Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak am neunhundertsechsundfünfzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Führende Pentagon-Beamte manipulierten Geheimdienstinformationen
vor dem Irak-Krieg. Anzeige in Spanien gegen Rumsfeld wegen
Kriegsverbrechen erstattet Extremisten töten elf Dorfbewohner
im Irak. USA verhandeln mit Syrien über irakische Flüchtlinge
Sa.10.02.07 - Führende Pentagon-Beamte haben nach einem Untersuchungsbericht
absichtlich Geheimdienstinformationen manipuliert, um die USA in den
Jahren 2002 und 2003 auf Kriegskurs zu bringen. Ziel sei die Absicht
gewesen, das irakische Regime von Saddam Hussein mit dem Terrornetzwerk
Al Kaida in Verbindung zu bringen, heißt es in einem Bericht
für eine Sitzung des Streitkräfteausschusses des Senats am
Freitag in Washington.
«Dies war das Argument, das benutzt wurde, um dem amerikanischen
Volk die Notwendigkeit zu verkaufen, in den Krieg zu gehen», sagte
der demokratische Senator Carl Levin. Dies sei in höchstem
Maße verstörend, erklärte Levin, der dem
Streitkräfteausschuss des Senats vorsteht.
Erstellt wurde der Bericht von dem amtierenden Generalinspekteur des
Pentagons, Thomas Gimble. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht nach
Informationen der Nachrichtenagentur AP die Arbeit eines
Sonderbüros zur Prüfung von Geheimdienstinformationen, das vom
ehemaligen Pentagon-Staatssekretär Douglas Feith eingerichtet
wurde. Dieses «Office of Special Plans» kam zu dem Schluss,
dass der Geheimdienst CIA die Wahrscheinlichkeit einer
Al-Kaida-Verbindung von Saddam Hussein unterschätzt habe.
In dem Bericht wird erklärt, dass die Tätigkeit des
Pentagon-Büros zwar nicht illegal, aber unangemessen gewesen sei.
Feith sagte in einem Telefongespräch, er kenne den Bericht noch
nicht, halte eine solche Einschätzung aber für bizarr. Feith
verließ das Pentagon im August 2005 und lehrt nun an der Schule
für den Auswärtigen Dienst an der Universität Georgetown.
Eine spanische Nichtregierungsorganisation hat am Donnerstag bei einem
Gericht in Sevilla Strafanzeige gegen den ehemaligen
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wegen Kriegsverbrechen
eingereicht. "Ziel der Aktion ist es, Donald Rumsfeld zum
Kriegesverbrecher zu erklären, weil er sich für den Krieg
gegen den Irak entschieden hat", sagte Jesus Lara, Sprecher des
Sozialforums von Sevilla, das sich gegen die Globalisierung und
westliche Militäreinsätze engagiert. Das Gericht wolle nun in
einer ersten Prüfung entscheiden, ob es die Anzeige annimmt oder
nicht. Sollten die Richter sich für eine Annahme entscheiden, werde
der Fall an das höchste Strafgericht des Landes überwiesen.
Das Sozialforum protestierte ebenfalls am Donnerstag gegen das
informelle Treffen der NATO-Verteidigungsminister in Sevilla.
Extremisten haben am Freitag 13 Bewohner eines irakischen Dorfs
verschleppt und elf von ihnen getötet. Die Polizei fand nach
eigenen Angaben rund zwei Stunden nach der Entführung in der
schiitischen Ortschaft Imam rund 75 Kilometer südlich von Bagdad
elf Leichen mit Schusswunden in Kopf und Brust. Ein Sprecher der
irakischen Streitkräfte teilte mit, dass die Angreifer irakische
Uniformen getragen und Militärfahrzeuge eingesetzt hätten.
Soldaten suchten die Gegend nach den beiden noch vermissten
Dorfbewohnern ab.
Trotz der abgebrochenen diplomatischen Beziehungen sind die USA mit
Syrien wegen der irakischen Flüchtlingskrise in Kontakt getreten.
US-Außenministerin Condoleezza Rice sagte am Donnerstag vor einem
Kongressausschuss in Washington, sie habe den Geschäftsträger
der Vereinigten Staaten in Damaskus explizit aufgefordert, über
dieses Problem zu sprechen. Dies sei Teil einer neuen Initiative der USA
zur Lösung der Flüchtlingskrise. Beamte des
Außenministeriums machten in Washington deutlich, dass dies keinen
Widerspruch zu bisherigen US-Politik darstelle. Diese schließt
diplomatische Kontakte mit der Regierung von Präsident Baschar el
Assad aus.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 10.02.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertzweiundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
|
Ex-General Clark: US-Präsident Bush steuert auf Krieg mit Iran zu
Sa.10.02.07 - US-Präsident George W. Bush steuert sein Land nach Ansicht des
ehemaligen NATO-Oberbefehlshabers Wesley Clark auf eine
militärische Auseinandersetzung mit dem Iran zu. "Der
Präsident setzt auf Eskalation", sagte der US-General im Ruhestand
der Onlineausgabe des Hamburger Magazins "Stern". Daher sei eine
militärische Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten und dem
Iran mit "katastrophalen Folgen" zu befürchten. "Man muss diesen
Präsidenten schon beim Wort nehmen. Und er sagt, dass er einen
nuklear bewaffneten Iran nicht akzeptieren wird."
