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Aktuelle Nachrichten
Irak am neunhundertfünfundfünfzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Nach irakischen Angaben 45 Zivilisten bei US-Angriff getötet.
Mindestens 30 Tote bei zwei Autobombenanschlägen. US-Armee nimmt
irakischen Vize-Minister fest
Fr.09.02.07 - Ein US-Luftangriff westlich von Bagdad hat am Donnerstag nach
irakischen Angaben 45 Zivilpersonen das Leben gekostet. Unter den
Todesopfern seien Frauen, Kinder und alte Menschen, sagten Polizisten
und Krankenhausmitarbeiter nach dem Angriff auf das Dorf Saidan
südlich von Abu Ghraib. Die amerikanischen Streitkräfte
teilten dagegen mit, bei Amirija rund 40 Kilometer westlich der
Hauptstadt seien 13 Rebellen getötet worden. Die Luftangriffe
hätten zwei Häuser zerstört.
Der Arzt Thamir al Dulaimi erklärte im nahe gelegenen Falludscha,
weitere 20 Verletzte aus dem Dorf würden medizinisch behandelt.
Die US-Streitkräfte erklärten in einer Stellungnahme unter
Berufung auf Geheimdienstinformationen, in den beiden Häusern
hätten sich mutmaßliche Aufständische aufgehalten. Kurz
vor dem Angriff seien fünf Extremisten festgenommen und ein
Waffendepot gefunden worden.
Bei zwei Autobombenanschlägen im Irak sind mindestens 30 Menschen
getötet und mehr als 50 weitere verletzt worden. In der Ortschaft
El Asisija rund siebzig Kilometer südlich der Hauptstadt Bagdad
kamen bei einem Attentat auf einem Markt nach neuen Angaben aus
Sicherheitskreisen mindestens 20 Menschen ums Leben. Mehr als 45
Menschen seien verletzt worden. Das örtliche Krankenhaus war den
Angaben zufolge mit der Versorgung der Verletzten völlig
überlastet. Die schiitische Stadt war bislang von
Terror-Anschlägen verschont geblieben.
In Bagdad explodierte eine Autobombe in der Nähe einer
sunnitischen Moschee und tötete jüngsten Krankenhausangaben
zufolge zehn Menschen. Weitere 15 seien verletzt worden. Im 60 Kilometer
nordöstlich von Bagdad gelegenen Baakuba kamen bei einem Angriff
auf eine Polizei-Patrouille vier Polizisten und ein Zivilist ums Leben.
Bei Angriffen mit Mörsergranaten wurden in Suaira vier Menschen
verletzt. Bei zwei Anschlägen am Mittwochabend waren sieben
Menschen getötet und zwölf weitere verletzt worden. Im
nordirakischen Mossul wurden am Donnerstag zehn Leichen von Erschossenen
gefunden, 17 weitere 50 Kilometer südlich von Bagdad.
Die US-Armee hat zu Beginn ihrer groß angekündigten
Militäraktion gegen Terroristen und Milizen in Bagdad den
stellvertretenden Gesundheitsminister Hakim al-Samili festgenommen.
Am Donnerstag stürmten amerikanische Soldaten in Begleitung
irakischer Sicherheitskräfte das Gesundheitsministerium, das als
Hort schiitischer Terror-Milizen gilt. Ein Ministeriumssprecher sagte,
die Soldaten hätten in die Luft geschossen und Zerstörungen
angerichtet.
Al-Samili gehört genau wie sein Chef, Minister Ali al-Schammari,
der Bewegung des radikalen Schiiten-Predigers Muktada al-Sadr an. In
einer Erklärung des US-Militärs hieß es, Al-Samili sei
in die Ermordung von sieben Beamten des Ministeriums verwickelt.
Außerdem habe er Millionen von US-Dollar an Bestechungsgeldern
kassiert und diese an die Sadr-Miliz («Mahdi-Armee»)
weitergeleitet. Der Gesundheitsminister forderte die sofortige
Freilassung seines Stellvertreters. In den staatlichen Kliniken sollen
die Sadr- Milizionäre mehrfach sunnitische Patienten und deren
Angehörige getötet sowie missliebige Ärzte terrorisiert
haben.
Die Sadr-Bewegung ist an der Regierungskoalition des schiitischen
Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki beteiligt. Amerikanische
Offiziere hatten am Mittwoch erklärt, der neue Sicherheitsplan
für Bagdad sei ein Prozess mit vielen Einzelschritten und keine
große militärische Offensive. Eine von sunnitischen
Abgeordneten verlangte Befragung von Verteidigungsminister Abdelkader
Mohammed Dschasim zu dem Sicherheitsplan fand am Donnerstag im
Parlament unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Die sunnitische Islamische Partei forderte die Regierung auf, endlich
auch etwas gegen Milizen zu unternehmen, die unter dem Deckmantel der
Sicherheitskräfte operierten. Die Angriffe dieser Milizen auf
Wohnviertel in Bagdad hätten in den vergangenen zwei Wochen stark
zugenommen, erklärte die Partei. Auch lasse die US-Armee die
Milizionäre gewähren, da diese bei ihren kriminellen Taten in
den Uniformen der staatlichen Sicherheitskräfte aufträten.
