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Aktuelle Nachrichten
Irak am neunhundertdreiunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
UN-Generalsekretär Ban lehnt Bushs Wunsch nach stärkerer
UN-Präsenz im Irak ab. Mindestens 17 Tote bei Anschlag in Bagdader
Armenviertel. 100 Aufständische im Irak laut
Fernseh-Bericht getötet. Früherer US-Botschafter Holbrooke:
Merkel soll Rice mit Kritik an Irakpolitik konfrontieren
Do.18.01.07 - Der neue UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat einen Wunsch von
US-Präsident George W. Bush nach einer stärkeren Präsenz
der Vereinten Nationen im Irak zurückgewiesen. Angesichts der
ständig zunehmenden Gewalt im Irak habe er das Ansinnen aus
Sicherheitsgründen abgelehnt, sagte Ban am Mittwoch am New Yorker
UN-Sitz nach seiner Rückkehr von Gesprächen mit dem
US-Präsidenten in Washington. Er habe Bush aber zugesagt, das
bisherige Engagement der UN fortzusetzen und jenseits einer
Präsenz im Irak zu verstärken, sagte Ban.
Bans Vorgänger Kofi Annan hatte das internationale Personal nach
einem Anschlag auf das UN-Hauptquartier in Bagdad im August 2003
zurückgezogen. Bei dem Anschlag wurden 22 Menschen getötet,
darunter der UN-Gesandte Sergio Vieira de Mello. Ein Jahr später
kehrten UN-Mitarbeiter wieder in den Irak zurück, um etwa bei der
Ausarbeitung einer Verfassung oder der Vorbereitung von Wahlen zu
helfen. Die Zahl der UN-Mitarbeiter im Irak hält sich wegen der
Sicherheitslage jedoch in Grenzen.
Bei Gefechten zwischen irakischen Soldaten und Aufständischen sind
am Mittwoch nordöstlich von Bagdad mindestens 100 Regierungsgegner
getötet worden, wie das staatliche Fernsehen meldete. Dutzende
Aufständische wurden dem Bericht zufolge bei der
Militäraktion in der Nähe des Bezirks Balad Rus gefangen
genommen. Außerdem sei eine große Menge Munition
sichergestellt worden. In der rund 70 Kilometer nordöstlich von
Bagdad gelegenen Region leben vorwiegend Sunniten. Am Sonntag waren bei
einer Razzia in der Gegend 50 Aufständische gefangen genommen und
rund 2.000 Katjuscha-Raketen beschlagnahmt worden.
Bei einem Überfall im Irak sind am Mittwoch vier Mitarbeiter einer
US-Organisation getötet worden. Bei den Opfern handelte es sich um
eine Amerikanerin, einen Ungarn, einen Kroaten sowie einen Iraker, wie
die Organisation National Democratic Institute (NDI) mitteilte. Sie
seien in Bagdad in ihrem Konvoi von bewaffneten Angreifern
überfallen wurden, sagte Les Campbell, NDI-Direktor für den
Nahen Osten. Zwei weitere Menschen seien bei dem Überfall verletzt
worden, einer von ihnen schwer. Das NDI bietet in Bagdad seit 2003
Schulungsprogramme über Demokratie, politische Mitbestimmung sowie
Frauenrechte an.
Ein Selbstmordanschlag im Bagdader Armenviertel Sadr City hat am
Mittwoch mindestens 17 Menschen das Leben gekostet. Mehr als 30 weitere
wurden nach Polizeiangaben verletzt, als der Attentäter in seinem
Auto den Sprengsatz zündet. Der Anschlag ereignete sich in der
Nähe des Mereidi-Marktes, einer der beliebtesten
Einkaufsmöglichkeiten in dem Stadtteil.
In der nordirakischen Stadt Kirkuk wurden am Mittwoch sieben Menschen
bei einem Selbstmordanschlag getötet. Der Täter steuerte sein
mit Sprengstoff präpariertes Auto in die vor einer Polizeiwache
aufgebaute Kontrollstelle und brachte es dort zur Explosion. 25 Menschen
wurden nach Polizeiangaben verletzt. Unter den Toten waren fünf
Polizisten.
Die Zahl der Anschläge im Norden Iraks hat in den vergangenen
Tagen deutlich zugenommen. Kirkuk ist ein Zentrum der
Ölförderung und liegt 290 Kilometer nördlich von Bagdad.
Dort explodierte am Mittwoch eine Bombe in einem Geschäftsviertel.
Dabei wurde ein Polizist verletzt.