Clark übte zudem heftige Kritik an der Irak-Politik der
US-Regierung: "Die Strategie der USA ist falsch, vollkommen falsch." Die
geplante Truppenverstärkung um gut 20.000 Soldaten komme viel zu
spät und sei nur ein taktisches Manöver. "Das Schreckliche
ist: Wir können diesen Krieg nicht mehr gewinnen", bemerkte Clark.
Dennoch sprach er sich gegen einen baldigen Abzug der US-Truppen aus.
Eine solche Entscheidung würde den Irak nach seiner
Einschätzung "ins Chaos stürzen oder zur Entstehung eines
radikalen islamistischen Staates führen".
Clark forderte die US-Regierung auf, in Gesprächen mit Iraks
Nachbarländern, insbesondere dem Iran, eine Lösung für
den Irak zu finden sowie "ein ernsthaftes Bemühen, den
israelisch-palästinensischen Konflikt zu lösen".
Zum Afghanistan-Konflikt sagte Clark laut "Stern" online, die NATO
müsse ihre Truppen zum Kampf gegen Aufständische
verstärken. Auch Deutschland müsse bereit sein, mehr Soldaten
zu schicken.
(Quelle: afp)
ElBaradei warnt USA und Iran vor Kettenreaktion im Atomstreit
Sa.10.02.07 - Der Chef der UN-Atomenergiebehörde (IAEA), Mohamed ElBaradei, hat
die USA und den Iran vor einer unkontrollierten Kettenreaktion im
Atomstreit gewarnt.
Zugleich appellierte er an alle Seiten, am Wochenende am Rande der
Münchner Sicherheitskonferenz den Dialog zu suchen. "Wenn wir so
weitermachen, könnte es eine Spirale der Eskalation geben", sagte
der ElBaradei in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit
"Spiegel Online". Druck alleine - etwa in Form von Sanktionen - werde
keine Lösung bringen, sondern zu Konfrontation und unkontrollierten
Kettenreaktionen auslösen.
ElBaradei unterstrich, er setze sich für eine dreimonatige Auszeit
auf beiden Seiten ein. "Das heißt, Iran würde die Arbeit an
der Urananreicherung aussetzen und zur gleichen Zeit würde der
UN-Sicherheitsrat die Implementierung der Sanktionen unterbrechen." Er
hoffe, dass hierüber am Rande der Münchner
Sicherheitskonferenz ein Dialog beginnen könne - Deutschlands
Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Vorsitzende des Iranischen
Sicherheitsrats Ali Laridschani, US-Verteidigungsminister Robert Gates
und der russische Präsident Wladimir Putin seien vor Ort. "Ich
appelliere an alle, diese Gelegenheit zu unterstützen", unterstrich
der Friedensnobelpreisträger. "Wir sollten den Karren nicht weiter
in den Dreck fahren, der Nahe Osten ist in der schlimmsten Situation,
die ich je erlebt habe."
Ein Sprecher der deutschen Bundesregierung erklärte am Freitag, es
gebe weiterhin keine Planungen für ein Treffen zwischen Merkel und
Laridschani. Dieser war indes von der amtlichen Nachrichtenagentur Irna
zitiert worden, er wolle am Rande des Treffens mit den westlichen
Mächten verhandeln.
Die internationale Gemeinschaft verdächtig den Iran, unter dem
Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms an Atomwaffen zu arbeiten. Der
Iran weist dies zurück und lehnt einen Stopp seiner
Atomanreicherung ab. Die Vereinten Nationen hatten Ende 2006 Sanktionen
gegen das Land verhängt.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt
Staatengemeinschaft reagiert abwartend auf Einigung der
Palästinenser. Ausschreitungen am Tempelberg in Jerusalem
Sa.10.02.07 - Die internationale Staatengemeinschaft hat am Freitag vorsichtig
optimistisch bis zurückhaltend auf die Einigung im Machtkampf der
Palästinenser reagiert. Im Gazastreifen aber feierten die
Betroffenen das in Mekka unterzeichnete Abkommen mit Feuerwerk und
Hupkonzerten.
In den zweitägigen Verhandlungen in Mekka ging es zuletzt vor
allem um die Haltung zu den Friedensverträgen mit Israel.
Während der palästinensische Präsident Mahmud Abbas von
der Fatah die neue Regierung zur Einhaltung der Verträge
«verpflichten» wollte, bestand Hamas-Führer Chaled
Mashaal auf der schwächeren Formulierung
«respektieren», die dann auch Eingang in das schriftliche
Abkommen fand.
Bei der Unterzeichnung am Donnerstag abend saß der saudische
König Abdullah zwischen Abbas zur Rechten und Maschaal zur Linken.
Der bisherige Ministerpräsident Ismail Hanija von der Hamas soll
innerhalb von fünf Wochen eine neue Regierung bilden und dabei auch
Politiker der Fatah ins Kabinett nehmen. Die Einigung soll auch den
blutigen Machtkampf zwischen der säkularen Fatah und der
islamisch-fundamentalistischen Hamas beenden, dem etwa 130 Menschen zum
Opfer fielen.
Abbas sagte, das Abkommen sei im Interesse des Volkes und werde den
Friedensprozess voranbringen. Maschaal versicherte, die Vereinbarung sei
von Bestand und werde von der Hamas eingehalten. Dafür bürge
allein schon die Unterzeichnung angesichts der Heiligen Stätten von
Mekka.
