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Irak am neunhundertsiebenundvierzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Laut IISS-Studie reicht US-Truppenverstärkung im Irak nicht.
US-Armee: Iran liefert Waffen an irakische Extremisten
Do.01.02.07 - Die von US-Präsident George W. Bush angekündigte
Verstärkung der amerikanischen Truppen im Irak reicht nach
Einschätzung des renommierten Internationalen Instituts für
Strategische Studien (IISS) nicht aus, um den Konflikt wirksam
einzudämmen.
Zugleich kritisierten die Experten des Instituts in London am Mittwoch,
dass es der irakischen Regierung am «politischen Willen
mangelt», das Land zu befrieden und wieder aufzubauen.
In seinem neuen Jahresbericht zum militärischen Gleichgewicht in
der Welt erklärte das Institut, die USA würden mit der
Entsendung von 21 500 weiteren Soldaten wichtige «Aspekte der
Doktrin des Kampfes gegen Aufständische» ignorieren. Das
Verhältnis von einem US-Soldaten auf 184 Einwohner Bagdads liege
deutlich unterhalb der Empfehlungen, die zuvor von den
US-Streitkräften selbst ausgearbeitet worden seien, erklärte
IISS-Direktor John Chipman.
US-Senator Barack Obama, einer der aussichtsreichsten Bewerber um die
Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten, forderte unterdessen
einen Rückzug aller US-Kampftruppen aus dem Irak bis März
2008. Keine noch so große Zahl von US-Soldaten könne die
politischen Differenzen lösen, die dem Bürgerkrieg im Irak zu
Grunde lägen, heißt es in einem am Dienstag dem Senat
vorgelegten Gesetzentwurf Obamas.
Der designierte Oberkommandierende des US-Zentralkommandos, Admiral
William Fallon, hält einen Kurswechsel im Irak für notwendig.
«Die Situation im Irak ist ernst und erfordert neue und andere
Handlungsweisen», sagte Fallon am Dienstag in Washington bei einer
Anhörung vor dem Streitkräfteausschuss des US-Senats.
Die bisherige Strategie habe «nicht funktioniert». Zwar
glaube er, dass das Ruder noch herumgerissen werden könne,
«aber die Zeit ist knapp», sagte Fallon. Dabei ließ er
offen, ob er die von US- Präsident George W. Bush
angekündigte und von den Demokraten kritisierte Truppenaufstockung
um 21 500 Mann im Irak unterstützt.
Die Regierung des irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki
stehe vor schweren Herausforderungen, sagte Fallon. Sie müsse den
Streit der Glaubensrichtungen überwinden, die Gewalt zwischen den
religiösen Gruppen beenden und mit dem seit langem andauernden
Aufstand fertig werden.
Bush hatte Fallon, den bisherigen Kommandeur der US-Truppen im Pazifik,
als neuen Chef des US-Zentralkommandos vorgeschlagen, das auch die
Truppen im Nahen Osten, Afghanistan und am Horn von Afrika befehligt. Er
soll General John Abizaid ablösen, der in den Ruhestand geht. Es
wird erwartet, dass der Senat der Ernennung Fallons zustimmt.
Die US-Armee hat dem Iran vorgeworfen, irakische Extremisten mit Waffen
zu versorgen. Im Irak seien Waffen sichergestellt worden, die sich
anhand ihrer Seriennummer ins Nachbarland Iran zurückverfolgen
ließen, sagte die Nummer Zwei des US-Kontingents im Irak,
Generalleutnant Raymond Odierno, der Zeitung "USA Today" vom Mittwoch.
Der Großteil der Waffen, zu denen Panzerabwehr- und
Katjuscha-Raketen sowie Autobomben gehörten, gelange in die
Hände irakischer schiitischer Extremisten. Einige Iraner, die bei
Razzien festgenommen wurden, hatten laut Odierno der US-Armee Hinweise
auf Waffenlieferungen aus dem Iran gegeben. US-Präsident George W.
Bush hatte Teheran Anfang der Woche vor einer Einmischung in die
Irak-Krise gewarnt.