Bei einem Mörserangriff auf ein Wohngebiet in Iskandarija, 50
Kilometer südlich von Bagdad, kam eine Frau ums Leben, zehn
Bewohner wurden verletzt. In der gleichen Gegend wurde die Leiche eines
zwei Tage zuvor entführten Polizisten gefunden. In Mahawil
südlich von Bagdad schossen unbekannte Männer aus einem Auto
heraus auf zwei Brüder, die gerade auf dem Weg zur Arbeit waren.
Einer der Brüder wurde getötet.
In Washington bereitete sich der Kongress auf Abstimmungen zur
Irak-Strategie von US-Präsident George W. Bush vor. Sowohl im
Repräsentantenhaus als auch im Kongress wollen die Demokraten
über die angekündigte Entsendung von 21.500 weiteren Soldaten
in den Irak abstimmen und damit ihre Ablehnung bekunden. Die Pläne
der Regierung sind allerdings nicht auf die Zustimmung des Parlaments
angewiesen. Im Senat soll die Vorlage am (morgigen) Donnerstag
eingebracht werden. Eine Abstimmung könnte dann am Dienstag
nächster Woche stattfinden, wenn Bush seine Rede zur Lage der
Nation hält.
Der frühere US-Botschafter in Deutschland, Richard Holbrooke, hat
die deutche Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgerufen,
US-Außenministerin Condoleezza Rice bei ihrem Gespräch offen
mit der europäischen Kritik am Irakkurs der USA zu konfrontieren.
Es sei von großer Bedeutung, dass die Deutschen gerade jetzt die
EU-Präsidentschaft und den G8-Vorsitz führten, sagte
Holbrooke, der der Demokratischen Partei angehört, der
«Berliner Zeitung» zufolge. Das Treffen mit Rice sei eine
sehr gute Gelegenheit, um frei heraus mit der amerikanischen Seite zu
reden.
Allerdings müsse Merkel dies im vertraulichen Gespräch tun.
Eine öffentliche Aufforderung zu einer Kursänderung
würde wie eine Herausforderung wirken, sagte Holbrooke.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 18.01.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertneunundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.18.01.06 - Iranische Marine soll irakischen Soldaten getötet haben - Bei
Scharmützel auf dem Schatt al Arab +++ Angriff auf Büro der
Wahlkommission in Kirkuk ++++ Sieben Zivilmitarbeiter der irakischen Armee
bei Überfall erschossen +++ Massengrab im Süden des Iraks
entdeckt. Entführer drohen mit Ermordung von US-Journalistin
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0601180.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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US-Kommandeure wollen mehr Truppen für Afghanistan
Do.18.01.07 - Die US-Kommandeure in Afghanistan haben nach Angaben von
Verteidigungsminister Robert Gates eine Verstärkung der
amerikanischen Truppen gefordert. Gates sagte am Mittwoch auf dem
Luftwaffenstützpunkt Bagram, er werde mit den Stabschefs über
diesen Wunsch beraten und dann eine Empfehlung an US-Präsident
George W. Bush abgeben. US-Generalleutnant Karl Eikenberry sagte, er
habe das Pentagon aufgefordert, den Einsatz von rund 1.200 US-Soldaten
in Afghanistan zu verlängern.
Verteidigungsminister Gates verwies auf die Zunahme von Angriffen durch
Taliban-Kämpfer. Er erklärte nach einem Treffen mit dem
afghanischen Präsidenten Hamid Karsai am Dienstag, die USA sollten
die Initiative behalten und den Taliban nicht erlauben, sich neu zu
formieren. Besonderes Augenmerk richtete Gates auf die Lage im
Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan. Von dort aus würden
immer mehr Anschläge verübt.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Syrische Staatszeitung bekräftigt Ruf nach Rückgabe von
Golanhöhen. Rice hält nichts von provisorischen Grenzen im
Nahen Osten. Fortschritte bei Verhandlungen über
palästinensische Steuern. Nahost-Quartett soll sich Anfang Februar
wieder treffen
Do.18.01.07 - Frieden mit Israel kann nach Überzeugung der staatlichen syrischen
Zeitung «Al Thaura» selbst mit Geheimgesprächen
zwischen beiden Staaten nicht erreicht werden. Die Zeitung reagierte mit
einem Leitartikel am Mittwoch auf Berichte der israelischen
«Haaretz» vom Vortag, wonach von September 2004 bis Juli
2006 in geheimen Gesprächen zwischen Israel und Syrien der Rahmen
für ein Friedensabkommen abgesteckt worden sein soll.
Sowohl der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert als auch das
syrische Außenministerium haben den «Haaretz»-Bericht
zurückgewiesen. Auch «Al Thaura» bekräftigte am
Mittwoch, der Artikel sei falsch, und schrieb: «Frieden kann nicht
im Dunkeln geheimer Gespräche erreicht werden.» Nötig
sei vielmehr, dass Israel sich zu einer Aufgabe der 1967 besetzten
Golanhöhen verpflichte.