(Quellen: afp, ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 09.02.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhunderteinundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.09.02.06 - US-Vertreter sprechen laut Diplomaten mit irakischen
Aufständischen +++ Irakischer Hochschulminister entgeht Anschlag
unverletzt +++ Weiter kein Kontakt zu Kidnappern der deutschen Irak-Geiseln +++ Polen
schließt Verlängerung des Irak-Einsatzes bis 2007 nicht aus...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0602090.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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NATO-Mitglieder nicht begeistert von Truppenforderung für
Afghanistan-Mission
Fr.09.02.07 - Die NATO ist mit ihrer Forderung nach mehr Soldaten für ihre
Afghanistan-Mission auf nur wenig Resonanz bei den 26 Mitgliedstaaten
der Allianz gestoßen.
Bei einem Treffen der NATO-Verteidigungsminister am Donnerstag in
Sevilla machten wichtige Bündnispartner wie Deutschland,
Frankreich, Italien und das Gastgeberland Spanien klar, dass sie keine
Erhöhung ihrer Truppenkontingente planen. Die USA und
Großbritannien unterstützten dagegen das Verlangen der
NATO-Militärführung nach einer Verstärkung der derzeit
rund 35 000 Mann starken Afghanistan-Schutztruppe ISAF.
Deutschlands Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) lehnte einen
Einsatz der gut 20.000 Mann starken schnellen Einsatztruppe der NATO in
Afghanistan ab. Er räumte in der südspanischen Metropole
jedoch ein, dass das Thema im Bündnis umstritten ist. Die
«NATO Response Force» (NRF) war 2003 gegründet worden
und wird alle sechs Monate neu aus unterschiedlichen Einheiten
zusammengesetzt.
«Wir haben die Entscheidung getroffen, dass die NRF für
Krisen und Konfliktbeseitigung in Betracht kommt. Und dabei sollten
wir, denke ich, auch bleiben», sagte Jung. Er widersprach damit
seinem dänischen Kollegen Søren Gade, der Einheiten der NRF
zur Verstärkung der Afghanistan-Schutztruppe ISAF einsetzen
möchte.
In Deutschland entfachte derweil der Regierungsbeschluss zum Einsatz
von sechs Tornado-Aufklärungsflugzeugen zur Luftaufklärung in
Afghanistan eine Diskussion über die Risiken für die Piloten
und den Charakter der Mission. Der Wehrbeauftragte des deutschen
Bundestages, Reinhold Robbe (SPD), sprach von teilweise
unkalkulierbaren Gefahren. «Auch diese Mission ist - ebenso wie
andere - keine Kaffeefahrt», sagte er der «Neuen
Osnabrücker Zeitung».
Für SPD-Fraktionschef Peter Struck ist die Verlegung der
Luftwaffen-Tornados «ein Kampfeinsatz». Der Vorsitzende des
Bundeswehrverbands, Bernhard Gertz, hält die Gefahren dagegen
für kalkulierbar. Jung hatte betont: «Aufklärung ist
nicht Kampfeinsatz.» Das Parlament will im März
endgültig entscheiden.
NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer bekräftigte die
Entschlossenheit der Allianz, den Kampf gegen die radikalislamischen
Taliban zu verstärken. «Es werden mehr
NATO/ISAF-Streitkräfte in Afghanistan stationiert werden, damit
die Möglichkeiten zu einem Wiederaufbau und zur Entwicklung des
Landes verbessert werden», sagte er zur Eröffnung des
Treffens. Die NATO werde nicht zulassen, dass die Taliban Afghanistan
«zurück ins Mittelalter führen».
Im Afghanistan-Konflikt wurden 2006 über 4000 Menschen
getötet, darunter 170 ausländische Soldaten - mehr als in den
anderen Jahren seit dem Sturz des Taliban-Regimes 2001 durch eine
US-geführte Militärintervention. Der
NATO-Generalsekretär räumte ein, dass das Militär allein
den Afghanistan-Konflikt nicht lösen könne. «Die
Lösung kann letzten Endes nur eine zivile sein. Aber wir brauchen
das Militär, um dies zu ermöglichen.»
NATO-Oberbefehlshaber Bantz Craddock forderte 1500 bis 2000 Soldaten
zur Verstärkung der Afghanistan-Schutztruppe ISAF. «Wir
wissen noch nicht, woher wir die bekommen», sagte ein Diplomat.
Die USA hatten schon vor dem Treffen zuvor 3000, Großbritannien
800 und Polen 1000 zusätzliche Soldaten zugesagt: «Man kann
nicht behaupten, dass nicht auch auch die Europäer mehr
tun», sagte NATO-Sprecher James Appathurai. Die von Craddock
genannte Zahl kommt zu den bereits zugesagten Verstärkungen hinzu.
Die Truppe braucht auch mehr Hubschrauber und Transportflugzeuge. Auch
US-Verteidigungsminister Robert Gates forderte den Diplomaten zufolge,
die NATO müsse jetzt die von den Taliban ausgehende Bedrohung
beenden.
