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Irak am neunhundertfünfunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
US-Verteidigungsminister Gates wirbt bei US-Soldaten im Irak für
Bushs Strategie. US-Senator Barack Obama bringt Gesetz zur Begrenzung
der US-Truppen im Irak ein. Iran wendet sich nach US-Razzia in Erbil an
UN-Generalsekretär. Vertrauter von Al Sadr in Bagdad festgenommen
Sa.20.01.07 - Zum zweiten Mal seit seinem Amtsantritt vor einem Monat ist
US-Verteidigungsminister Robert Gates in den Irak gereist. Gates wollte
in Basra dem scheidenden Kommandeur der Koalitionstruppen im Irak,
US-General George W. Casey, sowie dem britischen Kommandeur Jonathan
Shaw die neue Irak-Strategie von US-Präsident George W. Bush
erläutern, die eine Truppenaufstockung vorsieht.
Vor seiner Ankunft in Basra hatte Gates in mehreren Golfstaaten
für Bushs neue Irak-Strategie geworben. Eine Weiterreise von Gates
in die rund 550 Kilometer nördlich gelegene Hauptstadt Bagdad, wo
derzeit etwa 17.500 US-Soldaten stationiert sind, war nicht vorgesehen.
In den USA brachte Senator Barack Obama, der sich um die
Präsidentschaftskandidatur der Demokraten bewirbt, ein Gesetz zur
Begrenzung der US-Truppen im Irak ein.
Der Gesetzentwurf soll als Obergrenze die 132.000 US-Soldaten
festschreiben, die am 10. Januar im Irak im Einsatz waren. An diesem
Tag hatte Bush seine Strategie vorgestellt, die die Entsendung von
zusätzlich 21.500 Soldaten beinhaltet. Obama sagte in Washington,
seine Vorschläge würden einen schrittweisen Abzug aus der
Region "innerhalb von zwei bis vier Monaten" fordern.
Der Iran hat sich wegen der US-Razzia in einem iranischen
Regierungsbüro in der nordirakischen Stadt Erbil an die Vereinten
Nationen gewandt. In einem Brief an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon
verurteilte der stellvertretende iranische UN-Botschafter Mehdi Danesch
Jasdi am Freitag die Razzia sowie die Festnahme von fünf Iranern
und forderte eine entschiedene Reaktion der Vereinten Nationen und
insbesondere des Weltsicherheitsrats.
Das amerikanische Vorgehen eine Woche zuvor bezeichnete Danesch Jasdi
als weitere eklatante Verletzung der grundlegenden Prinzipien des
Völkerrechts und diplomatischer Konventionen. Nach Darstellung
Teherans handelt es sich bei der betreffenden iranischen Einrichtung in
Erbil um ein Konsulatsgebäude. Die fünf Festgenommenen
hätten Konsulararbeiten im Irak erledigt und seien offiziell
tätig gewesen. Die Amerikaner erklärten hingegen, die
Festgenommenen stünden in Verbindung zur Kuds-Fraktion der
iranischen Revolutionsgarden, die Extremisten im Irak mit Geld und
Waffen unterstütze. Teheran wies die Vorwürfe zurück.
Iraks Präsident Dschalal Talabani sagte derweil, sein Land wolle
nicht das "Schlachtfeld" zwischen dem Iran und USA sein. Der arabischen
Zeitung "Al Hayat" sagte er, er werde seine Bemühungen fortsetzen,
damit sich ein Dialog zwischen beiden Parteien entwickele, nachdem zwei
Anläufe dafür im vergangenen Jahr gescheitert seien. Der Iran
und die USA sollten sich darüber verständigen, mit welchen
Mitteln Stabilität und Sicherheit für den Irak erreicht
werden könnten.
Ein enger Vertrauter des radikalen schiitischen Predigers Muktada al
Sadr ist in Bagdad festgenommen worden. Scheich Abdul-Hadi al
Darradschi wurde in der Nacht zum Freitag von amerikanischen und
irakischen Soldaten in einer Moschee gefangengenommen, wie aus dem
Umfeld Al Sadrs verlautete. Einer seiner Leibwächter sei
getötet worden. Die US-Streitkräfte meldeten lediglich die
Festnahme eines Anführers einer illegalen bewaffneten Gruppe, ohne
einen Namen zu nennen.
Bei der Razzia in Baladijat im Osten Bagdads hätten
Sondereinheiten der irakischen Truppen mit Beratern der internationalen
Koalition zusammengearbeitet, hieß es aus amerikanischen
Militärkreisen. Sie warfen dem Festgenommenen vor, Verbindungen zu
Todesschwadronen zu haben, die für Dutzende Morde in Bagdad
verantwortlich seien. Er sei ferner in die Ermordung von
Sicherheitskräften und Regierungsmitarbeitern verwickelt.
Al Darradschi gilt als enger Berater Al Sadrs und dessen Mediendirektor
für Bagdad. Seine Festnahme wurde in Bagdad als Versuch der
schiitisch dominierten Regierung gewertet, gemäß dem Wunsch
der USA schärfer gegen schiitische Milizionäre vorzugehen.
Ein Berater von Ministerpräsident Nuri al-Maliki erklärte
allerdings, die Regierung sei nicht vorab über die Razzia
unterrichtet worden. Dies sei ein beklagenswerter Mangel an
Koordination.
Anhänger Al Sadrs sprachen von einem feigem Akt der
Streitkräfte. Der schiitische Prediger selbst sagte der
italienischen Zeitung «La Repubblica» zufolge, seine
Milizionäre würden während des heiligen Monats Muharram
keine Vergeltungsschläge ausführen, da laut Koran jetzt
jegliches Töten verboten sei. Al Sadr bestätigte, dass in den
vergangenen Wochen rund 400 seiner Anhänger festgenommen worden
seien.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 20.01.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhunderteinundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.20.01.06 - Mindestens 16 Tote bei Doppelanschlag in Bagdad +++ Arabisches Fernsehen
zeigt Bilder von verschleppter amerikanischer Journalistin - Sunniten im Irak rufen zu
ihrer Freilassung auf +++ Türkei fordert vom Irak die Rückzahlung
seiner Schulden +++ Mit militärischen Mitteln wie Patrouillen, vermehrten
Bombardierungen oder Wällen können die irakischen Städte
nicht befriedet werden, ein von der US-Regierung aufgelegtes urbanes
Stabilisierungsprogramm zeichnet ein düsteres Bild...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0601200.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Pentagon gibt Regeln für Guantánamo-Sondertribunale heraus
Sa.20.01.07 - Das US-Verteidigungsministerium hat ein Handbuch mit neuen Regeln
für Prozesse gegen Terrorverdächtige herausgegeben; das
Regelwerk gilt unter anderem für die militärischen
Sondertribunale, vor denen sich ab diesem Jahr Häftlinge des
Gefangenenlagers Guantánamo verantworten sollen. Danach
dürfen die Gerichte auch unter Zwang gemachte Aussagen und
Informationen vom Hörensagen als Beweise gelten lassen.
Das Pentagon-Handbuch dient der Umsetzung des umstrittenen Gesetzes zu
den Sondergerichten, das US-Präsident George W. Bush im Herbst
2006 mit der damals republikanischen Mehrheit im Kongress ungeachtet
der Einwände von Juristen, Bürgerrechtlern und zahlreichen
Demokraten durchgesetzt hatte. Dem Handbuch zufolge können
erzwungene Aussagen und Informationen vom Hörensagen dann als
Beweise anerkannt werden, wenn der Richter eines Militärtribunals
diese für glaubhaft hält. Verteidiger erhalten zwar Einblick
in Zusammenfassungen von Geheiminformationen, als Beweismittel
dürfen diese aber nur mit Zustimmung der Behörden in das
Verfahren eingebracht werden.
