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Irak am neunhundertsiebenundfünfzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Washington vermutet Iran hinter Bombenangriffen im Irak. Drei
US-Soldaten im Irak getötet
So.11.02.07 - Die US-Regierung vermutet, dass eine Reihe von Bombenangriffen mit
besonders starker Sprengkraft im Irak auf iranische Ursprünge
zurückzuführen sind. Für die Mitwirkung des Iran gebe es
"ziemlich gute Belege", sagte US-Verteidigungsminister Robert Gates am
Rande des NATO-Treffens in Sevilla. Laut "New York Times" wurden die
Belege von US-Geheimdiensten gesammelt. Sie deuteten darauf hin, dass
der Iran schiitischen Kämpfern im Irak "tödliche
Unterstützung" zukommen lasse.
"Ich glaube, dass der Iran entweder in die Bereitstellung der
Technologie oder sogar der Waffen selbst involviert ist", sagte Gates.
Diese Waffen seien "extrem tödlich". Über die Details
könne er selbst nicht mit Sicherheit urteilen. Allerdings
könnten etwa Seriennummern der Sprengsätze als Beleg angesehen
werden.
Die US-Armee hatte bereits eine Veranstaltung in Bagdad angesetzt, um
auf die Zusammenhänge zwischen dem Iran und bestimmten
Anschlägen hinzuweisen. Der Termin wurde jedoch kurzfristig
abgesagt, weil die Belege als noch nicht ausreichend angesehen wurden.
Bei einer Explosion in der irakischen Provinz Dijala sind drei
amerikanische Soldaten getötet und vier weitere verletzt worden.
Wie die US-Streitkräfte am Samstag mitteilten, gehörten die
Soldaten zu einer Einheit, die am Freitag nordöstlich von Bagdad
nach Waffenverstecken suchte. Als sie ein Gebäude räumen
wollten, kam es zu der Detonation. Seit Anfang des Monats sind bereits
36 US-Soldaten im Irak ums Leben gekommen.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 11.02.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertdreiundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.12.02.06 - Endergebnis der Wahl im Irak macht Weg für Regierungsbildung frei.+++
Sunnitischer Imam in Bagdad entführt +++ Ärzte: Elf Tote bei
Autobombenexplosion in Bagdad +++ Trotz der 'Siegesstrategie' von Bush ist die
Zahl der Angriffe im Irak seit Juni 2003 stetig gestiegen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0602110.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Putin wirft USA militärische Abenteuer vor
So.11.02.07 - Der russische Präsident Wladimir Putin hat den USA
militärisches Abenteurertum vorgeworfen. Mit ausufernder
Gewaltanwendung unter Missachtung des Völkerrechts heizten die
Vereinigten Staaten ein gefährliches nukleares Wettrüsten an,
warnte Putin am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz.
Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel rief NATO und EU zu einer
engen Partnerschaft mit Russland auf. Trotz vieler Streitpunkte
könnten Herausforderungen vom iranischen Atomprogramm bis
Afghanistan nur gemeinsam gelöst werden.
Putin sagte vor den versammelten 250 Politikern und Militärs aus
40 Staaten, die USA hätten die Grenzen überschritten:
«Wir sind Zeuge ungezügelter Militäranwendung.» In
diesen Konflikten kämen Hunderttausende Menschen zu Tode, das
Völkerrecht werde missachtet, und politische Lösungen
würden unmöglich gemacht, kritisierte der russische
Staatschef. «Niemand fühlt sich sicher», sagte der
russische Präsident. «Eine solche Politik ist ein Katalysator
des Wettrüstens», in dem einige Länder nach Atomwaffen
strebten.
Merkel warnte den Iran vor dem Bau von Atomwaffen. «Wir alle sind
entschlossen, die Bedrohung durch ein militärisches Nuklearprogramm
des Irans zu verhindern», sagte sie. Wenn Iran die UN-Resolution
nicht ohne Wenn und Aber erfülle, drohe ihm ein weiteres Abgleiten
in die Isolation.
Putin äußerte sich zwar ebenfalls besorgt über das
iranische Atomprogramm, forderte aber Geduld und warnte vor einer
Isolierung Teherans. Scharf kritisierte er auch die US-Pläne
für ein Raketenabwehrsystem in Osteuropa. Weder nordkoreanische
noch die bisherigen iranischen Raketen könnten Europa erreichen.