Das Weiße Haus in Washington reagierte zurückhaltend.
«Wir werden sehen, wie eine endgültige Einigung
aussieht», sagte der Sprecher des Außenministeriums, Tom
Casey. Eine Einschätzung, ob die internationalen Forderungen
erfüllt seien, könne erst dann vorgenommen werden.
Die israelische Regierungssprecherin Miri Eisin wollte noch nicht
Stellung zu der Frage nehmen, ob die Forderungen nach Gewaltverzicht,
Anerkennung des Staates Israels und Einhaltung der Verträge jetzt
erfüllt seien. «Israel erwartet von einer neuen
palästinensischen Regierung, dass sie alle drei Grundsätze der
internationalen Gemeinschaft respektiert und akzeptiert», sagte
Eisin der Nachrichtenagentur AP.
Als «Schritt in die richtige Richtung» wertete in Berlin
Regierungssprecher Ulrich Wilhelm die in Mekka getroffene Vereinbarung.
Die deutsche Bundesregierung dankte dem saudischen König für
seinen Beitrag. Eine Sprecherin des EU-Außenbeauftragten Javier
Solana äußerte sich vorsichtig optimistisch. Aus EU-Kreisen
verlautete aber, es sei noch zu früh, den Boykott der
Hilfszahlungen an die Autonomiebehörde zu beenden. Zunächst
müsse die neue Regierung die Bedingung erfüllen, Israel als
Friedenspartner zu akzeptieren.
Positivere Signale kamen aus Paris. Nach mehreren Wochen blutiger
Konflikte könnten die Parteien nun ihre Feindschaft überwinden
und sich hinter einer Regierung der nationalen Einheit sammeln,
erklärte Außenminister Philippe Douste-Blazy. Die
Staatengemeinschaft rief er auf, die Palästinenser zu
unterstützen. Auch die Vereinten Nationen begrüßten das
Abkommen von Mekka. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon freue sich
darauf, weitere Schritte mit den beteiligten Parteien, regionalen
Partnern und dem Nahost-Quartett zu besprechen, erklärte
UN-Sprecherin Michele Montas in New York.
In Gaza tanzten viele Bewohner vor Freude auf den Straßen. Der 24
Jahre alte Majsra Balawi sagte, die Menschen könnten es noch nicht
recht fassen. «Heute ist ein Fest.» Es sei die erste
Freudenkundgebung, die er je im Gazastreifen gesehen habe.
Die Palästinenser hoffen, dass die ausländischen Geberstaaten
jetzt ihre Finanzhilfen von rund einer Milliarde Dollar (770 Millionen
Euro) im Jahr freigeben, die seit der Bildung der Hamas-Regierung im
vergangenen Jahr eingefroren sind. Ein erster Test für die
internationale Bewertung des Abkommens wird am 19. Februar erwartet,
wenn Abbas zu Gesprächen mit dem israelischen
Ministerpräsidenten Ehud Olmert und Condoleezza Rice nach Jerusalem
reisen wird.
Nahe dem Tempelberg in Jerusalem ist es zu gewaltsamen
Auseinandersetzungen zwischen muslimischen Gläubigen und
israelischen Polizisten gekommen. Dies berichteten Polizisten und
Augenzeugen. Als sich die Gläubigen nach dem Freitagsgebet zu einer
Demonstration versammeln wollten, setzten Polizisten
Betäubungsgranaten gegen sie ein. Auch in weiteren Vierteln der
Jerusalemer Altstadt gab es Ausschreitungen.
Die Grabungsarbeiten der Israelis am Fuße des Tempelberges hatten
in den vergangenen Tagen für Empörung unter den Muslimen
gesorgt, da sie die El-Aksa (Frankfurt: 897307 - Nachrichten) -Moschee
bedroht sehen. Israel baut eine neue Rampe für den Zugang über
das Maghrebiner-Tor, nachdem die bisherige durch einen Sturm 2004
beschädigt worden war. Gleichzeitig werden die Arbeiten für
weitere archäologische Ausgrabungen genutzt.
Laut dem Büro der muslimischen Religionsstätten in Jerusalem
gefährden die Bauarbeiten die Grundmauern des Geländes. Die
El-Aksa-Moschee, eine der wichtigsten Moscheen der Muslime, befindet
sich auf dem Juden und Muslimen heiligen Tempelberg.
(Quellen: ap, afp)
Angriff auf Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel in San Francisco
Sa.10.02.07 - Der Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel ist in einem Hotel in San
Francisco angegriffen worden, möglicherweise von einem
Holocaust-Leugner. Wiesel sei während einer Konferenz in der
vergangenen Woche im Aufzug von einem Mann angesprochen worden, der ein
Interview mit dem Holocaust-Überlebenden verlangt hätte,
berichtete die Polizei am Freitag. Als Wiesel sich zu einem
Gespräch in der Lobby bereit erklärte, zerrte der Mann ihn den
Angaben zufolge aus dem Aufzug hin zu einem Hotelzimmer.
Der Angreifer habe erst abgelassen, als der 78-Jährige geschrien
habe. Die Polizei betrachte den Vorfall als kriminellen Akt.
