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Irak am neunhundertsechsundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-Außenministerin Rice legt Liste mit Versäumnissen der
irakischen Regierung vor. Mindestens 45 Tote bei Anschlägen auf
Schiiten. Oberster US-Kommandeur im Mittleren und Nahen Osten:
USA haben Widerstand im Irak unterschätzt
Mi.31.01.07 - Die irakische Regierung bleibt bei zentralen politischen Reformvorhaben
hinter den Erwartungen der USA zurück. Das geht aus einer Liste
mit konkreten Vorhaben hervor, die US-Außenministerin Condoleezza
Rice den führenden Senatoren des Streitkräfte-Ausschusses,
dem Demokraten Carl Levin als Vorsitzenden und dem Republikaner John
McCain, auf deren Anfrage vorlegte.
Aus der Liste von Rice scheint hervorzugehen, dass die Regierung des
schiitischen Ministerpräsidenten Nuri Al-Maliki keines der von
September 2006 bis März 2007 gesteckten Reformziele
vollständig umsetzen wird. Dazu gehören die Organisation von
Regionalwahlen, ein Gesetz zur Verteilung des Ölreichtums und das
Zurücknehmen von Maßnahmen, die Sunniten den Zugang zum
öffentlichen Dienst verwehren.
Levin und McCain bemängelten in einer schriftlichen Reaktion, dass
in der Liste Details fehlten und ein von der US-Politik vorgegebenes
Ziel ignoriert werde: Dass die Iraker bis November 2007 die Kontrolle
über alle Provinzen übernehmen sollen. «Was der Brief
von Außenministerin Rice mehr als deutlich macht ist, dass die
Regierung nicht die Absicht hat, bedeutsame Konsequenzen für das
andauernde Versagen der Iraker zu ziehen, ihre Verpflichtungen zu
erfüllen», schrieben sie. «Was bereits gesagt wurde
trifft immer noch zu: Wenn Amerika weitere Soldaten entsendet und die
irakischen Führer einfach nur weitere Versprechungen machen, ist
das kein Erfolgsrezept für den Irak.»
Rice schrieb den Senatoren, Präsident George W. Bush habe
Al-Maliki und anderen irakischen Führern klar gemacht, dass das
amerikanische Engagement nicht unbefristet sei. «Es ist wichtig,
dass die irakische Regierung, mit unserer Hilfe aber unter ihrer
Führung, nachprüfbare und erreichbare Ziele benennt.»
In der vergangenen Woche drängte Al-Maliki das irakische
Parlament, mehrere Punkte von der Liste zu verabschieden, darunter das
Ölgesetz und die Entbaathifizierungs-Vorschriften. Levin und
McCain hatten ihre Anfrage nach Bushs Rede zur Lage der Nation am 10.
Januar gestellt, in der der Präsident erklärt hatte:
«Amerika wird die irakische Regierung anhalten, an den von ihr
erklärten Ziele festzuhalten.» Levin sagte, es sei ihm nicht
klar gewesen, welche Ziele Bush genau gemeint habe.
Bei einer Serie gezielter Anschläge auf Schiiten sind am letzten
Tag des Aschura-Festes im Irak dutzende Menschen getötet worden:
In einer schiitischen Moschee in der Nähe von Baakuba kamen bei
einem Selbstmordanschlag allein 23 Menschen ums Leben. Insgesamt
starben bei Anschlägen im Irak mindestens 45 Menschen. An den
Aschura-Feierlichkeiten in der Stadt Kerbela beteiligten sich etwa 1,5
Millionen Pilger.
In dem 80 Kilometer nordöstlich von Bagdad gelegenen Ort Dur
Mandali zündete ein Selbstmordattentäter einen Sprengsatz,
nachdem er sich unter schiitische Gläubige in der
Ali-el-Akbar-Moschee gemischt hatte. Dabei wurden 23 Menschen
getötet und weitere 57 verletzt.
Bei einem Bombenanschlag in der Nähe einer religiösen
Stätte im nahe der iranischen Grenze gelegenen Chanekin wurden
zwölf schiitische Kurden getötet und 38 weitere verletzt. In
Baakuba töteten bewaffnete Männer drei Schiiten, die auf der
Straße ein Aschura-Mahl austeilten.
