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Irak am neunhundertneununddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
US-Präsident verteidigt seine Irak-Strategie. Bushs Irak-Politik
wird auch von Republikanern kritisiert. Wieder Tote bei Anschlägen
im Irak
Mi.24.01.07 - Der geschwächte und zunehmend isolierte US-Präsident George
W. Bush hat am Mittwoch vor dem Kongress in seiner jährlichen Rede
zur Lage der Nation nachdrücklich seine Strategie für den
Krieg im Irak vereidigt. Die USA müssten entschlossen sein und
«Ereignisse in Siege verwandeln», erklärte er an seine
Kritiker bei den Demokraten aber auch Republikanern gewandt.
«Unser Land verfolgt eine neue Strategie im Irak, und ich bitte
sie, ihr eine Chance zu geben, damit sie Erfolg haben kann»,
sagte Bush.
Bush hat es erstmals in seiner Amtszeit mit einem von den Demokraten
kontrollierten Kongress zu tun. Widerstand war deshalb gerade in der
Frage des Irak-Kriegs programmiert. Der demokratische Senator Jim Webb,
der nach der Ansprache Bushs die Erwiderungsrede halten sollte, warf
der Regierung Konzeptlosigkeit vor.
Bush habe keine wirklich neue Irak-Strategie, sondern lediglich ein
paar taktische Angleichungen vorgelegt, erklärte Webb. «Wir
brauchen eine neue Richtung», erklärte Webb laut dem vorab
verbreiteten Text seiner Rede sagen. «Die Mehrheit des Landes
unterstützt nicht länger die Art und Weise wie dieser Krieg
geführt wird; die Mehrheit des Militärs auch nicht.»
Widerspruch zur Irak-Politik des Präsidenten kommt aber zunehmend
auch von Republikanern.
Die einflussreichen republikanischen Senatoren Warner, Collins und Norm
Coleman forderten Bush zu einem Überdenken seiner neuen
Irak-Strategie auf. Der Präsident müsse nach Alternativen
suchen, um seine Ziele im Irak ohne die geplante Entsendung von 21.500
zusätzlichen Soldaten zu erreichen, hieß es in ihrer
Resolution, die ins Oberhaus eingebracht werden soll. Die Resolution
ziele nicht darauf, die US-Truppenstärke im Irak auf den
derzeitigen Stand von 132.000 Soldaten festzuschreiben, sagte Warner.
Sie solle aber "die echten Bedenken" einiger republikanischer wie
demokratischer Senatoren ausdrücken.
In der vergangenen Woche hatten bereits die Demokraten einen
Resolutionsentwurf vorgestellt, in dem die Truppenaufstockung als
"Verstoß gegen nationale Interessen" bezeichnet wird.
In Australien schwindet die Unterstützung für den Irak-Krieg.
Mehr als 60 Prozent der Menschen sind mit der Politik der Regierung in
dieser Frage unzufrieden, wie aus einer in der Zeitung «The
Australian» veröffentlichten Umfrage hervorgeht. Australien
hat rund 1.300 Soldaten im Irak und der Region stationiert.
Bei Bombenanschlägen in Bagdad sind am Dienstag mindestens
fünf Menschen ums Leben gekommen. Die Explosion eines Sprengsatzes
im schiitischen Stadtteil Karradah tötete vier Iraker, darunter
einen sieben Jahre alten Jungen. Eine Zivilperson verlor bei einem
Attentat nahe des Finanzministeriums das Leben, wie die Polizei
mitteilte. Die US-Streitkräfte meldeten zudem den Tod von zwei
weiteren Soldaten.
Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR)
erklärte, Uniformierte hätten am Morgen eine Gruppe von 17
Palästinensern in Bagdad verschleppt. Die Angreifer, die offenbar
Uniformen der irakischen Streitkräfte trugen, verwüsteten das
vom UNHCR angemietete Gebäude. Einige Entführte seien
inzwischen wieder auf freiem Fuß, erklärte ein Sprecher.