«Haaretz» listete eine Vereinbarung über eine
israelischen Abzug von den Golanhöhen als ein Ergebnis der
Geheimgespräche auf. Offizielle Friedensverhandlungen zwischen
Israel und Syrien scheiterten 2000 am Streit über den Golan. Syrien
forderte von Israel den Rückzug aus dem gesamten 1967 besetzten
Gebiet. Israel bestand vor einer solchen Zusicherung jedoch auf
Klärung von Fragen der Sicherheit und der Normalisierung der
Beziehungen.
US-Außenministerin Condoleezza Rice hat sich skeptisch über
den israelischen Vorschlag eines provisorischen palästinensischen
Staates geäußert. Ihrer Meinung nach seien Verhandlungen
über vorläufige Grenzen schwieriger als eine endgültige
Festlegung des Staatsgebietes, sagte Rice in Kuwait.
Die israelische Außenministerin Zipi Livni hatte unlängst
angeregt, einen palästinensischen Staat innerhalb vorläufiger
Grenzen zu errichten und später über deren endgültigen
Verlauf zu verhandeln. Auch der Friedensplan des Nahost-Quartetts, die
so genannte Roadmap, schließt eine solche Option nicht aus. Die
Palästinenser lehnen eine Übergangslösung dagegen ab.
Israel will dem Vernehmen nach in Kürze palästinensische
Steuern in Höhe von 100 Millionen Dollar an die
palästinensische Autonomiebehörde überweisen. In
Verhandlungen über die Freigabe der von Israel einbehaltenen Gelder
seien Fortschritte erzielt worden, sagte der palästinensische
Unterhändler Sajeb Erakat am Mittwoch. Aus Regierungskreisen in
Jerusalem verlautete, ein Teil davon werde am Freitag überwiesen.
Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hatte sich im
Dezember dazu bereit erklärt, die palästinensischen Steuern
freizugeben. Der Transfer war nach dem Wahlsieg der radikalislamische
Hamas gestoppt worden. Insgesamt geht es um mehrere hundert Millionen
Dollar.
Das internationale Nahost-Quartett soll Anfang Februar in Washington
die neuen Friedensansätze zwischen Israel und den
Palästinensern verstärken. Das verkündeten der deutsche
Außenminister Frank-Walter Steinmeier und seine amerikanische
Kollegin Condoleezza Rice am Mittwoch in Berlin. Rice machte in der
deutschen Hauptstadt Station, um der EU-Präsidentschaft über
ihre Nahost-Reise zu berichten. Am (heutigen) Donnerstag will sie mit
Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammentreffen, bevor sie nach London
weiterreist.
Das aus den Vereinigten Staaten, der EU, den Vereinten Nationen und
Russland bestehende Nahost-Quartett hatte in der Vergangenheit
versucht, die Friedensbemühungen im Nahen Osten zu koordinieren
und die Einhaltung der «Roadmap», der einzelnen Stufen zu
einer friedlichen Lösung, zu gewährleisten. Beide Politiker
waren sich am Mittwoch einig, dass es auch dazu dienen kann, ein
anschließendes Dreier-Treffen der USA mit Israel und den
Palästinensern zu strukturieren und zu steuern. Dieses Treffen sei
aber noch nicht terminiert, sagte Steinmeier. Rice meinte, es
könne noch einige Wochen dauern.
Rice sagte: «Wir beleben das Nahost-Quartett.» Steinmeier
erklärte unter Verweis auf die Gespräche der Regierungschefs
Israels und Palästinas, das Nahost-Quartett sei nicht nur ein
formaler Rahmen. Es sei nun eine andere Situation als vor den
Gesprächen der unmittelbar Beteiligten. Er und Rice seien sich
einig, dass die Zeit für eine Wiederbelebung des Quartetts
«reif ist».
Rice kam aus Kuwait, der letzten Station einer fünftägigen
Nahostreise. Nach der Stippvisite in Deutschland will Rice zu
Gesprächen mit dem britischen Premierminister Tony Blair nach
London weiterfliegen. Am Wochenende hatte sie sich im Nahen Osten
aufgehalten, um den Friedensprozess voranzubringen.
