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Aktuelle Nachrichten
Irak am neunhundertvierundfünfzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Frankreichs Premier Villepin wirft USA Versagen im Irak vor. Russland
und Arabische Liga für internationale Irak-Konferenz. Extremisten
bekennen sich zu Abschuss von US-Hubschrauber im Irak
Do.08.02.07 - Frankreichs Premierminister Dominique de Villepin hat den USA ein
Scheitern ihrer Strategie im Irak vorgeworfen. "Die Diagnose für
den Irak ist grausam", sagte Villepin in einem am Dienstag auf der
Website der britischen Zeitung "Financial Times" veröffentlichten
Interview. Seit dem US-geführten Einmarsch 2003 seien mehr als 3000
US-Soldaten getötet worden, allein im Jahr 2006 seien 12.000
irakische Zivilisten ums Leben gekommen. Die einzige Frage sei
mittlerweile, wie man die Spirale der Gewalt stoppen könne. Die USA
und Großbritannien müssten sich deshalb auf einen Zeitplan
festlegen und "in einem Jahr" ihre Soldaten abgezogen haben. Im Irak
werde es sonst weiter nur "Krisen und Tote" geben, sagte Villepin.
Russland und die Arabische Liga haben sich am Mittwoch für eine
internationale Konferenz zum Irak-Konflikt und den anderen Problemen in
der Region ausgesprochen. Der russische Außenminister Sergej
Lawrow erklärte laut einem Bericht der Nachrichtenagentur
RIA-Nowosti, eine gemeinsame Anstrengung zur Beilegung der Probleme
könne am besten durch eine internationale Konferenz zum Ausdruck
gebracht werden. «Die Spaltung im Irak ist eine der wesentlichen
Ursachen für die Gewalt. Es ist ein Bürgerkrieg», sagte
Lawrow.
Der Vorsitzende der Arabischen Liga, Amr Mussa, erklärte mit Blick
auf die am Samstag beginnende Nahostreise von Präsident Wladimir
Putin, das russische Engagement werde in der Region begrüßt.
Und mit einem Seitenhieb auf die USA fügte er hinzu, was die
russische Politik von der anderer Länder unterscheide, sei das
Verständnis für die Realitäten in der Region. Und Putin
versicherte, heute habe Russland im Gegensatz zu früheren
Jahrzehnten mit keinem arabischen Land Probleme. Putin besucht ab
Samstag Saudi-Arabien, Jordanien und Katar.
Nach dem neuerlichen Absturz eines US-Militärhubschraubers im Irak
am Mittwoch hat eine Extremistengruppe die Verantwortung
übernommen. Der Islamische Staat im Irak, der der Al Kaida nahe
stehen soll, erklärte im Internet, seine Kämpfer hätten
den Helikopter abgeschossen. Beim Absturz des Hubschraubers kamen am
Mittwoch alle sieben Insassen ums Leben, wie die amerikanischen
Streitkräfte mitteilten.
Zur Absturzursache machten die US-Streitkräfte keine Angaben.
Dagegen sagte ein Offizier der irakischen Luftwaffe in Bagdad, die
Maschine sei von einer Flugabwehrrakete abgeschossen worden.
Die USA haben damit im Irak binnen etwas mehr als zwei Wochen fünf
Hubschrauber verloren. Die Maschine am Mittwoch stürzte den
Angaben zufolge während eines routinemäßigen Einsatzes
in der Provinz Anbar ab. Die Region gilt als eine Hochburg der
Aufständischen.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 08.02.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.08.02.06 - Vier Zivilisten und vier US-Soldaten im Irak getötet +++ Prominenter
Geistlicher in Falludscha ermordet +++ Weiße Luftballons in Paris
für Freilassung aller Irak-Geiseln +++ Weiter Bangen um das Leben der
entführten Deutschen im Irak...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0602080.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Deutsche Regierung beschließt Einsatz von Tornado-Aufklärern
in Afghanistan
Do.08.02.07 - Die deutsche Bundesregierung hat am Mittwoch die umstrittene Entsendung
von sechs Tornado-Aufklärungsflugzeugen zur Unterstützung der
NATO in umkämpften Regionen Afghanistans beschlossen. Die Jets
sollen von Mitte April an einsatzbereit sein und anderen NATO-Truppen
Bilder für Angriffe auf Taliban-Stellungen liefern.
Selbst sollen sie nach der Entscheidung vom Mittwoch keine Luftangriffe
fliegen. Im Gegensatz zu dem deutschen Verteidigungsminister Franz
Josef Jung (CDU) sprach sein Amtsvorgänger, SPD-Fraktionschef
Peter Struck, von einem Kampfeinsatz. Die endgültige Entscheidung
trifft der deutsche Bundestag im März. Proteste kamen vor allem
aus den Reihen der Opposition und von Hilfsorganisationen.
Medico international kritisierte die bis zum 13. Oktober befristete
Mission, weil sich der Schwerpunkt damit weiter zu militärischen
Einsätzen verschiebe. Die Hilfsorganisation Help warnte vor
Gefahren für zivile Helfer. Diese würden von der
Bevölkerung zunehmend mit den Soldaten der kämpfenden Truppen
gleichgesetzt.
Die Flugzeuge sollen im nordafghanischen Masar-i-Scharif stationiert
werden. Sie können aber auch an anderen Orten operieren,
beispielsweise im besonders umkämpften Süden und an der
afghanisch-pakistanischen Grenze. Die Kosten des Einsatzes mit bis zu
500 Soldaten werden auf 35 Millionen Euro veranschlagt. Er bietet nach
den Worten von Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) den
Soldaten und der internationalen Schutztruppe ISAF sowie der
Bevölkerung zusätzlichen Schutz. In der Hauptstadt Kabul und
in Nord-Afghanistan ist die Bundeswehr bereits mit insgesamt fast 3000
Soldaten präsent.
