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Irak am neunhundertsiebenunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Verstärkung der US-Truppen in Bagdad. Wieder zahlreiche Tote und
Verletzte bei Anschlägen im Irak. Irakische Polizei hält drei
Iraner fest. Schiitenführer Sadr will sich wieder an Iraks
Regierung beteiligen
Mo.22.01.07 - Knapp zwei Wochen nach der von US-Präsident George W. Bush
angekündigten Truppenverstärkung sind zusätzliche
US-Soldaten in der irakischen Hauptstadt Bagdad eingetroffen. Die rund
3.200 Mann der 82. Luftlandedivision sollen Anfang Februar
einsatzbereit sein, wie die amerikanischen Streitkräfte am Sonntag
mitteilten. Mit dem Tod von mindestens 25 Soldaten war der Samstag der
verlustreichste Tag für die US-Truppen im Irak seit zwei Jahren.
Allein zwölf Soldaten kamen beim Absturz eines Hubschraubers in
der Provinz Dijala ums Leben. Die Absturzursache sei unklar, teilte
eine Sprecherin der US-Streitkräfte mit. Ein Marinesprecher in den
Vereinigten Arabischen Emiraten, Frank Pascual, sagte dem Sender Al
Arabija, der Helikopter habe offenbar technische Schwierigkeiten
gehabt. Fünf US-Soldaten wurden bei einem Angriff von Milizen in
der Stadt Kerbela getötet, weitere fünf bei Kämpfen in
der Provinz Anbar. Drei weitere Soldaten kamen anderenorts ums Leben.
Bush kündigte in der vergangenen Woche die Entsendung von 21.500
zusätzlichen Soldaten an. Die zunächst 3.200 in Bagdad
eingetroffenen Soldaten sollen gemeinsam mit den irakischen
Sicherheitskräften die Gewalt eindämmen.
Bei einem Bombenanschlag auf einen Kleinbus in Bagdad wurden am Sonntag
nach Polizeiangaben sieben Fahrgäste getötet und 15 verletzt.
Das Fahrzeug war in dem überwiegend schiitischen Stadtteil
Karradah unterwegs. Kurz danach kam ein Mensch bei der Explosion einer
Autobombe im Osten der Hauptstadt ums Leben. Im südirakischen
Basra wurde am Sonntag ein Anschlag auf eine britische
Militärpatrouille verübt. Dabei kam nach britischen Angaben
ein Soldat ums Leben, vier wurden verletzt.
Am Samstag tötete eine Eliteeinheit der irakischen Polizei in
Bagdad 15 mutmaßliche Aufständische und nahm fünf
weitere fest. Die Razzia im Stadtteil Dora richtete sich gegen eine
militante sunnitische Gruppierung namens Omar-Brigade, wie ein Sprecher
des Innenministeriums mitteilte.
Die irakische Polizei hat am Sonntag in Mossul drei Iraner
festgehalten. Ein Sprecher erklärte, sie seien am Vortag ohne
Pässe mit einem kurdischen Fahrer unterwegs gewesen. Die
Männer gaben den Angaben zufolge an, sie hätten die Erlaubnis
gehabt, in der von den Kurden kontrollierten Region im Norden des Landes
zu reisen, und seien irrtümlich in das Stadtgebiet von Mossul
geraten.
Dem irakischen Außenministerium war der Vorfall zunächst
nicht bekannt. Vor gut einer Woche sorgte die Festnahme von fünf
Iraner bei einer US-Razzia für Spannungen. Die Männer waren in
einem iranischen Regierungsgebäude in der nordirakischen Stadt
Erbil festgesetzt worden. Der stellvertretende iranische UN-Botschafter
Mehdi Danesch Jasdi forderte am Freitag in einem Brief an
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eine entschiedene Reaktion der
Vereinten Nationen. Das amerikanische Vorgehen sei eine eklatante
Verletzung des Völkerrechts und diplomatischer Konventionen.
