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Irak am neunhundertdreiundfünfzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
US-Verteidigungsminister Gates hält Beginn des Irak-Abzugs noch in
diesem Jahr für möglich. Iranischer Diplomat in Bagdad
entführt. Iraks Regierungschef attackiert Nachbarstaaten scharf
Mi.07.02.07 - US-Verteidigungsminister Robert Gates hält einen Beginn des Abzugs
der US-Truppen aus dem Irak noch vor dem Ende des Jahres für
möglich. Gates erklärte am Dienstag vor dem
Streitkräfteausschuss des Senats, die geplante
Sicherheitsoffensive, für die zusätzliche 21.500 Soldaten
nach Bagdad verlegt werden, sei «nicht die letzte Chance»
für den Irak.
Skizzenhaft umriss Gates vor den Senatoren, unter welchen
Umständen die USA noch in diesem Jahr mit dem Abzug beginnen
könnten. Voraussetzung sei, dass es gelinge Bagdad zu beruhigen
und dass die Iraker weitere eigene Truppen bereitstellten sowie ihre
internen Streitigkeiten beilegten, sagte Gates.
Im vergangenen Monat hatte er noch erklärt, zusätzliche
Truppen müssten für Monate, wenn nicht Jahre in den Irak
geschickt werden. Der scheidende Kommandeur der US-Truppen im Irak,
General George Casey, erklärte hingegen, er hoffe, dass die jetzt
entsandte Truppenverstärkung schon Ende des Sommers wieder nach
Hause könne.
Der Vorsitzende der US-Generalstabschefs, Peter Pace, erklärte,
innerhalb eines Jahres habe sich die Zahl der aus Munition gebauten
Bomben am Straßenrand, die gegen die US-Truppen eingesetzt
würden, verdoppelt. Darunter seien auch noch tödlichere
Sprengsätze, die aus dem Iran kämen, sagte Pace.
Derzeit belastet die Entführung eines iranischen Diplomaten in
Bagdad die ohnehin gespannten Beziehungen zwischen Washington und
Teheran noch weiter. Zu dem Vorfall selbst gab es am Dienstag
widersprüchliche Angaben. Die US-Streitkräfte im Irak wiesen
jede Beteiligung an der Entführung des Zweiten
Botschaftssekretärs Dschalal Scharafi zurück, der Iran machte
die USA aber für das Leben des Diplomaten verantwortlich.
Bewaffnete Männer in Uniformen der irakischen Armee hatten am
Sonntag mitten in Bagdad den Wagen des Botschaftssekretärs
gestoppt und diesen dann mitgenommen, wie ein Sprecher der iranischen
Vertretung am Dienstag mitteilte. In der Annahme, dass es sich um eine
Entführung handelte, schossen irakische Polizisten auf die
Täter und nahmen mehrere von ihnen fest. Am Montag seien sie aber
wieder freigelassen worden, sagte ein Regierungssprecher in Bagdad.
Ein irakischer Regierungsbeamter teilte mit, der Diplomat sei von
Angehörigen einer irakischen Spezialeinheit festgenommen worden,
die direkt den US-Streitkräften unterstehe. Der amerikanische
Militärsprecher Christopher Garver wies dies jedoch zurück
und erklärte, an dem Vorfall seien keine Einheit beteiligt
gewesen, die von den USA kommandiert werde. Im Januar hatte
US-Präsident George W. Bush die Truppen im Irak ermächtigt,
iranische Agenten bei Hinweisen auf eine Verwicklung in Gewalttaten
entweder festzunehmen oder zu töten.
Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Mohammed Ali
Hosseini, verurteilte das Vorgehen gegen den Botschaftssekretär als
«aggressiven Akt und Verletzung des Völkerrechts».
Scharafi sei von bewaffneten Männern entführt worden, die
«unter der Aufsicht der amerikanischen Truppen im Irak
operieren», sagte Hosseini nach einer Meldung der amtlichen
Nachrichtenagentur IRNA und fügte hinzu: «Der Iran macht die
amerikanischen Truppen im Irak verantwortlich für die Sicherheit
und das Leben des iranischen Diplomaten.»
Die irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki räumte
unterdessen ein, dass die Vorbereitungen für die geplante
große Sicherheitsoffensive in Bagdad nur langsam vorankommen.
Diese Verspätung verbreite eine negative Botschaft, sagte Maliki.
Aufständische haben in jüngster Zeit ihre Angriffe noch
intensiviert und dabei hunderte Menschen getötet. Auch am Dienstag
wurden wieder mindestens 25 Opfer der Gewalt in Bagdad.
Der wegen der pausenlosen Terroranschläge unter Druck stehende
schiitische Ministerpräsident schmähte die politischen
Führer der Nachbarstaaten am Dienstag in einer Rede vor
US-Offizieren und irakischen Kommandeuren als Diktatoren, die den
Irakern ihre neue Freiheit nicht gönnten.