(Quelle: dpa)
Ayatollah Chamenei warnt USA vor Angriff auf Iran
Fr.09.02.07 - Der oberste geistliche Führer im Iran, Ayatollah Ali Chamenei, hat
die USA vor einem Angriff auf sein Land gewarnt. Eine Invasion
würde eine «umfassende Reaktion gegenüber den Angreifern
und seinen Interessen in der ganzen Welt» nach sich ziehen, sagte
Chamenei am Donnerstag in einer im staatlichen Fernsehen
übertragenen Rede. Es gebe Stimmen, wonach US-Präsident George
W. Bush nicht die Konsequenzen seines Handelns bedenke. «Aber es
ist möglich, solche Personen zur Klugheit zu bringen.»
Der Ayatollah nahm auch zu Gerüchten über seinen
Gesundheitszustand Stellung, die er «Feinden des islamischen
Systems» zuschrieb. «Aber sie wissen nicht, dass sie es
nicht mit einer Person im Iran zu tun haben. Sie stehen einer Nation
gegenüber», sagte Chamenei. Im Januar hatte US-Präsident
Bush die Truppen im Irak ermächtigt, iranische Agenten bei
Hinweisen auf eine Verwicklung in Gewalttaten entweder festzunehmen
oder zu töten. Zudem haben die USA einen zweiten
Flugzeugträger in die Golfregion entsandt.
Im Streit über das Teheraner Atomprogramm hat der
UN-Sicherheitsrat im Dezember begrenzte Strafmaßnahmen gegen den
Iran beschlossen. Washington will sich für weitere Sanktionen
einsetzen, sollte die Regierung auch künftig die Forderung nach
einer Einstellung der Urananreicherung ignorieren.
Russland rief den Iran am Donnerstag auf, in dem Konflikt ein Zeichen
gutes Willen zu geben. Außenminister Sergej Lawrow sagte Chameneis
Gesandten Ali Akbar Welajati, Moskau hoffe auf eine positive Antwort.
«Mit gutem Willen auf allen Seiten können wir eine faire
Lösung auf der Grundlage des Völkerrechts finden»,
sagte Lawrow vor Beginn seiner Gespräche mit Welajati in Moskau.
(Quelle: ap)
Verhandlungen über nordkoreanisches Atomprogramm in Peking
Fr.09.02.07 - Vertreter von sechs Staaten haben am Donnerstag in Peking neue
Gespräche zum nordkoreanischen Atomprogramm aufgenommen. Der
nordkoreanische Unterhändler Kim Kye Gwan sagte nach seiner Ankunft
in der chinesischen Hauptstadt, Pjöngjang sei bereit, über
erste Schritte zu einem Ausstieg aus dem Atomprogramm zu sprechen. Mit
seiner Äußerung weckte er die Hoffnung auf greifbare
Fortschritte bei den vor mehr als drei Jahren begonnenen Verhandlungen,
die bislang ergebnislos verliefen. An den Sechsergesprächen nehmen
neben Nordkorea und China auch die USA, Südkorea, Japan und
Russland teil.
Unmittelbar vor Beginn der neuen Gesprächsrunde berichtete eine
japanische Zeitung am Donnerstag von einer Einigung zwischen Washington
und Pjöngjang auf gleichzeitige Schritte zur Lösung des
Streits. Bei Gesprächen Mitte Januar in Berlin sei ein Memorandum
unterzeichnet worden, das zeitgleiche Maßnahmen zur
Denuklearisierung und zum Aufbau amerikanischer Unterstützung auf
dem Energiesektor vorsehe, meldete die «Asahi Shimbun» unter
Berufung auf Regierungskreise beider Seiten.
US-Unterhändler Christopher Hill wies den Bericht zurück. Es
sei keinerlei Dokument unterzeichnet worden, sagte er vor Journalisten.
Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass in den Gesprächen in
Peking Fortschritte erzielt werden könnten.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Hamas und Fatah unterzeichnen Vereinbarung über Machtteilung
Fr.09.02.07 - Die rivalisierenden palästinensischen Organisationen Hamas und
Fatah haben sich bei ihrem Versöhnungsgipfel in Mekka auf eine
Machtteilung in der Regierung geeinigt und damit einen drohenden
Bürgerkrieg abgewendet. Präsident Mahmud Abbas von der Fatah
und der politische Führer der radikalislamischen Hamas, Chaled
Maschaal, unterzeichneten am Donnerstag in dem saudiarabischen
Wallfahrtsort eine entsprechende Grundsatzvereinbarung. Die Hamas
verspricht darin auch, bisherige Friedensvereinbarungen mit Israel zu
«respektieren».
Ob dies der internationalen Gemeinschaft, wie einen Finanzboykott gegen
die bisherige von der Hamas geführte Regierung verhängt hat,
genügen wird, war aber noch unklar. Auch die israelische
Regierungssprecherin Miri Eisin ließ dies in einer ersten
Reaktion auf die Vereinbarung offen. Die Palästinenser
müssten die drei Prinzipien der internationalen Gemeinschaft
akzeptieren, erklärte sie: «Anerkennung Israels,
Akzeptierung aller bisherigen Abkommen und die Zurückweisung von
Terror und Gewalt».
In den palästinensischen Gebieten wurde die Vereinbarung gefeiert.
Im Gazastreifen fielen Freudenschüsse, als die Einigung
verkündet wurde. Feuerwerkraketen wurden abgeschossen.
