Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak am neunhundertachtunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Mehr als 100 Tote bei Anschlägen. Bei Bagdad abgestürzter
US-Hubschrauber offenbar abgeschossen. USA melden Dutzende Festnahmen
bei Razzien gegen Milizen
Di.23.01.07 - Einen Tag vor der Rede von US-Präsident George W. Bush zur Lage
der Nation sind bei einer Anschlagserie im Irak mindestens 100 Menschen
ums Leben gekommen. Mindestens 88 Menschen wurden getötet und 160
weitere verletzt, als in der Nähe eines Marktes im Zentrum der
Hauptstadt Bagdad fast zeitgleich zwei Bomben detonierten. Bei einem
weiteren Doppelanschlag auf einem Markt in Chales, rund 80 Kilometer
nördlich von Bagdad, kamen mindestens zwölf Menschen ums
Leben; 40 Menschen wurden verletzt. Bush lehnte es erneut ab, einen
Zeitplan für einen Truppenabzug festzusetzen.
Anzeige
Die Autobomben explodierten am Mittag fast zeitgleich im Viertel Bab el
Scharki in der Nähe eines Flohmarkts. Ein Dutzend Autos ging in
Flammen auf. In der Ortschaft Chales in der Provinz Dijala detonierte
nach Angaben eines Polizisten eine Bombe, die in einem
Gemüsekarren versteckt war, inmitten einer Menge aus
Marktbesuchern. Etwa gleichzeitig wurde eine Mörsergranate
abgefeuert.
Der Doppelanschlag in Bagdad war der schlimmste Anschlag seit November,
als im Bagdader Schiitenviertel Sadr City mehr als 200 Menschen
getötet wurden. Am Dienstag vergangener Woche waren bei mehreren
Anschlägen in Bagdad insgesamt mehr als hundert Menschen
getötet worden. Für die US-Truppen im Irak war das vergangene
Wochenende mit 27 Toten eines der blutigsten seit Monaten.
Die neuerlichen Anschläge ereigneten sich einen Tag nach der
Ankunft von 3200 zusätzlichen US-Soldaten in Bagdad, die dort ab
Februar für mehr Sicherheit sorgen sollen.
Der am Samstag bei Bagdad abgestürzte US-Hubschrauber wurde
offenbar abgeschossen. Eine dem Terrornetzwerk Al Kaida nahe stehende
Gruppe irakischer Sunniten erklärte am Montag, sie sei für
den Absturz mit zwölf Toten verantwortlich. Den Löwen des
Islamischen Staats im Irak sei es gelungen, den Helikopter vom Typ
«Black Hawk» zu Fall zu bringen, hieß es auf einer
islamistischen Website. Eine unabhängige Bestätigung dieser
Angaben lag zunächst nicht vor.
Auch aus Militärkreisen in Washington hieß es am Montag, bei
den Ermittlungen vor Ort seien Indizien gefunden worden, die auf einen
Abschuss des Hubschraubers hindeuteten. So sei unter anderem ein Rohr
entdeckt worden, das von einer Schusswaffe für Raketen stammen
könnte. Der Helikopter stürzte am Samstag bei gutem Wetter in
der Provinz Dijala nordöstlich von Bagdad ab, wodurch zwölf
US-Soldaten in den Tod gerissen wurden.
Amerikanische und irakische haben in den vergangenen Wochen 16
schiitische Milizführer und 33 führende sunnitische
Aufständische festgenommen, wie das US-Militär am Montag
mitteilte. Seit dem 8. Dezember gab es demnach 52 Operationen gegen die
Mahdi-Miliz des radikalen Predigers Muktada al Sadr und 42
Einsätze gegen sunnitische Extremisten im gleichen Zeitraum.
Die Mahdi-Miliz wird für zahlreiche Angriffe in Bagdad
verantwortlich gemacht. Ministerpräsident Nuri al-Maliki wurde in
der Vergangenheit vorgeworfen, diese Miliz zu schützen. Die
Erklärung der US-Streitkräfte stand in Zusammenhang mit der
von der irakischen Regierung und US-Präsident George W. Bush
angekündigten Sicherheitsoffensive in Bagdad.
Islamische Geistliche riefen nach einer Konferenz in Katar alle Muslime
dazu auf, das Blutvergießen im Irak gemeinsam zu stoppen. Die 200
Teilnehmer aus 40 Ländern forderten nach dem Ende des
dreitägigen Treffens die Einrichtung eines globalen Forums, um den
Dialog zwischen Sunniten und Schiiten voranzubringen. Der prominente
sunnitische Geistliche Scheik Jussef al Karadawi appellierte an den
Iran, bei der Eindämmung der Gewalt gegen Sunniten im Irak zu
helfen.
Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad wies Vorwürfe
der Vereinigten Staaten, sein Land mische sich in irakische
Angelegenheiten ein, als lächerlich zurück. Er beschuldigte
die USA, sich nicht ausreichend um die Interessen der der Region zu
kümmern. Falls die dortigen Länder jedoch gemeinsam
handelten, könnten sie weitere Probleme vermeiden, zitierte das
staatliche Fernsehen den Präsidenten.
Für den heutigen Dienstag wird mit Spannung Bushs diesjährige
Rede zur Lage der Nation erwartet.