Die Anklage muss nach Angaben des Pentagon-Rechtsberaters Dan Dell'Orto
die Elemente ihrer Beschuldigungen vorab der Verteidigung mitteilen.
Den Anwälten werde eine umfassende Revision ermöglicht, die
vom Berufungsgericht der Sondergerichte über das
Bundesberufungsgericht in Washington bis hin zum Obersten Gericht der
USA führe. Dass Informationen vom Hörensagen als Beweismittel
anerkannt werden, liege an den "besonderen Bedingungen", unter denen
Beweise während eines Krieges gesammelt würden, sagte Dell
'Orto. Er betonte, dass sowohl die Anklage als auch die Verteidigung
das Recht hätten, derartige Informationen als Beweise einzubringen.
US-Verteidigungsminister Robert Gates schrieb in einem Vorwort, mit dem
Handbuch sollten den Angeklagten alle juristischen Garantien
zugesichert werden, "die von der zivilisierten Welt als unverzichtbar
betrachtet werden". Die Regeln würden einen "historischen Einfluss
auf die Armee und das Land" haben.
Der demokratische Senator Christopher Dodd kritisierte, das Handbuch
beinhalte keinerlei Sicherheiten für den Umgang mit unter Zwang
gemachten Aussagen als Beweismittel. Der für Amnesty International
(ai) tätige Rechtsanwalt Jumana Musa sagte, Zivilisten, die "weit
von jedem Kriegsschauplatz entfernt" festgenommen würden,
könnten dennoch durch die Militärjustiz abgeurteilt werden.
Musa kritisierte zudem die Anerkennung von Beweisen, die "unter Zwang
oder grausame, inhumane und erniedrigende Behandlung zustande kamen".
(Quelle: afp)
Deutsche Geheimdienstler erkunden Lage im Süden Afghanistans
Sa.20.01.07 - Deutsche Geheimdienstexperten erkunden für mögliche
Einsätze von Tornado-Aufklärungsjets bereits die Lage im
umkämpften Süden Afghanistans. «Wir wollen uns vor Ort
ein Bild über die zugespitzte Situation machen»,
erklärte ein Geheimdienstler der Nachrichtenagentur ddp am Freitag
in Berlin. Es gehe bei der Sondierungsmission um ein
«Vorfühlen vor dem Tornado-Einsatz», wo die
Aufklärungsjets bei den Kämpfen der ISAF-Truppen gegen die
radikal-islamischen Taliban am meisten gebraucht würden.
Zusätzlich bricht am Samstag ein Team der Luftwaffe nach
Afghanistan auf, um einen geeigneten Stationierungsort für die
Tornados zu erkunden.
Wie von Geheimdienstkreisen in der afghanischen Hauptstadt Kabul zu
erfahren war, soll Ende des Monats das erste gemeinsame
Geheimdienstzentrum von NATO, Afghanistan und Pakistan seine Arbeit
aufnehmen. Das Zentrum mit sechs Offizieren soll den Kampf gegen die
aufständischen Taliban besser koordinieren, sagte ein NATO-Sprecher
in Kabul. Es solle die Frühjahrsoffensive der alliierten
Schutztruppe ISAF gegen die Rebellen vorbereiten. Aus Kreisen des in
Kabul vertretenen Bundesnachrichtendienstes (BND) war zu hören,
dass es sich um einen «brisanten Versuch handelt, Pakistan
irgendwie in das Vorgehen gegen die Taliban einzubinden».
Pakistan wird seit langem vorgeworfen, den Taliban in den Grenzgebieten
zu Afghanistan Unterschlupf zu gewähren. Vor allem dem umstrittenen
pakistanischen Geheimdienst ISI wird vom Westen vorgehalten, die
Taliban zu unterstützen. Erst vor kurzem waren 150 Rebellen beim
Grenzübertritt aus Pakistan in der ostafghanischen Provinz Paktika
von afghanischen und ISAF-Truppen getötet worden. Der seit
fünf Jahren untergetauchte Taliban-Chef Mullah Omar soll seine
Kämpfer von der Stadt Quetta im Südwesten Pakistans aus unter
dem Schutz von ISI befehligen.
Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf wehrt sich immer
wieder gegen Vorwürfe, die Taliban zu unterstützen. Ihre Basis
befinde sich in Afghanistan. Die Taliban hätten das Land in
fünf Kommandobezirke eingeteilt, «um systematisch ihren Kampf
gegen die afghanischen und alliierten Soldaten des Westens vortragen zu
können». Allerdings gab Musharraf zu, dass die Taliban von
pakistanischer Seite «Unterstützungen» erhalten
würden. «Das leugne ich grundsätzlich nicht»,
sagte Musharraf vor einiger Zeit in einem Interview. Von BND-Experten
wurde gerade im Hinblick auf das neue Geheimdienstzentrum darauf
hingewiesen, dass sich Musharraf in einem ständigen Spagat
zwischen seinen «amerikanischen Gönnern und den
islamistischen Bestrebungen in seinem Land bewegt».
NATO-Generalsekretär de Hoop Scheffer hatte erst vor wenigen Tagen
Pakistan aufgefordert, größere Anstrengungen zu unternehmen,
um das Einsickern der Taliban aus seinem Staatsgebiet nach Afghanistan
zu unterbinden. NATO-Offiziere unterstrichen, dass «wir vielleicht
durch die unmittelbare Einbindung von pakistanischen Offizieren in das
Geheimdienstzentrum Einfluss auf Pakistan zu einem möglichen
Verzicht auf seine unterstützenden Maßnahmen für die
Taliban nehmen können».
Musharraf sei in seinem «politischen Spiel zwischen dem Westen
und den Islamisten einfach nicht zu durchschauen», erläuterte
ein deutscher Geheimdienstler. Pakistan habe aber die Atombombe. Es sei
nicht auszudenken, wenn Al-Qaida und die Taliban durch den Sturz
Musharrafs in den Besitz der Bombe kämen. Deswegen werde der
pakistanische Präsident besonders von den Amerikanern
«gehalten».
(Quelle: ddp)
Nahost-Konflikt
US-Außenministerin Rice will Dreiertreffen mit Olmert und Abbas
Anfang Februar
Sa.20.01.07 - US-Außenministerin Condoleezza Rice will den Friedensprozess im
Nahen Osten schnell vorantreiben. Erste Gespräche zwischen
Israelis und Palästinensern könnten nach ihrer
Einschätzung schon in der ersten Februarhälfte stattfinden.
Sie strebe ein baldiges Dreiertreffen mit dem israelischen
Ministerpräsidenten Ehud Olmert und dem palästinensischen
Präsidenten Mahmud Abbas an, sagte Rice am Donnerstagabend in
London.
Die US-Außenministerin informierte dort den britischen
Premierminister Tony Blair über die Ergebnisse ihrer jüngsten
Nahost-Reise. Zuvor hatte sie in Berlin mit Bundeskanzlerin Angela
Merkel gesprochen. Beide waren sich in dem Ziel einig, das
Nahost-Quartett aus USA, EU, UN und Russland am 2. Februar in
Washington zu einer neuen Sitzung zusammenzubringen. Merkel will
darüber auch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin
beraten, den sie am Sonntag in Sotschi am Schwarzen Meer treffen wird.