An den Aschura-Feierlichkeiten in Kerbela beteiligten sich bis zum
Montag etwa 1,5 Millionen Pilger. In Kerbela befindet sich das
Mausoleum von Imam Hussein, des Enkels des islamischen Propheten
Mohammed, an dessen Tod die Schiiten am Aschura-Fest mit
Trauerumzügen erinnern. Während des Aschura-Festes ist die
Stimmung im Irak besonders aufgeheizt.
In Bagdad starben beim Beschuss eines Kleinbusses vier Menschen; sechs
weitere wurden verletzt. In der nordirakischen Erdölstadt Kirkuk
wurden durch Bomben elf Menschen verletzt.
Wegen der religiösen Unruhen und der zunehmenden Kriminalität
steigt die Zahl der Binnenflüchtlinge im Irak jeden Tag um
durchschnittlich etwa tausend Menschen. Seit dem Anschlag auf das
schiitische Mausoleum von Samarra im Februar 2006 hätten etwa
360.000 Menschen ihre Häuser und Wohnungen verlassen und seien in
andere irakische Regionen gezogen, heißt es in einer Studie der
Internationalen Organisation für Migration (IOM). Angesichts der
blutigen Auseinandersetzungen zwischen Schiiten und Sunniten
flüchteten sich die Menschen aus den "gemischten Zonen", um in
"homogeneren" religiösen Gebieten zu leben, sagte Dana Graber, die
für die Studie verantwortlich ist.
Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki erklärte, er
hoffe auf ein Ende des sunnitischen Aufstands in sechs Monaten.
Al-Maliki sagte der Zeitung «Al Hajat» vom Dienstag, die
Milizen müssten aufgelöst und in politische Organisationen
verwandelt werden.
US-Admiral William Fallon, der als neuer oberster Kommandeur im
Mittleren und Nahen Osten John Abizaid nachfolgen soll, erklärte
unterdessen, die USA hätten den Widerstand im Irak
unterschätzt. Die Lage im Irak zu sichern sei schwieriger als
gedacht, erklärte Fallon in einem Schreiben an den
Streitkräfteausschuss im Senat. Neben der Fähigkeit der
irakischen Sicherheitskräfte habe Washington auch die politische
und wirtschaftliche Situation in dem Land nicht korrekt einschätzen
können.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 31.01.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertzweiundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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2006 mehr als 1.000 Zivilpersonen in Afghanistan getötet
Mi.31.01.07 - Der anhaltenden Gewalt in Afghanistan sind im vergangenen Jahr laut
einer Studie von Human Rights Watch mehr als 1.000 Zivilpersonen zum
Opfer gefallen. Die meisten von ihnen seien bei Angriffen der Taliban
oder anderer Regierungsgegner im Süden des Landes ums Leben
gekommen, hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten
Bericht der Menschenrechtsorganisation. Mindestens hundert Menschen
seien bei den Gegenangriffen der NATO und der US-geführten
Koalitionsstreitmacht getötet worden.
Die Gesamtzahl der afghanischen Todesopfer einschließlich der
getöteten Aufständischen liegt 2006 laut Human Rights Watch
bei gut 4.400. Dies seien mehr als doppelt so viele Opfer wie 2005 und
die höchste Jahresbilanz seit der Afghanistan-Invasion der USA im
Oktober 2001. Die Organisation warf dem afghanischen Präsidenten
Hamid Karsai vor, die Bevölkerung nicht ausreichend vor
Milizionären zu schützen, die auf seiten der Regierung
stünden.
Bei einem neuen Selbstmordanschlag im Westen Afghanistans wurden am
Dienstag drei afghanische Soldaten und zwei Zivilpersonen verletzt, der
Attentäter kam ums Leben. Er sprengte sich nach Polizeiangaben
neben einem Armeefahrzeug in der Stadt Herat in die Luft. 2006 gab es
nach NATO-Angaben insgesamt 139 Selbstmordanschläge in Afghanistan.