Der iranische Atom-Unterhändler Ali Laridschani beteuerte in
München, sein Land sei zur Zusammenarbeit mit den Vereinten
Nationen bereit.
Putin sagte, Gewalt dürfe nur das letzte Mittel sein und sei nur
legitim, wenn sie von den Vereinten Nationen beschlossen worden sei.
Alleingänge der NATO oder der EU «sind keine Lösung,
sondern Quelle neuer Tragödien und Spannungsherde». Im Kosovo
werde Russland keiner Lösung unterstützen, der Serbien nicht
zustimme. Serbien hat den Plan des UN-Vermittlers Martti Ahtisaari
abgelehnt, Kosovo unter Kontrolle der EU in die Eigenständigkeit zu
entlassen.
Merkel sagte auch mit Blick auf den jüngsten Stopp russischer
Energielieferungen: «Die Sichtweisen sind manchmal
unterschiedlich, aber darüber muss geredet werden.» Russland
trage schon vielerorts Verantwortung mit und sei für Europa und die
USA ein entscheidender Sicherheitspartner. «Gemeinsam mit Russland
können wir viel bewegen», sagte die CDU-Vorsitzende bei der
Eröffnung der Konferenz. Die globalen Krisen von Afghanistan bis
zum Klimawandel seien nur gemeinsam zu lösen. «Keine Macht
der Welt hat genug Macht, Einfluss und Glaubwürdigkeiten, sich den
Herausforderungen alleine zu stellen», sagte Merkel.
Deutschlands Verteidigungsminister Franz Josef Jung äußerte
Verständnis für Russlands Sorge über das geplante
US-Raketenabwehrsystem in Osteuropa: «Ich kann die Fragen
nachvollziehen, die Russland stellt, und die Sensibilität.»
Man müsse darüber nachdenken, ob man Russland in einen solchen
Sicherheitsschutz einbeziehe.
(Quelle: ap)
Friedlicher Protest gegen Münchner Sicherheitskonferenz
So.11.02.07 - Mit einem Protestmarsch durch die Innenstadt von München haben
rund 3000 Menschen am Samstag gegen die 43. Sicherheitskonferenz
demonstriert. Ausgerüstet mit Friedensflaggen und Transparenten
starteten die Teilnehmer gegen Mittag ihren Zug zum Lenbachplatz.
Das in der Nähe gelegene Hotel Bayerischer Hof, in dem die
Spitzenpolitiker tagten, war von der Polizei hermetisch abgeriegelt.
3500 Polizisten waren im Einsatz. Es kam wiederholt zu kleineren
Rangeleien zwischen Demonstranten und Einsatzkräften. Nach Angaben
der Polizei blieb aber «alles friedlich». 17 Menschen wurden
in Gewahrsam genommen.
Zu einer ersten Auseinandersetzung zwischen Polizei und Protest-
Teilnehmern war es gekommen, als Beamte einen Bus aus Reutlingen
(Baden-Württemberg) kontrollierten. Die Insassen waren auf dem Weg
zu der Demonstration. Weil sich fünf von ihnen gegen die
Durchsuchung des Fahrzeugs wehrten, wurden sie vorübergehend
festgenommen. Die Polizei schritt vor allem wegen Verstößen
gegen das Versammlungsgesetz ein. So hätten Demonstranten Schuhe
mit Stahlkappen oder Jacken mit Nieten getragen.
Der Protest der Demonstranten richtete sich in diesem Jahr insbesondere
gegen die geplante Entsendung von sechs Tornado- Kampfflugzeugen nach
Afghanistan. «Deutschland wird am Hindukusch
beschädigt», war auf einem Transparent zu lesen. Auf anderen
Bannern stand: «Menschen zu ernähren ist billiger als
Menschen zu ermorden» und «Kriegsfreunde wollen keinen
Frieden». Zahlreiche «Pace»-Fahnen in Regenbogenfarben
wurden geschwenkt. Zu dem Protest hatte das Aktionsbündnis gegen
die Sicherheitskonferenz aufgerufen. Die Veranstalter hatten mit bis zu
5000 Teilnehmern gerechnet.
(Quelle: dpa)
Obama verkündet offiziell Bewerbung um US-Präsidentenamt
So.11.02.07 - Einer der Hoffnungsträger der Demokraten, Senator Barack Obama,
hat seine Bewerbung für die Nachfolge von US-Präsident George
W. Bush offiziell verkündet. "Ich stehe heute vor Euch, um meine
Bewerbung für die Präsidentschaftskandidatur
anzukündigen," sagte der 45-Jährige bei klirrender Kälte
vor tausenden Anhängern in der Geburtstadt des legendären
US-Staatschefs und Sklavenbefreiers Abraham Lincoln in Springfield im
US-Bundesstaat Illinois.