Al-Maliki sagte: «Wir wissen, warum sie (die Nachbarstaaten) sich
gegen die Entwicklung im Irak stellen. Sie haben Angst, dass sich von
hier aus Freiheit und Demokratie verbreiten». Er fügte
hinzu: «Ihre Angst ist auch berechtigt, denn sie selbst sind
nichts anderes als ein Klon des diktatorischen Regimes, das früher
im Irak herrschte.» Beobachter in der Region verstanden
Al-Malikis Schimpftirade vor allem als Kritik an Syrien, das von einem
anderen Zweig der arabischen Baath-Partei regiert wird, die unter
Ex-Präsident Saddam Hussein auch Regierungspartei des Irak gewesen
war. Die irakische Regierung hatte der Führung in Damaskus bereits
am vergangenen Wochenende vorgeworfen, sie lasse islamistische
Terroristen über ihre Grenze ungehindert in den Irak eindringen.
Verbittert erklärte Al-Maliki, der von US-Präsident George W.
Bush jüngst wegen seiner Misserfolge im Kampf gegen
Extremistengruppen gerügt worden war: «Wir hatten uns
gewünscht, dass unsere Brüder, Freunde und
Nachbarländer, sich mit uns darüber freuen würden, dass
das irakische Volk die Diktatur abgeschüttelt hat, aber zu unserem
Leidwesen mussten wir feststellen, dass das Zusammenleben mit der
Diktatur zu den wesentlichen Charakteristika dieser Region
gehört.»
Im Zuge der von Al-Maliki und den US-Truppen geplanten Offensive gegen
Terroristen in Bagdad wurden am Dienstag Dutzende zusätzliche
Straßensperren eingerichtet. In dem südlichen Vorort
Safaranija starb ein Polizist, als ein Sprengsatz neben einer
Patrouille detonierte. Drei Beamte wurden nach Polizeiangaben verletzt.
In Mossul kamen zwei Polizisten bei Gefechten mit Extremisten ums
Leben. Die US-Armee berichtete, ihre Soldaten hätten bei Razzien
am Dienstag zwei «Terroristen» getötet und 17
Verdächtige gefangen genommen. In Kirkuk wurden laut Polizei
sieben Angehörige einer sunnitischen Terrorzelle festgenommen,
zwei von ihnen waren Polizisten.
In Washington kam eine Senatsdebatte über den Irak-Einsatz aus
Geschäftsordnungsgründen zunächst nicht zu Stande. Die
Republikaner blockierten am Montagabend einen entsprechenden Antrag der
Demokraten. Diese planen die Abstimmung über eine Resolution, in
der die von Bush angekündigte Entsendung von 21.500 weiteren
Soldaten in den Irak verurteilt wird. Die Republikaner legten im
Gegenzug einen Resolutionsentwurf vor, wonach der Kongress die Ausgaben
für Truppen im Ausland keinesfalls reduzieren soll.
(Quellen: ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 07.02.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertneunundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.07.02.06 - Schiitische Demonstranten im Irak fordern Fatwa gegen
Karikaturen-Zeichner +++ Entführtes irakisches Brüderpaar in Bagdad tot
aufgefunden +++ Deutsche Regierung kommt in Geiselkrise nicht weiter.
Irakischer Menschenrechtler appelliert im Namen des Islams an die
Kidnapper der im Irak entführten deutschen Ingenieure...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0602070.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Nahost-Konflikt
Fatah und Hamas bereiten Gipfel in Mekka vor. Palästinensischer
Protest gegen israelische Arbeiten an Tempelberg. Merkel zieht bei
Nahost-Reise positives Fazit
Mi.07.02.07 - Unmittelbar vor dem Treffen der rivalisierenden Gruppen Fatah und Hamas
in Mekka haben führende Vertreter der Palästinenser den Willen
zur Einigung bekräftigt.
Er reise mit der Entschlossenheit in die heilige Stadt, zu einer
Einigung über die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit zu
kommen, sagte Ministerpräsident Ismail Hanija von der radikalen
Hamas vor seiner Abreise aus Gaza. Ähnlich äußerte sich
am Dienstag der palästinensische Botschafter in Saudi-Arabien,
Dschamal al-Schobaki: "Sie werden diese heilige Stadt nicht ohne
Einigung verlassen, weil die Lage katastrophal ist und sich die Welt von
uns abwenden würde, sollten wir so weitermachen."
Der am Dienstagnachmittag in Mekka eingetroffene
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas von der
gemäßigten Fatah wollte am Abend zusammen mit Hamas-Chef
Chaled Maschaal und Hanija erneut über das Ende der Kämpfe und
die Bildung einer Einheitsregierung verhandeln. Davon erhoffen sich die
Palästinenser eine Aufhebung des Embargos, das der Westen unter
anderem wegen der Weigerung der Hamas verhängt hatte, Israel
anzuerkennen. Alle bisherigen Versuche zur Einigung waren gescheitert.