Israel trug seinerseits zum Abbau der Spannungen im Nahen Osten bei und
gab bislang eingefrorene Steuereinnahmen in Höhe von 100 Millionen
Dollar an Abbas frei. Damit wolle man die moderaten Kräfte
innerhalb der palästinensischen Führung stärken, teilte
Olmerts Büro am Freitag mit. Das Geld wurde demnach am
Donnerstagabend an Abbas überwiesen. Israel hat mehr als 500
Millionen Dollar palästinensischer Steuergelder eingefroren, um
sicherzustellen, dass dieses Geld nicht der Hamas-Regierung zugute
kommt.
In einer weiteren Geste des guten Willens bestätigte das
israelische Verteidigungsministerium, dass die Pläne für den
Bau der Siedlung Maskiot im Westjordanland bereits vor einigen Wochen
gestoppt worden seien. Ressortchef Amir Perez habe angeordnet, das
Vorhaben vorerst nicht weiter zu verfolgen. Die Regierung hatte den Bau
im Dezember genehmigt, was international scharf kritisiert worden war.
In Maskiot sollten Siedler unterbracht werden, die den Gazastreifen
nach dem Rückzug Israels 2005 verlassen mussten. Ein Baustopp von
Siedlungen im Westjordanland gilt als Voraussetzung für einen
Frieden mit den Palästinensern.
Abbas trifft am Wochenende mit Hamas-Führer Chaled Maschaal in
Damaskus zusammen. Dabei sollen nach palästinensischen Angaben die
Bemühungen um eine Regierung der nationalen Einheit zwischen Fatah
und Hamas intensiviert werden. Abbas bekräftigte am Freitag seine
Absicht, im Falle eines abermaligen Scheiterns der Gespräche
Neuwahlen anzusetzen. Er räumte allerdings ein, dass die Hamas
diese wieder gewinnen könnte.
In einem Krankenhaus in Jerusalem starb am Freitag eine
zehnjährige Palästinenserin, die bei einer israelischen
Militäroperation im Westjordanland schwer verletzt wurde. Das
Mädchen hatte bei dem Einsatz während einer Demonstration
gegen die israelische Sperranlage in Anata am Dienstag schwere
Kopfverletzungen erlitten.
(Quelle: ap)
AU stimmt Entsendung von Friedenstruppen nach Somalia zu
Sa.20.01.07 - Der Friedens- und Sicherheitsrat der Afrikanischen Union hat am Freitag
der Entsendung von 8.000 afrikanischen Friedenstruppen nach Somalia
zugestimmt. Die AMISOM-Mission sei auf sechs Monate angelegt,
erklärte der Vorsitzende des Rats, Said Djinnit.
Anschließend solle die Verantwortung für die Stabilisierung
der Lage in Somalia an die Vereinten Nationen übergehen. Zugleich
rief der Rat die internationale Gemeinschaft zur Hilfe bei der
Finanzierung der Mission auf.
Ein Termin für den Beginn der Mission wurde nicht genannt, doch
sollten die UN nach Möglichkeit von Anfang an daran beteiligt
sein, sagte Djinnit. Ein Problem sei, dass die Mitgliedstaaten der AU
bislang keine Soldaten zugesagt hätten. Lediglich Uganda hat die
Entsendung von 1.500 Mann angeboten, doch hat das Parlament dem bislang
nicht zugestimmt.
Bewaffnete griffen unterdessen am Freitagabend den
Präsidentenpalast in der somalischen Hauptstadt Mogadischu an.
Nach Augenzeugenberichten feuerten sie drei Granaten ab und lieferten
sich ein 30-minütiges Gefecht mit Regierungstruppen.
Regierungssprecher Abdirahman Dinari erklärte, auf dem
Gelände der Residenz sei niemand verletzt worden. Die Angreifer
seien geflüchtet. Dinari sprach von einem «feigen Akt mit
dem Ziel, die Öffentlichkeit zu terrorisieren».
Staatspräsident Abdullahi Yusuf und Ministerpräsident Ali
Mohamed Gedi waren am Freitag in Mogadischu. Wo genau sie sich zum
Zeitpunkt des Angriffs aufhielten, war aber zunächst unklar.
Anwohner flüchteten in Panik aus dem Gebiet um den
Präsidentenpalast. Äthiopische und Regierungssoldaten in
Panzern und schweren Lastwagen riegelten die Umgebung der Residenz ab.
Die Truppen der Übergangsregierung hatten erst Ende Dezember mit
Hilfe äthiopischer Soldaten islamistische Milizen aus Mogadischu
und später aus dem Süden Somalias vertrieben. Der
Ministerpräsident traf am 29. Dezember in Mogadischu ein, der
Staatspräsident am 8. Januar. Ein Sprecher des Rats Islamischer
Gerichte erklärte am Freitag, die Gruppierung werde weiter gegen
die äthiopischen Truppen in Somalia kämpfen und dabei
Guerillataktiken einsetzen. Äthiopien müsse seine Soldaten
abziehen.
(Quelle: ap)
Jordanien will ein eigenes Atomprogramm
Sa.20.01.07 - Jordanien strebt ein eigenes Atomprogramm an. König Abdullah II.
sagte in einem Interview der israelischen Tageszeitung
«Haaretz», sein Land führe über entsprechende
Pläne bereits Gespräche mit westlichen Staaten. Jordanien
wolle «zu friedlichen Zwecken» über Atomkraft
verfügen, wurde der Monarch am Freitag zitiert.
In der gesamten Region hätten sich die Regeln zu nuklearen Themen
geändert, erklärte Abdullah weiter und verwies auf
Ägypten und mehrere Golfstaaten, die bereits Interesse an einem
Atomprogramm bekundet hätten. Jordanien hätte zwar lieber
einen Nahen Osten ohne Kernwaffen, betonte er, aber «alle
Wünsche, die wir zu diesem Thema hatten, haben sich
geändert». Der Westen befürchtet, dass der Iran im
Rahmen seines Nuklearprogramms nach Atomwaffen strebt. Bei Israel gilt
als sicher, dass das Land über Atomwaffen verfügt, auch wenn
dies bislang nicht offiziell bestätigt wurde.
(Quelle: ap)
USA und Nordkorea uneins über Ergebnis von Atomgespräch
Sa.20.01.07 - Nach den Atomgesprächen zwischen den USA und Nordkorea in Berlin
herrscht Uneinigkeit über die Ergebnisse des Treffens.
Das Außenministerium in Pjöngjang teilte am Freitag mit, es
habe Fortschritte und eine "gewisse Übereinkunft" gegeben. Der
US-Sondergesandte Christopher Hill schien von dieser Einschätzung
überrascht. "Entschuldigung, aber ich bin mir nicht ganz sicher,
wovon sie reden", sagte Hill vor Journalisten in Südkorea. Hill
hatte sich in Berlin in dieser Woche mit Nordkoreas
Chefunterhändler Kim Kye Gwan getroffen - ein Treffen, das es in
dieser Form bisher nicht gegeben hatte.
Die Gespräche hätten in einer positiven und aufrichtigen
Atmosphäre stattgefunden, erklärte das nordkoreanische
Außenministerium. Ein Ministeriumssprecher sagte der staatlichen
Nachrichtenagentur KCNA zufolge, der direkte Dialog zwischen den USA und
Nordkorea werde dabei helfen, den Atomstreit zu lösen.
