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Aktuelle Nachrichten
Irak am neunhundertundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-Präsident warnt bei Niederlage im Irak vor Flächenbrand in
Nahost. US-Senatsausschuss erteilt Bushs Irak-Strategie eine Abfuhr.
Fünf Tote bei Absturz von US-Hubschrauber in Bagdad. Minister
für höhere Bildung entgeht Attentatsversuch
Do.25.01.07 - US-Präsident George W. Bush hat vor einem Flächenbrand im
Nahen Osten im Falle einer Niederlage der USA im Irak gewarnt. "Für
Amerika ist das ein Alptraumszenario; für den Feind ist das das
Ziel", sagte Bush in seiner ersten Rede zur Lage der Nation vor dem
inzwischen von der Demokratischen Partei dominierten Kongress. "Falls
sich die amerikanischen Streitkräfte zurückziehen, bevor
Bagdad sicher ist, dann würde die irakische Regierung von allen
Seiten von Extremisten überrannt werden", sagte Bush.
In diesem Fall wäre "eine epische Schlacht" zwischen vom Iran
unterstützten schiitischen Extremisten und radikalen Sunniten und
ihren Helfern von El Kaida und Anhängern Saddam Husseins zu
erwarten. Eine Welle der Gewalt könne das Land überfluten,
"und bald könnte die gesamte Region in den Konflikt hineingezogen
werden", warnte der Präsident.
Bush räumte ein, dass die US-Truppen im Irak angesichts der Gewalt
zwischen den Volksgruppen in einer schwierigen Lage seien: "Das ist
nicht mehr der Kampf, mit dem wir im Irak angefangen haben, aber es ist
nun einmal der Kampf, in dem wir gerade stehen." Der Präsident
verteidigte seinen Plan für eine Entsendung von 21.000
zusätzlichen Soldaten in den Irak. Die Abgeordneten und Senatoren
sollten diesem Plan "eine Chance" geben. "Es steht immer noch in unserer
Macht, das Ergebnis dieses Kampfes zu bestimmen."
Bushs Pläne für eine Truppenaufstockung im Irak werden nicht
nur von den Demokraten, sondern auch zunehmend von Republikanern
abgelehnt. Im Senat wird derzeit eine überparteiliche Resolution
vorbereitet, die Bush zum Verzicht auf das Vorhaben auffordern soll.
Umfragen zufolge sind zwei Drittel der US-Bürger gegen den Plan.
Nur noch ein Drittel ist mit Bushs Amtsführung zufrieden.
In ihrer offiziellen Antwort auf die Rede des Präsidenten
übten die Demokraten erneut harsche Kritik am Irak-Kurs des
Präsidenten. "Der Präsident hat uns rücksichtslos in
diesen Krieg geführt", sagte der demokratische Senator Jim Webb.
"Dieser Krieg wird weder von der Mehrheit der Nation, noch von der
Mehrheit in der Armee und im Kongress unterstützt. Wir brauchen
eine neue Richtung."
Im Streit um die Irak-Strategie hat derweil ein wichtiger Ausschuss im
US-Kongress den Plänen von Präsident George W. Bush eine
klare Abfuhr erteilt. Bushs Pläne stünden "im Gegensatz zum
nationalen Interesse der Vereinigten Staaten", hieß es in einer
vom außenpolitischen Ausschuss des US-Senats in Washington
verabschiedeten Entschließung. Der mit zwölf zu neun Stimmen
angenommene Text stützte sich auch auf die Stimme von Senator
Charles Hagel aus Bushs Republikanischer Partei.
In seiner Entschließung, die einem empfindlichen
Misstrauensbeweis für Bushs Politik gleichkommt, forderte der
Ausschuss, dass die USA die Verantwortung für die innere
Sicherheit auf die irakische Regierung und die irakischen
Sicherheitskräfte übertragen sollen. Zurückgewiesen
wurde von dem Ausschuss der Antrag des Demokraten Chris Dodd, die
Truppenstärke im Irak auf dem Stand vom 16. Januar festzuschreiben
und ansonsten Veränderungen der Truppe von der Zustimmung des
Kongresses abhängig zu machen. Der Ausschussvorsitzende Joseph
Bidden kündigte aber an, Anträge zu prüfen, die die
Regierung zu einer Abkehr von der von Bush am 10. Januar bekannt
gegebenen Strategie zwingen soll.
Vizepräsident Dick Cheney versuchte, ein negatives Votum des
Ausschusses zu relativieren: "Das wird uns nicht aufhalten", sagte er
dem Fernsehsender CNN. Er warnte die Abgeordneten, eine
Entschließung gegen die Strategie Bushs würde der Armee
schaden.
Der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy
bezeichnete die Irak-Politik der USA als "gescheitert" und riet von
einer militärischen Lösung des Problems ab. Der deutsche
FDP-Außenpolitiker Werner Hoyer erklärte am Rande eines
Washington-Besuchs: Die Rede des amerikanischen Präsidenten
"mutete teilweise unwirklich an - wie aus einer anderen Welt."
Über einem umkämpften sunnitischen Stadtteil Bagdads ist ein
Hubschrauber einer privaten US-Sicherheitsfirma abgestürzt.
Fünf amerikanische Mitarbeiter der Firma Blackwater kamen ums
Leben, wie ein Sprecher bestätigte. Nach irakischen Angaben wurde
der Hubschrauber am Dienstag über dem Stadtteil Fadhil von einem
Maschinengewehrschützen abgeschossen. Die US-Streitkräfte
widersprachen aber diesen Angaben.
Die genaue Absturzursache war nach US-Angaben noch nicht bekannt. Die
«New York Times» berichtete, der Hubschrauber sei unter
Beschuss geraten und habe sich dann bei einem Landeversuch in
Stromleitungen verfangen. Mindestens vier der getöteten Männer
hätten Wunden von Kopfschüssen. Sie seien offenbar am Boden
erschossen worden. Auch aus irakischen Militärkreisen verlautete,
vier der Opfer sei in den Hinterkopf geschossen worden.