(Quelle: ap)
USA verschärfen den Ton gegenüber Teheran
Do.18.01.07 - Eine verstärkte Aufrüstung in der Golfregion und verbale
Attacken von Präsident George W. Bush signalisieren, dass die USA
in der Iran-Politik eine schärfere Gangart anschlagen. Während
der Flugzeugträger «USS Stennis» zum Persischen Golf
aufbricht, verteidigen hohe Regierungsbeamte in Washington die
verstärkte Militärpräsenz als einzige Möglichkeit,
die iranische Führung zu beeindrucken. Es dürfe nicht der
Eindruck entstehen, dass die USA nach vier Jahren Krieg im Irak
verwundbar geworden seien.
Die diplomatischen Beziehungen gegenüber dem Iran wie auch
gegenüber Syrien sind eingefroren. Und Washington scheint nicht
gewillt, der Empfehlung der Baker-Hamilton-Kommission zu folgen, im
Interesse einer Lösung des Irak-Konflikts Kontakt mit Teheran und
Damaskus aufzunehmen. In seiner Fernsehansprache in der vergangenen
Woche erklärte Bush, es könne keinen Umgang mit Staaten geben,
die den Terrorismus finanzierten. Zugleich kündigte er an, den
Strom der Unterstützung von irakischen Terroristen aus dem Iran
und Syrien zu unterbrechen.
So wird in Washington mal wieder gefragt, ob es im Verhältnis zu
Teheran beim Kalten Krieg bleibt oder ob eine militärische
Konfrontation bevorsteht. Der im Iran geborene Nahostexperte Trita Parsi
erwartet langfristig einen militärisch ausgetragenen Konflikt. Ein
endloser Kampf ums Machtgleichgewicht würde nur an den Ressourcen
der USA zehren und die amerikanische Position in der Region
untergraben. «Der Iran ist eine Großmacht in dieser Region.
Man kann sie nicht eindämmen, ohne sich auf eine Konfrontation
einzulassen.»
Einen ersten Vorgeschmack gab möglicherweise bereits der Angriff
amerikanischer Truppen auf ein iranisches Verbindungsbüro in der
nordirakischen Stadt Erbil in der vergangenen Woche. Dabei wurden
fünf Iraner gefangen genommen, die nach Angaben der
US-Streitkräfte zu einer Einheit der Iranischen Revolutionsgarde
gehören, die Aufständische im Irak mit Geld und Waffen
unterstützt. Außenministerin Condoleezza Rice sprach danach
von einer Antwort auf «iranische Aktivitäten, die schon eine
Weile andauern und die nicht nur die Chance auf mehr Stabilität im
Irak bedrohen, sondern auch unsere Truppen gefährden». Die
Regierung in Teheran hat die Vorwürfe zurückgewiesen und
verlangt die Freilassung der fünf Iraner sowie eine
Entschädigung.
Auch im US-Kongress wächst die Sorge. Abgeordnete haben die
Regierung aufgefordert, sie solle erklären, ob ein
militärisches Vorgehen gegen den Iran geplant sei und ob dies ohne
Bewilligung des Parlaments möglich sei. Die Regierung pflegt darauf
zu antworten, dass die Diplomatie an erster Stelle stehe, dass
militärische Optionen aber nicht auszuschließen seien.
Der Nahostexperte James Carafano von der Heritage Foundation sieht in
der jüngsten Entwicklung die Absicht, «dem Iran zu zeigen,
dass es den USA ernst ist mit dem Schutz ihrer Interessen am
Golf». Hintergrund sei die Wahrnehmung, dass sich das Regime in
Teheran gestärkt fühle aufgrund der Probleme der USA im Irak
und auch aufgrund der Schwierigkeiten, eine klare internationale Front
gegen das iranische Atomprogramm aufzubauen. Auch
US-Verteidigungsminister Robert Gates sagte, die Iraner seien offenbar
überzeugt, «dass wir im Irak gebunden sind, dass die
Initiative bei ihnen liegt und dass sie in einer Position sind, uns auf
mancherlei Weise unter Druck zu setzen».
Der Flugzeugträger «USS Stennis» verließ am
Dienstag seinen Heimathafen Bremerton im US-Staat Washington. Die 3.200
Soldaten an Bord legen zunächst einen Stopp in San Diego ein, um
Kampfflugzeuge aufzunehmen. Dann nimmt sie Kurz zum Persischen Golf auf,
um sich dem Flugzeugträger «USS Dwight D. Eisenhower»
anzuschließen und die Kampfkraft der US-Streitkräfte in dem
Seegebiet zu verdoppeln. Außerdem verlegen die USA eine
Patriot-Raketenabwehrstellung aus Fort Bliss in Texas in den Mittleren
Osten. Sie sollen nach Angaben von Offizieren den Verbündeten in
der Region die Gewissheit geben, dass sie angesichts einer Bedrohung
durch iranische Raketen geschützt sind.