Die USA bestritten dagegen, dass es sich bei dem am Donnerstag zu Ende
gegangenen Treffen um direkte Gespräche gehandelt habe - eine
langjährige Forderung Nordkoreas, die von den USA bislang stets
abgelehnt wurde. "Wir hatten keine bilateralen Gespräche", sagte
Präsidialamtssprecher Tony Snow in Washington. Es seien lediglich
Gespräche des US-Sondergesandten Hill mit einem Vertreter
Nordkoreas zur Vorbereitung der nächsten Runde der
Sechs-Parteien-Gespräche gewesen.
Die Verhandlungen treten seit September 2005 auf der Stelle. Die USA,
Südkorea, China, Russland, und Japan wollen das verarmte und
weitgehend isolierte Nordkorea dazu bewegen, auf Atomwaffen zu
verzichten. Die Gespräche wurden im Dezember wieder aufgenommen,
nachdem Nordkorea im Oktober erstmals einen Atomtest unternommen hatte.
Hill reiste nach den Gesprächen weiter nach Seoul, Peking und
Tokio, um die dortigen Regierungen über den Stand zu informieren.
Bei seiner Ankunft in Südkorea zeigte er sich überrascht
über eine vermeintliche Übereinkunft. Er räumte aber ein,
die Gespräche in Berlin seien sehr nützlich gewesen. Nun
müssten die Ergebnisse dieser Unterredungen in die nächste
Runde der Sechs-Parteien-Gespräche eingehen. Hill betonte,
über die Atomfrage müsse in diesem Sechser-Forum debattiert
werden.
US-Außenministerin Condoleezza Rice äußerte bei ihrem
Besuch in Deutschland die Hoffnung auf eine baldige Fortsetzung der
multilateralen Gespräche. Hill sagte, er hoffe auf eine Fortsetzung
noch vor dem 18. Februar, wenn nach dem Mondkalender Neujahr gefeiert
wird.
(Quelle: rtr)
USA kritisieren Arbeit des UN-Entwicklungsprogramms in Nordkorea
Sa.20.01.07 - Die USA haben dem UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) vorgeworfen, bei
seiner Tätigkeit in Nordkorea jahrelang eklatant gegen
UN-Richtlinien verstoßen zu haben. Das UNDP habe
Millionenbeträge in harter Währung nach Nordkorea
überwiesen, ohne in ausreichendem Maße sicherzustellen, dass
die Gelder von der Regierung nicht für andere Zwecke wie etwa das
Atomprogramm hätten abgezweigt werden können, erklärte
der stellvertretende amerikanische UN-Botschafter Mark Wallace am
Freitag in New York.
Wallace forderte eine sofortige unabhängige Finanzprüfung,
die klären soll, ob Pjöngjang tatsächlich
Entwicklungsgelder für eigene unerlaubte Zwecke umgeleitet habe.
Der stellvertretende UNDP-Chef Ad Melkert wies die Vorwürfe
zurück. Die Organisation habe stets die UN-Richtlinien
hinsichtlich der Finanzierung von Projekten beachtet. Die Nutzung der
Gelder für die Arbeit des Entwicklungsprogramms in Nordkorea
«unter schwierigen Umständen» sei vom Exekutivrat des
UNDP gebilligt worden. Und nach Verhängung der UN-Sanktionen gegen
Nordkorea im Oktober vorigen Jahres wegen des Atomprogramms seien
Maßnahmen ergriffen worden, um «unbeabsichtigte
Folgen» der Arbeit des UNDP zu vermeiden. Ab 1. März
würden alle Zahlungen an die nordkoreanische Regierung, an Partner
des UNDP in dem Land sowie an einheimische Mitarbeiter in
nordkoreanischer Währung erfolgen, kündigte Melkert an.
Weder die USA noch das UNDP machten Angaben über die Höhe der
in Rede stehenden Gelder. In einem Brief an Wallace vom 5. Januar
erklärte Melkert jedoch, das UNDP habe von 2001 bis 2005 im
Schnitt jährlich 2,3 Millionen Dollar (1,8 Millionen Euro)
für Programme in Nordkorea ausgegeben. Darin seien auch
Verwaltungskosten wie etwa die Gehälter für örtliche
Mitarbeiter enthalten.
(Quelle: ap)
"Resolution: Bush soll vor Angriff auf Iran Kongress fragen
Sa.20.01.07 - US-Abgeordnete von Demokratischer und Republikanischer Partei wollen
verhindern, dass die US-Regierung ohne Zustimmung des Kongresses einen
Krieg gegen den Iran beginnt. Mehrere Parlamentarier brachten eine
Resolution in das US-Repräsentantenhaus ein, die sichern soll, dass
US-Präsident George W. Bush vor militärischen Handlungen
gegen Teheran erst die Zustimmung des Kongresses einholt. "Der Kongress
wird nicht untätig danebenstehen - er wird sich nicht in einen
anderen Krieg führen lassen, der die Welt unsicherer macht",
erklärte der demokratische Abgeordnete Martin Meehan.
US-Verteidigungsminister Robert Gates hatte zuvor versichert, die USA
suchten keinen militärischen Konflikt mit dem Iran. "Ich denke
nicht, dass irgendwer einen weiteren militärischen Konflikt in
dieser Region will", sagte Gates bei einem Besuch in der Hauptstadt des
Bahrain, Manama. Zugleich sagte Gates, dass die Führung in Teheran
im Streit über das iranische Atomprogramm "zu weit" gegangen sei.
Die Verlegung zusätzlicher militärischer Einheiten in die
Nahost-Region hatte die Gerüchte angeheizt, Washington plane einen
Angriff auf den Iran. Das Weiße Haus wies dies zurück.
(Quelle: afp)
Im Iran wächst der Widerstand gegen Ahmadinedschad
Sa.20.01.07 - Die Erwartungen der Wähler waren hoch, als Mahmud Ahmadinedschad
im vergangenen Jahr das Präsidentenamt im Iran übernahm. Sein
Versprechen: Ein Ende der Armut, Bekämpfung der Arbeitslosigkeit
und die Beteiligung aller Familien an den Ölgewinnen des
rohstoffreichen Landes. Stattdessen haben sich jedoch die Preise
für Gemüse verdreifacht und die Wohnungskosten verdoppelt.
Inzwischen wächst die Kritik nicht nicht nur von Reformern, sondern
auch von Konservativen, die dem hitzigen Provokateur bei den
Präsidentschaftswahlen 2005 den Weg zum Sieg bereiteten.
«Die Regierung hat idealistische Ziele wie die Bewältigung
der Wohnungsprobleme und der Arbeitslosigkeit genannt - aber es wurden
keine Lösungen angeboten», kritisiert der prominente
konservative Abgeordnete Mohammad Choschtschehreh im Gespräch mit
der Nachrichtenagentur AP. Ahmadinedschad sei zwar stark, wenn es um
populistische Parolen gehe, aber schwach bei den Erfolgen.
Immer mehr Konservative werfen dem Präsidenten vor, sich zu wenig
um die nationale Wirtschaft zu kümmern - während er den
Nuklearkonflikt mit feurigen Reden und kalkulierten Provokationen
unnötig eskaliere. Seit die UN im Dezember eine Handelssperre
für Nukleartechnologien verhängten und vereinzelt iranische
Vermögen einfroren, treibt die Angst vor weiteren Sanktionen
Arbeitslosigkeit und Inflation in die Höhe. Nach Regierungsangaben
liegen sie derzeit bei zehn beziehungsweise elf Prozent. Experten gehen
in beiden Fällen jedoch von bis zu 30 Prozent aus.