Der stellvertretende Al-Kaida-Führer Ajman al Sawahri spottete in
einem neuen Video über die Irak-Politik der USA. Präsident
George W. Bush solle doch nicht nur weitere 20.000 Soldaten schicken,
sondern direkt seine ganze Armee, damit diese im Irak von den
Aufständischen besiegt werden könne, erklärte Al Sawahri.
Er rief alle Muslime auf, sich dem Kampf gegen die Feinde des Islams
anzuschließen oder die zu unterstützen, die dies machen. Das
Video wurde von der in Washington ansässigen Organisation SITE,
die die Erklärungen der Al-Kaida verfolgt, nach eigenen Angaben
abgefangen und bislang nicht im Internet veröffentlicht.
Eine dem Terrornetzwerk Al Kaida nahe stehende Gruppe irakischer
Sunniten erklärte sich für den Absturz eines US-Hubschraubers
mit zwölf Toten verantwortlich. Den Löwen des Islamischen
Staats im Irak sei es gelungen, den Helikopter vom Typ «Black
Hawk» zu Fall zu bringen, hieß es auf einer islamistischen
Website.
Amerikanische und irakische Truppen haben in den vergangenen Wochen 16
schiitische Milizführer und 33 führende sunnitische
Aufständische festgenommen, wie das US-Militär am Montag
mitteilte. Seit dem 8. Dezember gab es demnach 52 Operationen gegen die
Mahdi-Miliz des radikalen Predigers Muktada al Sadr und 42 Einsätze
gegen sunnitische Extremisten. Die Mahdi-Miliz wird für zahlreiche
Angriffe in Bagdad verantwortlich gemacht.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 24.01.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertfünfundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Studie - Ruf der USA in Deutschland gründlich ramponiert
Mi.24.01.07 - Das Ansehen der USA in Deutschland und anderen verbündeten Staaten
der Supermacht ist einer britischen Studie zufolge drastisch gesunken.
Daran seien insbesondere die von Präsident George W. Bush
betriebene Irak-Politik und die Vorgänge um das Gefangenenlager
Guantanamo auf Kuba verantwortlich, ergab eine am Dienstag
veröffentlichte Befragung der BBC.
Rund drei Viertel der Deutschen waren demnach Ende 2006 negativ
gegenüber der Politik der westlichen Führungsmacht eingestellt
- fast zehn Prozentpunkte mehr als im Jahr zuvor. Die zunehmende Distanz
der Deutschen gegenüber der US-Politik reiht sich ein in einen
Trend: Knapp jeder Zweite in insgesamt 25 Staaten geht mittlerweile von
einer überwiegend negativen Rolle der Vereinigten Staaten im
Weltgeschehen aus.
In Frankreich, das zu den Wortführern der Abwehrfront gegen die
US-geführte Invasion im Irak gehörte, sehen fast 70 Prozent
der Bevölkerung die US-Weltmachtrolle überwiegend negativ.
Allerdings war in dem Land bereits im Vorjahr die Prozentzahl der
US-Kritiker mit 65 Prozent relativ hoch.
Ins Auge fällt, dass das Misstrauen auch in Staaten wächst,
die im Irak an der Seite der USA engagiert sind. So ist die
pro-amerikanische Stimmung in Polen mittlerweile gekippt: Nur noch 38
Prozent der Befragten haben ein positives Bild der Weltmacht - im
Vorjahr war noch eine Mehrheit von 62 Prozent pro-amerikanisch
eingestellt. In Großbritannien sieht nur knapp jeder Dritte die
US-Rolle in der Welt überwiegend positiv. Damit ist die US-Skepsis
gegenüber dem Vorjahr leicht gewachsen.