Dabei kamen 206 afghanische Zivilpersonen, 54 Angehörige der
afghanischen Sicherheitskräfte und 18 Soldaten der internationalen
Schutztruppe ISAF ums Leben.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Hamas und Fatah beginnen nach Waffenruhe mit Austausch ihrer Geiseln
Mi.31.01.07 - Nach dem neuen Waffenstillstand zwischen der Hamas und der Fatah haben
die beiden rivalisierenden Palästinensergruppen am Dienstagabend
mit dem Austausch ihrer Geiseln begonnen. Das teilten beide
Organisationen mit. Bei den Geiseln handelt es sich um Kämpfer der
Hamas und der Fatah, die von der jeweils anderen Seite in den
vergangenen Tagen gefangen genommen worden waren. Der neue
Waffenstillstand trat am Dienstag um 02.00 Uhr MEZ in Kraft. Danach
waren aber immer noch vereinzelt Schüsse und Explosionen zu
hören.
Die Waffenruhe wurde für die Hamas von Ministerpräsident
Ismail Hanija und für die Fatah von einem Gesandten des
Präsidenten Mahmud Abbas, Rauhi Fattuh, ausgehandelt. Wie
Außenminister Mahmud Sahar anschließend bekannt gab, sieht
die Vereinbarung vor, dass die Milizen beider Seiten
Straßensperren räumen und auf ihre Stützpunkte
zurückkehren müssten. Ferner sollten die Verdächtigen
für Mordanschläge den Behörden übergeben und alle
Geiseln freigelassen werden. Deren Zahl wurde auf ein Dutzend
geschätzt.
Beobachter äußerten allerdings Zweifel an der Umsetzung der
getroffenen Vereinbarungen. In der Vergangenheit seien Feuerpausen
häufig dazu genutzt worden, sich auf die nächste
Gefechtsrunde vorzubereiten, hieß es. Bei den
innerpalästinensischen Kämpfen in den vergangenen fünf
Tagen wurden insgesamt 35 Menschen getötet. Seit Beginn der
Eskalation Anfang Dezember kamen schon mehr als 60 Palästinenser
ums Leben.
(Quelle: ap)
Erster Araber von Israel als 'Gerechter unter den Völkern' geehrt
Mi.31.01.07 - Erstmals ist ein Araber von der jüdischen
Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem als «Gerechter unter den
Völkern» geehrt worden. Der Tunesier Chaled Abdelwahhab
versteckte während des Zweiten Weltkriegs eine Gruppe Juden vor
den in Nordafrika einrückenden deutschen Truppen. Für die am
Dienstag verkündete Auszeichnung wurde der 1997 Verstorbene vom
Direktor des Washingtoner Instituts für Nahost-Politik, Robert
Satloff, vorgeschlagen.
Satloff hat nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001
gezielte Nachforschungen angestellt, wie sich Araber in Nordafrika
während der Invasion der deutschen Nationalsozialisten
gegenüber jüdischen Mitbürgern verhielten. Dabei
stieß er nach eigenen Angaben auf Abdelwahhab, einen damals
32-jährigen Architekten, Landbesitzer und Hobby-Archäologen.
Er hörte Ende 1942, dass deutsche Offiziere eine in der Nähe
wohnende Jüdin vergewaltigen wollten. Daraufhin versteckte er sie
und rund zwei Dutzend weitere Juden vier Monate lang auf seiner
abgelegenen Farm - bis die Deutschen wieder abzogen.
Satloff machte in den USA Überlebende dieser Ereignisse ausfindig,
die das Ergebnis seiner Recherchen bestätigten. Daraufhin schlug
er Abdelwahhab für die Auszeichnung vor. Diese wird von Jad
Vaschem an Nicht-Juden vergeben, die Juden während des Holocausts
gerettet haben. Sie bedeutet, dass für den Geehrten ein
Gedenkstein an der «Allee der Gerechten unter den
Völkern» errichtet und ein Baum gepflanzt wird.
(Quelle: ap)
Versöhnungskonferenz soll Anarchie in Somalia beenden
Mi.31.01.07 - Eine Konferenz zur nationalen Versöhnung soll dem ostafrikanischen
Land Somalia nach 16 Jahren Anarchie wieder Stabilität bringen. Der
somalische Präsident Abdullahi Yusuf erklärte sich am
Dienstag beim Gipfeltreffen der Afrikanischen Union (AU) in Addis Abeba
zur Einberufung einer solchen Versammlung bereit. Dies war eine
Voraussetzung für finanzielle und logistische Unterstützung
seitens der USA und der Europäischen Union, um eine
AU-Friedenstruppe am Horn von Afrika zu stationieren.
