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Aktuelle Nachrichten
Irak am neunhundertzweiundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mindestens 14 Tote bei Anschlag auf Tiermarkt in Bagdad. USA geben
grünes Licht für Tötung iranischer Agenten im Irak
Sa.27.01.07 - Ein Bombenanschlag auf einen Tiermarkt im Zentrum von Bagdad hat am
Freitag mindestens 14 Menschen das Leben gekostet. 62 weitere wurden
verletzt, wie die Polizei mitteilte. Der Sprengsatz sei in einem Karton
mit Tauben versteckt gewesen. Der Täter habe den Eierkarton
abgestellt und sich etwas zu trinken geholt, dann sei die Bombe
explodiert. Auf dem Markt Suk al Ghasl verkaufen Bauern und Händler
ihre Tiere, darunter Hunde, Katzen, Schafe, Ziegen oder exotische Tiere
wie Schlangen und Affen.
«Wir sahen verbrannte tote Körper, Fleischfetzen und mehrere
tote teure Welpen und Vögel», sagte ein Augenzeuge. Der
blutdurchtränkte Boden sei von Tierkadavern übersät
gewesen. Der beliebte Suk al Ghasl befindet sich an der Ostseite des
Tigris' neben der berühmten sunnitischen Ulama-Moschee aus dem 13.
Jahrhundert. Er war in der Vergangenheit bereits mehrfach Ziel von
Anschlägen.
Die US-Streitkräfte meldeten am Freitag den Tod eines weiteren
Soldaten. Der Amerikaner sei bei Kämpfen in der Unruheprovinz Anbar
westlich von Bagdad getötet worden, hieß es. Damit stieg die
Zahl der seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 getöteten
US-Soldaten laut einer Zählung der Nachrichtenagentur AP auf
mindestens 3.070.
Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki hat am Donnerstag
eine neue Großoffensive gegen die Aufständischen
angekündigt, um die seit Monaten andauernden Gewaltwelle zu
stoppen. Der Einsatz mit Unterstützung der 21.500 Soldaten, die die
USA zusätzlich in den Irak schicken wollten, werde sich
gleichermaßen gegen sunnitische wie schiitische Extremisten
richten, betonte der Regierungschef. Aus US-Kreisen hieß es, die
Offensive solle voraussichtlich am 1. Februar beginnen.
Das Weiße Haus hat einem Pressebericht zufolge grünes Licht
für die Gefangennahme und auch Tötung iranischer Agenten im
Irak gegeben. Wie die «Washington Post» berichtet, ist dies
Teil einer neuen, härteren Strategie der Regierung von
Präsident George W. Bush, um den Einfluss des Irans im gesamten
Nahen Osten zurückzudrängen. Kritiker befürchten durch
die neue Direktive eine Verschärfung des schwelenden Konflikts
zwischen Washington und Teheran.
Die iranische Oppositionsbewegung der Volksmudschahedin hat der
Regierung in Teheran vorgeworfen, zehntausende Agenten im benachbarten
Irak angeworben zu haben. Die iranischen Herrscher hätten im Irak
"ein Netzwerk des Terrors und des Mordes" mit gut 30.000 Agenten
aufgebaut, sagte der Sprecher des Nationalen Widerstandsrats, Javad
Dabiran, am Freitag in Berlin. Eine geheime Liste der iranischen
Kod-Armee, auf der die Namen, Kontonummern und Gehälter der
mutmaßlichen Agenten aufgelistet seien, zeige, dass derzeit 31.690
Iraker für Teheran tätig seien. Hier seien allerdings nur
Kräfte aufgeführt, die die direkt von der den iranischen
Revolutionsgarden nahe stehende Kod-Armee verpflichtet wurden.
(Quellen: ap, afp, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 27.01.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertachtundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.27.01.06 - Bei Anschlägen 10 Menschen getötet. Unter den Opfern zwei
irakische Regierungsmitarbeiter und ein US-Soldat +++ US-Armee lässt
419 irakische Häftlinge frei +++ Noch Keine Spur der im Irak
entführten Deutschen +++ USA: Ehemalige Militärs und Politiker
sehen Risiko für Streitkräfte durch fortgesetzte Kriege in Irak und Afghanistan.
Verklausulierte Warnung vor Feldzug gegen Iran...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0601270.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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NATO erhöht in Tornado-Frage Druck auf Deutschland
Sa.27.01.07 - NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer hat die deutsche
Regierung dazu gedrängt, sechs Tornado-Aufklärungsflugzeuge
nach Afghanistan zu senden. "Es gibt in Afghanistan einen Bedarf an
Aufklärungsjets", sagte De Hoop Scheffer nach Abschluss des
Treffens des NATO-Rats in Brüssel. Eine Entsendung der sechs
Maschinen würde er daher sehr begrüßen. Die USA wollen
mit milliardenschweren Hilfen und einer Neuausrichtung ihrer Strategie
auf die prekäre Sicherheitslage in Afghanistan reagieren.