Für die Studie wurden Bewohner von insgesamt 25 Staaten befragt,
nur für 18 Länder lagen Daten aus dem Vorjahr vor. Die Studie
dürfte bei der US-Regierung die Alarmglocken schrillen lassen,
insbesondere da sie nur wenige Stunden vor der mit Spannung erwarteten
Rede Bushs zur Lage der Nation veröffentlicht wurde. Trotz
Gegenwind aus dem Kongress hatte Bush jüngst eine Aufstockung der
US-Truppen im Irak beschlossen. Die US-Armee hat trotz hoher Verluste
bislang keine Stabilisierung des Golfstaates erreicht, der in einen
Bürgerkrieg abzugleiten droht.
Auch die international heftig kritisierten Zustände im
US-Gefangenenlagers Guantanamo Bay auf Kuba haben dem Ruf der USA
offenbar geschadet. 70 Prozent der befragten Deutschen kritisieren, wie
die USA die Häftlinge in dem Lage behandeln. Nur für das einst
von einer Militärjunta regierte Argentinien und das frühere
Bürgerkriegsland Libanon weist die Studie mit 74 bis 71 Prozent
noch höhere Prozentzahlen aus.
In Deutschland ist das Thema Guantanamo über den Fall des
früheren Häftlings Murat Kurnaz aus Bremen ins Rampenlicht
gerückt. Kurnaz wurde Ende 2001 in Pakistan gefangen genommen und
über Afghanistan nach Guantanamo gebracht. Der früheren
Bundesregierung wird vorgeworfen, sie habe ein US-Angebot zu Kurnaz'
Freilassung im Jahr 2002 ausgeschlagen.
Derzeit halten die USA knapp 400 Terror-Verdächtige in Guantanamo
fest. 60 bis 80 von ihnen soll in diesem Jahr vor Militärtribunalen
der Prozess gemacht werden. Insgesamt saßen bislang in dem Lager
auf dem US-Stützpunkt auf Kuba mehr als 770 Gefangene ein, viele
von ihnen über Jahre ohne Anklage. Die ersten wurden dort im
Afghanistan-Krieg nach den Anschlägen vom 11. September 2001
eingesperrt. Ehemalige Häftlinge werfen den USA Folter und
Misshandlungen in dem Lager vor.
(Quelle: rtr)
Selbstmordanschlag in Afghanistan - Zehn Tote
Mi.24.01.07 - Inmitten einer Gruppe einheimischer Arbeiter hat sich am Dienstag ein
Selbstmordattentäter vor einem US-Militärstützpunkt in
Afghanistan in die Luft gesprengt und zehn Menschen in den Tod
gerissen. Mindestens 14 weitere wurden bei dem Anschlag in Chost im
Osten des Landes verletzt, wie Provinzgouverneur Dschamal Arsalah
mitteilte. Bei einem Überfall mutmaßlicher
Taliban-Kämpfer und einem Feuergefecht kamen in der Provinz
Urusgan 23 Menschen ums Leben.
Der Anschlag in Chost war der schwerste in Afghanistan seit vier
Monaten. Der Attentäter habe seinen Sprengsatz gezündet, als
hunderte afghanische Arbeiter vor dem Stützpunkt warteten, sagte
Gouverneur Arsalah.
Ein Überfall in der Provinz Urusgan kostete am Dienstag neun
Polizisten das Leben, wie der örtliche Polizeichef mitteilte. Die
Männer seien von mutmaßlichen Taliban angegriffen worden.
Ebenfalls in Urusgan lieferten sich afghanische Sicherheitskräfte
und Koalitionstruppen ein rund fünfstündiges Gefecht mit
mutmaßlichen Taliban. Dabei wurden nach Polizeiangaben zwölf
Extremisten getötet und vier weitere verletzt. Auch zwei
Polizisten kamen ums Leben, zehn weitere erlitten Verletzungen.
Nach einem Raketenangriff von Extremisten auf einen
Militärstützpunkt nahe der afghanisch-pakistanischen Grenze
erschossen Koalitionstruppen am Dienstag einen pakistanischen Soldaten.
