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Irak am neunhundertneunundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-Geheimbericht sieht wachsende Gefahrenlage im Irak. Zahlreiche
Aufständische bei Kämpfen in Ramadi getötet. UNHCR hofft
auf Neuansiedlung tausender irakischer Flüchtlinge
Sa.03.02.07 - US-Geheimdienste stufen die Lage im Irak einem Bericht zufolge als
riskant ein. Dabei gehe die größte Gefährdung für
die US-Ziele nicht von der radikal-islamischen Al-Kaida, sondern von der
Gewalt zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen des Landes aus,
berichtete die "Washington Post" am Freitag unter Berufung auf einen
seit langem erwarteten US-Geheimdienstbericht. In dem 90-seitigen
Dokument gibt es jedoch keine Schlussfolgerung darüber, ob sich der
Konflikt im Irak bereits zu einem regelrechten Bürgerkrieg
ausgeweitet hat. Die Autoren lassen indes Ungewissheit darüber
erkennen, ob die irakischen Behörden der Lage noch Herr werden
können.
Auch der Iran wird der "Washington Post" zufolge in dem Bericht
erwähnt, steht aber nicht im Fokus. Die USA werfen der Islamischen
Republik vor, den Konflikt im Irak anzuheizen. Im Geheimdienstbericht
von 2002 wurde dem Irak vorgeworfen, über Massenvernichtungswaffen
zu verfügen. Der Verdacht erwies sich nach der US-Invasion ein Jahr
später aber als unbegründet.
Der neue Bericht sollte am Freitag dem Kongress vorgelegt werden. Eine
nicht geheime Version soll zudem veröffentlicht werden. Der
scheidende Geheimdienstchef John Negroponte informierte
US-Präsident George W. Bush bereits am Donnerstag über die
Erkenntnisse der Agenten.
US-Soldaten haben derweil bei Gefechten in Ramadi nach eigenen Angaben
mindestens 18 irakische Aufständische getötet. Die Truppen
wurden nach Angaben eines Militärsprechers am Donnerstagabend und
am Freitag von mehreren Positionen aus angegriffen und reagierten unter
anderem mit dem Abschuss zweier Raketen. Nördlich von Bagdad wurde
am Freitag ein Hubschrauber der US-Streitkräfte abgeschossen, wie
Augenzeugen und die Polizei berichteten.
Der Zwischenfall habe sich in der Nähe von Tadschi ereignet, rund
20 Kilometer von der irakischen Hauptstadt entfernt, hieß es.
Bewaffnete beschossen demnach am Morgen zwei US-Hubschrauber, einer der
Helikopter ging zu Boden. Dabei sei eine Rauchwolke zu sehen gewesen.
Laut Polizei wurde das Wrack in der Nähe von Tadschi gefunden. Die
US-Truppen erklärten, die Angaben würden geprüft. In den
vergangenen beiden Wochen haben die Streitkräfte bereits drei
Hubschrauber im Irak verloren.
Nach dem Selbstmordanschlag in der Stadt Hilla stieg die Zahl der
Todesopfer auf mindestens 73, wie die Polizei am Freitag erklärte.
Mehr als 160 Menschen wurden verletzt. Auf einem belebten Markt in der
schiitischen Ortschaft südlich von Bagdad hatten sich am Donnerstag
zwei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Die Behörden
ordneten eine dreitägige Trauer an.
Die Vereinten Nationen wollen in diesem Jahr bis zu 20.000 irakischen
Flüchtlingen eine neue Heimat bieten. Angesichts der anhaltenden
Gewalt im Irak werde eine dauerhafte Neuansiedlung von
Flüchtlingen eingehend geprüft, erklärte Ron Redmond vom
Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Freitag in Genf. Dies betreffe vor
allem als besonders verletzlich eingestufte Gruppen, dazu zählten
Frauen, Kinder, Kranke, Minderheiten oder Folteropfer. Das Thema soll
auch auf dem Programm einer Flüchtlingskonferenz im April stehen.
Insgesamt sind rund 3,8 Millionen Iraker innerhalb ihres Landes oder
ins Ausland geflüchtet.