De Hopp Scheffer sagte, die Entscheidung zur Entsendung der Tornados
liege "zu hundert Prozent" bei der Bundesregierung. Ein Angebot für
die Tornados unterbreitete Deutschlands Außenminister
Frank-Walter Steinmeier (SPD) bei dem NATO-Rat nicht, wie sein Sprecher
unterstrich. Steinmeier hatte zuvor gesagt, die Regierung werde die
Entscheidung "rechtzeitig" unter Einbeziehung des Bundestags fällen.
De Hoop Scheffer will Steinmeier am Montag zu einem Gespräch in
Berlin treffen. Der NATO-Generalsekretär lobte zugleich die
"wichtige Initiative" der Bundesregierung, am Dienstag eine
internationale Afghanistan-Konferenz in der Hauptstadt einzuberufen.
De Hoop Scheffer sagte weiter, er habe bei den Außenministern der
26 NATO-Staaten breite Zustimmung für seinen Aufruf zu einem
"umfassenden Ansatz" einer breiteren zivilen und militärischen
Zusammenarbeit gefunden. Er zeigte sich "relativ optimistisch", dass die
Mitgliedsländer bei der Truppenstellerkonferenz in Sevilla am 8.
und 9. Februar mehr Hilfen für Afghanistan zusagen würden.
US-Außenministerin Condoleezza Rice sagte, die USA wollten in den
kommenden beiden Jahren bis zu 10,6 Milliarden Dollar (8,1 Milliarden
Euro) mehr ausgeben. Zuvor war von bis zu acht Milliarden Dollar aus
Washington für die Sicherheit am Hindukusch die Rede gewesen. Mit
den zunächst für zwei Jahre vorgesehenen Geldern erhöhen
die USA nach Einschätzung von Beobachtern den Druck auf die
NATO-Partner, ihren Beitrag in Afghanistan aufzustocken. Der
Großteil der von Rice angekündigten Gelder soll mit 8,6
Milliarden Dollar in den Ausbau der afghanischen Armee und der Polizei
fließen.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Schulen und Universitäten nach neuen Unruhen in Beirut
geschlossen. Eskalation im Gazastreifen mit elf Toten bei Kämpfen
der Milizen - Hamas kündigt Einfrieren des Dialogs mit der Fatah
an. Randale vor deutscher Vertretung im Westjordanland
Sa.27.01.07 - Nach den jüngsten Straßenschlachten im Libanon mit
mindestens drei Toten hat die Regierung am Freitag sämtliche
Schulen und Universitäten vorübergehend geschlossen. Die
Straßenreinigung säuberte das Zentrum von Beirut von
Dutzenden ausgebrannten Autos, Scherben, Tränengaskanistern und
Schutt. Nach den Zusammenstößen auf dem Campus der Arabischen
Universität am Donnerstag, bei denen fast 170 Menschen verletzt
wurden, hatte die Regierung erstmals seit elf Jahren ein
nächtliches Ausgangsverbot verhängt.
Aus Sorge vor möglichen Ausschreitungen während der
Beisetzung der drei Todesopfer errichteten Soldaten am Freitag neue
Kontrollpunkte in ganz Beirut. In weiten Teilen der Stadt waren die
Geschäfte wieder geöffnet, viele Straßen waren jedoch
leer, weil die Bewohner aus Angst vor neuer Gewalt in ihren Häusern
blieben. Der Unterricht an Schulen und Universitäten soll am
Montag wieder aufgenommen werden.
In den vergangenen drei Tagen kam es in Beirut immer wieder zu
Zusammenstößen zwischen sunnitischen Anhängern und
schiitischen Gegnern der prowestlichen Regierung von
Ministerpräsident Fuad Siniora. Sowohl der schiitische
Hisbollah-Führer Scheich Hassan Nasrallah als auch der sunnitische
Mehrheitsführer im libanesischen Parlament, Saad Hariri, riefen
ihre Anhänger zu Ruhe und Zurückhaltung auf.
Der neue UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte sich am
Freitag zufrieden über das Ergebnis der Pariser Geberkonferenz
für den Libanon. Die Zusagen seien ein Beweis für die
Entschlossenheit der internationalen Gemeinschaft «Fortschritt,
Sicherheit und politische und wirtschaftliche Stabilität im Libanon
zu unterstützen», sagte Ban dem französischen
Rundfunksender Europe-1. Die Staatengemeinschaft hatte am Donnerstag
Hilfen in Höhe von 5,86 Milliarden Euro für den Wiederaufbau
des kriegszerstörten Libanons zugesagt.
Nach den neuerlichen Zusammenstößen im Gazastreifen zwischen
Anhängern rivalisierender Palästinensergruppierungen hat die
regierende Hamas ein Einfrieren des Dialogs mit der Fatah von
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas angekündigt.
Jüngsten Angaben von Sicherheitskräften zufolge wurden im
Gazastreifen binnen 24 Stunden mindestens elf Menschen getötet.
Abbas bemüht sich seit langem um eine Beteiligung seiner Fatah an
der Hamas-Regierung. Nach Angaben von Sicherheitskräften feuerten
Unbekannte am Freitagabend eine Panzerabwehrrakete auf das Haus eines
palästinensischen Ministers in Gaza ab.
