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Irak am neunhundertfünfundvierzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Scharfe Kritik an Bushs Irak-Politik von Ex-UN-Botschafter Bolton. Iran
will seinen Einfluss im Irak verstärken
Di.30.01.07 - Die US-Regierung hat nach den Worten ihres früheren
UN-Botschafters John Bolton kein strategisches Interesse an einem
geeinten Irak. In einem Interview mit der französischen Zeitung
«Le Monde» sagte Bolton, es sei nicht entscheidend, ob es
«einen Irak oder drei Iraks» gebe. Das strategische
Interesse richte sich darauf, dass kein vollständiges Chaos und
kein terroristischer Staat entstehe.
Der frühere UN-Botschafter, der im Dezember von seinem Posten
zurückgetreten war, warf US-Präsident George W. Bush in dem
Interview vor, nach dem Sturz Saddam Husseins 2003 die Macht zu langsam
an die Iraker übertragen zu haben. «Wir haben ihnen einen
schlechten Dienst erwiesen, weil wir ihnen politische
Führungskräfte genommen haben», zitierte ihn die Zeitung
am Montag. Zudem habe die US-Übergangsverwaltung zugelassen, dass
sich Terroristen zusammenschließen.
Der Iran will nach Worten seines Botschafters in Bagdad seinen
militärischen und wirtschaftlichen Einfluss im Irak
verstärken. Wie Botschafter Hassan Kasemi Qumi der «New York
Times» sagte, ist Teheran bereit, die irakischen Streitkräfte
mit Ausbildern und mit Ausrüstung bei ihrem Kampf für mehr
Sicherheit zu unterstützen.
Der Iran wolle sich auch stärker beim Aufbau des Landes
engagieren. Qumi kündigte die Eröffnung einer Filiale einer
nationalen Bank im Irak an. Teheran habe bereits die dafür
nötige Lizenz erhalten, sagte ein iranischer Bankmanager. Dadurch
würden die bilateralen Handelsbeziehungen gestärkt, betonte
der Banker. Ein verstärktes iranisches Engagement im Irak wird nach
Darstellung der Zeitung weiteren Konfliktstoff zwischen Washington und
Teheran mit sich bringen.
Qumi gab außerdem zu, dass zwei von den US-Truppen im Irak
festgenommene Iraner Sicherheitsbeamte seien. Sie seien im Nachbarland
gewesen, weil Bagdad und Teheran ihre Sicherheitsprobleme gemeinsam
lösen wollten, sagte der Diplomat.
Erst kürzlich war durch einen Artikel des «Washington
Post» bekannt geworden, dass das Weiße Haus grünes
Licht für die Gefangennahme und auch Tötung iranischer Agenten
im Irak gegeben habe. Dies sei Teil einer neuen, härteren Strategie
der Regierung von Präsident George W. Bush, um den Einfluss des
Irans in seinem Nachbarland Irak wie auch im gesamten Nahen Osten
zurückzudrängen.
Den Iranern wird von Washington vorgeworfen, die schiitischen Milizen
im Irak zu trainieren und mit Waffen auszurüsten. Unter den
früheren Richtlinien durfte das US-Militär die Iraner nur
vorübergehend festnehmen und musste sie dann nach einer
biometrischen Erfassung ihrer Identität wieder freilassen. Mehrere
Dutzend mutmaßliche iranische Agenten seien bislang so zeitweise
festgesetzt worden.
(Quellen: ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 30.01.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhunderteinundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Karsai bietet afghanischen Taliban Friedensgespräche an
Di.30.01.07 - Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat den radikal-islamischen
Taliban Friedensgespräche angeboten.
Trotz der andauernden Gewalttätigkeiten stehe die Tür zu
Verhandlungen offen, sagte Karsai am Montag in Kabul aus Anlass des
Aschura-Festes, einem der höchsten Feiertage der schiitischen
Moslems. Im vergangenen Jahr waren in Afghanistan bei den schwersten
Kämpfen seit der Entmachtung der Taliban 2001 mehr als 4000
Menschen getötet worden. Unter den Toten waren etwa 170
ausländische Soldaten. Die Kommandeure von Nato- und US-Truppen
befürchten eine weitere Eskalation im Frühjahr. Ein
Talibanführer hatte am Wochenende gewarnt, es stünden mehr als
2000 Selbstmordattentäter bereit.
Im Gegensatz zu 2005 unterbreitete der Präsident den Taliban
dieses Mal kein neues Amnestieangebot. Vor zwei Jahren war Karsais
Offerte kaum befolgt worden. Die Taliban hatten das Angebot als Zeichen
der Schwäche bezeichnet.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt
Drei Israelis bei Selbstmordanschlag in Eilat getötet.