Die Aufklärungsdaten sollen bei Bedarf auch an den
US-geführten Anti-Terrorkampf «Operation Enduring
Freedom» (OEF) weiter gegeben werden. Die gegenseitige
Unterstützung von ISAF und OEF sei eine geübte Praxis,
zitierte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm Außenminister
Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Jung aus dem Kabinett.
Jung sagte: «Ohne Sicherheit gibt es keinen Wiederaufbau und ohne
Wiederaufbau gibt es keine Sicherheit.» Er betonte:
«Aufklärung bedeutet einen zusätzlichen Schutz, und
Aufklärung ist nicht Kampfeinsatz.» Für den
SPD-Fraktionsvorsitzenden und ehemaligen Verteidigungsminister Peter
Struck ist die Mission dagegen ein Kampfeinsatz. Im Bonner
«General-Anzeiger» (Donnerstag) sagte er: «Es ist
ohnehin ein Kampfeinsatz. Das muss jeder wissen, der im Bundestag
darüber abstimmt.» Struck und sein Unionskollege Volker
Kauder (CDU) wollen die Abstimmung entgegen des sonst üblichen
Fraktionszwangs im Bundestag frei geben.
Nach Ansicht von Jung und Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan
bieten die Aufklärungsaufgaben vor allem zusätzlichen Schutz
vor der befürchteten «Frühjahroffensive» der
Taliban, die nach eigenen Angaben mit 2000 Selbstmordattentätern
bereit stehen. Die NATO wiederum hat für das Frühjahr eine
Offensive gegen die Taliban angekündigt.
Schneiderhan sagte, die NATO diskutiere seit zwei Jahren darüber,
dass sie nicht genügend Kapazitäten zur Luftaufklärung
in Kampfgebieten wie in Süd-Afghanistan habe. Durch die schweren
Gefechte der vergangenen Monate sei das Thema aber heute
drängender als etwa 2005. Beim NATO-Gipfel im November in Riga
hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die dringende Bitte von NATO-
Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer um Unterstützung im
Süden Afghanistans noch mit Verweis auf das deutsche Engagement im
Norden zurückgewiesen.
Nach Ansicht des Vorsitzenden der Linksfraktion, Oskar Lafontaine,
verwickelt die Regierung Deutschland direkt in den Krieg. «Dieser
Kurs torpediert alle Bemühungen um einen friedlichen Wiederaufbau
in Afghanistan, gefährdet das Leben deutscher Soldaten und holt
den Terror ins Land», sagte er.
Die FDP macht ihr Abstimmungsverhalten von weiteren Informationen
abhängig. «Wir werden den Vorschlag sehr ernsthaft
prüfen», sagte FDP-Partei- und Fraktionschef Guido
Westerwelle. So müsse sichergestellt sein, dass ein
Aufklärungseinsatz nicht zu einem deutschen Truppeneinsatz im
Süden Afghanistans führe. Die
Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast bezeichnete die
Kabinettsentscheidung als «noch nicht beschlussfähig»,
weil die Informationen der Bundesregierung «lückenhaft und
spärlich» seien.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Hamas und Fatah verhandeln in Mekka. Schusswechsel an
israelisch-libanesischer Grenze
Do.08.02.07 - Mit dem feierlichen Versprechen, im monatelangen Konflikt zwischen der
Hamas und der Fatah eine Lösung zu finden, haben Vertreter der
beiden rivalisierenden palästinensischen Organisationen in Mekka
Verhandlungen aufgenommen. «Wir sind hierher gekommen, ums uns zu
einigen», sagte Hamas-Führer Chaled Maschaal bei der
Eröffnungszeremonie in einem Königspalast am Mittwoch. Auch
Präsident Mahmud Abbas versicherte, er und die Fatah-Delegation
wollten die den Muslimen heilige Stadt nicht ohne eine
Verständigung in allen Punkten verlassen.
Als Zeichen der Einigkeit fuhren Abbas und Maschaal im selben Auto zu
den Gesprächen. Der palästinensische Ministerpräsident
Ismail Hanija von der Hamas sagte, er bitte Gott darum, dass das
Treffen einen Neuanfang ermögliche. Maschaal wandte sich an Abbas
und erklärte, sie müssten beide ihre Anhänger
auffordern, die am Sonntag vereinbarte Waffenruhe einzuhalten.
Die Delegationen dankten dem saudiarabischen König Abdullah
für die Einladung nach Mekka. Der König nahm an der ersten
Beratungsrunde am Morgen nicht teil.
Die seit Monaten geplante Bildung einer Regierung der nationalen
Einheit soll die blutigen Zusammenstöße zwischen
Kämpfern der Fatah und der Hamas im Gazastreifen beenden. Dabei
wurden bis zur Vereinbarung einer neuen Waffenruhe am Sonntag innerhalb
von vier Tagen mehr als 30 Menschen getötet und rund 200 verletzt.
Beobachter werteten die Gespräche als letzte Chance, einen
Bürgerkrieg zwischen Hamas und Fatah abzuwenden.
In den Autonomiegebieten kam es trotz der Bemühungen in Mekka zu
weiteren Spannungen. Im Gazastreifen überfielen nach Darstellung
der Hamas Abbas nahe stehende Sicherheitskräfte ein Fahrzeug mit
Kämpfern der radikalislamischen Organisation und erschossen einen
von ihnen. Vier weitere wurden verletzt. Außerdem schworen
Hamas-Leute Rache für einen Angriff auf die Universität von
Gaza in der vergangenen Woche. Im Westjordanland wurde am Mittwoch der
Geschäftsführer der dortigen Krankenhäuser, ein
Hamas-Anhänger, von Bewaffneten verschleppt.