Die Truppe soll aus 8.000 Mann bestehen und zunächst für
sechs Monate im Einsatz sein, bevor die Vereinten Nationen die Mission
übernehmen könnten. Bislang haben allerdings nur Uganda,
Nigeria und Malawi die Entsendung von Soldaten versprochen. Weitere
Zusagen wurden nach dem zweitägigen AU-Gipfel in der
äthiopischen Hauptstadt erwartet. Die EU will die Friedenstruppe
mit 15 Millionen Euro unterstützen, die USA mit 40 Millionen Dollar
(31 Millionen Euro).
Unklar war zunächst, in welchem Ausmaß die Kriegsherren und
Clanführer Somalias in eine künftige Regierung eingebunden
werden könnten, um die nationale Versöhnung zu fördern.
Ministerpräsident Ali Mohamed Gedi hat sich hier sehr skeptisch
gezeigt und geltend gemacht, die Übergangsregierung umfasse bereits
breite Bevölkerungsschichten. Beobachter sahen indessen eher die
Gefahr, dass jetzige Regierungsmitglieder aus Sorge um ihre Posten eine
Einbindung weiterer gesellschaftlicher Kräfte verhindern
könnten.
Die Übergangsregierung besiegte Ende vergangenen Jahres mit
Unterstützung Äthiopiens die Milizionäre der Union der
islamischen Gerichte. Es gilt als unwahrscheinlich, dass sie sich ohne
ausländische Unterstützung an der Macht halten kann.
(Quelle: ap)
Anhänger des ecuadorianischen Präsidenten stürmen
Parlament
Mi.31.01.07 - Hunderte Anhänger des linksnationalistischen Präsidenten
Rafael Correa haben am Dienstag das Parlament in Ecuador gestürmt,
um ihrer Forderung nach einer Verfassungsreform Nachdruck zu verleihen.
Die mit Stöcken und Steinen bewaffneten Demonstranten erzwangen
sich den Weg in das Kongressgebäude. Die Polizei versuchte die
Menge zurückzudrängen. Parlamentspräsident Jorge
Cevallos brach die laufende Sitzung ab. Er sprach von einer
«physischen Verletzung der Integrität der
Abgeordneten».
Die Demonstranten verließen später wieder das
Parlamentsgebäude oder wurden vertrieben. Regierungssprecherin
Monica Chuji sagte, die Regierung unterstütze friedliche
Protestaktionen, sei aber gegen Gewalt. Mit der Besetzung des
Parlaments stellten sich die Demonstranten hinter die Forderung von
Präsident Correa nach einer Verfassungsreform. Correa hatte bei
seiner Vereidigung Mitte Januar angekündigt, er werde sich
umgehend für ein entsprechendes Referendum einsetzen. Eine neue
Verfassung sei notwendig, um die Machtbefugnisse der Traditionsparteien
zu beschneiden, die für die Probleme des Landes verantwortlich
seien. Ein Großteil der Kongressabgeordneten hat sich aber
bereits gegen ein Verfassungsreferendum ausgesprochen.
(Quelle: ap)
Seattle verstieß laut Gericht bei WTO-Protesten gegen
US-Verfassung
Mi.31.01.07 - Die Stadt Seattle hat mit ihrem harten Vorgehen gegen rund 175
friedliche Demonstranten beim WTO-Gipfel 1999 gegen die US-Verfassung
verstoßen. Das entschied eine Anklagejury des Bundes am Dienstag
in Seattle. Die Stadt habe mit der Einrichtung einer
«protestfreien Zone» nach gewaltsamen Demonstrationen mit
50.000 Teilnehmern während der Konferenz der
Welthandelsorganisation verfassungsmäßige Garantien gegen
unangebrachte Durchsuchung und Festnahmen verletzt, befanden die
Juroren.