An Bushs Haltung entzündet sich auch in seiner eigenen Partei
zunehmend Kritik. Senatoren aus beiden Lagern wollen Bushs Rede zur
Lage der Nation im Kongress nutzen, eine Resolution gegen die
Verstärkung der US-Streitkräfte einzubringen. Auch wenn eine
solche Resolution nicht bindend wäre, sofern sie eine Mehrheit
findet, erhofften sich führende demokratische Senatoren von ihr
ein starkes Signal gegen Bushs Irak-Strategie.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 23.01.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertvierundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.23.01.06 - Bei Anschlägen und Angriffen kommen neun Menschen ums Leben. Unter
den Opfern vier Kinder eines irakischen Polizisten +++ US-Truppen
erschießen drei irakische Soldaten +++ Mindestens vier irakische
Polizisten bei Anschlag in Baakuba getötet...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0601230.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
|
Zwei Drittel der Amerikaner halten Regierungskurs für falsch
Di.23.01.07 - Kurz vor seiner Rede zur Lage der Nation steht US-Präsident George
W. Bush in Umfragen schlecht da. Zwei Drittel der Amerikaner halten den
von der Regierung eingeschlagenen politischen Kurs für falsch, wie
eine Meinungsumfrage der Nachrichtenagentur AP und AOL ergab. Ihren
Präsidenten betrachteten die Befragten zwar als entschlossen und
stark - aber nur 44 Prozent hielten ihn auch für ehrlich.
Die Befragten nannten die Gesundheitsfürsorge, die Wirtschaft und
die Lage im Irak als die für sie wichtigsten Themen. Bei allen drei
Themen trauten sie eher den Demokraten als Bushs Republikanern
Lösungen zu. Die neue Irak-Strategie der Regierung, die eine
Verstärkung der US-Truppen vorsieht, ist ungeliebt. So
unterstützten nur 31 Prozent diesen Vorschlag, 67 Prozent wandten
sich dagegen. 35 Prozent glauben, dass eine solche
Truppenverstärkung die Lage im Irak stabilisieren könnte, 63
Prozent hielten das für unwahrscheinlich.
Trotz der niedrigen Zustimmungsrate von 36 Prozent erklärten
dennoch 53 Prozent der befragten Amerikaner ihren Präsidenten
für sympathisch. 58 Prozent hielten ihn für entschlossen und
stark. Mehr als 83 Prozent gaben allerdings auch an, Bush sei stur.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
USA wollen Wiederaufbau Libanons mit weiteren Millionen
unterstützen. Israelischer Verteidigungsministers Perez: Auch
Hamas kann Friedenspartner sein. Treffen Abbas-Meschaal in Damaskus
ohne Durchbruch beendet
Di.23.01.07 - Die USA wollen den Wiederaufbau der im Libanon beim Krieg zwischen der
Hisbollah und Israel zerstörten Infrastruktur mit mehreren
Millionen Dollar unterstützen. Genaue Zahlen sollen auf der
Geberkonferenz am Donnerstag in Paris genannt werden, zu der auch
Außenministerin Condoleezza Rice nach Europa kommt. Die US-Hilfe
werde aber insgesamt über den 230 Millionen Dollar liegen, die die
USA im vergangenen Jahr zur Verfügung gestellt hätten,
hieß es in Washington. Das Geld muss noch vom Kongress bewilligt
werden. Der US-Beitrag soll unter anderem zum Wiederaufbau einer
Brücke der Schnellstraße zwischen Beirut und Damaskus
genutzt werden, die von der israelischen Luftwaffe zerstört wurde.
Der Sprecher des US-Außenministeriums, Sean McCormack,
erklärte am Montag, die Libanon-Konferenz werde zeigen, dass die
internationale Gemeinschaft die demokratisch gewählte Regierung
und das libanesische Volk unterstütze.
Die radikal-islamische Hamas-Bewegung kann nach den Worten des
israelischen Verteidigungsministers Amir Perez ein Friedenspartner in
Nahost sein. Bedingung sei allerdings eine Anerkennung des
Existenzrechts Israels.
Das erklärte Perez nach israelischen Medienberichten am Montag
während einer Ansprache auf einer Konferenz in Herzlia bei Tel
Aviv. Nach einem Spitzentreffen ihrer Führungen wollten die
rivalisierenden Palästinensergruppen Hamas und Fatah an diesem
Dienstag ihre seit zwei Monaten eingefrorenen Koalitionsverhandlungen
wieder aufnehmen.
«Jeder palästinensische Repräsentant, der Israel
anerkennt, ist für mich ein Partner, auch wenn es sich um Hamas
handelt», sagte Perez in Herzlia. Er erläuterte gleichzeitig
seinen Friedensplan für Nahost, den er - als Vorsitzender der
sozialdemokratischen Arbeitspartei - bereits vor zwei Wochen
vorgestellt hatte. Der internationale Nahost-Friedensplan (Road Map)
beantworte nicht alle Fragen, meinte Perez. Sein Plan verknüpft
die Road Map mit einer früheren Initiative Saudi-Arabiens. Die
Arbeitspartei wolle den Plan der Regierung vorlegen, sagte der
Verteidigungsminister. Die arabischen Staaten müssten Partner bei
der Verwirklichung eines solchen Plans sein, betonte er.
