fraktion ein
zweiter Wahlgang erforderlich werden würde, bewahrheiteten sich
nicht.
Die wichtigste seiner drei Gegenkandidaten, die italienische Grüne
Monica Frassoni (43), erzielte mit 145 Stimmen einen Achtungserfolg. Als
Prioritäten seines neuen Amtes nannte Pöttering die
Fortführung des EU-Verfassungsprozesses sowie den Dialog mit der
islamischen Welt. Zu den Aufgaben des Präsidenten gehört es,
das Parlament nach außen hin und auf den EU-Gipfeltreffen zu
vertreten. Der Präsident leitet die Sitzungen der Volksvertretung
und ist zur Neutralität verpflichtet.
Pöttering wird Nachfolger des spanischen Sozialisten Josep Borrell
und amtiert bis zum Ende der fünfjährigen Legislaturperiode
2009. Er war seit 1999 Vorsitzender der Fraktion der Europäischen
Volkspartei(EVP), der mit 277 Mitgliedern größten Fraktion im
Europaparlament. Der Christdemokrat ist nach Egon Klepsch (CDU) und
Klaus Hänsch (SPD) dritter Deutscher im Straßburger
Präsidentenamt und gehört dem Europaparlament seit der ersten
Direktwahl 1979 an.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso würdigte
Pötterings Wahl kurz nach der Aufnahme der zwei neuen
Mitgliedsländer Rumänien und Bulgarien als «historischen
Augenblick». Die Sozialisten versicherten dem neu gewählten
Amtsinhaber, die nächsten zweieinhalb Jahre loyal mit ihm
zusammenarbeiten zu wollen. «Wir hoffen, dass Sie einen
erfolgreichen Beitrag zum europäischen Einigungswerk leisten
werden», sagte der Fraktionsvorsitzende Martin Schulz.
Pötterings Wahl kam einen Tag, nachdem sich im Parlament erstmals
seit 13 Jahren wieder eine rechtsextreme Fraktion gebildet hatte. Ihr
gehören 20 Abgeordnete aus Frankreich, Italien, Belgien,
Großbritannien, Österreich sowie den neuen EU-Staaten
Bulgarien und Rumänien an.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Mehr Förderung für Ökowärme geplant
Mi.17.01.07 - Für die Umstellung von Heizungen auf Ökowärme soll es
bald mehr Förderung geben. Die SPD zeigte sich am Dienstag sicher,
dass sich die Koalition bis zur Jahresmitte auf ein Wärmegesetz
einigt. Auch Umweltminister Sigmar Gabriel kündigte darüber
baldige Gespräche mit der Union an. Für den Klimaschutz will
der SPD-Politiker zudem die Autoindustrie zwingen, saubere Motoren
anzubieten. Dazu soll es bis Juni eine gemeinsame Position auf EU-Ebene
geben, wie Gabriel angekündigte.
Zuvor hatte das Kabinett den Umweltbericht 2006 verabschiedet. Fazit:
In Deutschland gehen Umweltbelastungen seit Jahrzehnten zurück,
und dennoch bleiben Sorgenthemen wie Ozon-, Strahlen- und
Schadstoffbelastung, die die Regierung nun stärker angehen will.
Topthema ist auch in dem Bericht, der die vergangenen vier Jahre
abdeckt, der Klimaschutz.
Der Verminderung von Emissionen soll das geplante Wärmegesetz
dienen, das Gabriel wegen Widerstands in der Union zeitweise auf Eis
gelegt hatte. Nun sagte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende
Ulrich Kelber der Nachrichtenagentur AP, er erwarte eine Einigung mit
der Union: «Es wird ein Wärmegesetz geben.» Art und
Umfang der Förderung seien aber noch umstritten.
Die SPD will ein Modell, das unter Umständen zu einer Umlage auf
Heizöl oder Gas zur Finanzierung von Zuschüssen für
Ökoheizungen führt. Wichtig sei den Sozialdemokraten aber vor
allem, dass es eine kontinuierliche Förderung das ganze Jahr
über gebe, sagte Kelber. Bislang gibt es nur ein so genanntes
Marktanreizprogramm. Dessen Fördergelder waren aber 2006 bereits
zur Jahresmitte ausgeschöpft. 2007 wurde es auf 214 Millionen Euro
aufgestockt.