Mit der Bildung der neuen Regierung der nationalen Einheit betraute
Präsident Abbas den bisherigen Ministerpräsidenten Ismail
Hanija von der Hamas. Das ist in einem Schriftstück festgelegt,
das Präsidentenberater Nabil Amr bei der Unterzeichnungszeremonie
verlas. Demnach soll die neue Regierung innerhalb von fünf Wochen
gebildet werden. Abbas sagte, die Vereinbarung werde das
palästinensische Volk zufrieden stellen und Frieden bringen.
Maschaal hob die Einigkeit der Palästinenser hervor.
Die Vereinbarung regelt auch die Verteilung der Kabinettsposten in der
neuen Regierung. Das Amt des Innenministers werde an einen
unabhängigen Kandidaten gehen, der von der Hamas vorgeschlagen und
vom Fatah-Vorsitzenden, Präsident Abbas, gebilligt werde, sagte
Fatah-Delegationsmitglied Maher Mekdad schon vor der Unterzeichnung der
Übereinkunft.
Bis zuletzt wurde um das Verhältnis der Autonomieregierung zu
Israel gerungen. Die Hamas lehnte es ab, sich in einer Erklärung
zur Anerkennung der mit Israel geschlossenen Friedensverträgen zu
verpflichten. Die Regierungspartei erklärte sich aber zu der
Formulierung bereit, die Abkommen zu respektieren. Damit habe die Fatah
kein Problem, sagte Delegationssprecher Amr. Die Organisation werde
jeder Wortwahl zustimmen, die die internationale Gemeinschaft für
ausreichend erachte, um den Finanzboykott zu beenden.
Ein Fatah-Delegierter teilte mit, Abbas habe den saudiarabischen
Außenminister Saud al Faisal gebeten, bei den USA zu sondieren,
ob die Formulierung für sie akzeptabel sei. Der Westen macht von
der Anerkennung der bisherigen Abkommen mit Israel und einem
Gewaltverzicht der Hamas die Wiederaufnahme der Finanzhilfen an die
Autonomiebehörde abhängig.
(Quelle: ap)
Bolivische Minenarbeiter beenden Protest
Fr.09.02.07 - Nach Zugeständnissen der Regierung haben tausende bolivianische
Bergbauarbeiter ihren Protest in La Paz beendet. Die Regierung von
Präsident Evo Morales sicherte den Bergbaukooperativen am Mittwoch
Investitionen von umgerechnet 7,7 Millionen Euro zu. Schon vor dem am
Dienstag beginnenden Protestmarsch war den Kooperativen zugesagt worden,
dass eine geplante Steuererhöhung sie nicht betreffen solle.
Dessen ungeachtet marschierten jedoch mehr als 20.000 aufgebrachte
Arbeiter nach La Paz und blockierten die Straßen im Stadtzentrum.
(Quelle: ap)
Zusammenstöße zwischen Baumwollbauern und Polizei in Paraguay
Fr.09.02.07 - Bei Protesten gegen Festpreise für Baumwolle ist es in Paraguay zu
blutigen Zusammenstößen zwischen Landwirten und
Sicherheitskräften gekommen. 27 Bauern und elf Polizisten wurden am
Mittwoch bei den Auseinandersetzungen nahe der Stadt Curce Tacuar
nördlich von Asuncion verletzt, wie die Behörden mitteilten.
Die protestierenden Landwirte hätten zuvor versucht, eine
Straßensperre aufzubauen. Die Sicherheitskräfte seien
eingeschritten. Die Baumwollbauern demonstrierten am Mittwoch landesweit
gegen von der Regierung festgesetzte Kilopreise von umgerechnet rund 20
Cent. Sie verlangen mindestens 30 Cent.
(Quelle: ap)
Weltweite Arbeitslosigkeit auf Rekordniveau
Fr.09.02.07 - Die Zahl der Arbeitslosen weltweit hat mit mehr als 195 Millionen im
vergangenen Jahr einen Höchststand erreicht. Damit waren laut einem
UN-Bericht rund 6,3 Prozent aller Menschen arbeitslos. 1995 waren es
noch sechs Prozent gewesen. Fast die Hälfte der Arbeitslosen ist
demnach zwischen 15 und 24 Jahre alt, obwohl diese Jugendlichen nur ein
Viertel der arbeitsfähigen Bevölkerung ausmachen. Zwischen
1995 und 2005 stieg die Arbeitslosigkeit in dieser Gruppe von 12,1 auf
13,7 Prozent. Die UN-Kommission für soziale Entwicklung wollte am
Donnerstag über die Studie beraten.
«Die am meisten ernüchternde Tatsache ist, dass
Beschäftigung immer weniger sicher wird», erklärte der
stellvertretende iranische UN-Botschafter und Kommissionsvorsitzende,
Mehdi Danesch-Jasdi. «Prekäre Arbeitsbedingungen sind heute
in vielen Fällen eher die Regel als die Ausnahme.» Vor allem
der wachsende Wettbewerb im Zuge der Globalisierung hat dem UN-Bericht
zufolge zu einer geringeren Sicherheit von Arbeitsplätzen
geführt.
Auch die Arbeitslosigkeit behinderter Menschen sei
überdurchschnittlich hoch, betonte Danesch-Jasdi. Neben Migranten
und Ureinwohnern würden sie auf dem Arbeitsmarkt am stärksten
benachteiligt. In einigen Staaten seien bis zu 80 Prozent aller
behinderten Menschen arbeitslos, sagte der Kommissionsvorsitzende.