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und der Chef der
radikalislamischen Hamas, Chaled Meschaal, haben bei ihrem Gespräch
in Damaskus keinen Durchbruch erzielt. Sie hätten zwar
Fortschritte gemacht, aber keine Einigung über die Bildung einer
Regierung der nationalen Einheit erreicht, sagten die beiden nach ihrer
Zusammenkunft in der syrischen Hauptstadt. Die Gespräche
würden aber "in naher Zukunft" fortgesetzt, sagte Abbas. Der
Präsident bemüht sich seit Monaten um die Beteiligung seiner
gemäßigten Fatah-Bewegung an der Regierung in den
Palästinensergebieten.
Der Dialog sei der einzige Weg, die "politischen Differenzen"
beizulegen, sagte Meschaal, der in Syrien im Exil lebt. Von einem "Kampf
um die Macht" in den Palästinensergebieten könne nicht
gesprochen werden. Die Situation zwischen Fatah und der regierenden
Hamas ist seit der Ankündigung von Neuwahlen durch Abbas im
Dezember gespannt. Bei Auseinandersetzungen starben seitdem mehr als 30
Menschen, in den vergangenen Tagen beruhigte sich die Lage allerdings
wieder.
Abbas war am Wochenende zu seinem ersten Besuch seit Juli 2005 nach
Damaskus gereist. Er traf dort unter anderem mit dem syrischen
Präsidenten Baschar el Assad zusammen. Zu der geplanten Unterredung
mit Meschaal hatte es zunächst widersprüchliche Angaben
gegeben. Schließlich kam das Treffen doch noch zustande. In
Damaskus ist das Politbüro der Hamas angesiedelt, das Meschaal
leitet.
(Quellen: ap, afp, dpa)
Zunehmende religiöse Spannungen im Nahen Osten - Saudiarabischer
Geistlicher erklärt Schiiten zu Ungläubigen
Di.23.01.07 - Einer der führenden sunnitischen Geistlichen Saudi-Arabiens hat am
Montag die Schiiten zu Ungläubigen erklärt. Abdullah bin
Dschabrain rief die Sunniten auf der ganzen Welt auf, die Schiiten zu
vertreiben. Seine Erklärung galt vor allem als Zeichen für
die zunehmenden religiösen Spannungen im Nahen Osten. Vor ihm
hatten auch schon andere Vertreter der Wahabiten, die eine radikale
Richtung des sunnitischen Islams predigen, diese Ansichten
öffentlich vertreten.
Die Erklärung bin Dschabrains wurde auf einer islamistischen
Web-Site veröffentlicht. Er gehört einer Vereinigung von
Geistlichen an, die lose Beziehungen zur saudiarabischen Regierung
unterhalten. Erst im vergangenen Monat hatte ein anderer führender
saudiarabischer Geistlicher, Abdul Rahman al Barak, der enge
Beziehungen zur Königsfamilie unterhalten soll, die Sunniten
aufgefordert, sich einer Versöhnung mit den Schiiten zu
widersetzen. Al Barak erklärte, die Schiiten seien schlimmer als
Juden oder Christen.
(Quelle: ap)
Internationaler Strafgerichtshof schickt Ermittler in den Sudan
Di.23.01.07 - Ein Ermittlungsteam des Internationalen Strafgerichtshofs (ICC) wird in
den kommenden Tagen in den Sudan reisen. Man habe ausreichend Material
für einen Prozess wegen Menschenrechtsverletzungen in der
Krisenregion Darfur zusammengetragen und wolle dies nun vor Ort
überprüfen, erklärte Staatsanwalt Luis Moreno-Ocampo am
Montag in Den Haag. Im Februar könnte den Richtern dann bereits
eine konkrete Anklage vorgelegt werden. Weitere Einzelheiten nannte
Moreno-Ocampo nicht. Unklar blieb allerdings, ob der ICC etwaige
Festnahmen im Sudan überhaupt durchsetzen könnte. Die
Regierung in Khartum hat den Strafgerichtshof nicht anerkannt.
(Quelle: ap)
Iran verweigert UN-Inspektoren Einreise
Di.23.01.07 - Der Iran hat 38 Inspektoren der Internationalen
Atomenergie-Behörde (IAEA) die Einreise verweigert. Dies sei
legal, sagte Außenminister Manutschehr Mottaki am Montag laut
einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur IRNA. Einige
IAEA-Mitarbeiter hätten die Grenze übertreten dürfen.
Das Parlament in Teheran hat die Regierung Ende Dezember aufgefordert,
die Beziehungen zur IAEA zu überdenken, nachdem der
Weltsicherheitsrat Sanktionen gegen den Iran verhängt hatte.
Die EU kündigte am Montag an, die Strafmaßnahmen rasch
umzusetzen. Die Außenminister der 27 Mitgliedstaaten
begrüßten die UN-Resolution, mit der
Handelsbeschränkungen sowie finanzielle Sanktionen gegen
Unternehmen und Einzelpersonen mit Bezug zum iranischen Atomprogramm
beschlossen wurden. Die Resolution stelle «eine notwendige und
angemessene Reaktion auf die Missachtung der Anliegen der
internationalen Gemeinschaft» durch den Iran dar, erklärten
die EU-Außenminister.
In den EU-Staaten gilt bereits seit zehn Jahren ein
De-facto-Waffenembargo gegen den Iran. Die Mitgliedstaaten wollen
dieses Embargo nun wie in der Resolution gefordert auf Güter
ausweiten, die für das iranische Nuklear- oder Raketenprogramm
genutzt werden könnten. Zudem sollen den in der UN-Resolution
aufgeführten Personen Reisen in die EU verboten und ihre
Vermögenswerte eingefroren werden. Darüber hinaus sollen
iranische Staatsbürger vom Studium «in
proliferationsrevanten Fachgebieten» ausgeschlossen werden, also
von bestimmten technischen Studiengängen.
