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Irak am neunhundertdreiundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
23 Tote durch Anschläge - 40 Ermordete gefunden. Mindestens 73
US-Soldaten kamen im Januar im Irak ums Leben.Türkischer
Ministerpräsident Erdogan warnt vor Bürgerkrieg bei Abspaltung
Kirkuks vom Irak. Zehntausende bei Demonstration gegen Irak-Krieg in
Washington
So.28.01.07 - Im Irak sind am Samstag durch Anschläge 23 Menschen ums Leben
gekommen und außerdem die Leichen von 40 Ermordeten gefunden
worden. Wie die Sicherheitskräfte am Abend mitteilten, wurden
alleine bei einem Doppelanschlag in Bagdad 15 Menschen getötet und
55 verletzt. Damit erhöht sich die Zahl der Menschen, die innerhalb
einer Woche bei Anschlägen und anderen Gewalttaten in der
irakischen Hauptstadt getötet wurden, auf mindestens 180.
Im Irak sind sieben weitere amerikanische Soldaten getötet worden,
wie die US-Streitkräfte am Samstag mitteilten. Damit erhöhte
sich die Zahl der getöteten US-Soldaten binnen drei Tagen auf
zwölf. Die sieben jüngsten Opfer kamen den Angaben zufolge
alle bei der Explosion von am Straßenrand versteckten Bomben ums
Leben. Zwei der Soldaten starben in der Provinz Dijala, zwei in Bagdad
und drei an einem nicht näher bezeichneten Ort nördlich der
Hauptstadt. In diesem Monat kamen nach einer Zählung der
Nachrichtenagentur AP im Irak bereits mindestens 73 US-Soldaten ums
Leben.
Die US-Luftwaffe flog am Samstag Angriffe gegen Stellungen
mutmaßlicher Rebellen südlich von Bakuba. Dabei wurden 14
Verdächtige getötet, wie die amerikanischen Streitkräfte
mitteilten. Zwei Männer wurden den Angaben zufolge festgenommen und
ein Unterschlupf ausländischer Kämpfer zerstört.
Männer in Militäruniformen und mit Fahrzeugen, die
Kennzeichen des Innenministeriums hatten, stürmten in Bagdad die
Räume einer Computerfirma und verschleppten sieben Menschen, wie
die Polizei am Samstag mitteilte. Bei einem Angriff mit
Mörsergranaten in einem westlichen Stadtteil wurden zwei Menschen
getötet.
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat
angesichts kurdischer Bestrebungen, die nordirakische Stadt Kirkuk in
die autonomen Kurdengebiete einzugliedern, vor einem "großen
Bürgerkrieg" gewarnt. Kirkuk mit seinen reichen Ölvorkommen
müsse einen Sonderstatus erhalten, sagte Erdogan in einem am
Samstag mit dem privaten Fernsehsender Kanal 7 geführten Interview.
"Sie (die Stadt) gehört allen Irakern und eine Aneignung durch eine
Volksgruppe ist abwegig", sagte der Regierungschef. Erdogan zeigte sich
"tief besorgt" über die Möglichkeit eines Bürgerkriegs
in der Stadt mit ihrem bunten Volksgruppengemisch. Die irakische
Regierung forderte er auf, von dem Vorhaben eines Referendums über
das Schicksal Kirkuks wieder Abstand zu nehmen.
Zehntausende Menschen sind am Samstag bei einer Großkundgebung in
Washington gegen den Irak-Krieg auf die Straße gegangen. An der
Protestveranstaltung an der National Mall beteiligte sich auch die
Schauspielerin Jane Fonda, die sich in den 70er Jahren vehement gegen
den Vietnam-Krieg engagiert hat. Auf Transparenten waren Slogans zu
lesen wie «Die (Truppen-)Aufstockung ist eine Lüge».
Ein Behälter war mit Schildern gefüllt, auf denen die Namen
getöteter Iraker zu lesen waren.
Ein mit der amerikanischen Flagge bedeckter Sarg und ein Paar
Militärstiefel sollten den Tod und damit das Ende des Krieges
symbolisieren. Nach Angaben der Dachorganisation United For Peace and
Justice [http://www.unitedforpeace.org/],
die ein Bündnis von 1.400 Antikriegsgruppen vertritt, stieg das
Interesse an der Demonstration enorm seit Bushs Ankündigung,
weitere Soldaten in den Irak zu entsenden.
Die jüngste Rednerin war die zwölf Jahre alte Moriah Arnold.