Abbas' Berater Assam al-Ahmad sagte, die Fatah wolle die Hamas
überzeugen, das Programm der Palästinensischen
Befreiungsorganisation (PLO) zu akzeptieren, das die stillschweigende
Anerkennung Israels umfasse. Wenn dies geschehe, werde das
Nahost-Quartett aus den USA, Russland, der Europäischen Union und
den Vereinten Nationen nicht mehr von der Hamas die Anerkennung des
jüdischen Staates verlangen.
Vor Beginn der Gespräche wollten Maschaal und Hanija in Mekka am
Nachmittag die Große Moschee besuchen, das höchste Heiligtum
des Islam. Die von Saudi-Arabien vermittelten Verhandlungen sollten am
Mittwoch fortgesetzt werden.
Seit dem Wahlsieg der Hamas vor einem Jahr liefert sie sich mit der
Fatah einen erbitterten Machtkampf. Die Auseinandersetzungen eskalierten
Ende 2006, als Abbas vorgezogene Wahlen als Ausweg aus der Krise
vorschlug. Seitdem sind bei Kämpfen der verfeindeten Gruppen mehr
als 80 Menschen ums Leben gekommen.
Ein bedeutender islamischer Würdenträger hat die
Palästinenser aufgerufen, gegen geplante Arbeiten an einem Zugang
zum Tempelberg in Jerusalem Widerstand zu leisten. Israelische Bulldozer
seien bereits auf dem Weg zu dem islamischen Heiligtum, sagte Scheich
Taissir el Tamimi am Dienstag im Fernsehsender El Dschasira. Die
Arbeiten bedrohen seinen Angaben zufolge die Fundamente des
Tempelbergs. Die radikale Palästinensergruppe Islamischer Dschihad
begründete den Abschuss zweier Raketen auf Israel am Dienstag mit
den geplanten Arbeiten, da diese die auf dem Tempelberg befindliche
El-Aksa-Moschee bedrohten.
Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ein positives Fazit
ihrer Bemühungen gezogen, bei den arabischen Partnern Europas
für ein breites Bündnis im Nahost-Konflikt zu werben.
«Ich habe gespürt, dass wir alle gemeinsam an der
Lösung dieses Konflikts arbeiten wollen», sagte die
amtierende EU-Ratspräsidentin am Dienstag zum Abschluss ihrer
viertägigen Reise durch die arabische Region.
Im Atomstreit mit dem Iran bekräftigte sie die
Gesprächsbereitschaft der internationalen Gemeinschaft. Trotz der
im Weltsicherheitsrat beschlossenen Sanktionen «ist es trotzdem
so, dass die Tür für Gespräche offen bleibt», sagte
Merkel, die seit Samstag Ägypten, Saudi-Arabien, die Vereinigten
Arabischen Emirate und Kuwait besucht hatte. Eine militärische
Option komme nicht in Frage.
In der Iran-Frage sagte die Kanzlerin weiter, es sei enttäuschend,
dass das Land auf die vielen Angebote nie schlüssig geantwortet
habe. Voraussetzung für Gespräche sei aber, dass Fortschritte
im Verhalten Irans erkennbar sein müssten. Dies sei im vergangenen
Jahr leider nicht der Fall gewesen. Sie hoffe, dass auf iranischer Seite
die Vernunft zurückkehre. Der kuwaitische Ministerpräsident
Scheich Nasser al-Sabah sprach sich für Verhandlungen mit Teheran
ohne Vorbedingungen aus.
Beide Politiker betonten, dass die Souveränität des Libanons
gestärkt werden müsse. «Wir hoffen, dass der Libanon
wieder so wird, wie er war», sagte Al-Sabah. Merkel
bekräftigte ihre Forderung an Syrien, diplomatische Beziehungen mit
dem Libanon aufzunehmen. Weitere Themen waren die Situation im Irak und
in den Palästinensergebieten. Vor den Gesprächen zwischen den
verfeindeten Palästinenserorganisationen Hamas und Fatah in Mekka
äußerte Merkel die Hoffnung, dass dort ein Fortschritt
erzielt werden könne und «dass wir es vielleicht schaffen,
eine Regierung der nationalen Einheit aufzubauen».
Merkel warb auch um weitere Investitionen Kuwaits in Deutschland. Durch
verbesserte steuerliche Rahmenbedingungen habe sich die
Attraktivität des Investitionsstandortes Deutschland verbessert.
Kuwait ist mit rund 7,1 Prozent am Stuttgarter Autokonzern
DaimlerChrysler beteiligt.