Irakische Augenzeugen berichteten, der Hubschrauber sei
abgestürzt, nachdem auf ihn geschossen worden sei. Laut einem
Bericht des Fernsehsenders Al Dschasira erklärte die militante
sunnitische Gruppe 1920 Revolutionsbrigaden, sie habe den Hubschrauber
abgeschossen. Auf einer Website erklärte auch die sunnitische
Gruppe Ansar-al-Sunnah-Armee, sie sei für den Abschuss
verantwortlich. Die Gruppe stellte Ausweispapiere von Insassen des
Hubschraubers in Netz. Darüber hinaus beanspruchte auch die
sunnitische Gruppe Islamische Armee die Urheberschaft für den
Angriff.
Der Hubschrauber soll einen VIP-Konvoi am Boden begleitet haben.
Insgesamt stürzten damit seit Kriegsbeginn im März 2003
mindestens 14 Hubschrauber ab. Erst am Samstag war ein
US-Militärhubschrauber abgeschossen worden. Dabei wurden zwölf
US-Soldaten getötet.
Nördlich der schwer gesicherten Grünen Zone in Bagdad
lieferten sich Aufständische am Mittwoch Gefechte mit irakischen
und US-Soldaten. Nach Angaben der US-Streitkräfte gingen die
Sicherheitskräfte im Rahmen der Aktion «Tomahawk Strike
11» gegen Aufständische in der Gegend der Haifa-Straße
vor, einer Hochburg militanter Sunniten. Nach Angaben des irakischen
Verteidigungsministeriums wurden zwei mutmaßliche
Aufständische getötet und elf festgenommen. Außerdem
seien in einem Versteck in einer Schule Waffen beschlagnahmt worden.
Nach Krankenhaus- und Polizeiangaben wurde bei den Kämpfen auch
eine Zivilperson getötet, sieben weitere wurden verletzt.
Der Minister für höhere Bildung, Abed Thejab, entging am
Mittwoch einem Attentatsversuch. Bewaffnete Männer schossen auf
seinen Konvoi, als er im Süden Bagdads unterwegs war, wie ein
Ministeriumssprecher mitteilte. Ein Leibwächter des Sunniten Thejab
sei getötet und ein weiterer schwer verletzt worden.
Bei zwei Mörserangriffen im Osten und Westen der Hauptstadt wurden
insgesamt zwei Zivilpersonen getötet und mindestens fünf
verletzt, wie die Polizei mitteilte. Eine weitere Zivilperson wurde in
Bakuba nordöstlich von Bagdad aus einem fahrenden Auto heraus
erschossen. Drei Menschen wurden dabei verletzt.
In einem sunnitischen Gebiet westlich von Bagdad wurden zwei
US-Marineinfanteristen getötet. Nach US-Militärangaben vom
Mittwoch erlagen sie am Dienstag den Verletzungen, die sie bei
Kämpfen in der Provinz Anbar erlitten hatten.
(Quelle: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 25.01.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertsechsundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Oppositionsparteien in Deutschland gegen Blankoscheck für
Auslandseinsätze deutscher Soldaten
Do.25.01.07 - Opposition und Bundeswehrverband haben eindringlich davor gewarnt, die
Mitbestimmungsrechte des Bundestages bei Auslandseinsätzen der
Bundeswehr zu beschneiden. «Wir sind eine Parlamentsarmee, und wir
wollen eine Parlamentsarmee bleiben», sagte der
Verbandsvorsitzende Bernhard Gertz am Mittwoch der Nachrichtenagentur
AP. Auch Grüne und FDP mahnten, die Bundeswehr dürfe nicht
zur Regierungstruppe umgewandelt werden.
In der CDU gibt es Überlegungen, die Entsendung deutscher Soldaten
zu internationalen Einsätzen unter EU- und NATO-Flagge zu
erleichtern. Grünen-Chefin Claudia Roth erklärte:
«Dort, wo es um Leben und Tod geht, kann der Bundestag seine
Verantwortung nicht delegieren.» Auch der verteidigungspolitische
Sprecher der Grünen, Winfried Nachtwei mahnte, die Bundeswehr
dürfe nicht zur Kanzlertruppe umfunktioniert werden.
Die sicherheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Birgit
Homburger, forderte: «Die Rechte des Parlaments sind zu
stärken und nicht zu schwächen!» Ein Blankoscheck des
Bundestags für mögliche Einsätze während der
Legislaturperiode sei eine «inakzeptable Ignoranz des Parlaments
und Missachtung unserer Verfassung».
Gertz mahnte, es dürfe hier zu Lande keine Situation entstehen wie
derzeit in den USA. Amerikanische Soldaten befänden sich
möglicherweise bald in der Situation, vom Präsidenten gegen
den Wunsch des Kongresses in den Irak entsandt zu werden. «Das
schwächt selbstverständlich die Motivation, das schwächt
auch die Legitimation», sagte Gertz. Zwar möge manchem in
Europa und in der NATO das deutsche Entsendegesetz schwerfällig
erscheinen, doch bei genauerem Hinschauen merke man, dass nie das
Parlament der begrenzende Faktor gewesen sei. Gertz forderte, es
dürfe «keinen Einsatz deutscher Soldaten im Ausland unter
Waffen geben, der nicht vorher konstitutiv vom Bundestag genehmigt
worden ist».
Der CDU-Außenpolitiker Andreas Schockenhoff schlug laut
«Financial Times Deutschland» (Mittwochausgabe) vor:
«Der Bundestag soll die Bundesregierung zu Beginn einer
Legislaturperiode ermächtigen, den internationalen Organisationen
Truppen anzubieten.» Den Marschbefehl zu konkreten Einsätzen
könnte das Kabinett dann ohne den Bundestag ausstellen. «Das
Parlament hätte allerdings das Recht, die Truppen innerhalb von 90
Tagen zurückzuholen», zitierte die «FTD»
Schockenhoff. Die SPD teilt diese Auffassung nicht, wie Fraktionsvize
Walter Kolbow laut «FTD» sagte.