Die mehr als 260 Anfang nahe der irakischen Stadt Nadschaf
getöteten Schiiten gehörten nach Angaben eines
Militärkommandeurs einer Gruppe religiöser Fanatiker mit
insgesamt über 1000 gut ausgebildeten Kämpfern. Oberstleutnant
Abbas al-Dschaburi sagte in Hilla, die Gruppe nenne sich
«Soldaten des Himmels». Ihr Anführer Ahmed Ismail Katea
stamme aus Basra im Südirak. Die Kämpfer hätten geplant,
führende schiitische Geistliche in Nadschaf zu töten und die
Stadt unter ihre Kontrolle zu bringen. Die Regierung hatte nach der
zweitägigen Offensive gegen die Gruppe in einem Dorf nördlich
der Pilgerstadt Nadschaf am Montag erklärt, der Anführer sei
getötet worden. Nach Regierungsangaben wurden 392 weitere
Mitglieder der Gruppe festgenommen.
Bei der Explosion einer Autobombe wurden in Bagdad drei Zivilisten
getötet. Ein Gericht in Mossul verurteilte neun Iraker wegen
«Terrorismus» zum Tode. Der Nachrichtensender Al-Arabija
berichtete, in Bagdad seien die Leichen von drei Professoren und eines
Studenten gefunden worden, die am vergangenen Sonntag entführt
worden waren.
(Quellen: dpa, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 01.02.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertdreiundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.01.02.06 - Die Spannungen zwischen Schiiten und Sunniten wachsen +++ Entführer
von deutschen Geiseln stellen Ultimatum: Drohen mit Ermordung +++
Mindestens acht Tote bei Selbstmordanschlag +++ 16 Leichen in Bagdad
entdeckt...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0602010.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Zehntausende protestieren gegen Preiserhöhungen in Mexiko
Do.01.02.07 - Mehrere zehntausend Menschen haben am Mittwoch in Mexiko-Stadt gegen
Preiserhöhungen bei Grundnahrungsmitteln demonstriert. Der Protest
richtete sich besonders gegen die Preise für Tortillas, die sich
im vergangenen Jahr verdoppelten. Die Demonstranten forderten
Präsident Felipe Calderon zum Handeln auf.
Eine von ihnen trugen Bilder des unterlegenen linksgerichteten
Präsidentschaftskandidaten Andres Manuel Lopez Obrador und
bezeichneten ihn als legitimen Präsidenten. Andere wandten sich
jedoch gegen Lopez Obrador und erklärten, bei der Demonstration
handele es sich um eine spontane Volksbewegung ohne politische
Verbindungen. Die Organisatoren hatten das Angebot des
Oppositionspolitikers abgelehnt, den Marsch durch Mexiko-Stadt
anzuführen.
(Quelle: ap)
Russland will Energiekonzerne unter eigener Kontrolle halten
Do.01.02.07 - Die russische Regierung will Auslandsinvestitionen in strategisch
wichtigen Branchen begrenzen. Das Kabinett billigte am Mittwoch in
Moskau den Entwurf für ein Gesetz, das den Erwerb einer
Mehrheitsbeteiligung an Unternehmen von 40 verschiedenen
Wirtschaftszweigen von der Zustimmung einer Regierungskommission
abhängig macht und dem Präsidenten ein Vetorecht gibt.
Betroffen sind unter anderem die Branchen Energie, Rohstoffe,
Militärtechnik und Luftverkehr.
Schon die Anwesenheit eines Ausländers im Aufsichtsrat eines
wichtigen Unternehmens könne ein strategisches Risiko darstellen,
sagte Ministerpräsident Michail Fradkow nach einer Meldung der
Nachrichtenagentur RIA-Nowosti. Die Vorlage werde in den nächsten
Wochen noch in Details verändert. Wirtschaftsminister German Gref
warnte, das Gesetz sei eine Investitionsbremse und gefährde die
ökonomische Entwicklung des Landes.
Investoren müssen dem Gesetzentwurf zufolge künftig erst
einen Antrag bei einer neuen Regierungsstelle einreichen, wenn sie mehr
als 50 Prozent des Kapitals übernehmen wollen. Die Entscheidung
trifft dann eine Regierungskommission, in der auch Vertreter des
Geheimdienstes FSB sitzen sollen, wie Industrieminister Viktor
Christenko bei der Vorstellung des Gesetzentwurfs im Kabinett
erläuterte. Auch die zehn Ölfelder und 26 Gasvorkommen auf dem
Territorium der Russischen Föderation seien als strategisch zu
betrachten, sagte Rohstoffminister Juri Trutnjew der Nachrichtenagentur
Interfax. Bestehende Verträge blieben jedoch unberührt.
Die Regierung von Präsident Wladimir Putin hat bereits in den
vergangenen Jahren die Kontrolle über die Besitzverhältnisse
bei Energiekonzernen wie Gazprom und Rosneft verstärkt. Bislang gab
es aber keine klaren Regeln zu den Auslandsinvestitionen in dieser
Branche.