(Quellen: rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 03.02.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertfünfundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.03.02.06 - Saddam-Hussein-Prozess wegen 'Chaos' vertagt +++ Bei neuen Gewalttaten im
Irak sterben zahlreiche Iraker und fünf US-Soldaten +++ Zwei
irakische Journalisten in Bagdad entführt +++ Mütter
deutscher Geiseln appellieren im Fernsehen an Entführer...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0602030.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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US-Präsident Bush will weitere Gelder für Einsätze im
Irak und in Afghanistan
Sa.03.02.07 - US-Präsident George W. Bush will für die Einsätze im
Irak und in Afghanistan in diesem Jahr weitere 100 Milliarden Dollar
(76,8 Milliarden Euro) beantragen. Das teilte ein hoher
Regierungsbeamter, der anonym bleiben wollte, am Freitag in Washington
mit. Damit würden sich die für 2007 veranschlagten Gelder
für die beiden Konfliktherde auf insgesamt etwa 170 Milliarden
Dollar erhöhen. Für das Haushaltsjahr 2008 will die Regierung
dem Gewährsmann zufolge 145 Milliarden Dollar für die
militärischen und diplomatischen Aktionen im Irak und in
Afghanistan beantragen.
(Quelle: ap)
Afghanisches Parlament billigt Amnestiegesetz für Kriegsverbrechen
Sa.03.02.07 - Das von ehemaligen Warlords dominierte afghanische Parlament hat ein
Amnestie-Gesetz verabschiedet, das die Menschenrechtsverletzungen der
vergangenen zweieinhalb Jahrzehnte straffrei stellen soll. Der Sprecher
des Parlamentssekretariats, Haseeb Noori, sagte der Nachrichtenagentur
AFP am Donnerstag, die Regelung trage zu Frieden und Versöhnung
bei. Demnach dürften weder politische Parteien noch Gruppen, die
seit 1979 in das Kriegsgeschehen in Afghanistan verwickelt gewesen
seien, juristisch verfolgt werden.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Gewalteskalation überschattet Treffen des Nahost-Quartetts. 25
Tote bei Kämpfen zwischen Hamas und Fatah im Gazastreifen
Sa.03.02.07 - Eine blutige Eskalation der Gewalt in den Palästinensergebieten
hat die neuen Friedensbemühungen des internationalen
Nahost-Quartetts belastet. Bei Kämpfen zwischen Anhängern der
rivalisierenden Palästinensergruppen Hamas und Fatah wurden im
Gazastreifen mindestens 25 Menschen getötet, ehe
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und Hamas-Führer
Chaled Maschaal in einem Krisentelefonat einen sofortigen
Waffenstillstand vereinbarten. Bei einem Treffen in Washington
bemühten sich die Vertreter des Quartetts aus USA, UNO, EU und
Russland, darunter auch der deutsche Außenminister Frank-Walter
Steinmeier, um einen Neuanfang im Nahost-Prozess.
Die Vetreter des Nahost-Quartetts sie stellten sich hinter den
Vorschlag der USA, rasch einen Palästinenserstaats zu schaffen.
Das Engagement der internationalen Gemeinschaft im Nahen Osten
dürfe "keine Eintagesveranstaltung" sein, sondern mache ein
langfristiges Engagement nötig, sagte Steinmeier. Er dämpfte
Hoffnungen auf rasche Erfolge: In dem Konflikt könne nicht "von
heute auf morgen ein Schalter in der Region umgelegt werden".
Die Teilnehmer des Treffens begrüßten ausdrücklich
einen Vorstoß der USA "für eine beschleunigte Umsetzung der
Roadmap", sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Der im Jahr 2003
vorgelegte Friedensplan (Roadmap) sieht die Einrichtung eines eigenen
Staats für die Palästinenser vor. Steinmeier kündigte
ein baldiges weiteres Treffen des Quartetts in Berlin an.
Vor dem Treffen des Quartetts erschütterten Kämpfe zwischen
Anhängern von Hamas und Fatah den Gazastreifen. Binnen 24 Stunden
starben mindestens 25 Menschen, wie Rettungskräfte mitteilten.
Unter anderem stürmten Mitglieder der Präsidentengarde von
Abbas die Islamische Universität, eine Hamas-Hochburg. Die Hamas
sprach von einem "Akt des Vandalismus". Die Kämpfe machten die
erst am Dienstag vereinbarte Waffenruhe zunichte. Abbas und Meschaal
vereinbarten in einem Telefonat nach Angaben von Abbas' Sprecher eine
neue sofortige Waffenruhe sowie ein Krisentreffen am Dienstag in Mekka.