Auf einer antisemitischen Website bekannte sich ein Mann zu dem
Angriff. Er habe geplant, Wiesel auf sein Hotelzimmer zu bringen,
schrieb der Mann. Er habe gehofft, ihn in die Enge zu treiben, damit der
Autor «endlich gezwungen ist, auf Video die Wahrheit zu
sagen». Es gehe darum, dass Wiesels Holocaust-Erinnerungen
«Die Nacht» erdichtet seien.
Wiesel überlebte die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald.
Für seinen weltweiten Einsatz für die Menschenrechte erhielt
er 1986 den Friedensnobelpreis.
(Quelle: ap)
Russland kritisiert geplante Stationierung von US-Raketen in Osteuropa
Sa.10.02.07 - Die geplante Stationierung von US-Abwehrraketen in Osteuropa sorgt
weiter für Unmut in Moskau. Russland fühle sich bedroht, sagte
Verteidigungsminister Sergej Iwanow am Freitag beim NATO-Russland-Rat
in Sevilla. Der Organisator der Münchner Sicherheitskonferenz,
Horst Teltschik, plädierte derweil für einen Beitritt
Russlands zur NATO. Bei den Gesprächen zwischen den USA und
Russland sieht Teltschik die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel in
einer Moderatorenrolle.
Die Argumentation der USA, durch die Installation von Teilen ihres
Raketenschutzschilds in Polen und Tschechien sollten Angriffe des Irans
oder Nordkoreas abgewehrt werden, wies Iwanow zurück.
«Schauen Sie sich die Landkarte an», sagte er nach seinem
Treffen mit den 26 NATO-Verteidigungsministern in Sevilla. Die
Reichweite von Raketen aus dem Iran oder Nordkorea sei «weit
entfernt von Polen und der Tschechischen Republik».
Russland werde auf eine Stationierung von US-Abwehrraketen in diesen
beiden Ländern mit einem «strategischen System»
antworten, das die Abwehr überwinden könnte, drohte Iwanow.
Zugleich betonte er aber: «Wir werden nicht zum Wettrüsten
zurückkehren».
US-Verteidigungsminister Robert Gates reagierte gelassen. Iwanow habe
kürzlich selbst gesagt, «dass unsere Pläne hier in
Europa für die Raketenabwehr keine Bedrohung für Russland
darstellen», sagte Gates.
Auch der Koordinator der deutschen Rregierung für die
deutsch-russische Zusammenarbeit, Andreas Schockenhoff, wies die
russische Kritik zurück. Die Raketenabwehr könne auch
Russlands Sicherheitsinteressen dienen, sagte er dem
«Münchner Merkur». Verteidigungsstaatssekretär
Christian Schmidt legte Russland sogar nahe zu prüfen, ob es nicht
gemeinsam mit den USA einen Raketenschutz aufbauen könne.
Die russisch-amerikanischen Verstimmungen dürften auch ein
wichtiges Thema auf der Sicherheitskonferenz an diesem Wochenende in
München sein. Auf der Veranstaltung werden 250 Delegierte aus 40
Ländern erwartet.
(Quelle: ap)
Russland stemmt sich gegen unabhängigen Kosovo
Sa.10.02.07 - Russland hat seinen Widerstand gegen eine Unabhängigkeit der
serbischen Provinz Kosovo verstärkt.
Außenminister Sergej Lawrow mahnte in einem Freitag in Moskau
veröffentlichten Interview zur Geduld. Er deutete die
Möglichkeit eines Vetos gegen jede Entscheidung an, die Serbien
ablehnt. Serbien wehrt sich gegen die von UN-Unterhändler Martti
Ahtisaari vorgeschlagene praktische Unabhängigkeit der mehrheitlich
albanisch bewohnten Provinz.
Die Vereinten Nationen verschoben unterdessen den Beginn der
Verhandlungen über Ahtisaaris Vorschläge um eine Woche auf den
21. Februar. Sie hatten ursprünglich am Dienstag beginnen sollen.
Ahtisaari und der EU-Außenbeauftragte Javier Solana hatten die
Verzögerung akzeptiert, um Serbien Zeit für die Benennung
eines Verhandlungsteams durch das neue Parlament zu lassen.
Russlands Verteidigungsminister Sergej Iwanow sagte vor einem Treffen
mit seinen Kollegen aus den Nato-Staaten in Sevilla, wenn das Kosovo
unabhängig werde, dann werde dies eine Kettenreaktion
auslösen. Auch andere Gebiete in Europa und auf dem Gebiet der
früheren Sowjetunion würden dann ebenfalls Unabhängigkeit
einfordern.
Russland gehört der Kosovo-Kontaktgruppe an und könnte mit
seinem Veto im UN-Sicherheitsrat den Plan blockieren, der der
überwiegend von Albanern bewohnten Provinz eine weitgehende
Unabhängigkeit zugesteht. Lawrow sagte, er könne sich nicht
vorstellen, dass der Sicherheitsrat eine Entscheidung treffe, die
für Serbien nicht akzeptabel sei. Der Plan Ahtisaaris sei nicht die
Lösung, sondern eine Gesprächsgrundlage.