(Quelle: ap)
Beratungen über wegweisenden UN-Klimabericht stocken
Do.01.02.07 - Die Vorbereitungen für einen wegweisenden UN-Bericht zum
Klimawandel sind ins Stocken geraten. 500 Wissenschaftler aus mehr als
100 Staaten arbeiten seit Montag in Paris an der Studie, die neue
Schätzungen über die Erderwärmung und den Anstieg des
Meeresspiegels liefern soll. Aber Diskussionen über den genauen
Wortlaut drohen die für Freitag geplante Veröffentlichung zu
verzögern, wie die Nachrichtenagentur AP am Mittwoch erfuhr.
Im Zeitplan liege man weit zurück, sagte Arthur Petersen, der das
dänische Umweltministerium vertritt. «Wir sind erst mit 30
Prozent des Stoffes durch, aber wir haben schon 60 Prozent unserer Zeit
verbraucht.»
Der UN-Klimaausschuss (IPCC) legt alle fünf Jahre seinen Bericht
vor, er bildet die maßgebliche Grundlage für die
internationale Klimapolitik. In einem vorläufigen Entwurf
hieß es, die Temperaturen würden bis 2100 vermutlich um 2,0
bis 4,5 Grad, der Meeresspiegel um 13 bis 58 Zentimetern steigen.
Allerdings wurde die überraschend starke Eisschmelze in
Grönland und in der Antarktis in den vergangenen Jahren noch nicht
berücksichtigt. Die Diskussionen, ob dies nun doch in den Bericht
einfließen soll, haben am Mittwoch erst begonnen.
(Quelle: ap)
Fall El Masri: 13 deutsche Haftbefehle gegen mutmaßliche
CIA-Agenten
Do.01.02.07 - Der Entführungsfall des Deutsch-Libanesen Khaled El Masri durch
den US-Geheimdienst CIA hat eine überraschende Wende genommen.
Erstmals wurden zeitgleich 13 Haftbefehle gegen mutmaßliche
CIA-Agenten von einem deutschen Gericht erlassen. Das Amtsgericht
München begründete dies am Mittwoch mit dem Verdacht der
Freiheitsberaubung und gefährlichen Körperverletzung.
Die Haftbefehle richten sich nach Angaben der ermittelnden
Staatsanwaltschaft gegen die mutmaßlichen Entführer El
Masris, der 2003 nach Afghanistan verschleppt worden war. Unklar blieb
zunächst, ob es sich um offizielle Mitarbeiter der CIA handelt. Die
Münchner Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass es sich bei den
ermittelten 13 Personen um so genannte Tarnidentitäten der CIA
handelt.
Die Bundesregierung wollte sich zu der Serie von Haftbefehlen unter
Verweis auf die Unabhängigkeit der Justiz nicht äußern.
Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte lediglich, die Bundesregierung
nehme zu laufenden Verfahren keine Stellung. Derweil begrüßte
der Grünen-Rechtsexperte Jerzy Montag die «mutige»
Entscheidung.
Nach Recherchen des NDR-Politmagazins «Panorama» wohnen die
meisten der 13 Gesuchten im US-Bundesstaat North Carolina. Drei von
ihnen hatte das TV-Magazin nach eigenen Angaben schon im September 2006
mit den Vorwürfen konfrontiert, die Verdächtigen verweigerten
aber eine Stellungnahme. Den «Panorama»-Recherchen zufolge
sind den Münchner Ermittlern bereits mehrere tatsächliche
Namen der Verdächtigen bekannt.
Allerdings dürfte sich eine Festnahme der Verdächtigen
schwierig gestalten, da der deutsche Haftbefehl in den USA keine
Gültigkeit habe und die amerikanische Justiz es bislang ablehne,
den deutschen Ermittlern zu helfen, hieß es weiter. Vom
Bundesjustizministerium wurde darauf verwiesen, dass gemäß
dem deutsch-amerikanischen Auslieferungsvertrages eine Auslieferung
amerikanischer Staatsbürger möglich, aber nicht verpflichtend
sei.
Der Deutsch-Libanese El Masri war Silvester 2003 auf einer Balkan-Reise
wegen Terrorverdachts aufgegriffen und gut drei Wochen später vom
US-Geheimdienst CIA nach Afghanistan verschleppt worden. Dort wurde er
bis Mai 2004 als mutmaßliches Al-Qaida-Mitglied festgehalten und
nach eigenen Angaben auch gefoltert. Die Öffentlichkeit erfuhr
davon erst Anfang 2005 durch US-Zeitungsberichte.