Ziel der Koalition ist nach Kelbers Worten eine drastische Verringerung
des Öl- und Gasbedarfs zum Heizen. Würde das Wärmegesetz
realisiert und gleichzeitig die Gebäudesanierung und die
Kraft-Wärmekopplung gefördert, könne man diesen Bedarf
bis 2020 auf die Hälfte reduzieren, sagte der Energieexperte.
Möglich sei ein Investitionsvolumen von 40 bis 70 Milliarden Euro
in den kommenden zehn Jahren und die Schaffung von 50.000
Arbeitsplätzen.
Umweltminister Gabriel zeigte sich höchst unzufrieden mit den
Fortschritten der Autoindustrie bei der Reduzierung der Treibhausgase
aus Motoren. Die Branche werde ihre Selbstverpflichtung bis 2008 nicht
einhalten. Folglich müsse die EU die Ziele notfalls mit
«Rechtssetzung» einfordern.
Die Branche hatte versprochen, den Ausstoß des Klimagases
Kohlendioxid bis 2008 im Durchschnitt auf 140 Gramm pro Kilometer zu
senken. Dafür müsste der Verbrauch je 100 Kilometer auf 5,3
Liter Diesel beziehungsweise sechs Liter Benzin sinken.
Tatsächlich liegt er nach neuesten Zahlen noch bei sieben Litern.
Sorge äußerte der Minister bei der Vorstellung des
Umweltberichts über den wachsenden Rohstoffhunger weltweit.
Nötig sei eine viel bessere Nutzung der Ressourcen, sonst reiche
bei wachsender Weltbevölkerung dieser eine Planet nicht aus. Auch
beim Naturschutz stehe die Trendwende noch aus. 40 Prozent der
einheimischen Tiere seien im Bestand bedroht, drei Prozent seien
bereits ausgestorben. Um den Rückgang der Vielfalt zu stoppen,
will die Regierung demnächst eine umfassende nationale Strategie
vorlegen, wie Gabriel sagte.
(Quelle: ap)
IG Metall startet bundesweite Kampagne gegen Rente mit 67
Mi.17.01.07 - Mit Demonstrationen im Saarland hat die IG Metall am Dienstag eine
bundesweite Kampagne gegen die Erhöhung des Renteneintrittsalters
auf 67 Jahre begonnen. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich an den
insgesamt drei Protestmärschen und der Abschlusskundgebung im
Industriegebiet Röderberg in Saarlouis rund 6.000 Menschen. Der
Protest richtete sich auch gegen das Auslaufen der derzeitigen Regelung
zur Altersteilzeit.
Die IG Metall hat weitere Proteste in den anderen Bundesländern
angekündigt. Flächendeckend soll es demnach in den kommenden
zwei Wochen Aktionen geben, darunter Sternmärsche und weitere
Kundgebungen. Die Demonstranten im Saarland forderten einen flexiblen
Renteneintritt bis spätestens 65 Jahre. Danach sollten die
Betroffenen grundsätzlich nach 40 Versicherungsjahren ohne Abschlag
in Rente gehen können. In den Metall verarbeitenden Betrieben
seien viele Arbeitnehmer schon jetzt dem Leistungsdruck nicht mehr
gewachsen. Mit alternden Belegschaften könne die Produktion
künftig nicht mehr so hoch gehalten werden wie bisher,
argumentierte die IG Metall.
Der SPD-Wirtschaftspolitiker Rainer Wend warf der Gewerkschaft dagegen
Realitätsverlust vor. «Wenn die IG Metall so die Augen vor
der Wirklichkeit verschließt, läuft sie Gefahr, sich selbst
zu schwächen», sagte Wend der «Frankfurter
Rundschau». An der Rente mit 67 führe wegen der
demographischen Veränderungen kein Weg vorbei. Deshalb liege die
Gewerkschaft in der Sache «total falsch». Es sei allerdings
das gute Recht einer Gewerkschaft, gegen die Regierungspolitik zu
demonstrieren, betonte Wend. Er gehe davon aus, dass sich die IG Metall
dabei an die verfassungsrechtlichen Vorgaben halte und keine politischen
Streiks initiieren werde.