(Quellen: afp, dpa, rtr)
EU und USA verhandeln über Liberalisierung des Luftverkehrs
Mi.07.02.07 - Die USA und die Europäische Union haben neue Gespräche
über Liberalisierungen im Luftfahrtbereich aufgenommen. Zu diesem
Zweck verhandelte der deutsche Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee im
Namen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft am Dienstag in
Washington mit der amerikanischen Verkehrsministerin Mary Peters.
Für die EU war ferner Verkehrskommissar Jacques Barrot in die
amerikanische Hauptstadt gereist.
Die EU hat den USA vorgeworfen, von einem bereits erarbeiteten Entwurf
für ein so genanntes Open-Skies-Abkommen zurückgetreten zu
sein. Darin ging es vor allem um eine Aufhebung der Regelung, wonach
Ausländer nur einen Anteil von 25 Prozent an amerikanischen
Fluggesellschaften haben dürfen. Gegen diese geplante
Liberalisierung haben jedoch beide Häuser des Kongresses
Widerspruch eingelegt. Ministerin Peters räumte ein, dass die
Vereinbarung aus Sorge um Arbeitsplätze und die Sicherheit im
Luftverkehr zurückgezogen worden sei.
Die Freiheit zur wirtschaftlichen Beteiligung an den Fluggesellschaften
der jeweils anderen Seite ist für die EU jedoch das Kernstück
eines Open-Skies-Abkommens zwischen Europa und den USA. Damit
würden mehr Fluggesellschaften Zugang zu den lukrativen Routen
über den Atlantik erhalten, was die Preise weiter senken
könnte. Das Verkehrsaufkommen zwischen Europa und den USA macht 60
Prozent des weltweiten Luftverkehrs aus.
(Quelle: ap)
Früherer Notenbankchef Volcker kritisiert Klimapolitik der USA
Mi.07.02.07 - Der frühere US-Notenbankchef Paul Volcker hat heftige Kritik an
der Umweltpolitik Washingtons geübt. Das Argument, Maßnahmen
zur Reduzierung von Treibhausgasen schadeten der Wirtschaft, sei
«fundamental falsch», sagte Volcker am Dienstagabend in
einem Vortrag vor der Amerikanischen Handelskammer in Kairo. Die USA
hätten sich beim Klimaschutz jedoch als «besonders
delinquent» erwiesen. Die Regierung von Präsident George W.
Bush hat sich bislang beharrlich geweigert, das Kyoto-Protokoll zum
Klimaschutz zu ratifizieren.
Volcker vertrat die Ansicht, dass Steuern auf Erdöl oder auf die
Emission von Kohlendioxid der Wirtschaft kaum schaden würden. Dem
Klimaschutz könnten sie indessen sehr dienlich sein. Würden
solche Steuern nicht erhoben, dann würde die amerikanische
Wirtschaft in den kommenden 30 Jahren allerdings mit Sicherheit den
Bach hinuntergehen, sagte Volcker. Die Folgen des Klimawandels
würden sich nämlich schon bald verheerend auswirken - viel
gravierender als die wachsende Konkurrenz von Seiten Chinas oder
Veränderungen im Dollarkurs.
(Quelle: ap)
EU will Autoindustrie bei CO2-Grenzwerten entgegenkommen
Mi.07.02.07 - Die EU-Kommission will der Autoindustrie beim Klimaschutz deutlich
weniger abverlangen als ursprünglich geplant. So soll die Branche
bis 2012 bei Neuwagen im Durchschnitt einen Grenzwert von 130 Gramm
Kohlendioxid je Kilometer einhalten, wie die Nachrichtenagentur AP am
Dienstag in Brüssel erfuhr. Ursprünglich in der Debatte waren
120 Gramm. Dieses Ziel soll nun nicht mehr allein durch sparsamere
Fahrzeuge, sondern auch durch die Anrechnung von Biokraftstoffen
erreicht werden.
Damit hat die deutsche Bundesregierung ihre wesentlichen Ziele
durchgesetzt. Der deutsche Wirtschaftsstaatssekretär Joachim
Würmeling lobte in Brüssel den «Vorschlag, den die
Kommission morgen offenkundig vorlegen will. Das ist ein ausgewogener
Ansatz.» Offiziell will die EU-Kommission am (heutigen) Mittwoch
ihr Klima-Strategiepapier für den Verkehr vorlegen.
Ursprünglich hatte EU-Umweltkommissar Stavros Dimas einen
ehrgeizigeren Klimaschutzplan vorgeschlagen. Dimas wollte die 120 Gramm
Kohlendioxidausstoß «allein durch Fahrzeugtechnik»
erreichen. Dagegen war vor allem die deutsche Autoindustrie Sturm
gelaufen, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) war ebenfalls auf
Konfrontationskurs zu Brüssel gegangen.
Derzeit liegt der Kohlendioxid-Ausstoß bei Neuwagen europaweit im
Durchschnitt bei gut 160 Gramm, bei deutschen Herstellern wegen des
großen Angebots leistungsstarker Autos noch darüber.
