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Aktuelle Nachrichten
Irak am neunhunderteinundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
18 Jahre Haft für US-Soldat wegen Mordes an irakischem Gefangenen.
Irakische Regierung bereitet Großangriff auf Rebellen vor. USA
wollen Geheimaktivitäten Irans im Irak beweisen. 25 Tote bei
Autobombenanschlag im Zentrum von Bagdad
Fr.26.01.07 - Wegen der Ermordung eines irakischen Gefangenen ist ein US-Soldat am
Donnerstag zu 18 Jahren Haft verurteilt worden. Dem 21-Jährigen
wurde ferner die Beteiligung an der Tötung zweier weiterer
Gefangender zur Last gelegt. Der Soldat hatte sich in allen drei
Fällen vor dem Militärgericht in Fort Campbell im Staat
Kentucky schuldig bekannt. Er ist einer von insgesamt vier US-Soldaten,
die sich wegen der Schüsse bei einer Razzia gegen
mutmaßliche Aufständische verantworten müssen. Nach der
Militäraktion im Mai vergangenen Jahres nahe der Stadt Samarra
hatten die Soldaten angegeben, sie hätten geschossen, weil die
Gefangenen fliehen wollten. Inzwischen haben sie eingeräumt, dass
diese Angaben falsch waren. Einer der vier wurde vor zwei Wochen
ebenfalls zu 18 Jahren Haft verurteilt.
In Abstimmung mit den USA bereitet die irakische Regierung einen
Großangriff auf Rebellen in Bagdad vor. Es werde keinen sicheren
Ort mehr für die Aufständischen geben, sagte
Ministerpräsident Nuri al-Maliki am Donnerstag vor dem Parlament.
Die Offensive mit Unterstützung der 21.500 Soldaten, die die USA
zusätzlich in den Irak schicken wollen, werde sich
gleichermaßen gegen sunnitische wie schiitische Extremisten
richten. Wann sie beginnen soll, sagte der Regierungschef nicht.
Im Zentrum von Bagdad dauerten die heftigen Straßenkämpfe
zwischen amerikanischen und irakischen Soldaten auf der einen und
sunnitischen Aufständischen auf der anderen Seite weiter an.
Scharfschützen verschanzten sich auf Dächern von
Hochhäusern und lieferten sich Schießereien mit an Fenstern
postierten Rebellen. Die US-Streitkräfte setzten auch
Kampfhubschrauber vom Typ Apache ein. Über dem Stadtteil an der
Haifa-Straße am Westufer des Tigris stiegen dunkle Rauchwolken auf.
Der irakische Regierungssprecher Ali al Dabbag sagte, das Ziel der
Offensive sei es, die Haifa-Straße «von Terroristen und
Gesetzlosen zu säubern». Nach Angaben des irakischen
Verteidigungsministeriums wurden 30 Aufständische getötet und
27 gefangen genommen. Ein US-Militärsprecher teilte mit, bei der
Militäraktion mit der Bezeichnung «Tomahawk Strike II»
seien auch schwere Waffen beschlagnahmt worden.
Bei einem Selbstmordanschlag im Zentrum von Bagdad sind 25 Menschen
getötet worden. 50 weitere wurden nach Angaben von
Rettungskräften verletzt, als eine Autobombe beim Vorbeifahren
einer Polizeipatrouille in einem Geschäftsviertel explodierte.
Bereits am Morgen waren sieben Menschen bei einem Anschlag auf einen
Markt in der irakischen Hauptstadt getötet worden.
Die US-Regierung verfügt nach eigenen Angaben über Beweise
für die Arbeit iranischer Geheimdienstagenten im Irak. "Es gibt
solide Beweise dafür, dass iranische Agenten (...) mit Personen und
Gruppen im Irak zusammenarbeiten", sagte der Sprecher des
US-Außenministeriums, Sean McCormack. Er verwies auf die Festnahme
von fünf Iranern am 11. Januar in einem iranischen
Verbindungsbüro im nordirakischen Erbil. Der Iran protestierte
gegen die Festnahmen, weil es sich angeblich um Diplomaten handelte.
McCormack wies dies zurück.
Die Festgenommenen seien keine Diplomaten, sagte McCormack. Die
Männer seien noch immer in Gewahrsam. Der
US-Außenamtssprecher wollte keine Angaben dazu machen, ob die
US-Behörden Beweise auch dafür hätten, dass der Iran
Sprengsätze an die irakischen Aufständischen liefere. "Etwas
muss nicht notwendigerweise im Iran gebaut sein, um eine Bedrohung der
US- oder britischen Truppen durch das iranische Regime darzustellen.