(Quelle: ap)
Nordkorea bietet Stopp des Nuklearprogramms an
Di.23.01.07 - Im Streit um sein Atomwaffenprogramm hat Nordkorea den USA einem
südkoreanischen Bericht zufolge bei den Gesprächen in Berlin
vorige Woche ein Kompromiss vorgeschlagen.
Nordkorea habe sich zur Einstellung des Betriebs seines umstrittenen
Atomreaktors in Yongbyon und anderer Nuklearaktivitäten im Gegenzug
zu Energie- und Wirtschaftshilfe bereit erklärt, berichtete die
Zeitung «Chosun Ilbo» am Montag unter Berufung auf
Informanten in Seoul und Peking. Auch wolle Nordkorea wieder
internationale Atominspekteure zulassen. Washington müsse jedoch
auch zugleich größere Flexibilität bei der Frage der
bestehenden Finanzsanktionen gegen Pjöngjang zeigen.
US-Unterhändler Christopher Hill erwartet eine rasche
Wiederaufnahme der Gespräche über das umstrittene
nordkoreanische Atomwaffenprogramm. Zum Abschluss einer
Vermittlungsreise äußerte Hill am Montag in Peking die
Hoffnung, dass China in Kürze einen Termin für die Fortsetzung
der stockenden Verhandlungen zwischen den beiden koreanischen Staaten,
den USA, Russland, China und Japan.
Nach früheren Angaben Hills hatte der nordkoreanische
Vizeaußenminister Kim Kye Gwan bei direkten Gesprächen in
Berlin vergangene Woche einer schnellen Wiederaufnahme der
Atomverhandlungen zugestimmt. Die Gespräche laufen seit 2003 mit
Unterbrechungen und haben bisher keinen Durchbruch gebracht.
(Quelle: dpa)
Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk kritisiert türkische
Justiz nach Mord an Dink
Di.23.01.07 - Nach dem Mord an dem armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink
hat Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk die Justiz und die
Regierung der Türkei scharf kritisiert. Schuld an Dinks Tod
trügen vor allem all jene, die an dem berüchtigten
"Türkentum"-Paragrafen 301 des Strafgesetzbuches festhielten, sagte
Pamuk Presseberichten zufolge nach einem Beileidsbesuch bei Dinks
Familie und bei dessen Zeitung "Agos". Gegen Dink sei eine Kampagne in
Gang gesetzt worden; der Journalist sei zum "Feind der Türken"
ausgerufen und zur Zielscheibe für den Mordanschlag gemacht worden.
Dink, Pamuk und andere Intellektuelle waren in den vergangenen zwei
Jahren auf Grundlage des Paragrafen 301 vor Gericht gestellt worden. Der
Paragraf verbietet die "Beleidigung des Türkentums". Nach Ansicht
von Kritikern hat das Gesetz einer radikal-nationalistischen Stimmung
in der Türkei Vorschub geleistet.
Trotz mehrfacher Aufforderung der EU hat sich die türkische
Regierung bisher geweigert, den Paragrafen 301 aufzuheben oder
nachzubessern. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte nach
Dinks Tod angeordnet, dass Pamuk und andere prominente 301-Opfer unter
Polizeischutz gestellt werden sollten. Die Zeitung "Sabah" meldete
jedoch, vor Pamuks Wohnung in Istanbul seien am Wochenende keine
Polizisten zu sehen gewesen.
Die Antiterror-Polizei in Istanbul setzte die Befragung des
mutmaßlichen Dink-Mörders Ogün Samast fort. Am
späten Sonntagabend wurde Samast zum Tatort im Istanbuler Stadtteil
Sisli gebracht, um den Mord bei einem Ortstermin nachzustellen. Als
möglicher Drahtzieher des Mordes gilt nach Presseberichten ein
Freund von Samast, von dem die Tatwaffe stammen soll und der ebenfalls
festgenommen wurde.
(Quelle: afp)
EU will Verhandlungen über Nordzypern wiederaufnehmen
Di.23.01.07 - Die Europäische Union will "unverzüglich" Verhandlungen
über den umstrittenen Status Nordzyperns aufnehmen und signalisiert
damit der Türkei im Beitrittsstreit Entgegenkommen. Die
EU-Außenminister sprachen sich am Montag bei einem Treffen in
Brüssel dafür aus, die Gespräche über einen
möglichen Direkthandel zwischen der EU und dem türkisch
besetzten Inselteil sofort zu beginnen. Allerdings lehnt die griechische
Republik Zypern, die seit 2004 EU-Mitglied ist, ein solches Zugehen auf
Nordzypern vehement ab. Unklar bleibt daher, ob und wann es zur
Aufhebung der Handelssperre kommt, die nach dem Einmarsch der
Türkei in den Norden der Insel 1974 verhängt wurde.
(Quelle: afp)
EU hofft auf Neubeginn mit Serbien
Di.23.01.07 - Die Europäische Union hofft auf eine proeuropäische Regierung
in Serbien und hat dieser eine baldige Annäherung an die EU
angeboten.