Das Außenministerium in Islamabad bestellte nach eigenen Angaben
die Botschafter der USA und Großbritanniens ein.
Der afghanische Rebellenführer Gulbuddin Hekmatjar drohte den
US-Truppen im Land unterdessen mit einer empfindlichen Niederlage. In
einer Aufnahme, die der Nachrichtenagentur AP vorlag, erklärte
Hekmatjar, die Truppen hätten ihr Ziel «durch die
Bombardierung unschuldiger Afghanen, ihrer Dörfer und
Häuser» nicht erreicht. Sie würden das Land verlassen
wie einst die sowjetischen Soldaten. Außerdem warf der
Rebellenführer den USA vor, die ethnischen Gruppen in Afghanistan
gegeneinander aufzustacheln. Die Erklärung ist bereits die dritte
Hekmatjars seit Jahresbeginn. Wann sie entstand, war zunächst
unklar.
Bis 2005 gab es kaum Selbstmordanschläge in Afghanistan. Seither
haben sie deutlich zugenommen; im vergangenen Jahr gab es nach
US-Angaben 139. Sie werden den radikal-islamischen Kämpfern der
Taliban zugeschrieben, die vor allem von Pakistan aus operieren. 2006
gab es die bislang schwersten Kämpfe in Afghanistan, seit die
Taliban-Regierung mit Hilfe der US-Truppen 2001 entmachtet wurde. Mehr
als 40.000 ausländische Soldaten sind momentan im Land stationiert.
Die Bundeswehr ist im vergleichsweise ruhigen Norden des Landes im
Einsatz und unterstützt dort den Wiederaufbau.
Am Dienstag kündigte Indien an, es werde der afghanischen
Regierung mit zusätzlich 100 Millionen Dollar (rund 77,2 Millionen
Euro) helfen. Damit beliefen sich die Hilfsgelder des Landes für
Afghanistan seit 2001 auf fast 579 Millionen Dollar, sagte der indische
Außenminister Pranab Mukherjee am Dienstag. Die bilateralen
Beziehungen zwischen beiden Ländern hätten sich seit dem Sturz
des Taliban-Regimes rasch zu einer Partnerschaft entwickelt. Dies sei
wichtig für den Frieden in der Region.
(Quellen: ap, rtr)
Nahost-Konflikt
Generalstreik treibt Machtkampf im Libanon auf die Spitze
Mi.24.01.07 - Ein Generalstreik der Opposition hat das öffentliche Leben im
Libanon am Dienstag weitgehend lahm gelegt. Zugleich kam es zu den
schwersten Ausschreitungen, seit die schiitische Hisbollah vor zwei
Monaten ihre Proteste gegen die westlich orientierte Regierung
einleitete. Mindestens drei Menschen wurden getötet und mehr als
40 verletzt, wie die Polizei mitteilte. Auf vielen Straßen der
Hauptstadt Beirut wurden Blockaden aus brennenden Autoreifen errichtet.
Anhänger und Gegner der antisyrischen Regierung des sunnitischen
Ministerpräsidenten Fuad Siniora lieferten sich Faustkämpfe
und bewarfen sich mit Steinen. Mehrfach fielen aus beiden Lagern auch
Schüsse. Mehrere tausend Soldaten und Polizisten sowie
Feuerwehrleute bemühten sich landesweit, die Straßen
freizumachen und die gegnerischen Parteien auseinander zu halten.
Siniora rief am Abend in einer Fernsehansprache das Parlament dazu auf,
auf einer Sondersitzung über Maßnahmen zur Entschärfung
der Krise zu beraten. Einen Rücktritt, wie ihn die Opposition seit
Wochen fordert, schloss er aus. Er werde sich nicht einschüchtern
lassen, sondern sich um des Libanons willen den Aufrührern in den
Weg stellen. Gleichzeitig bot er seinen Gegnern aber Gespräche an.
