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Aktuelle Nachrichten
Irak am neunhundertachtundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mindestens 57 Tote bei Anschlägen. Im Januar fast 2000
getötete Zivilisten
Fr.02.02.07 - Im Irak sind am Donnerstag bei mehreren Anschlägen mindestens 57
Menschen ums Leben gekommen. Bei einem doppelten Selbstmordanschlag auf
einem Markt im Zentrum der irakischen Stadt Hilla wurden nach
Polizeiangaben 45 Menschen getötet. 150 weitere Menschen wurden
verletzt, als sich die beiden Attentäter inmitten des belebten
Marktes in die Luft sprengten. In der Hauptstadt Bagdad kamen bei
verschiedenen Anschlägen mindestens zwölf Menschen ums Leben.
Die Explosionen in der 120 Kilometer südlich von Bagdad gelegenen
Stadt Hilla ereigneten sich im Abstand von wenigen Sekunden.
Sicherheitskräfte hätten noch versucht, den zweiten
Attentäter aufzuhalten, teilte ein Polizeioffizier mit. Hilla wird
mehrheitlich von Schiiten bewohnt.
Bei mehreren Anschlägen in Bagdad wurden mindestens zwölf
Menschen getötet. Im Bezirk Karrada explodierte nach Angaben von
Sicherheitskräften in einem Bus eine Bombe. Dabei wurden sechs
Passagiere getötet und zwölf weitere Menschen verletzt, die
einsteigen wollten. Im Zentrum von Bagdad riss eine Autobombe drei
Menschen in den Tod und verletzte sieben weitere. Ein Anschlag im Norden
der Stadt tötete drei Menschen. Nach Angaben der irakischen
Regierung wurden im Januar im Irak fast 2000 Zivilisten getötet.
In der Wüstenregion von Muthanna nahe der Grenze zu Saudi-Arabien
wurde nach Behördenangaben ein Massengrab gefunden. Darin
hätten die Leichen von 200 bis 250 kurdischen Gefangenen gelegen.
Der Fund werde von einer Kommission untersucht.
Das irakische Komitee zum Schutz von Journalisten berichtete, im Januar
seien in Bagdad acht irakische Journalisten von Extremisten getötet
worden.
Bei einer Sicherheitsoffensive nahe der iranischen Grenze nahmen
irakische und amerikanische Soldaten nach Militärangaben am
Donnerstag Dutzende mutmaßliche Extremisten fest. Der Einsatz
folgte auf eine Serie von Bombenanschlägen in der Region Anfang der
Woche.
Die irakische Regierung legte unterdessen einen ersten
ausführlichen Bericht zu einer Militäroffensive nahe Nadschaf
vor, bei der am Wochenende rund 200 Extremisten getötet und etwa
600 festgenommen wurden. Regierungssprecher Ali al Dabbagh
bekräftigte die Darstellung, dass die Gruppe Soldaten des Himmels
während des schiitischen Aschura-Fests Anschläge auf Pilger
plante.
Bagdad rief am Donnerstag mehrere Nachbarstaaten dazu auf, im kommenden
Monat an einer Konferenz zur nationalen Sicherheitslage teilzunehmen.
Eingeladen seien die Türkei, Jordanien, Syrien, Saudi-Arabien,
Kuwait und der Iran sowie Ägypten und die Vereinigten Arabischen
Emirate, verlautete aus dem Außenministerium in Bagdad. Ferner
sollten die Vereinten Nationen, die Arabische Liga und die Organisation
der Islamischen Konferenz (OIC) an dem Treffen teilnehmen.
Der Irak war schon öfter an solchen Sicherheitskonferenzen in der
Golfregion beteiligt, doch haben diese noch nie im eigenen Land
stattgefunden. Als kritisch gilt die Einladung an Syrien und den Iran.
Die Regierung in Bagdad stellte am Mittwoch alle Flüge von und nach
Syrien vorerst ein und schloss einen Grenzübergang zum Iran. Die
Maßnahmen stünden in Zusammenhang mit den Vorbereitungen
für einen neuen Sicherheitsplan, sagte der Abgeordnete Hassan al
Sunneid, der dem Verteidigungsausschuss des Parlaments angehört.
Gegen die beiden Nachbarländer wurden Vorwürfe erhoben,
Aufständische im Irak zu unterstützen.