"Die Hamas hat entschieden, den nationalen Dialog mit der Fatah
einzufrieren, um die tödlichen Angriffe und Verbrechen gegen
Hamas-Anhänger zu verurteilen", sagte Hamas-Sprecher Ismail
Radwane. Palästinenserpräsident Abbas und der Chef der
radikalislamischen Hamas, Chaled Meschaal, hatten sich am Sonntag in
Damaskus getroffen, ohne einen Durchbruch bei ihren Gesprächen
über die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit zu
erzielen. Es war die erste Begegnung der beiden seit dem Wahlsieg der
Hamas vor knapp einem Jahr. Abbas und Meschaal hatten in Damaskus
vereinbart, den Dialog über eine Koalitionsregierung in den
kommenden zwei Wochen fortzusetzen.
Wie Sicherheitskräfte am Freitag mitteilten, starben am Abend zwei
Fatah-Aktivisten in Dschabalija im Norden des Gazastreifens. Am
Donnerstagabend seien ein Fatah-Anhänger, vier Hamas-Aktivisten,
ein Teenager und ein Kleinkind bei mehreren Zwischenfällen
getötet worden. Zwei weitere Hamas-Anhänger erlagen demnach
am Freitag ihren schweren Verletzungen. Insgesamt wurden mehr als 30
Menschen verletzt. Die Situation zwischen Fatah und der regierenden
Hamas ist seit der Ankündigung von Neuwahlen durch Abbas im
Dezember gespannt.
Nach Angaben von Sicherheitskräften feuerten Unbekannte am
Freitagabend eine Panzerabwehrrakete auf das Haus eines
palästinensischen Ministers in Gaza ab. Der Außenminister
der Hamas-Regierung, Mahmud Sahar, sei nicht zu Hause gewesen, auch
sonst sei niemand verletzt worden. Allerdings sei Sachschaden an dem
Haus entstanden.
Bewaffnete Palästinenser haben in der Nacht zum Freitag die
diplomatischen Vertretungen Deutschlands und Kanadas im Westjordanland
angegriffen. Auch die Filiale der Arabischen Bank in Ramallah wurde
beschossen und mit Steinen beworfen. Zu Schaden kam niemand, da in den
attackierten Gebäuden zum Zeitpunkt der Angriffe keiner arbeitete.
Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts sagte, an der deutschen
Vertretung sei lediglich leichter Sachschaden entstanden. Es habe keine
Verletzten gegeben, von Schüssen wisse sie nichts. Nach dem Vorfall
seien die Sicherheitsbehörden zügig angerückt und
hätten das Gebäude die Nacht über geschützt.
Nach palästinensischen Angaben handelte es sich bei den
Tätern um mutmaßliche Extremisten, die sich seit einer
israelischen Razzia am 4. Januar im Bereich des Präsidentenpalasts
in Ramallah verschanzt hielten. Am Donnerstag wurden sie von
palästinensischen Sicherheitskräften zum Verlassen des
Geländes gezwungen. Beobachtern zufolge griffen die Männer
daraufhin aus Wut die ausländischen Einrichtungen an. Ein gezieltes
Vorgehen gegen die jeweils betroffenen Staaten galt demnach als
unwahrscheinlich.
(Quelle: ap)
Japans Regierungschef Abe will strategische Partnerschaft mit China
Sa.27.01.07 - Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe hat sich für eine
strategische Partnerschaft mit China ausgesprochen. "Wir wollen zum
gegenseitigen Wohl unserer beiden Länder strategische Beziehungen
aufbauen", sagte Abe am Freitag bei einer Rede vor dem Parlament in
Tokio. Aufgeschlossene Gespräche zwischen den Regierungen Japans
und Chinas hätten die Beziehungen der beiden Länder bereits
verbessert. Peking kündigte unterdessen an, nach Abes
Antrittsbesuch in China im Oktober werde der chinesische
Ministerpräsident Wen Jiabao ihm im April einen Gegenbesuch
abstatten. Zuletzt hatte im Jahr 2000 mit Zhu Rongij ein chinesischer
Regierungschef den Inselstaat besucht.
(Quelle: afp)
Russland beteiligt China an Gas- und Ölprojekten im Meer
Sa.27.01.07 - Russland will China an der Ausbeutung seiner lukrativen Öl- und
Gasvorkommen vor seinen Küsten beteiligen. Wie die russische
Wirtschaftszeitung "RBK Daily" am Donnerstag berichtete, wollen sich die
staatseigenen Konzerne Gazprom und Rosneft bei dem Mega-Projekt mit dem
chinesischen Ölkonzern CNPC zusammenschließen. CNPC werde
die Finanzierung übernehmen und Ausrüstung liefern, im
Gegenzug bekomme es Öl, zitierte das Blatt einen Vertreter der
staatlichen Ölförderbehörde. Das entsprechende Abkommen
werde voraussichtlich im zweiten Quartal dieses Jahres unterzeichnet.
(Quelle: afp)
Kuba wirft Washington zunehmende Aggressivität vor
Sa.27.01.07 - Der kubanische Parlamentspräsident Ricardo Alarcón hat den
Vereinigten Staaten zunehmende Aggressivität vorgeworfen.