Am späten Abend erklärte ein Oppositionssprecher, man habe
ein vorläufiges Ende des Generalstreiks und der
Straßenblockaden beschlossen. Der Ausstand habe die
gewünschte Wirkung einer deutlichen Warnung an die Regierung
erzielt. Der Sprecher, der anonym bleiben wollte, drohte jedoch mit
weiteren Protesten zu einem späteren Zeitpunkt.
Zu dem Streik hatten die Hisbollah von Scheich Hassan Nasrallah sowie
andere prosyrische Oppositionsführer aufgerufen. Die Regierung
sprach vom Versuch eines Staatsstreichs. Dieser werde jedoch genau so
scheitern wie alle vorangegangenen Bemühungen dieser Art, sagte
Telekommunikationsminister Marwan Hamadeh dem Sender Al Arabija.
Neben Beirut war auch die überwiegend von Christen bewohnte
Hafenstadt Dschunieh besonders stark von dem Ausstand betroffen. In der
Hauptstadt blockierten die Demonstranten unter anderem die
Straßen zum Beiruter Flughafen sowie die Fernstraße in die
Berge und nach Damaskus. Der Luftverkehr lief weiter, doch wurden
mehrere Flüge gestrichen.
Hinter Siniora steht die antisyrische Parlamentsmehrheit aus
sunnitischen Muslimen, Drusen und Christen. Die Opposition wird von der
schiitischen Hisbollah angeführt, ihr gehören aber ebenfalls
einige Drusen und Christen an, darunter der frühere Armeechef
Michel Aoun, ein Maronit.
Am Donnerstag findet in Paris eine Geberkonferenz für den Libanon
statt, dessen Süden beim israelischen Feldzug vom vergangenen
Sommer stark zerstört wurde. Es wurden Befürchtungen laut,
dass diese Konferenz wegen des Konflikts abgesagt werden könnte,
da an der Fähigkeit der Regierung gezweifelt werde, die erhofften
Hilfsgelder in Höhe von fünf Milliarden Dollar sinnvoll zu
verteilen. Die deutsche EU-Präsidentschaft betonte, dass der
Erfolg des Treffens nicht gefährdet werden dürfe.
In einer Erklärung des Auswärtigen Amtes in Berlin wurden
deshalb alle Seiten aufgefordert, jegliche Eskalation zu vermeiden. Die
Krise lasse sich nur auf dem Wege des innerlibanesischen Dialogs unter
Wahrung demokratischer Spielregeln lösen. Die EU unternehme
große Anstrengungen, um allen Menschen im Libanon eine Zukunft in
Frieden, Stabilität und Wohlstand zu ermöglichen. Dieses
Engagement soll der Erklärung zufolge auf der
Wiederaufbaukonferenz in Paris bekräftigt werden.
(Quelle: ap)
US-Präsident Bush ruft zur Einschränkung des Benzinverbrauchs
auf
Mi.24.01.07 - Offensichtlich als Zugeständnis an die Demokraten will
US-Präsident George W. Bush in seinem Land eine drastische
Reduzierung des Benzinverbrauchs durchsetzen.
Der geringere Benzinverbrauch soll vor allem über einen
erhöhten Einsatz alternativer Treibstoffe erreicht werden,
insbesondere Ethanol. Des weiteren soll die Sparsamkeit von Fahrzeugen
verbessert werden. So sollen künftig nur noch Autos zugelassen
werden, deren Benzinverbrauch eine bestimmte Marke nicht
überschreitet.
Letzteres hatte Bush schon mehrfach angeregt, war damit aber stets im
Kongress gescheitert. Seit der Teilwahl im November stellen jedoch die
oppositionellen Demokraten die Mehrheit in beiden Häusern. Diese
will der republikanische Präsident mit seinen umweltfreundlichen
Vorschlägen offensichtlich auf seine Seite bringen.