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier, derzeit
EU-Ratsvorsitzender, und EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn
kündigten nach einem Treffen der EU-Außenminister am Montag
in Brüssel eine Reise nach Belgrad «in den kommenden
Wochen» an. Dabei wollten sie der neuen Regierung eine
Zusammenarbeit anbieten. Zugleich beharrt die EU aber auf der
Forderung, dass Serbien «uneingeschränkt» mit dem
UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zusammenarbeiten muss. Nach dem
Wahlsieg des tief zerstrittenen demokratischen Lagers zeichnet sich
unterdessen eine schwierige Regierungsbildung in Serbien ab.
Steinmeier sagte, die demokratischen Kräfte in Serbien hätten
«wahrscheinlich am stärksten reüssiert». Die
Regierungsbildung werde zwar schwierig sein: «Aber das
Wahlergebnis enthält vor allem Chancen, Serbien auf einem
europäischen Weg zu halten.» Die EU sieht in Serbien einen
wesentlichen Faktor für die Stabilisierung des westlichen Balkans.
Im Mai 2006 hatte die EU die Verhandlungen über ein
Assoziierungsabkommen mit Serbien ausgesetzt, weil Belgrad nicht
vorbehaltlos mit Den Haag zusammenarbeite. Vor allem fordert die EU die
Verhaftung und Auslieferung des als Kriegsverbrecher gesuchten
serbischen Ex-Generals Ratko Mladic.
Steinmeier wollte nicht darüber spekulieren, was die EU tue, falls
die Radikalen in Serbien doch die Regierung stellen: «Im
Augenblick spricht für diese Möglichkeit relativ wenig.
Deshalb sollten wir auch nicht spekulieren, wie sich die EU in dem
derzeit unwahrscheinlichsten Fall verhalten wird.»
Trotz aller Unwägbarkeiten lehnte Steinmeier eine Verschiebung der
Vorschläge des UN-Kosovo-Beauftragten Martti Ahtissari für
den völkerrechtlichen Status des Kosovo ab. Sie werden am 2.
Februar erwartet. Dabei geht es um eine eingeschränkte
Selbstständigkeit dieser fast nur noch von Albanern bewohnten
Region. Das könnte die innenpolitische Szene in Serbien
radikalisieren, warnen viele Belgrader Spitzenpolitiker.
«Das Schlimmste für Serbien wäre, dass keine Regierung
zu Stande kommt» und Neuwahlen ausgeschrieben werden, zitierten
die Medien in Belgrad den serbischen Politiker Rasim Ljajic, der in der
amtierenden Regierung den Kontakt mit dem UN-Kriegsverbrechertribunal
in Den Haag hält. Der Chef der extrem nationalistischen Radikalen
(SRS), Tomislav Nikolic, erwartet Neuwahlen bis Ende des Jahres.
Die serbische Wahlkommission bestätigte am Abend nach
Auszählung von 99 Prozent der Stimmzettel den Sieg der
demokratischen Parteien. Endgültige Ergebnisse sollen jedoch erst
am Donnerstag veröffentlicht werden.
Das künftige Parlament setzt sich aus Vertretern von 11 Parteien
und Koalitionen zusammen. Stärkste einzelne Partei bleibt
weiterhin die extrem nationalistische Radikale Partei (SRS), die 81 der
insgesamt 250 Mandate erhielt. Mit 65 Abgeordneten folgen die
Demokraten (DS) von Staatspräsident Boris Tadic. 46 Mandate errang
die nationalkonservative DSS des amtierenden Ministerpräsidenten
Vojislav Kostunica. Sein bisheriger Koalitionspartner G17 hat 19
Mandate. Die Sozialisten des im vergangenen Jahr in UN-Haft gestorbenen
Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic haben 16 und die Koalition um
die Liberale Partei (LDP) hat 15 Abgeordnete. Parteien der Minderheiten
(Ungarn, Roma, Muslime und Albaner) sind mit insgesamt acht Sitzen im
künftigen Parlament vertreten.
Vor allem die Tadic-DS und die DSS von Kostunica beanspruchten noch in
der Wahlnacht beide das Amt des Ministerpräsidenten und sind auch
in anderen Fragen tief zerstritten. Sollte sich das demokratische
Parteienspektrum nicht auf eine Regierung einigen können, komme
auch eine von Kostunica gebildete Minderheitsregierung in Frage, die
von den Radikalen gestützt würde, schrieben die Belgrader
Zeitungen. Schon bisher hatten die Sozialisten dem Minderheitskabinett
Kostunicas im Parlament das politische Überleben gesichert. Eine
solche Lösung stieße jedoch in Brüssel und Washington
auf Ablehnung.
(Quelle: dpa)
Legendärer französischer Armenpriester Abbé Pierre tot
Di.23.01.07 - Der legendäre französische Armenpriester Abbé Pierre
ist tot. Er starb am Montag im Alter von 94 Jahren im Pariser
Krankenhaus Val-de-Grace, wie seine Stiftung mitteilte. Abbé
Pierre war einer der beliebtesten und geachtetsten Franzosen, sein Tod
löste im ganzen Land große Anteilnahme aus.
Abbé Pierre hat sein langes Leben in den Dienst der Armen
gestellt. Mit unversiegbarer Kraft, Liebe und rebellischem Geist
kämpfte er mehr als ein halbes Jahrhundert für Obdachlose,
Waisen und Ausgestoßene.