EU-Kommissionssprecher Johannes Laitenberger bekräftigte
offiziell: «Ziel ist und bleibt ein durchschnittlicher
CO2-Ausstoß von 120 Gramm pro Kilometer» ab 2012.
«Der Großteil dieser Bemühungen muss von der
Automobil-Industrie kommen» - aber eben nicht alles.
Deutschlands Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte aktiv für
die Anrechnung der Biokraftstoffe auf das Klimaziel geworben. Nur so
ließen sich diese im großen Maßstab am Markt
durchsetzen. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee machte aber in der ARD
erneut deutlich, dass es der Bundesregierung auch darum ging, die
Autoindustrie nicht zu stark zu belasten. Es gehe um realisierbare
Ziele, die keine Arbeitsplätze gefährdeten, sagte der
SPD-Politiker. Die Automobilindustrie sei ein Pfeiler der
europäischen und der deutschen Wirtschaft. Autofahren müsse
bezahlbar sein.
Auch der deutsche EU-Industriekommissar Günter Verheugen betonte
erneut, es gehe um einen «integrierten Ansatz» und
«ein Gleichgewicht zwischen Wettbewerbsfähigkeit, das
heißt Arbeitsplätzen, und Umweltschutz».
Der Verband der Automobilindustrie wollte die neuen Pläne vor der
offiziellen Vorstellung nicht kommentieren. Er bekräftigte aber
die Erwartung, dass eine «europäische Einheitsobergrenze
für CO2, die auf Fahrzeugsegmente keine Rücksicht nimmt,
vermieden werden kann.» Auch die Bundesregierung fordert, dass
die Klimaziele nach Wagenklassen differenziert werden. Ob und wie dies
geschehen soll, war zunächst offen.
Die Grünen beklagten den «faulen Kompromiss» der
EU-Kommission. «Prämiert wird die technische
Schlafmützigkeit der Automobilindustrie», erklärten sie
in Berlin. Der alternative Verkehrsclub VCD warf der deutschen
Autoindustrie Lug und Trug vor. Die Hersteller hätten massiv gegen
einen angeblich geplanten CO2-Grenzwert von 120 Gramm für jedes
Neufahrzeug Front gemacht. Doch sei von einer solchen Vorgabe auf
EU-Ebene nie die Rede gewesen.
Auch der Umweltverband NABU beklagte die Verwässerung der
EU-Pläne. EU-Präsident José Manuel Barroso sei vor der
Bundesregierung eingeknickt. Das Gefeilsche sei vor dem Hintergrund des
neuen Weltklimaberichts grotesk.
(Quelle: rtr)
Mehrheit wünscht von Merkel strikteren CO2-Kurs
Mi.07.02.07 - Die Mehrheit der Wähler wünscht sich von Bundeskanzlerin
Angela Merkel (CDU) laut einer Umfrage eine striktere Begrenzung der
Emissionen von Kohlendioxid. Im Streit um neue CO2-Richtwerte aus
Brüssel sind 53 Prozent dafür, dass sich Merkel für eine
strengere Linie einsetze, wie aus einer am Freitag veröffentlichten
Emnid-Umfrage im Auftrag des der Nachrichtensenders N24 hervorgeht.
Merkels kritischen Kurs gegenüber den EU-Vorgaben für die
deutsche Wirtschaft unterstützten nur 40 Prozent.
(Quelle: afp)
Neue Debatte über höhere Steuern für Sozialsysteme
Mi.07.02.07 - Sowohl die CDU als auch die SPD erwägen weitere
Steuererhöhungen zu Gunsten der Sozialsysteme. Die Frage, wie der
steigende Bundeszuschuss an die Krankenkassen finanziert werden soll,
sei nicht ausdiskutiert, erklärte
SPD-Fraktionsgeschäftsführer Olaf Scholz. CDU-Finanzpolitiker
debattieren nach einem Bericht der «Berliner Zeitung»
ihrerseits höhere Verbrauchssteuern, um Sozialabgaben zu senken.
Mit der Gesundheitsreform hatte die Koalition beschlossen, den
Bundeszuschuss an die Krankenkassen schneller zu erhöhen als
bislang geplant. Die 2,5 Milliarden Euro 2008 und die vier Milliarden
Euro 2009 sollen aus dem Bundeshaushalt finanziert werden. Für die
Zeit danach halten Experten Steuererhöhungen für
unausweichlich. Die Fraktionsführungen beider Koalitionspartner
hatten aber sofort ein Ende der Debatte über solche Erhöhungen
gefordert.
SPD-Politiker Scholz sagte am Montagabend dem Sender n-tv mit Bezug auf
Steuererhöhungen: «Ich treffe einige, die glauben, man wird
schon einen Weg finden, der ohne das geht.» Doch werde man wohl
keine versteckten Goldreserven im Keller des Finanzministers finden.