Gründe dafür seien die sich anbahnende Niederlage der USA im
Irak und in Afghanistan sowie die Furcht vor den Wahlerfolgen der Linken
in Lateinamerika, sagte der Politiker nach Angaben der kubanischen
Nachrichtenagentur Prensa Latina am Donnerstag (Ortszeit). Die Siege
von linken Politikern bei den Wahlen in Bolivien, Ecuador, Nicaragua
und Venezuela bezeichnete er als "einen radikalen Wandel in
Lateinamerika". Trotz dieses Wandels beschäftige sich das
Weiße Haus allein damit, "Kuba zu bedrohen", sagte Alarcón,
der auch für die USA-Politik Kubas zuständig ist.
(Quelle: afp)
UN-Vollversammlung verurteilt Leugnung des Holocaust
Sa.27.01.07 - Mit einem als «historisch» gerühmten Beschluss hat die
UN-Vollversammlung am Freitag allen Leugnern des Holocausts eine klare
Absage erteilt. Das Gremium der 192 UN-Mitgliedsstaaten sprach sich
dafür aus, die Erinnerung an den Holocaust wach zu halten und
somit neuen Völkermorden vorzubeugen.
In einer per Konsens verabschiedeten Resolution warnte das Gremium,
dass das Leugnen der geschichtlichen Fakten die Gefahr berge, dass sich
jene grauenhaften Taten wiederholen können. Die Beschlussvorlage
war von den USA und Dutzenden Ländern, darunter auch Deutschland,
eingebracht worden. Der Iran kritisierte als einziges Land die
Initiative.
Der iranische Diplomat Hossein Ghariei begründete die Ablehnung
seines Landes damit, dass die Resolution nur den Holocaust verurteile,
nicht aber andere Genozide wie die Atombomben auf Hiroschima und
Nagasaki, die Massaker an den Tutsi in Ruanda und die Verbrechen gegen
die Palästinenser. Venezuela befürwortete die Resolution,
mahnte aber, «die Hunderttausende unschuldiger Iraker»
nicht zu vergessen, die «der Invasion ihres Landes zum Opfer
gefallen» seien.
Deutschlands UN-Botschafter Thomas Matussek sprach im Namen der EU. Er
lobte die Resolution als Beweis dafür, dass die Welt bereit sei,
ihre «Verantwortung im Kampf gegen Antisemitismus, Rassismus und
Intoleranz» zu schultern. «Die erste und wichtigste
Voraussetzung dafür ist, dass wir der Wahrheit ins Gesicht
sehen», sagte Matussek. Der amerikanische UN-Botschafter
Alejandro Daniel Wolff sprach von einer «historischen
Resolution», die ein für alle Mal klar mache, dass ein
Leugnen des Holocaust, der Ermordung der Juden in der Zeit des
Nationalsozialismus, «nicht akzeptabel» ist.
Die US-Initiative folgte einer vom iranischen Präsidenten Mahmud
Ahmadinedschad einberufenen Holocaust-Konferenz im Dezember in Teheran,
bei der der Holocaust verschiedentlich als Lüge dargestellt und
der Mord an sechs Millionen Juden in Frage gestellt worden war. Die
Resolution setzt sich auch für Bildungs- und
Aufklärungskampagnen ein, «die jedem Versuch entgegenwirken
sollen, den Holocaust zu leugnen oder herunterzuspielen».
(Quelle: dpa)
UN-Vermittler Ahtisaari präsentiert Kosovo-Pläne der
Kontaktgruppe
Sa.27.01.07 - Der UN-Sondergesandte Martti Ahtisaari hat der Kosovo-Kontaktgruppe am
Freitag seinen Plan zur Zukunft der serbischen Provinz vorgelegt. Die
Dokumente würden nun von Deutschland, Frankreich, Italien,
Großbritannien, Russland und den USA geprüft, sagte ein
Sprecher des UN-Gesandten in Wien. Ahtisaari setzt in seinem Kosovo-Plan
auf den Schutz von Minderheitenrechten und eine starke internationale
Präsenz. Am 2. Februar sollen die konkreten Empfehlungen in
Belgrad und Pristina vorgestellt werden.
Russland fordere jedoch mehr Zeit für die Beratungen über den
Plan, verlautete aus Kreisen westlicher Diplomaten. Die anderen
Mitglieder der Kontaktgruppe seien sich aber darin einig, dass der Plan
den beteiligten Parteien unverzüglich vorgelegt werden solle. Ein
russischer Diplomat sagte, der Kreml ziehe es vor, mindestens so lange
zu warten, bis in Serbien eine neue Regierung gebildet sei. Der
Ministerpräsident des Kosovos, Agim Ceku, sagte dagegen, es gebe
keinen Grund, das Verfahren aufzuschieben.
Der Stellvertreter Ahtisaaris, Albert Rohan, sprach von einem
«sehr guten und positiven Treffen». EU-Diplomaten erwarten,
dass der finnische Politiker eine Art bedingte Unabhängigkeit der
Provinz unter internationaler Aufsicht vorschlagen wird. Möglich
sei zudem ein Recht auf Mitgliedschaft in internationalen Institutionen
und sowie eigene Streitkräfte, hieß es aus Diplomatenkreisen.