Auch der Fraktionsgeschäftsführer der Unionsfraktion, Norbert
Röttgen, hatte zuvor angekündigt, dass die
Entscheidungsstruktur bei Auslandseinsätzen 15 Jahre nach dem
ersten derartigen Einsatz überdacht werden müssten. Man
könne nicht über jeden Soldaten einzeln beschließen,
sagte er.
Das Parlamentsbeteiligungsgesetz aus dem Jahre 2005 sieht vor, dass
Auslandseinsätze grundsätzlich der Zustimmung des Bundestages
bedürfen. Im Antrag der Regierung müssen Auftrag,
Einsatzgebiet, Dauer, Kosten und Obergrenze der einzusetzenden Soldaten
definiert sein. Nur bei Einsätzen von geringer Intensität und
Tragweite - beispielsweise Erkundungskommandos - kann ein vereinfachtes
Zustimmungsverfahren greifen. Keine vorherige Zustimmung ist nötig
bei Gefahr im Verzug. Die Zustimmung muss dann aber unverzüglich
nachgeholt werden.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Neue Gewalt im Libanon. EU sagt Libanon weitere 400 Millionen für
Wiederaufbau zu. Hamas und Fatah setzen gemeinsamen Ausschuss ein
Do.25.01.07 - Einen Tag nach dem schweren Ausschreitungen im Libanon ist es am
Mittwoch erneut zu Zusammenstößen zwischen Anhängern
und Gegner der prowestlichen Regierung gekommen. In der Hafenstadt
Tripoli kam es bei der Beisetzung eines am Vortag getöteten Mannes
zu einer Schießerei, bei der zwei Menschen verletzt wurden.
Die Lage in der Hauptstadt entspannte sich dagegen, nachdem die
Hisbollah-Miliz den Generalstreik für beendet erklärt hatte.
Viele Straßen waren jedoch noch mit Barrikaden, verbrannten
Autoreifen und Schutt übersät. Bei den schwersten
Ausschreitungen seit zwei Monaten waren am Dienstag mindestens drei
Menschen getötet und mehr als 170 verletzt worden.
Ministerpräsident Fuad Siniora flog zu einer internationalen
Geberkonferenz für den Libanon nach Paris.
Die Europäische Union will den Wiederaufbau im Libanon nach dem
Krieg im Sommer 2006 mit weiteren 400 Millionen Euro unterstützen.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte am
Mittwoch in Brüssel, damit solle auch die Reformpolitik des
libanesischen Ministerpräsidenten Fuad Siniora unterstützt
werden. Zusammen mit der bereits geleisteten Hilfe erreicht die
Unterstützung für den Libanon dann rund 500 Millionen Euro.
«Europa hat enorme Anstrengungen unternommen, um diesem
tragischen Konflikt ein Ende zu bereiten und Libanon umfassende
Soforthilfe zu leisten», erklärte Barroso. Nun sei es an der
Zeit, die notwendigen politischen und wirtschaftlichen Reformen in
Angriff zu nehmen. Die Pariser Beratungen schließen sich an die
erste Libanon-Konferenz im August vergangenen Jahres in Stockholm an.
Siniora erklärte in Paris, er hoffe auch auf bedeutende Zusagen
der arabischen Länder. Es koste weniger, dem Libanon jetzt zu
helfen, als nichts zu tun. Beobachtern zufolge kann Siniora mit einer
Hilfe für den Wiederaufbau seines Landes in einer Gesamthöhe
von knapp vier Milliarden Euro rechnen.
Zur Vorbereitung einer Regierung der nationalen Einheit haben die
zerstrittenen Palästinenserorganisationen Hamas und Fatah die
Einsetzung eines gemeinsamen Ausschusses beschlossen. Das
elfköpfige Gremium solle bereits am Abend zusammenkommen, sagte ein
Sprecher der Demokratischen Front für die Befreiung
Palästinas (DFLP) am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Ziel des
Treffens sei es, die "Grundlagen und Prinzipien" des Regierungsprogramms
auszuarbeiten. Der Ausschuss sei für zwei Wochen eingesetzt.
Beschlossen worden sei zudem ein Stopp der innerpalästinensischen
Kämpfe und Medienkampagnen sowie die Einsetzung eines
Untersuchungsausschusses, der die Gewalt der vergangenen Wochen
zwischen Anhängern beider Seiten analysieren soll.
(Quellen: ap, afp)
UN warnen vor Gefahr eines Krieges zwischen Äthiopien und Eritrea
Do.25.01.07 - UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat vor einem neuerlichen Krieg
zwischen den verfeindeten ostafrikanischen Nachbarn Eritrea und
Äthiopien gewarnt. In einem am Mittwoch vorgelegten Bericht sprach
er sich für eine Verlängerung der UN-Mission in der
Pufferzone zwischen beiden Staaten aus. Sollten die Kämpfe wieder
aufflammen, könnte dies die gesamte Region am Horn von Afrika
destabilisieren, erklärte er mit Hinweis auf die Lage in Somalia.
Der Sicherheitsrat muss bis Ende Januar über eine
Verlängerung des UN-Mandats entscheiden. Eine 2.300 Soldaten
starke Blauhelmtruppe überwacht die Lage in dem 1.000 Kilometer
langen Pufferstreifen zwischen beiden Staaten. Russland hat in der
vergangenen Woche erklärt, mehrere UN-Sicherheitsratsmitglieder
seien für eine Reduzierung der Blauhelmtruppe auf 1.700 Soldaten.
Es gebe eine «beträchtliche Frustration» über
mangelnde Fortschritte bei der Festlegung einer Grenze.