Israelischer Luftangriff im Gazastreifen. Hamas-Minister sieht
Palästinenser am Rande eines Bürgerkriegs. Bush
bekräftigt Unterstützung für Libanons
Ministerpräsidenten Siniora. Israel verstieß
möglicherweise gegen Einsatzverbot von Streubomben
Di.30.01.07 - Beim ersten Selbstmordanschlag in Israel seit neun Monaten hat ein
palästinensischer Attentäter am Montag im Badeort Eilat am
Roten Meer drei Menschen mit in den Tod gerissen. Mehrere Menschen
wurden nach Angaben von Rettungskräften und Polizei schwer
verletzt, als sich der Attentäter in der Bäckerei eines
Einkaufszentrums in die Luft sprengte. Die militanten
Palästinenserorganisationen Islamischer Dschihad und die der Fatah
nahe stehenden El-Aksa-Märtyrer-Brigaden bekannten sich zu dem
Anschlag.
Es war das erste Selbstmordattentat in Eilat seit der Gründung des
Staates Israel. Der Attentäter zündete nach Angaben der
israelischen Polizei gegen 9.40 Uhr Ortszeit (8.40 Uhr MEZ) seine in
einem Rucksack versteckte Bombe, kurz nachdem er eine Bäckerei im
Einkaufszentrum "Isidore" betreten hatte. Nach Berichten von Augenzeugen
bot sich den Rettungskräften ein schreckliches Bild. Die Wucht der
Explosion habe die Leichenteile weit verstreut. Der Anschlagsort liegt
etwas abseits der Touristenviertel der 50.000-Einwohner-Stadt. Die
Hafenstadt und der Grenzübergang Taba nach Ägypten wurden
abgeriegelt.
Sprecher der Palästinenserorganisationen Islamischer Dschihad und
der Fatah-nahen El-Aksa-Brigaden erklärten in Anrufen bei der
Nachrichtenagentur AFP, bei dem Attentäter habe es sich um einen
21-jährigen Palästinenser aus Gaza-Stadt gehandelt. Zuvor
hatte ein anonymer Anrufer gegenüber AFP eine dritte, bislang
unbekannte Palästinensergruppe namens "Armee der Gläubigen"
als Drahtzieher genannt. Eine unabhängige Bestätigung gab es
zunächst nicht.
Israels Regierungssprecher Avi Pasner verurteilte den Anschlag scharf.
Sollte sich die Urheberschaft militanter Palästinenser
bestätigen, bedeute dies, dass diese, auch wenn sie sich
gegenseitig töteten, immer noch Zeit fänden, unschuldige
israelische Zivilisten umzubringen. Pasner spielte an auf die seit Tagen
eskalierende Gewalt zwischen der regierenden radikalislamischen Hamas
und Anhängern der als gemäßigt geltenden Fatah von
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas.
Ein Abbas-Sprecher verurteilte die Tat. Die Hamas-Regierung indes
bezeichnete den Anschlag als "natürliche Antwort" auf die
israelische Verbrechen gegen die Palästinenser. Die Hamas hat sich
zuletzt vor fast zwei Jahren zu einem Selbstmordanschlag in Israel
bekannt. Die US-Regierung und die Europäische Union (EU)
verurteilten den Anschlag in Eilat.
Die israelische Luftwaffe hat am Dienstagmorgen nach eigenen Angaben
einen Schmugglertunnel bei Rafah im Gazastreifen bombardiert. Es
handelte sich offenbar um die erste Reaktion der Streitkräfte auf
den Selbstmordanschlag im israelischen Badeort Eilat vom Montag. Israel
vermutet, dass der Selbstmordattentäter über Ägypten aus
dem Gazastreifen nach Eilat gekommen war. Um nach Ägypten zu
gelangen, soll er einen Schmugglertunnel benutzt haben, berichtete das
israelische Fernsehen.
Bewaffnete Anhänger von Hamas und Fatah haben sich am Montag
erneut heftige Gefechte im Gazastreifen geliefert. Zwei Menschen kamen
ums Leben. Weitere Teile des palästinensischen Autonomiegebiets
hatten keinen Strom, weil ein Umspannwerk bei den Kämpfen
beschädigt wurde. Informationsminister Jussef Riska von der Hamas
warnte, beide Seiten stünden am Rande eines Bürgerkriegs.