Ende vergangenen Jahres hatte der Entführungsfall bereits den
BND-Untersuchungsausschuss des Bundestages beschäftigt. Dabei
hatten sowohl der damalige Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier (SPD)
und Ex-Außenminister Joschka Fischer (Grüne) eine
Verstrickung der Bundesregierung strikt verneint. Lediglich
Ex-Innenminister Otto Schily (SPD) gab an, er sei als erstes und
einziges Regierungsmitglied am 31. Mai 2004 und damit erst nach der
Freilassung El Masris über dessen Verschleppung informiert worden.
(Quelle: ddp)
KSK kämpfte 26 Monate in Afghanistan
Do.01.02.07 - Die Bundesregierung hat dem Parlament Einzelheiten zum bisher geheimen
Einsatz des Kommandos Spezialkräfte (KSK) in Afghanistan
mitgeteilt. Wie der Berliner «Tagesspiegel»
(Mittwochausgabe) unter Berufung auf den Bericht der Bundesregierung
über den deutschen Beitrag zum Antiterror-Einsatz «Operation
Enduring Freedom» berichtete, waren die deutschen Elitesoldaten in
zwei Phasen insgesamt 26 Monate lang am Kampf gegen die Taliban und
Al-Quaida-Netzwerke beteiligt. Gegenwärtig kämpfen demnach
keine KSK-Kräfte im Rahmen von «Enduring Freedom» in
Afghanistan.
Laut dem Bericht von Verteidigungsministerium und
Außenministerium an die Fraktionsvorsitzenden seien zwischen
Januar 2002 und September 2003 rund 100 KSK-Soldaten in Afghanistan zur
Bekämpfung des terroristischen Al Quaida-Netzwerkes im Einsatz
gewesen, schrieb die Zeitung. Schon im Dezember 2001 hätten sich
die Elitesoldaten auf der vor Oman gelegenen Insel Masirah auf den
Einsatz vorbereitet. Ein zweiter Einsatzverband habe zwischen Mai und
Oktober 2005 an der US-geführten Operation zur
Terrorbekämpfung in Afghanistan teilgenommen. Der KSK-Einsatz sei
international anerkannt worden und habe erheblich zur Stärkung
Position Deutschlands im internationalen Verbund beigetragen.
(Quelle: ddp)
Bundesarbeitsgericht stöhnt unter Klagewelle
Do.01.02.07 - Das Bundesarbeitsgericht leidet unter einer Klagewelle. Im vergangenen
Jahr beschäftigten die Erfurter Richter so viele Verfahren wie seit
der Wiedervereinigung nicht mehr, wie Gerichtspräsidentin Ingrid
Schmidt am Mittwoch mitteilte. Insgesamt seien es 2.613 Verfahren
gewesen, was einer Zunahme um 319 Fälle entspreche. Hintergrund
ist, dass die Landesarbeitsgerichte häufiger den Weg zur
höchsten Instanz zulassen.
Schmidt zufolge haben vor allem Revisionen und Rechtsbeschwerden
zugenommen, nämlich um ein Drittel von 909 im Jahr 2005 auf 1.203.
Die Zahl der so genannten Nichtzulassungsbeschwerden habe sich drastisch
erhöht. Damit sei auch der Höchststand des Jahres 1994
deutlich übertroffen worden, der sich im Zusammenhang mit der
Wiedervereinigung angestaut hatte, sagte die Gerichtspräsidentin in
Erfurt. Zum Jahresende habe es noch 1.626 nicht erledigte Verfahren
gegeben. «Wir sind hochbelastet, arbeiten effizient und zügig
und haben die Verfahrensdauer im Griff», sagte Schmidt.
Ein Grund für die Zunahme liegt in der Änderung des
Revisionszulassungsrechts, wie Gerichtssprecher Burghard Kreft
erläuterte. Die Landesarbeitsgerichte müssten die Revision
zulassen, wenn sie entweder von einer früheren Rechtsprechung des
Bundesarbeitsgerichts abweichen wollten, oder wenn es sich um eine
Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung handele. Wenn das
jeweilige Landesarbeitsgericht aber den Weg in die dritte Instanz
versperren wolle, könne die unterlegene Partei eine
Nichtzulassungsbeschwerde einlegen, um doch in Revision gehen zu
können. Die Revision wegen grundsätzlicher Bedeutung eines
Falles sei bisher sehr restriktiv gehandhabt worden, doch seit 1. Januar
2005 seien die gesetzlichen Beschränkungen aufgehoben worden. Dies
habe zu einer Häufung der Fälle vor dem Erfurter
Bundesgericht geführt, sagte Kreft.