Die 175 Demonstranten waren in die Zone gegangen und hatten sich in
einem Park singend hingesetzt. Sie wurden verhaftet, ohne dass die
Polizisten prüften, ob sie sich eventuell rechtmäßig in
dem Gelände aufhielten. Der Sprecher der Kläger, Kenneth
Hankin, sagte: «Der entscheidende Punkt, die gelernte Lektion,
ist, dass man in Seattle oder anderswo in diesem Land nicht friedliche
Demonstranten verhaften kann.»
Seattle hat bereit 800.000 Dollar (616.000 Euro) in so genannten
WTO-Verfahren bezahlen müssen. Über einen eventuellen
Schadensersatz für die 175 Demonstranten wird in der nächsten
Phase des Verfahrens entschieden. Die Staatsanwaltschaft will Einspruch
gegen die Jury-Entscheidung einlegen.
(Quelle: ap)
US-Regierung soll Klima-Daten manipuliert haben
Mi.31.01.07 - Die Regierung von US-Präsident George W. Bush soll nach Angaben
von zwei Interessengruppen Druck auf Wissenschaftler ausgeübt und
damit Daten zum Klimawandel manipuliert haben. Betroffen seien sieben
Bundesbehörden, erklärten die Union of Concerned Scientists
und das Government Accountability Project. Die Organisationen wollten
dem Kongress noch am Dienstag einen entsprechenden Bericht vorlegen.
Es gebe «neue Beweise für die Unterdrückung und
Manipulation von Klima-Wissenschaftlern», erklärten die
beiden Interessengruppen. Washington habe auf diese Weise versucht, die
Bedrohungen durch die globale Erwärmung herunterzuspielen.
Der zuständige Kongressausschuss hat für die Anhörung
mehr als drei Dutzend Dokumente zu den Klimaprogrammen des Weißen
Hauses und der US-Umweltschutzbehörde angefordert. Als Zeuge
aussagen sollte unter anderem ein Mitarbeiter der Raumfahrtbehörde
NASA. Erwartet wurde auch ein ehemaliger ranghoher Mitarbeiter des
Büros, das die Klimaprogramme der Regierung koordiniert. Rick Piltz
hatte seine Stelle im Jahr 2005 gekündigt, weil nach seiner
Darstellung die Unterlagen von Wissenschaftlern zu Klima-Themen von
Beamten redigiert wurden, um ihren Inhalt abzuschwächen.
(Quelle: ap)
Deutschland
Große Koalition einig über Ende der Steinkohlesubventionen
Mi.31.01.07 - Die große Koalition hat sich auf ein Szenario für das Ende
der Steinkohleförderung in Deutschland geeinigt: Bis 2018 sollen
die milliardenschweren Subventionen für die Steinkohle auslaufen.
Nach einem Beschluss der Spitzen von Union und SPD soll jeder Bergmann
abgesichert werden. Im Jahr 2012 wird der Bundestag aber prüfen, ob
nicht wegen höherer Kohlepreise auf dem Weltmarkt oder
Lieferengpässen bei anderen Rohstoffen weiter Kohle in Deutschland
gefördert werden soll.
Mit dem "Auslaufszenario" bis zum Jahr 2018 sei sichergestellt, dass es
keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde und die Bergleute
in jedem Fall abgesichert seien, sagte SPD-Chef Kurt Beck nach dem Ende
der Sitzung des Koalitionsausschusses in der Nacht. Auf der anderen
Seite sei auch sichergestellt, dass der RAG-Konzern an die Börse
gehen könne. Die Spitzen der großen Koalition folgten einem
Kompromiss, der am Sonntag unter Leitung von Wirtschaftsminister Michael
Glos (CSU) gefunden worden war.
Dem Beschluss zufolge wird im Jahr 2012 geprüft, ob der
Steinkohle-Bergbau "unter Beachtung der Gesichtspunkte der
Wirtschaftlichkeit, der Sicherung der Energieversorgung und der
übrigen energiepolitischen Ziele weiter gefördert wird". Bis
zum 30. Juni 2012 muss dem Bundestag sowie den Landtagen des Saarlandes
und von Nordrhein-Westfalen ein entsprechender Bericht übergeben
werden. Der RAG-Konzern und die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie
(BCE) stimmten der Einigung zu.
Geklärt werden muss unter anderem noch, wie die
Sozialverträglichkeit des Ausstiegs genau gewährleistet wird.