Die israelische Außenministerin Zipi Livni erklärte am
Mittwoch, die Welt werde keine palästinensische Regierung
akzeptieren, die Israel das Existenzrecht abspreche. Die
palästinensische Regierung könne sich nur dann internationale
Legitimität verschaffen, wenn sie Gewalt und Terrorismus entsage,
Israel anerkenne und die Verträge zwischen Israel und den
Palästinensern einhalte.
Ähnlich äußerte sich die britische
Außenministerin Margaret Beckett, die sich zu einem Besuch in
Jerusalem aufhielt. Sie erklärte, selbst wenn Hamas und Fatah sich
auf die Bildung einer Regierung einigten, werde Großbritannien
weiterhin jeden Kontakt ablehnen, solange die Hamas Israel nicht
anerkenne und der Gewalt abschwöre.
An der israelisch-libanesischen Grenze haben sich Soldaten beider
Seiten am Mittwochabend ein Feuergefecht geliefert. Nach Darstellung
der israelischen Streitkräfte suchten die israelischen Truppen mit
Räumgerät an der Grenze zum Libanon nach eventuell von
Hisbollah-Kämpfern versteckten Bomben. Dabei seien die auf
israelischem Territorium befindlichen Soldaten beschossen worden -
offenbar von libanesischen Sicherheitskräften. Die eigenen
Soldaten hätten das Feuer erwidert.
Von libanesischer Seite hieß es, die eigenen Soldaten hätten
mit Maschinengewehren auf eine Planierraupe der israelischen
Streitkräfte geschossen, die die Grenze zum Libanon überquert
habe. Israelische Truppen auf der anderen Seite der Grenze hätten
daraufhin zurückgeschossen, es habe aber keine Verletzten unter
den Libanesen gegeben.
Es war der erste ernste Grenzzwischenfall seit dem Ende des Kriegs
zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz im vorigen Sommer. Der
Schusswechsel ereignete sich nahe der libanesischen Ortschaft Marun el
Rass, die im Sommer hart umkämpft war. Ein Sprecher der UN-Truppen
im Libanon bestätigte den Vorfall, konnte aber keine weiteren
Einzelheiten nennen.
(Quelle: ap)
USA richten Einsatzführungskommando für Afrika ein
Do.08.02.07 - Mit Blick auf das befürchtete Erstarken des Terrornetzwerks El
Kaida in Afrika wollen die USA ein neues Einsatzführungskommando
einrichten, um militärische Einsätze auf dem Kontinent besser
koordinieren zu können. Das neue Kommando werde die
Sicherheitszusammenarbeit verbessern und neue Möglichkeiten zur
Stärkung der afrikanischen Partner bieten, erklärte
US-Präsident George W. Bush. Seine Regierung werde sich hierzu mit
den politischen Führern in der Region beraten. Nach einem Bericht
der "Stuttgarter Zeitung" soll das Afrika-Kommando Africom zunächst
in Stuttgart angesiedelt werden.
US-Verteidigungsminister Robert Gates sagte vor dem
Streitkräfteausschuss des US-Senats, das neue
Einsatzführungskommando werde eine "leistungsfähigere
Herangehensweise" erlauben als die derzeitige Regelung, bei der sich das
Europa-Kommando und das vor allem für den Nahen Osten
zuständige Zentralkommando (Centcom) der US-Armee die
Zuständigkeit für Afrika teilen. Dies sei "eine überholte
Einrichtung, die noch aus dem Kalten Krieg übrig ist", sagte
Gates. Das Afrika-Kommando wird die fünfte US-Kommandozentrale
für eine bestimmte Region mit einem Vier-Sterne-General an der
Spitze.
Bush sagte, er werde mit den afrikanischen Verbündeten über
einen geeigneten Standort für das Einsatzkommando beraten. Als
angepeilten Termin für die Ansiedlung in Afrika nannte Bush Ende
2008. Nach Informationen der "Stuttgarter Zeitung" wird das
Afrika-Kommando zunächst in den Kelly Barracks im Stuttgarter
Stadtteil Möhringen angesiedelt. "Wir haben diese Woche mit dem
Umzug begonnen", sagte Eucom-Sprecherin Holly Silkman der Zeitung.
Mittelfristig solle der Standort Stuttgart durch mehr Personal
aufgewertet werden. Langfristig wolle man Africom in Afrika selbst
ansiedeln. "Das ist aber Zukunftsmusik."
Nach Einschätzung der USA finden in zahlreichen afrikanischen
Staaten Extremisten Unterschlupf. Washington will verhindern, dass
Mitglieder des El-Kaida-Netzwerks Afrika - wie bereits Afghanistan - als
so genannten sicheren Hafen nutzen. Laut US-Außenministerium ist
dies in Somalia bereits der Fall. Die Aktivitäten terroristischer
Elemente in dem Land gefährdeten die Stabilität am Horn von
Afrika, sagte die für Afrika zuständige
Vize-Außenministerin Jendayi Frazer.
(Quelle: afp)
Indiens Wirtschaft mit stärkstem Wachstum seit 18 Jahren
Do.08.02.07 - Die indische Wirtschaft wächst derzeit so kräftig wie seit
fast zwei Jahrzehnten nicht mehr.
In den zwölf Monaten bis einschließlich März werde die
viertgrößte Wirtschaft Asiens voraussichtlich um 9,2 Prozent
zulegen, prognostizierte die Regierung in Neu Delhi am Mittwoch in ihrer
ersten Wachstumsschätzung für das laufende Fiskaljahr. Damit
erreicht der Aufschwung auf dem Subkontinent mit rund einer Milliarde
Einwohnern fast chinesische Dimensionen - Indiens Rivale im Norden
legte 2006 um 10,7 Prozent zu. Bereits in den vergangenen drei Jahren
verbuchte Indien im Schnitt ein Wachstum von 8,3 Prozent.