(Quellen: dpa, afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 02.02.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertvierundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.02.02.06 - US-Verteidigungsminister Rumsfeld spricht nun vom 'langen Krieg +++
Tribunal gegen Saddam Hussein ohne den Angeklagten fortgesetzt +++
Bei Bombenanschlag in Bagdad werden mindestens acht Menschen
getötet +++ US-Soldaten beschießen im Irak Wagen des kanadischen
Botschafters...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0602020.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Nahost-Konflikt
Tödliche Kämpfe im Gazastreifen vor Treffen des
Nahost-Quartetts
Fr.02.02.07 - Unmittelbar vor einem Treffen des Nahost-Quartetts in Washington haben
schwere Kämpfe im Gazastreifen den Hoffnungen auf Frieden einen
weiteren Rückschlag versetzt. Anhänger von Fatah und Hamas
lieferten sich am Donnerstag Schießereien, bei denen mindestens
vier Menschen getötet wurden. Damit drohte die erst Anfang der
Woche ausgehandelte Waffenruhe zu kollabieren.
In Bureidsch im mittleren Gazastreifen stoppten Hamas-Kämpfer
einen Konvoi mit Nachschub für die Sicherheitskräfte, die der
Fatah von Präsident Mahmud Abbas nahe stehen. Daraufhin kam es zu
dem tödlichen Schusswechsel. Unter den vier Toten war nach
Krankenhausangaben auch ein Mitglied der Sicherheitskräfte. Mehrere
Menschen wurden verletzt. «Wie können sie die
Präsidentenwache derart angreifen, wenn eine Waffenruhe in Kraft
ist», protestierte ein Sprecher der Fatah-Sicherheitskräfte.
Hamas-Kämpfer feuerten Mörsergeschosse in der Nähe des
Amtssitzes von Abbas in Gaza ab. In den Straßen der Stadt kam es
ebenso zu Gefechten zwischen Militanten der beiden Gruppen wie im
nördlichen Gazastreifen, des weiteren wurde ein Fatah-Mitglied
entführt.
Anwohner in Gaza flohen in Panik vor den Kämpfen. Abbas hielt sich
zum Zeitpunkt der Schießereien nicht in der Stadt auf. Unweit von
Gaza wurde Hamas-Sprecher Fausi Barhum nach eigenen Angaben in seinem
Fahrzeug unter Beschuss genommen. Verletzt wurde niemand. Auch ein
weiterer Hamas-Sprecher geriet nach eigener Aussage unter Beschuss.
Islam Schahwan machte Fatah-Sicherheitskräfte dafür
verantwortlich. Der Machtkampf zwischen den beiden Gruppierungen hat
seit Anfang Dezember schon mehr als 60 Menschen das Leben gekostet.
Bei einer israelischen Razzia in Nablus im Westjordanland wurden am
Donnerstag im Morgengrauen zwei junge Palästinenser erschossen.
Nach palästinensischen Angaben handelte es sich um Mitglieder der
Al-Aksa-Märtyrerbrigaden. Am Sperrwall zwischen Israel und dem
Westjordanland wurde ein weiterer Palästinenser getötet. Ein
weiterer Palästinenser wurde an der Sperranlage zwischen Israel und
dem Gazastreifen von Schüssen getroffen und verletzt ins
Krankenhaus gebracht.
Zur Wiederbelegung des Friedensprozesses zwischen Israelis und
Palästinensern hat US-Außenministerin Condoleezza Rice das
Nahost-Quartett aus USA, UN, EU und Russland für Freitag nach
Washington eingeladen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier
nimmt als Vertreter der deutschen EU-Präsidentschaft daran teil,
außerdem wird die Europäische Union von ihrem
Außenbeauftragten Javier Solana sowie Außenkommissarin
Benita Ferrero-Waldner vertreten. Russland wird von Außenminister
Sergej Lawrow repräsentiert, für die Vereinten Nationen nimmt
Generalsekretär Ban Ki Moon teil.
Seit dem Libanon-Krieg geben sich die USA aufgeschlossener
gegenüber dem europäischen Drängen nach einem
stärkeren amerikanischen Engagement im Nahen Osten. Allein die
Tatsache, dass das Treffen nach Washington einberufen wurde, gilt als
diplomatischer Erfolg.