Reformer und konservative Abgeordnete überlegen bereits, den
Präsidenten im Parlament vorzuladen, um ihn direkt zu seiner
Nukleardiplomatie und Wirtschaftspolitik zu befragen. Erst vergangene
Woche forderten 150 Abgeordnete in einem Brief die Regierung dazu auf,
ihren Haushaltsentwurf für das kommende Jahr zu überdenken -
zu sehr verlasse sich der Präsident bei seiner Finanzplanung auf
Gewinne aus dem Ölexport. Sie machen bislang rund 80 Prozent aller
Haushaltseinnahmen aus.
Dass die Wohnraumpreise steigen, ist jedoch auch eine Folge der
Bevölkerungsexplosion in den 80er Jahren: Nach der islamischen
Revolution von 1979 riefen Kleriker die Menschen dazu auf, mehr
Nachwuchs zu zeugen - mit schwerwiegenden Folgen für die iranische
Wirtschaft. In den 90ern kam es schließlich zu einem
Richtungswechsel in der Familienpolitik - bis Ahmadinedschad im
vergangenen Jahr erklärte, zwei Kinder pro Familie seien zu wenig.
Erst vergangene Woche betonte er, statt den derzeit 70 Millionen
Menschen könne der Iran auch 300 Millionen Menschen ernähren.
«Leere Versprechen» seien das, sagt der konservative
Abgeordnete Ghaffar Esmaili. Auch in der Bevölkerung regt sich
Widerstand: Bei den Kommunalwahlen im Dezember erlitten die politischen
Partner des Präsidenten herbe Verluste.
Selbst die zahlreichen Auslandsreisen des Staatsoberhauptes geraten
zunehmend in die Kritik. Mit seinen Besuchen in Asien und Afrika baut
Ahmadinedschad an seinem Ruf als Führungspersönlichkeit
internationaler Politik. So traf er in Lateinamerika mit dem
venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez, dem nicaraguanischen
Staatsoberhaupt Daniel Ortega und anderen Gegnern der Vereinigten
Staaten zusammen. «Wir sollten unser Haus nicht auf Wasser
bauen», warnte die reformistische Tageszeitung «Etemad i
Melli» in einem Editorial am Dienstag. Der Präsident bekommt
nasse Füße.
(Quelle: ap)
US-Geheimdienste: China sprengt einen Wettersatelliten im All
Sa.20.01.07 - China hat nach US-Geheimdienstinformationen erstmals einen
Wettersatelliten auf seiner Umlaufbahn um die Erde gesprengt. Die
Regierungen in Washington und Tokio, aber auch zahlreiche Forscher
zeigten sich am Freitag beunruhigt über die Nachricht, dass Peking
zur Sprengung des Satelliten einen neuen Waffentypus eingesetzt habe.
Der chinesische Außenamtssprecher Liu Jianchao wollte die
US-Informationen nicht bestätigen, sagte aber, andere Staaten
müssten sich durch das chinesische Raumprogramm "nicht bedroht
fühlen". Raumforscher befürchten, dass der durch
Satelliten-Sprengungen entstehende Weltraummüll andere Satelliten
oder auch die Internationale Raumstation (ISS) bedrohen könnte.
(Quelle: afp)
Kämpfe in Sri Lanka treiben tausende Menschen in die Flucht
Sa.20.01.07 - Kämpfe zwischen Regierungstruppen und tamilischen Rebellen treiben
im Osten Sri Lankas wieder tausende Bewohner in die Flucht. Das
UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR ging am Freitag von mindestens 9.500
Menschen aus, die in von der Regierung kontrollierten Regionen Zuflucht
suchten. Ein Sprecher des Roten Kreuzes erklärte: «Wir
sprechen über tausende Zivilpersonen, und es ist zu früh,
Zahlen zu nennen.» Bei den jüngsten Kämpfen eroberten
Regierungstruppen nach Militärangaben den Rebellenstützpunkt
Vaharei.
Die Region werde seit Monaten von Gefechten erschüttert, beklagte
UNHCR-Sprecher Ron Redmond. Er rief beide Seiten auf, die Menschenrechte
zu schützen und die Zivilbevölkerung zu schonen. Die seit
mehr als 20 Jahren anhaltende Gewalt in Sri Lanka hat nach
UNHCR-Schätzungen schon rund 465.000 Menschen in die Flucht
geschlagen. Seit der erneuten Eskalation der Kämpfe im April 2006
flohen schätzungsweise 200.000 Menschen.
Die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) kämpfen seit 1983
für einen eigenen Staat im Norden der Inselrepublik. Dem Konflikt
sind schon fast 70.000 Menschen zum Opfer gefallen, davon allein 3.600
im vergangenen Jahr. Eine im Februar 2002 unter norwegischer Vermittlung
vereinbarte Waffenruhe ist nur noch auf dem Papier gültig.
(Quelle: ap)
Ringen um künftigen Kurs von Mercosur
Sa.20.01.07 - Mit deutlichen Meinungsunterschieden über die künftige
Entwicklung der Mercosur-Länder ist am Freitag der Gipfel der
südamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft in Rio de Janeiro zu
Ende gegangen. Die Abschlusserklärung enthielt zwar ein Bekenntnis
zu verstärkter wirtschaftlicher Kooperation insbesondere im
Energiebereich, zum Kampf gegen die Armut sowie zu Demokratie und
Menschenrechten. Doch die von der Zeitung «O Globo»
veröffentlichte Zusammenfassung blieb unklar bezüglich der
Umsetzung dieser Ziele.
Der venezolanische Präsident Hugo Chavez bezeichnete seinen
«Sozialismus des 21. Jahrhunderts» als beste Lösung
für die drängenden Probleme des Kontinents, darunter die
wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. Mercosur müsse sich in
seinen Strukturen von Grund auf verändern. Vor allem müsste
eines der Gründungsziele aufgegeben werden - die von den USA
unterstützte Politik des freien Marktes und der Privatisierungen.
In Venezuela hat Chavez die Verstaatlichung von Stromversorgung und
Telekommunikation als Stufen auf dem Wege zu einer sozialistischen
Republik angekündigt.
Der bolivianische Präsident Evo Morales, dessen Land dem
Wirtschaftsblock beitreten will, plädierte ebenfalls für
Reformen, die die Probleme der Mehrheitsbevölkerung in
Lateinamerika lösen könnten. Er deutete an, dass er seine
Mercosur-Mitgliedschaft bis zur Klarstellung des künftigen Kurses
zurückhalten könnte. Argentinien wiederum wandte sich gegen
den Wunsch Boliviens, von der Zollunion des Wirtschaftsblocks
ausgenommen zu werden.
Einen moderateren Ansatz vertrat der brasilianische Präsident Luiz
Inácio Lula da Silva. Der Gastgeber des zweitägigen Gipfels
betonte, die Gemeinschaft müsse die wirtschaftliche Integration
auf eine Art vorantreiben, die den politischen Unterschieden ihrer
Mitglieder Rechnung trage. Wenn Mercosur jetzt keinen für alle
annehmbaren Integrationsplan entwerfe, werde es nie einen allgemeinen
Konsens geben. Den Verstaatlichungsplänen von Chavez schloss sich
Lula da Silva nicht an, betonte aber, dass er in ihnen keine Bedrohung
sehe.
Nach dem Amtsantritt mehrerer linksgerichteter Regierungen in der
Region wurde zunehmend in Frage gestellt, ob das ursprüngliche
Ziel einer Freihandelszone überhaupt noch weiter verfolgt werden
solle. Der vor 16 Jahren gegründeten Wirtschaftsgemeinschaft
Mercosur gehören derzeit Brasilien, Argentinien, Paraguay und
Uruguay sowie seit vergangenem Jahr auch Venezuela an. In ihren Grenzen
leben rund 250 Millionen Menschen. Ein Beitritt Boliviens sowie
möglicherweise auch Ecuadors würde für Mercosur einen
Linksruck bedeuten.