Dies dürfte im Sicherheitsrat jedoch für heftige Debatten
sorgen, da Russland als traditioneller Verbündeter Belgrads eine
Loslösung des Kosovos von Serbien ablehnt. «Wir hoffen, dass
keine der beiden Seiten irgendwelche vorschnellen Schritte unternimmt
oder vorzeitige Schlussfolgerungen zieht», sagte ein Diplomat.
Das Kosovo steht seit 1999 unter Verwaltung der Vereinten Nationen. Die
albanischstämmige Bevölkerungsmehrheit dringt auf eine
vollständige Unabhängigkeit der Provinz von Serbien, was
Belgrad strikt ablehnt. In der internationalen Gemeinschaft gibt es
Befürchtungen, dass die Debatte über den endgültigen
Status gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen den albanischen
Kosovaren und der serbischen Minderheit provozieren könnte. Das
letzte Wort über die Zukunft des Kosovos hat der UN-Sicherheitsrat.
Die NATO dringt angesichts der bevorstehenden Entscheidung auf eine
engere Zusammenarbeit mit der EU. «Es besteht die Notwendigkeit
für intensiven Kontakt zwischen der NATO und der EU», sagte
NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer am Freitag bei der
NATO-Außenministerkonferenz in Brüssel. Zugleich sprach er
UN-Vermittler Ahtisaari uneingeschränkte Unterstützung aus.
Die NATO stehe «geschlossen hinter Ahtisaari und dem Prozess, den
er heute vorgeschlagen hat», sagte De Hoop Scheffer. Zudem seien
sich alle NATO-Staaten einig, dass der endgültige Status der
serbischen Provinz «so schnell wie möglich»
geklärt werden müsse. Die Verbündeten hätten erneut
bekräftigt, dass die NATO-Friedenstruppe KFOR «während
des gesamten Prozesses und darüber hinaus ihre Rolle
wahrnehmen» werde.
(Quelle: ap)
Datenschützer in der Defensive
Sa.27.01.07 - Am ersten Europäischen Tag des Datenschutzes gibt es nach Ansicht
vieler Fachleute am Sonntag wenig Grund zu feiern: Ein
Vierteljahrhundert nach Verabschiedung der Datenschutz-Konvention des
Europarats von 1981 stellen Datenschützer eine Aushöhlung der
damals vereinbarten Standards fest. Seit den Anschlägen vom 11.
September 2001 gebe es einen klaren Trend zu "mehr Überwachung und
weniger Datenschutz", sagt eine Mitarbeiterin des Europarats. Ob
Einreise-, Fluggast- oder Terrorfahndungsdaten, die Speicherung von
Informationen schreitet europaweit voran. Zugleich tritt die
Weiterentwicklung der EU-Datenschutzrichtlinie auch unter deutschem
EU-Vorsitz auf der Stelle.
(Quelle: afp)
Verunsicherung über die Auswirkungen von Immigration
Sa.27.01.07 - «Ihr könnt uns nicht aufhalten», titelte die
«Daily Mail» vor dem EU-Beitritt Bulgariens und
Rumäniens. Die britische Zeitung zeichnete ein düsteres Bild
von einem Ansturm hungriger Osteuropäer auf den heimischen
Arbeitsmarkt. Tatsächlich ist dies Szenario eher unwahrscheinlich,
denn wie die meisten alten EU-Staaten hat auch Großbritannien den
Zugang rumänischer und bulgarischer Arbeitnehmer beschränkt.
Nicht ohne Grund. Nach der letzten EU-Erweiterung von 2004, als zehn
Staaten der Europäischen Union beitraten, erlebte
Großbritannien nämlich tatsächlich einen Ansturm von
mehr als einer halben Million Einwanderern. Die britische Regierung
hatte damals beschlossen, allen neuen EU-Bürgern sofort die volle
Arbeitnehmerfreizügigkeit zu gewähren. Vor allem viele Polen
zog es daraufhin auf die boomende Insel, zumal Nachbarländer wie
Deutschland ihre Arbeitsmärkte abschotteten.
In Deutschland gibt es heute noch Beschränkungen für den
Zuzug von Arbeitnehmern aus den 2004 beigetretenen osteuropäischen
Staaten, also aus Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Slowenien,
Estland, Lettland und Litauen. Auch für Rumänen und Bulgaren
beschloss die Bundesregierung Einschränkungen für
zunächst zwei Jahre. Mindestens bis Anfang 2009 brauchen demnach
alle osteuropäischen EU-Bürger eine Arbeitserlaubnis, um in
Deutschland eine Stelle annehmen zu können.
Dabei argumentieren viele Experten, Einwanderer machten den
Arbeitsmarkt effizienter und förderten das Wirtschaftswachstum.
Aber viele Arbeitnehmer und auch Politiker sehen Immigranten vor allem
als Konkurrenten. «Alle denken, wir nehmen ihnen die Jobs weg und
arbeiten für einen geringen Lohn», sagt Ovidiu Sarpe, ein
59-jähriger Rumäne, der 1987 als Flüchtling nach
Großbritannien kam. Aber, so fügt der Restaurantbesitzer
hinzu: «Jeder weiß unbewusst auch, dass Immigranten einen
positiven Einfluss auf die Wirtschaft haben.»