Deutschlands Verteidigungsminister Franz Josef Jung unterstützte
dagegen den Vorschlag des UN-Unterhändlers. "Wir müssen uns
gemeinsam bemühen, dass beide Seiten diesen Vorschlag akzeptieren
im Interesse einer friedlichen, einer stabilen Entwicklung", sagte er
vor einem Treffen mit Iwanow am Rande der Nato-Tagung. Zugleich
drängte Jung zur Eile. "Es ist auch nicht klug, wenn wir jetzt
über Verzögerungen reden."
Jung sagte, er wolle bereits im März einen Beschluss des
UN-Sicherheitsrats über den Plan erreichen. Derzeit plant Ahtisaari
für März die Vorstellung seines endgültigen Plans im
Sicherheitsrat. Vorher will er nochmals mit beiden Seiten verhandeln. Am
Montag wird Ahtisaari in Brüssel bei den EU-Außenministern
erwartet.
Iwanow und Jung kamen am Rande des informellen
Verteidigungsminister-Treffens der Nato zusammen. Der russische Minister
nahm an einem Treffen des Nato-Russland-Rates teil. Die Nato hatte dem
Kosovo bereits am Donnerstag versichert, mit ihrer KFOR-Schutztruppe den
Statusprozess zu begleiten und für Stabilität zu sorgen.
(Quelle: rtr)
NGO-Bündnis fordert konkrete Hilfen für
Entwicklungsländer
Sa.10.02.07 - Ein Bündnis aus Nicht-Regierungsorganisationen hat am Freitag in
Essen verbindliche Pläne der reichen Industrienationen zur
Finanzierung von Entwicklungshilfe und Aids-Bekämpfung gefordert.
Mit Blick auf das zweitägige Treffen der Finanzminister und
Notenbankchefs der sieben führenden Industrienationen (G-7) in der
Stadt bekräftigten das Aktionsbündnis gegen Aids, die Aktion
«Deine Stimme gegen Armut» und das Bündnis für
Entschuldung (erlassjahr.de) zudem die Forderung nach einem
Schuldenerlass für die ärmsten Entwicklungsländer.
Die Nicht-Regierungsorganisationen kritisierten, dass die
G7/G8-Staatengruppe bisher zu wenig zur Umsetzung ihres 2005
verkündeten Programms zur Armutsbekämpfung unternommen habe.
Die Organisationen forderten unter anderem eine Abgabe auf Flugtickets,
um schnell größere Mittel für die Armutsbekämpfung
bereitzustellen. Sie bemängelten zudem, dass trotz des von den G-8
(den G-7 plus Russland) 2005 in Gleneagles verkündeten
vollständigen Schuldenerlasses die Entlastung für die
ärmsten Staaten nur zwischen 30 und 80 Prozent betrage.
Die Organisation erlassjahr.de forderte vor möglichen
Schuldenerlassen die Streichung «illegitimer Schulden». Das
seien Schulden zweifelhaften Ursprung, die für die Menschen in den
betroffenen Ländern nur zweifelhaften Nutzen gebracht hätten.
Bei den verbleibenden tatsächlichen Schulden müsse es ein
faires und transparentes Schiedsverfahren für Gläubiger und
Schuldner geben.
(Quelle: ap)
EU-Kommission will europaweit Strafrecht für Umweltsünder
Sa.10.02.07 - Illegale Giftmülltransporte und andere Umweltsünden sollen
nach dem Willen der EU-Kommission künftig europaweit unter das
Strafrecht fallen. Die Kommission veröffentlichte in Brüssel
einen Gesetzentwurf, der die 27 Mitgliedstaaten verpflichten soll,
Umweltdelikte einheitlich zu definieren und zu bestrafen. Die
Gesetzesinitiative soll etwa bei illegaler Giftmüllentsorgung, dem
Handel mit bedrohten Tierarten oder Boden- und Gewässerverseuchung
greifen. "Wir können nicht zulassen, dass die
Umweltkriminalität in der EU Unterschlupf findet", hieß es in
einer Erklärung von EU-Justizkommissar Franco Frattini.
In schweren Fällen - wenn Menschen ums Leben kamen oder Luft,
Gewässer oder Böden in großem Umfang verschmutzt wurden
- sehen die Brüsseler Pläne Haftstrafen von bis zu fünf
Jahren oder Geldstrafen von bis zu 750.000 Euro vor. Die EU-Kommission
wertet die Gesetzgebung zum Umweltstrafrecht in zahlreichen
Mitgliedstaaten als "unzureichend"; Umweltsünder könnten zudem
von der uneinheitlichen Gesetzeslage in Europa profitieren.
Die Kommissionsvorschläge müssen vom Europa-Parlament und den
EU-Mitgliedstaaten beraten und gebilligt werden. Sie sind jedoch
umstritten; 2001 war ein erster Richtlinienvorschlag für ein
europaweites Umweltstrafrecht gescheitert. Beobachter rechnen mit
Widerstand aus einigen EU-Ländern, die das Brüsseler Vorgehen
als Eingriff in nationale Angelegenheiten werten könnten. Die
Kommission beruft sich auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs
von 2005, wonach die EU für einen erfolgreichen Umweltschutz auch
strafrechtliche Maßnahmen ergreifen darf.
Umweltkommissar Stavros Dimas verwies zur Begründung der
Initiative auch auf den Giftmüllskandal um das Schiff "Probo
Koala". Der unter der Flagge Panamas fahrende Frachter hatte im August
rund 530 Tonnen Giftmüll in der Elfenbeinküste abgeladen;
gechartert war das Schiff vom niederländischen Trafigura-Konzern.