«Diese Frage ist in der Koalition und in der ganzen Gesellschaft
noch nicht ausdiskutiert», sagte Scholz.
Die CDU-Finanzpolitiker schlagen nach Informationen der «Berliner
Zeitung» in einem Positionspapier vor, die indirekten Steuern wie
etwa die Mehrwert-, Tabak- oder Mineralölsteuer zu erhöhen, um
mit dem Geld die Sozialbeiträge zu senken. «Wir werden das
Gefüge der Staatseinnahmen mit dem Ziel einer Entlastung des
Faktors Arbeit und einer stärkeren Belastung des Konsums neu
ausbalancieren», zitiert die Zeitung aus der Vorlage für die
CDU-Programmkommission.
Das lehnt die SPD-Linke hingegen unter Verweis auf die gerade
angehobene Mehrwertsteuer ab. «Bei den indirekten Steuern ist der
Schwellenwert erreicht», sagte der SPD-Linke Ernst-Dieter Rossmann
der Zeitung. Niedrige Einkommen würden zu stark belastet.
Sinnvoller sei es, Erbschaften stärker zu besteuern.
Im Sommer hatte die Union höhere Steuern zu Gunsten der
Krankenkassen noch verhindert. Die SPD hatte damals zusätzliche
Einkommensteuern für diesen Zweck gefordert, um Gutverdiener
stärker an der Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung zu
beteiligen.
Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Helga Kühn-Mengel,
erneuerte unterdessen ihre Kritik an den mit der Gesundheitsreform
beschlossenen Regeln für Vorsorgeuntersuchungen: «Ich bin
dagegen, dass diejenigen, die nicht an der Vorsorge teilnehmen, im
Krankheitsfall mehr zahlen müssen», sagte die SPD-Politikerin
der «Rheinischen Post. Zwar gingen viel zu wenige Menschen zur
Vorsorge. Dennoch solle sie freiwillig bleiben.
FDP und Grüne übten Kritik am Umgang der SPD mit den Gegnern
der Gesundheitsreform in den eigenen Reihen. FDP-Generalsekretär
Dirk Niebel und Grünen-Chef Reinhard Bütikofer forderten mehr
Achtung für freie Mandatsträger. Struck hatte eine Debatte in
der Partei über das Verhalten der Gesundheitsexperten gefordert,
die sich im zuständigen Ausschuss vertreten ließen und im
Plenum am Freitag gegen das Gesetz stimmten.
(Quelle: ap)
IG Metall will Einkommenserhöhungen von 6,5 Prozent
Mi.07.02.07 - In der Tarifrunde für die 3,4 Millionen Beschäftigten
der Metall- und Elektroindustrie strebt die IG Metall
Einkommenserhöhungen von 6,5 Prozent an. Diese Forderungsempfehlung
für zwölf Monate gab der Vorstand der Gewerkschaft in
Frankfurt.
«Die Metall und Elektroindustrie kann eine Erhöhung in der
Größenordnung von 6,5 Prozent locker verkraften und
finanzieren», sagte der IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters.
Zuletzt hatte die Gewerkschaft 2002 eine Forderung in dieser Höhe
für die größte deutsche Industriebranche gestellt.
Die Metall-Arbeitgeber wiesen die Forderungsempfehlung der Gewerkschaft
als unrealistisch zurück. Der Beschluss zeige, dass die IG Metall
eine stärkere Erhöhung als die 3,0 Prozent des Vorjahres
anstrebe. «Sie schwimmt damit auf einer Welle der Illusionen
hinsichtlich der tatsächlichen Verhältnisse in der
Welt», sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser in
Berlin.
Der Tarifabschluss 2006 sei auf ein wirtschaftlich ungewöhnliches
Jahr zugeschnitten gewesen und lasse sich «nicht wie mit dem
Lineal gezogen auf 2007 übertragen». Alle Daten und Fakten
belegten, dass 2007 insgesamt zwar noch ein wirtschaftlich ordentliches
Jahr werde, aber eben spürbar unter 2006 liege.
Kannegiesser sagte, die Mitarbeiter der deutschen Metall- und Elektro
(EKTR3.SA - Nachrichten) -Industrie seien nach wie vor die bestbezahlten
der Welt, mit den kürzesten tariflichen Arbeitszeiten. «Wer
möchte, dass wir diesen hohen Standard halten, der darf die
weltweiten Kostenrelationen unserer Industrie auf keinen Fall
verschlechtern.»
IG-Metall-Chef Peters betonte dagegen: «2007 sind die
Arbeitnehmer dran.» Die Beschäftigten müssten ihren
Anteil am Erfolg der Unternehmen erhalten. Bei den Unternehmen der
Metall- und Elektroindustrie gebe es Rekordumsätze und
Rekordergebnisse. 2007 werde die Branche ihren Höhenflug
fortsetzen. Die Produktivität werde voraussichtlich um 4,5 Prozent
steigen, die Verkaufspreise um 2 Prozent zulegen.