Offen ist auch noch, wie genau der Ausstieg bezahlt werden soll. Geplant
ist bisher, dass das Kapital, das durch den in diesem Jahr geplanten
Börsengang der nicht mit dem Bergbau befassten Teile des
RAG-Konzerns erlöst werden soll, in eine Stiftung fließt.
Zudem ist unklar, wie der Ausstieg bis 2018 konkret ausgestaltet werden
soll, etwa wann welche Zechen schließen.
Die nordrhein-westfälische SPD-Chefin Hannelore Kraft sagte im
WDR, 2012 gebe es nun eine "echte Option" für eine Fortsetzung des
Steinkohle-Bergbaus. IG-BCE-Chef Hubertus Schmoldt erklärte, seine
Gewerkschaft halte den Ausstiegsbeschluss zwar "energiepolitisch
für falsch"; allerdings gebe es für den Erhalt eines
Sockelbergbaus nach 2018 zurzeit keine Parlamentsmehrheiten.
(Quelle: afp)
Zehntausende Metaller protestieren gegen Rente mit 67
Mi.31.01.07 - Zehntausende Metaller haben am Dienstag mit Arbeitsniederlegungen und
Kundgebungen gegen die geplante Rente mit 67 protestiert: Zwei Wochen
nach Beginn der Kampagne der IG Metall traten nach Gewerkschaftsangaben
rund 63.000 Beschäftigte in elf Bundesländern kurzzeitig in
den Ausstand. Während IG-Metall-Chef Jürgen Peters die
Aktionen verteidigte und Gespräche über einen Altersausstieg
forderte, sprachen die Arbeitgeber von illegalen politischen Streiks.
Vizekanzler Franz Müntefering schloss derweil Änderungen an
dem Gesetzesvorhaben aus. «Das haben wir lange genug
diskutiert», sagte der Arbeitsminister im ZDF-Morgenmagazin. Er
gehe davon aus, dass der Gesetzgebungsprozess bis März
abgeschlossen wird.
Peters sprach sich vor rund 4.000 Opel-Beschäftigten in
Rüsselsheim dennoch erneut gegen die Anhebung des
Renteneintrittsalters auf 67 Jahre aus. «Die Ignoranz der
großen Koalition treibt die Menschen auf die Straße. Ich
appelliere an die Bundesregierung, diesen Unmut nicht zu
überhören», erklärte der Gewerkschafter. «Wir
brauchen keine starre Rente mit 67, sondern flexible
Ausstiegsmöglichkeiten aus dem Erwerbsleben.»
Ein Schwerpunkt der Aktionen war nach Gewerkschaftsangaben mit rund
23.000 Teilnehmern Baden-Württemberg, wo unter anderen bei
DaimlerChrysler, Porsche, Bosch und Audi gestreikt wurde. In Hessen,
Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Thüringen kamen rund 20.000
Beschäftigte zu Kundgebungen der IG Metall, unter anderem bei Opel
in Rüsselsheim und Kaiserslautern. In Niedersachsen versammelten
sich rund 9.500 Metaller zu Protesten unter anderen bei VW in Emden. In
Nordrhein-Westfalen beteiligten sich rund 5.000 Beschäftigte zum
Beispiel bei Opel in Bochum zu Kundgebungen. In Bayern nahmen mehr als
2.500 Beschäftigte an Protestaktionen unter anderem bei MAN in
Augsburg und Bosch in Bamberg teil. In Bremen, Schleswig-Holstein und
Mecklenburg-Vorpommern kamen mehr als 3.500 Metaller zu Kundgebungen
zusammen.
Im Laufe des Nachmittags sollten laut IG Metall weitere Belegschaften
unter anderen des Autozulieferers ZF Friedrichshafen in Brandenburg und
des Bahntechnikhersteller Bombardier in Görlitz gegen die
beabsichtigte Erhöhung des Renteneintrittsalters demonstrieren. Am
morgigen Mittwoch sollen die Proteste ebenfalls fortgesetzt werden.
Proteste der Arbeitgeber gegen Gewerkschaftsdemonstrationen am
Arbeitsplatz wies Peters im ZDF-Morgenmagazin zurück: «Das
Demonstrationsrecht als ein sehr hohes, ausdrücklich
geschütztes Gut, ist nicht am Werkstor abzugeben.»