Die fünf Festgenommenen erledigten nach Darstellung von Teheran
Konsulararbeiten im Irak. Die Amerikaner erklärten hingegen, die
Festgenommenen stünden in Verbindung zur Kuds-Fraktion der
iranischen Revolutionsgarden, die Extremisten im Irak mit Geld und
Waffen unterstütze.
Die Bewegung des radikalen Schiitenführers Moktada Sadr will sich
offenbar wieder am politischen Prozess im Irak beteiligen. Die
Schiitenbewegung wolle ihren seit Ende November andauernden Boykott der
Regierungsbeteiligung aufgeben, erklärte der Abgeordnete Saleh
Hassan Issa el Ogaili, ein Mitglied der Bewegung Sadrs. Mit dem
Parlament sei eine Übereinkunft unterzeichnet worden, wonach ein
Terminplan zum Abzug der US-Truppen erörtert werden solle. Die
Bewegung habe ferner verlangt, an der Entscheidung über die
Aufstellung irakischer Sicherheitskräfte künftig beteiligt zu
werden. Zudem solle die Regierung nicht mehr über eine
Verlängerung des Mandats der US-geführten Koalitionstruppen
entscheiden, ohne dem Parlament darüber Bericht zu erstatten. Die
Bewegung bezeichnet die Koalitionstruppen als Besatzer.
US-Außenministerin Condoleezza Rice hat nach eigener Auffassung
in Berlin «breite Unterstützung» für die neue
Irak-Strategie Bushs gefunden. «Ich empfand die deutsche
Regierung als ziemlich verständnisvoll für das, was wir zu
tun versuchen», sagte Rice dem «Spiegel». Die USA
wollten den Konflikt im Irak nicht mit Militäraktionen gegen den
Iran verschärfen: «Wir wollen keine Eskalation.» Rice
hatte im Anschluss an ihre Nahost-Reise vergangene Woche
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter
Steinmeier unterrichtet.
(Quellen: afp, rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 22.01.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertdreiundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.22.01.06 - Siegreiche Schiitenpartei will Wahlergebnis anfechten +++
Einheitliche Verwaltung für Kurdenregion im Nordirak beschlossen +++
Vier Tote bei Autobombenexplosion auf Markt bei Bagdad +++ Irakischer
Minister setzt sich für entführte Journalistin ein...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0601220.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Nahost-Konflikt
Schwierige Annäherung von Fatah und Hamas. Islamischer Dschihad
greift Israel mit Raketen an
Mo.22.01.07 - Die beiden großen Parteien der Palästinenser haben am
Wochenende noch keinen Durchbruch bei ihren Bemühungen um eine
gemeinsame Regierung erzielt. Präsident Mahmud Abbas von der
säkularen Fatah reiste am Samstag nach Damaskus, um ein
Bündnis mit der islamisch-fundamentalistischen Hamas zu
vereinbaren. Das geplante Spitzentreffen mit Hamas-Führer Chaled
Maschaal kam aber am Sonntag zunächst nicht zustande.
Der stellvertretende Leiter des Hamas-Politbüros, Mussa Abu
Marsuk, machte «externe Faktoren» für das Scheitern
verantwortlich. Er deutete damit an, dass Abbas unter politischen Druck
der USA und Israels geraten sein könnte. Die Hamas wollte sich
ihrerseits nicht der Forderung beugen, dass die neue Regierung das
Existenzrecht Israels und die früheren Vereinbarungen zwischen
Israelis und Palästinensern anerkennen müsse.
Während die Hamas einem Treffen am Sonntagmittag kaum noch eine
Chance gab, zeigte sich die Delegation von Abbas optimistisch. Nach
einer Unterredung mit dem syrischen Vizepräsidenten Faruk al
Scharaa sagte der Abbas-Berater Sajeb Erakat, die Begegnung werde am
Sonntagabend stattfinden. Al Scharaa kam zuvor auch mit Maschaal
zusammen. Die syrische Regierung übernahm offenbar ebenso eine
Vermittlerrolle zwischen Hamas und Fatah wie die Demokratische Front
für die Befreiung Palästinas (DFLP) und der Islamische
Dschihad.