(Quelle: ap)
Türkei: Hunderttausend Menschen bei Trauerfeier für den
ermordeten Journalisten Dink
Mi.24.01.07 - Rund 100.000 Menschen haben in Istanbul an dem Trauermarsch für
den ermordeten Journalisten Hrant Dink teilgenommen. Der Leichenwagen
mit Dinks Sarg setzte sich von der Zentrale seiner Zeitung "Agos" unter
dem Applaus der Trauergäste in Bewegung. Dort war der
52-jährige am vergangenen Freitag erschossen worden. Viele Menschen
trugen Schilder mit der Aufschrift "Wir sind alle Hrant Dink" und "Wir
sind alle Armenier". Die Menge folgte dem Sarg zur armenischen
Marienkirche im Stadtteil Kumkapi. Die Polizei nahm einen weiteren
mutmaßlichen Hintermann des Mordes fest.
Dinks Familie hatte darum gebeten, während der Kundgebung auf
Slogans zu verzichten. Die einzige Ansprache hielt Dinks Witwe Rakel.
Ihr Mann sei wegen "seiner Wahrheitsliebe, Klarheit und Freundschaft"
getötet worden. Er habe kein Tabu gekannt. Auch den
mutmaßlichen Täter erwähnte sie in ihrer Ansprache. Der
Mörder ihres Mannes sei auch einmal ein Kind gewesen. Man
müsse fragen, welche dunklen Kräfte dieses Kind zu einem
Mörder gemacht hätten.
Nach ihrer Rede ließen Rakel Dink und die Töchter des
Ermordeten weiße Tauben in den Himmel steigen. Dink hatte in
seinem letzten Beitrag für "Agos" mit Blick auf Anfeindungen und
Drohungen aus dem rechtsradikalen Lager geschrieben, er fühle sich
verletzlich wie eine Taube. Die Polizei war mit rund 6000 Beamten im
Einsatz, um den Trauermarsch in Istanbul zu sichern.
Bei dem weiteren mutmaßlichen Hintermann des Mordes an Dink
handelt es sich nach übereinstimmenden Presseberichten um den
Studenten Erhan T. Der Verdächtige sei in der Schwarzmeerstadt
Trabzon festgenommen und zum Verhör nach Istanbul gebracht worden,
berichteten mehrere türkische Zeitungen. Eine offizielle
Bestätigung lag zunächst nicht vor.
Dink war am Freitag in Istanbul von dem arbeitslosen Teenager Ogün
S. erschossen worden. Als Motiv gab dieser an, Dink habe mit seinen
Äußerungen zur Armenier-Frage die Türkei beleidigt.
Aufgestachelt wurde S. nach Ermittlungen der Polizei von einem Freund,
Yasin H., der wie der Hauptverdächtige ebenfalls aus Trabzon kommt.
(Quelle: afp)
Human Rights Watch wirft EU Unterlaufung von Folterverbot vor
Mi.24.01.07 - Zahlreiche europäische Länder untergraben nach
Einschätzung der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch
(HRW) das internationale Folterverbot, indem sie Terrorverdächtige
an Länder ausliefern, in denen ihnen Misshandlung droht. Die
Regierungen akzeptierten «leere Versprechungen einer humanen
Behandlung», heißt es in einem am Dienstag
veröffentlichten Forschungsbericht von HRW. Solche Versicherungen
«schützen einfach nicht gegen Folter», betonte Holly
Cartner, Direktorin der Organisation für Europa und Mittelasien.
Die Praxis, Terrorverdächtige auf der Basis «diplomatischer
Versprechen» auszuliefern, gehe bis auf die 90er Jahre
zurück, heißt es in dem Bericht. Vor allem
Großbritannien und Schweden griffen auf solche Beteuerungen
ausländischer Regierungen zurück. London versuche derzeit,
Terrorverdächtige auf der Grundlage von Versprechungen an
Länder wie Jordanien oder Libyen abzuschieben. Auch Deutschland,
Österreich und die Niederlande hätten sich beim Versuch,
mutmaßliche Terroristen auszuweisen, auf leere Worte verlassen.