Damit liege der Finanzierungsspielraum deutlich über dem der
Gesamtwirtschaft von 4,1 Prozent. Angesichts der schwachen
Lohnentwicklung der vergangenen Jahre gebe es «eine
verteilungspolitische Lücke, die es zu schließen gilt».
Um den wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland zu stützen,
müsse den Arbeitnehmern mehr Kaufkraft gegeben werden.
Peters und der Zweite Vorsitzende Berthold Huber sprachen sich klar
gegen eine Beteiligung der Arbeitnehmer an den wirtschaftlichen Erfolgen
in Form von hohen Einmalzahlungen aus. Dies hatten die Arbeitgeber
bereits ins Gespräch gebracht. «Es gibt weder eine
Einmal-Produktivität noch eine Einmal-Inflation», sagte
Peters. Deshalb sei nicht nachvollziehbar, warum sich die Arbeitnehmer
mit einer Einmalzahlung zufrieden geben sollten. Ziel der IG Metall
seien dauerhafte Erhöhungen in den Lohn- und Gehaltstabellen sowie
bei den Ausbildungsvergütungen.
IG-Metall-Vize Huber mahnte die Arbeitgeber, nicht wie in der letzten
Tarifrunde «erst weit nach Ende der Friedenspflicht ein erstes
Angebot auf den Tisch zu legen». Huber betonte: «Wir hoffen
zudem, dass es sich diesmal um ein erstes Angebot handelt, das man auch
als solches bezeichnen kann.»
Die endgültige Forderung der IG Metall für die bundesweit 3,4
Millionen Beschäftigten der Branche wird am 26. Februar nach einer
weiteren Diskussionsrunde in den Bezirken beschlossen. Die regionalen
Verhandlungen beginnen am 12. März mit dem Auftakt in Nordrhein-
Westfalen. Die Tarifverträge laufen Ende März aus. Die
Friedenspflicht endet am 28. April. Danach sind Warnstreiks
möglich. 2006 war die IG Metall mit einer Forderung von fünf
Prozent mehr Geld in die Verhandlungen gegangen, am Ende waren drei
Prozent mehr Lohn und Gehalt sowie variable Einmalzahlungen vereinbart
worden.
(Quelle: dpa)
Ausländerfeindliche Straftaten nehmen weiter zu
Mi.07.02.07 - Die Zahl der rechtsextremen und ausländerfeindlich motivierten
Straf- und Gewalttaten in Deutschland ist im vergangenen Jahr offenbar
auf den höchsten Stand seit sechs Jahren gestiegen. Dies geht aus
den vorläufigen Zahlen des Bundesinnenministeriums für das
Jahr 2006 hervor, die «Zeit Online» vorliegen. Demnach
wurden von den Landeskriminalämtern zwischen Januar und Dezember
bislang 12.238 politisch rechts motivierte Straftaten ausgewiesen,
davon 726 Gewalttaten und 8.738 Propaganda-Delikte.
Zum selben Zeitpunkt des Vorjahres waren es 10.271 Straftaten und 588
Gewalttaten. Zwar werden die endgültigen Zahlen für das Jahr
2006 erst im Mai vorliegen. Bis dahin kann es noch zu Nachmeldungen
kommen. Im vergangenen Jahr wurden abschließend 15.361
rechtsextreme und ausländerfeindliche Straftaten und 958
Gewalttaten gezählt. Das Bundesinnenministerium geht nach Angaben
einer Sprecherin aber schon jetzt davon aus, «dass es zu einer
Steigerung gegenüber dem Vorjahr gekommen ist».
Der bisher höchste Stand wurde bislang im Jahr 2000 registriert.
Damals wurden - allerdings noch nach einer anderen Zählmethode -
998 rechte Gewalttaten und 15.951 entsprechende Straftaten insgesamt
verzeichnet.
(Quelle: ap)
Widerstand gegen heimliches Ausspähen von Computern
Mi.07.02.07 - Die Pläne der großen Koalition, das heimliche Ausspähen
privater Computer zu legalisieren, stoßen auf Widerstand. Der
Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar appellierte am Dienstag an
die Politik, der Online-Bespitzelung die rechtliche Basis zu
verweigern. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries sprach von
ernstzunehmenden verfassungsrechtlichen Problemen. Derweil setzten sich
EU-Kommission und Bundesregierung dafür ein, das Internet für
Kinder sicherer zu machen.
Der Bundesgerichtshof hatte am Montag klargestellt, dass ein heimlicher
Zugriff der Behörden auf private Computerdaten rechtlich derzeit
nicht statthaft ist. Daraufhin hatten Bundesinnenminister Wolfgang
Schäuble (CDU) und Innenexperten der großen Koalition
Gesetzesänderungen angekündigt, um das Ausspähen von
Computern bei Verdacht auf schwere Straftaten zu rechtlich zu
ermöglichen.