(Quelle: ap)
Sevilla ist durch NATO-Treffen Hochsicherheitsfestung
Fr.09.02.07 - Die südspanische Stadt Sevilla hat sich durch das zweitägige
Treffen der NATO-Verteidigungsminister in eine Hochsicherheitsfestung
verwandelt. Rund 5000 Beamte der spanischen Nationalpolizei und der
Guardia Civil sind nach Angaben der Präfektur im Einsatz, um das
Treffen im internationalen Kongresszentrum am Stadtrand zu sichern.
Zugleich überflogen mehrere AWACS-Aufklärungsflugzeuge der
NATO die andalusische Hauptstadt. Nach Medienberichten waren auch
F-18-Kampfflugzeuge der spanischen Luftwaffe im Einsatz.
Ein NATO-Vertreter bezeichnete die Sicherheitsvorkehrungen als
"klassisch". Besonders seit den Terroranschlägen in den USA 2001
gelten strenge Sicherheitsvorkehrungen für Treffen der 26
Bündnisstaaten. Das Sozialforum von Sevilla hatte zum Auftakt der
Veranstaltung eine Demonstration angekündigt, die vor dem
Kongresszentrum enden soll.
(Quelle: afp)
Gegner der Sicherheitskonferenz erwarten Tausende Demonstranten
Fr.09.02.07 - Ein Aktionsbündnis hat für die am (heutigen) Freitag in
München beginnende Sicherheitskonferenz Proteste mit mehreren
Tausend Demonstranten angekündigt. Neben diversen Veranstaltungen
sei für Samstagmittag eine Großkundgebung mit Start am
Marienplatz geplant, sagte der Sprecher des Aktionsbündnisses,
Claus Schreer.
Die Initiatoren des «Aktionsbündnis gegen die
Nato-Sicherheitskonferenz» erklärten, sie erwarteten mehr
Demonstranten als vergangenes Jahr. Es lägen zahlreiche Zusagen aus
München, Stuttgart und Hamburg vor. Sprecher Hans Eberl
kündigte an, die Teilnehmer wollten ihr «Grundrecht auf freie
Meinungsäußerung auch gegen polizeiliche Repressalien
durchsetzen». Dies sei jedoch kein Aufruf zur Gewalt.
Die Polizei kündigte unterdessen an, die Konferenz und die
Proteste mit einem Großaufgebot von rund 3.500 Beamten begleiten
zu wollen.
Nach Angaben der Konferenzgegner haben auch die Äußerungen
des Konferenz-Veranstalters Horst Teltschik weitere Demonstranten
mobilisiert. Schreer bezeichnete den Organisator der Konferenz als
«Undemokrat» und «Kriegspropagandist». Teltschik
hatte in einem Interview des Bayerischen Rundfunks wörtlich
gesagt: «Es ist die Tragik jeder Demokratie, dass bei uns jeder
seine Meinung öffentlich vertreten darf und dass man politisch
Verantwortliche in einer Demokratie schützen muss. In Diktaturen
würde so etwas nicht passieren.» Später räumte er
gegenüber der «Süddeutschen Zeitung» ein, die
Aussage sei «missverständlich» und nicht auf die
Gegendemonstrationen bezogen gewesen.
(Quelle: ap)
Human Rights Watch setzt sich in München für eine neue
US-Strategie ein
Fr.09.02.07 - Der Direktor der internationalen Menschenrechtsorganisation Human
Rights Watch, Kenneth Roth, will sich auf der Münchner
Sicherheitskonferenz für Korrekturen an der US-Strategie gegen den
Terrorismus einsetzen. Roth kritisierte in der «Süddeutschen
Zeitung» (Donnerstagausgabe), die US-Regierung habe «die
Menschenrechte ignoriert». Ein solches Vorgehen bringe nicht mehr
Sicherheit, sondern rufe «nur mehr Hass in der ganzen Welt
hervor».
Roth warnte: «Das erleichtert denjenigen, die Terroristen
anwerben wollen, die Arbeit und unterminiert die Kooperation, die
nötig ist, um den Terrorismus zu bekämpfen.» Dies wolle
er dem neuen US-Verteidigungsminister Robert Gates in München
persönlich sagen.
Roth wandte sich gegen den Vorwurf, seine Teilnahme an der
Sicherheitskonferenz bedeute ein Feigenblatt für eine
überwiegend militärische Veranstaltung. Er empfinde es als
seine Pflicht, mit jedem zu sprechen, der Einfluss auf die
Menschenrechtspolitik habe. Seine Organisation suche den Dialog
«selbst mit Diktatoren».
(Quelle: ddp)
Deutschland bleibt dank Rekordausfuhr 2006 Exportmeister
Fr.09.02.07 - Deutschland hat auch 2006 so viel ins Ausland verkauft wie kein anderes
Land.
Die Exporteure führten Waren im Wert von knapp 894 Milliarden Euro
aus, fast 14 Prozent mehr als 2005, wie das Statistische Bundesamt am
Donnerstag mitteilte. Damit wurde das Rekordergebnis von 2005 deutlich
übertroffen, und Deutschland holte sich zum vierten Mal den Titel
"Exportweltmeister". Gleichzeitig legten auch die Importe um 16,5
Prozent auf einen Rekordstand von rund 732 Milliarden Euro zu. Im
Dezember verlor der Außenhandel zwar etwas Schwung. Fachleute
gehen aber davon aus, dass die Branche in diesem Jahr ebenfalls zulegen
dürfte - wenn auch nicht so stark wie 2006.