Auch der Arbeitgeberverband Gesamtmetall reagierte mit
Unverständnis. Hauptgeschäftsführerin Heike Kunstmann
nannte den Aufruf der IG Metall in Form und Sache verfehlt. Politische
Proteste hätten in den Betrieben nichts verloren. «Die
Gewerkschaft verletzt damit ihre Rolle als Sozialpartner», sagte
Kunstmann.
(Quelle: ap)
Wachsende Zukunftsangst im Osten Deutschlands
Mi.17.01.07 - Die Lebenszufriedenheit der Ostdeutschen hat nach dem aktuellen
Sozialreport der Volkssolidarität im Jahr 2006 einen neuen
Tiefpunkt erreicht. Nur noch 39 Prozent der rund 900 Befragten waren
demnach mit ihrem Leben zufrieden. Im Jahr 2000 waren es noch 59
Prozent.
Insgesamt erreiche das Unzufriedenheits-Potenzial in den neuen
Bundesländern seit der Wende einen historischen Höchststand,
sagte Gunnar Winkler, Präsident des Sozialverbandes
Volkssolidarität, am Dienstag in Berlin. Diese Stimmungslage
könne die Stabilität im Osten langfristig gefährden. Der
Verband halte die Entwicklungen im Bereich Rechtsextremismus bereits
jetzt für bedrohlich.
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) betonte, dass man die
Ängste der Bevölkerung in Ostdeutschland ernst nehmen
müsse. «Trotz positiver Entwicklungen in der Wirtschaft ist
der Strukturwandel in Ostdeutschland noch nicht abgeschlossen»,
sagte Tiefensee, der auch Beauftragter der Bundesregierung für die
neuen Bundesländer ist.
Die Zukunftsängste haben nach Angaben der Sozialforscher im
Vergleich zu den Reports der vergangenen 15 Jahre drastisch zugenommen.
Zeigten sich im Jahr 2000 noch 42 Prozent der Befragten mit ihren
Zukunftsaussichten zufrieden, waren es im Juni 2006 weniger als 20
Prozent, heißt es in der Studie, die vom Sozialwissenschaftlichem
Forschungszentrum Berlin-Brandenburg erstellt wurde.
Insbesondere ältere Bürger zwischen 50 und 60 Jahren blickten
eher mit Sorge auf ihren Lebensabend, sagte Winkler. Ursachen für
die Ängste sieht er in der hohen Arbeitslosigkeit, gebrochenen
Arbeitsbiografien und Reformdebatten der Bundesregierung. «Der
Umbau des Sozialstaats wird in Ostdeutschland als Angriff auf den
Lebensstandard gewertet», betonte Winkler.
Die Sozialdebatten haben nach Ansicht der Volkssolidarität dazu
beigetragen, das subjektive Vertrauen in wichtige gesellschaftliche
Institutionen bei den Ostdeutschen weiter zu untergraben. 92 Prozent
der Interviewten gaben an, entweder kein oder nur wenig Vertrauen in
den Bundestag zu haben. Auch für die Bundesregierung liegen die
Misstrauens-Werte bei rund 90 Prozent. Volles Vertrauen in den
Bundestag haben laut Studie 5 Prozent der Befragten, bei der
Bundesregierung waren es 7 Prozent.
In der Umfrage nannten 5 Prozent der befragte Ostdeutschen Sympathien
für rechtsextreme Parteien, 57 Prozent lehnten das jedoch
entschieden ab. Die Forscher werten den unentschiedenen Rest von 27
Prozent, der mit «ist mir egal» oder «ich weiß
nicht» antwortete, als politisch ernst zu nehmendes Potenzial. In
der Umfrage ließen zum Beispiel 74 Prozent der befragten
Ostdeutschen aus allen Altersgruppen eine ausländerfeindliche
Grundhaltung erkennen.