Das Nahost-Quartett zeigte sich in Washington "tief besorgt" über
die Entwicklung. Zugleich bekräftigte das Quartett seine Forderung
nach einer vollen Anerkennung Israels durch die Palästinenser. Die
radikalislamische palästinensische Regierungspartei Hamas lehnt
eine solche Anerkennung ab.
(Quelle: afp)
Fast 100 Tote bei Protesten im Kongo
Sa.03.02.07 - Bei gewaltsamen Protesten gegen angebliche Wahlfälschungen im
Kongo sind seit Montag fast 100 Menschen getötet und 30 verletzt
worden. Die Demonstranten seien von der Polizei und den
Streitkräften erschossen wurden, berichteten Hilfsorganisationen
und Menschenrechtsgruppen am Freitag. Auch einige Soldaten und
Polizisten kamen demnach ums Leben. Die Leiterin einer
Kinderhilfsorganisation erklärte, die Demonstranten hätten
eine Polizeiwache und mehrere Regierungsgebäude in Brand gesetzt.
Angeführt wurden die Proteste in der westkongolesischen Provinz
Bas-Congo von Anhängern des früheren Vizepräsidenten und
jetzigen Senators Jean-Pierre Bemba. Am vergangenen Wochenende hatten
in der Provinz Gouverneurswahlen stattgefunden. Bemba hatte vergangenen
Monat einen Sitz im Senat gewonnen.
(Quelle: ap)
Belgrad lehnt UN-Plan zum Kosovo ab
Sa.03.02.07 - Serbien hat am Freitag die vom UN-Vermittler Martti Ahtisaari
vorgelegten Vorschläge für den künftigen Status der fast
nur von Albanern bewohnten Provinz Kosovo abgelehnt: «Serbien und
ich als dessen Präsident werden niemals die Unabhängigkeit des
Kosovos hinnehmen«.
Das sagte Staatschef Boris Tadic nach seinem Treffen mit Ahtisaari der
Belgrader Nachrichtenagentur FoNet. Ahtisaaris Vorschlag läuft de
facto auf einen unabhängigen Staat Kosovo hinaus.
Obwohl der Plan nicht die Unabhängigkeit des Kosovos erwähne,
stehe darin nichts von der Souveränität und territorialen
Integrität Serbiens, sagte Tadic. Eine aufgezwungene
Unabhängigkeit der mehrheitlich von Albanern bewohnten Provinz
wäre ein «sehr gefährlicher politischer und juristischer
Präzedenzfall», zitierte die Agentur den serbischen
Präsidenten.
Unterdessen appellierte die Europäische Union an die
Verantwortlichen in Belgrad und Pristina, die Vorschläge von
Ahtisaari «ruhigen Blutes» zu prüfen. Sie sollten
verantwortungsbewusst, flexibel und kompromissbereit an den Plan
für die Zukunft des Kosovos herangehen, erklärte ein Sprecher
des Auswärtigen Amtes in Berlin im Namen der deutschen
EU-Ratspräsidentschaft.
Ahtisaari möchte die Gespräche über die Zukunft des
Kosovos am 13. Februar fortsetzen. Belgrad und Pristina hätten
bereits entsprechende Einladungen bekommen, sagte er vor seinem Abflug
in die Kosovo- Hauptstadt Pristina, wo er ebenfalls seine Pläne
erläutern wollte.
(Quelle: dpa)
Weltklimarat schlägt Alarm - Der Erde droht eine beispiellose
Erwärmung
Sa.03.02.07 - Ein Anstieg des Meeresspiegels um bis zu 59 Zentimeter und eine
Aufheizung des Klimas um bis zu 6,4 Grad in den kommenden hundert
Jahren: Der Weltklimarat (IPCC) hat am Freitag in Paris den bislang
alarmierendsten Bericht zur Erderwärmung vorgelegt. Selbst bei
einem sofortigen Stopp der Treibhausgasemissionen würde sich die
Atmosphäre noch Jahrhunderte weiter aufheizen, lautet der
schockierende Befund.