Genau das bestreitet allerdings ein Anfang Januar veröffentlichter
Bericht der konservativen Organisation Migrationwatch, der in
Großbritannien einiges Aufsehen erregte. Der Untersuchung zufolge
sollen die ökonomischen Gewinne infolge von Einwanderungen sehr
gering sein. «Natürlich leisten viele Immigranten einen
nützlichen Beitrag. Aber die wirtschaftlichen Vorteile, die wir
durch Einwanderer haben, sind bestenfalls marginal», kommentierte
der Vorsitzende der Organisation, Andrew Green. Es profitierten vor
allem die Immigranten selbst, nicht aber deren Gastland.
Andere Experten widersprechen: «Einwanderer bringen wertvolle
Fähigkeiten und Ideen mit nach Großbritannien. Sie helfen,
offene Stellen zu besetzten, die die Briten nicht annehmen wollen oder
können», sagt Susan Anderson vom britischen Verband für
Wirtschaft und Industrie. Und: «Die Steuern, die Einwanderer
zahlen, füllen die Rentenkassen und kommen der Allgemeinheit zu
Gute - auch wenn die Migranten bereits wieder daheim sind.»
Was Rumänen und Bulgaren angeht, so arbeiten bis zu zwei Millionen
Rumänen sowieso längst in der EU. Die meisten zog es nach
Angaben der rumänischen Regierung nach Spanien und Italien -
Länder, die Rumänien sprachlich und kulturell nahe stehen. Aus
Bulgarien hat es bislang keinen vergleichbaren Exodus gegeben.
(Quelle: ap)
Deutschland
Fall Kurnaz - Außenminister Steinmeier bleibt in der Kritik
Sa.27.01.07 - In der Affäre um die jahrelange Guantánamo-Haft von Murat
Kurnaz war Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) an der
grundsätzlichen Entscheidung beteiligt, den aus Bremen stammenden
Türken nicht nach Deutschland zurückkehren zu lassen.
Steinmeier habe an der Sitzung der deutschen
Geheimdienstpräsidenten am 29. Oktober 2002 teilgenommen, in der
die Wiedereinreise des damals 20-Jährigen abgelehnt wurde,
bestätigte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes (AA) am Freitag
in Berlin.
Laut «Frankfurter Rundschau» (Freitag) geht aus einem
AA-Vermerk hervor, dass auch drei Jahre später sowohl Steinmeier
als auch Ex-Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) Kurnaz' Rückkehr
nicht wollten. In ihrem Bericht an das Parlamentarische Kontrollgremium
(PKG) für die Geheimdienste habe die Regierung aber verschwiegen,
dass sie noch 2005 bemüht gewesen sei, Kurnaz als
Sicherheitsrisiko darzustellen.
Kurnaz' Rechtsanwalt Bernhard Docke forderte von Steinmeier eine
Entschuldigung. «Mir geht es nicht darum, politische Köpfe
rollen zu sehen. Mir geht es darum, dass die Verantwortlichen dazu
stehen, dass Herr Kurnaz Opfer einer schreienden Ungerechtigkeit
wurde», sagte Docke der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Die Regierung verfolge die Verteidigungslinie, Kurnaz sei
gefährlich gewesen. «Es gab im Herbst 2001 Indizien, die den
Verdacht nahe legen konnten, dass Murat Kurnaz Kontakte in die
islamistische Szene habe.» Diesem Verdacht sei die Bremer
Staatsanwaltschaft nachgegangen und vor der Weichenstellung im
Bundeskanzleramt im Oktober 2002 gegen Kurnaz zum Ergebnis gekommen:
«Da ist nichts dran.» Auch deutschen und amerikanische
Ermittler hätten Kurnaz bereits damals als unschuldig und naiv
bezeichnet.
Die ARD und die «Süddeutsche Zeitung» (Samstag)
berichteten, der Verfassungsschutz habe Kurnaz auch noch nach seiner
Rückkehr im August 2006 beobachtet. Der Grund: Es sei nicht
auszuschließen gewesen, dass er in Guantánamo
radikalisiert wurde und in Bremen als Märtyrer hätte
auftreten können. Die Beobachtung soll inzwischen beendet sein.
Im Bericht an das PKG wurde laut «Frankfurter Rundschau»
auch verschwiegen, dass drei im September 2002 nach Guantánamo
entsandte Mitarbeiter von BND und Verfassungsschutz zu einer positiven
Einschätzung von Kurnaz gekommen seien. In ihrem Vermerk
heiße es: «Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
besitzt Kurnaz bei einer Freilassung kein Gefährdungspotenzial
hinsichtlich deutscher, amerikanischer oder israelischer
Sicherheitsinteressen.»
AA-Sprecher Jens Plötner sagte, Steinmeier werde im
Untersuchungsausschuss des Bundestags alle Zweifel an dem damaligen
Verhalten der Regierung anhand einer Reihe von Fakten ausräumen.
Die «Berliner Zeitung» (Freitag) berichtete unter Berufung
auf ein Schreiben an den früheren Innenstaatssekretärs Claus
Henning Schapper, in einem Papier vom 30. Oktober 2002 werde
detailliert das rechtliche Vorgehen erörtert, mit dem Kurnaz die
Aufenthaltsgenehmigung entzogen werden sollte. Es habe mit dem Hinweis
«Information Steinmeier» und anderer Beteiligter geendet.