Im Zusammenhang mit dem Libanon-Krieg des vergangenen Sommers wurde der
israelische Ministerpräsident Ehud Olmert am Donnerstag sieben
Stunden lang vor einem Untersuchungsausschuss vernommen. Ergebnisse
sollen erst Mitte März bekannt gegeben werden.
(Quelle: ap)
Putin räumt ungerechte Verteilung des Wohlstands in Russland ein
Fr.02.02.07 - Der russische Präsident Wladimir Putin hat eine ungerechte
Verteilung des Wohlstands in seinem Land eingeräumt. Die Regierung
wolle die «Kluft zwischen den hochbezahlten Gruppen der
Bevölkerung und den Bürgern unseres Landes, die noch
äußerst bescheiden leben», verringern, sagte Putin am
Donnerstag auf seiner jährlichen Pressekonferenz in Moskau. Das
Wirtschaftswachstum von knapp sieben Prozent im vergangenen Jahr und die
höheren Ausgaben für Bildung und Gesundheit zeigten, dass sich
Russland weiter von den ökonomischen Schwierigkeiten vergangener
Jahre erhole. 2006 sei der Übergang von einer Stabilisierungs- zu
einer Entwicklungspolitik gewesen. Neben den hohen Ölpreisen
hätten auch anziehende Nachfrage von Verbrauchern und Investoren
zum Wirtschaftswachstum beigetragen, sagte Putin.
(Quelle: ap)
Waffenlobbyist Schreiber vor der Auslieferung
Fr.02.02.07 - In seinem jahrelangen Kampf gegen seine Auslieferung nach Deutschland
hat der Waffenlobbyist Karlheinz Schreiber vor dem Obersten Gericht in
Kanada eine Niederlage erlitten: Das Gericht wies Schreibers Klage gegen
seine Auslieferung ab. Eine rasche Abschiebung des Geschäftsmanns,
der die kanadische Staatsbürgerschaft besitzt, erscheint wegen der
komplexen Rechtslage zunächst aber unwahrscheinlich. "Schreiber
wird nicht sofort abgeschoben werden", sagte der Sprecher des
Justizministeriums, Patrick Charette. Schreiber ist eine
Schlüsselfigur der CDU-Spendenaffäre. Ihm werden unter
anderem Steuerhinterziehung und Bestechung vorgeworfen.
Ministeriumssprecher Charette sprach nach dem Urteil von einem
"komplexen Fall". Zwar sei mit dem höchstrichterlichen Spruch
"technisch gesehen das Ende der Angelegenheit erreicht". Eine sofortige
Abschiebung werde aber dadurch behindert, dass sich untere Instanzen der
kanadischen Justiz noch mit dem Fall befassten: Nach der Entscheidung
eines Provinzgerichts vom vergangenen März, Schreibers Klage gegen
die Auslieferung abzuweisen, habe dieser beim damaligen Justizminister
um eine Überprüfung seines Falls gebeten, weil die deutsche
Justiz seiner Ansicht nach voreingenommen sei. Zwar habe der Minister
entschieden, dass der Auslieferungsbefehl gültig sei; doch habe
sich Schreiber dadurch die Möglichkeit zu einer neuen Berufung auf
Provinzebene eröffnet.
Dem Sprecher zufolge ist das Berufungsverfahren noch anhängig und
könnte theoretisch erneut bis zum Obersten Gericht gelangen. "Das
ist eine ziemlich einmalige Situation", sagte Charette.
Im Falle der Überstellung nach Deutschland droht Schreiber vor dem
Landgericht Augsburg ein Prozess wegen Steuerhinterziehung, Bestechung,
Beihilfe zur Untreue und Beihilfe zum Betrug. Die Augsburger
Staatsanwaltschaft hat sich bereits vor längerem kritisch über
das langsame Tempo der kanadischen Justiz in dem Fall
geäußert.
Der aus dem bayerischen Kaufering stammende Schreiber war 1999 auf
deutsches Gesuch hin in Kanada festgenommen worden. Auf Kaution kam er
wieder frei. Seitdem wehrte er sich juristisch gegen die drohende
Auslieferung nach Deutschland. Der millionenschwere Waffenlobbyist hatte
in den achtziger und neunziger Jahren ein verwirrendes Schmiergeldspiel
betrieben und gilt als Schlüsselfigur der CDU-Spendenaffäre.