Der Bericht, an dem mehr als 500 führende Klimaforscher
mitgearbeitet haben, genieße «die Akzeptanz aller
Regierungen der Welt», sagte IPCC-Präsident Rajendra
Pachauri. «Die Debatte muss ab heute zu Ende sein, und die Politik
muss mit dem Handeln beginnen», fasste der Chef des
UN-Umweltprogramms (UNEP), Achim Steiner, die Botschaft zusammen.
An der Verantwortung des Menschen für die
«beispiellose» Klimaveränderung gebe es keinen Zweifel
mehr, sagte die US-Wissenschaftlerin Susan Solomon, die maßgeblich
an der Studie beteiligt war. «Es ist keine Frage, dass die
Zunahme des Treibhausgases auf menschliche Aktivitäten
zurückzuführen ist.» Die Veränderungen in der
Atmosphäre und den Weltmeeren sowie der Verlust von Packeis seien
ohne äußere Einwirkung nicht zu erklären, heißt
es in dem UN-Bericht.
Die Forscher prognostizieren sechs Szenarien auf Basis verschiedener
Berechnungsmodelle. Im günstigsten Fall heizt sich die
Atmosphäre um 1,8 bis 2,9 Grad auf, im schlimmsten um 2,4 bis 6,4
Grad. Zwei Grad gelten als Grenzwert, nach dessen Überschreitung
die Klimamaschine möglicherweise nicht mehr zu stoppen wäre.
Am größten ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Temperaturen
2100 zwischen 1,8 und vier Grad über den heutigen Werten liegen. Im
vergangenen Jahrhundert erwärmte sich die Erde um 0,8 Grad.
In der Folge des Klimawandels wird der Meeresspiegel um 18 bis 59
Zentimeter steigen, prognostizieren die Forscher. In ihren Berechnungen
haben sie allerdings die jüngste überraschend starke
Eisschmelze in Grönland und der Antarktis nicht
berücksichtigt. Weitere zehn bis 20 Zentimeter seien möglich,
wenn das schnelle Abschmelzen des Polareises fortschreite.
Bei einem sofortigen Emissionsstopp, der wegen des Energiebedarfs der
wachsenden Weltbevölkerung kaum möglich scheint, sei noch mit
einem Anstieg um 0,6 Grad zu rechnen, auch dann würde der
Meeresspiegel noch «mehrere Jahrhunderte steigen». Die
Forscher machen den Treibhauseffekt bereits jetzt dafür
verantwortlich, dass es mehr heiße Tage und weniger kalte
Nächte gibt, dass sich Hitzewellen, Überflutungen und
Dürren häufen und dass Wirbelstürme insbesondere
über dem Atlantik immer stärker werden.
UNEP-Chef Steiner erhofft sich von dem Bericht eine historische
Zäsur. «Die Frage der Urheberschaft stellt sich nicht mehr.
Die Aufmerksamkeit muss sich jetzt darauf richten, den Klimawandel zu
bekämpfen», sagte er in Paris. Wer jetzt nicht handele, werde
als verantwortungslos in die Geschichtsbücher eingehen.
(Quelle: ap)
Deutschland plant millionenschweres Programm zur Klimaforschung
Sa.03.02.07 - Die deutsche Regierung plant als Reaktion auf den dramatischen
Weltklimabericht ein millionenschweres Aktionsprogramm zur
Klimaforschung. Es soll mit 255 Millionen Euro ausgestattet sein, wie
Bundesforschungsministerin Annette Schavan am Freitag in Berlin
ankündigte. Gefördert werden sollen unter anderem
Forschergruppen, die Lösungen für einen intelligenten
Technologiewandel entwickeln.
Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) mahnte «große
politische Konsequenzen» an. Nötig sei eine rasche Einigung
über die Klimaschutzpolitik in der EU und ein neues Ziel zur
Verminderung der gefährlichen Treibhausgase um 30 Prozent weltweit
bis 2020.
Anlass war die Veröffentlichung des neuen Klimaschutzberichts des
Klima-Sachverständigenrats IPCC in Paris. Die neuen Erkenntnisse
ließen nun keinen Zweifel mehr, dass die Erwärmung des
Weltklimas menschengemacht seien, sagte Gabriel. Seit Beginn der
Industrialisierung sei die Temperatur in Europa bereits um ein Grad
gestiegen. In den nächsten Jahren werde sich das Klima noch viel
rascher verändern.