Eritrea erlangte 1993 nach 30-jährigem Guerillakrieg die
Unabhängigkeit von Äthiopien, ohne dass damals der
Grenzverlauf genau festgelegt wurde. Deswegen kam es 1998 zum Krieg,
der mehrere zehntausend Menschen das Leben kostete. Im Dezember 2000
unterzeichneten beide Seiten in Algerien ein Friedensabkommen. Die von
einer internationalen Grenzkommission gezogene Grenze akzeptierte
Äthiopien allerdings nicht, da die Stadt Badme darin Eritrea
zugesprochen wurde.
(Quelle: ap)
Welternährungsorganisation FAO fordert Reform von Hungerhilfe
Do.25.01.07 - Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO)
hat am Mittwoch eine grundlegende Reform der internationalen Hungerhilfe
gefordert. In ihrem Jahresbericht forderte die FAO ein Ende der Praxis,
Hilfe an bestimmte Bedingungen zu knüpfen. Darüber hinaus
sollte Hilfe, wo immer möglich, in Form von Bargeld oder
Lebensmittelgutscheinen erfolgen. Nahrungsmittellieferungen
könnten Produzenten und Märkten in den
Empfängerländern schaden und den internationalen Handel
verzerren, erklärte die FAO in Rom.
In Fällen akuter Krisen oder chronischen Hungers gebe es zwar oft
keinen Ersatz für Nahrungsmittellieferungen, die zweifellos
Millionen Menschen gerettet hätten. Doch könnten damit
örtlich vorhandene Nahrungsmittelkreisläufe untergraben
werden, hieß es in dem Bericht der FAO. Im Gegensatz dazu
könnten Bargeld oder Gutscheine die örtliche Produktion
anregen, die lokalen Kreisläufe stärken und die
Entscheidungsbefugnisse der Empfänger verbessern, wie dies bei der
herkömmlichen Hilfe nicht möglich sei. Es sei immer besser,
Menschen das Fischen zu lehren und ihnen beim Fischen zu helfen, als
ihnen Fisch zu geben, sagte FAO-Generaldirektor Jacques Diouf.
Bislang seien bis zu 90 Prozent der Hungerhilfe an bestimmte
Bedingungen geknüpft. Dies führe dazu, dass rund ein Drittel
des weltweiten Hilfsbudgets, etwa 600 Millionen Dollar (460 Millionen
Euro), in den Geberländern ausgegeben werde und die
Bedürftigen nie erreiche. Die wichtigsten Geberländer geben
bis zur Hälfte des Budgets für die Abwicklung der Hilfe im
Inland und für die Lieferung der Hilfsgüter durch nationale
Transportfirmen aus, wie es in dem Bericht unter Berufung auf
Forschungsergebnisse heißt.
Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass Lebensmittelhilfe zwar wichtig
sei, doch könne sie die Hunger und Armut zu Grunde liegenden
sozialen und wirtschaftlichen Ursachen nicht beheben. Die
Geberländer dürften daher langfristige Ziele nicht aus dem
Blick verlieren. Dazu zählten vorbeugende Maßnahmen wie eine
Verbesserung der Produktionssicherheit und der Produktivität, sagte
Diouf.
Die FAO schätzt die Zahl der chronisch unterernährten
Menschen weltweit auf 854 Millionen - praktisch ebenso viele wie Anfang
der 90er Jahre. Von ihnen leben 61 Prozent in Asien und dem pazifischen
Raum, 24 Prozent in Afrika südlich der Sahara. Seit den 80er Jahren
hat sich die Zahl der Hungersnöte der FAO zufolge verdoppelt,
insbesondere in Afrika. Hungersnöte seien aber selten die Folge
von einem absoluten Mangel an Lebensmitteln. Häufiger komme es
vielmehr vor, dass zahlreiche Menschen keinen Zugang zu Nahrungsmitteln
hätten.
(Quelle: ap)
Wachstum in China im vergangenen Jahr bei 10,5 Prozent
Do.25.01.07 - Die chinesische Wirtschaft ist nach Angaben der Finanzbehörden vom
Mittwoch im vergangenen Jahr um 10,5 Prozent gewachsen. Demnach blieb
das Wachstumstempo in etwa stabil: Auch für das Jahr 2005 hatte
China einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um 10,4 Prozent gemeldet.
Die Zahlen gelten allerdings als geschönt. Tatsächlich
dürfte die Wirtschaft im Reich der Mitte noch weit kräftiger
gewachsen sein. Erst in der vergangenen Woche hatte der Chef der
Statistikbehörde berichtet, dass die Provinzen häufig zu
niedrige Konjunkturzahlen nach Peking meldeten, um die von der
Regierung vorgegebenen Zahlen zu erfüllen. Experten werfen China
seit Jahren vor, seine Wachstumszahlen nach unten zu korrigieren.
(Quelle: afp)
China eröffnet in der Europastadt Straßburg ein
Konfuzius-Institut
Do.25.01.07 - Die Volksrepublik China will im Laufe dieses Jahres in der Europastadt
Straßburg ein Konfuzius-Institut mit Sprachkursen und Workshops
eröffnen. Dies gab am Mittwoch ein Sprecher des elsässischen
Regionalrats (Regionalparlaments) bekannt. Nach seinen Angaben handelt
es sich bereits um das vierte chinesische Kulturinstitut in Frankreich.
Vier andere befinden sich in Paris, in der mittelfranzösischen
Stadt Poitiers sowie in La Rochelle im Westen des Landes. Die
Volksrepublik plant die Gründung von weltweit rund hundert solcher
Institute, die die chinesische Sprache und Kultur fördern sollen.
Die nach dem großen chinesischen Philosophen Konfuzius benannten
Einrichtungen arbeiten meist mit Universitäten zusammen.
In Deutschland wurde das erste Konfuzius-Institut im April vergangenen
Jahres an der Freien Universität Berlin (FU) eröffnet.