Im Zusammenhang mit von Schreiber gezahlten Schmiergeldern bei
Waffengeschäften waren in Augsburg bereits der ehemalige
Rüstungsstaatssekretär Ludwig-Holger Pfahls sowie zwei
Thyssen-Manager verurteilt worden.
(Quelle: afp)
Deutschland
'Generation Praktikum' ist Realität
Fr.02.02.07 - Die in den Medien viel diskutierte «Generation Praktikum»
ist nach wissenschaftlichen Erkenntnissen Realität. Der Deutsche
Gewerkschaftsbund und die Hans-Böckler-Stiftung legten am
Donnerstag eine erste Studie zu dem Thema vor, nach der 37 Prozent der
Hochschulabsolventen nach dem Examen ein Praktikum machen, statt eine
reguläre Berufstätigkeit aufzunehmen. Die Hälfte der
Praktika sind unbezahlt. Ebenfalls bei der Hälfte stand nicht die
Ausbildung im Vordergrund, sondern die betrieblichen Erfordernisse.
«Praktika nach dem Studium sind zu einer Form der
Übergangsarbeitslosigkeit geworden», resümieren die
Forscher Dieter Grühn und Heidemarie Hecht von der FU Berlin die
Ergebnisse der Auftragsstudie. Sie werteten knapp über 500
Fragebögen von Universitätsabsolventen des Wintersemesters
2002/2003 in Berlin und Nordrhein-Westfalen aus.
Die Studie ergab, dass von den 37 Prozent der frisch gebackenen
Akademiker 22 Prozent ein Praktikum absolvieren, elf Prozent sogar ein
zweites. Im Durchschnitt dauert ein Praktikum sechs Monate.
Vergleichszahlen von der FU Berlin aus dem Jahr 2000 zeigen laut
Grühn, dass dort der Anteil der Praktikanten von 25 auf 41 Prozent
stieg, was einer Steigerung von 60 Prozent entspricht. Zwar machen
Absolventen der Kultur- und Geisteswissenschaften häufiger
Praktika, doch seien auch andere Fächer wie Betriebswirtschaft oder
Naturwissenschaften davon betroffen.
Während die Hälfte der Praktikanten der Studie zufolge keinen
Lohn erhält, bekommt die andere Hälfte im Schnitt 600 Euro.
Frauen liegen mit durchschnittlich 543 Euro jedoch deutlich hinter den
Männern mit 741 Euro. Weil davon aber niemand leben kann, werden
zwei Drittel der Praktikanten von den Eltern unterstützt, 40
Prozent müssen nebenbei jobben. Grühn wies auf den Widerspruch
hin, dass die Studienzeit generell verkürzt werden solle,
während die Übergangsphase ins Berufsleben sich
verlängere.
Von den Praktikanten bekommt ein Drittel ein weiteres
Beschäftigungsangebot. Keine Auskunft gab die Studie jedoch
darüber, ob es sich dabei um eine Wochenendaushilfe handele oder
den Posten eines Art Directors, wie die stellvertretende
DGB-Vorstandsvorsitzende Ingrid Sehrbrock anmerkte.
Grühn machte darauf aufmerksam, dass die Phase des Einmündens
in ein geordnetes Berufsleben inzwischen dreieinhalb Jahre dauere. Viele
Absolventen fänden auch nach dem Praktikum nur «prekäre
Beschäftigungen» - befristet, in Teilzeit oder unterbezahlt.
Sebastian Brandl von der Hans-Böckler-Stiftung wies darauf hin,
dass die Erwerbsbiographie generell keinen typischen Verlauf mehr nehme.
Sehrbrock bewertete es kritisch, dass «Praktika nach dem Studium
zum Normalfall geworden sind». In einer Phase, in der neben dem
Berufseinstieg auch die Familiengründung und die Vorsorge für
das Alter anstehen, seien die Betroffenen mit «unsicheren,
zeitlich befristeten und schlecht bezahlten Jobs konfrontiert».
Sie bemängelte, dass «gut ausgebildete, engagierte junge
Menschen als billige Arbeitsmarktreserve verheizt werden».