Die schon seit Monaten geplante Regierung der nationalen Einheit soll
den Machtkampf zwischen der Fatah und der Hamas beenden, die seit
vergangenem Jahr die Regierung stellt. Bei Kämpfen zwischen
Anhängern beider Seiten kamen mindestens 62 Menschen ums Leben.
Trotz eines seit zwei Monaten bestehenden Waffenstillstands ist Israel
am Sonntag erneut unter Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen geraten.
Der Islamische Dschihad sprach von Vergeltung für fortgesetzte
Militäraktionen gegen diese Organisation. Ein israelischer
Militärsprecher teilte mit, mehrere Geschosse seien auf einem
freien Feld eingeschlagen, ohne Schaden anzurichten.
(Quelle: ap)
WFP: 800.000 Menschen in Burundi von Hunger bedroht
Mo.22.01.07 - Ohne zusätzliche Lebensmittelhilfen sind im zentralafrikanischen
Burundi laut dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen
(WFP) etwa 800.000 Menschen von Hunger bedroht. Aufgrund schwerer
Regenfälle und Überschwemmungen in den vergangenen Wochen
bestehe für die kommenden sechs Monate das Risiko einer ernsten
Ernährungskrise, sagte der WFP-Sprecher für Burundi, Guillaume
Folliot, am Samstag in der Hauptstadt Bujumbura. Die
witterungsbedingten Ernteverluste bei Bohnen, Kartoffeln,
Süßkartoffeln, Mais, Sorghum und Reis würden auf 50 bis
80 Prozent geschätzt. In bestimmten Regionen sei die Lage bereits
"dramatisch".
(Quelle: afp)
Ultranationalisten nach Parlamentswahl in Serbien vorn
Mo.22.01.07 - Aus der Parlamentswahl am Sonntag in Serbien sind die
Ultranationalisten wieder als stärkste Partei hervorgegangen. Sie
errangen aber nicht genug Stimmen, um alleine regieren zu können,
wie das unabhängige Meinungsforschungsinstitut CESID auf Basis
seiner Recherchen in Wahllokalen mitteilte. Die Serbische Radikale
Partei (SRS) von Tomislav Nikolic, die in den 90er Jahren während
der Herrschaft von Slobodan Milosevic an der Regierung beteiligt war,
kam auf rund 29 Prozent der Stimmen.
Die reformorientierte und prowestliche Demokratische Partei (DS) von
Staatspräsident Boris Tadic erzielte demnach 23 Prozent. Den
dritten Platz belegte mit 17 Prozent die zurzeit noch regierende
zentristische Koalition unter Führung der Demokratischen Partei
Serbiens (DSS) von Ministerpräsident Vojislav Kostunica. Die eher
westlich orientierten Gruppen könnten damit die Regierung bilden,
die Meinungsunterschiede sind aber groß.
Ein Streitpunkt ist der Posten des Ministerpräsidenten. Kostunica
beansprucht dieses Amt auch weiterhin für sich, während die
DS in einer Koalition ebenfalls den Regierungschef stellen will. Sollte
die Regierungsbildung nicht binnen drei Monaten nach der Abstimmung
abgeschlossen sein, findet eine Neuwahl statt. Damit rechnet aber auch
Nikolic offenbar nicht. «Die Serbische Radikale Partei ist der
Gewinner, aber wir werden keine Gelegenheit haben, die Regierung zu
bilden», erklärte er.
Es war die erste Wahl seit der Abtrennung der Republik Montenegro im
vergangenen Jahr. Mehr als 6,6 Millionen Serben waren zur Wahl
aufgerufen. Bis eine Stunde vor Schließung der Wahllokale gaben
51,5 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab.