Erstmals äußerte sich am Freitag die türkische
Regierung zu dem Fall. Über ihre Botschaft in Berlin wies sie
Vorwürfe zurück, die Türkei habe sich während der
Internierung von Kurnaz nicht mit dessen Lage befasst. Die
türkische Regierung habe sich von Anfang bei US-Behörden
nachdrücklich dafür eingesetzt, dass im Falle einer Anklage
gegen türkische Guantánamo-Häftlinge diese vor Gericht
gestellt oder andernfalls freigelassen werden müssten.
Darüber hinaus habe Ankara «sich bemüht, auch mit den
deutschen Behörden zu kommunizieren und eine ergebnisorientierte
und harmonische Zusammenarbeit zu führen». In der Zeit nach
den Terroranschlägen vom 11. September 2001 sind insgesamt sechs
türkische Staatsangehörige nach Guantánamo gebracht
worden. Kurnaz wurde als letzter von ihnen freigelassen.
(Quelle: dpa)
Ein-Euro-Jobs ersetzen reguläre Beschäftigung
Sa.27.01.07 - Ein-Euro-Jobs ersetzen reguläre Beschäftigung in einem
«nicht zu vernachlässigendem Umfang». Zu diesem
Ergebnis kommt eine am Freitag in Nürnberg veröffentlichte
Studie des Instituts für Arbeits- und Berufsforschung (IAB). Die
zur Bundesagentur für Arbeit gehörende Einrichtung mahnt
außerdem, viele Arbeitgeber würden einen Teil ihrer
Ein-Euro-Jobber missbräuchlich einsetzen. CDU-Generalsekretär
Ronald Pofalla nannte die Ein-Euro-Jobs eine Zumutung und forderte
Änderungen.
Der auf einer anonymisierten Arbeitgeberbefragung beruhenden IAB-Studie
zufolge waren in vier Prozent der Einrichtungen, die Ein-Euro-Jobber
beschäftigen, Personaleinsparungen die Folge. Hochgerechnet handele
es sich um mehr als 2.000 Einrichtungen bundesweit. Allerdings lasse
sich aus den bislang vorliegenden Daten nicht ableiten, wie viele
Arbeitsplätze betroffen seien, erklärten die IAB-Forscherinnen
Anja Kettner und Martina Rebien.
Die Ergebnisse würden jedoch Indizien dafür liefern, dass
fast jede zweite Einrichtung ihre Ein-Euro-Jobber zumindest teilweise
nicht nur im Sinne des Gesetzgebers, sondern beispielsweise auch
für Überstundenabbau oder Krankheitsvertretungen einsetze.
«Wenn Einrichtungen den Ein-Euro-Jobbern keine zusätzlichen
Tätigkeiten übertragen, sondern Arbeiten der regulären
Belegschaft», könne dies längerfristig zum Personalabbau
führen, warnt die Studie.
«Eine zu hundert Prozent öffentlich finanzierte
Beschäftigung darf nicht dazu führen, dass reguläre
Beschäftigung verringert und damit Arbeitslosigkeit erhöht
wird», schreiben Kettner und Rebien. Ein
«Einzelfall-Monitoring» der Ein-Euro-Jobber und ihrer
Arbeitgeber könne Verdrängungseffekte minimieren.
CDU-Generalsekretär Pofalla forderte Bundesarbeitsminister Franz
Müntefering (SPD) auf, schnell auf die IAB-Studie zu reagieren und
gemeinsam mit der Union «konstruktiv an echten Perspektiven
für Arbeitslose zu arbeiten». Arbeitsmarktinstrumente
würden nur dann ihren Zweck erfüllen, wenn sie Menschen in
Arbeit brächten. «Ein Arbeitsmarktinstrument wie die
Ein-Euro-Jobs, das Arbeitsplätze vernichtet statt schafft, ist eine
Zumutung für die Arbeitslosen, die Arbeitssuchenden und nicht
zuletzt für alle Steuerzahler», erklärte Pofalla.
Ineffiziente Instrumente müssten durch sinnvolle ersetzt werden.
Das sei auch im Koalitionsvertrag festgeschrieben.
Wie es in der IAB-Studie weiter heißt, wurden im Rahmen der
Erhebung rund 44 Prozent der Ein-Euro-Jobber als geeignet für ein
reguläres Beschäftigungsverhältnis angesehen, 27 Prozent
dagegen nicht. Bei 29 Prozent konnte noch keine Beurteilung abgegeben
werden. Definitive Pläne für eine Festanstellung gebe es
hingegen nur bei zwei Prozent der generell geeigneten Ein-Euro-Jobber.
Bei fünf Prozent werde darüber nachgedacht, für 78
Prozent sei erklärt worden, es stünden keine Finanzmittel
für eine Einstellung zur Verfügung.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://iab.de/
Arbeitnehmer machen Druck auf Rente mit 67
Sa.27.01.07 - Die geplante Einführung der Rente mit 67 gerät immer
stärker unter den Druck der Arbeitnehmer. Insgesamt gingen nach
Gewerkschaftsangaben am Freitag in Berlin, München und Stralsund
rund 21.000 Menschen auf die Straße, um gegen das höhere
Eintrittsalter zu protestieren. In Baden-Württemberg riefen IG
Metall und ver.di für kommende Woche zu weiteren Protesten auf.