Herausragende Entscheidungen des vergangenen Jahres waren laut Schmidt
unter anderem zu den Bereitschaftsdiensten in Krankenhäusern
getroffen worden. Sie sei verwundert, dass danach die
Bereitschaftsdienste noch immer nicht überall gesetzeskonform
vollzogen würden, beklagte die Präsidentin. In anderen
Verfahren sei es um sittenwidrige Löhne oder um die unbefugte
private Internetnutzung im Unternehmen gegangen. In diesem Jahr
stünden Entscheidungen zum Kündigungsschutzverfahren, zum
Mobbing und zu Tarifstreitigkeiten an.
Am Bundesarbeitsgericht Erfurt arbeiten 34 Richter. Die Frauenquote
beträgt laut Schmidt 14 Prozent.
(Quelle: ap)
Erbschaftsteuer ist verfassungswidrig
Do.01.02.07 - Die Erbschaftsteuer ist in ihrer derzeitigen Form verfassungswidrig und
muss grundlegend überarbeitet werden. Nach einem Beschluss des
Bundesverfassungsgerichts werden beispielsweise Immobilien und
Betriebsvermögen teilweise stark unterbewertet.
Das jetzige Bewertungsverfahren führe zu willkürlichen
Ergebnissen und verletze damit den Grundsatz der Gleichbehandlung,
heißt es in der am Mittwoch veröffentlichten Entscheidung.
Die geltenden Regelungen dürfen aber bis zum 31. Dezember 2008
weiter angewendet werden. (Az: 1 BvL 10/02 - Beschluss vom 7. November
2006)
Politik und Wirtschaft begrüßten die Entscheidung als lang
erwartete Klarstellung. Mit der Forderung der Karlsruher Richter nach
einheitlichen Bewertungsregeln für alle vererbten
Vermögensarten sei Rechtssicherheit geschaffen worden,
erklärten Bundesregierung, Koalition, Oppositionsparteien sowie
Wirtschaftsverbände übereinstimmend in Berlin. Zugleich wurden
Warnungen laut, die bis Ende 2008 geforderte Neubewertung nicht zu
Steuererhöhungen zu missbrauchen. Auch nach dem Urteil gebe es
genügend Spielraum zur Begünstigung von privatem Immobilien-
und von Betriebsvermögen.
Auslöser des Verfahrens ist ein Vorlagebeschluss des
Bundesfinanzhofs (BFH) von 2002. Die obersten Finanzrichter hielten die
geltenden Regelungen für verfassungswidrig, weil die Erben von
Immobilien, Betriebsvermögen und Anteilen an Kapitalgesellschaften
gegenüber den Erben von Geld und Wertpapieren bevorzugt werden.
Die Entscheidung der Verfassungsrichter geht über den Beschluss
des BFH hinaus. Erstmals schreibt der Erste Senat unter Vorsitz des
Gerichtspräsidenten Hans-Jürgen Papier fest, dass Grundlage
der Besteuerung sämtlicher Vermögensarten der
tatsächliche, einheitlich ermittelte Verkehrswert sein muss. In
einem zweiten Schritt sei es aber durchaus zulässig, etwa
Betriebsvermögen oder Immobilien zu privilegieren, wenn dies durch
das Gemeinwohl gerechtfertigt ist. Aus Sicht der Regierungskoalition und
der Wirtschaft steht damit den geplanten Entlastungen von Firmenerben
bei Fortführung des Unternehmens grundsätzlich nichts im Wege.
Im derzeitigen System diagnostiziert das Gericht gravierende
Brüche und Mängel. Bei bebauten Grundstücken führe
das starre Bewertungssystem dazu, dass manche Immobilien mit nur 20,
andere mit mehr als 100 Prozent ihres Verkehrswerts angesetzt
würden. Diese Bewertung sei damit teils zufällig und
willkürlich. Ebenfalls beanstandet wurde die Bewertung von Anteilen
an Kapitalgesellschaften sowie land- und forstwirtschaftlichem
Vermögen.
Beim Betriebsvermögen monieren die Richter, dass große,
ertragsstarke Betriebe sich nach den geltenden Regeln mit Hilfe von
Abschreibungen und der Bildung stiller Reserven arm rechnen können.