(...) Man kann das Know-how liefern. Man kann andere Leute im Irak
ausbilden, um das zu tun." Er vermute, dass der Iran seine Spuren
verwische. So werde auf den im Irak eingesetzten Sprengsätzen kein
"Made in Iran"-Hinweis angebracht sein.
McCormack kündigte die Veröffentlichung von mehr
Informationen zu den US-Informationen über die Aktivitäten
Teherans im Nachbarland an. "Ich erwarte, dass wir in der nahen Zukunft
ein bisschen mehr öffentlich machen - in dem Ausmaß, in dem
wir mit Geheimdienstinformationen umgehen", sagte der
Ministeriumssprecher.
Die skeptische Einschätzung der Entwicklung im Irak prägte
unterdessen weiter die Debatte im US-Kongress in Washington. Mit einem
ersten Abstimmungserfolg im Senat verstärkten die Demokraten ihren
Druck auf die Politik von US-Präsident George W. Bush. Der
Auswärtige Ausschuss des Senats billigte mit zwölf zu neun
Stimmen eine Resolution, die die geplante Entsendung von 21.500
zusätzlichen Soldaten ablehnt. Dieser von der Regierung geplante
Schritt liege nicht im nationalen Interesse, heißt es in der
nichtbindenden Entschließung.
Das Weiße Haus zeigte sich wenig beeindruckt von der Abstimmung
im Senatsausschuss. Vizepräsident Dick Cheney sagte: «Der
Präsident hat seine Entscheidung getroffen. Wir müssen unsere
Aufgabe erledigen.»
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 26.01.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertsiebenundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.26.01.06 - Schiiten und Sunniten verhandeln über Regierungsbildung +++
Irakischer Fernsehjournalist bei Kämpfen zwischen US-Truppen und
Aufständischen getötet +++ Irakische Fernsehmoderatorin entkommt
schwerverletzt Entführung durch Sturz aus dem Fenster +++ Keine Spur
von deutschen Geiseln +++ US-Inspekteur: Millionen bei Wiederaufbau im
Irak verschleudert...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0601260.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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USA wollen Afghanistan mit neuer Stretegie stabilisieren
Fr.26.01.07 - Die USA wollen mit einer Neuausrichtung ihrer Strategie und
unterstützt durch milliardenschwere Hilfen auf die prekäre
Sicherheitslage in Afghanistan reagieren. Zur Stärkung der
Sicherheit sowie politischer und wirtschaftlicher Initiativen wolle
Washington dafür bis zu acht Milliarden Dollar (6,2 Milliarden
Euro) mehr ausgeben, hieß es aus Regierungskreisen in Washington.
Nach Angaben von NATO-Diplomaten in Brüssel könnte der
geplante Aufklärungseinsatz deutscher Tornados in Afghanistan auch
dem Anti-Terrorkampf der USA dienen und damit über das bisherige
Afghanistan-Mandat der Bundeswehr hinausgehen.
US-Außenministerin Condoleezza Rice werde die
Afghanistan-Pläne am (heutigen) Freitag in Brüssel den
NATO-Kollegen vorstellen, hieß es in Washington. Wenn die NATO
auch nicht den gleichen Betrag zur Verfügung stellen werde,
erwarteten die USA, dass die Allianz alles tun werde, um gegen die
Taliban vorzugehen und Afghanistan als stabiles und blühendes Land
aufzubauen, sagte Außenamtssprecher Sean McCormack.
In Brüsseler NATO-Kreisen wurden die US-Pläne als Mittel
verstanden, die Verbündeten unter Druck zu setzen, ebenfalls mehr
Engagement zu zeigen. Washington warnt seit längerem vor einer
drohenden Frühjahrsoffensive der Taliban. Die ISAF-Truppe umfasst
mehr als 30.000 Soldaten aus 37 Ländern. Deutschland ist mit rund
2800 Soldaten drittgrößter Truppensteller.
Bei dem Einsatz der sechs von der NATO angefragten
Aufklärungsflugzeuge der Bundeswehr ist nach Angaben eines
Brüsseler NATO-Diplomaten nicht auszuschließen, dass die
Tornados auch militärisch brisante Fotos an den US-geführten
OEF-Einsatz übermittelten. Damit ginge der Einsatz über das
bisherige ISAF-Mandat der Bundeswehr hinaus.
