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Aktuelle Nachrichten
Irak am neunhundertsechsunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
US-Außenministerin Rice sieht deutsche Unterstützung
für neue US-Strategie im Irak. Irakische Polizisten töten 15
mutmaßliche sunnitische Extremisten. 19 US-Soldaten kommen Irak
ums Leben
So.21.01.07 - US-Außenministerin Condoleezza Rice hat eigenen Angaben zufolge
bei ihrem Berlin-Besuch "breite Unterstützung" für die neue
US-Strategie im Irak erhalten.
Auf die Frage, ob sie in der deutschen Hauptstadt auf Skepsis oder
Kritik in Bezug auf die neuen Irak-Pläne von US-Präsident
George W. Bush getroffen sei, antwortete Rice dem Nachrichtenmagazin
"Spiegel" laut Vorabbericht vom Samstag: "Ich empfand die deutsche
Regierung als ziemlich verständnisvoll für das, was wir zu tun
versuchen." Rice hatte in der vergangenen Woche Bundeskanzlerin Angela
Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier getroffen.
Ähnlich wie im Nahen Osten sei man in Berlin vor allem
"beeindruckt und erfreut" gewesen, dass es "ein erneutes Engagement der
Amerikaner für den Irak gibt und dass Präsident Bush nicht auf
diejenigen hört, die sagen: Überlass' die Iraker doch ab
jetzt einfach ihren eigenen Problemen".
Syrien und Iran in die Beratungen über die Zukunft des Iraks
einzubeziehen, lehnte Rice erneut ab. "Die Ansicht, dass sie
plötzlich bereit wären, den Irak zu stabilisieren, wenn die
Vereinigten Staaten nur mit ihnen sprechen würden, ist schlicht
falsch". Der einzige Beweggrund der Länder sei, für sich einen
Vorteil aus der Situation zu ziehen. "Das ist aber keine Diplomatie,
sondern Erpressung", sagte sie. Rice versicherte jedoch, dass die USA
den Konflikt im Irak nicht durch Militäraktionen gegen Iran
verschärfen wollten. "Wir wollen keine Eskalation. Unser Plan ist
es, auf die iranischen Aktivitäten zu reagieren, die uns schaden."
Eine Eliteeinheit der irakischen Polizei hat am Samstag in Bagdad 15
mutmaßliche Aufständische getötet und fünf weitere
festgenommen. Die Razzia im Stadtteil Dora richtete sich gegen eine
militante sunnitische Gruppierung namens Omar-Brigade, wie ein Sprecher
des Innenministeriums mitteilte.
Die irakischen Sicherheitskräfte, die von Kampfhubschraubern der
multinationalen Truppen unterstützt wurden, trafen bei ihrem
Einsatz auf erbitterten Widerstand. Die Aufständischen hätten
sich in zwei leer stehenden Häusern versteckt, sagte der
Ministeriumssprecher. Die Omar-Brigade wird für eine Reihe von
Entführungen und Anschlägen auf Schiiten im Stadtteil Dora
verantwortlich gemacht.
Im Irak sind am Samstag mindestens 19 US-Soldaten ums Leben gekommen.
Nach US-Medienberichten war es einer der verlustreichsten Tage für
die US-Streitkräfte seit Beginn des Irakkriegs. Beim Absturz eines
US-Hubschraubers nahe Bagdad wurden alle 13 Insassen getötet. Das
teilte das amerikanische Militär in Bagdad mit. Später
verloren bei einem Angriff irakischer Milizionäre in Kerbela
fünf US-Soldaten ihr Leben.
Bereits am Freitag kostete die Explosion eines am Straßenrand
gelegten Sprengsatzes in der Provinz Ninive einen US-Soldaten das
Leben. Ein Marineinfanterist erlag am Freitag den Verletzungen, die er
sich während eines Einsatzes in der Provinz Anbar zugezogen hatte,
die als Hochburg des sunnitischen Widerstands gilt.
US-Präsident George W. Bush hatte erst kürzlich eine
Aufstockung der Truppen im Irak beschlossen.