Saudi-Arabien und Ägypten boten angesichts der anhaltenden
Gefechte an, zwischen der radikalislamischen Hamas und der
gemäßigteren Fatah von Präsident Mahmud Abbas zu
vermitteln. Der saudiarabische König Abdullah nannte die
Kämpfe, bei denen seit Dezember mehr als 60 Menschen ums Leben
gekommen sind, eine Schande und lud beide Seiten zu Gesprächen nach
Mekka ein. Hamas und Fatah begrüßten den Vorschlag, ein Datum
für ein Treffen wurde jedoch zunächst nicht bekannt.
Am Montagmorgen gab es erneut Schießereien in Gaza, Chan Junis
sowie im Norden des Gazastreifens. Bei den nächtlichen Gefechten
wurden zwei Hamas-Kämpfer getötet. Am Sonntagabend wurden ein
Sohn und ein Neffe des Kommandeurs der Fatah-Truppe Präventive
Sicherheit in Gaza verschleppt. Die Entführer drohten damit, die
Kinder zu töten, falls nicht binnen weniger Stunden die von
Fatah-Kämpfern verschleppte Hamas-Mitglieder freigelassen
würden. Anhänger beider Seiten errichteten unterdessen
Straßenblockaden um die Wohnungen und Büros ihrer Politiker.
US-Präsident George W. Bush hat die Unterstützung für
die libanesische Regierung unter Ministerpräsident Fuad Siniora
bekräftigt. «Alle, die eine friedliche und
verfassungsmäßige Lösung der Krise im Libanon anstreben,
verdienen die Unterstützung der internationalen
Gemeinschaft», sagte Bush am Montag in Washington. «Aber
jene, die das Chaos heraufbeschworen haben, müssen zur Rechenschaft
gezogen werden.» Anhänger der schiitischen
Hisbollah-Bewegung protestieren seit Wochen gegen die Regierung
Sinioras. Dabei gab es auch Zusammenstöße mit Toten und
Verletzten. In der vergangenen Woche sagte eine internationale
Geberkonferenz in Paris 5,9 Milliarden Euro Wiederaufbauhilfe für
das vom Krieg zwischen Hisbollah und Israel im vergangenen Sommer
verwüstete Land zu.
Israel hat im Libanon-Krieg nach Angaben der US-Regierung vermutlich
gegen Regelungen zum Einsatz von Streubomben verstoßen. Ein
vorläufiger Bericht sei zu dem Schluss gekommen, dass die von den
USA gelieferten Streubomben im Sommer 2006 wahrscheinlich in
libanesischen Wohngebieten eingesetzt wurden, sagte
Außenamtssprecher Sean McCormack am Montag. Dies wäre ein
Verstoß gegen Exportrichtlinien.
Der Kongress müsse jetzt über weitere Ermittlungen
entscheiden, sagte McCormack. Der Sprecher des israelischen
Außenministeriums, Mark Regev, erklärte, die Regierung nehme
die Bedenken der USA sehr ernst und habe eine eigene Untersuchung
eingeleitet.
Den Vereinten Nationen zufolge sind Teile des Südlibanons noch
immer mit nicht explodierten Streubomben übersät. Die Genfer
Konvention verbietet den Einsatz dieser Waffen in Wohngebieten. Im Krieg
gegen die Hisbollah hat Israel Streubomben auch auf von Zivilpersonen
bewohnte Gebiete abgefeuert, in denen Kämpfer der Miliz vermutet
wurden.
(Quellen: afp, ap)
Ghana ist neuer Ratsvorsitzender der Afrikanischen Union
Di.30.01.07 - Die Afrikanische Union (AU) hat dem Streben des Sudans nach dem Vorsitz
der Organisation zum zweiten Mal eine Abfuhr erteilt und stattdessen
Ghana an ihre Spitze gewählt. Es habe in dieser Frage allgemeiner
Konsens bestanden, erklärte AU-Kommissionspräsident Alpha
Oumar Konare am Montag beim AU-Gipfel in Addis Abeba. Bei dessen
Eröffnung rief UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zum sofortigen
Ende der Gewalt in der sudanesischen Region Darfur auf.