Sie rief die Jugendlichen in den USA auf, aufzustehen «und unserer
Regierung zu sagen 'Es muss Veränderungen geben'». Als
Redner wurden außerdem die Schauspieler Danny Glover, Susan
Sarandon und Tim Robbins sowie der Bürgerrechtler Jesse Jackson
erwartet.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 28.01.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertneunundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Afghanistan: Taliban warnen vor deutlich mehr Selbstmordanschlägen
im Sommer
So.28.01.07 - Die radikal-islamischen Taliban haben vor deutlich mehr Anschlägen
in Afghanistan im Sommer gewarnt.
Mehr als 2000 Selbstmordattentäter stünden bereit, sagte der
hochrangige Anführer Mulla Hajat Chan der Nachrichtenagentur
Reuters am Samstag. Weitere bereiteten sich auf ihren Einsatz vor. "Das
wird eines der blutigsten Jahre für ausländische Soldaten."
Seine Aussagen folgten auf Äußerungen eines führenden
US-Diplomaten, der am Freitag vor einem gefährlichen Frühjahr
in Afghanistan gewarnt hatte. Das vergangene Jahr war das mit den
meisten Toten seit dem Sturz der Taliban 2001. Mehr als 4000 Menschen
starben. Ein Viertel davon waren Zivilisten.
Die deutsche Bundeswehr ist bislang mit knapp 3000 Soldaten vor allem
relativ ruhigen Norden des Landes im Einsatz. Die Nato hatte indes
jüngst gefordert, Deutschland müsse
Tornado-Aufklärungsjets für Afghanistan bereitstellen.
US-Außenministerin Condoleezza Rice unterstützte die
Forderung. Deutschlands Bundesaußenminister Frank-Walter
Steinmeier hatte eine Entscheidung bei einem Nato-Treffen am Freitag
aber ausdrücklich offen gelassen. Darüber würden
Bundesregierung und Bundestag rechtzeitig entscheiden, sagte er
lediglich.
(Quelle: rtr)
Mindestens 15 Tote bei Selbstmordanschlag in Pakistan
So.28.01.07 - Bei einem Selbstmordanschlag im Nordwesten Pakistans sind am Samstag
mindestens 15 Menschen in den Tod gerissen worden. Mehr als 30 wurden
verletzt, wie die Polizei in Peshawar mitteilte. Der Anschlag richtete
sich gegen eine Polizeieinheit, die nahe einer Moschee die Straße
für eine Prozession schiitischer Muslime freimachen wollte.
Bei den meisten Opfern handelt es sich den Angaben zufolge um
Polizisten und Angestellte der Stadt. Unter den Toten sei auch der
Polizeichef von Peshawar, Malik Saab, hieß es. Am Anschlagsort
auf dem belebten Qissakhwani-Basar wurden laut Polizei offenbar die
abgetrennten Beine des Attentäters gefunden, außerdem die
Überreste eines Sprengstoffgürtels. Die
Rettungsbemühungen wurden durch einen Stromausfall behindert, der
durch die Explosion ausgelöst wurde. Zu der Bluttat bekannte sich
zunächst niemand.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Libanons Ministerpräsident Siniora erhebt schwere Anschuldigungen
gegen Iran und Syrien. Eskalation der Kämpfe zwischen Hamas und
Fatah - Erneut zwei Tote
So.28.01.07 - Der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora hat Syrien und den
Iran beschuldigt, praktisch einen Staatsstreich im Libanon zu betreiben.
Die Regierungen lieferten Waffen an die radikal-islamische Hisbollah
und sorgten dafür, dass der gewalttätige Aufstand der
Opposition die Demokratie beschädige, sagte Siniora dem Magazin
"Focus" laut Vorabbericht vom Samstag. "Die Iraner sagen, dass sie die
USA besiegen wollen. Sollen sie. Aber der Libanon ist nicht das
Schlachtfeld dafür." Er bekräftigte, dass der Libanon ein
arabisches Land und zugleich eine Demokratie bleiben wolle.
Der Ministerpräsident räumte indes ein, keine konkreten
Zahlen über die Waffenlieferungen an die Hisbollah zu haben.
Bei den Protesten der von der Hisbollah angeführten Opposition
gegen die Regierung sind in den vergangenen Tagen mehrere Menschen ums
Leben gekommen. Die Sorge wuchs, das Land könnte durch die
Auseinandersetzungen an den Rand eines Bürgerkriegs getrieben
werden.
Bei den innerpalästinensischen Kämpfen zwischen Hamas und
Fatah sind am Samstag erneut zwei Menschen getötet worden. Die
Zahl der Toten seit Wiederaufflammen der Gefechte am Donnerstagabend
stieg damit auf 20. Wegen der anhaltenden Gewalt setzten die regierende
Hamas und die gemäßigtere Fatah von Präsident Mahmud
Abbas ihre Gespräche über die Bildung einer Regierung der
nationalen Einheit zunächst aus.