(Quelle: ap)
Prominenter armenischer Journalist Hrant Dink in Istanbul erschossen
Sa.20.01.07 - Vor seiner Zeitungsredaktion in Istanbul ist der prominente
armenisch-türkische Journalist Hrant Dink Opfer eines
Mordanschlags geworden. Der 53 Jahre alte Träger des
Henri-Nannen-Preises wurde am Freitag kurz vor Betreten des
Gebäudes erschossen, wie die Polizei mitteilte.
Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan kritisierte den Anschlag
als Angriff auf die Einheit der Türkei und versprach, die
Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Auch in Deutschland und
der Europäischen Union sorgte das Attentat für Entsetzen.
In Istanbul versammelten sich am Freitagabend mehrere tausend Menschen
zu einer Protestkundgebung. Sie führten Fotos des getöteten
Journalisten mit sich und forderten in Sprechchören
größere Meinungsfreiheit in der Türkei. Medienberichten
zufolge wurde Dink mit zwei Schüssen in den Kopf getötet.
Insgesamt seien vier Patronenhülsen gefunden worden. Drei Personen
wurden festgenommen, wie der Fernsehsender CNN-Turk unter Berufung auf
Gouverneur Muammer Güler berichtete. Zuvor waren bereits zwei
weitere Verdächtige vorübergehend festgenommen worden. Ihnen
konnte dem Vernehmen nach aber keine Tatbeteiligung nachgewiesen werden.
Der Redakteur der zweisprachigen Zeitung «Agos» war einer
der bekanntesten Vertreter der armenischen Minderheit in der
Türkei. Wegen seiner kritischen Äußerungen über
die blutige Verfolgung von Armeniern im Osmanischen Reich Anfang des
20. Jahrhunderts wurde er wiederholt von türkischen Nationalisten
bedroht und stand mehrfach vor Gericht. Die Verfolgung der Armenier in
den Jahren 1915 bis 1923 gilt in einigen Ländern als
Völkermord, die Türkei weist dies jedoch zurück.
Wegen seiner Einsatzes für die armenische Minderheit in der
Türkei wurde Dink im vergangenen Jahr mit dem Henri-Nannen-Preis
für Pressefreiheit ausgezeichnet. «Hrant Dink ist beherzt
für die Gleichberechtigung der Armenier eingetreten und hat die
Mauer des Schweigens und der Angst immer wieder durchbrochen»,
erklärte der Chefredakteur des Nachrichtenmagazins
«Stern», Thomas Osterkorn. «Dafür wurde er
angefeindet und verurteilt, aber er hat sich nicht einschüchtern
lassen.»
In Deutschland betonte Grünen-Chefin Claudia Roth, Dink habe ein
schwieriges Kapitel der türkischen Geschichte aufgearbeitet.
«Die Tat ist ein bewusster Schlag gegen alle, die für
Frieden, Aussöhnung und die Aufarbeitung von Verbrechen in der
Vergangenheit der Türkei eintreten», sagte sie. Die
stellvertretende europapolitische Sprecherin der
SPD-Bundestagsfraktion, Lale Akgün, nannte Dink einen wichtigen
Brückenbauer zwischen Armeniern und Türken. Auch die
Türkische Gemeinde in Deutschland und die Stiftung Zentrum
für Türkeistudien an der Universität Duisburg-Essen
verurteilten den Anschlag.
EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn zeigte sich «schockiert und
bestürzt über diese brutale Gewalttat». Dink sei ein
Vorkämpfer der Meinungsfreiheit in der Türkei gewesen.
«Ich vertraue darauf, dass die türkischen Behörden
dieses Verbrechen gründlich untersuchen und die Verantwortlichen
zur Rechenschaft ziehen werden», erklärte der EU-Kommissar.
Der Grünen-Politiker und Abgeordnete im Europaparlament Cem
Özdemir beklagte im Interview mit «Spiegel Online»
eine «unerträgliche Hetze» in der Türkei gegen
«Intellektuelle, die den Nationalismus kritisieren».
(Quelle: ap)
Merkel fordert von Putin Zuverlässigkeit bei Öl- und
Gaslieferungen
Sa.20.01.07 - Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert von Russland mehr
Zuverlässigkeit bei Lieferungen von Gas und Öl. Sprecher
Ulrich Wilhelm sagte am Freitag in Berlin, das Thema langfristige
Lieferbeziehungen werde beim bevorstehenden Treffen mit dem russischen
Präsidenten Wladimir Putin am Sonntag im russischen Kurort Sotschi
eine wichtige Rolle spielen. Außerdem will sich die Kanzlerin die
Unterstützung Putins für eine bereits mit den USA verabredete
Nahost-Initiative sichern.
Sowohl die europäischen Abnehmerstaaten als auch Russland haben
nach den Worten Wilhelms ein gemeinsam ein «herausragendes
Interesse an stabilen, verlässlichen Lieferbeziehungen».
Russland sei auf die europäischen Abnehmer und diese wiederum seien
auf russische Lieferungen angewiesen. Die Bereitschaft zur
Lieferzuverlässigkeit habe Putins G-8-Beauftragter Igor Schuwalow
in Berlin bereits unterstrichen. Zuvor hatte der russische
Handelsminister German Gref allerdings eingeräumt, dass der
Ölstreit mit Weißrussland der Reputation seines Landes in
Europa geschadet hat.
Wegen des russisch-weißrussischen Ölstreits Anfang
vergangener Woche war die Lieferung russischen Erdöls drei Tage
lang unterbrochen. Russland hatte die Einspeisung von Öl in die
«Druschba»-Pipeline durch Weißrussland
vorübergehend eingestellt. Bereits 2006 hatte der russische
Gaskonzern Gazprom wegen eines Streits über den Gaspreis mit der
Ukraine vorübergehend die Gaslieferungen eingestellt, wovon einige
Länder Ost- und Mitteleuropas, darunter Deutschland, betroffen
waren.
Ein weiteres Thema in Sotschi ist nach Angaben Wilhelms die mit
US-Außenministerin Condoleezza Rice vereinbarte Initiative, das
Nahost-Quartett neu zu beleben. Die Unterstützung Putins dafür
gilt als ziemlich sicher, da Russland zusammen mit den USA, der EU und
den Vereinten Nationen Teil des Quartetts ist. Wilhelm betonte, dass
Russland im Quartett eine wichtiger Rolle spiele. Außerdem hatte
sich die russische Diplomatie in den vergangenen Monaten mit
erkennbaren Schritten in die Nahostpolitik eingeschaltet und unter
anderem versucht, auf die radikalislamische Bewegung Hamas einzuwirken,
die die palästinensische Regierung kontrolliert.
Zu einem ersten Treffen des Quartetts hatte Rice für den 2.
Februar nach Washington eingeladen. Der Termin wurde Mitte der Woche
nach Gesprächen von Rice in Berlin mit Merkel und dem deutschen
Außenminister Frank-Walter Steinmeier bekannt gegeben.
Die Bewegung im Nahostfriedensprozess wurde von Wilhelm als Fortschritt
bewertet. Ziel sei die Stärkung des palästinensischen
Präsidenten Mahmut Abbas, den Merkel am Mittwoch kommender Woche
auf dem Weltwirtschaftsforum im Davos treffen soll. Am Sonntag darauf
spricht Merkel laut Programm in Berlin auch mit dem jordanischen
König Abdullah II.