Im Wahlkampf ging es vor allem um die Zukunft des Kosovos und um die
Beziehungen zur Europäischen Union. Das Kosovo gilt den Serben als
historisches Herz des Landes, während die dortige albanische
Bevölkerungsmehrheit die Unabhängigkeit fordert. «Wir
werden gewinnen und sicherstellen, dass das Kosovo Teil Serbiens
bleibt», sagte Nikolic nach der Stimmabgabe.
Seit dem Krieg der NATO von 1999 steht die Provinz unter
internationaler Verwaltung. Nach der Wahl wollte der UN-Sondergesandte
für das Kosovo, Martti Ahtisaari, eine Empfehlung über den
künftigen Status des Gebietes abgeben.
Die Abstimmung dürfte auch darüber entschieden haben, wie die
künftige Regierung mit der internationalen Forderung nach einer
Verhaftung von Ratko Mladic umgehen wird - der ehemalige General der
bosnischen Serben ist vom UN-Tribunal in Den Haag wegen
Kriegsverbrechen angeklagt. Außerdem ist Serbien mit anhaltenden
Wirtschaftsproblemen konfrontiert. Die Arbeitslosigkeit beträgt
etwa 31 Prozent, der monatliche Durchschnittslohn liegt bei 250 Euro.
(Quelle: ap)
EU fordert laut Zeitung von Deutschland mehr Sparanstrengungen
Mo.22.01.07 - Die EU-Kommission fordert offenbar von der deutschen Bundesregierung
einen schärferen Sparkurs. EU-Währungskommissar Joaquin
Almunia forderte die Regierung zu verstärkten Anstrengungen auf,
den Haushalt mittelfristig zu konsolidieren, wie das
«Handelsblatt» am Montag berichtete. Vor allem für das
Jahr 2008 fehle es in Berlin an Sparwillen, heißt es demnach in
einem Papier Almunias. Der Kommissar wolle sich an diesem Montag in
Brüssel öffentlich zur Finanzplanung Berlins
äußern.
Ein Sprecher des deutschen Bundesfinanzministeriums wies Almunias
Kritik zurück. Man verzichte 2008 auf zusätzliche
Sparanstrengungen, weil dadurch die positiven Effekte der
Unternehmensteuerreform konterkariert würden, wurde er zitiert.
Die EU-Kommission habe bei der Bewertung des deutschen
Stabilitätsprogramms für die Jahre 2006 bis 2010 eine zu
schematische Sichtweise.
(Quelle: ap)
Debatte um EU-Verfassungsvertrag
Mo.22.01.07 - Die angestrebte EU-Verfassung bleibt in der Europäischen Union
weiter umstritten. Großbritanniens Außenministerin Margaret
Beckett wandte sich am Wochenende dagegen, in der Verfassung eine
Voraussetzung für neuerliche EU-Erweiterungen zu sehen. Zugleich
formulierten Spitzenvertreter von Politik, Kirchen und Gewerkschaften
unterschiedliche Erwartungen an die Verfassung.
Beckett widersprach der Auffassung von Bundeskanzlerin Angela Merkel
(CDU), eine EU-Erweiterung sei nur noch möglich, wenn sich die
Europäische Union eine Verfassung gebe.Großbritannien teile
«diese Ansicht ganz und gar nicht», sagte sie. «Wir
haben nie akzeptiert, dass es eine automatische Verbindung zwischen
struktureller Veränderung und Erweiterung geben muss»,
fügte Beckett hinzu.
Merkel hatte am Mittwoch in ihrer Antrittsrede als EU-Ratsvorsitzende
vor dem Europaparlament vor einem endgültigen Aus für die
EU-Verfassung gewarnt. Mit den heutigen Regeln könne die EU weder
erweitert werden, noch sei sie zu notwendigen Entscheidungen fähig.