Alle afrikanischen Staaten müssten sich gemeinsam für eine
Lösung der Krise in Darfur einsetzen, forderte Ban. Die Fortsetzung
von Kämpfen und Luftangriffen sei nicht hinnehmbar. Den Sudan
forderte Ban auf, endlich der Stationierung einer 22.000 Mann starken
internationalen Friedenstruppe in Darfur zuzustimmen.
Zur Zeit sind dort 7.000 Soldaten aus Ländern der AU zu einer
Friedensmission im Einsatz. Sie können jedoch kaum etwas gegen die
Kämpfe zwischen schwarzafrikanischen Rebellengruppen und arabischen
Reitermilizen ausrichten. Letztere werden nach allgemeinem
Dafürhalten von der sudanesischen Regierung unterstützt. Diese
hat das ebenso zurückgewiesen wie Vorwürfe gezielter
Luftangriffe auf die Zivilbevölkerung.
Wegen der Krise in Darfur gab es schon auf dem letzten AU-Gipfel
Widerstände gegen den Wunsch des Sudans, den AU-Vorsitz zu
übernehmen. Als Kompromisskandidat wurde schließlich die
Republik Kongo (Hauptstadt Brazzaville) in die jährlich wechselnde
Spitzenposition gewählt. Diesmal erhielt Ghana den Zuschlag. Eine
Wahl des Sudans hätte der Afrikanischen Union in den Augen von
politischen Beobachtern und Menschenrechtsorganisationen schwer
geschadet.
Ban führte am Rande des Gipfels Gespräche mit dem
sudanesischen Präsidenten Omar al Baschir. Ein Ergebnis wurde
zunächst nicht bekannt. Al Baschir hat sich bislang geweigert,
einer UN-Friedensmission in Darfur zuzustimmen. Den Kämpfen in der
Region sind schon mehr als 200.000 Menschen zum Opfer gefallen, etwa 2,5
Millionen wurden zu Flüchtlingen. Der Konflikt hat auch das
Nachbarland Tschad in Mitleidenschaft gezogen.
Neben der Lage in Darfur stand die Situation in Somalia im Mittelpunkt
des AU-Gipfels. Dort soll eine afrikanische Friedenstruppe stationiert
werden, um die Position der Übergangsregierung zu stabilisieren.
Die AU will für zunächst sechs Monate 8.000 Mann
bereitstellen. Bislang haben aber nur Uganda, Nigeria und Malawi
Soldaten zugesagt.
(Quelle: ap)
Kongolesischer Milizenführer kommt vor Internationalen
Strafgerichtshof
Di.30.01.07 - Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag (IStG, ICC) wird
erstmals einem mutmaßlichen Kriegsverbrecher den Prozess machen.
Das Tribunal beschloss am Montag ein Verfahren gegen den kongolesischen
Milizenführer Thomas Lubanga, dem die Zwangsrekrutierung von
Kindersoldaten vorgeworfen wird. Es lägen genügend Beweise
gegen Lubanga vor, die ein Verfahren rechtfertigten, sagte der
Vorsitzende Richter Claude Jorda. Menschenrechtsorganisationen
begrüßten die Entscheidung.
Lubanga muss sich in drei Anklagepunkten wegen des Einsatzes von
Kindersoldaten in der kongolesischen Provinz Ituri in den Jahren 2002
und 2003 verantworten. Er war im März 2005 festgenommen und ein
Jahr später an den IStGH überstellt worden. Der
Milizenführer ist der erste Verdächtige überhaupt, der
wegen der Rekrutierung von Kindersoldaten vor ein internationales
Gericht kommt.
Der Staatsanwaltschaft zufolge zwang seine Union Kongolesischer
Patrioten (UPC) Kinder von der Straße zu Kämpfen, andere
Kinder wurden von ihren Eltern in Ausbildungslager geschickt. Einige der
Kindersoldaten waren nach Angaben des IStGH jünger als 15 Jahre.
Das Verfahren gegen Lubanga ist das erste des IStGH, seit das Tribunal
im Juli 2002 seine Arbeit aufnahm. Es soll im Lauf des Jahres beginnen,
wie Staatsanwalt Fatou Bensouda am Montag mitteilte. Als
Höchststrafe droht Lubanga lebenslange Haft, er hat alle
Vorwürfe zurückgewiesen. Die Entscheidung, dass es zum Prozess
kommt, nahm er reglos auf.