Der frühere Direktor des UN-Umweltprogramms, Klaus Töpfer,
rief im Westdeutschen Rundfunk zu schnellem Handeln auf, um den
Klimawandel zu stoppen. Er bezeichnete den Klimabericht als
«nachhaltigen Warnruf». Sein Nachfolger an der Spitze der
UN-Umweltagentur, Achim Steiner, schlug einen Welt-Klimagipfel der
Regierungschefs vor. An diesem sollten auch US-Präsident George W.
Bush und die politischen Führer der Schwellenländer China,
Indien und Brasilien teilnehmen, sagte er der «Frankfurter
Rundschau».
Der Chefberater der Bundesregierung in Klimafragen, Hans Joachim
Schellnhuber, verlangte entschlossene Schritte zum Klimaschutz. Er wies
jedoch darauf hin, dass auch in der neuen UN-Prognose noch erhebliche
Unsicherheiten bestünden: So seien die Vorhersagen für die
Niederschlagsentwicklung und den Anstieg des Meeresspiegels sehr weit
gefasst.
Nach Ansicht des Klimaexperten Hermann Ott werden nahe am Meer gelegene
Städte wie Rostock, Hamburg und Kiel auf lange Sicht unbewohnbar
werden. Grund dafür sei das Abschmelzen der Polkappen und der damit
verbundene Anstieg des Wasserspiegels, sagte der Wissenschaftler vom
Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt und Energie am Freitag im
Mitteldeutschen Rundfunk.
Umweltverbände forderten die Politik zu schnellem Durchgreifen
auf. Das Taktieren und Feilschen um möglichst unverbindliche
Klimaschutzvorgaben wie derzeit für die Automobilindustrie
müsse aufhören, sagte der Präsident des Naturschutzbundes
(NABU), Olaf Tschimpke. Die Umweltstiftung WWF nannte den UN-Bericht
eine Sturmwarnung an alle Regierungen. Diese müssten sofort
handeln und Emissionen drastisch reduzieren.
Auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) forderte die Politik zum
Handeln auf: «Wir rasen in die Klimakatastrophe, und trotzdem
dürfen Autos noch immer unbegrenzt Sprit verbrauchen und Flugzeuge
steuerfrei um die Welt fliegen. Es ist unverantwortlich, dass
Maßnahmen zum Klimaschutz im Verkehr konsequent nicht angegangen
werden», sagte VCD-Chef Michael Gehrmann.
Der Klimawandel verändert laut einer Studie den Vogelbestand in
Mitteleuropa. Die Bestandsentwicklung am Bodensee innerhalb von 23
Jahren zeige teilweise drastische Entwicklungen, die allein auf die
globale Erwärmung zurückgingen, erklärte Katrin
Böhning-Gaese von der Universität Mainz. Südliche Arten,
die eigentlich im Mittelmeerraum heimisch seien, wanderten neu ein oder
nähmen zahlenmäßig zu, während ursprünglich
hier heimische Arten zahlenmäßig zurückgingen.
(Quelle: ap)
Umweltminister Gabriel fordert nach Klimabericht rasches Handeln der UN
Sa.03.02.07 - Nach der Veröffentlichung des Klimaberichts der Vereinten Nationen
hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel UN-Generalsekretär Ban Ki
Moon zum Handeln aufgefordert. «Es ist unbedingt notwendig, dass
sich die Vereinten Nationen auf der Ebene der Staats- und
Regierungschefs sowie in der UN-Generalversammlung mit dem Klimawandel
auseinander setzen», sagte der SPD-Politiker der Zeitung
«Die Welt». «Das ist ein Menschheitsproblem, mit dem
sich auch die Führer der Menschheit auseinander setzen
müssen.»
Die Lösung des Klimaproblems könne nicht alleinige Aufgabe
von 189 Umweltministern und 5.000 Experten sein. Das hätten die
Erfahrungen der letzten Weltklimakonferenz in Nairobi gezeigt.