Nur eine Woche nach der spektakulären Rekordübernahme des
britisch-niederländischen Stahlriesen Corus durch die indische Tata
Steel unterstreicht die Regierungsprognose die rasant wachsende
Bedeutung Indiens für die Weltwirtschaft. Ohne
Berücksichtigung der Inflation wird sich das Bruttoinlandsprodukt -
die Summe aller in Indien produzierten Waren und Dienstleistungen - in
diesem Jahr voraussichtlich auf etwa 900 Milliarden Dollar belaufen.
"Nächstes Jahr wird Indien wahrscheinlich die Schwelle von einer
Billion Dollar überschreiten und damit in die erste Liga
aufsteigen", sagte der Indien-Chefvolkswirt der britischen Bank Standard
Chartered in Bombay, Shuchita Mehta.
Volkswirte und die indische Notenbank hatten nicht damit gerechnet,
dass die Wirtschaft nach einem Wachstum von genau neun Prozent im
vergangenen Fiskaljahr noch einmal einen Gang zulegen kann. Der Boom in
Indien wird derzeit gleichermaßen von Industrie und Dienstleistern
vorangetrieben: Beide Wirtschaftszweige legen der Prognose zufolge um
gut elf Prozent zu. Dagegen wächst die Landwirtschaft lediglich um
knapp drei Prozent. Sie erwirtschaftet zwar nur ein Fünftel des
Bruttoinlandsprodukts, stellt aber 60 Prozent der Arbeitsplätze.
Die Regierung will das Wachstum bei über neun Prozent halten,
damit auch die 260 Millionen Armen des Landes etwas davon zu spüren
bekommen. Außerdem soll der Boom das hohe Haushaltsdefizit
reduzieren. Die Prognose trieb die indische Börse am Mittwoch auf
ein neues Rekordhoch. Einige Experten warnen jedoch, dass das Wachstum
bereits an seine Grenzen stößt - die Infrastruktur ist
überlastet, und die Notenbank dürfte angesichts der Inflation
von über sechs Prozent schon bald mit einer Zinssenkung der Bremse
etwas anziehen.
(Quelle: rtr)
Serbien fordert bei EU-Treffen Aufschub für Kosovo-Gespräche
Do.08.02.07 - Bei einem Treffen mit Spitzenvertretern der Europäischen Union hat
Serbien einen Aufschub der Verhandlungen über den künftigen
Status des Kosovo gefordert. Nach der Parlamentswahl vom 21. Januar sei
eine "minimale Verzögerung" zur Bildung der neuen Gremien
nötig, sagte der serbische Ministerpräsident Vojislav
Kostunica nach einem Treffen mit dem deutschen Außenminister
Frank-Walter Steinmeier (SPD), dem EU-Außenbeauftragten Javier
Solana und EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn in Belgrad. Zugleich
lehnte er eine Unabhängigkeit des Kosovo ab.
Steinmeier sprach von "offenen und ehrlichen Gesprächen". Er und
Solana hatten zuvor erklärt, die EU sei bereit, eine
geringfügige Terminverschiebung zu akzeptieren. Solana sagte nach
den Beratungen, Belgrad müsse "so schnell wie möglich" eine
neue Regierung bilden. Steinmeier sagte, für Serbien sei dies
"eine nicht einfache, aber eine wichtige Zeit". Das Land stehe vor
historischen Entscheidungen. "Europa hofft auf Serbien. Serbien
gehört zu Europa", sagte er. Die EU sei bereit, alles für
eine "europäische Perspektive für Serbien" zu tun. "Wir
wissen, dass die Kosovo-Frage keine einfache ist. Aber wir hoffen, dass
die serbische Regierung das Angebot, Gespräche zu beginnen,
annehmen wird und dass die Gespräche bald anfangen können."
Kostunica sagte, Serbien benötige noch etwas Zeit, um das neue
Parlament bilden zu können. Dieses sei auch für die
Entscheidungen über das Kosovo zuständig und für die
Bildung einer neuen Verhandlungsdelegation. Solana hatte zuvor gesagt,
die EU sei grundsätzlich bereit, der Bitte nach einer leichten
Verzögerung der für Mitte Februar geplanten
Kosovo-Gespräche nachzukommen. Sofern die serbische Führung
bereit sei, "positiv und konstruktiv" an den Verhandlungen
teilzunehmen, werde sich die EU nicht gegen einen leichten Aufschub
stellen. Wenn die geplanten Gespräche über das Kosovo vom 13.
auf den 15. Februar oder einige Tage länger verschoben
würden, sei das "keine enorme Veränderung".
UN-Vermittler Martti Ahtisaari hatte den Serben und den Kosovo-Albanern
am Freitag einen Plan vorgestellt, nach dem das Kosovo eine
multi-ethnische Gesellschaft werden soll, die sich auf demokratische
Weise verwaltet. Serbien lehnt eine Unabhängigkeit des zu 90
Prozent von ethnischen Albanern bewohnten Kosovo ab.
(Quelle: afp)
Prozess gegen französisches Satiremagazin wegen
Mohammed-Karikaturen
Do.08.02.07 - Ein Jahr nach den Unruhen wegen der Mohammed-Karikaturen hat in Paris
ein Prozess gegen das Satiremagazin «Charlie Hebdo»
begonnen, das die Zeichnungen abgedruckt hatte. Die Große Moschee
von Paris sowie der Verband der Islamischen Organisationen Frankreichs
(UOIF) hatten das Magazin wegen Beleidigung einer Religionsgemeinschaft
verklagt. Dem Verleger Philippe Val droht eine Haftstrafe von sechs
Monaten sowie eine Geldbuße von 22.000 Euro.
Der Prozess sorgt in Frankreich, wo schätzungsweise fünf
Millionen Muslime leben, für großes Aufsehen. Die linke
Tageszeitung «Libération» erschien am Mittwoch in
einer von den «Charlie Hebdo»-Redakteuren erstellten
Sonderausgabe, um gegen Zensur zu protestieren. Auf dem Titelblatt legt
eine bärtige Figur mit schwarzem Turban die Axt an einen Bleistift.