"Ihr seid nicht nur wegen mir hergekommen, sondern weil Ihr daran
glaubt, was dieses Land sein kann", sagte der 45-Jährige.
"Angesichts des Krieges, glaubt Ihr, dass es Frieden geben kann.
Angesichts von Verzweiflung glaubt Ihr an die Hoffnung." Der
charismatische Sohn eines Kenianers und einer US-Bürgerin ist der
erste Afro-Amerikaner, der reale Aussichten auf das Präsidentenamt
in den USA hat. Zu verdanken hat er das auch seinem rhetorischen
Geschick.
Obama kündigte zudem an, er wolle die US-Truppen aus dem Irak nach
Hause bringen, mehr im Kampf gegen die globale Erwärmung tun und
jedem US-Bürger Zugang zur Gesundheitsversorgung zu verschaffen. In
den zwei Jahren seit seiner Wahl in den Senat erlebte der Politiker
einen ungewöhnlich raschen Aufstieg; Kritiker bemängeln
allerdings seine fehlende politische Erfahrung. Er wisse, dass er die
Abläufe in Washington noch nicht sehr lange studiert habe. "Ich war
aber lange genug da, um zu wissen, dass es sich ändern muss",
sagte er.
Nach der Auftaktveranstaltung in Illinois wollte der
Präsidentschaftsanwärter in die Staaten Iowa und New Hampshire
weiterreisen, wo Anfang kommenden Jahres die ersten parteiinternen
Vorwahlen um die Kandidatur stattfinden.
Innerhalb der Demokratischen Partei liegt Obama Umfragen zufolge bisher
hinter seiner größten Konkurrentin, der Senatskollegin
Hillary Clinton. Auch die frühere First Lady ist vom
Wahlkampffieber gepackt. Sie wollte am Samstag zu Auftritten nach New
Hampshire reisen.
(Quelle: afp)
15 Tote bei Gefechten und Anschlägen in Afghanistan
So.11.02.07 - Bei Gefechten und Anschlägen im Süden Afghanistans sind 15
Menschen ums Leben gekommen. Die Polizei in der Provinz Kandahar teilte
am Samstag mit, Taliban-Kämpfer hätten einen
Polizeitransporter überfallen und vier Beamte getötet. Drei
Polizisten wurden bei dem Angriff im Bezirk Pandschwaji am Freitagabend
schwer verletzt.
In dem Gebiet waren bei einer Offensive der NATO im vergangenen Herbst
mehr als 500 Aufständische getötet worden. Kanadische und
US-amerikanische Truppen bemühen sich seitdem, die Sicherheitslage
dort zu verbessern. Eine Straße wurde gebaut, Schulen und
Krankenhäuser öffneten wieder. Dennoch operieren in dem Gebiet
weiter kleine Gruppen von Aufständischen.
In der Nachbarprovinz Helmand griffen nach Darstellung der
Behörden mutmaßliche Taliban-Extremisten einen Konvoi der
NATO und der afghanischen Streitkräfte an. Bei dem
anschließenden vierstündigen Gefecht seien am Freitag elf
Taliban getötet worden, erklärte der Polizeichef der Provinz,
Ghulam Nabi Malachail.
Am Samstag sprengte ein Selbstmordattentäter sein Fahrzeug bei der
Stadt Kandahar in der Nähe eines NATO-Konvois in die Luft. Nach
Polizeiangaben kam der Extremist ums Leben, ohne mit seinem Anschlag
weitere Menschen zu verletzen.