Justizministerin Zypries erklärte auf N24, Computer würden
heutzutage genutzt, um Tagebücher zu schreiben, ganz private
Ablagen zu machen und um Fotos zu archivieren. All dieses würde
der Staat dann heimlich sehen. Deswegen müsse zunächst
definiert werden, ob dies alles für Ermittlungen gebraucht werde,
sagte die SPD-Politikerin. Falls man diese Angaben brauche, müsse
sichergestellt sein, dass die Privatsphäre genauso geschützt
werde wie bei der Durchsuchung der Wohnung.
Datenschützer Schaar wandte sich im RBB-Inforadio vor allem gegen
den staatlichen Einsatz elektronischer Trojaner, mit deren Hilfe sich
Ermittler Zugang zu den Festplatten privater Rechner verschaffen
können. «Wenn man solche Staats-Trojaner programmieren
lässt, würde das bedeuten, dass man im Prinzip auch letztlich
Sicherheitslücken bestehen lassen muss», warnte Schaar.
Eine schnelle Rechtsgrundlage für Online-Untersuchungen forderte
dagegen der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg
Ziercke. Im Deutschlandradio Kultur sagte er, die Menschen brauchten
keine Angst davor zu haben, «jetzt durch den Staat in einer Weise
überwacht zu werden, die nicht den Rechtsgrundsätzen
entspricht». 99,9 Prozent der Bürger seien von solchen
Maßnahmen überhaupt nicht betroffen. Allerdings müsse
man mit dem technischen Fortschritt mithalten, wenn das Internet
für kriminelle Handlungen genutzt werde.
Anlässlich des «Safer Internet Days» riefen
EU-Kommission und Bundesregierung am Dienstag dazu auf, die
Medienkompetenz des Nachwuchses zu stärken und auf die Gefahren im
Netz hinzuweisen. Weltweit beteiligten sich nach Kommissionsangaben
mehr als 100 Organisationen aus über 40 Ländern mit
Veranstaltungen und Kampagnen an dem von der EU initiierten Tag.
Darüber hinaus einigten sich europäische Mobilfunkunternehmen
auf einen besseren Schutz von Minderjährigen bei der Nutzung von
Handys.
In Deutschland forderte Kulturstaatsminister Bernd Neumann die Eltern
auf, ihre Kinder beim Surfen besser zu kontrollieren. Das Netz biete
Kindern und Jugendlichen heute viele Chancen, berge aber auch Risiken,
sagte der CDU-Politiker. «Sicherheit im Umgang mit dem Internet
kann es nur durch die gezielte Förderung von Medienkompetenz
geben», erklärte Neumann. Unter anderem mit einer groß
angelegten Fernseh- und Kinokampagne sollen Eltern vor pornografischen,
Gewalt verherrlichenden und rechtsextremen Webseiten gewarnt werden.
(Quelle: ap)
Gegner der Vorratsdatenspeicherung gehen nach Karlsruhe
Mi.07.02.07 - Die Gegner der geplanten vorsorglichen Speicherung aller Telefon-,
Handy- und E-Mail-Kontakte wollen vor das Bundesverfassungsgericht nach
Karlsruhe ziehen. Wenn der Bundestag das Gesetz verabschiedet, werde
eine Verfassungsbeschwerde eingereicht.
Das kündigte der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung am Dienstag
in Berlin an. In ihm haben sich Bürgerrechtler, Datenschützer
und Internet-Nutzer zusammengeschlossen.
Der von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) vorgelegte
Gesetzentwurf setzt eine EU-Richtlinie um und sieht eine Speicherung
aller Verbindungsdaten für 6 Monate vor. Deutschland bliebe damit
am unteren Ende des von der Europäischen Union (EU) vorgegebenen
Zeitraums zwischen 6 und 24 Monaten. Auch die Nutzung des Internets soll
erfasst werden. Ziel der Speicherung ist es, die Strafverfolgung und
den Kampf gegen den Terrorismus zu verbessern.
Nach Angaben des Arbeitskreises haben sich schon mehr als 10 000 Gegner
der Speicherung gemeldet, 2500 hätten dem Berliner Rechtsanwalt
Meinhard Starostik eine schriftliche Vollmacht zugesandt. Jeder zehnte
Beschwerdeführer sei in einem Vertrauensberuf, beispielsweise als
Journalist, Arzt oder Rechtsanwalt, tätig. «Es ist ein
offensichtlich unverhältnismäßiger Eingriff in unsere
Grundrechte, das Kommunikations- und Bewegungsverhalten der gesamten
Bevölkerung zu protokollieren, um die Aufklärungsquote um
mikroskopische 0,006 Prozent steigern zu können», kritisierte
Patrick Breyer vom Arbeitskreis.
(Quelle: dpa)