China-Interessierte können dort Sprachkurse belegen,
Trainingsseminare oder Workshops besuchen und Vorträge hören.
Zum Angebot gehören die Vorbereitung auf die international
anerkannte Sprachprüfung "Hanyu Shuiping Kaoshi" (HSK) ebenso wie
Veranstaltungen zu chinesischer Medizin und Kalligrafie.
(Quelle: afp)
UN-Vermittler will Minderheitenrechte im Kosovo garantieren
Do.25.01.07 - Der UN-Sondergesandte Martti Ahtisaari setzt in seinem Kosovo-Plan auf
den Schutz von Minderheitenrechten und eine starke internationale
Präsenz. Drei Tage nach der Wahl in Serbien sprach sich Ahtisaari
am Mittwoch vor der Parlamentarischen Versammlung des Europarats
für ein demokratisches und multiethnisches Kosovo aus, in dem die
Rechte und Interesse aller Volksgruppen rechtsstaatlich garantiert seien.
Zudem trete er für eine starke internationale Präsenz in der
heutigen serbischen Provinz ein, sowohl zivil als militärisch,
sagte Ahtisaari. Der finnische Politiker wird seine Empfehlungen
für den künftigen Status des Kosovos vermutlich in den
nächsten Tagen den westlichen Regierungen und Russland vorstellen
und dann am 2. Februar den Serben und Albanern in der Provinz. Nachdem
beide Parteien darüber beraten hätten, werde er seinen Bericht
abschließen und dem UN-Sicherheitsrat vorlegen, kündigte
Ahtisaari an. «Dort beginnt das wirkliche Endspiel in diesem
Prozess.»
EU-Diplomaten erwarten, dass der Vermittler eine Art bedingte
Unabhängigkeit der Provinz vorschlagen will. In dem Fall
dürfte es längere Debatten im Sicherheitsrat geben, da
Russland als traditioneller Verbündeter Belgrads gegen eine
Loslösung des Kosovos ist. Das Kosovo gilt den Serben als
historisches Herz des Landes, während die albanische
Bevölkerungsmehrheit die Unabhängigkeit fordert. Seit dem
Krieg der NATO von 1999 steht die Provinz unter internationaler
Verwaltung.
(Quelle: ap)
Griechenland signalisiert Unterstützung für türkischen
EU-Beitritt
Do.25.01.07 - Griechenland will den EU-Beitritt der Türkei unterstützen,
wenn das Nachbarland die Bedingungen der Europäischen Union
erfüllt und seine Häfen für den Handel mit Zypern
öffnet. «Unsere Politik lautet: Volle Erfüllung, voller
Beitritt», sagte der griechische Ministerpräsident Kostas
Karamanlis am Mittwoch. «Wir müssen einen Weg finden, die
Türkei auf einem europäischen Kurs zu halten.» Die
Beitrittsverhandlungen waren ins Stocken geraten, weil die Türkei
eine 2005 beschlossene Zollunion mit Zypern noch nicht umgesetzt hat.
Die Teilung der Mittelmeerinsel sei eine der letzten Hürden auf
dem Weg zur Wiedervereinigung Europas, sagte Karamanlis vor der
Parlamentarischen Versammlung des Europarats. Griechenland sei deshalb
entschlossen, bei der Suche nach einer umfassenden Lösung des
Problems zu helfen. «Die andauernde Teilung Zyperns im 21.
Jahrhundert ist logisch und moralisch inakzeptabel», betonte er.
Seit der Invasion türkischer Truppen im Jahr 1974 besteht Zypern
aus der Republik im griechisch geprägten Süden und einem
international nicht anerkannten Staatswesen im Norden der Insel.
(Quelle: ap)
Armenien bietet Türkei Aufnahme diplomatischer Beziehungen an
Do.25.01.07 - Armenien hat der Türkei am Mittwoch erneut die Aufnahme
diplomatischer Beziehungen angeboten. Dafür gebe es keine
Bedingungen, sagte Vizeaußenminister Arman Kirakosian nach einem
Besuch der Familie des ermordeten türkisch-armenischen
Journalisten Hrant Dink. Streitpunkte zwischen den Nachbarn ist die
Bewertung des Massenmords an Armeniern im Osmanischen Reich Anfang des
20. Jahrhunderts sowie der Konflikt um Berg-Karabach. Der
türkische Außenminister Abdullah Gül erklärte,
Ankara wolle die Beziehungen zu Eriwan verbessern. Doch dürfe
Armenien keine ungerechtfertigten Bedingungen stellen. Die ehemalige
Sowjetrepublik ist seit 1991 unabhängig, die Grenze zur
Türkei ist seit 1993 geschlossen.
(Quelle: ap)
Weltwirtschaftsforum in Davos: Top-Manager fordern Bush zu Taten
gegen Klimawandel auf
Do.25.01.07 - Die Chefs weltweit führender Unternehmen haben US-Präsident
George W. Bush zu Taten im Kampf gegen den Klimawandel aufgefordert.
Bushs Ankündigungen in seiner Rede zur Lage der Nation seien ein
guter erster Schritt, sagte James Rogers von Duke Energy am Mittwoch in
Davos, wo am Nachmittag das Weltwirtschaftsforum beginnen sollte. "Aber
wir müssen noch viele weitere tun."
Als eines der politischen Ziele der letzten beiden Jahre seiner
Amtszeit hatte Bush in der Nacht zum Mittwoch eine Reduzierung des
Benzinverbrauchs angekündigt und sich für umweltfreundliche
Energien ausgesprochen. Er ging weiterhin nicht auf Forderungen ein,
für den Ausstoß von Treibhausgasen feste Vorgaben zu machen
und damit eine der Hauptquellen des Klimawandels einzudämmen.
Der Chef des weltgrößten Aluminiumproduzenten Alcoa, Alain
Belda, forderte US-weite Umweltschutzvorschriften. Es gehe nicht an,
dass jeder Bundesstaat eigene Regeln erlasse. Eine nationale
Gesetzgebung verringere zudem das Risiko der Unternehmen, die in eine
Reduzierung von Treibhausgasen viel Geld investieren müssten.