Der Vizevorsitzende des Bundestags-Verteidigungsausschusses, Karl
Lamers (CDU), schloss nicht aus, dass Tornado-Informationen
weitergegeben werden könnten. "Das Kabinett muss sich in der
nächsten Woche mit der Frage befassen, inwieweit diese
Informationen über ISAF hinaus an andere Operationsstäbe
gegeben werden", sagte Lamers der Nachrichtenagentur AFP. Deutschland
sei daran gelegen, für die Sicherheit aller Soldaten in
Afghanistan Sorge zu tragen. Innenpolitisch ist heftig umstritten, ob
für den Tornado-Einsatz ein neues Bundestags-Mandat nötig ist.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Zusammenstöße in Beiruter Universität. Israel und
Palästinenser bekennen sich zu Zwei-Staaten-Lösung
Fr.26.01.07 - Bei Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern der
libanesischen Regierung ist am Donnerstag in einer Beiruter
Universität offenbar ein Mensch getötet worden. Die
Kontrahenten gingen mit Stöcken aufeinander los und bewarfen sich
mit Steinen und sogar Möbeln, Autos gingen in Flammen auf. Die
Gewalt sei an der Arabischen Universität von einem Disput zwischen
sunnitischen Regierungsanhängern und schiitischen Anhängern
der Hisbollah-Bewegung ausgegangen, berichteten Augenzeugen. Soldaten
rückten mit Schützenpanzern an und setzten Tränengas
ein, um die Menge zu zerstreuen.
Der Fernsehsender der Hisbollah-Bewegung, Al Manar, berichtete, ein
Schiit sei bei den Zusammenstößen getötet worden.
Sicherheitsbeamte bestätigten dies nicht, teilten aber mit, dass
es 17 Verletzte gegeben habe.
Bereits an den Vortagen hatte es Zusammenstöße zwischen
Anhängern und Gegnern der prowestlichen Regierung von
Ministerpräsident Fuad Siniora gegeben, der sich in einem
Machtkampf mit der Hisbollah befindet. Auf der Pariser Geberkonferenz
stellte am Donnerstag die Staatengemeinschaft 5,84 Milliarden Euro
für den Wiederaufbau des kriegszerstörten Libanons bereit,
wie der französische Staatspräsident Jacques Chirac
mitteilte. Siniora sagte in Paris: «Ihre Unterstützung ist
unverzichtbar, damit der Libanon Frieden findet. Der Preis des
Scheiterns wäre unermesslich.»
Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos haben die Kontrahenten im
Nahost-Konflikt das gemeinsame Ziel einer Zwei-Staaten-Lösung
bekräftigt. Ein eigener palästinensischer Staat sei keine
Illusion, sondern eine erreichbare Möglichkeit, sagte die
israelische Außenministerin Zipi Livni am Donnerstag. Auch der
palästinensische Präsident Mahmud Abbas erklärte:
«Der Frieden ist fällig, und der Frieden steht bevor.»
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Abbas zuvor
Unterstützung im Friedensprozess zugesichert.
Livni forderte die internationale Gemeinschaft auf, die
gemäßigten Kräfte im Nahen Osten zu unterstützen.
Offenbar mit Blick auf die radikalislamische Hamas sagte sie zu Abbas,
eine Zusammenarbeit mit Extremisten werde nicht zum Erfolg führen.
Abbas bekräftigte, dass er Neuwahlen ausrufen wolle, falls sein
Bemühen um die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit mit
der Hamas scheitern werde. Er sei sich sicher, dass die Zeit für
Frieden in der Region gekommen sei.
Der stellvertretende israelische Ministerpräsident Schimon Peres,
der ebenfalls an dem Gespräch teilnahm, erklärte, neben der
Politik könne auch die Wirtschaft zu einer dauerhaften
Friedenssicherung beitragen. So sollten Israel, Jordanien und die
Palästinenser eine gemeinsame Wirtschaftszone bilden, um
Investoren anzulocken.
Merkel sagte am Rande des Weltwirtschaftsforums, Europa fühle sich
den Palästinensern politisch verpflichtet. Dennoch sollte die EU
ihre Rolle nicht überschätzen. Abbas erklärte vor einem
Treffen mit der Kanzlerin, die Palästinenser setzten große
Hoffnungen in die deutsche EU-Ratspräsidentschaft.
«Deutschland hat den Vorsitz in der EU, also erwarten wir viel
von Deutschland», sagte er.
Merkel erklärte, eine geeinte Regierung aus Hamas und Fatah
müsse vor allem den Friedensplan des Nahost-Quartetts aus EU, UN,
Russland und den USA akzeptieren sowie den Raketenbeschuss Israels
unterbinden. Dies sei für die internationale Akzeptanz der
palästinensischen Regierung besonders wichtig. Die
Europäische Union werde sich hier einbringen.
Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert und Abbas hatten
bereits im vergangenen Monat über eine Wiederaufnahme der
Friedensverhandlungen gesprochen. Bei einem Treffen mit
US-Außenministerin Condoleezza Rice im Februar wollen Olmert und
Abbas über weitere Schritte diskutieren. Termin und Ort stehen
bislang allerdings nicht fest. Livni wollte in Davos auch mit dem
jordanischen König Abdullah II. zusammentreffen, der schon in der
Vergangenheit als Vermittler fungierte und in Davos über die
Zukunft des Mittleren Ostens sprechen soll.
(Quelle: ap)
Russland und Indien für waffenfreien Weltraum
Fr.26.01.07 - In einer Reaktion auf den chinesischen Satellitenabschuss haben sich
der russische Präsident Wladimir Putin und Indiens
Ministerpräsident Manmohan Singh am Donnerstag für einen
waffenfreien Weltraum ausgesprochen. Der Weltraum solle absolut
waffenfrei sein, forderte Putin am ersten Tag seines Besuchs in Indien
auf einer Pressekonferenz in Neu Delhi. Singh sagte, sein Land habe eine
sehr ähnliche Auffassung und sei nicht für die
Aufrüstung des Alls. China hatte am Dienstag erstmals
bestätigt, dass es eine Waffe zur Zerstörung von Satelliten
getestet habe. Peking betonte aber, sein Raumprogramm sei keine
Bedrohung für den Rest der Welt.
Putin wandte sich zudem gegen Rüstungspläne der Vereinigten
Staaten für das Weltall. Die USA und die Sowjetunion hatten bereits
in den 80er Jahren Satelliten zerstört. Beide Staaten gaben ihre
Raumwaffenprogramme schließlich aber auf, vor allem da der
Weltraumschrott ein Problem darstellte. Es wurde erwartet, dass
während des zweitägigen Besuchs von Putin in Indien rund zehn
Abkommen unterzeichnet werden, darunter eines über den Bau von vier
neuen Atomreaktoren.
(Quelle: afp)
Deutschland
Steinmeier war angeblich in Planungen zu Kurnaz eingebunden - BND bat
um Kurnaz' Freilassung aus Guantanamo
Fr.26.01.07 - Außenminister Frank-Walter Steinmeier war nach Informationen der
«Berliner Zeitung» unmittelbar in die Planungen des
Bundesinnenministeriums einbezogen, eine Rückkehr des
Guantanamo-Häftlings Murat Kurnaz nach Deutschland zu verhindern.
Die Zeitung beruft sich auf ein an den damaligen
Innenstaatssekretär Claus Henning Schapper gerichtetes Schreiben.
Das Papier vom 30. Oktober 2002 erörtere detailliert das
rechtliche Vorgehen, mit dem Kurnaz die Aufenthaltserlaubnis entzogen
werden solle. Es ende mit dem Vermerk: «Information Steinmeier,
Präsident BfV, AA», schreibt die Zeitung.
In dem Schreiben heißt es demnach unter anderem mit Bezug auf
Kurnaz: «Eine Rückkehr in die Bundesrepublik wird offenbar
angestrebt. Zwischen Bundeskanzleramt und BMI besteht Einvernehmen,
dass eine Wiedereinreise nicht erwünscht ist.» Hintergrund
des Einvernehmens sei offenbar die Sorge, Kurnaz könne nach einer
Rückkehr nach Deutschland erfolgreich gegen eine Ausweisung
klagen, weil ihm die deutschen Behörden keine extremistischen
Bestrebungen nachweisen könnten. Die Zeitung zitiert aus dem
Papier: «Dünne Beweislage zum terroristischen Hintergrund
würde jahrelange gerichtliche Auseinandersetzungen provozieren,
während der Ausländer in Deutschland lebt.»
Laut Bericht der "Berliner Zeitung" bat die USA bereits Ende September
2002 um die Freilassung Kurnaz'. Die Zeitung beruft sich auf
entsprechende ihr vorliegende Schreiben, diese seien unter anderem an
das damals von Steinmeier (SPD) geleitete Bundeskanzleramt gerichtet
worden. Die SPD bestritt erneut ein Freilassungsangebot der USA im Fall
Kurnaz.