Die Zeitung zeigte zudem alle zwölf Karikaturen, die zuerst von
der dänischen Zeitung «Jyllands Posten» gedruckt
worden waren und einen Aufruhr in der islamischen Welt ausgelöst
hatten.
Ein Prozess gegen «Jyllands Posten» endete im Herbst mit
Freisprüchen. Das Verfahren vor dem Pariser Strafgerichtshof ist
bis Donnerstag angesetzt. «Charlie Hebdo» hatte im Februar
2006 zwei Karikaturen nachgedruckt, die Klage richtet sich zudem gegen
eine Zeichnung eines Redaktionsmitglieds, die auf der Titelseite
erschienen war. Darauf verbirgt Mohammed sein Gesicht in den
Händen. In einer Sprechblase heißt es: «Es ist schwer,
von Idioten geliebt zu werden.»
Magazin-Verleger Val erklärte den Prozess zu einem
«mittelalterlichen Verfahren». Die Karikaturen, von denen
eine Mohammed mit einem als Bombe geformten Turban zeigte, hätten
sich gegen den Terrorismus und nicht gegen Muslime gerichtet.
«Aber auch Religionen müssen kritisiert werden
dürfen», sagte er auf einer Pressekonferenz am Vorabend des
Prozessauftaktes.
(Quelle: ap)
Greenpeace und BUND lehnen CO2-Vorschlag der EU-Kommission ab
Do.08.02.07 - Greenpeace und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
(BUND) lehnen das EU-Konzept zum Klimaschutz bei Autos strikt ab. Die EU
sende das Signal aus, dass die Interessen der Industrie weiterhin vor
denen der Bevölkerung stünden, erklärte der
Greenpeace-Verkehrsexperte Wolfgang Lohbeck am Mittwoch in Hamburg. Beim
BUND hieß es, das von der EU anvisierte Ziel, bis 2012 die
CO2-Emissionen neuer Pkw im Flottendurchschnitt motorseitig auf 120
Gramm pro Kilometer zu senken, sei dem Druck deutscher Autohersteller
zum Opfer gefallen.
Greenpeace sprach von einer «schweren Niederlage».
«Deutschland entwickelt sich zum größten Bremsklotz
für den Klimaschutz.» Die Umweltorganisation erinnerte daran,
dass auf ihre Initiative bereits vor zehn Jahren ein Renault Twingo zu
einem hocheffizienten serientauglichen Auto umgebaut worden war, das im
offiziellen Messverfahren 3,3 Liter auf 100 Kilometer verbrauchte.
Der BUND erklärte, mit der Einberechnung unverbindlicher so
genannter «weicher Maßnahmen» werde der Autoindustrie
eine Hintertür geöffnet, durch die sie sich aus ihrer
Selbstverpflichtung zum Klimaschutz davonschleichen könne.
«Das Einrechnen optionaler technischer Sparmaßnahmen oder
des Biospriteinsatzes sind Taschenspielertricks, mit denen vom Versagen
insbesondere der deutschen Autohersteller abgelenkt wird»,
erklärte die BUND-Vorsitzende Angelika Zahrnt. «Entscheidend
ist immer, was hinten raus kommt - und das wird im Durchschnitt auch
2012 mehr sein als 120 Gramm CO2 pro Kilometer.»
(Quelle: ap)
Deutschland: Kohle-Ausstieg im Jahr 2018 steht
Do.08.02.07 - Der Kohle-Ausstieg in Deutschland ist beschlossene Sache: Bund und die
Bergbau-Länder einigten sich am Mittwochabend auf den Ausstieg aus
der Steinkohle-Förderung im Jahr 2018. Damit ist der Weg für
den im Herbst geplanten Börsengang des Essener Bergbau- und
Mischkonzerns RAG frei.
Bei einem Spitzentreffen in Berlin verständigten sich die
Bundesregierung und die Kohle-Länder Nordrhein-Westfalen und
Saarland darauf, dass NRW sich bereits ab Ende 2014 nicht mehr an den
Subventionen für die Kohle-Förderung beteiligen muss.
Der Bund trägt diese Kosten bis 2018 alleine. Nordrhein-Westfalen
mit seinen sieben Zechen spart damit nach Angaben des Bundes insgesamt
rund 468 Millionen Euro ein. Im Gegenzug verzichtet NRW auf weitere
Strukturhilfen für das Ruhrgebiet. NRW-Ministerpräsident
Jürgen Rüttgers (CDU) sagte, nach harten Verhandlungen habe
man ein sehr gutes Ergebnis erzielt: «Damit wird ein neues
Kapitel deutscher Industrie- und Wirtschaftsgeschichte
aufgeschlagen.»
Das Saarland mit einem Bergwerk, das keine Subventionen zahlt,
erhält im Gegensatz zur NRW eine einmalige Strukturhilfe von 100
Millionen Euro, die vom RAG-Konzern finanziert wird. Bund und
Länder zahlen derzeit jährlich bis zu 2,5 Milliarden Euro an
Zuschüssen für den Bergbau.
Der Ausstiegsbeschluss, der bald in Gesetzesform gebracht werden soll,
wird im Jahr 2012 vom Bundestag noch einmal überprüft. Nach
Angaben von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) müssen
die 34 000 Bergleute keine betriebsbedingten Kündigungen
fürchten: «Mit dieser grundlegenden Weichenstellung haben
die Beschäftigten des Bergbaus die nötige Sicherheit»,
sagte er. Dem Eckpunktepapier zufolge soll die jährliche
Fördermenge von heute etwa 25 Millionen Tonnen Steinkohle bis zum
Jahr 2012 auf 12 Millionen Tonnen halbiert werden.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte, jetzt gebe es
eine Perspektive für den RAG-Konzern und dessen mehr als 90 000
Beschäftigte. Zudem sei es wichtig, dass NRW «vier Jahre
lang von den so genannten Absatzhilfen für die laufende Produktion
freigestellt ist». Der stellvertretende
NRW-Ministerpräsident Andreas Pinkwart (FDP) sagte der dpa:
«Der Kohle-Ausstieg ist für NRW unumkehrbar. Die Ergebnisse
des Kohlegipfels sind eine historische Entscheidung.»