Die Erfolgsgeschichte des deutschen Außenhandels setze sich fort,
sagte Anton Börner, der Präsident des Branchenverbands BGA:
"Dieser Erfolg ist das Ergebnis einer boomenden Weltwirtschaft und
enormer Anstrengungen der Unternehmen, aus eigener Kraft
wettbewerbsfähig zu bleiben." Die Handelsbilanz schloss mit einem
Rekordüberschuss von rund 162 Milliarden Euro. In der
Leistungsbilanz verbuchte Deutschland ein Plus von 101 Milliarden Euro,
rund zehn Milliarden mehr als 2005.
"Im vergangenen Jahr hat vor allem die Kombination aus robustem
globalem Wachstum und einer deutlich verbesserten
Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen den
Außenhandel angetrieben", sagte Dirk Schumacher von Goldman Sachs.
Zudem habe der von den Firmen angebotene Produktmix gut zur globalen
Nachfrage gepasst. Der Außenhandel hatte voriges Jahr 0,7 Punkte
zum Wachstum von 2,5 Prozent beigetragen, als Deutschlands Wirtschaft
so stark zulegte wie seit 2000 nicht mehr.
In diesem Jahr dürften die Exporte jedoch nicht mehr so rasant
zulegen: "Die Weltwirtschaft schwächt sich ab, der Wechselkurs wird
sich leicht aufwerten", sagte Schumacher. Die anziehende
Binnennachfrage werde zu mehr Importen führen und damit den Beitrag
des Außenhandels bremsen. Der BGA erwartet 2007 ein Exportplus
von mindestens sechs Prozent.
Den Titel des Exportweltmeisters dürfte Deutschland dieses Jahr
noch verteidigen, muss ihn wohl aber 2008 oder 2009 an China abtreten.
Die Ausfuhren der Volksrepublik legten 2006 um fast dreißig
Prozent zu und beliefen sich auf 969 Milliarden Dollar (rund 750
Milliarden Euro). "Deutschland ist in der Außenwirtschaft gut
aufgestellt - unabhängig davon, ob es im kommenden Jahr gelingt,
den schmückenden Titel des Exportweltmeisters von Waren
gegenüber China zu verteidigen", sagte Börner.
Die Nachfrage nach Produkten "Made in Germany" legte vor allem in
Ländern außerhalb der EU zu. Dort konnten die deutschen
Firmen gut 17 Prozent mehr absetzen. "Vor allem in Asien und Osteuropa
haben die Unternehmen die Chancen neuer Märkte genutzt", sagte
Börner. Der größte Teil der Ausfuhren ging jedoch nach
wie vor in andere EU-Länder.
Im Dezember lagen die Exporte mit 73,5 Milliarden Euro um zehn Prozent
über dem Vorjahreswert. Im Vergleich zum November sanken sie jedoch
saisonbereinigt um zwei Prozent. Im Schlussquartal 2006 legten die
Ausfuhren damit nach Reuters-Berechnungen um 5,9 Prozent zu. Die
Importe stiegen im Dezember um 8,5 Prozent zum Vorjahr und
saisonbereinigt zum Vormonat um fünf Prozent. "Das ist ein Indiz,
dass auch die Binnennachfrage gut läuft", sagte Schumacher.
(Quelle: rtr)
Studie: Klimawandel drückt langfristig deutsche Wirtschaft
Fr.09.02.07 - Deutschland droht einer Studie zufolge durch den Klimawandel in diesem
Jahrhundert eine starke Zunahme von Hitzetoten und eine sinkende
Wirtschaftsleistung.
Wegen der steigenden Temperaturen könne die Bundesrepublik in den
letzten drei Dekaden jährlich 0,1 bis 0,5 Prozent des
Sozialprodukts verlieren, lautet das Ergebnis der am Donnerstag in
Hamburg veröffentlichten Studie des Kieler Instituts für
Wirtschaftsforschung (IfW) und des World Wildlife Fund (WWF). Die
Forscher untersuchten die Wirkung steigender Temperaturen auf die
Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Bürger in den Jahren
2071 bis 2100.
Demnach nimmt die Zahl der Hitzetage in Deutschland mit mehr als 32
Grad gefühlter Temperatur deutlich zu, was die Leistung der
Menschen senke. Die Forscher gehen davon aus, dass die
Arbeitsproduktivität jährlich um bis zu zwölf Prozent
abnehmen wird und der Volkswirtschaft so einen Verlust von bis zu zehn
Milliarden Euro im Jahr zufügt.
Ohne Anpassungsreaktionen erwarten die Experten zudem, dass die Zahl
der Hitzetoten um 5000 bis 15.000 im Jahr ansteigen wird. Die
Krankenhauseinweisungen wegen hitzebedingter Beschwerden würden
sich mehr als versechsfachen von derzeit 24.500 auf dann 150.000
Patienten. Alleine die Krankenhauskosten stiegen in den letzten drei
Dekaden des Jahrhunderts um 300 bis 700 Millionen Euro im Jahr,
berichteten die Forscher weiter. Eine Vielzahl ungeklärter
Gesundheitswirkungen wie etwa die Ausbreitung von Zecken und neuer
allergener Pflanzen sei überdies noch nicht erforscht.