(Quelle: ap)
Laridschani betont friedliche Absichten Irans
So.11.02.07 - Der iranische Chef-Unterhändler Ali Laridschani hat die
Bereitschaft seines Landes zur Zusammenarbeit mit der internationalen
Staatengemeinschaft im Atomstreit bekräftigt. Laridschani sagte am
Rande der Münchner Sicherheitskonferenz am Samstag: «Wir sind
bereit, mit den anderen Staaten für einen globalen Frieden
umfassend zusammenzuarbeiten.» Weiter betonte er, dass sein Land
keine Angriffsziele verfolge, sondern sich rein defensiv verhalte.
Um Laridschanis Teilnahme an der Sicherheitskonferenz hatte es am
Vortag Wirbel gegeben. Zunächst hatte er aus Krankheitsgründen
kurzfristig abgesagt, war dann aber doch angereist. Zum iranischen
Atomprogramm sagte er: «Wir sind keine Bedrohung für unsere
Region und andere Länder.» Sein Land halte sich an den
Atomwaffensperrvertrag. Er bedauerte es, dass die westliche Gemeinschaft
den Verhandlungstisch verlassen habe.
Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel und die israelische
Außenministerin Zipi Livni hatten in ihren Reden betont, die
internationale Gemeinschaft dürfe es nicht zulassen, dass Iran
Atomwaffen entwickele. Der russische Präsident Wladimir Putin
zeigte sich ebenfalls besorgt über das iranische Atomprogramm,
warnte aber vor einer Isolierung oder Konfrontation gewarnt.
(Quelle: ap)
Kein Durchbruch bei Nordkorea-Verhandlungen
So.11.02.07 - Bei den Verhandlungen über das nordkoreanische Atomprogramm in
Peking haben die Unterhändler auch am dritten Tag keinen Durchbruch
erzielt. Die Gespräche sollen am (heutigen) Sonntag fortgesetzt
werden. Es gebe noch «ziemlich große Differenzen»,
sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Qin Gang,
am Samstag. Er rechne dennoch mit Fortschritten.
Der japanische Unterhändler Kenichiro Sasae erklärte, die
nordkoreanische Position liege von denen der anderen
Verhandlungsteilnehmer noch weit entfernt. «Die Lage bleibt
ernst.» Bei einigen Themen sei keine Lösung in Sicht.
Vor der Wiederaufnahme der Gespräche am Morgen hatte
US-Unterhändler Christopher Hill gesagt, ein oder zwei Punkte seien
noch strittig. «Wenn wir in einer logischen, rationalen Welt leben
würden, brächten wir dies zu Ende.»
Am Freitag hatten die sechs Staaten - neben den beiden Koreas, den USA
und Gastgeber China sind dies Russland, Japan und China - über
einen von Peking vorgelegten Vorschlag beraten. Der Plan bietet
Pjöngjang eine Unterstützung in der Energieversorgung an,
falls die wichtigsten Atomanlagen Nordkoreas stillgelegt werden.
Die Verhandlungen begannen bereits im August 2003, gerieten aber
mehrfach ins Stocken. In einem ersten Abkommen verpflichtete sich
Nordkorea im September 2005 zur Abrüstung und erhielt dafür
Sicherheitsgarantien und Hilfslieferungen in Aussicht gestellt. Eine
völlig neue Situation ergab sich jedoch mit der unterirdischen
Testzündung eines Atomsprengsatzes in Nordkorea am 9. Oktober
vergangenen Jahres.
Während der letzten Verhandlungsrunde lehnte Nordkorea
Gespräche über einen Verzicht auf sein Atomprogramm ab und
forderte stattdessen eine Aufhebung von amerikanischen Finanzsanktionen.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Palästinenser dringen auf Ende des Finanzboykotts. Peres: Hamas
muss Israel anerkennen
So.11.02.07 - Nach der Einigung auf die Bildung einer neuen Regierung hoffen die
Palästinenser auf ein Ende des internationalen Finanzboykotts.
Präsident Mahmud Abbas wolle eine weltweite Unterstützung des
in Mekka erzielten Abkommens erreichen, sagte sein Vertrauter Nabil Amr
am Samstag. Zu Gesprächen über die Vereinbarung soll Amr
zunächst nach Deutschland reisen, das zurzeit die
EU-Ratspräsidentschaft innehat. Anschließend ist ein Treffen
mit dem EU-Außenbeauftragten Javier Solana in Belgien geplant.