«Tendenziell wird gerade der Übergang des
Betriebsvermögens von solchen Unternehmen gefördert, die der
Entlastung am wenigsten bedürfen», heißt es in dem im
Internet veröffentlichten Beschluss. Damit verfehle der Gesetzgeber
sein erklärtes Ziel, den Mittelstand zu entlasten.
Angesichts der Übergangsfrist warnte das Deutsche Forum für
Erbrecht davor, Immobilien vorschnell an mögliche Erben zu
übertragen. Das Bundesfinanzministerium begrüßte, dass
alle Vermögensbewertungen künftig nahe am Verkehrswert liegen
müssen. Dies gelte auch für vererbte private Immobilien. Der
Gesetzgeber könne aber Freibeträge schaffen. Auch Stufentarife
je nach Verwandtschaftsgrad seien weiter erlaubt. Eine selbst genutzte
Wohnung oder ein solches Haus könnten anders behandelt werden als
Mietobjekte. Die Länder würden aber sehr sorgfältig
darauf achten, wie das Aufkommen aus der Erbschaftsteuer berührt
werde.
Die Einnahmen aus der Erbschaftsteuer sind 2006 gegenüber dem
Vorjahr um 8,2 Prozent auf 3,76 Milliarden Euro gesunken. Sie
gehört zu den wichtigsten Ländersteuern.
(Quelle: dpa)
Bundesamt: Strahlenbelastung durch Handys gering halten
Do.01.02.07 - Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) rät Handynutzern, ihre
eigene Strahlenbelastung so gering wie möglich zu halten. Die
Behörde reagierte damit auf die Ergebnisse einer Studie in
fünf nordeuropäischen Ländern zu möglichen
Gesundheitsgefährdungen durch Handys, über die die
"Süddeutsche Zeitung" berichtete. Nach derzeitigem
wissenschaftlichen Kenntnisstand bestehe zwar unterhalb der Grenzwerte
keine gesundheitliche Gefährdung durch den Mobilfunk, erklärte
BfS-Präsident Wolfram König in Salzgitter. Allerdings zeige
die Studie auch, dass nach wie vor wissenschaftliche Unsicherheiten
bestehen.
Laut dem "SZ"-Bericht fördert der langjährige und intensive
Gebrauch von Mobiltelefonen womöglich das Wachstum von Hirntumoren.
Das Blatt bezog sich auf eine Studie aus Skandinavien, die in der
Online-Ausgabe des "International Journal of Cancer"
veröffentlicht wurde. Allerdings gebe es in den Studien eine
große Zahl möglicher Fehlerquellen. So sei die Zahl der
Menschen, die vor zehn Jahren schon ein Handy benutzten, eher gering.
Nach Angaben des BfS liefert die Studie hingegen auch nach Aussage der
Autoren keinen Beweis für die Gesundheitsgefährdung durch
Handys, unterstreicht aber die Notwendigkeit weiterer wissenschaftlicher
Forschungen vor allem hinsichtlich der möglichen Langzeitwirkung.
Die Studienergebnisse bestätigen laut König aber auf jeden
Fall den "Vorsorgegedanken". Das BfS sprach sich in diesem Zusammenhang
erneut für die Kennzeichnung besonders strahlungsarmer
Mobiltelefone durch den Blauen Engel aus. "Leider hat die Industrie
bisher noch nicht von dieser Kennzeichnung Gebrauch gemacht, obwohl
derzeit etwa ein Drittel aller Handys auf dem Markt diese Bedingungen
erfüllen", erklärte König.
Auch die Grünen forderten die zügige Umsetzung der
Handy-Kennzeichnung. "Die Verbraucher haben ein Recht auf
Aufklärung über diese Risiken und auf Wahlfreiheit zwischen
strahlungsarmen und strahlungsintensiven Mobiltelefonen", erklärte
Grünen-Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke in Berlin.
Wer die Verbraucher über die Strahlungsintensität von Handys
im Dunkeln lasse, mache sich mitschuldig an möglichen
Gesundheitsschäden. Lemke forderte die Bundesregierung auf, jetzt
eine gesetzliche Regelung zur Handy-Kennzeichnung auf den Weg zu bringen.
Das BfS will voraussichtlich Ende des Jahres die Ergebnisse des seit
2002 laufenden Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms vorlegen, das
bislang unbeantwortete wissenschaftliche Fragen klären soll.
(Quelle: ap)