Der Müll war in der Millionenstadt Abidjan abgeladen worden.
Zahlreiche Menschen erkrankten durch die Gifte schwer, zehn Menschen
starben.
(Quelle: afp)
Branson lobt 25 Millionen Dollar für Klimaforschung aus
Sa.10.02.07 - Der britische Unternehmer Richard Branson hat 25 Millionen Dollar (19
Millionen Euro) für denjenigen Forscher ausgelobt, der als erster
einen Weg zur Reduzierung des CO2-Gehalts in der Atmosphäre findet.
«Not macht erfinderisch», sagte Branson bei der Vorstellung
seines Klimaschutzpreises am Freitag. Die Welt könne nicht mehr
mehrere Jahrzehnte warten.
Der frühere US-Vizepräsident Al Gore mahnte, die Erde habe
«Fieber», das ernst genommen werden müsse. Bislang sei
noch nicht ernsthaft untersucht worden, ob es einen effektiven Weg gebe,
einen Teil des zusätzlichen Kohlendioxids wieder aus der
Atmosphäre herausholen.
Virgin-Chef Branson hatte im September angekündigt, drei
Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) in den Kampf gegen den
Treibhauseffekt einzusetzen. Dazu will er alle seine Gewinne aus dem
Geschäft mit Reisen - darunter die seiner Fluglinie Virgin Atlantic
- in den nächsten zehn Jahren verwenden.
(Quelle: ap)
Opposition in Deutschland fordert Regierung zu Umstieg auf
Öko-Dienstwagen auf
Sa.10.02.07 - Oppositionspolitiker in Deutschland fordern von der Regierung einen
schnellen Umstieg auf klimaschonende Dienstwagen. «Wer anderen
auferlegt, dass er sich ökologisch verhält, muss mit gutem
Beispiel vorangehen», wird der verkehrspolitische Sprecher der
FDP-Bundestagsfraktion, Horst Friedrich, in der «Passauer Neuen
Presse» zitiert. Deshalb solle der Fuhrpark von Ministerien oder
Behörden so schnell wie möglich die künftige EU-Abgasnorm
von durchschnittlich 130 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer
einhalten.
Die Bundestagsfraktion der Grünen stellte sich hinter die
Forderung. «Die Regierung sollte jetzt ihr öffentliches
Beschaffungswesen ändern», erklärte der stellvertretende
Fraktionsvorsitzende Reinhard Loske der Zeitung zufolge: Der Bund solle
nur noch Autos kaufen, die niedrige CO2-Werte haben, im
Flottendurchschnitt höchstens 120 Gramm pro Kilometer.
Ab dem Jahr 2020 solle der Emissionsdurchschnitt der Flotten von
Bundesinstitutionen sogar einen Höchstwert von 80 Gramm CO2 pro
Kilometer einhalten, forderte Loske. «Wenn sich Minister nicht nur
mit Spritschleudern durch die Landschaft fahren ließen,
hätte das eine Vorbildwirkung.»
(Quelle: ap)
Elektrizitätswirtschaft nennt Einigung über deutschen
CO2-Ausstoß einen Skandal
Sa.10.02.07 - Die Elektrizitätswirtschaft hat das Einlenken der Bundesregierung
im Streit mit der EU über CO2-Höchstgrenzen als Skandal
bezeichnet. Damit werde dem «Wirtschaftsstandort Deutschland ein
noch nicht absehbarer, wirtschaftlicher Schaden zugefügt. Die Zeche
werden die Verbraucher und die Wirtschaft in Deutschland zahlen
müssen», erklärte der stellvertretende
Hauptgeschäftsführer des Verbandes der
Elektrizitätswirtschaft (VDEW), Roger Kohlmann, am Freitag in
Berlin.
Eine weitere Kürzung des Budgets an CO2-Zertifikaten in
Deutschland senke nicht die Emissionen, sondern erhöhe zuerst
einmal den Bedarf an Zertifikaten, die beispielsweise aus anderen
Ländern gekauft werden müssten. «Das dürfte den
Preis der Zertifikate nach oben treiben», sagte Kohlmann. Wenn das
Umweltministerium feststelle, dass der Unterschied zwischen dem
Mengenziel der Regierung und der EU-Kommission lediglich zwei Prozent
betrage, wisse es offensichtlich nicht, welche technischen und
finanziellen Anstrengungen mit der Bewältigung dieser Minderung von
rund zwölf Millionen Tonnen Kohlendioxid verbunden seien.
«Der Vorgang insgesamt ist ein gesellschaftspolitischer Skandal,
der auf dem Rücken der Verbraucher und der Wirtschaft ausgetragen
wird», betonte Kohlmann. Denn Deutschland habe sich im Vergleich
mit anderen europäischen Ländern ein
überdurchschnittliches Klimaschutz-Ziel gesteckt. Dieses Ziel sei
schon fast erreicht, während andere Länder ihre Emissionen
sogar noch gesteigert hätten.