Deutsche Politiker sehen nach der Rede größere Chancen, die
USA in das Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll einzubinden,
in dem sich die Vertragspartner auf konkrete Umweltschritte
verpflichten. "Ich glaube, dass wir Chancen haben, weil einfach der
Druck viel größer geworden ist", sagte
Bundesumwelt-Staatssekretär Michael Müller (SPD) dem Rundfunk
Berlin-Brandenburg. Der Klimawandel sei heute eine brutale Wirklichkeit
und "dem können sich auch die USA nicht entziehen". Auch der
ehemalige Umweltminister Jürgen Trittin von den Grünen
äußerte sich positiv. Die Rede könne "die
transatlantische Zusammenarbeit im Kampf gegen den Klimawandel
verbessern", sagte er in einem Interview.
(Quelle: rtr)
Greenpeace fordert Halbierung der CO2-Emissionen bis 2050
Do.25.01.07 - Greenpeace hat einen Plan zur Halbierung der weltweiten Emissionen von
Treibhausgasen bis 2050 vorgelegt. Die USA sollten sogar eine
Reduzierung um fast 75 Prozent anstreben, heißt es in einem am
Mittwoch vorgestellten Bericht der Umweltorganisation. Möglich sei
dies ohne den Einsatz von Atomkraft oder neuer Kohletechniken.
Greenpeace schlägt stattdessen einen vermehrten Einsatz
erneuerbarer Energien vor, die in den Vereinigten Staaten bis 2050
für etwa 80 Prozent der Stromversorgung aufkommen könnten.
Unter anderem Biotreibstoffe und effizientere Fahrzeuge könnten
den Ölverbrauch in den USA im gleichen Zeitraum um mehr als die
Hälfte kappen.
Der amerikanische Präsident George W. Bush hatte am Dienstag in
seiner Rede zur Lage der Nation eine drastische Reduzierung des
Benzinverbrauchs in Aussicht gestellt. Dieser soll bis 2017 um 20
Prozent sinken. Den internationalen Bemühungen um eine
verbindliche Drosselung der Treibhausgase im Anschluss an das 2012
auslaufende Kyoto-Protokoll will sich die amtierende US-Regierung
jedoch nicht anschließen.
(Quelle: ap)
EU-Energiekommissar für Zerschlagung von Konzernen
Do.25.01.07 - EU-Energiekommissar Andris Piebalgs hat die Kritik großer
Energiekonzerne wie E.ON und RWE an den Plänen zur Zerschlagung der
Unternehmen zurückgewiesen.
Die EU-Kommission reagiere auf den mangelnden Wettbewerb, sagte
Piebalgs am Mittwoch in Berlin der Nachrichtenagentur Reuters. "Die
Kunden klagen, dass sie keine Möglichkeiten haben, alternative
Anbieter zu finden." Allerdings solle es keine Enteignungen geben.
Während des Besuchs einer Energietagung in der Hauptstadt wies
Piebalgs zudem Forderungen aus Deutschland zurück, die Wirkung der
bisher beschlossenen Schritte zur Entflechtung der Versorger erst einmal
abzuwarten. Hierfür haben sich neben den Energieriesen auch
Wettbewerbshüter wie der Chef der deutschen Bundesnetzagentur,
Matthias Kurth, ausgesprochen.
Die Energiekonzerne haben auf Druck der Politik ihre Strom- und
Gasnetze zwar inzwischen in Tochterfirmen ausgelagert, sie halten sie
aber weiter fest im Griff. Der EU-Kommission geht dies nicht weit genug.
Sie schlägt vor, den Konzernen die Netze zu entreißen und
sie einem neuen Eigentümer zu übertragen. Alternativ
könnten sie zwar rechtlich im Besitz der Versorger bleiben, der
Betrieb müsse dann aber einer völlig unabhängigen
Gesellschaft übertragen werden.
Piebalgs ließ keinen Zweifel, dass er den radikaleren Schritt
vorzieht. "Es ist klar, dass das der nächste Schritt ist, den wir
machen müssen", sagte Piebalgs auf der Konferenz. In dem
Reuters-Interview legte er nach: Die EU-Kommission habe anderthalb Jahre
den Energiemarkt untersucht und sei zu dem eindeutigen Schluss
gekommen, dass der Wettbewerb nicht funktioniere. Daher sei die
Zerschlagung das richtige Mittel.
Die großen Konzerne haben erbitterten Widerstand gegen die
Pläne der EU angekündigt und überschütten
Netzagenturchef Kurth inzwischen mit ungewohnten Lobeshymnen. Die Bonner
Behörde habe doch durch die angeordneten Senkungen der
Netzgebühren gezeigt, dass die Regulierung der Strom- und Gasnetze
funktioniere. Weitergehende Schritte, wie sie die EU vorschlage, liefen
auf eine Enteignung der Konzerne hinaus, klagen sie.
Piebalgs räumte ein, dass die Pläne durchaus zu
Rechtsstreitigkeiten führen könnten. Diese müssten von
Experten geklärt werden. Er äußerte sich zuversichtlich,
dass die Forderungen auch in Deutschland durchgesetzt werden
könnten, wo Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) erhebliche
rechtliche Bedenken geltend gemacht hat. In einem Mitgliedstaat der
Europäischen Union liege alle Macht beim Volk, betonte Piebalgs.
Die Forderung der EU zeige zudem bereits jetzt Wirkung: "In Deutschland
ist die Diskussion da, das ist schon ein Erfolg."