Gabriel mahnte zur Eile: «Es bleibt uns nur noch ein Zeitfenster
von etwa 10 bis 15 Jahren, um in der internationalen Klimapolitik
umzusteuern. Wenn uns das nicht gelingt, werden künftige
Generationen massiv darunter zu leiden haben.» Das Problem sei
der «lange Bremsweg» des Klimas, erklärte der
Umweltminister. «Was wir heute richtig machen, wird erst in etwa
30 Jahren spürbar sein.»
Der CO2-Emissionshandel müsse zu einem weltweiten System ausgebaut
werden, forderte Gabriel. Zudem müssten sich die Staaten im Rahmen
des Kyoto-Protokolls auch für die Zeit nach 2012 auf konkrete
Minderungsziele verständigen.
(Quelle: ap)
Bundestag beschließt Gesundheitsreform - 43 Gegenstimmen aus der
Koalition
Sa.03.02.07 - Das wichtigste Reformprojekt der großen Koalition steht kurz vor
dem Abschluss: Der Bundestag beschloss am Freitag die
Gesundheitsreform, allerdings bei 43 Gegenstimmen aus Union und SPD.
Nach der Zustimmung des Bundesrats soll das Gesetz zum Umbau von
gesetzlicher und privater Krankenversicherung am 1. April in Kraft
treten. Neuen Streit gibt es aber um die Finanzierung des beschlossenen
Zuschusses an die Kassen. Zumindest bis zur Wahl 2009 will die
Regierung die Steuern dafür nicht erhöhen.
Obwohl Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und die Gesundheitsfachleute
von Union und SPD im Bundestag noch einmal nachdrücklich für
die Reform warben, gelang es ihnen nicht, die Reihen der Koalition zu
schließen. Am Ende stimmten 23 Abgeordnete von CDU/CSU und 20 von
der SPD gegen das Gesetz, acht enthielten sich. Die Opposition von
Grünen, FDP und Linken, die das Gesetz nochmals scharf
kritisierte, votierte ohnehin geschlossen dagegen.
SPD-Fraktionschef Peter Struck kündigte eine Debatte über
Konsequenzen an. Mit 378 Ja-Stimmen erhielt die Vorlage dennoch eine
breite Mehrheit. Schmidt zeigte sich zufrieden.
Die wichtigsten Neuerungen der Reform kommen 2009: der
Gesundheitsfonds, ein neuer Basistarif in der privaten
Krankenversicherung und eine allgemeine Pflicht zur Versicherung.
Außerdem soll das Gesundheitssystem sparsamer organisiert werden.
Schmidt betonte, insgesamt werde die Krankenversicherung stabilisiert.
«Wir bauen das System um, um es bezahlbar zu halten», sagte
die SPD-Politikerin. Auch der CSU-Politiker Wolfgang Zöller, der
das Gesetz mit ausgehandelt hatte, sprach von einer «Reform
für die Versicherten».
Mit der Reform wurde beschlossen, dass die gesetzlichen Krankenkassen
2008 eine Milliarde Euro mehr vom Bund bekommen als bisher geplant,
also insgesamt 2,5 Milliarden. Danach soll der Zuschuss jährlich
um 1,5 Milliarden Euro bis auf 14 Milliarden Euro wachsen.
Haushaltspolitiker wie der SPD-Experte Carsten Schneider warnten, dass
dies riesige Löcher in den Haushalt reißen werde. Nach einem
Bericht des «Handelsblatts» erwägt Finanzminister Peer
Steinbrück bereits Steuererhöhungen.
Dies gelte aber erst für die Zeit nach 2009, stellte ein Sprecher
des Finanzministeriums klar. Die dann fällige
Größenordnung des Zuschusses «ist so ohne
Steuererhöhungen nicht darstellbar». Regierungssprecher
Thomas Steg sagte, es gebe in der Koalition von Union und SPD eine
klare Festlegung: Allgemeine gesellschaftspolitischen Aufgaben sollten
nicht allein von Arbeitnehmern und Arbeitgebern über die
gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden, sondern aus Steuermitteln.
Bis 2009 solle das Geld aus dem Haushalt aufgebracht werden.
Unionsfraktionschef Volker Kauder riet allen in der großen
Koalition, «das Gerede über Steuererhöhungen sofort zu
beenden». Auch sein SPD-Kollege Struck sagte,
Steuererhöhungen stünden derzeit nicht zur Debatte.
(Quelle: ap)