«Die deutsche Vorreiterrolle beim Klimaschutz darf nicht dazu
führen, dass die Bundesrepublik und insbesondere die
Energiewirtschaft die Versäumnisse anderer Länder
ausbügeln müssen. Wirkungsvoller Klimaschutz braucht keinen
Überbieter-Wettbewerb für ständig neue Einsparziele,
sondern Verlässlichkeit für die erforderlichen,
milliardenschweren Investitionen der Stromversorger», sagte
Kohlmann.
(Quelle: ap)
Familienministerin von der Leyen fordert massiven Ausbau der
Kinderkrippen
Sa.10.02.07 - Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) fordert einen
massiven Ausbau der Kinderkrippen. "Bis spätestens 2013 muss es
zusätzlich 500.000 Betreuungsplätze geben, in Krippen und bei
Tagesmüttern", sagte sie der "Süddeutschen Zeitung". Damit
hätten dann 35 Prozent aller Kinder unter drei Jahren ein Angebot.
Die Kosten beliefen sich auf jährlich rund drei Milliarden Euro
zusätzlich, sagte von der Leyen.
Sie wolle erreichen, dass in der Bundesrepublik in wenigen Jahren etwa
750.000 Kleinkinder in Krippen und von Tagesmüttern betreut werden,
sagte die Ministerin weiter. Derzeit sind es rund 250.000. Das
benötigte Geld sollten Bund, Länder und Kommunen gemeinsam
aufbringen. Dass dem Bund direkte Zahlungen an die Kommunen untersagt
sind, sehe sie nicht als grundsätzliches Hindernis: "Wenn
dafür das Grundgesetz geändert werden müsste, sollte es
daran nicht scheitern", sagte von der Leyen der "Süddeutschen
Zeitung".
Es gehe darum, sämtlichen Kindern früh den Zugang zu Bildung
und Erziehung zu ermöglichen: "Wir wissen, dass jedes dritte Kind
einen Migrationshintergrund hat. Und am Anfang der Bildungskarrieren
entscheidet sich, ob auch diese Kinder in den nächsten Jahrzehnten
in der Lage sind, unser Land wettbewerbsfähig zu halten."
"Wir müssen uns enorm anstrengen, um von einem der hintersten
Ränge in Europa zumindest zu einem Platz über dem Durchschnitt
zu kommen", sagte von der Leyen. Würden 35 Prozent der Kinder im
zweiten und dritten Lebensjahr betreut, läge die Bundesrepublik in
der Spitzengruppe Europas, gleichauf mit Staaten wie den Niederlanden,
jedoch weiterhin knapp hinter den skandinavischen Ländern und
Frankreich.
(Quelle: afp)
Gute Konjunktur stützt Finanzkraft der Kommunen
Sa.10.02.07 - Die gute Konjunktur greift den seit Jahren unter schwindender
Finanzkraft leidenden Kommunen kräftig unter die Arme. Ihre
Steuereinnahmen stiegen 2006 so stark wie zuletzt vor 15 Jahren, teilte
Münchens Oberbürgermeister Christian Ude am Freitag in Berlin
mit.
Dennoch sehe er keinen Grund zur Entwarnung, sagte der Präsident
des Deutschen Städtetages. Noch immer seien viele Gemeinden
gezwungen, die laufenden Ausgaben mit Krediten zu finanzieren. Ihre
Hoffnungen setzen die Stadtkämmerer nun auf die
Unternehmenssteuerreform.
Die Einnahmen aus der wichtigsten kommunalen Ertragsquelle, der
Gewerbesteuer, stiegen um fünf Milliarden Euro auf einen
Rekordbetrag von 31 Milliarden Euro. Die gesamten Einnahmen legten um
4,6 Prozent auf 158 Milliarden Euro zu, die Ausgaben nur um 1,9 Prozent
auf 156,3 Milliarden Euro. Damit wiesen die Gemeinden erstmals seit 2000
einen Haushaltsüberschuss aus.
Für die unter Schlaglöchern, maroden öffentlichen
Schulen oder baufälligen Theatern leidenden Bürgern ergeben
sich damit erste Lichtblicke. Ude zufolge wurde der vor 15 Jahren
begonnene dramatische Verfall der kommunalen Investitionen gestoppt. Sie
stiegen um 1,3 Prozent auf 18,9 Milliarden Euro. "Noch immer liegen die
Investitionen aber auf einem erschreckend niedrigen Niveau",
schränkte Ude ein. Sie erreichten 2006 weniger als 60 Prozent des
Niveaus von 1992. Für dieses Jahr erwartet der Städtetag einen
stärkeren Anstieg um knapp vier Prozent.
Trotz insgesamt positiver Zahlen könne für die Finanzlage der
Kommunen noch keine Entwarnung gegeben werden, sagte Ude. So sei die
Lage der Städte höchst unterschiedlich. Während etwa
München, Frankfurt oder Düsseldorf stark von den steigenden
Gewerbesteuereinnahmen profitierten, litten Kommunen in
strukturschwachen Gebieten weiter - vor allem in Ostdeutschland, im
Ruhrgebiet und in Teilen Norddeutschlands.
"Die armen Städte sind unverändert in einer dramatischen
Finanzsituation", warnte Ude. Ein Anzeichen dafür seien die erneut
gestiegen Kassenkredite, mit denen viele Kämmerer
regelmäßig das Konto überziehen. Bis Ende September 2006
wurden sie um fast vier Milliarden Euro auf 27,6 Milliarden Euro
aufgestockt. Seit 2000 hat sich die Summe mehr als vervierfacht. Nach
Angaben des Städtetags gibt es viele Kommunen, die noch über
viele Jahre hinweg Defizite vor sich herschieben müssen und erst
nach 2020 mit einem ausgeglichenen Stadtsäckel rechnen.