Für die Opfer der Kämpfe im Kongo sei das Verfahren gegen
Lubanga die «erste Chance auf Gerechtigkeit», sagte
Geraldine Mattioli von der Menschenrechtsorganisation Human Rights
Watch. Die kongolesische Menschenrechtsministerin Madeleine Kalala
sprach von «einem starken Signal für unser Volk,
Straflosigkeit zu bekämpfen». In dem Konflikt im Kongo
starben rund vier Millionen Menschen durch Gefechte, Hunger und
Krankheiten. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen gibt des
weltweit rund 300.000 Kindersoldaten.
Der IStGH soll Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und
Kriegsverbrechen ahnden. Insgesamt 120 Staaten vereinbarten im Juli 1998
in Rom seine Gründung, am 1. Juli 2002 nahm das Gericht seine
Arbeit auf. Der Gerichtshof schreitet nur ein, wenn ein Land nicht
willens oder in der Lage ist, selbst gegen Verdächtige vorzugehen.
Gegen Verdächtige aus Nicht-Mitgliedsstaaten kann er nur vorgehen,
wenn er vom Weltsicherheitsrat beauftragt wurde.
(Quelle: ap)
Solana fordert mehr Militärausgaben in der Europäischen Union
Di.30.01.07 - Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana hat die 27 Mitgliedsstaaten
der Europäischen Union zu größeren Militärausgaben
aufgerufen. Nur eine Handvoll von Staaten stellten momentan mehr als die
angestrebten zwei Prozent ihres Bruttosozialprodukts für
Verteidigung bereit, kritisierte Solana am Montag auf einem EU-Treffen
zur Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik in Berlin.
Damit sei absehbar, dass die Lücken in den Fähigkeiten der
zivilen und militärischen Krisenbewältigung nicht wie geplant
bis 2008 oder 2010 geschlossen werden könnten.
Solana wies darauf hin, dass die EU heute insgesamt weniger für
ihre Verteidigung ausgebe als die USA allein. Bei der
Militärforschung sei der Abstand noch größer. Der
EU-Außenbeauftragte warnte: «Wir werden bald sehen, dass der
Ehrgeiz größer ist als unsere Fähigkeiten.»
Absehbar sei, dass die Anforderungen an die EU und ihre
ESVP-Einsätze nicht weniger würden.
(Quelle: ddp)
EU-Troika will Kosovo-Initiative starten
Di.30.01.07 - Die EU will Anfang Februar eine neue Kosovo-Initiative starten.
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte am
Montag in Berlin, voraussichtlich am Mittwoch kommender Woche werde er
im Rahmen der so genannten EU-Troika in die serbische Hauptstadt Belgrad
reisen. Dabei solle auch über die Zukunft der Region gesprochen
werden. Es gebe ein gemeinsames Interesse daran, dass der Kosovo stabil
bleibe. Serbien könne Träger der Stabilität der Region
sein. Der UN-Gesandte Martti Ahtisaari will am Freitag seinen Vorschlag
für den künftigen Status der nach Unabhängigkeit
strebenden serbischen Provinz vorstellen.
(Quelle: ap)
Datenschützer kritisieren zunehmende Datensammlungen
Di.30.01.07 - Datenschützer haben beim ersten Europäischen Datenschutztag
die zunehmende Sammlung von Informationen kritisiert und vor Missbrauch
gewarnt. Der deutsche Datenschutzbeauftragte, Peter Schaar, forderte
wirksame Instrumente zur Begrenzung der Datensammlungen.
Seit den Terroranschlägen des 11. September 2001 befinde sich der
Datenschutz im Rückwärtsgang, sagte Schaar am Montag in
Berlin. Deutschlands Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) verwies
hingegen darauf, dass der Staat die Menschen schützen und auf neue
Herausforderungen angemessen reagieren müsse. Dazu gehörten
die Erfahrungen des 11. September. «Daran kann niemand
vorbei.»
Schäuble wandte sich gegen die Kritik der Datenschützer. Wenn
der Staat nicht das Menschenmögliche für die Sicherheit tue,
werde dem Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung ein
Bärendienst erwiesen. Der Minister bekräftigte zudem seine
Absicht, die Daten der Lkw-Maut auch für die Verfolgung von
schweren Verbrechen zu nutzen. Der Gesetzgeber habe mit der nur
eingeschränkten Verwendung dieser Daten einen Fehler gemacht.