«Ganz Frankreich ist im Herzen getroffen», erklärte
Staatspräsident Jacques Chirac, der den Geistlichen als
«Inkarnation des Guten» beschrieb. «Er hat uns den Weg
zur Güte gezeigt», sagte Premierminister Dominique de
Villepin.
Abbé Pierre gehörte seit den 50er Jahren zu den
beliebtesten Franzosen. In den 80er Jahren verlangte der bescheidene
Seelsorger, von der Popularitätsskala gestrichen zu werden, weil
ihm der Ruhm zuwider war. Sein Einfluss begann 1949, als er die
gemeinnützige Emmaus-Bruderschaft ins Leben rief, ein Sozialwerk
für alle Ausgeschlossenen. Der frühere Mönch,
Widerstandskämpfer und Abgeordnete versuchte auch im hohen Alter
seinen Einfluss noch zu nutzen: Im vergangenen Jahr redete der Greis aus
dem Rollstuhl dem Parlament ins Gewissen, um eine für die
Bedürftigen nachteilige Reform des sozialen Wohnungsbaus zu
verhindern.
Die Wohnungsnot ist wegen der dramatischen Mietsituation in Paris und
anderen Großstädten in Frankreich nach wie vor groß,
mehr als drei Millionen Menschen leben in schwierigen
Verhältnissen. Dass sie jetzt ihren stärksten Anwalt
verlieren, stimmt nachdenklich. «Sein Tod ist nicht
ungefährlich», sagte Jean-Batiste Legrand, der vor wenigen
Wochen die Organisation Kinder Don Quichotes gründete, die sich mit
ähnlich unorthodoxen Methoden wie Abbé Pierre für die
Obdachlosen einsetzt. «Wir müssen seinen Kampf
fortführen.»
Den Ruf als «Vater der Armen» begründete Abbé
Pierre 1954. Nachdem ein drei Monate altes Baby in einem Bus gestorben
war, der seiner Familie als Wohnung diente, rief er in einer
Radioansprache zu Spenden für Obdachlose auf. Binnen Minuten
folgten Millionen Menschen seinem Appell. Ein Hotel, Bahnhöfe und
Armee-Lastwagen wurden abbestellt, um Tonnen von Hilfsgütern
einzusammeln.
Als Henri Groués 1912 in Lyon als fünftes von acht Kindern
geboren, trat er mit 19 Jahren dem Kapuziner-Orden bei und wurde 1938
zum Priester geweiht. Vier Jahre später trat er in die
Résistance ein und half, Juden vor den Nazis in die Schweiz zu
bringen. In dieser Zeit nahm er den Kampfnamen Abbé Pierre an.
Nach dem Krieg zog er für die demokratisch-christliche Partei MRP
ins Parlament.
1949 nahm er in seinem Haus in einem östlichen Vorort von Paris
einen verzweifelten Bettler auf. Der Ort wurde zu einem
Begegnungszentrum der internationalen Jugend. Unter dem Namen Emmaus
wurde das Haus zu Abbé Pierres Zentrale im Kampf gegen die
Ausgeschlossenen. Inzwischen ist sein Sozialwerk weltweit aktiv.
Mit seinem lebhaften Temperament ließ er sich vom Staat nicht
vereinnahmen. 1992 lehnte er die Auszeichnung mit dem Orden der
Ehrenlegion ab, weil er die Politik für die Obdachlosen als
unzureichend betrachtete. «Ich neige nicht zu Zorn», sagte
der Abbé 1994 in einem AP-Interview. «Aber wenn ich etwas
anprangern muss, was die Menschen zerstört, dann werde ich
verrückt. Es ist Liebe, was diesen heiligen Zorn nährt. Beide
sind untrennbar.»
Mitte der 90er Jahre sorgte der Abbé selbst für einen
kleinen Skandal. Er verteidigte das umstrittene Buch
«Gründungsmythen der israelischen Politik» seines
Freundes Roger Garaudy, in dem die Zahl der von den Nazis getöteten
Juden in Frage gestellt und der israelischen Regierung vorgeworfen
wird, den Holocaust zu instrumentalisieren. Er distanzierte sich
später von dem Werk.
Der reformerische Geist des Katholiken blieb bis zu seinem Tod wach.
2005 erschien sein Buch «Mon Dieu ... Pourquoi?» (Mein Gott
... warum?). Darin legt er nahe, dass er als junger Mönch Sex
hatte, und fordert die Abschaffung des Zölibates. Er setzt sich
darin auch für die Ehe von gleichgeschlechtlichen Partnern ein und
fordert die Priesterweihe für Frauen.
Sein Tod ist weit über die Grenzen Frankreichs hinaus mit
großer Anteilnahme aufgenommen worden. Der Europarat
erklärte, der Verlust des Armenpriesters sei auch ein großer
Verlust für die europäischen Werte. Expräsident
Valéry Giscard d'Estaing forderte ein Staatsbegräbnis. Ab
Mittwoch soll der Leichnam in der Kapelle des Militärkrankenhauses
Val de Grâce, in dem Abbé Pierre in den Morgenstunden
verstarb, für die Öffentlichkeit aufgebahrt werden.