Der Vorsitzende der IG Bauen-Agrar-Umwelt, Klaus Wiesehügel,
kritisierte mit Blick auf die deutsche EU-Ratspräsidentschaft das
von Merkel vorgestellte Programm. Darin seien die sozialen Elemente
«zu gering», bemängelte Wiesehügel. In ihrer Rede
zur EU-Verfassung habe Merkel es versäumt, eine deutliche Botschaft
zu senden. Es sei auch ein soziales Europa und nicht nur ein Europa der
Märkte notwendig. Wer eine Verfassung wolle, müsse auch etwas
für die Menschen hineinschreiben. Diese Chance habe Merkel
«völlig versiebt», bemängelte Wiesehügel,
der auch Präsident des Internationalen Bundes der Bauarbeiter ist.
Alt-Bundespräsident Roman Herzog mahnte derweil eine «klare
Kompetenzabgrenzung zwischen Europa und den Nationalstaaten» an.
«Ansonsten könnte ich einer Verfassung nicht
zustimmen», sagte er.
Merkel selbst beklagte unterdessen einen mangelnden Bezug auf Gott in
der Präambel des Verfassungstextes. Sie hätte sich «ein
klareres Bekenntnis zu den christlichen Wurzeln gewünscht»,
sagte sie und verwies auf das «klare Bekenntnis» des
Grundgesetzes zur «Verantwortung vor Gott und den Menschen».
Wenn dieses fehle, sei zweifelhaft, ob «das Prägende des
Christentums für die alltägliche Politik aufrecht
erhalten» bleibe.
«Europa muss sich mit dieser Frage weiter
beschäftigen», mahnte die Kanzlerin. Der Vorsitzende der
katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, sagte,
wenn in der Präambel doch noch deutlich werde, «dass auch
Religion mit der zugehörigen Kultur zu den entscheidenden
Fundamenten Europas» gehöre, sei «für den Anfang
viel gewonnen».
Merkel betonte unter Hinweis auf jüdische, christliche und
muslimische Beiträge zur abendländischen Kulturgeschichte
zugleich, Europa sei «kein Christenclub», sondern eher
«ein Werteclub». Für diese Werte müsse Europa
allerdings «bereit sein zu kämpfen», sagte sie und
fügte hinzu: «Wir werden keinesfalls Positionen akzeptieren,
die Würde des Menschen sei antastbar oder Mann und Frau
müssten unterschiedliche Entfaltungsmöglichkeiten haben».
(Quelle: ddp)
Keine Einigung im Machtkampf um CSU-Spitze in Sicht
Mo.22.01.07 - Im CSU-internen Machtkampf um den künftigen Parteivorsitz ist
vorerst keine Einigung in Sicht. Der scheidende Parteichef Edmund
Stoiber und sein Stellvertreter Horst Seehofer äußerten zwar
nach einem Treffen am Sonntagabend in München beide die Hoffnung
auf eine einvernehmliche Lösung. Seehofer bekräftigte aber
gleichzeitig seinen Anspruch auf eine Kandidatur. Neben dem
Bundeslandwirtschaftsminister bewirbt sich auch der bayerische
Wirtschaftsminister Erwin Huber für das Amt.
Huber erneuerte ein Gesprächsangebot an seinen Kontrahenten. Er
biete Partnerschaft und Zusammenarbeit an, und sei jederzeit zu einem
Gespräch mit Seehofer bereit, sagte er im ZDF. Stoiber
äußerte die Hoffnung, dass aus dem sich abzeichnenden
Gegeneinander von Seehofer und Huber ein Miteinander werde. Das Problem
könne binnen einer Wochen gelöst sein, spätestens in
drei Wochen. Auch Seehofer sagte laut «Münchner
Merkur», dass man eine einvernehmliche Lösung anstrebe.
Seehofer hatte Huber sowie dem designierten Ministerpräsidenten
Günther Beckstein vorgeworfen, die Stoiber-Nachfolge quasi
«im Hinterzimmer» unter sich aufgeteilt zu haben. Huber
wies dies zurück und erklärte, es handele sich nicht um
Kungelei, sondern um einen ganz normalen demokratischen
Willensbildungsprozess.