RAG-Chef Werner Müller kann nun den profitablen
«weißen Bereich» aus Immobilien, Kraftwerken und
Chemie an die Börse bringen. Zuvor soll der «schwarze
Bereich» mit der Steinkohle abgespalten und von einer noch zu
gründenden Stiftung verwaltet werden. Diese wird mit dem
erwarteten Börsenerlös von etwa 4,5 bis 5,5 Milliarden Euro
ausgestattet. Hinzu kommen weitere Zinserträge.
Mit dem erwarteten Gesamtvermögen der Stiftung von etwa acht
Milliarden Euro sollen die so genannten Ewigkeitskosten des Bergbaus
abgedeckt werden. Damit sind Folgeschäden wie absackende
Häuser und steigende Grundwasserpegel gemeint. Sollten die Mittel
dafür nicht ausreichen, muss die öffentliche Hand einspringen.
Bund und Länder einigten sich jetzt darauf, dass der Bund für
diesen Fall sich zu einem Drittel an den möglichen jährlichen
Kosten beteiligen würde. Noch geklärt werden müssen
rechtliche Details der künftigen Stiftung. Umstritten sind auch
die Besetzung und die künftigen Machtverhältnisse im
Kuratorium: «Die Mehrheitsverhältnisse im Kuratorium
müssen entsprechend den finanziellen Verpflichtungen ausgestaltet
werden», heißt es in dem Grundsatzbeschluss.
Der Chef der Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie (BCE), Hubertus
Schmoldt, sagte nach der Einigung in Berlin, man habe erreicht,
«was in der augenblicklichen politischen Konstellation
möglich war». Er setze sich weiter für einen
Sockelbergbau ein, weil dieser energiepolitisch sinnvoller sei.
Auch die nordrhein-westfälische SPD hält es weiterhin
für möglich, dass zwei bis drei Zechen dauerhaft in Betrieb
bleiben könnten. «Die entscheidenden Eckdaten für den
Steinkohlebergbau stehen unverändert», sagte die
SPD-Landesvorsitzende Hannelore Kraft mit Blick auf die
Revisionsklausel für 2012.
(Quelle: dpa)
Rechnungshof überprüft externe Mitarbeiter von Ministerien
Do.08.02.07 - Der Bundesrechnungshof will den Einsatz von externen Mitarbeitern bei
Ministerien überprüfen. Er wird noch im ersten Quartal alle
Ministerien befragen, ob und in welcher Funktion sie Mitarbeiter von
Unternehmen oder Verbänden beschäftigen, wie «Die
Zeit» am Mittwoch vorab berichtete. Mit Hilfe eines Fragebogens
werde ermittelt, wer die Personen bezahlt, die beispielsweise an
Gesetzen mitarbeiten, sagte Bundesrechnungshof-Sprecher Michael Reinert
der Wochenzeitung.
Geklärt wird demnach zudem, warum externe Beschäftigte in das
jeweilige Ministerium eingebunden sind und wie ihre Arbeitsergebnisse
verwendet werden. Es sei zu prüfen, ob die Neutralität des
Verwaltungshandelns gewährleistet oder durch von Verbänden
oder Unternehmen bezahlte Personen gefährdet sei, sagte Reinert.
Auch werde geprüft, ob Gelder des Bundes mittelbar in Richtungen
fließen, in die sie nicht sollen.
Erst Ende vergangenen Jahres ergab laut «Zeit» eine
parlamentarische Anfrage im Bundestag, dass viele Ministerien externe
Mitarbeiter aus Unternehmen oder Verbänden als Referenten oder
sogar Referatsleiter beschäftigen. Die Vergütung erfolgt
demnach jedoch meist aus der Wirtschaft, von den entsendenden Stellen.
Lediglich im Gesundheits- und im Verteidigungsministerium würden
die Vergütungen erstattet. Sechs Wochen zuvor hatte der
Parlamentarische Staatssekretär im Innenministerium, Peter
Altmaier, laut «Zeit» noch erklärt, alle für die
Bundesregierung tätigen Mitarbeiter würden auch von der
Bundesregierung bezahlt.
(Quelle: ap)
Zentralrat der Juden wirft Regierung Versagen im Kampf gegen
Rechtsextremismus vor
Do.08.02.07 - Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland,
Stephan Kramer, hat der Bundesregierung Untätigkeit im Kampf gegen
den Rechtsextremismus vorgeworfen. Die Regierung stelle sich dem
Problem kaum, sagte Kramer dem Berliner «Tagesspiegel»
(Donnerstagausgabe) laut Vorabbericht mit Blick auf einen neuen
Höchststand rechtsextremer Straftaten. Vor allem die
zuständige Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) tue
nichts für ein gesamtgesellschaftliches Konzept gegen
Rechtsextremismus, kritisierte der Generalsekretär. Das
Bundesfamilienministerium wies den Vorwurf zurück.
Nach vorläufigen Zahlen des Bundesinnenministeriums ist die
rechtsextrem und ausländerfeindlich motivierte Kriminalität
in Deutschland 2006 auf den höchsten Stand seit sechs Jahren
gestiegen. Demnach wurden für das vergangene Jahr 12 238 politisch
rechts motivierte Straftaten registriert, davon 726 Gewalttaten und
8738 Propagandadelikte.
Kramer monierte, die Politik behindere zivilgesellschaftliche
Initiativen mehr, als dass sie diese unterstütze. Angesichts der
neuen Zahlen sprach er von einem «eindeutigen Trend nach
oben». Ein «Weiter so wie bisher» halte er für
«extrem gefährlich». Zugleich würdigte Kramer,
dass Polizei und Justiz mittlerweile sensibler mit dem Thema umgingen.