(Quelle: ap)
Wissenschaftler rücken Atomkriegsuhr auf fünf vor zwölf
Do.18.01.07 - Die Welt ist der Gefahr eines Atomkriegs nach Einschätzung einer
renommierten Expertenrunde wieder ein Stück näher
gerückt: Die Fachzeitschrift "Bulletin of the Atomic Scientists"
stellte den Zeiger der symbolischen Atomkriegsuhr ("Doomsday Clock") um
zwei Minuten auf fünf Minuten vor zwölf vor. "Wir stehen am
Rande eines zweiten Atomzeitalters", erklärten die Forscher. Seit
die ersten Atombomben über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen
wurden, habe die Welt "noch nie vor solch gefährlichen
Entscheidungen gestanden".
In ihrer zeitgleich in London und Washington verlesenen Erklärung
begründeten die Wissenschaftler ihre Einschätzung vor allem
mit dem nordkoreanischen Atomtest im vergangenen Jahr und mit dem
iranischen Nuklearprogramm.
Aber auch, "dass neuerdings der militärische Nutzen von Atomwaffen
betont wird, dass Nuklearmaterial unzureichend gesichert wird und dass
die USA und Russland noch immer rund 26.000 Waffen haben", seien
Anzeichen dafür, "dass die Probleme der Technologie mit der
höchsten Zerstörungskraft auf Erden nicht gelöst wurden".
Das "Bulletin of the Atomic Scientists" wurde 1945 von Wissenschaftlern
gegründet, die die Atombombe mitentwickelt hatten. Seit 1947 gibt
es an der University of Chicago die Doomsday Clock, die die
Wahrscheinlichkeit eines drohenden Atomkriegs anzeigen soll. Bei ihrer
Einrichtung hatten die Wissenschaftler die Uhr auf sieben Minuten vor
zwölf gestellt. Seither wurde der Zeiger 17 Mal verstellt,
bisweilen auch rückwärts: 1991 erreichte die Uhr mit 17
Minuten vor Mitternacht den optimistischsten Wert.
(Quelle: afp)
Bolivien will Bergbau-Steuern verfünffachen
Do.18.01.07 - Die Regierung in Bolivien plant eine Verfünffachung der
Exportsteuern für den Bergbau. Die Exporte aus Boliviens Minen
hätten im Jahr 2006 eine Milliarde Dollar (773 Millionen Euro)
erreicht, aber nur 58 Millionen Dollar Steuern eingebracht, sagte
Bergbauminister Guillermo Dalence am Montag (Ortszeit). Die
Behörden wollten nun mit den privaten Unternehmen, den
Genossenschaften und den Arbeitern in Verhandlungen treten, um über
eine Erhöhung der Steuereinnahmen auf 300 Millionen Dollar pro
Jahr zu beraten. Das rohstoffreiche Bolivien exportiert unter anderem
Gold, Silber, Zink und Zinn.
(Quelle: afp)
EU und China beginnen Verhandlungen über Partnerschaftsabkommen
Do.18.01.07 - China und die Europäische Union haben am Mittwoch offiziell die
Verhandlungen über ein neues Partnerschafts- und
Kooperationsabkommen aufgenommen. Das Abkommen solle 22 Bereiche
umfassen, über die beide Seiten bereits seit geraumer Zeit im
Gespräch stünden, sagte EU-Außenkommissarin Benita
Ferrero-Waldner nach einem Treffen mit dem chinesischen
Außenminister Li Zhaoxing in Peking. Darunter fielen
beispielsweise die Themen Energie, Umwelt, Landwirtschaft, Transport-
und Zollwesen, Bildung und die Informationsgesellschaft, aber auch
Wissenschaft und Technik, nachhaltige Entwicklung, Migration und
internationale Herausforderungen wie Terrorismus und
Massenvernichtungswaffen.
(Quelle: afp)
Ausschreitungen bei Protesten gegen Privatunis in Griechenland
Do.18.01.07 - Bei Protesten gegen die Einführung von privaten Universitäten
in Griechenland ist es am Mittwoch zu Zusammenstößen zwischen
Demonstranten und der Polizei gekommen. Einige der rund 3.000
jugendlichen Demonstranten warfen Steine auf eine Absperrung vor dem
Parlament in Athen, in dem die geplante Verfassungsänderung zur
Hochschulbildung in Ausschüssen behandelt wurde. Die Polizei
reagierte mit dem Einsatz von Tränengas.
Eine Gruppe mutmaßlicher Anarchisten warf Brandbomben. Vier
geparkte Autos wurden zerstört, die Flammen bedrohten
zwischenzeitlich auch ein Postamt. Fenster von Banken gingen zu Bruch.