Die Nahostdiplomatie steht nach Angaben des Auswärtigen Amts vor
zwei maßgeblichen Herausforderungen. Sprecher Jens Plötner
erklärte, es gehe um die Förderung von Direktkontakten
zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert und
Abbas. Im Mittelpunkt dabei stehe der Schutz Israels vor
palästinensischen Angriffen mit Kassam-Raketen sowie die
Verbesserung der Lebensverhältnisse der Palästinenser.
Außerdem solle die Lösung des Nahostkonflikts durch die
Schaffung eines unabhängigen Palästinenserstaates neben Israel
vorangetrieben werden.
(Quelle: ap)
Rot-Grün soll Kurnaz-Freilassung verhindert haben
Sa.20.01.07 - Die rot-grüne Bundesregierung soll die Freilassung des unschuldig
im US-Gefangenenlager Guantánamo inhaftierten Bremer Türken
Murat Kurnaz über Jahre gezielt verhindert haben. Das berichtet
die «Süddeutsche Zeitung» (Freitag) unter Berufung auf
Aktenvermerke aus der früheren Regierung.
Papiere des Auswärtigen Amtes belegten, dass auch der damalige
Kanzleramtschef und heutige Außenminister Frank-Walter Steinmeier
(SPD) in den Fall involviert sei. Ferner soll das
Bundesinnenministerium einen Plan entwickelt haben, wie Kurnaz, der
keinerlei Kontakte zur Außenwelt haben durfte, mit Hinweis auf
seine fehlende Rückmeldung in Deutschland die
Aufenthaltsgenehmigung entzogen werden konnte.
Laut der Samstag-Ausgabe der «Süddeutscher Zeitung»
hat die rot-grüne Bundesregierung noch nach der Bundestagswahl
2005 versucht, sogar einen neuen Terrorverdacht gegen Kurnaz zu
konstruieren. Bundesinnenministerium und der Verfassungsschutz
hätten gehofft, «von US-Seite weitere Informationen gegen
Kurnaz zu bekommen, die den Verdacht der Unterstützung des
internationalen Terrorismus erhärten», berichtet die Zeitung
unter Berufung auf die AA-Notiz vom 26. Oktober 2005.
Die Sprecher der betroffenen Ministerien wollten sich am Freitag dazu
nicht äußern und verwiesen auf den laufenden
BND-Untersuchungsausschuss des Bundestags. Dort hatte Kurnaz am Vortag
für die Ausschussmitglieder glaubwürdig und erschütternd
von Misshandlungen, Isolationshaft und Kältefolter berichtet.
Steinmeiers Sprecher Jens Plötner nannte die Äußerung
der Linksfraktion befremdlich, wonach der Minister die Vorwürfe
«politisch nicht überleben» werde. Die Arbeit des
Untersuchungsausschusses stehe ganz am Anfang. Man müsse erst alle
Informationen sammeln und könne dann daraus Schlüsse ziehen.
Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte, die Bundesregierung wolle wie
bisher auch künftig zur Aufklärung beitragen. Sie werde dem
Untersuchungsausschuss «alles zuleiten, was zugeleitet werden
kann». Steinmeier leiste hervorragende Arbeit für die
deutsche Außenpolitik und genieße das Vertrauen von
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).
Die USA sollen 2002 ein Angebot zur Freilassung des damals schon als
ungefährlich eingestuften Kurnaz unterbreitet haben. Erst vier
Jahre später kam er nach einer Initiative von Merkel frei. In
einer Notiz des Außenamts vom 26. Oktober 2005 heißt es
laut «Süddeutscher Zeitung»: «Die Frage der
Zulassung der Wiedereinreise von Kurnaz war laut Bundesinnenministerium
und dem Chef des Bundeskanzleramtes bereits mehrfach Gegenstand der
nachrichtendienstlichen Lage. Dort sei auch mit dem Auswärtigen
Amt Übereinstimmung erzielt worden, eine Wiedereinreise des K.
nicht zuzulassen.»
Maßgeblich geplant worden sei das Vorgehen jedoch im
Innenministerium unter Otto Schily (SPD). Dort sei ein Plan erarbeitet
worden, die Stadt Bremen zum Entzug von Kurnaz' Aufenthaltsgenehmigung
zu drängen, weil er nicht wie erforderlich nach einem halben Jahr
nach Deutschland zurückgekehrt sei. Kurnaz war Ende 2001 in
Pakistan festgenommen und US-Soldaten in Afghanistan übergeben
worden. Von dort wurde er Anfang 2002 nach Guantánamo auf Kuba
gebracht.
Der Linksabgeordnete Wolfgang Neskovic warf der ehemaligen
rot-grünen Regierung und Steinmeier eine «erbarmungslose,
menschenfeindliche Kälte» im Umgang mit Kurnaz vor. Das
Bemühen, die Überstellung von Kurnaz nach Deutschland mit
allen Mitteln zu verhindern, sei «abgrundtief zynisch».
«Ich glaube nicht, dass Steinmeier das politisch überleben
wird. Es sei denn, die Empörung der Öffentlichkeit ist zu
gering.»
Die FDP-Fraktion sieht sofortigen Klarstellungsbedarf. Innenminister
Wolfgang Schäuble (CDU) und Steinmeier müssten erklären,
warum die damalige Leitung des Innenministeriums und Steinmeier als
damaliger Kanzleramtschef trotz der Erkenntnisse der Geheimdienste
über Murat Kurnaz' Unschuld dessen Wiedereinreise nach Deutschland
und damit auch die Haftentlassung aus Guantánamo verhindert
haben», forderte der Abgeordnete Max Stadler.
Grünen-Chefin Claudia Roth hält eine Entschuldigung der
damals Verantwortlichen für angebracht. «Es sind ganz
offenkundig Dinge passiert, die sich mit einer glaubwürdigen
Menschenrechtspolitik nicht vereinbaren lassen», sagte die
damalige Menschenrechtsbeauftragte der Regierung der «Frankfurter
Rundschau» (Freitag). Auch die Grünen müssten sich
selbstkritisch fragen: «Wie konnte das geschehen und haben wir
damals wirklich alles gemacht?»
(Quelle: dpa)
Seit der Hartz-IV-Reform bekommt nur noch 0,1 Prozent der
Bevölkerung Sozialhilfe
Sa.20.01.07 - Die Zahl der Sozialhilfeempfänger ist mit Inkrafttreten der
Hartz-IV-Reformen drastisch gesunken. Nach vorläufigen Angaben des
Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden vom Freitag erhielten am
Jahresende 2005 in Deutschland nur noch rund 81.000 Personen oder 0,1
Prozent der Bevölkerung «Sozialhilfe im engeren Sinne»,
also laufende Hilfe zum Lebensunterhalt außerhalb von
Einrichtungen.
Mit der Einführung von Hartz IV zum 1. Januar 2005 erhalten
Sozialhilfeempfänger im engeren Sinne, die grundsätzlich
erwerbsfähig sind, sowie deren Familienangehörige die
«Grundsicherung für Arbeitsuchende» - auch
Arbeitslosengeld II genannt. Dieser Personenkreis wird seit 2005 nicht
mehr in der Sozialhilfestatistik nachgewiesen. Im Vergleich zum
Jahresende 2004 ging damit die Zahl der Sozialhilfeempfänger um
97,2 Prozent zurück. 2004 hatten noch rund 2,9 Millionen Personen
oder 3,5 Prozent der Bevölkerung Sozialhilfe im engeren Sinne
bezogen.