An Deutschland als derzeitige EU-Ratspräsidentschaft appellierte
die Menschenrechtsorganisation, alle EU-Staaten zu einem Ende der
«Mittäterschaft bei Folter» aufzurufen.
(Quelle: ap)
CIA-Ausschuss: Berlin lehnte Kurnaz-Freilassung ab
Mi.24.01.07 - Im Fall des jahrelang im US-Gefangenenlager Guantánamo
festeghaltenen Türken Murat Kurnaz gerät der deutsche
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) weiter unter
Druck. Der CIA-Sonderausschuss des Europaparlaments sah es in seinem
Abschlussbericht als erwiesen an, dass die frühere rot-grüne
Bundesregierung eine Freilassung von Kurnaz abgelehnt habe.
SPD-Fraktionschef Peter Struck übte deutliche Kritik an dem
Brüsseler Bericht. Unterdessen drängte die CSU im deutschen
Bundestag auf eine "unverzügliche Vernehmung" Steinmeiers vor dem
BND-Untersuchungsausschuss.
Anzeige
"Vertraulichen institutionellen Informationen" zufolge habe die
damalige Bundesregierung Ende 2002 ein Angebot der USA zur Freilassung
Kurnaz' zurückgewiesen, hieß es im Abschlussbericht des
Ausschusses. "Warum dies geschah, ist noch unklar", sagte
SPD-Europaabgeordnete Wolfgang Kreissl-Dörfler. "Bisher sagte die
Bundesregierung dazu nichts."
Der Bundesregierung wird vorgeworfen, eine von den USA 2002 angebotene
Freilassung Kurnaz' aus dem US-Gefangenenlager Guantánamo und
seine Rückkehr nach Deutschland aktiv verhindert zu haben.
Steinmeier war damals als Chef des Bundeskanzleramts für die
Kontrolle und Koordination der deutschen Geheimdienste zuständig.
Der Bericht wurde im Ausschuss mit 28 gegen 17 Stimmen angenommen, drei
Abgeordnete enthielten sich. Kritik übten vor allem Parlamentarier
aus den Reihen der Konservativen. Grüne und Liberale hätten
"objektive Ergebnisse durch Spekulationen verfälscht, kritisierte
die CDU-Abgeordnete Ewa Klamt. Im Februar soll der Bericht dem Plenum
(Xetra: 690100 - Nachrichten) des Europaparlaments zur Verabschiedung
vorgelegt werden.
Struck sagte bei einer Koalitionsklausur im brandenburgischen Werder zu
dem Abschlussbericht: "Ich denke, dass man den nicht so ganz ernst
nehmen kann, weil er sich nur auf öffentliche Unterlagen
stützt". Der Bericht in Berlin werde ein anderes Bild ergeben. Er
habe keinen Zweifel daran, dass sich Steinmeier als Kanzleramtschef an
Recht und Gesetz gehalten habe. Nach seinem Wissen habe es kein Angebot
der USA gegeben, Kurnaz an die deutsche Regierung zurückzugeben.
Unionsfraktionschef Volker Kauder warnte in Werder vor
"Vorverurteilungen". Allerdings sei der Vorgang schon deswegen
beachtlich, "weil jemand so lange in Haft war unter Folterbedingungen".
Er könne sich nicht vorstellen, "dass ein verantwortlich
handelnder Politiker dafür gesorgt hat, dass jemand in einem
solchen Bereich bleiben muss, obwohl er nicht dort bleiben müsste".
Steinmeier hat derweil die Anschuldigungen im Fall Murat Kurnaz
zurückgewiesen. Der Vorwurf, dass die frühere rot-grüne
Bundesregierung für die langen Leiden des
Ex-Guantánamo-Häftlings verantwortlich sei, sei
«erstens falsch und zudem schlicht infam», sagte Steinmeier
in Brüssel. Es habe 2002 kein Angebot der USA gegeben, Kurnaz frei
zu lassen.