(Quellen: rtr, ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 21.01.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertzweiundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Nahost-Konflikt
Palästinenserpräsident Abbas zu Gesprächen mit
Hamas-Führer in Syrien. Israel überweist Palästinensern
100 Millionen Dollar
So.21.01.07 - Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas ist am Samstag zu
Gesprächen mit Hamas-Führer Chaled Maschaal in Syrien
eingetroffen. Bei dem Treffen soll es um die Bildung einer Regierung der
nationalen Einheit und die Beilegung des innerpalästinensischen
Machtkampfs zwischen der Hamas und der Fatah von Abbas gehen. Die
beiden Politiker wollten am Abend zusammenkommen, wie die Hamas
mitteilte. Streitpunkte sind weiter die Kontrolle über die
Sicherheitskräfte und die Weigerung der Hamas, das Existenzrecht
Israels anzuerkennen. Maschaal, der politische Führer der Hamas,
und Abbas hatten sich zuletzt im Juli 2005 getroffen. Vor dem
Gespräch wollte Abbas in Damaskus mit dem syrischen
Präsidenten Baschar Assad zusammenkommen.
Israel hat der palästinensischen Autonomiebehörde einen Teil
von Geldern aus Zoll- und Steuereinnahmen überwiesen, die nach dem
Antritt der Hamas-Regierung seit März 2006 einbehalten worden
waren. Wie ein ranghoher Regierungsvertreter am Freitag in Jerusalem der
Nachrichtenagentur AFP sagte, wurden am Freitagmorgen 100 Millionen
Dollar (77,4 Millionen Euro) auf ein Konto der palästinensischen
Führung transferiert. Die Summe solle "für humanitäre
Zwecke und für die Stärkung der Garde von
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas" verwendet werden.
Für die Auszahlung der Gehälter von palästinensischen
Beamten dürfe das Geld nicht verwendet werden, betonte der
Regierungsvertreter. Ein ranghoher Palästinenservertreter
bestätigte die Überweisung.
(Quellen: ap, afp)
Mehr als 80.000 Teilnehmer beim Weltsozialforum in Kenia
So.21.01.07 - Mit einer Demonstration durch Nairobi hat am Samstag das
Weltsozialforum in der kenianischen Hauptstadt begonnen. Dort kamen
insgesamt 80.000 Menschen zusammen, um gegen Auswüchse des
Kapitalismus' und des Freihandels zu protestieren. Einige hundert von
ihnen zogen vom Elendsviertel Kibera, in dem ein Drittel der
Bevölkerung Nairobis lebt, in die Innenstadt.
Das Weltsozialforum findet seit 2001 jährlich als
Gegenveranstaltung zum Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos
statt. In diesem Jahr sind unter anderem eine von der kenianischen
Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai moderierte Diskussion
zur Gesundheitsversorgung, ein Festival für die Straßenkinder
Nairobis und ein Marathon geplant. Die fünftägige
Veranstaltung solle den anhaltenden Kampf Afrikas gegen
ausländische Bevormundung, Kolonialismus und Neokolonialismus
zeigen, heißt es auf der Website der Veranstaltung.
Der frühere Präsident von Sambia, Kenneth Kaunda, rief die
Demonstranten am Samstag zum gemeinsamen Kampf gegen Armut auf. Einige
Kundgebungsteilnehmer trugen Plakate mit einem Bild von
US-Präsident George W. Bush, auf dem dieser als «Terrorist
Nummer eins» bezeichnet wurde.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://wsf2007.org
EU-Minister versprechen gute Arbeit und fairen Lohn
So.21.01.07 - Gute Arbeit und fairen Lohn haben die Arbeits- und Sozialminister der
27 EU-Staaten den 220 Millionen Beschäftigten in Europa
versprochen. Nur mit sozialer Sicherheit könne es mehr
Flexibilität am Arbeitsmarkt geben.
Der Weg dahin sei aber weit, erklärten die Minister zum Abschluss
ihres ersten Treffens unter deutschem Vorsitz am Freitag in Berlin:
Für die Rechte der Arbeitnehmer, ihren Gesundheitsschutz und
familienfreundliche Arbeitsbedingungen seien noch «vermehrte und
gemeinsame Anstrengungen» nötig.
Die deutsche Ratspräsidentschaft legte zusammen mit Portugal und
Slowenien - den beiden nächsten Vorsitzländern -
Schlussfolgerungen für die künftige Arbeitspolitik in Europa
vor. Diese Erklärung nimmt zum Mindestlohn auch Arbeitgeber und
Gewerkschaften in die Pflicht: «Die Mitgliedstaaten und die
Sozialpartner sind aufgerufen, für die Festlegung von fairen und
angemessenen Löhnen Sorge zu tragen und dabei die Besonderheiten
der nationalen Lohnfindungssysteme zu wahren.» Dies zielt auf
tarifvertragliche Branchen-Mindestlöhne, wie auch der deutsche
Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) sie favorisiert.