Diese Sozialhilfe erhalten seit Anfang 2005 zum Beispiel nur noch
vorübergehend Erwerbsunfähige, längerfristig Erkrankte
oder Vorruhestandsrentner mit niedriger Rente. Rund 69.000 oder 85
Prozent von ihnen waren Deutsche, 12.000 oder 15 Prozent
ausländische Mitbürger. Die Empfängerquote der
Ausländer (1,7 Hilfebezieher je 1.000 Einwohner) lag höher als
die der Deutschen (0,9 Hilfebezieher je 1.000 Einwohner). Frauen
stellten mit rund 41.000 Personen oder einem Anteil von 51 Prozent etwas
mehr als die Hälfte der Leistungsempfänger. Rund 17 Prozent
der Sozialhilfeempfänger waren Kinder unter 15 Jahren.
Die höchste Empfängerdichte gab es in den Stadtstaaten Berlin
(2,4 Empfänger je 1.000 Einwohner) und Bremen (2,3 je 1.000
Einwohner). Die niedrigsten Quoten verzeichneten Thüringen und
Baden-Württemberg (jeweils 0,5 je 1.000 Einwohner). Die rund 81.000
Sozialhilfeempfänger lebten in 70.000 Haushalten; die
überwiegende Mehrzahl davon (72 Prozent) waren
Ein-Personen-Haushalte. Neben den Sozialhilfeempfängern im engeren
Sinne gab es am Jahresende 2005 noch rund 174.000 Personen, die Hilfe
zum Lebensunterhalt innerhalb einer Einrichtung (zum Beispiel Wohn- oder
Pflegeheime) erhielten.
Insgesamt wandten die Kommunen und die überörtlichen
Träger für die Hilfe zum Lebensunterhalt im Jahr 2005 netto,
das heißt nach Abzug insbesondere von Erstattungen anderer
Sozialleistungsträger, lediglich noch 618 Millionen Euro auf; dies
entspricht einem Rückgang von 93,0 Prozent gegenüber dem
Vorjahr, als noch 8,8 Milliarden Euro für diese Hilfeart ausgegeben
wurden. Rein rechnerisch wurden im gesamten Jahr 2005 pro Einwohner
rund sieben Euro für diese Hilfeart ausgegeben.
(Quelle: ap)
Psychische Erkrankungen durch Massenentlassungen
Sa.20.01.07 - An psychischen Erkrankungen leiden nach einer Entlassungswelle auch
nicht betroffene männliche Berufstätige fast ebenso
häufig wie diejenigen, die ihre Stelle verloren haben. Das
berichten Forscher des University College London. Die Wissenschaftler
haben Daten von 26 500 Gemeindeangestellten in Finnland nach einer
massiven Entlassungswelle im Jahr 1993 bis zum Jahr 2000 analysiert. Sie
verglichen dabei die Krankengeschichten von insgesamt 4 000 Entlassenen
mit der von 17 600 Personen, die in nicht betroffenen Abteilungen
gearbeitet hatten, sowie 5 000 nicht entlassenen Angestellten aus
Abteilungen, in denen aber Stellen gekürzt worden waren.
Entlassene Männer bekamen mit einer 64 Prozent größeren
Wahrscheinlichkeit Antidepressiva und Schlafmittel verschrieben als
Unbeteiligte und trugen somit offenbar ein großes Risiko
psychischer Folgeschäden. Aber auch ihre ehemaligen
männlichen Abteilungskollegen bekamen um die Hälfte mehr
psychotroper Medikamente verschrieben. Bei Frauen war der Effekt
deutlich geringer. Somit liege es laut den Autoren auf der Hand, dass
in personalreduzierten Abteilungen Arbeitsaufwand und Stress wachsen.
Zudem steige auch die Belastung, die mit einem vermuteten drohenden
Verlust des Arbeitsplatzes einhergehe. Auch fühlten die im Job
verbliebenen oft ein Schuldgefühl gegenüber den Entlassenen.
Der psychologische Stress werde häufig durch untaugliche
Handlungsstrategien zu bekämpfen versucht, die dann Ressourcen von
den eigentlichen Kernbereichen der Arbeit abziehen, was wiederum die
tatsächliche Gefahr der eigenen Entlassung erhöhen kann. Der
Krankenstand in Deutschland hat sich insgesamt seit Beginn der 1990er
Jahre nahezu halbiert. Allerdings stieg der Anteil psychischer Probleme
als Ursache für Fehlzeiten im gleichen Zeitraum stetig an. Im Jahr
2005 waren sie der vierthäufigste genannte Grund für
Arbeitsunfähigkeit. Psychischen Erkrankungen treten vorwiegend in
Berufen auf, die sich ansonsten durch einen niedrigen Krankenstand
auszeichnen.
(Quelle: yahoo-Nachrichten)
Orkan 'Kyril' hinterlässt Schneise der Verwüstung
Sa.20.01.07 - Orkan "Kyrill" hat in West- und Mitteleuropa mindestens 45 Menschen in
den Tod gerissen sowie weiträumige Stromausfälle und
Schäden in Milliardenhöhe verursacht. Allein in Deutschland
starben elf Menschen, Dutzende weitere wurden zum Teil schwer verletzt.
Nach einer kompletten Einstellung des Fernverkehrs am Donnerstagabend
nahmen die Züge der Deutschen Bahn erst allmählich wieder
Fahrt auf, einige Strecken blieben jedoch beeinträchtigt.
Allein die deutsche Versicherungswirtschaft geht nach ersten
Schätzungen davon aus, dass sie für versicherte Schäden
eine Milliarde Euro aufbringen muss. Damit dürfte die
tatsächliche Schadenssumme deutlich höher liegen, da viele
Sturmfolgen nicht versichert sind. Politiker lobten die
frühzeitige Unwetterwarnung. Dies habe dazu beigetragen, dass die
Zahl der zu beklagenden Opfer nicht größer wurde,
erklärte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt
Beck (SPD).
Dem Deutschen Wetterdienst zufolge tobten die stärksten
Orkanböen außer in Gebirgen und Küsten vor allem im
Osten Deutschlands, im Südosten Bayerns, sowie in der Kölner
Bucht. Die stärkste Windböe wurde auf dem Wendelstein in
Bayern mit 202 km/h gemessen. Auch nach dem Abflauen des Orkantiefs
warnte die Feuerwehr weiter zur Vorsicht. Bäume, abgeknickte
Äste und lose Trümmerteile gefährdeten noch immer die
Fußgänger und Autofahrer, warnte der Deutsche
Feuerwehrverband.
Wegen des am Donnerstagabend eingestellten Zugverkehrs in Deutschland
mussten zehntausende Menschen auf Bahnhöfen oder in umliegenden
Hotels übernachten. Später normalisierte sich der Bahnverkehr
wieder. Auch die mehrstündige Sperrung des Berliner Hauptbahnhofs
wegen Orkanschäden konnte aufgehoben werden. Zahlreiche Flüge
mussten gestrichen werden, allein am Flughafen Frankfurt waren es mehr
als 200.
In Großbritannien kamen 13 Menschen ums Leben. In den
Niederlanden und Polen starben je sechs und in Frankreich drei
Menschen. In Belgien wurden zwei Sturmtote gezählt, in Tschechien
vier. Dort richtete der Sturm nach Angaben der staatlichen
Forstbehörde erhebliche Waldschäden an.
In Tschechien waren rund eine Million Menschen ohne Strom, auch in
anderen Ländern kam es zu weiträumigen Stromausfällen.
In Brandenburg waren dem Innenministerium zufolge mehr als 140.000
Haushalte von der Stromversorgung abgeschnitten.
(Quelle: afp)