WWF und IfW forderten die Bundesregierung auf, sich für eine
Reduktion der CO2-Emissionen in Europa um 30 Prozent bis 2020
einzusetzen. Um seiner Rolle als Vorreiter in der Klimapolitik gerecht
zu werden, müsse Deutschland beim Emissionshandel die von der
EU-Kommission geforderte Mindestgrenze von 453 Millionen Tonnen CO2
akzeptieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte den Klimaschutz als
zentrales Thema der deutschen EU-Ratspräsidentschaft hervorgehoben.
(Quelle: rtr)
Langzeitarbeitslose sollen unbefristet Kombilohn erhalten
Fr.09.02.07 - Union und SPD haben ihren Streit über die Neuregelung des
Niedriglohnbereichs in einem Punkt beigelegt: Sie verständigten
sich grundsätzlich auf unbefristete Kombilöhne für
schwer vermittelbare Langzeitarbeitslose.
So sollen rund 100 000 Erwerbsfähige mit «besonders schweren
Vermittlungshemmnissen» in sozialversicherungspflichtige Jobs
gebracht werden. Sie sollen mindestens «ortsübliche»
Entlohnung erhalten. Geplant ist die Förderung von Arbeitgebern
und Arbeitnehmern. Niedersachsen und Thüringen
begrüßten die Einigung.
Grundlage für das Kombilohn-Modell ist ein Papier des
nordrhein-westfälischen Arbeitsministers Karl-Josef Laumann (CDU)
und des Arbeitsmarkt-Experten der SPD-Bundestagsfraktion, Klaus
Brandner, das der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag in Berlin
vorlag. Der Sprecher des Bundesarbeitsministeriums, Stefan Giffeler,
sagte, die Überlegungen müssten in das geplante
Niedriglohnkonzept der Arbeitsgruppe der Koalition eingebunden werden.
Die Verhandlungen seien «auf gutem Weg».
Firmen, die Arbeitsplätze für schwer vermittelbare Bewerber
schaffen, sollen einen «finanziellen Nachteilsausgleich» in
Form von staatlichen Zuschüssen auf Lohn und Sozialabgaben
erhalten. «Der Arbeitgeber hat durch die Subventionierung ein
Interesse daran, diese Arbeitsplätze überhaupt erst zu
schaffen. Denn es müssen zusätzliche Jobs sein», sagte
Laumann dem «Kölner Stadt-Anzeiger».
Für Brandner ist entscheidend, dass damit Menschen, «die
keine Chancen auf dem regulären Arbeitsmarkt haben, endlich eine
Perspektive gegeben werden kann». Das Konzept sehe neben dem
Kombilohn auch besondere Qualifizierung und Betreuung für die
Betroffenen vor. Bislang sind Kombilohn-Stellen für Arbeitslose
ohne Berufsausbildung auf zwei Jahre befristet.
Kombilöhne sollen nur für «sinnvolle Arbeiten» im
sozialen Bereich oder in der Privatwirtschaft bezahlt werden - und
reguläre Jobs auf keinen Fall verdrängen. Gedacht ist an
einfache Tätigkeiten. «Zum Beispiel könnte jemand
Fahrgäste in Bussen begleiten oder mit den Bewohnern eines
Altenheims Karten spielen», hieß es.
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sagte:
«Wir freuen uns, dass das niedersächsische Kombilohn-Modell
mit der Förderung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern jetzt
bundesweit eingeführt wird. Bei uns hat sich der Erfolg dieses
niedersächsischen Weges in der Praxis gezeigt.»
Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) sagte der
«Thüringer Allgemeinen» (Freitag): «Wenn die
betroffenen Arbeitslosen ohne Ausbildung und Qualifizierung zwölf
Monate lang keinen Job gefunden haben und ihnen das auch absehbar in
den nächsten zwei Jahren nicht gelingen würde, macht eine
Entfristung der Förderung durchaus Sinn.» Bislang hatte sich
Althaus stets für zeitlich befristete Regelungen ausgesprochen.
(Quelle: dpa)
Justizministerin Zypries ist gegen Online-Durchsuchungen
Fr.09.02.07 - Bundesjustizministerin Brigitte Zypries hat Bedenken
geäußert, ob der Gesetzgeber Online-Durchsuchungen erlauben
sollte. «Es stellt sich die Frage, ob die Online-Durchsuchung
vergleichbar ist mit einer normalen Hausdurchsuchung», sagte die
SPD-Politikerin der «Frankfurter Rundschau» zufolge.
Durchsuchungen fänden in Deutschland offen statt.
«Ich habe Zweifel, ob die neuen technischen Möglichkeiten
und Aufbewahrungsarten eine grundlegend neue juristische Bewertung
rechtfertigen», erklärte Zypries. Schon heute könnten
die Ermittler mit richterlicher Genehmigung in die Wohnung eines
Verdächtigen gehen und seinen Computer beschlagnahmen samt
Festplatte. «Dafür braucht es kein neues Gesetz.»