Erstmals sprachen die Minister auch Wege der legalen Einwanderung auf
die Arbeitsmärkte an. «Es muss Regeln geben
dafür», sagte der Ratsvorsitzende Müntefering. Zu
nationalen Einwanderungsquoten, wie die EU-Innenminister sie Anfang der
Woche bei ihrem Treffen in Dresden befürwortet hatten,
äußerte sich Müntefering zurückhaltend: Der
Bundesrepublik «fehlen im Moment 22 000 Ingenieure». Er
halte es aber für besser, arbeitslose Ingenieure in Deutschland
für die Aufgaben zu qualifizieren. Außerdem müsse sich
die Industrie mehr um die Ausbildung kümmern: «Die
Unternehmen tun relativ wenig.»
Niedersachsen kündigte eine Bundesratsinitiative an, um die
Hürden für die Beschäftigung ausländischer
Fachkräfte zu senken. «Hoch qualifizierten Arbeitnehmern und
Selbstständigen aus dem Ausland soll die Arbeitsaufnahme in der
Bundesrepublik deutlich erleichtert werden», forderte
Innenminister Uwe Schünemann (CDU) in Hannover. Derzeit dürfen
Nicht-EU-Ausländer in Deutschland nur dann eine Arbeit aufnehmen,
wenn ihr Monatsgehalt wenigstens 7145 Euro beträgt.
Schünemann will dies bis auf 3562,50 Euro senken.
Zwar dämpfte Müntefering die Erwartungen an den deutschen
Vorsitz. EU-Arbeitskommissar Vladimir Spidla schloss einen
gesetzgeberischen Stillstand in Europa aber aus: «Es wird kein
Moratorium für ein soziales Europa geben.» So gebe es
große Zustimmung zur Absicht der EU-Kommission, gegen die
Schwarzarbeit vorzugehen. Die EU-Staaten wollten auch dafür
eintreten, dass unbefristete Arbeitsverhältnisse die Norm sind und
bleiben. «Wir wollen, dass die Menschen ordentliche
Arbeitsverträge haben», bekräftigte Müntefering.
Der österreichische Sozialminister Erwin Buchinger sagte:
«Europa braucht mehr an Sozialem und mehr an
Beschäftigung.» Er befürworte neue Regeln, die dies
bewirkten. Italiens Ressortchef Cesare Damiano äußerte sich
ähnlich. Der spanische Arbeits- und Sozialminister Jesús
Caldera begrüßte die Absicht des deutschen Vorsitzes, das
soziale Europa zu betonen. Caldera bezweifelte aber, dass Deutschland
auch entsprechende Regeln anstrebt. Müntefering sprach sich
dafür aus, auf EU-Ebene gemeinsame Ziele zu formulieren, die dann
von den Mitgliedstaaten eigenverantwortlich umgesetzt werden.
(Quelle: dpa)
Klimawandel: UN warnen vor versiegendem Golfstrom
So.21.01.07 - Die Vereinten Nationen (UN) warnen laut einem Zeitungsbericht in ihrem
für Februar angekündigten Klimabericht vor den Folgen eines
versiegenden Golfstromes. Wie die «Welt am Sonntag»
berichtet, nehmen die UN dazu Erkenntnisse des Hamburger
Max-Planck-Instituts für Meteorologie in den Bericht des
«Zwischenstaatlichen Ausschusses für
Klimaänderungen» auf. Demnach wird der das Klima in
Nordeuropa maßgeblich bestimmende warme Golfstrom bis zum Jahr
2100 deutlich erlahmen, was für einzelne Staaten massive
Konsequenzen haben wird.
Die neuen Studien zur Ozeanzirkulation trügen erheblich dazu bei,
den Wandel des Klimas zu verstehen, schreibt die Zeitung. Allerdings
werde es in Nordeuropa durch die reduzierte Kraft des Golfstromes nicht
kälter, sondern eher wärmer. Der Direktor am Hamburger
Max-Planck-Institut, Jochem Marotzke, erklärte dies mit zwei
widerstreitenden Effekten: «In Europa überlappen sich die
Abkühlung durch die nachlassende Ozeanzirkulation und die durch
den Ausstoß von Treibhausgasen hervorgerufene Erwärmung der
Atmosphäre. Am Ende gewinnt die Erwärmung in einem
Verhältnis von drei zu eins.»