Eine Schießerei nahe der Islamischen Universität in Gaza
kostete am Samstag eine Person das Leben, wie Krankenhausmitarbeiter
erklärten Bei einem weiteren Gefecht in der Stadt wurde ein
Polizist getötet. Am Freitag waren den schwersten
innerpalästinensischen Kämpfen seit fast zwei Monaten 16
Menschen zum Opfer gefallen, darunter ein zweijähriger Junge. Ein
Kämpfer der Hamas erlag am Samstag seinen Verletzungen, die er am
Tag zuvor erlitten hatte.
Hamas-Sprecher Ismail Radwan erklärte am Freitagabend: «Nach
den furchtbaren Massakern, die heute in Gaza und im nördlichen
Gazastreifen begangen worden sind, haben wir beschlossen, den Dialog
mit der Fatah auszusetzen.» Abbas erklärte, sollte es in
spätestens drei Wochen keine Erfolge bei den Gesprächen
über die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit geben,
werde er seinen Plan vorantreiben, Neuwahlen abzuhalten.
Ein Vertrauter des Präsidenten erklärte, Abbas wolle mit
einem Teil der von Israel in den vergangenen Tagen überwiesenen
Steuergelder ausstehende Gehälter der Sicherheitskräfte
begleichen. Abbas werde insgesamt 152 Millionen Dollar (118 Millionen
Euro) für Löhne und das Sozialsystem ausgeben, sagte Rafik
Husseini auf einer Pressekonferenz. Neben den von Israel freigegebenen
Steuergeldern in Höhe von 100 Millionen Dollar könne Abbas
dazu auf 30 Millionen Dollar von den Vereinigten Arabischen Emiraten
zurückgreifen, außerdem habe Katar 22 Millionen Dollar
zugesagt. Die Hamas-Regierung hat wegen eines internationalen Boykotts
Probleme, die Gehälter von 165.000 Angestellten zu bezahlen,
darunter rund 80.000 Mitglieder der Sicherheitskräfte.
Unterhändler der Hamas und der Fatah bemühten sich
unterdessen um die Freilassung von Geiseln. Die Fatah hat 23
Anhänger der rivalisierenden Hamas verschleppt, diese wiederum
hält etwa 16 politische Gegner in ihrer Gewalt.
Um die zunehmende Gewalt in den Autonomiegebieten in den Griff zu
bekommen, setzte der palästinensische Generalstaatsanwalt Ahmed
Mughanni nach eigenen Angaben eine Sondereinheit aus fünf
Mitarbeitern ein. Zugleich warf er den Strafverfolgungsbehörden
vor, ihre Aufgaben nicht zuverlässig zu erfüllen. So seien
tausende Haftbefehle ignoriert worden, erklärte Mughanni.
(Quellen: rtr, ap)
1.200 Demonstranten bei Protesten gegen Weltwirtschaftsforum
So.28.01.07 - Gegen das Weltwirtschaftsforum (WEF) sind am Samstag in der Schweiz
rund 1.200 Demonstranten auf die Straße gegangen. Bei einer
Kundgebung von etwa 1.000 Menschen in Basel wurden zwei Polizisten
verletzt. Im Veranstaltungsort Davos fand eine friedliche Demonstration
mit 200 Teilnehmern statt.
Die genehmigte Kundgebung in Basel verlief laut Polizei im Wesentlichen
friedlich. Der Demonstrationszug sei aber von einer Gruppe von 30 bis
50 Vermummten angeführt worden, die hohe Gewaltbereitschaft an den
Tag gelegt hätten, sagte ein Polizeisprecher.
Einer der beiden verletzten Polizisten musste mit einer Augenverletzung
ins Krankenhaus gebracht werden. Außerdem gab es
Sachbeschädigungen, meist Schmierereien und eingeschlagene
Scheiben. Polizisten und Beamte in Zivil seien von Demonstranten mit
Schneebällen und Eis beworfen worden, hieß es weiter.
Vor der Kundgebung wurde in der Nacht zum Samstag ein Farbanschlag auf
eine Bank in Basel verübt. Unbekannte bewarfen das Gebäude
mit Farbbeuteln. In einem Bekennerschreiben wurde ein Zusammenhang mit
dem WEF in Davos hergestellt.