Deshalb trete er für eine neue gesetzliche Grundlage ein.
Der deutsche Rechtsprofessor und frühere hessische
Datenschutzbeauftragte Spiros Simitis warf der EU-Kommission vor, gegen
eigene Datenschutzvorgaben zu verstoßen. Er führte die
Übermittlung von Daten der Flugpassagiere im Transatlantikverkehr
an die USA an und die vorsorgliche Speicherung von Telefon- und
Internetdaten. «Datensammlungen sind eben keine Minen mit schier
unendlichem Vorkommen an Edelmetall.»
Auch Schaar kritisierte die so genannte Vorratsdatenspeicherung. Falls
die Politik den Schutz personenbezogener Daten nicht verbessere, sieht
Schaar Deutschland «auf dem Weg in eine
Überwachungsgesellschaft, die zunehmend von Kontrollen geprägt
ist», sagte er der in Berlin erscheinenden Tageszeitung
«Die Welt» (Montag). Erstmals würden auf breiter Basis
die Daten von völlig unverdächtigen Personen gespeichert
für den möglichen späteren Zugriff der
Sicherheitsbehörden. «Damit ist der Grundsatz der
Verhältnismäßigkeit verletzt.»
Die deutsche Verfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt warnte
ebenfalls vor einer zunehmenden vorbeugenden Datensammlung. Es gebe zwei
Sicherheitsbegriffe: Die Sicherheit durch den Staat und die Sicherheit
vor dem Staat.
Der Gesetzentwurf der deutschen Justizministerin Brigitte Zypries (SPD)
setzt eine EU-Richtlinie um, bleibt aber am unteren Ende des
vorgegebenen Speicherzeitraums. Ziel ist es, die Strafverfolgung und den
Kampf gegen den Terrorismus zu verbessern. Danach sollen die EU-
Länder alle Verbindungsdaten zwischen 6 und 24 Monate lang
speichern. Auch die Nutzung des Internets soll erfasst werden. Verleger-
und Wirtschaftsverbände, Journalistengewerkschaften,
Datenschützer, Anwälte und Richter hatten die geplante
Speicherung als Eingriff in die Privatsphäre heftig kritisiert.
(Quelle: dpa)
Rassismus und Fremdenfeindlichkeit europaweit im Visier
Di.30.01.07 - Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sollen nach dem Willen der deutschen
EU-Ratspräsidentschaft europaweit einheitlich bestraft werden.
Deutschland werde, auch mit Blick auf seine besondere historische
Verantwortung, das seit zwei Jahren auf Eis liegende Thema wieder auf
die Agenda setzen, teilte das deutsche Justizministerium am Montag in
Berlin mit. Holocaust-Leugner beispielsweise sollen mindestens mit Haft
zwischen einem Jahr und drei Jahren bestraft werden. Hakenkreuze sollen
jedoch europaweit nicht unter das deutsche Abbildungsverbot fallen.
Wer aus rassistischen oder fremdenfeindlichen Gründen
öffentlich zu Hass und Gewalt aufruft, muss dem so genannten
«Rahmenbeschluss zur Bekämpfung von Rassismus und
Fremdenfeindlichkeit» zufolge künftig ebenfalls mit einer
Mindesthöchststrafe von einem bis drei Jahren rechnen. Dies gilt
auch für Drohungen, Beschimpfungen, Beleidigungen oder die
Störung des öffentlichen Friedens. Auch die Verbreitung
entsprechender Schriften soll untersagt werden.
Auch wer Völkermorde, Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder
Kriegsverbrechen öffentlich billigt, leugnet oder verharmlost, soll
sich in Zukunft vor Gericht verantworten müssen. Bei sonstigen
Straftaten sollen laut Plan rassistische oder fremdenfeindliche
Beweggründe als erschwerender Umstand gelten. Künftig werde
kein Strafantrag des Verletzten mehr notwendig sein - die
Strafverfolgungsbehörden ermitteln von Amts wegen.
Ziel der Bemühungen insgesamt sei es, einen gemeinsamen Standard
bei den Vorschriften über die Strafbarkeit des Verbreitens von
rassistischen und fremdenfeindlichen Äußerungen zu erreichen,
erklärte das Ministerium. Ein Rahmenbeschluss dazu habe zuletzt
unter luxemburgischer Präsidentschaft kurz vor einem Kompromiss
gestanden. Er gewähre den Mitgliedstaaten den notwendigen
Spielraum für die Fortführung gewachsener
Verfassungstraditionen, hieß es weiter.