Die Klimamodelle der Max-Planck-Forscher, die zu den besten der Welt
zählen, haben demnach zum einen berechnet, wie kalt es in Europa
würde, wenn der Golfstrom um 30 Prozent zurückginge, andere
Klimadaten aber gleich blieben. «Das würde im Schnitt eine
Abkühlung um ein Grad bedeuten», sagte Marotzke.
Tatsächlich aber sei in Deutschland bis zum Jahr 2100 mit einer
durchschnittlichen Erwärmung um drei Grad Celsius zu rechnen.
Man erwarte, dass es 2080 im Sommer kein Meereis mehr in der Arktis
geben werde, wisse aber nicht, was im Winter passiere werde. sagte
Marotzke. Da das Versiegen des Golfstroms bisher kein Thema gewesen
sei, fehlten entsprechende Forschungen. Heute würden etwa die
norwegischen Häfen durch warme Ozeanströmungen im Winter
eisfrei gehalten. Wenn die warmen Strömungen ausblieben, dann
könnten die Häfen über den gesamten Winter zufrieren.
«Die Folgen für die norwegische Wirtschaft sind nicht
auszudenken», sagt der Wissenschaftler. «Das Risiko
besteht. Wir müssen es untersuchen.»
Im deutschen Bundesumweltministerium werden die Erkenntnisse aus
Hamburg mit Sorge aufgenommen. «Das ist ein weiteres, sehr ernst
zu nehmendes Symptom des umfassenden Klimawandels», sagt der
parlamentarische Staatssekretär Michael Müller. Angesichts
dieser Forschungsergebnisse müsse auch dem letzten Politiker klar
werden, dass Klimaschutz jeden angehe. «Wir müssen da alle
Bereiche der Wirtschaft, der Energieerzeugung und des Energieverbrauchs
mit einbeziehen», sagte Müller.
(Quelle: ap)
Greenpeace will Plan zur Rettung des Weltklimas vorlegen
So.21.01.07 - Die Umweltorganisation Greenpeace und der Dachverband der
Europäischen Erneuerbaren-Energien-Industrie (Erec)
präsentieren einen globalen Masterplan zur Abwendung des drohenden
Klimawandels. Das Weltklima sei noch zu retten, wenn Politik und
Wirtschaft sofort handelten, heißt es nach einem Bericht des
Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" in der 100 Seiten starken
Machbarkeitsstudie "Energy (R)evolution". Demnach könnte durch
Energiesparmaßnahmen sowie die verstärkte Nutzung von Wind-,
Wasser- und Sonnenkraft der Ausstoß von Treibhausgasen bis 2050
halbiert werden.
Auf diese Weise könne es noch gelingen, die Erderwärmung auf
einen Anstieg um zwei Grad zu begrenzen. Die Studie wurde dem Bericht
zufolge vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt sowie von elf
internationalen Forschungsinstituten erarbeitet. Sie soll am Donnerstag
in Brüssel vorgestellt werden.
"Deutschland als Weltmarktführer bei Wind- und Solartechnik
würde besonders profitieren", sagte dazu Sven Teske von Greenpeace.
"Die Milliardensubventionen für Kohle und Atomkraft gehören
allerdings sofort gestrichen." Ohne eine Energiewende drohe eine
Erwärmung der Erde bis 2050 um bis zu 5,8 Grad, berichtet der
"Spiegel" unter Berufung auf Berechnungen des UN-Ausschusses für
Klimaveränderungen (IPCC). Das sei "ein Temperaturanstieg mit
katastrophalen Folgen."
Die Greenpeace-Erec-Studie kalkuliert eine Bevölkerungszunahme von
derzeit 6,3 Milliarden auf 8,9 Milliarden Menschen sowie gängige
Wirtschaftsprognosen mit ein. Der IPCC-Vorsitzende Rajendra Pachauri
lobte die neue Studie laut "Spiegel" als "gut recherchierte" und
"stimulierende" Analyse.
(Quelle: afp)
Deutschlands Kanzlerin Merkel erhebt Klimaschutz zur
Überlebensfrage
So.21.01.07 - Wenige Tage vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos hat Bundeskanzlerin
Angela Merkel den Klimaschutz zur Überlebensfrage erhoben. In ihrem
wöchentlichen Podcast sagte Merkel am Samstag, es müsse
verhindert werden, «dass sich die Erdtemperatur um mehr als zwei
Grad Celsius erwärmt». Europa könne in dieser Frage
Vorreiter sein.