(Quelle: rtr)
Deutschland
Rekord-Strafgeld für Siemens wegen Preisabsprachen
Do.25.01.07 - Neue Hiobsbotschaft für Siemens: Der von einem Schmiergeldskandal
erschütterte Elektroriese muss wegen illegaler Preisabsprachen bei
Schaltanlagen für Stromnetze ein Rekord-Bußgeld von rund 419
Millionen Euro an Brüssel zahlen. Siemens kündigte an, gegen
die Entscheidung zu klagen.
Der Strafgeld-Beschluss traf den Konzern unmittelbar vor seiner
Hauptversammlung an diesem Donnerstag in München. «Das ist
reiner Zufall», sagte der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin
Neelie Kroes in Brüssel.
Von der Strafe über exakt 418,6 Millionen Euro entfallen 396,6
Millionen Euro auf Siemens Deutschland. Weitere 22 Millionen Euro muss
Siemens Österreich für den im Jahr 2005 gekauften Anlagenbauer
VA Tech in die EU-Kasse überweisen, entschied die EU-Kommission am
Mittwoch in Brüssel. «Der Grund für das hohe Strafgeld
ist die Größe des Unternehmens und sein Marktanteil»,
sagte der Sprecher.
Siemens habe mit zwei weiteren Unternehmen eine führende Rolle
gespielt; deshalb wurde die Strafe für den Münchner Konzern um
50 Prozent nach oben gesetzt. Für die insgesamt elf an dem Kartell
beteiligten Unternehmen sind Strafgelder von insgesamt 750,7 Millionen
Euro fällig. «Schwerwiegende Verstöße dieser Art
sind für uns überhaupt nicht hinnehmbar»,
erklärten die Brüsseler Wettbewerbshüter.
Preisabsprachen zum Schaden von Kunden und Verbrauchern sind in der EU
streng verboten. Bußgelder können bis zu zehn Prozent eines
Jahresumsatzes betragen.
Siemens will gegen das Bußgeld beim EU-Gericht in Luxemburg
klagen. «Wir halten die verhängten Bußgelder für
absolut überzogen und können sie überhaupt nicht
nachvollziehen», sagte der Chef des Siemens-Bereichs Power
Transmission & Distribution, Udo Niehage. Zwar habe es von Oktober
2002 bis April 2004 Absprachen bei gasisolierten
Hochspannungsschaltanlagen «bei einigen wenigen Projekten im
europäischen Wirtschaftsraum» gegeben. Die pauschalen
Vorwürfe der EU-Kommission, wonach Siemens zwischen 1988 und 2004
an einem entsprechenden Kartell teilgenommen habe, weise der Konzern
aber zurück. Die betroffenen Mitarbeiter sind nach Angaben von
Siemens inzwischen suspendiert worden.
Das Bußgeld für Siemens sei das höchste in der
EU-Geschichte für ein einzelnes Unternehmen für einen einzigen
Kartellverstoß, berichteten die EU-Wettbewerbshüter. Das
gesamte Bußgeld für das Schaltsystem-Kartell ist das
zweithöchste in der EU-Historie. Vor sechs Jahren hatte ein
Vitaminkartell 790 Millionen Euro berappen müssen.
An dem Kartell beteiligt waren unter anderen die französischen
Konzerne Schneider, Alstomund AREVA sowie die japanischen
Elektrogiganten Hitachi, Mitsubishi und ToshibaMitsubishi muss allein
118 Millionen Euro berappen.
Der internationale Maschinenbaukonzern ABB beichtete die
Verstöße in Brüssel und bleibt deshalb als Kronzeuge von
einem Bußgeld von 215 Millionen Euro verschont. ABB-Sprecher
Thomas Schmidt sagte trotz der Beteiligung: «Wir üben Null
Toleranz gegen unlautere Geschäftspraktiken und setzen das auch
konsequent um - auch wenn mir mal nicht so gut wegkommen wie
jetzt.»
Die erzielten Gewinne aus dem Kartell bezifferte die Kommission auch
auf Nachfrage nicht. Die Bußgeld-Entscheidung sollte
ursprünglich bereits im Dezember fallen, war dann aber kurzfristig
verschoben worden.
Brüssel warf den Unternehmen vor, über einen Zeitraum von
mehr als 16 Jahren Absprachen zum Nachteil der Kunden getroffen zu
haben. Das Kartell bestand demnach von 1988 bis 2004. Es umfasste de
facto die gesamte weltweite Branche mit Ausnahme der USA. Das Kartell
betraf «Angebotsabsprachen bei Ausschreibungen, Preisabsprachen,
Projekt- und Marktaufteilung sowie dem Austausch geschäftlich
wertvoller und vertraulicher Informationen». Mit den gasisolierten
Schaltanlagen werden Energieflüsse in Stromnetzen kontrolliert.
Sie sind ein wichtiger Bestandteil von Umspannwerken.
Die Untersuchungen der Kommission gegen Siemens und VA Tech liefen nach
früheren Unternehmens-Angaben seit 2004. Der Münchner Konzern
arbeitete bei den Ermittlungen mit den EU-Wettbewerbshütern
zusammen. Zu möglichen Rückstellungen oder Auswirkungen auf
Ergebnis des Konzerns machte ein Siemens-Sprecher zunächst keine
Angaben.
(Quelle: dpa)
Angst vor Altersarmut wächst
Do.25.01.07 - In Deutschland wächst die Angst vor der Altersarmut - und dennoch
sind derzeit nur die wenigsten zum Ausbau ihrer Altersvorsorge bereit.
Dies geht aus einer Allensbach-Umfrage im Auftrag der Postbank hervor.