(Quelle: ap)
EU-Kommission greift deutsche Autoindustrie scharf an
Di.30.01.07 - Im Streit um schärfere Klimaschutzauflagen hat die EU-Kommission
die deutsche Automobilindustrie scharf angegriffen. Der Sprecher von
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso wies
Vorwürfe der fünf großen deutschen Automobilhersteller
zurück, die Brüsseler Pläne gefährdeten massiv
Arbeitsplätze. "Jobs gehen nicht verloren, wenn man sich
rechtzeitig auf Änderungen einstellt, sondern wenn man sich strikt
gegen sie sträubt", unterstrich Barroso-Sprecher Johannes
Laitenberger. Es nütze nichts, "den Kopf in den Sand zu stecken".
Die Unternehmenschefs von Volkswagen, DaimlerChrysler, BMW, Ford und
Opel hatten Brüssel in einem am Sonntag veröffentlichten Brief
vor "schwersten Verwerfungen in der Automobil- und Zulieferindustrie"
gewarnt und dabei mit der massiven Verlagerung von Arbeitsplätzen
aus der EU gedroht. Barrosos Sprecher rief die Unternehmen im Gegenzug
auf, die bereits im Jahr 1998 eingegangene Selbstverpflichtung zu mehr
Klimaschutz einzuhalten. Danach wollten die Hersteller den
Kohlendioxid-Ausstoß ihrer Flotten deutlich senken. Bislang liegen
die Konzerne aber weit hinter den eigenen Zielen zurück.
Allerdings wollte der Sprecher auch keinen neuen Termin für die
Vorstellung der Pläne von EU-Umweltkommissar Stavros Dimas nennen,
der gesetzlich festgelegte Grenzwerte für den CO2-Ausstoß
anstrebt. Die Kommission hatte den Termin mehrfach verschoben, nachdem
der deutsche Industriekommissar Günter Verheugen interveniert
hatte. Laitenberger unterstrich, es gehe nicht "um eine Woche oder
zwei", sondern darum, "die Dinge richtig hinzubekommen". Der Streit
spaltet auch die deutsche Bundesregierung: Während
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) wie die Autobauer gegen
feste CO2-Grenzwerte ist, befürwortet dies Umweltminister Sigmar
Gabriel (SPD).
(Quelle: afp)
Klima-Studie sagt für Deutschland spürbar höhere
Temperaturen voraus
Di.30.01.07 - Neue Klimamodelle sagen für Deutschland spürbar höhere
Temperaturen, längere Trockenperioden und heftigere
Überschwemmungen voraus. Danach soll es ab 2071 voraussichtlich um
1,8 bis 2,3 Grad wärmer als zwischen 1961 und 1990 sein, wie das
Umweltbundesamt am Montag in Dessau mitteilte. Die stärkste
Erwärmung erwarten die Forscher für den Norden Deutschlands
und die Voralpen.
Der Studie liegen Modellrechnungen zu Grunde, die auf den
meteorologischen Daten von rund 280 Klimastationen und 1.700
Niederschlagstationen in ganz Deutschland basieren. Etwas geringer wird
die Erwärmung demnach an der Nord- und Ostseeküste, in den
zentralen Mittelgebirgen und im Osten Bayerns ausfallen.
Der Studie zufolge nehmen die Niederschläge von 2071 an
deutschlandweit um 17 bis 22 Prozent ab. Für das ohnehin schon
trockene norddeutsche Tiefland errechneten die Forscher allerdings 50
Prozent weniger Niederschläge. Für die Winter in den
Gebirgsregionen werden dagegen deutlich höhere Niederschläge
erwartet.
Die Modellrechnungen basieren auf zwei verschiedenen Szenarien für
die künftig möglichen Treibhausgasemissionen: Das erste,
höhere Emissionsszenario geht von einem starken Wirtschaftswachstum
und einer weiteren Nutzung der fossilen Energieträger Kohle,
Öl und Gas aus. Das zweite, niedrigere Emissionsszenario beruht auf
einer verstärkten Einführung emissionsarmer und Ressourcen
schonender Techniken. Auch wenn das zweite Szenario eintreten
würde, wäre es nach Ansicht der Forscher jedoch nicht mehr
möglich, abrupte Klimaänderungen und unumkehrbare Klimafolgen
zu verhindern.
(Quelle: ap)