Die Strafprozessordnung erlaube bereits heute die Überwachung der
Telekommunikation im Internet, also etwa von E-Mails, oder die Suche
danach, welche Webseiten ein Internetnutzer aufsuche, betonte die
Ministerin. Diese Methoden seien legal und bedürften keiner
neuerlichen gesetzlichen Absicherung.
(Quelle: ap)
Psychologe: Kinder entwickeln andere Fähigkeiten statt Sprache
Fr.09.02.07 - Der Psychologe Karl-Dieter Schuck ist vom Anstieg der
Sprachauffälligkeiten bei Schulanfängern nicht
überrascht. Das sei seit einiger Zeit erkennbar, sagte
Psychologie-Professor und Dekan der Fakultät für
Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg am Donnerstag der
Nachrichtenagentur ddp. Allerdings seien die sprachlichen Kompetenzen
vielleicht nicht mehr so notwendig. Möglicherweise müssten
die bei Schuleingangsuntersuchungen geforderten Entwicklungsniveaus an
die derzeitigen Gegebenheiten angepasst werden.
Sprache sei jedoch das «Medium, mit dem man sich kulturelle Werte
aneigne», betonte Schuck. «Dennoch bin ich als Empiriker mit
voreiligen Schlüssen vorsichtig», führte der Psychologe
an. Schließlich hätten Kinder heutzutage auch viel mehr
andere Fähigkeiten als früher, seien beispielsweise am
Computer sehr fit.
Dass Kinder von Eltern mit hohem Bildungsniveau seltener Sprach-,
Koordinations- und Verhaltensauffälligkeiten zeigten, sei seit eh
und je Tatsache, betonte der Wissenschaftler. Entwicklungsniveaus
korrelierten stets mit den Sozialstatus der Familien. Die Unterschiede
verstärkten sich jetzt nur immer mehr und seien offensichtlicher.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Das Magenbakterium und der Mensch bevölkerten die Erde gemeinsam
Fr.09.02.07 - Der Mensch war bereits mit dem schädlichen Magenbakterium
Helicobacter pylori infiziert, als er vor rund 60 000 Jahren von Afrika
aus die Welt besiedelte. Das schließen Forscher aus einer Analyse
der Erbanlagen von Mensch und Bakterium.
Die genetische Vielfalt des Bakteriums spiegele sich in jener des
Menschen wider, berichtet ein internationales Forscherteam um Mark
Achtman vom Max- Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin
im Journal «Nature» (online vorab veröffentlicht).
Mehr als die Hälfte aller Menschen sind mit dem Keim Helicobacter
pylori infiziert. Ärzte schätzen, dass 90 Prozent aller
Magengeschwüre auf dieses Bakterium zurückgehen. Die
Wissenschaftler um Achtman verglichen Varianten in der Erbsubstanz des
Menschen sowie des Bakteriums und fanden dabei Hinweise für eine
parallele Evolution der beiden. So wie sich der Mensch in regionale
Untergruppen aufteilt, hat auch Helicobacter verschiedene Untertypen.
Die Wissenschaftler nutzten bei ihrer Analyse das Prinzip
«Isolation durch Abstand»: Demnach unterscheiden sich
einzelne Gruppen von Menschen um so stärker, je weiter sie
voneinander entfernt leben und je mehr Zeit seit der Trennung ihrer
Gruppen vergangen ist. Dies gilt auch für andere Lebewesen - etwa
die mit dem Menschen verbreiteten Bakterien.
Genetische Spuren dieser zurückliegenden Völkerwanderung
fanden die Forscher auch im Erbgut von Helicobacter. Weil der Erreger
eine größere genetische Vielfalt besitzt als der Mensch,
erhoffen sich die Autoren aus den Daten des Keims auf die
Wanderungsbewegung des Menschen schließen zu können. So
zeigen Gene von europäischen Bakterien Einflüsse aus
Zentralasien, was ein Hinweis auf menschliche Einwanderer aus Asien in
Europa wäre, erklären die Forscher.
(Quellen: dpa)
Sechstausend Jahre lang in einer Umarmung vereint
Fr.09.02.07 - Sechstausend Jahre lang in einer Umarmung vereint war ein Paar, das in
skelletierter Form im Norden von Italien entdeckt wurde. "Wir haben
diese beiden Wesen Arm in Arm in einer neolithischen Grabstätte
gefunden", sagte die italienische Archäologin Elena Menotti am
Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. "Wir nehmen an, dass es ein Mann
und eine Frau waren." Das Erbmaterial der beiden werde dies wohl in
einigen Monaten aufklären. Die beiden Skelette waren einander
zugewandt, und ihre Stirn berührte sich fast. Ihre Arme und Beine
seien in einer letzten Umarmung ineinander verschlungen.
"Ersten Untersuchungen zufolge waren sie jung", sagte Menotti, die die
Ausgrabungen in einem Industriegebiet in der Nähe von Mantua
leitet. Das Gebiss der Toten sei noch vollständig und habe kaum
Abrieb aufgewiesen. "Natürlich fragt sich jeder, wieso sie umarmt
begraben worden sind." Sie selber glaube, dass es "das Zeugnis einer
großen Liebe" sei, das die Zeit überdauert habe. "Denn aus
welchem Grund auch immer sie Arm in Arm ins Grab gelegt wurden, hat es
ein Gefühl zwischen ihnen gegeben."
(Quelle: afp)