Bestärkt fühlen dürfte sich Seehofer durch eine
Infratest-Umfrage für die ARD, wonach 39 Prozent der Bayern und
sogar 41 Prozent der CSU-Anhänger ihn als Parteichef bevorzugen.
Huber kam nur auf 23 Prozent bei allen Befragten und 30 Prozent bei den
CSU-Wählern. Huber zeigte sich über die Umfrage nicht
beunruhigt und erklärte, Seehofer habe als Bundespolitiker einen
höheren Bekanntheitsgrad.
(Quelle: ap)
DGB-Chef Sommer fordert von Politik Schritte gegen Armutslöhne
Mo.22.01.07 - Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer hat die Bundesregierung ermahnt,
für faire Entlohnung im Niedriglohnbereich zu sorgen. «Das
Problem drängt. Es geht um Menschen, die heute schlecht bezahlt
werden, die heute mit Armutslöhnen abgespeist werden», sagte
Sommer in einem Interview der Nachrichtenagentur AP. Er forderte
Arbeitsminister Franz Müntefering auf, umgehend Vorschläge
vorzulegen. «Wir werden die Politik daran messen», sagte
Sommer.
Zugleich bekräftig er die Gewerkschaftsforderung nach einem
Mindestlohn von 7,50 Euro. «Unser Ziel bleibt ein einheitlicher
gesetzlicher Mindestlohn, der die Grenze nach unten deutlich
setzt», sagte der DGB-Chef. Mit 7,50 Euro liege Deutschland nicht
im europäischen Spitzenfeld, sondern im Mittelfeld. Er verwies
darauf, dass auch die OECD festgestellt habe, dass Mindestlöhne
nicht zum Abbau von Beschäftigung führten, sondern
Arbeitsplätze schaffen.
Auf dem Weg zu einem Mindestlohn müsse es zusätzliche
Schritte geben, verlangte Sommer. «Das sind die Ausweitung des
Entsendegesetzes auf alle Branchen und die Möglichkeit, bestehende
Tarifverträge für allgemein verbindlich zu
erklären.» Der DGB-Vorsitzende betonte aber: «Das sind
nicht ersatzweise, sondern sich ergänzende Schritte.» Sie
würden die Grundforderung nach einem einheitlichen Mindestlohn
nicht aufheben. Zu Tarifverträgen, die für die
Beschäftigten einen Stundenlohn von teilweise 4,50 Euro vorsehen,
sagte Sommer: «Wir mussten teilweise Abstriche in Kauf nehmen, um
überhaupt zu einer Regelung zu kommen.» Aber klar sei,
«dass wir von dieser Tarifhöhe wegmüssen».
(Quelle: ap)
Berlin bekommt Rudi-Dutschke-Straße
Mo.22.01.07 - Der Bürgerentscheid gegen die Umbenennung eines
Straßenabschnitts in Berlin-Kreuzberg in
Rudi-Dutschke-Straße ist gescheitert. In der Abstimmung am
Sonntag stimmten 57,1 Prozent gegen eine Rücknahme des
Umbenennungsbeschlusses des Bezirksamtes. Das geht aus dem am
Sonntagabend im Internet veröffentlichten vorläufigen
Ergebnis hervor. Für eine Rücknahme stimmten demnach
lediglich 42,9 Prozent.
An dem von der CDU initiierten Volksentscheid hatten sich 16,8 Prozent
der rund 180.000 Wahlberechtigten beteiligt. Damit wurde das Quorum von
mindestens 15 Prozent erfüllt und der Bürgerentscheid ist
gültig. Die Umbenennung eines Abschnitts der Koch-Straße
nach dem 1979 gestorbenen Studentenführer Rudi Dutschke war
politisch heftig umstritten.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/