(Quelle: afp)
Deutschland
Mysteriöse Mikrofone in Neskovics Bundestagsbüro gefunden
Mi.24.01.07 - Die im Bundestagsbüro des Linksfraktionsabgeordneten Wolfgang
Neskovic gefundenen Mikrofone waren nicht zum Abhören geeignet.
Eine erste Untersuchung ergab, dass es sich bei den in Neskovics
Büro gefundenen Gegenstände um handelsübliche Mikrofone
handele, teilte der Bundestag mit. Mit ihnen allein sei ein
Abhören, Aufzeichnen oder Weiterleiten des gesprochenen Wortes
nicht möglich. Das Bundesamt für Sicherheit in der
Informationstechnik überprüft derweil die zwei Mikrofone, die
seit Freitag im Büro von Neskovic gefunden worden waren. Neskovic
ist Obmann der Linksfraktion im Untersuchungsausschuss zum
Anti-Terror-Kampf.
Für derartige Maßnahmen geeignete Gegenstände
hätten sich auch nicht auf den Deckenlampen befunden. "Auch die
Staubablagerung auf den Deckenlampen deutet darauf hin, dass die Lampen
nicht manipuliert worden sind", hieß es in der Erkläung
weiter.
Zuvor hatten die Parlamentarischen Geschäftsführer von Union
und SPD, Norbert Röttgen und Olaf Scholz, über den Fund
informiert, ohne aber den Namen des Abgeordneten zu nennen. Woher die
Mikrofone kommen, ist nach Angaben von Röttgen derzeit noch unklar.
Wegen des Zwischenfalls soll in der kommenden Woche eine Sitzung des
Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestags einberufen werden. In
dem Gremium solle dann der Sachstand erörtert werden, der bis
dahin "hoffentlich bekannt ist". Der Sicherheitsdienst des Parlaments
ist mit der Aufklärung befasst.
(Quelle: afp)
SPD-Fraktionsvorsitzender Struck kritisiert Anti-Rentenpolitik-Kampagne
der IG Metall
Mi.24.01.07 - Der Streit zwischen der SPD und den Gewerkschaften um die Rentenpolitik
eskaliert. In einem dem «Handelsblatt» (Mittwochausgabe)
vorliegenden Brief an IG-Metall-Chef Jürgen Peters, beschwerte
sich SPD-Fraktionschef Peter Struck massiv darüber, mit welchen
Mitteln die IG Metall zurzeit aktuelle Rentenpolitik bewertet
«und einer ernsthaften politischen Auseinandersetzung aus dem Weg
geht». Insbesondere eine geplante Plakataktion, bei der die Fotos
von Bundestagsabgeordneten samt ihrer Position zur Rente mit 67
abgebildet werden sollen, sei ein Ärgernis. «Auf diese Form
der agitierenden und unfairen Auseinandersetzung» werde sich die
SPD nicht einlassen.
In der SPD-Fraktion sorgte die Plakataktion nach Angaben des Blattes
für erhebliche Unruhe. Renten-Experte Anton Schaaf zeigte sich
verärgert. Fraktionsvize Joachim Poß verweigerte eine
Teilnahme an der IG-Metall-Aktion, da er sich «an den Pranger
gestellt» fühle. Struck warf Peters vor, ihm gehe es mit der
Aktion «ausschließlich darum, Stimmung in den Betrieben und
Verwaltungen zu machen». Er forderte den IG-Metall-Chef auf,
künftig «für eine sachliche Diskussion» zu
sorgen. Bereits am Montag hatte der SPD-Vorsitzende Kurt Beck die IG
Metall aufgefordert, ihre seiner Meinung nach überzogenen Proteste
gegen die Rente mit 67 einzustellen.
(Quelle: ap)