Die Demonstration in dem Wintersportort hatte die Grüne Partei
organisiert. Die Teilnehmer waren teilweise als Soldaten verkleidet
oder trugen bunte Fasnachtsperücken. Die Kundgebung wurde von
Punkmusik und Kuhglockengeläute begleitet. Laut Polizei kam es nur
zu geringfügigen Sachbeschädigungen, als vereinzelte
Demonstranten das Vlies von den Absperrgittern rissen und
Schneebälle und Plastikflaschen über die Absperrungen warfen.
Ein starkes Polizeiaufgebot schirmte das Kongresszentrum ab.
Vor der offiziellen Kundgebung hatten am Samstagmittag mehrere Dutzend
Menschen gegen die Anwesenheit des mexikanischen Präsidenten
Felipe Calderon und die Reaktion der Regierung auf die Unruhen in
Oaxaca protestiert.
(Quelle: ap)
Brüsseler VW-Arbeiter erstreiken Job-Garantie
So.28.01.07 - Gewerkschaften und Werksleitung der Volkswagen-Fabrik in Brüssel
haben sich auf eine Beschäftigungsgarantie am belgischen Standort
des Konzern geeinigt. Das erklärten eine Sprecherin des belgischen
Arbeitsministers Peter Vanvelthoven und Vertreter der Gewerkschaften
nach der Einigung in der Nacht zum Samstag.
Ein wochenlanger Streik der sozialistischen Gewerkschaften mit dem
Ziel, die Arbeitsplätze in Brüssel zu erhalten, soll damit am
Montagmorgen zu Ende gehen.
Die Werksleitung hat den Gewerkschaften nach den Angaben schriftlich
zugesichert, dass der neue Audi A1 von 2009 an in Brüssel
produziert werden soll. Dabei gehe es um 100 000 Fahrzeuge pro Jahr, was
rund 3000 Arbeitsplätze sichern würde. Sollten doch noch
Stellen abgebaut werden, wolle Volkswagen die gleichen Abfindungen
zahlen wie bei der jüngsten Entlassungswelle im vergangenen Herbst.
Die Summen übertrafen die Beträge, die in Belgien
üblicherweise für Fabrikarbeiter gezahlt werden.
Die Ankündigung des Konzerns, die Produktion des VW Golf aus
Brüssel abzuziehen, hatte im Herbst einen langen Streik
ausgelöst. Damals arbeiteten in der Fabrik noch rund 5400 Menschen.
In die anschließenden Verhandlungen zwischen Volkswagen und den
belgischen Gewerkschaften hatte sich die Regierung eingeschaltet, die
auch den Vermittler für die jüngste Verhandlungsrunde benannt
hatte. Der Fabrik drohte zeitweise die völlige Schließung.
(Quelle: dpa)
Historiker für europaweites Gesetz gegen Auschwitz-Leugnung
So.28.01.07 - Ein europaweites Gesetz gegen die rechtsextremistische Leugnung des
Massenmordes im Vernichtungslagers Auschwitz hat der jüdische
Historiker und Holocaust-Überlebende Arno Lustiger gefordert. Er
unterstütze «mit Engagement und vorbehaltlos» jeden
Vorstoß, die Leugnung des millionenfachen Mordes unter Strafe zu
stellen, sagte er der dpa in Kassel.
«Zu behaupten, die Gaskammern habe es nie gegeben, ist eine
Beleidigung der Toten und auch der Lebenden. Das ist
unanständig», sagte Lustiger. Es sei «traurig, dass
sich die, die überlebt haben, auch noch verteidigen
müssen».
Nach Lustigers Worten gibt es in den neuen EU-Mitgliedsstaaten noch
einen «erhöhten Bedarf, sich mit der Geschichte auseinander
zu setzen». «Es ist doch bezeichnend, dass wir im Parlament
jetzt wieder eine faschistische Fraktion haben, nur weil ein paar
Nationalisten aus Bulgarien und Rumänien dazugekommen sind.»
In vielen Staaten Osteuropas würden die Verbrechen gegen die Juden
verdrängt. Westeuropa habe sich lange mit seiner Vergangenheit
auseinander gesetzt. «Dabei ist Deutschland, das sage ich nicht
ohne Stolz, am weitesten. Die Gesellschaft hier ist sich der Geschichte
bewusst.» Das wünsche er sich auch «für
Bulgarien, für Rumänien, auch für Polen und viele
andere».
Der 1924 in Polen geborene Lustiger überlebte mehrere
Konzentrationslager, sein Vater und sein Bruder starben in Auschwitz.
Lustiger lebt seit Mitte der 40er Jahre in Frankfurt/Main.
(Quelle: dpa)
Holocaust-Gedenktag: Deutschland erinnerte an NS-Opfer
So.28.01.07 - Mit Kranzniederlegungen, Gedenkfeiern und Schweigeminuten wurde gestern
in ganz Deutschland an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Zum
Holocaust-Gedenktag am 27. Januar werden auch mehrere Ausstellungen
eröffnet, die sich mit der Judenverfolgung des NS-Regimes
auseinander setzen.