Der Verband der Metallarbeitgeber Rheinland-Rheinhessen sprach sich
dagegen strikt gegen die Aktionen aus: «Wer die Arbeit niederlegt,
um den IG-Metall-Aufrufen zur Demonstration gegen die Rente mit 67 zu
folgen, handelt arbeitsvertragswidrig, weil politische Streiks in
Deutschland verboten sind.» Die Arbeitgeber würden
Arbeitsniederlegungen zur Beeinflussung eines Gesetzgebungsverfahrens
nicht dulden, erklärte der Hauptgeschäftsführers des
Verbands, Franz-Josef Mäckler, und kündigte
arbeitsvertragliche Maßnahmen an. Der Arbeitgeberverband Hessen
Metall warf der Gewerkschaft vor, mit ihren Protestaktionen in den
Betrieben die Grundlagen der Tarifautonomie zu untergraben.
(Quelle: ap)
Fraktionen von Union und SPD billigen Gesundheitsreform
Mi.31.01.07 - Die Fraktionen von Union und SPD haben mit klarer Mehrheit die
Gesundheitsreform gebilligt und damit den Weg für das Gesetz
freigemacht. Vor der entscheidenden Bundestagsabstimmung am Freitag
stimmten bei der CDU/CSU 23 Abgeordnete gegen das Reformvorhaben, wie
Fraktionschef Volker Kauder (CDU) in Berlin sagte. Bei der SPD gab es
nach Angaben aus Fraktionskreisen etwa 30 Nein-Stimmen. Zuvor hatte
sich die große Koalition auf eine Erhöhung des
Bundeszuschusses für die Krankenkassen verständigt.
Kauder sprach von einer "bemerkenswert hohen Zustimmung" in der
Unionsfraktion. Damit sei bei der Bundestagsabstimmung am Freitag eine
große Mehrheit gesichert. Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck sagte,
auch in der SPD-Fraktion habe es eine "ganz, ganz große Mehrheit"
gegeben. Der SPD-Abgeordnete und Reformkritiker Wolfgang Wodarg sagte
allerdings, nach seiner Schätzung hätten rund ein Drittel der
anwesenden Parlamentarier gegen die Gesundheitsreform votiert.
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) sagte nach der
Fraktionssitzung, in einer Koalitionsregierung könne sich keiner
der Partner zu hundert Prozent durchsetzen. Die Reform sei aber "ganz
klar ein guter Schritt nach vorn". Zu dem höheren Bundeszuschuss
sagte Schmidt, das Geld dazu solle aus dem laufenden Haushalt kommen.
Der Bundeszuschuss soll 2008 bei 2,5 und 2009 bei vier Milliarden Euro
liegen, wie SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte. Bislang war für
das kommende Jahr ein Zuschuss von 1,5 Milliarden Euro geplant, der
2009 auf drei Milliarden Euro anwachsen sollte. Der Bundeszuschuss soll
in den kommenden Jahren bis auf etwa 14 Milliarden Euro anwachsen. Das
ist die Summe, die ungefähr für die beitragsfreie
Mitversicherung der Kinder in der gesetzlichen Krankenversicherung
benötigt wird.
Auch der CDU-Haushaltspolitiker Steffen Kampeter äußerte die
Überzeugung, dass der Bundeszuschuss aus dem laufenden
Bundeshaushalt bezahlt werden könne. "Ein ausgeglichener Haushalt
und höhere Steuerzuschüsse an Krankenkassen sind kein
Widerspruch", sagte Kampeter der Tageszeitung "Die Welt".
Der Wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium erhob
Bedenken gegen das Gesetzeswerk. Die Reform berge die Gefahr in sich,
dass es bei den Unternehmen zu Monopolisierung und Kartellbildung
komme, sagte der Beiratsvorsitzende Axel Börsch-Supan in Berlin.
Der rechtspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Gehb,
(CDU), äußerte die Erwartung, dass die Gesundheitsreform
nach ihrer Verabschiedung vor dem Bundesverfassungsgericht landen
werde. Auch die gesetzlichen Krankenkassen erneuerten in einer
gemeinsamen Erklärung ihre Kritik.
(Quelle: afp)