Gegen die Zulassung privater Hochschulen demonstrierten auch in
Saloniki und weiteren Städten zahlreiche Menschen. Die Gegner der
Reform befürchten, dass sich das Niveau der allgemeinen
Universitätsausbildung verschlechtern könnte. Aus Protest
gegen die Pläne traten Professoren am Mittwoch in einen
eintägigen Streik. Lehrer an staatlichen Schulen schlossen sich mit
Protestaktionen an.
Eine Zustimmung des Parlaments zu dem Reformvorhaben der konservativen
Regierungspartei ND wird Ende Februar erwartet. Die Pläne der
Regierung werden auch von der sozialistischen Oppositionspartei PASOK
mitgetragen. Kleinere Oppositionsparteien des linken Lagers und mehrere
große Gewerkschaften unterstützen die Proteste von Studenten
und Professoren. Die Verfassungsänderung würde nach dem Willen
der Regierung nach 2008 greifen.
(Quelle: ap)
Deutschland
CDU lässt in Diskussion um Atomausstieg nicht locker
Do.18.01.07 - Die Union beharrt auf ihrer Forderung nach einer Änderung der
Atomausstiegspläne und verlangt von der SPD Einlenken.
Fraktionschef Volker Kauder und der hessische Ministerpräsident
Roland Koch erneuerten am Mittwoch ihre Forderung, aus
Kostengründen die Atomkraftwerke weiterlaufen zu lassen. «Wir
können uns den Ausstieg nicht leisten, weil Energie immer knapper
wird.» Von der SPD kam umgehend eine Absage. Die Grünen
übten scharfe Kritik.
Koch sagte im Magazin «Stern», die Union werde in der
großen Koalition so lange mit den Sozialdemokraten ringen
müssen, bis sie bereit seien nachzugeben.
Es gebe nicht nur ein Umdenken in der Bevölkerung, sondern auch in
der SPD, sagte Koch. Ihm würde es schon reichen, «wenn die
SPD die Energielücke einräumt und dann sagt, sie braucht noch
zwei, drei Jahre zum Nachdenken und deshalb zustimmt, im Rahmen des
geltenden Atomgesetzes die Reststrommengen so zu verteilen, dass alle
Kernkraftwerke weiterlaufen können». Dies erzwinge keine neue
Gesetzgebung.
Koch setzte sich erneut dafür ein, alle deutschen Atomkraftwerke
ohne politische Befristung weiter laufen lassen. Es sei
unerlässlich, die vorhandenen Kernkraftwerke so lang zu betreiben,
wie es ihre technische Sicherheit ermögliche, sagte er dem
«Stern». Spätestens Anfang des nächsten
Jahrzehnts, nach einer Diskussion von zwei oder drei Jahren, müsse
dann entschieden werden, «ob wir auch in eine neue Generation von
topmodernen Kraftwerken auf deutschem Boden investieren oder ob wir
zulassen, dass die deutschen Stromkonzerne das nur im Ausland tun».
Kauder sagte im «Rheinischen Merkur», wer verhindern wolle,
dass sich eines Tages nur noch Reiche warme Wohnungen leisten
könnten, müsse den Atomausstieg am Ende rückgängig
machen. Der Koalitionspartner SPD «wird über ihren Schatten
springen müssen,» sagte Kauder laut der Zeitung in der
jüngsten Ausgabe. Am letzten Wochenende hatte sich Bundeskanzlerin
Angela Merkel für ein Festhalten am Ausstieg für die
verbliebene Zeit der Legislaturperiode ausgesprochen.
Die Vorsitzende der hessischen SPD, Andrea Ypsilanti, machte deutlich,
dass die Nutzung der Atomenergie planmäßig 2021 zu Ende gehen
solle. «Weder in meiner Partei vom Bundesvorstand über den
Bundesumweltminister bis hin zur Bundestagsfraktion - noch in der
Bevölkrung ist ein Umdenken zu erkennen», sagte sie im
hessischen Landtag.
Grünen-Chef Reinhard Bütikofer kritisierte, Kauder
verhöhne mit seiner sozialen Demagogie die Bürger. Tatsache
sei, dass Kernkraft derzeit in Deutschland nur 167 Milliarden
Kilowattstunden produziere. «Darauf können wir bis zum Jahr
2021 gut verzichten, weil bis dahin die erneuerbaren Energien über
240 Milliarden Kilowattstunden produzieren können», sagte
Bütikofer. Dass Deutschland Kernkraft brauche, «ist daher
offensichtlich eine Lüge.»
Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) forderte die
Bundesregierung auf, längere Laufzeiten der Reaktoren zu
ermöglichen. «Die Kernenergie ist nötig, um unsere
ehrgeizigen Klimaschutzziele zu erreichen und um Strom zu
wettbewerbsfähigen Preisen zu produzieren», sagte
BDI-Präsident Jürgen Thumann. Der Energiemix in der
Bundesrepublik sollte fossile, regenerative und auch nukleare Energien
umfassen.
(Quelle: ap)
Bundesinnenministerium plant umfassende Reform des Meldewesens
Do.18.01.07 - Das Bundesinnenministerium plant eine umfassende Reform des Meldewesens
in Deutschland. Bereits 2008 soll das neue bundesweit gültige
Meldegesetz entscheidungsreif sein, kündigte
Innen-Staatssekretär Johann Hahlen in der «Süddeutschen
Zeitung» (Donnerstagausgabe) an. Ziel ist es, dass die Kommunen
in Zukunft bundesweit die Daten ihrer Bürger nach den gleichen
Kriterien erfassen.
So soll dem Blatt zufolge das bisher bestehende Durcheinander vermieden
werden, das dazu geführt hat, dass einerseits rund 3,2 Millionen
Deutsche zu viel in den Datensammlungen verzeichnet sind, während
andererseits 1,4 Millionen Bürger nicht erfasst sind. Bisher
regeln über 5000 von einander unabhängige Meldestellen in
Städten und Gemeinden die Registratur der Bürger in eigener
Regie und nach völlig unterschiedlichen Kriterien.
Durch die Föderalismusreform hat der Bund im Herbst 2006 die
Gesetzgebungskompetenz für das Meldewesen erhalten. Mit dem
Melderegister will der Bund die Daten der Bürger schneller und
präziser an die Wehrverwaltung, die Rentenversicherung, die
Jugendämter und Schulbehörden verteilen. Auch soll das
Meldewesen bürgerfreundlicher gestaltet werden.
(Quelle: ddp)
Ausschuss 'erschüttert' über Berichte des
Ex-Guantánamo-Häftlings Kurnaz
Do.18.01.07 - Der Verteidigungsausschuss des Bundestags hat sich
«erschüttert» über Berichte des
Ex-Guantánamo-Häftlings Murat Kurnaz zu
Menschenrechtsverletzungen in Afghanistan gezeigt.
In seiner siebenstündigen Sitzung erhielt das nicht
öffentlich tagende Gremium am Mittwoch zugleich neue Hinweise auf
mögliche Verstrickungen deutscher Geheimdienste in den Fall.
Ferner tauchte die Frage auf, ob sich ein Mann als Vertreter des
Internationalen Roten Kreuzes getarnt und Kurnaz sowohl in dem
US-Gefangenenlager im afghanischen Kandahar als auch in
Guantánamo aufgesucht habe.
Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold sagte: «Wir alle
stehen unter dem Eindruck der Schilderungen von Herrn Kurnaz.»
Der Grünen- Abgeordnete Winfried Nachtwei teilte mit, der aus
Bremen stammende Türke habe berichtet, er sei nach seiner
Verschleppung von Pakistan nach Afghanistan im Januar 2002 über
mehrere Tage immer wieder an Ketten aufgehängt worden. Damit er
daran nicht sterbe, habe ein Arzt ihn auf
«Folterfähigkeit» geprüft. Paul Schäfer von
der Linksfraktion sagte, laut Kurnaz hätten Häftlinge bei
minus zehn Grad nackt und angekettet in Zelten zugebracht.
Kurnaz-Anwalt Bernhard Docke sagte, nach den Schilderungen seines
Mandaten seien die Misshandlungen für alle im Lager ersichtlich
gewesen. Schäfer nannte es «plausibel», dass auch die
in dem Lager als Wachsoldaten eingesetzten deutschen Elite-Soldaten
davon wussten. Kurnaz wirft zwei deutschen Elite-Soldaten vor, ihn
getreten und gegen den Kopf geschlagen zu haben.
Docke sagte, an die deutschen Geheimdienste stelle sich die Frage,
warum Kurnaz von Kandahar überhaupt nach Guanánamo gebracht
wurde. Bereits im Januar 2002 hätten US-Soldaten Informationen aus
dem Bremer Umfeld von Kurnaz gehabt, etwa dass er sein Handy verkauft
hatte und welche Kontobewegungen es gab. Möglicherweise sei nach
Kontakten mit deutschen Stellen für die Amerikaner der falsche
Eindruck entstanden, sie hätten einen «dicken Fisch»
an Land gezogen. Der Rote-Kreuz-Vertreter habe Kurnaz sowohl 24 Stunden
nach seiner Ankunft in Kandahar als auch später in
Guantánamo aufgesucht.