(Quelle: ap)
Deutschland
SPD-Vorsitzender Beck verteidigt Rentenpolitik gegen Gewerkschaften
Di.23.01.07 - Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck hat die Gewerkschaften wegen ihrer
Proteste gegen die Koalition scharf ermahnt und Forderungen nach einem
Kurswechsel in der Rentenpolitik eine klare Absage erteilt. «Wenn
die Gewerkschaften ihre gesellschaftspolitische Aufgabe erfüllen
wollen, tun sie gut daran, die gemeinsamen Wurzeln nicht in Frage zu
stellen», sagte Beck der «Stuttgarter Zeitung»
(Dienstagausgabe). Die Gewerkschaftsinteressen hätten in der SPD
die einzig wirklichen Realisierungsmöglichkeiten.
DGB-Chef Sommer hatte die Erwartung geäußert, dass bei der
Rente mit 67 «die letzte Messe noch nicht gelesen» sei und
neue Ausstiegsszenarien verlangt. Dazu sagte Beck, es bleibe bei dem
von Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) geplanten Vorgehen.
Die im Jahr 2009 auslaufende Altersteilzeitregelung entfalle.
«Dazu sehe ich leider keine Alternative, wenn wir die Grundlinie
nicht wieder aufgeben wollen», betonte er und fügte hinzu:
«Zu der alten Linie zurückzukehren, können wir uns auf
Dauer nicht leisten.»
Beck kritisierte die Erwartung der Gewerkschaften, dass die
Übergangsregelungen zur Frühverrentung mit staatlicher
Förderung weitergeführt werden könnten. «Diese
Erwartung ist nicht erfüllbar», sagte der SPD-Chef und
rheinland-pfälzische Ministerpräsident: «Wir
müssen aussteigen aus den Systemen, die zu Frühverrentungen
geführt haben. Sie werden nicht durchzuhalten sein in einer Zeit,
in der wir immer älter und die arbeitenden Menschen weniger
werden.»
(Quelle: ap)
Innenminister Schäuble fordert mehr Anstrengungen für
Integration
Di.23.01.07 - Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) fordert Politik und
Gesellschaft auf, sich noch stärker für die Integration von
Migranten zu engagieren. In Deutschland gebe es weiterhin
«erhebliche Defizite» bei der Integration, auch wenn
inzwischen viele Zuwanderer gut integriert seien, sagte Schäuble am
Montag auf einem Kongress zum Thema «Integration durch
Sport» in Stuttgart. Dabei hob er die «besondere
Integrationskraft» des Sports hervor. Die Chancen, Menschen durch
Sport in die Gesellschaft einzubinden, müsse noch stärker
genutzt werden.
Schäuble kündigte an, bei der EU-Sportministerkonferenz in
Stuttgart im März das Thema Integration einzubringen. Dabei solle
diskutiert werden, welchen Beitrag der Staat leisten könne, damit
die Integrationsaufgabe des Sports noch besser erfüllt werden
könne. Der Sport könne diese Funktion aber nur wahrnehmen,
wenn er weiter auf dem Prinzip der Freiwilligkeit beruhe und frei
organisiert sei, fügte der Minister hinzu.
Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas
Bach, betonte, Sport sei «gelebte Integration».
Fördermittel seien deshalb keine Subventionen, sondern eine
«Investition in die Zukunft der Gesellschaft». Auf dem
Kongress diskutieren rund 350 Teilnehmer aus ganz Europa bis Dienstag
über die Rolle des Sports bei der Integration von Migranten.
(Quelle: ddp)
Bundesschülerkonferenz: Zu wenige EU-Themen im Unterricht
Di.23.01.07 - Die Bundesschülerkonferenz hat anlässlich eines bundesweiten
EU-Projekttags einen Mangel an EU-Themen im Unterricht beklagt.
Schüler in Deutschland wüssten zu wenig über die
Europäische Union, bemängelte der Sprecher der
Bundesschülerkonferenz, Christopher Schuldes. Im Rahmen des
bundesweiten EU-Projekttags besuchten Vertreter der Bundesregierung,
Abgeordnete von Bundestag und Landtagen sowie EU-Politiker zahlreiche
Schulen und diskutieren über Themen der Europäischen Union.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) traf in einer Oberschule in
Berlin-Hellersdorf mit Schülerinnen und Schülern zusammen.
Schuldes sagte der "Frankfurter Rundschau": "Man weiß, dass man
keine Pässe mehr vorzeigen muss, wenn man ins europäische
Ausland fährt. Und man weiß natürlich, dass man
überall in Euro bezahlt. Aber das war's meistens auch schon." Kaum
jemand wisse dagegen, wie das Europaparlament funktioniere oder was die
Europäische Kommission mache. Schuldes sprach sich auch dafür
aus, die Kommunikation zwischen den Schülern in Europa zu
verbessern: "Wir sind schließlich diejenigen, die Europa
künftig gestalten."
(Quelle: afp)
Bundesanwaltschaft für Freilassung von Mohnhaupt
Di.23.01.07 - Die Chancen der RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt auf eine baldiges
Ende ihrer Haft steigen: Die Bundesanwaltschaft beantragte die
Vollstreckung des Restes der lebenslangen Freiheitsstrafe zur
Bewährung auszusetzen, wie das Stuttgarter Oberlandesgericht am
Montag nach einer nichtöffentliche Anhörung von Mohnhaupt
mitteilte. Eine Entscheidung werde in der ersten Februarhälfte
erwartet. Nähere Angaben machte das Gericht nicht.