Am 30. September 2002 fertigte laut "Berliner Zeitung" der Leiter des
BND-Terrorismusreferats einen Vermerk über die eine knappe Woche
zuvor im US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba erfolgte Vernehmung von
Kurnaz durch deutsche Geheimdienstler an. Darin schreibe der BND-Beamte
unter anderem: "Meine Bitte an die US-Seite, K(urnaz) möglichst
bald frei zu lassen, um ihn eventuell zu einem späteren Zeitpunkt
in Deutschland nutzen zu können, wurde offensichtlich positiv
aufgenommen. Noch am letzten Tag unseres Aufenthaltes wurde uns gesagt,
dass die Vorentscheidung gefallen sei, K. noch bis November dieses
Jahres nach Deutschland zu bringen."
Die fast wortgleiche Formulierung finde sich in einem Schreiben vom 2.
Oktober 2002 an das Bundeskanzleramt, dessen damaliger Chef Steinmeier
für die deutschen Geheimdienste zuständig war. Dass die
Offerte der USA ernst zu nehmen war, geht der Zeitung zufolge aus einem
Vermerk des Bundesamtes für Verfassungsschutz vom 8. Oktober 2002
hervor, das ebenfalls einen Mitarbeiter nach Guantanamo entsandt hatte.
Steinmeier hatte am Dienstag erklärt, es sei ihm kein "offizielles
Angebot" der USA für die Rückkehr von Kurnaz nach Deutschland
bekannt.
Der SPD-Obmann im Geheimdienst-Untersuchungsausschuss, Thomas
Oppermann, sagte in der ARD, er habe keine Anhaltspunkte dafür,
dass im Fall Kurnaz die USA offiziell dessen Freilassung angeboten
hätten. Laut Aktenlage hätten allerdings Beamte der
Geheimdienste CIA und BND das Schicksal von Kurnaz erörtert. "Dies
war eine Debatte der Geheimdienste, die Kurnaz als Spitzel in
Deutschland einsetzen wollten", sagte Oppermann. Die deutsche Seite habe
sich aber gegen einen solchen Weg entschieden.
(Quellen: ap, afp)
Heroinambulanzen kämpfen ums Überleben
Fr.26.01.07 - Die Heroinambulanzen in sieben deutschen Städten, die
Schwerstabhängige mit einer kontrollierten Vergabe der Droge
behandeln und schrittweise entwöhnen wollen, kämpfen ums
Überleben. Auf Druck der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist eine
gesetzliche Grundlage für eine längerfristige Arbeit dieser
Einrichtungen fraglich, die nur noch eine bis Ende Juni befristete
Ausnahmegenehmigung haben.
Die Frankfurter Gesundheitsdezernentin Manuela Rottmann schlug am
Donnerstag Alarm und warnte vor gravierenden Folgen für die
Patienten, wenn die ärztlich kontrollierte Heroinvergabe wirklich
demnächst eingestellt werden muss. Die Grünen-Politikerin kann
sich in dieser Frage auf eine ungewöhnlich breite Koalition von
der Linkspartei bis hin zur CDU in der Stadt stützen, die sich
alle für den Weiterbetrieb der Heroinambulanz einsetzen. Im Februar
will Rottmann mit den zuständigen Dezernenten der anderen sechs
betroffenen Städten über ein gemeinsames Vorgehen zur Rettung
dieser Einrichtungen beraten. Neben Frankfurt am Main verfügen
noch Hamburg, Hannover, Bonn, Köln, Karlsruhe und München
über entsprechende Projekte.
In Frankfurt werden derzeit noch 59 Schwerstabhängige in der
Heroinambulanz behandelt. Bei ihnen haben andere
Entwöhnungsprogramme wie etwa Entzug oder Methadonvergabe keinen
Erfolg gehabt. Der ärztliche Leiter der Frankfurter Einrichtung,
der Psychiater Wilfried Köhler, berichtete, viele der bisher
behandelten Patienten seien durch das Programm erst aus der sozialen
Verwahrlosung geholt und in die Lage versetzt worden, wieder zu
arbeiten, eine Ausbildung zu machen und eine eigene Wohnung zu finden.
Auch seien sie mit dem Programm vor Dealern und
Beschaffungskriminalität geschützt.
Stadträtin Rottmann warnte, den Betroffenen sei nach aller
Erfahrung eine negative Prognose zu stellen, wenn der erfolgreiche
Versuch der ärztlich kontrollierten Heroinvergabe jetzt abgebrochen
werden müsse. Auch das CDU-regierte Land Hessen sei zur weiteren
Unterstützung des Projekts bereit, wenn der Bund dazu die
rechtlichen Voraussetzungen schaffe. Die Stadt Frankfurt hat daher
zunächst eine weitere, auf drei Jahre befristete
Ausnahmegenehmigung für die Fortverführung des Versuchs mit
maximal 150 Schwerstabhängigen beantragt.
(Quelle: ap)