Die FDP-Politikerin Elke Hoff kündigte an, auch Vertreter des
Roten Kreuzes würden gehört werden. Es müsse auch
geklärt werden, mit welcher Kenntnis, Billigung oder Teilnahme die
Bundesregierung etwas geschehen sei. Der Vorsitzende des
Untersuchungsgremiums, Karl Lamers, sagte, der Ausschuss werde ein
halbes Jahr arbeiten.
Der Fall Kurnaz könnte Außenminister Frank-Walter Steinmeier
(SPD) nach Ansicht der Opposition noch in Bedrängnis bringen. Der
Obmann der Linksfraktion im BND-Untersuchungsausschuss, Wolfgang
Neskovic, warf Steinmeier eine schwere Verletzung der
Menschenwürde vor. Sollte der Minister keine überzeugenden
Argumente dafür haben, warum in seiner Zeit als Kanzleramtschef
von Rot-Grün ein Einreiseverbot für Kurnaz erlassen wurde,
habe er in seinem jetzigen Amt «nichts mehr zu suchen». Der
BND-Ausschuss hört an diesem Donnerstag Kurnaz und Docke an.
Kurnaz war rechtswidrig ohne Prozess von 2002 bis 2006 in
Guantánamo inhaftiert.
(Quelle: dpa)
Wissenschaft
Europas Raumschiff 'Jules Verne' soll bis September starten
Do.18.01.07 - Europas neue Raumfähre ATV soll bis zum September erstmals zur
Internationalen Raumstation ISS fliegen. Der Chef der Europäischen
Raumfahrtagentur ESA, Jean-Jacques Dordain, nannte am Mittwoch in Paris
den 25. Juli als frühesten Starttermin für den Raumgleiter
ATV-1 "Jules Verne". Innerhalb von sechs Wochen gibt es demnach bis
Anfang September ein weiteres Startfenster vom Weltraumzentrum Kourou in
Französisch-Guyana. In jedem Falle solle die "Jules Verne" vor
Europas Forschungslabor "Columbus" zur ISS fliegen, betonte Dordain.
Columbus soll vom deutschen ESA-Astronauten Hans Schlegel zur
Raumstation gebracht werden. Laut ESA ist sein Flug mit dem Space
Shuttle "Discovery" ab dem 17. Oktober geplant.
Das unbemannte Automated Transfer Vehicle (ATV) soll künftig die
Versorgung der ISS unter anderem mit Baumaterialien, Nahrungsmitteln,
Wasser, Luft, Stickstoff und Sauerstoff sowie die Entsorgung des auf der
Station anfallenden Mülls sicherstellen. Bei gut 20 Tonnen
Startgewicht kann die Nutzlast bis zu 7,5 Tonnen betragen, drei Mal mehr
als bei den russischen "Progress"-Frachtern. Die ATV sind groß
wie doppelstöckige Londoner Busse. Sie sollen ferngesteuert an die
ISS andocken und die sehr langsam zur Erdatmosphäre sinkende
Raumstation wieder ein wenig nach oben schleppen. Das erste
ATV-Raumschiff "Jules Verne" wurde benannt nach dem französischen
Verfasser legendärer Abenteuerromane wie "In 80 Tagen um die Welt"
und "20.000 Meilen unter dem Meer".
Am ESA-Sitz in Paris will Dordain am kommenden Dienstag mit seinen
Kollegen aus den USA und Russland über die gemeinsame Arbeit an der
ISS beraten. Von NASA-Chef Michael Griffin erhofft der Franzose dabei
vor allem Antworten auf die Frage, welche
Raumfahrt-Beförderungsmittel die USA nach dem für 2010
geplanten Ruhestand der Space Shuttles planen. Zudem soll das bis dahin
laufende Programm zur Fertigstellung der ISS mit Hilfe der
US-Raumfähren, ATV und Progress-Frachtern bestätigt werden.
(Quelle: afp)
US-Experten sehen Klimaforschung durch Geldmangel in Gefahr
Do.18.01.07 - Angesichts chronischer Unterfinanzierung durch den Staat sehen Experten
die weltraumgestützte Klima-Forschung in den USA in Gefahr. Ein
großer Teil der NASA-Satelliten zur Erdbeobachtung, die wertvolle
Daten zum Klimawandel wie etwa zum Abschmelzen der Polarkappen liefern
können, sei überaltet, heißt es in einem Bericht der
Nationalen Akademie der Wissenschaften. Die Akademie schätzt in
einem bereits am Montag veröffentlichten Bericht, dass die
Kapazität zur Erdbeobachtung über Satelliten der
US-Weltraumbehörde NASA bis 2010 um etwa 40 Prozent abnimmt.
(Quelle: afp)