Sozialverbände und DGB schlugen unterdessen eine
Erwerbstätigenversicherung vor, die alle Berufstätigen in die
gesetzliche Rente einbeziehen soll.
In Bayern nahmen den Angaben zufolge insgesamt 20.000 Beschäftigte
an Protestaktionen teil. Aktionen gab es bei MAN in München, bei
BMW in München, Dingolfing, Regensburg und Landshut sowie bei den
Unternehmen Schaeffler in Ingolstadt, Faurecia in Neuburg und ACP in
Penzberg. Der bayerische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer kritisierte,
die Rente mit 67 sei ein wirtschaftspolitischer Amoklauf, der mit
verantwortungsvoller Politik nichts zu tun habe.
Aus Protest gegen die Rente mit 67 legten in Berlin nach Angaben der
örtlichen IG Metall mehr als 500 Beschäftigte des
BMW-Motorenwerkes in Berlin-Spandau die Arbeit nieder. Rund 5.000
Beschäftigte beteiligten sich demzufolge an einer Fragebogenaktion
zur Rente mit 67. Demnach lehnen sie 98,2 Prozent kategorisch ab.
In Stralsund folgten 500 Beschäftigte dem Aufruf der Gewerkschaft
«Nein zur Rente mit 67, Ja zur Fortführung der
Altersteilzeit». Die Kundgebung vor der Volkswerft in Stralsund
bildete nach Angaben der IG Metall Küste den Auftakt für ein
umfangreiches Protest-Programm, in das in der kommenden Woche unter
anderem Rostock, Bremen, Cuxhaven und Emden einbezogen werden sollen.
Ver.di und IG Metall in Baden-Württemberg riefen landesweit zu
öffentlichen und betrieblichen Protesten auf. Den Auftakt bildet
eine Kundgebung am kommenden Montag in Esslingen, bei der neben anderen
ver.di-Chef Frank Bsirske sprechen soll.
DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach erklärte in Berlin, die
in sechs Wochen im Bundestag zur Verabschiedung anstehende Rente mit 67
sei «nichts anderes als eine reine Rentenkürzung. Denn die
Mehrheit der Arbeitnehmer hat kaum eine Chance, wirklich zwei Jahre
länger zu arbeiten».
Zusammen mit der Volkssolidarität und dem Sozialverband
Deutschland (SoVD) stellte der DGB das Konzept für eine neue
Erwerbstätigenversicherung vor. Demnach sollten in einem ersten
Schritt geringfügig Beschäftigte, Politiker und
Selbstständige ohne Pflichtversicherung in die gesetzliche
Rentenversicherung aufgenommen werden. Langfristig sollen dem Konzept
zufolge auch Beamte und Freiberufler mit einer berufsständischen
Altersversorgung - wie beispielsweise Ärzte, Architekten und
Anwälte - einbezogen werden.
Wer schon Rente bezieht, muss sich indessen offenbar auf eine weitere,
vierte Nullrunde einstellen. Der sächsische Ministerpräsident
Georg Milbradt (CDU) sagte der Zeitung «Die Welt»:
«Wenn es nicht zu einem großen, lang anhaltenden
Wirtschaftswachstum kommt, sind reale Steigerungen über das
heutige Rentenniveau hinaus nicht möglich. Das gehört zur
Wahrheit.» Zuvor hatten einzelne Politiker und Experten nach drei
Nullrunden eine mögliche Rentenerhöhung ins Gespräch
gebracht.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://www.sovd.de/
http://www.dgb.de/
http://www.volkssolidaritaet.de/
Tausende demonstrieren in Karlsruhe gegen Studiengebühren
Sa.27.01.07 - Mehrere tausend Menschen haben am Freitag in Karlsruhe gegen die
Einführung von Studiengebüren protestiert. Bei der
Demonstration unter dem Motto «KarlsRuhe stören!»
brachten sie mit Transparenten und Trillerpfeifen ihren Unmut gegen die
Gebühren zum Ausdruck, die in Baden-Württemberg ab dem
Sommersemester fällig werden. Die Polizei sprach von rund 2500
Teilnehmern.
Die Aktion fand vor dem Hintergrund statt, dass das
Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe vor zwei Jahren sein
Gebühren-Urteil fällte. Damit wurde den Ländern der Weg
für die Einführung von allgemeinen Studiengebühren frei
gemacht. An den 13 baden-württembergischen Hochschulen läuft
derzeit eine Boykottaktion von Studierenden. Die Teilnehmer
überweisen dabei ihre Gebühren auf ein Treuhandkonto und
nicht an die Unis. Das weitere Vorgehen hängt von der
Teilnehmerquote ab.
Unterstützt werden die Proteste von der Gewerkschaft Erziehung und
Wissenschaft (GEW). Der GEW-Landesvorsitzende Rainer Dahlem betonte auf
der Kundgebung, Bildung sei «keine Ware» und Studenten
seien «keine Kunden». Bildung sei ein Grundrecht, auf das
alle Menschen einen grundgesetzlich garantierten Anspruch hätten.
(Quelle: ddp)