Merkel will in Davos die Ziele des deutschen G-8-Vorsitzes
erläutern. Schwerpunkte seien die Themen Globalisierung, Afrika,
Klimawandel und Schutz des geistigen Eigentums. «Die Frage des
Klimawandels ist eine Überlebensfrage, und deshalb wollen wir
versuchen, auf diesem Gebiet internationale Verpflichtungen zu Stande zu
bringen», sagte die Kanzlerin. Europa allein werde auch als
Vorreiter nicht verhindern können, dass sich die Erdtemperatur um
mehr als zwei Grad Celsius erwärmt. Denn 85 Prozent der
Treibhausgase würden außerhalb Europas ausgestoßen.
Merkel trat außerdem dafür ein, bessere Lebensbedingungen
auf dem Nachbarkontinent Afrika zu schaffen. Nur so könnten die
Flüchtlingsströme eingedämmt werden. Sie bekannte sich
auch zu dem Ziel, die Globalisierung menschlich zu gestalten.
(Quelle: ap)
Verdi-Vorsitzender Bsirske: 2007 muss zum Jahr der Lohnerhöhungen
werden
So.21.01.07 - Der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Bsirske,
hat sich für deutliche Lohnerhöhungen in allen Branchen
ausgesprochen. "2007 muss zum Jahr der Lohnerhöhungen für alle
werden", schrieb Bsirske in einem Gastbeitrag für die "Bild am
Sonntag". Zwar redeten alle vom Aufschwung, "bislang aber gab es nur
einen Aufschwung der Gewinne von Aktionären und Managern, die das
Geld gleich säckeweise heim schleppen". SPD-Generalsekretär
Hubertus Heil stellte sich hinter die Forderungen der Gewerkschaften
nach höheren Lohnabschlüssen.
Bsirske verwies darauf, dass Gewinn- und Vermögenseinkommen seit
dem Jahr 2000 um 40 Prozent zugelegt hätten, sechs mal mehr als die
Einkommen der Arbeitnehmer. "Diese Ungerechtigkeit schreit zum Himmel
und ruiniert den Aufschwung", schrieb der Gewerkschaftschef. Er
bekräftigte zugleich die Forderung nach einem gesetzlichen
Mindestlohn von 7,50 Euro für alle Branchen. "Der Lohn muss
mindestens reichen, um Miete zu zahlen und genug zum Leben zu haben."
Bsirske verwies darauf, dass der Mindestlohn in Frankreich 8,27 Euro
beträgt und in England umgerechnet 7,96 Euro.
Unterstützung bekamen die Gewerkschaften von
SPD-Generalsekretär Heil. Er halte es für richtig, "dass die
Gewerkschaften auch einen gerechten Anteil für die Arbeitnehmer
fordern", sagte Heil der "Financial Times Deutschland". Er
begründete dies damit, dass sich die Tarifpolitik an der
Produktivität orientieren solle, die in vielen Bereichen der
Wirtschaft gewachsen sei.
Der Vorsitzende der Gewerkschaft IG BAU, Klaus Wiesehügel,
verteidigte die Forderung seiner Gewerkschaft nach 5,5 Prozent mehr Lohn
und Gehalt. Die Situation in der Baubranche habe sich im Vergleich zu
den vergangenen Krisenjahren "völlig gewandelt", sagte
Wiesehügel im Deutschlandradio Kultur. Mit der niedrigen
Lohnerhöhung 2006 hätten die Arbeitgeber "sich wirklich
sanieren können."
(Quelle: afp)
Im Kohlebergbau drohen angeblich Massenentlassungen
So.21.01.07 - Die Diskussion um die Zukunft des subventionierten Steinkohlebergbaus
in Deutschland ist neu entbrannt. Einem Magazinbericht zufolge drohen
in der Branche Massenentlassungen. Wie der «Spiegel» am
Samstag berichtete, gibt es bei der Deutschen Steinkohle AG (DSK) ein
Finanzloch von 163 Millionen Euro. Um diesen Betrag überstiegen
die Kosten die bewilligten Subventionen. Bundeswirtschaftsminister
Michael Glos mahnte zu Gelassenheit, die SPD forderte ein Festhalten an
den staatlichen Subventionen.