Die Politiker in Europa würden dringend gebeten, sich für ein
Ende des Finanzboykotts einzusetzen, sagte Amr. Seit der Bildung der
Hamas-Regierung im vergangenen Jahr haben die ausländischen
Geberstaaten Finanzhilfen von rund einer Milliarde Dollar (knapp 800
Millionen Euro) eingefroren.
Zwei Vertraute Abbas', Sajeb Erakat und Jasser Abed Rabbo, trafen am
Freitag in Washington mit US-Außenministerin Condoleezza Rice
zusammen. Rice habe kritisiert, dass das Regierungsabkommen bei
Schlüsselthemen nur vage formuliert sei, erklärte Abed Rabbo.
Außerdem zeigte sich die Ministerin skeptisch, ob sich die Hamas
tatsächlich daran halte. Bei den Verhandlungen in Mekka ging es vor
allem um die Haltung zu den Friedensverträgen mit Israel.
Während Abbas die neue Regierung zur Einhaltung der Verträge
«verpflichten» wollte, bestand Hamas-Führer Chaled
Maschaal auf einer Abschwächung dieser Forderung. In dem Abkommen
heißt es jetzt, dass die Verträge «respektiert»
werden sollen.
Das Nahost-Quartett bekräftigte seine Hoffnung auf ein Ende der
Gewalt in den Autonomiegebieten. Zugleich begrüßte das
Bündnis aus Vereinten Nationen, Europäischer Union, USA und
Russland die Vermittlerrolle Saudi-Arabiens. In einer am Freitag in New
York veröffentlichten Erklärung bekundete das Quartett seine
Unterstützung für eine palästinensische Regierung, die
sich der Gewaltfreiheit sowie der Anerkennung Israels und bisheriger
Abkommen verpflichte.
Israels stellvertretender Regierungschef Schimon Peres fordert von der
radikalislamischen Hamas die Anerkennung Israels.
Dem Nachrichtenmagazin «Focus» sagte Peres: «Wir
werden uns nicht auf Spielereien einlassen. Es geht um Folgendes: Ist
die Hamas bereit, mit Israel zu verhandeln oder nicht. Wenn sie
verhandeln will, muss sie Israel anerkennen.» Die neue Regierung
müsse eine gemeinsame Politik vertreten, «die die Erwartungen
der Welt erfüllt». Israel habe Frieden mit Jordanien und
Ägypten schließen können, da es dort nur eine Regierung
gebe. Im Libanon oder bei den Palästinensern sei man gescheitert,
da dort verschiedene Kräfte wirken. «Um Erfolg zu haben,
braucht man einen Partner, der mit einer Stimme spricht, sonst geht es
weiter und weiter und weiter.»
Peres hält die Schaffung eines politisch selbstständigen
Palästinenserstaats für notwendig. Die Wirtschaft solle aber
zwischen Israelis, Palästinensern und Jordaniern koordiniert
werden. «Die Natur und die Wirtschaft verlangen so eine
Zusammenarbeit. Wir können zum Beispiel das Tote Meer nicht retten,
wenn wir nicht zusammenarbeiten.»
Große Sorge bereitet Peres nach wie vor der Iran, der sein
Atomprogramm voran treibe. «Die Ajatollahs streben danach, den
Nahen Osten zu beherrschen. Sie denken, die Welt ist schwach, so dass
sie sich alles erlauben können», sagte er. Ein
militärisches Eingreifen Israels hält er aber derzeit nicht
für nötig. «Eine richtige psychologische Kampagne und
ein wenig ökonomischer Druck könnten schon
genügen.» Es bilde sich im Iran auf Grund der schlechten
wirtschaftlichen Lage ohnehin bereits eine Opposition gegen
Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad.
In Jerusalem kam es unterdessen erneut zu Protesten gegen israelische
Bauarbeiten am Tempelberg. Palästinensische Jugendliche warfen am
Samstag Steine auf Polizisten. Im Ostteil der Stadt steckten sie
Müllcontainer und eine israelische Flagge in Brand. Steinewerfer
griffen auch einen Bus mit kanadischen Touristen und eine Polizeistation
an. Die Polizei setzte Tränengas ein.