Das Bundesfamilienministerium wies den Vorwurf zurück, die
Bundesregierung tue nichts für ein gesamtgesellschaftliches
Konzept gegen Rechtsextremismus. Das Gegenteil sei richtig. Das
Ministerium habe ein breit angelegtes, mit 19 Millionen Euro
ausgestattetes Programm erfolgreich auf den Weg gebracht, für das
mehr und erstmals dauerhaft Fördermittel zur Verfügung
stünden.
Im neuen Konzept «Jugend für Vielfalt, Toleranz und
Demokratie - gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und
Antisemitismus» seien Länder, Kommunen und Zivilgesellschaft
stark eingebunden, um die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit zu verbessern.
Für den Aufbau von Beratungsnetzwerken und bundesweit einsetzbaren
schnellen Kriseninterventionsteams habe der Bundestag weitere fünf
Millionen Euro bereitgestellt.
(Quelle: ddp)
Zwei Jugendliche überfallen Schulklasse in Bielefeld
Do.08.02.07 - Zwei Jugendliche haben im nordrhein-westfälischen Bielefeld eine
Schulklasse während des Sport-Unterrichts überfallen.
Sie hätten die rund 30 Schüler einer elften Klasse und ihre
Lehrerin in einer Turnhalle im Stadtzentrum mit einer
Schreckschusspistole bedroht, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. Die
beiden Täter seien festgenommen worden. Möglicherweise
hätten einzelne Schüler schon vorab Kenntnis von dem
Überfall gehabt. Es gebe Hinweise in diese Richtung. Der
Hintergrund sei aber noch unklar.
Die zwei 16 und 17 Jahre alten Jugendlichen seien mit Sturmhauben
maskiert am frühen Dienstagabend in die Sporthalle des Gymnasiums
eingedrungen, sagte der Sprecher. Sie hätten die Schüler
gezwungen, sich auf den Boden zu legen. Dann sollten die
Überfallenen ihre Wertsachen wie Handys und Brieftaschen
herausgeben. Den Schülern sei es aber gelungen, einen der
Täter zu überwältigen und später der Polizei zu
übergeben. Der zweite Täter konnte zunächst fliehen, doch
auch ihn nahmen die Beamten fest. Die beiden Täter wurden bereits
verhört und sollten im Laufe des Tages dem Haftrichter
vorgeführt werden.
(Quelle: rtr)
Hochschulen fehlen laut Expertin fünf Milliarden Euro
Do.08.02.07 - Trotz des Hochschulpakts fehlen den Universitäten in Deutschland
rund fünf Milliarden Euro zur Bewältigung des erwarteten
Studierendenansturms. Die Bildungsökonomin Helga Meyer vom Centrum
für Hochschulentwicklung in Gütersloh sagte der
«Zeit», wenn der Hochschulpakt 2010 ende, beginne
langfristig erst das richtige Hoch. «Bis 2023 bleiben die
Studierendenzahlen auf einem Niveau, das deutlich über dem heutigen
liegt», sagte Meyer laut einer Vorabmeldung vom Mittwoch.
Wenn die Hochschulen ausreichend ausgestattet würden, könne
das Studierendenhoch allerdings eine Chance für Deutschland sein,
erklärte Meyer. «Hochschulabsolventen sind Treiber der
Arbeitsproduktivität und der Innovation. Die jungen Menschen, die
in den kommenden Jahren an die Tore unserer Universitäten klopfen
werden, können helfen, unseren Bedarf an hoch qualifizierten
Arbeitskräften zu decken.» Das könne die Folgen des
demographischen Wandels in Deutschland mildern.
Im Hochschulpakt haben Bund und Länder zusammen 565 Millionen Euro
zur Verfügung gestellt, um 90.000 zusätzliche
Studienplätze zu schaffen. Die Hochschulen erwarten einen Anstieg
der Studierendenzahlen, weil in den kommenden Jahren die Kinder der
Babyboomer-Generation die Schule beenden und mehr junge Menschen ein
Studium anstreben.
(Quelle: ap)
Starke Atemnot ernst nehmen
Do.08.02.07 - Ob ausgelöst durch Allergien oder einen Virusinfekt: Asthma kann
sich plötzlich und unerwartet im menschlichen Körper
entwickeln. «Typisch für diese Lungenkrankheit ist eine
starke Luftnot, die beispielsweise durch Rauch, kalte Luft oder
Anstrengung ausgelöst wird», sagt Professor Dieter
Köhler, Präsident der Deutschen Gesellschaft für
Pneumologie und Beatmungsmedizin. Auch die plötzliche Atemnot im
Bett, speziell zwischen 4.00 und 6.00 Uhr könne ein erstes
Anzeichen für Asthma sein.
Wer regelmäßig das Gefühl hat, nicht mehr genügend
Luft zum Atmen zu bekommen, ist beim Hausarzt an der richtigen Adresse.
«Ein Lungenfunktionstest sollte immer der erste Schritt sein.
Damit können andere Ursachen ausgeschlossen werden», betont
Köhler. Vermutet der Arzt Asthma als Auslöser, verweist er den
Patienten meist an einen Lungenfacharzt. «Dieser kann mit einem
so genannten Provokationstest die Krankheit sicher
diagnostizieren», sagt Köhler.
Gängige Therapie bei Asthma ist die Kortison-Inhalation.
«Das Spray muss allerdings auf Dauer verwendet werden - auch wenn
sich nach etwa vier Wochen eine deutliche Besserung zeigt», sagt
der Arzt. Um bei einem akuten Anfall reagieren zu können,
können die Patienten so genannte Lungenöffner erhalten. Diese
Sprays sind schnell wirksam und beenden die Luftnot.