Dass sich die Kassenlage nicht schneller entspannt, liegt vor allem an
den steigenden Sozialausgaben: 2006 legten sie um fünf Prozent auf
37,4 Milliarden Euro zu. Ursache dafür sind die anziehenden Kosten
für die Unterkunft von Langzeitarbeitslosen. Dafür mussten die
Städte 13,8 Milliarden Euro aufwenden, 14 Prozent mehr als im
Vorjahr. Ein spezielles Problem stellen Ude zufolge
Leistungsempfänger dar, die zwar Arbeiten gehen, nach der
Verrechnung ihres Einkommens mit dem Arbeitslosengeld II aber nicht mehr
genug Geld übrig haben, um eine Wohnung zu bezahlen. Ihr Anteil an
allen Hilfsempfängern stieg von 14 auf 20 Prozent.
Eine Stabilisierung der Einnahme erhoffen sich die Städte von der
für 2008 geplanten Unternehmenssteuerreform. Darin soll die
Gewerbesteuer auf eine breitere Basis gestellt werden. Sie kann dann
nicht mehr als Betriebsausgabe vom Gewinn abgezogen werden und
fällt auf alle zinsrelevanten Ausgaben an. Ude forderte die
Koalition auf, dem Druck der Wirtschaft gegen diese Neuregelung nicht
nachzugeben. Die Kommunen wollten nicht mehr Geld bekommen, aber auch
nicht die Verlierer der Reform sein.
(Quelle: rtr)
Abgesperrte Zimmer bei Langzeitarbeitslosen
Sa.10.02.07 - Langzeitarbeitslose in Sachsen-Anhalt müssen weitere, drastische
Einschnitte beim Wohnen hinnehmen: Die Wohnungsgesellschaften vor allem
in den Städten Magdeburg, Halle und Dessau sperren einzelne
Räume ab oder legen dort Heizungen still, um die entsprechenden
Vorgaben der Kriterien für das Arbeitslosengeld II einzuhalten. Auf
diese Weise würden Umzüge in kleinere Wohnungen verhindert,
sagte der Direktor des Verbandes der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt,
Jost Riecke, am Freitag der Nachrichtenagentur AP. Er bestätigte
damit einen Bericht der in Halle erscheinende «Mitteldeutschen
Zeitung».
Danach erfolgen die Einschnitte dort, wo die Wohnungen
größer sind als nach den Zumutbarkeitskriterien erlaubt.
Riecke sprach jedoch von Einzelfällen, zumal nicht überall die
technischen Voraussetzungen bestünden; so bei der Berechnung der
Betriebskosten.
So träfen die Maßnahmen beispielsweise Einzelpersonen, die
in Drei-Raum-Wohnungen mit einer Fläche von über 60
Quadratmetern lebten. Auf der einen Seite sei in solchen Fällen ein
Umzug oft zu teuer. Andererseits gebe es vielfach auch keine
Alternative, weil gerade in den Städten mit zahlreichen Studenten-
und Singlehaushalten kleine Wohnungen rar seien. Das müssten die
Ämter begreifen, sagte Riecke.
Um Umzüge von Langzeitarbeitslosen in kleinere Wohnungen zu
vermeiden, sperrt auch die Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg Räume
ab oder legt die Heizung still, wie Freda Trowe, Leiterin der
Immobilienverwaltung auf AP-Anfrage bestätigte. «Aber nur in
Einzelfällen und immer in ausführlicher Absprache mit dem
Kunden und der Arbeitsagentur», schränkt auch sie ein. Sicher
seien damit hin und wieder auch soziale Härten verbunden. Auf der
anderen Seite bleibe dem Mieter oftmals der Wegzug aus dem angestammten
Viertel erspart. «Magdeburger sind bodenständig und manchmal
auch froh, im Viertel bleiben zu dürfen», erklärte die
Wohnungswirtschafterin.
Ähnlich argumentierte der Sprecher der Halleschen
Wohnungsgesellschaft, Joachim Effertz, in der «Mitteldeutschen
Zeitung»: «Für die Mieter entfällt der drohende
Umzug, die Vermieter erhalten zumindest eine reduzierte Miete.»
Mit Empörung reagierte indes der DGB-Vorsitzende von
Sachsen-Anhalt, Udo Gebhardt: «Wenn Kommunen und
Wohnungsbaugesellschaften konsequent und klarsichtig wären,
müssten sie erkennen, dass auch sie zu den Opfern der
Hartz-IV-Gesetze gehören», sagte er. Denn laut Gesetz sollten
sie Umzüge finanzieren und angemessenen Wohnraum vorhalten. Sie
seien damit überfordert und würden deshalb den Druck an die
Schwächsten weiterreichen.
Auch die Linkspartei.PDS protestierte gegen die «diskriminierende
Wohnraumabsperrungen». Die Eingriffe in die Gestaltung des
privaten Lebensumfeldes von Menschen, die von Arbeitslosengeld II
abhängig sind, werden immer grotesker», kritisierte die
sozialpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, Birke Bull.
(Quelle: ap)