Praktika müssten daher gesetzlich als Lernverhältnis
definiert und ihre Dauer auf drei Monate begrenzt werden. Als
Alternative schlug sie Berufseinstiegsprogramme vor, die Existenz
sichernd vergütet werden müssten - etwa in Form von
Volontariaten. Sie begrüßte es, dass Arbeitsminister Franz
Müntefering bereits angekündigt hat, eine Erweiterung des
Berufsbildungsgesetzes im Hinblick auf Praktika zu prüfen.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://www.boeckler.de/
Klagewelle beim Bundessozialgericht wegen Hartz-IV-Gesetzgebung
Fr.02.02.07 - Die Hartz-IV-Gesetzgebung hat beim Bundessozialgericht (BSG) im
vergangenen Jahr zu einer drastischen Klagewelle geführt. Wie
BSG-Präsident Matthias von Wulffen am Donnerstag in Kassel
mitteilte, gingen im Jahr 2006 18,2 Prozent mehr Revisionen ein als im
Jahr 2005. Insgesamt seien 2.946 Revisionen und
Nichtzulassungsbeschwerden gezählt worden. «Eine absolute
Spitzenmarke, die wir nicht einmal nach dem Beitritt der neuen
Länder erreicht haben», sagte von Wulffen. Allein die
Hartz-IV-Fälle seien von zehn im Jahr 2005 auf 206 Fälle im
vergangenen Jahr angestiegen.
Das BSG erhält laut von Wulffen daher zwei neue zusätzliche
Richterstellen. Eine weitere Stelle könne eingerichtet werden, wenn
die Klagewelle anhalte. Möglicherweise werde ein neuer Senat
gebildet, der für die Hartz-IV-Fälle zuständig sei.
Insgesamt sind laut BSG-Sprecher Thomas Voelzke bei den Sozialgerichten
in Deutschland 116.620 Klagen und einstweilige Rechtsschutzverfahren zu
Hartz-IV neu eingegangen. Im Jahr 2005 seien es noch 76.712 Fälle
gewesen. Dabei kämen die Klagen vor allem aus den
Großstädten sowie aus den ostdeutschen Bundesländern.
Positiv hat sich beim BSG die Verfahrensdauer entwickelt. So wurden
laut von Wulffen 69 Prozent aller Revisionen und fast alle
Nichtzulassungsbeschwerden innerhalb eines Jahres erledigt. 2005 seien
es noch 55,6 Prozent gewesen. Der größte Teil der
übrigen Revisionen sei innerhalb von 18 Monaten bewältigt
worden.
(Quelle: ap)
Muslime sagen Spitzentreffen mit Evangelischer Kirche ab
Fr.02.02.07 - Die führenden muslimischen Verbände haben ein für Anfang
Februar geplantes drittes Spitzengespräch mit der Evangelischen
Kirche in Deutschland (EKD) abgesagt. Die Türkisch-Islamische Union
(DITIB), der Islamrat, der Verband der Islamischen Kulturzentren und der
Zentralrat der Muslime hätten das für den 6. Februar in
Berlin geplante Treffen mit der Begründung abgesagt, dass nach der
Veröffentlichung des EKD-Textes «Klarheit und gute
Nachbarschaft» im November 2006 «erheblicher
Klärungsbedarf» entstanden sei, teilte die EKD am Mittwoch in
Hannover mit.
Der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber bedauerte die
Entscheidung und zeigte sich zugleich überrascht von der
Begründung. Er könne die Absage «nur so
verstehen», dass die muslimischen Verbände untereinander
Klärungsbedarf hätten, «die weiteren Gesprächen mit
der EKD vorausgehen soll.»
In dem im vergangenen November vorgestellten Positionspapier zum Islam
hatte die EKD neben dem Ziel der «guten Nachbarschaft» auch
Kritik gegenüber Überzeugungen gefordert, wo diese
«anderen den Respekt versagen und grundlegende Menschenrechte in
Frage stellen». Nicht akzeptabel sei etwa Gewaltanwendung wegen
der vermeintlichen Beleidigung religiöser Symbole. Auch sei nicht
jedes Verhalten aus der Religionsfreiheit zu rechtfertigen, fügte
Huber hinzu.
Das erste Spitzentreffen zwischen der EKD und muslimischen
Verbänden hatte bereits im Januar 2005 auf Einladung des
EKD-Ratsvorsitzenden stattgefunden, ein zweites im März 2006.