Als wichtige Werte im Leben gaben die meisten der 885 Befragten Arbeit
(81 Prozent), Familie (69 Prozent) und soziale Sicherheit (66 Prozent)
an. Die Chance, eine eigene Familie zu gründen, sehen die
jüngeren Interviewpartner jedoch skeptisch. Mehr als ein Drittel
fürchtet bei einer Entscheidung für Kinder Nachteile im Beruf.
Nur ein Viertel der befragten Ostdeutschen gab im Sozialreport an, sich
als «richtige Bundesbürger» zu fühlen. Auf die
Aussage «Ich möchte am liebsten die DDR wiederhaben»
antworteten 15 Prozent der Befragten mit «Ja».
(Quelle: dpa)
Entscheidung über Stoibers Zukunft verschoben
Mi.17.01.07 - Die CSU will ihren Machtkampf vertagen. Nach zehnstündigen
kontroversen Diskussionen mit Ministerpräsident Edmund Stoiber
entschied die CSU-Landtagsfraktion in der Nacht zum (heutigen)
Mittwoch, dass erst ein CSU-Parteitag im September endgültig
über den Spitzenkandidaten bei der Landtagswahl 2008 entscheiden
soll.
Fraktionschef Joachim Herrmann sagte, der Parteitag werde von Stoiber
in Gesprächen mit den Spitzen von Partei und Fraktion rechtzeitig
vorbereitet werden. «In den nächsten Wochen und
Monaten» solle eine Klärung stattfinden. Die Fraktion
beschloss mit allgemeiner Zustimmung: «Die Frage der
Spitzenkandidatur zur Landtagswahl 2008 ist offen.»
Stoiber sagte, er wolle 2008 erneut antreten. Er freue sich, das die
Abgeordnetem seinem Vorschlag gefolgt seien, den Parteitag entscheiden
zu lassen.
Herrmann äußerte die Hoffnung, «dass die aufgeregte
öffentliche Debatte bald nachlassen und verstummen wird».
Ziel sei, eine strittige Abstimmung auf dem Parteitag zu vermeiden.
«Der Ministerpräsident hat es in der Hand, dass er mit uns
gemeinsam hier Zukunftslösungen erarbeitet», sagte Herrmann.
Die Fraktion stehe hinter ihm und spreche ihm das Vertrauen aus.
Stoiber erklärte, er sei sich seiner Verantwortung bewusst. Der
Parteitag, der zugleich auch den Parteivorsitzenden wähle, werde
sehr sorgfältig vorbereitet werden.
Wie stark die Lager pro und contra Spitzenkandidatur Stoibers in der
Fraktion sind, wollte Herrmann nicht sagen. Der Beschluss, der die
allgemeine Zustimmung der Fraktion gefunden habe, sei «ein
überzeugendes Signal an die eigene Partei». Die Kritik an
der CSU-Basis werde nicht weggeschoben, «es wird daran
gearbeitet».
Den von der SPD angekündigten Volksentscheid zur Auflösung
des bayerischen Landtages und Neuwahlen nehme die CSU ernst. Auch daran
werde man bei der Vorbereitung des Parteitags denken.
Die CSU-Fraktion war über Stoibers künftige Rolle gespalten.
Viele Abgeordnete hatten Stoiber zum Rücktritt aufgefordert.
Herrmann hatte noch am Dienstag erklärt, «dass viele von
Edmund Stoiber erwarten, dass er zum richtigen Zeitpunkt den Weg
für eine Erneuerung freimacht». Der bayerische
Umweltminister Werner Schnappauf hatte von der «schwersten Krise,
vor der die CSU seit Jahrzehnten steht», gesprochen.
Scharf verurteilte Stoiber die Berichte über das Privatleben des
Bundesagrarministers Horst Seehofer. «Ich halte es für
unakzeptabel, wie hier ein politischer Angriff auf meinen Kollegen
Horst Seehofer ausgeführt wird. Das ist ein Angriff nicht nur auf
Horst Seehofer, sondern auch auf mich und die gesamte CSU», sagte
der Parteichef. Seehofer sei und bleibe für höchste
Ämter geeignet und «ein Alphatier der Union».
(Quelle: ap)