(Quelle: ddp)
Strom vom eigenen Feld
Do.08.02.07 - Shada Mkinga baut ihren Strom jetzt selbst an. Zusammen mit ihren
Mitschülerinnen züchtet die 17-jährige Tansanierin
Sträucher der Jatropha-Pflanze, die ihr schon in diesem Jahr
Treibstoff zur Energieerzeugung ihrer Haushaltungsschule liefern sollen.
Der Pflanzenöl-Anbau in Mbinga in Südwesttansania ist Teil
eines Kooperationsprojekts deutscher Politik und Wirtschaft mit
Ordensschwestern vor Ort, mit der die Stromversorgung und damit die
Entwicklung in ländlichen Regionen Afrikas gefördert werden
soll.
«Das ist eine gute Sache, und das wird ein Erfolg», zeigt
sich Schulleiterin und Ordensschwester Kaja Peric überzeugt. Die
Vinzentinerin ist vor Ort die tragende Kraft des Jatropha-Projekts,
für das sich das Mutterhaus im schwäbischen Untermarchtal aus
ökologischen und ökonomischen Gründen entschieden hat.
20.000 Sträucher haben Schwester Kaja und ihre Schülerinnen
schon angepflanzt, 30.000 weitere sollen in Kürze hinzukommen. Das
erste Öl wollen die Schülerinnen noch in diesem Jahr aus den
Jatropha-Nüssen pressen, in einigen Jahren soll es den bisher
benötigten Diesel ganz ersetzen: Zusammen mit einer kürzlich
installierten Solaranlage soll so die Stromversorgung für Schule,
Schwesternhäuser, Werkstätten und Krankenstation gesichert
sein.
Schon die Solarpaneele auf dem Klosterdach haben den Schülern und
Arbeitern dringend benötigte Energie gebracht und die
Abhängigkeit von importiertem Erdöl reduziert. Für die
Maschinen in der Schreinerei oder für die Metallwerkstatt aber
reicht der Solarstrom nicht, und auch in der Regenzeit könnte es
knapp werden. Deshalb nutzen die Schwestern einen zusätzlichen
Generator, der nun auch mit Pflanzenöl betrieben werden kann.
Die Jatropha Curcas überzeugt dabei mit vielen Vorteilen:
«Sie liefert Öl, das CO2-neutral verbrennt, sie wächst
auch auf schlechtem Boden und steht damit nicht in Konkurrenz zur
Nahrungsmittelproduktion, ihr Anbau schafft Einkommen für die
Bevölkerung, und aus den ausgepressten Abfallstoffen der
Jatropha-Nüsse lässt sich auch noch Biogas und Dünger
gewinnen», sagt Bernd Wolff von der Kölner Firma Energiebau,
der die Anlage in Mbinga aufgebaut hat. «Die Jatropha-Pflanze
lässt vielfältige Nutzung innerhalb eines ökologischen
Kreislaufs zu.»
Die Solar-Hybrid-Anlage in Mbinga entspringt einem Kooperationsprojekt
von InWEnt (Internationale Weiterbildung und Entwicklung), dena
(Deutsche Energie-Agentur), Energiebau und den Vinzentinerinnen.
«Eine an die lokalen Verhältnisse sehr gut angepasste Art der
Energiegewinnung», lobt Matthias Raab von der dena, als er sich
vor Ort ein Bild von der Verwendung der Fördergelder macht.
«Sie eignet sich auch für viele weitere Entwicklungs- und
Schwellenländer des Tropengürtels: In abgelegenen Gebieten
sind derzeit Dieselgeneratoren häufig die einzige Stromquelle, ein
Netzausbau ist oft nicht tragbar. Mit solaren Hybridsystemen können
zum Beispiel abgelegene Dörfer oder größere
Einrichtungen wie Krankenstationen oder Schulen sicher und
ökonomisch sinnvoll versorgt werden.»
Mehr als 500 Millionen Menschen in Afrika südlich der Sahara haben
nach Angaben von InWEnt keinen Zugang zu Energieversorgung. Das hemme
nicht nur Wirtschaft und Handwerk, sondern habe auch gravierende
Auswirkungen auf Bildung und Gesundheitsversorgung, betont Projektleiter
Michael Funcke-Bartz. «Ohne Strom können beispielsweise auch
die nötigen Kühl- und Desinfektionsgeräte nicht
betrieben werden.»
«Die neuen Anlagen mit erneuerbaren Energiequellen erweisen sich
als sehr zukunftsträchtig», sagt Funcke-Bartz. Jatropha als
Brennstoff-Komponente helfe dabei bei der Umsetzung vieler
entwicklungspolitischer Ziele: «Dahinter steckt vor allem die
Idee, statt Erdöl lokal angebaute landwirtschaftliche Produkte zu
nutzen», erklärt der InWEnt-Projektleiter. «Jatropha
kommt dabei eine besondere Chance zu. Die Pflanzen können auch in
Gegenden angebaut werden, wo der Boden karg ist. Sie stehen damit nicht
in Konkurrenz zu anderen landwirtschaftlichen Produkten, die die
Menschen zur Ernährung brauchen, und sie bieten neue
Einkommensmöglichkeiten, gerade auch für Frauen.»
Auch Shada und ihre Mitschülerinnen können sich jetzt ein
paar Shillinge dazu verdienen. Sie haben noch viel vor: «Wir
pflanzen die Jatropha überall ums Kloster herum»,
kündigt Schwester Kaja an. In langen Reihen werden die
Bäumchen künftig um Felder und Gärten sprießen -
und damit ihrer Vielfalt ein weiteres Mal gerecht: Die bereits seit
Jahrhunderten genutzten Pflanzen bilden ideale Schutzhecken gegen Ziegen
und Kühe, die sich gerne an den Mais- und Gemüsepflanzen
gütlich tun.
(Quelle: ap)