Der Gedenktag erinnert an die Befreiung des Vernichtungslagers
Auschwitz am 27. Januar 1945 und wird in Deutschland seit 1996 begangen.
Dem nationalsozialistischen Terror waren etwa sechs Millionen Juden zum
Opfer gefallen.
(Quelle: dpa)
Auschwitz: Allezeit ein Aufschrei der Verzweiflung
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/auschw_1.htm
Außenminster Steinmeier verteidigt sein Verhalten im Fall Kurnaz
So.28.01.07 - Trotz wachsender Kritik auch aus den Reihen der Koalition hat
Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) im Fall Kurnaz
jegliches Fehlverhalten bestritten. «Ich würde mich heute
nicht anders entscheiden», sagte der frühere Kanzleramtschef
im «Spiegel» zu seiner Haltung, den Bremer Türken Murat
Kurnaz nicht nach Deutschland zurückkehren zu lassen. Er
begründete dies mit der Einstufung des «Bremer Taliban»
als Sicherheitsproblem.
Die Opposition drang auf eine rasche Aussage von Steinmeier vor dem
BND-Untersuchungsausschuss. «Es ist unerträglich, wie die
Bundesregierung seit Monaten versucht, sich wegzuducken, auszusitzen
oder zu vernebeln», sagte Grünen-Chefin Claudia Roth im
«Münchner Merkur». Der FDP-Rechtsexperte Max Stadtler
kritisierte in der «B.Z.», eine Geheimdienstrunde mit
Steinmeier habe die Chance zur Freilassung von Kurnaz 2002 nicht genutzt.
Steinmeier sagte im «Spiegel»: «Man muss sich ja nur
vorstellen, was geschehen würde, wenn es zu einem Anschlag gekommen
wäre und nachher stellt sich heraus: Wir hätten ihn verhindern
können.» Entgegen Steinmeiers Darstellung, dass es sich bei
dem Freilassungsgesprächen im Oktober 2002 lediglich um Kontakte
auf mittlerer Geheimdienstebene gehandelt habe, war nach
«Spiegel»-Informationen auch das Pentagon eingebunden. Es
habe demnach keine grundsätzlichen Einwände gegen den Plan
gehabt, Kurnaz freizulassen und als Informant einzusetzen, hieß
es. Steinmeier hatte stets betont, es habe kein «offizielles
Angebot» gegeben.
Roth bezweifelte Steinmeiers Aussage, er habe die Freilassung von
Kurnaz unterstützt. «Ich wundere mich, weshalb in den Akten
kein Beleg auftaucht, der diese Bemühungen dokumentiert. Dafür
gibt es Belege, dass eine Rückkehr von Kurnaz nach Deutschland
verhindert werden sollte.»
Die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Renate Künast,
erhob auch gegen das Bundesinnenministerium schwere Vorwürfe.
Während das Auswärtige Amt unter ihrem Parteifreund Joschka
Fischer versucht habe, Kurnaz aus dem Gefängnis herauszuholen, sei
«offensichtlich auf unterschiedlichen Kanälen von anderen
widersprüchlich gearbeitet» worden, sagte Künast der
«Frankfurter Rundschau». Es scheine so, als sei die
Strategie, Kurnaz Rückkehr zu hintertreiben, «im
Bundesinnenministerium entwickelt worden unter Mithilfe des
Kanzleramtes».
Ebenso wie Steinmeier kann aber auch der frühere Innenminister
Otto Schily kein Fehlverhalten erkennen. «Die frühere
Bundesregierung hat zu keinem Zeitpunkt auch nur andeutungsweise den
Versuch gemacht, die Freilassung zu verhindern oder auch nur zu
behindern», sagte der SPD-Politiker der «Bild am
Sonntag».
Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Focus» waren
einige US-Behörden noch 2006 gegen die Freilassung von Kurnaz und
stuften ihn als gefährlich ein. Das Magazin beruft sich auf einen
vertraulichen Bericht der deutschen Botschaft in Washington vom 24.
April 2006. An dem Tag hätten sich Sicherheitsexperten aus dem
Weißen Haus und dem US-Verteidigungsministerium in der deutschen
Vertretung getroffen. Die US-Seite habe «deutliche Widerstande
einzelner US-Stellen» vorgetragen, meldeten die Diplomaten laut
«Focus» nach Berlin. Die US-Regierung stufe von Kurnaz
ausgehende Gefahren als «erheblich» ein.
(Quelle: ap)