Demnach meint fast jeder zweite Bundesbürger (46 Prozent), nicht
ausreichend für das Alter abgesichert zu sein. Nur noch 35 Prozent
finden ihre Vorsorge ausreichend. Allerdings planen demnach derzeit nur
32 Prozent der Deutschen, ihre Vorsorge zu verstärken.
"Dies ist der niedrigste Wert, den wir je im Laufe unserer Studien seit
2003 ermittelt haben", sagte Postbank-Privatkundenvorstand Wolfgang
Klein. Die Ergebnisse der bislang vierten
Postbank/Allensbach-Untersuchung zur Altersvorsorge in Deutschland
belegen laut Klein, dass die staatliche Subventionierung privater
Vorsorgemodelle verstärkt werden muss. Obwohl etwa bei jungen
Berufstätigen die Furcht vor Altersarmut besonders ausgeprägt
sei, würden "die eingezahlten Beträge und auch der Kreis
derer, die etwas tun, kleiner". Der Umfrage zufolge haben 51 Prozent
derzeit nicht vor, neu in die private Altersvorsorge zu investieren, 17
Prozent sind noch unentschieden.
Bei denjenigen, die verstärkt auf eigene Initiative vorsorgen
wollen, steht der Abschluss einer privaten Rentenversicherung an erster
Stelle - sieben Prozent nannten dies als ihre Option. Der Kauf eines
Eigenheims fällt mit 5,6 Prozent dahinter zurück; in der
Vorjahresstudie lag diese Möglichkeit noch auf Platz eins. Ein
Grund dafür könne sein, dass nach Abschaffung der
Eigenheimzulage 2005 keine Anschlussförderung ins Leben gerufen
wurde, vermutet die Postbank. Gefragt, wieviel Geld sie zur Sicherung
ihres Lebensstandards im Alter investieren müssten, gaben die
Berufstätigen mit monatlich 248 Euro zehn Prozent mehr als im
Vorjahr an.
Das Vertrauen der Deutschen in die Stabilität des staatlichen
Rentensystems ist zwar über die Jahre hinweg drastisch gesunken -
fast 90 Prozent haben wenig oder gar kein Vertrauen in die staatliche
Rente. Grundsätzlich halten aber nach wie vor 70 Prozent die
staatliche Rente für die ideale Form der Alterssicherung. Auf Rang
zwei liegen das eigene Haus oder die eigene Wohnung mit 62 Prozent,
gefolgt von einer privat oder über den Arbeitgeber abgeschlossenen
Riester-Rente mit 49 Prozent. Für die Studie befragte Allensbach
2077 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger im Alter ab
16 Jahren.
(Quelle: afp)
Nur jeder dritte Baum im deutschen Wald gesund
Do.25.01.07 - Nur jeder dritte Baum in deutschen Wäldern ist gesund. Laut
Waldzustandsbericht 2006 haben Wetterextreme, Klimawandel und
Schadstoffe auch im vergangenen Jahr den Bäumen geschadet.
Allerdings gebe es beim Gesundheitszustand keinen negativen Trend, sagte
Agrar-Staatssekretär Peter Paziorek am Mittwoch in Berlin.
«Wir haben im Gegenteil die Hoffnung, dass sich unsere Wälder
langsam wieder erholen.»
Seit 1984 wird der Kronenzustand der Waldbäume
regelmäßig erfasst. Die jüngste Erhebung ergab, dass
innerhalb eines Jahres der Anteil der Bäume mit deutlicher
Kronenverlichtung von 29 auf 28 Prozent gesunken ist. Alle ihre
Blätter und Zweige hatten 32 Prozent der Bäume, drei
Prozentpunkte mehr als 2005.
Von der häufigsten Baumart, der Fichte, sind 27 Prozent deutlich
geschädigt, Tendenz rückläufig (minus vier
Prozentpunkte). Auch die Eiche erholte sich laut Statistik. War 2005
noch jeder zweite Baum stark geschädigt, sank die Quote binnen
Jahresfrist auf 44 Prozent.
Die Buche ist der häufigste Laubbaum in Deutschland. Wegen des
Klimawandels und des hohen Stickstoffangebots blüht sie seit 2000
alle zwei Jahre und setzt Früchte an. Früher geschah dies nur
alle zehn Jahre. Da aus einer Knospe nur eine Blüte oder ein Blatt
entstehen kann, zeigte sich 2006 bei fast jedem zweiten Baum eine
deutliche Kronenverlichtung.
Der parlamentarische Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium,
Paziorek, erklärte, angesichts der Vorschäden bei den
Bäumen seien Erfolge der Klimaschutzpolitik nicht sofort sichtbar.
Die Bundesregierung setze ihre Klima- und Luftreinhaltepolitik fort.
Außerdem würde Energie eingespart und vermehrt Biokraftstoffe
sowie nachwachsende Rohstoffe genutzt werden.
Als Folge des Orkans «Kyrill» ist nach Angaben des
Staatssekretärs mit Sturmschäden im Wald zu rechnen, bei denen
25 Millionen Kubikmeter Holz zurückbleiben. Das ist weniger als
1999 nach «Lothar» mit 35 Millionen Kubikmeter und 1990
nach «Wiebke» mit 75 Millionen Kubikmeter. Allein im
Sauerland gebe es aber 50.000 Hektar Kahlfläche.
Nach Angaben der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) sind am
stärksten betroffen die Bundesländer Nordrhein-Westfalen mit
schätzungsweise zehn bis zwölf Millionen Kubikmeter, Bayern
mit vier Millionen Kubikmeter und Hessen mit zwei bis drei Millionen.
Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald erklärte zum
Waldzustandsbericht, trotz gesunkener Schadstoffe seien auf Grund der
extremen Witterungsbedingungen die Schadenszahlen noch gestiegen.
Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen sowie das Saarland
hätten die höchsten Schäden seit Beginn der Berichte. Der
Wald könne den vielfältigen Belastungen, auch durch
Klimaextreme, immer weniger entgegensetzen.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte,
Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer müsse eine
«Gesundheitsreform für den Wald» durchsetzen.
Wälder seien für den Klimaschutz unverzichtbar und litten
zugleich mit am stärksten unter der Erderwärmung. Blatt- und
Nadelverluste, Nottriebe, Notblüte und verstärkte
Fruchtbildung seien Zeichen für den Stress, dem die Bäume
ausgesetzt seien.
(Quelle: ap)