(Quelle: ddp)
Neue Prämie soll Zusammenarbeit von Forschern und Unternehmen
stärken
Fr.02.02.07 - Die Bundesregierung will die Zusammenarbeit von Wissenschaft und
Unternehmen mit einer neuen Forschungsprämie stärken. Bis Ende
2009 sollen insgesamt 100 Millionen Euro zur Verfügung stehen, wie
das Bundesforschungsministerium am Donnerstag in Berlin mitteilte.
Das Geld soll an anerkannte Hochschulen und öffentliche
Forschungseinrichtungen gehen, die Aufträge für Forschung und
Entwicklung von Unternehmen mit höchstens 1.000 Mitarbeitern
annehmen. Die Prämie beträgt 25 Prozent des Auftragsvolumens,
mindestens aber 2.500 und höchstens 100.000 Euro pro
Forschungsauftrag.
«Wir laden die öffentliche Forschung dazu ein, dieses
Förderinstrument intensiv zu nutzen und zusätzliche Potenziale
für eine breite Zusammenarbeit mit der Wirtschaft zu
mobilisieren», erklärte Forschungsstaatssekretär Thomas
Rachel.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie begrüßte die neue
Prämie. Sie werde die Zusammenarbeit von Forschern und Unternehmen
entscheidend fördern, meinte BDI-Präsident Jürgen
Thumann. Forschungseinrichtungen würden motiviert, mit neuen
Lösungsansätzen auf mittelständische Unternehmen
zuzugehen. Die Prämie sei ein «innovatives Kernelement der
High-Tech-Strategie der Bundesregierung», lobte Thumann.
(Quelle: ap)
UN-Bericht: Klimawandel führt zu stärkeren Wirbelstürmen
Fr.02.02.07 - Der Klimawandel ist wahrscheinlich für immer stärkere
Wirbelstürme verantwortlich. Dies ist laut Teilnehmerkreisen eines
der zentralen Ergebnisse im UN-Klimabericht, der derzeit von hunderten
Wissenschaftlern und Regierungsvertretern in Paris fertig gestellt und
am heutigen Freitag veröffentlicht wird. Wie die Nachrichtenagentur
AP am Donnerstag erfuhr, einigten sich die UN-Experten erstmals auf eine
Formulierung, wonach der Mensch als mutmaßlicher Urheber der
Wetterextreme identifiziert wird.
Die zunehmende Kraft von Wirbel- und Tropenstürmen seit 1970 sei
«wahrscheinlich» auf die Erderwärmung
zurückzuführen, wird es nach Angaben eines Teilnehmers in dem
Bericht heißen. Die Delegierten einigten sich zudem auf die
Formulierung, wonach der Mensch «sehr wahrscheinlich»
für den Klimawandel verantwortlich ist.
Seit Montag wird in der Pariser UNESCO-Zentrale hinter verschlossenen
Türen an den Formulierungen gefeilt. Die Studie ist brisant, weil
sie die bislang genauesten Schätzungen über die
Erderwärmung und den Anstieg des Meeresspiegels in den kommenden
hundert Jahren liefert. Das Dokument des UN-Klimaausschusses (IPCC) ist
eine der maßgeblichen Grundlagen für die internationale
Klimapolitik.
Laut Teilnehmerkreisen wird der Bericht einen Anstieg der Temperaturen
von 1,5 bis 5,8 Grad prognostizieren. In einem Entwurf hieß es,
der Meeresspiegel werde um 13 bis 58 Zentimeter steigen. Allerdings
wurde die überraschend starke Eisschmelze in Grönland und in
der Antarktis in den vergangenen Jahren noch nicht berücksichtigt.
Vor allem US-Wissenschaftler setzten sich dafür ein, dass diese
Entwicklungen doch in den Bericht einfließen würden.
Französische Umweltaktivisten riefen dazu auf, während der
Abschlusssitzung des Ausschusses am Donnerstagabend für fünf
Minuten alle elektrischen Geräte abzuschalten. Auch am Eiffelturm
und anderen Pariser Denkmälern sollten die Lichter ausgehen, viele
Bürger in anderen europäischen Ländern wollten sich an
der Aktion beteiligen.
(Quelle: ap)