Am Freitag hatten tausende Muslime gegen die Arbeiten demonstriert. Bei
den Auseinandersetzungen waren 17 Demonstranten und 19 Polizisten leicht
verletzt worden. Die Behörden wollen einen
Fußgängeraufgang am Fuße des Tempelbergs erneuern
lassen, der im Jahr 2004 teilweise eingestürzt war. Die Muslime
sehen ihre heiligen Stätten gefährdet. Konflikte um den
Tempelberg, der sowohl für die Muslime als auch für die Juden
von höchster Bedeutung ist, waren schon mehrfach Auslöser
heftiger Gewalt zwischen Palästinensern und Israelis. Malaysia, das
den Vorsitz der Organisation der Islamischen Konferenz innehat, und der
jordanische König Abdullah II. forderten einen Stopp der
Bauarbeiten.
(Quellen: ap, dpa)
Fünf Tote bei Granatenangriffen in Somalia
So.11.02.07 - Bei Angriffen mit Mörsergranaten sind am Samstag in der
somalischen Hauptstadt Mogadischu fünf Menschen getötet und
mindestens zehn weitere verletzt worden. Laut Augenzeugen schlugen die
Geschosse in Wohnhäusern sowie einem Obdachlosenasyl im Süden
von Mogadischu ein. Unter den Toten waren den Angaben zufolge zwei
Mädchen.
Zuvor hatten Unbekannte eine Mörsergranate auf ein Hotel im Norden
der Stadt abgefeuert, in dem die Übergangsregierung zu einer
Klausurtagung zusammengekommen war. Ein Reporter der Nachrichtenagentur
AP berichtete, bei dem Angriff sei ein Mädchen verletzt worden.
Die Gewalt in Mogadischu hat in den vergangenen Wochen zugenommen. Im
Dezember vertrieben Regierungstruppen mit äthiopischer
Unterstützung die Islamisten, die die somalische Hauptstadt bis
dahin kontrolliert hatten.
(Quelle: ap)
Tausende Albaner demonstrieren gegen Kosovo-Plan
So.11.02.07 - Bei gewalttätigen Protesten gegen die Vorschläge des
UN-Gesandten Martti Ahtisaari sind am Samstag im Kosovo etwa 70 Menschen
verletzt worden. Die Polizei setzte Gummigeschosse und Tränengas
ein, nachdem einige der etwa 3.000 Demonstranten in Pristina die
Sicherheitskräfte mit Steinen beworfen hatten. 15 Personen wurden
nach Angaben der Polizei festgenommen. An dem Einsatz waren auch
UN-Kräfte beteiligt. Demonstranten hatten ein UN-Fahrzeug
umgeworfen und versucht, zu Regierungsgebäuden vorzudringen.
Am 21. Februar wird eine serbische Delegation zu Verhandlungen
über den künftigen Status des Kosovos in Wien erwartet.
Während die albanische Mehrheit in der Provinz die empfohlene
weitgehende Autonomie des Kosovo als unzureichend kritisiert, gehen
Serbien die Vorschläge Ahtisaaris zu weit. Am Mittwoch kommt das
neue serbische Parlament zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen.
Bereits in der ersten Debatte werde es um die Zukunft des Kosovo gehen,
sagte Aleksandar Vucic von der ultranationalistischen Radikalen Partei.
Die endgültige Entscheidung über den künftigen Status
der seit 1999 unter UN-Verwaltung stehenden Provinz fällt jedoch im
Weltsicherheitsrat. Der russische Präsident Wladimir Putin
bekräftigte auf der Münchner Sicherheitskonferenz, Russland
werde keine Lösung unterstützen, mit der nicht sowohl Serben
als auch Kosovo-Albaner zufrieden seien. Niemand könne für
alle anderen Völker deren Probleme lösen: «Wir
dürfen uns nicht aufzwingen», sagte Putin.
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte, für Serbien
sei es wichtig, den Weg in Würde mitgehen zu können. Man
müsse «mit größter Sensibilität»
vorgehen, könne aber auch nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag warten.
(Quelle: ap)
G7-Finanzminister nehmen Hedgefonds stärker ins Visier
So.11.02.07 - Die Finanzminister der sieben führenden Industrienationen (G7)
wollen Hedgefonds stärker ins Visier nehmen. Wachsamkeit sei
geboten, auch wenn die Fonds zur Effizienz des weltweiten Finanzsystems
beitrügen, hieß es in dem am Samstag in Essen
veröffentlichten Schlusskommuniqué. Keine Erwähnung
fand die Schwäche der japanischen Währung, die die Konkurrenz
für europäische Exportunternehmen auf dem Weltmarkt
verschärft. Zuversichtlich beurteilen die Minister die Aussichten
für die Weltkonjunktur.