Das Stuttgarter Oberlandesgericht hatte zuvor über einen weiteren
Antrag der Terroristin verhandelt, ihre Strafe zur Bewährung
auszusetzen. Die heute 57-Jährige sitzt seit 24 Jahren im
Gefängnis. Die letzte mündliche Anhörung der
früheren Terroristin hatte am 21. Februar 2006 stattgefunden.
Damals lehnte das Stuttgarter Oberlandesgericht den Antrag auf
Aussetzung des Restes der lebenslangen Freiheitsstrafe mit der
Begründung ab, die besondere Schwere der Schuld gebiete die weitere
Vollstreckung. Der Senat hatte die Mindestverbüßungsdauer
der Strafe für die Verurteilte auf 24 Jahre festgesetzt. Die
damalige Entscheidung des Gerichts entsprach dem Antrag der
Bundesanwaltschaft.
Die innenpolitische Sprecherin der Links-Fraktion, Ulla Jelpke, sagte:
«Wer fordert, die letzten RAF-Gefangenen weiter eingesperrt zu
halten, dem geht es offenkundig nicht um Recht, sondern um Rache.»
Nach zum Teil jahrzehntelanger Haft sei deren Freilassung
überfällig. Mohnhaupt war 1985 unter anderem wegen Mordes an
Generalbundesanwalt Siegfried Buback, Dresdner-Bank-Vorstandssprecher
Jürgen Ponto, Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer und
sechs weiteren Menschen zu einer lebenslangen Gesamtfreiheitsstrafe
verurteilt worden. Sie zählte zum harten Kern der RAF, die sich
später selbst aufgelöst hatte.
Bundespräsident Horst Köhler liegt auch ein Antrag des
54-jährigen, ebenfalls als RAF-Terrorist zu lebenslanger Haft
verurteilten Christian Klar auf Begnadigung vor. Die früheren
Bundesminister Gerhart Baum und Klaus Kinkel hatten sich am Wochenende
für eine Freilassung von Klar und Mohnhaupt ausgesprochen. Die
FDP-Politiker begründeten ihren Standpunkt mit der «guten
Praxis des deutschen Rechtssystems», Straftäter nicht ein
ganzes Leben gefangen zu halten.
(Quelle: ap)
Protest gegen Massenspeicherung von Telefon- und Computerdaten
Di.23.01.07 - Datenschützer, Bürgerrechtler und Medienverbände laufen
Sturm gegen das geplante Bundesgesetz zur massenhaften Speicherung von
Telekommunikationsdaten. «Eine derart weit reichende
Registrierung des Verhaltens der Menschen in Deutschland halten wir
für inakzeptabel», heißt es in einer am Montag
veröffentlichten gemeinsamen Erklärung von 27 Verbänden.
Der Gesetzentwurf des Bundesjustizministeriums soll eine seit Mai
geltende EU-Richtlinie umsetzen. Telekommunikationsunternehmen
wären demnach ab dem 15. September verpflichtet, Milliarden von
Kundendaten sechs Monate lang auf Vorrat zu speichern. Zur besseren
Strafverfolgung soll nachvollziehbar werden, wer mit wem per Telefon,
Handy oder E-Mail in Verbindung gestanden hat. Bei Handy-Telefonaten
und SMS soll auch der jeweilige Standort des Benutzers festgehalten
werden. Bis spätestens 2009 soll zudem die Nutzung des Internets
nachvollziehbar werden.
Die Verbände monierten, eine solche Vorratsdatenspeicherung ohne
jeden Verdacht einer Straftat höhle die Geheimhaltungsinteressen
von Anwälten, Ärzten sowie Seelsorgern aus und untergrabe den
Schutz journalistischer Quellen. Die enormen Kosten müssten die
Telekommunikationsunternehmen tragen, was Preiserhöhungen nach
sich ziehen könnte.
Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem der Bundesverband der
Verbraucherzentralen, die Humanistische Union, der Bundesverband der
Zeitungsverleger, die Neue Richtervereinigung sowie der Chaos Computer
Club und die Deutsche Vereinigung für Datenschutz.
Die Verbände erklärten, die gegenwärtigen Regelungen
reichten im wesentlichen aus. Es sei nicht nachgewiesen, dass eine
Vorratsdatenspeicherung besser vor Kriminalität schützen
würde. «Dagegen würde sie Millionen von Euro kosten,
die Privatsphäre Unschuldiger gefährden, vertrauliche
Kommunikation beeinträchtigen und den Weg in eine immer weiter
reichende Massenansammlung von Informationen über die gesamte
Bevölkerung ebnen», hieß es.
Die Unterzeichner erwarten, dass das Bundesverfassungsgericht eine
Pflicht zur verdachtslosen Vorratsspeicherung von Kommunikationsdaten
für verfassungswidrig erklären wird. Außerdem wird
erwartet, dass die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung vor dem
Europäischen Gerichtshof keinen Bestand haben wird. «Wir
appellieren an die Politik, sich grundsätzlich von dem Vorhaben
der umfassenden und verdachtsunabhängigen Speicherung von Daten zu
distanzieren», hieß es abschließend.
Ein Sprecher des Justizministeriums erklärte, der
Referentenentwurf sei verfassungsgemäß und werde
voraussichtlich im April im Bundeskabinett beraten. Das In-Kraft-Treten
sei bislang für den 15. September geplant.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://www.bfdi.bund.de/
http://www.humanistische-union.de/
http://www.bmj.bund.de/