Wenn das Defizit nicht ausgeglichen werde, müsse noch vor
Jahresende ein Bergwerk geschlossen werden, was die Entlassung von
maximal 3.000 Mitarbeitern zur Folge hätte, berichtete das
Nachrichtenmagazin unter Berufung auf Äußerungen von
DSK-Vorstandschef Bernd Tönjes. Laut eines internen Vermerks aus
dem Bundesfinanzministerium müsse der Bund die Subventionen bis
2012 sogar um 2,5 Milliarden Euro aufstocken, um betriebsbedingte
Kündigungen zu vermeiden, hieß es in dem Bericht weiter.
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos mahnte zu Gelassenheit: Die
DSK-Muttergesellschaft RAG hafte für ihre Tochter, und die RAG sei
nach wie vor «sehr liquide», sagte der CSU-Politiker in der
ARD-»Tagesschau».
Bundesarbeitsminister Franz Müntefering sprach sich in derselben
Sendung für eine Fortdauer der Subventionen aus. Es könne
durchaus sein, dass Steinkohle angesichts knappen Öls und
begrenzter Gasreserven wieder eine größere Bedeutung bekomme
und sie unter dem Aspekt der Energiesicherheit gut zu gebrauchen sei,
sagte der SPD-Politiker. Die neue nordrhein-westfälische
SPD-Vorsitzende Hannelore Kraft hatte sich zuvor für die
Beibehaltung eines subventionierten Sockelbergbaus der heimischen
Steinkohle ausgesprochen.
(Quelle: ap)
Machtkampf um CSU-Parteivorsitz - Seehofer greift Huber und Beckstein an
So.21.01.07 - Im Machtkampf um den CSU-Parteivorsitz hat
Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer das Vorgehen seiner
parteiinternen Rivalen Günther Beckstein und Erwin Huber scharf
kritisiert. Er sei immerhin stellvertretender Parteivorsitzender und
habe trotzdem aus den Nachrichtenagenturen entnehmen müssen, dass
sich Innenminister Beckstein und Wirtschaftsminister Huber in Kreuth
über das Erbe Edmund Stoibers verständigt hätten, sagte
Seehofer dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Wenn das so weitergehe,
"taucht schon die Frage auf, ob sich eine Partei das auf Dauer gefallen
lassen sollte".
Beckstein gilt als wahrscheinlicher Nachfolger Stoibers als
Ministerpräsident. Auf das Amt des Parteichefs meldeten sowohl
Huber als auch Seehofer Ansprüche an. Seehofer griff vor allem
Beckstein an, der ihn zu einem Verzicht auf eine Kandidatur
gedrängt hatte. Es sei schon ein "eigenartiger Vorgang", wenn
Günther Beckstein ihn dazu dränge, ohne dass er "zuvor mit mir
gesprochen" habe. "Das ist kein guter Stil." Seehofer bekräftigte
seine Absicht, auf dem nächsten CSU-Parteitag notfalls in einer
Kampfkandidatur gegen Huber anzutreten.
Auch Huber erneuerte seinen Anspruch auf den Parteivorsitz und sieht
sich als den besseren Kandidaten für dieses Amt. Er könne in
der jetzigen Situation die CSU-Reihen schließen und die Partei
für die neuen Herausforderungen motivieren, sagte Huber der "Bild
am Sonntag". Er traue sich zu, "die CSU in Einigkeit und Geschlossenheit
zusammen mit Günther Beckstein in eine erfolgreiche Zukunft zu
führen."
Huber sprach sich gegen eine Übergabe des
Ministerpräsidentenamtes an seinen Parteikollegen Günther
Beckstein schon vor der Neuwahl des CSU-Parteivorsitzes ausgesprochen.
"Edmund Stoiber hat in einer souveränen Entscheidung seinen
Rücktritt von beiden Ämtern für den 30. September 2007
angekündigt. Und diese seine Entscheidung sollte man respektieren",
sagte Huber.
Gegenüber Seehofer als seinem Konkurrenten um das Amt des
CSU-Parteichefs schlug Huber versöhnliche Töne an. "Dass Horst
Seehofer ein hochkompetenter Politiker ist, der zum engsten
Führungszirkel der CSU gehört und auch in der Zukunft
gehören wird, das ist für mich selbstverständlich", sagte
Huber der "Passauer Neuen Presse". Er hoffe, dass Seehofer im Fall
seiner Wahl zum CSU-Chef stellvertretender Parteivorsitzender bleibe.
(Quelle: afp)