Die Abschätzung der möglichen Risiken der Fonds werde immer
komplexer, heißt es in der Erklärung. «Angesichts des
starken Wachstums der Hedgefondsindustrie und ihrer Handelspraktiken,
müssen wir wachsam sein». Man werde das Thema weiter
verfolgen. Der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück hatte am
Vortag darauf hingewiesen, dass es ein Erfolg sei, dass überhaupt
erstmals über das Thema Hedgefonds gesprochen werde. In der
Vergangenheit hatten sich vor allem die USA und Großbritannien
dagegen gesperrt.
Die Finanzminister und Notenbankchefs aus Deutschland, Frankreich,
Italien, Großbritannien, den USA, Kanada und Japan hatten unter
deutscher Präsidentschaft in Essen zwei Tage weitere Themen wie
Energiepolitik, die Reform des Internationalen Währungsfonds, die
Entwicklung von Anleihemärkten in Schwellenländern und die
Welthandelsrunde diskutiert. Neben den Hedgefonds galt als wichtiges
Thema auch die Schwäche des Yen.
Die japanische Währung hatte seit Januar 2006 gegenüber dem
US-Dollar rund vier Prozent und gegenüber dem Euro sogar rund elf
Prozent an Wert verloren. Für europäische und amerikanische
Exportunternehmen heißt das, sie müssen sich der billigeren
japanischen Konkurrenz stellen. Vor allem die Autobauer bekommen dies zu
spüren. Hintergrund der Yen-Schwäche sind die historisch
niedrigen Zinsen von 0,25 Prozent in Japan.
In der gemeinsamen Erklärung hieß es zu Wechselkursen
lediglich, sie sollten die ökonomischen Grundlagen des Landes
widerspiegeln. Zu große Schwankungen seien nicht
wünschenswert für das Wirtschaftswachstum. In stark wachsenden
Schwellenländern, insbesondere China wäre notwendige
Anpassungen der effektiven Wechselkurse wünschenswert.
Zuversichtlich beurteilten die Finanzminister und Notenbankchefs die
Aussichten für die Weltwirtschaft. Die Euro-Zone verzeichne einen
kräftigen Aufschwung. Kanada und Großbritannien befänden
sich auf solidem Wachstumskurs, die Erholung der japanischen Wirtschaft
gehe weiter und die USA-Konjunktur sei solide.
(Quelle: ap)
Arbeitskosten in Deutschland hoch - Lohnnebenkosten eher niedrig
So.11.02.07 - Der Standort Deutschland hat im EU-Vergleich hohe Arbeitskosten, aber
niedrige Lohnnebenkosten.
Während ein deutscher Arbeitgeber 2004 in der Privatwirtschaft
28,17 Euro für eine Arbeitsstunde zahlte, lag der Durchschnitt
für die Europäische Union bei 20,66 Euro, wie das Statistische
Bundesamt am Freitag erklärte. Spitzenreiter war Dänemark mit
fast 32 Euro vor Schweden und Belgien. Deutschland rangierte auf Platz
sechs. Das Schlusslicht bildeten Rumänien und Bulgarien mit 1,90
Euro beziehungsweise 1,62 Euro.
Hiesige Arbeitgeber zahlten auf 100 Euro Bruttolohn gut 33 Euro
Lohnnebenkosten, der EU-Schnitt lag bei über 36 Euro. Die
höchsten Lohnnebenkosten zahlten die Schweden mit über 51
Euro, während sie in Malta weniger als 10 Euro betrugen.
Alle vier Jahre erhebt die EU die Arbeitskosten, also die Summe aus
Bruttolohn und Lohnnebenkosten. Die 2004er Zahlen für Deutschland
sind seit Sommer bekannt, nun liegt auch der europäische Vergleich
vor. Für 2005 gibt es bisher nur Schätzungen des
europäischen Statistikamtes Eurostat. Demnach lagen die
Arbeitskosten bei Industrie und Dienstleistern 2005 im EU-Schnitt bei
21,18 Euro pro Stunde und in Deutschland bei 26,43 Euro.
(Quelle: rtr)