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Irak am neunhundertachtundfünfzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
US-Verteidigungsminister Gates warnt NATO-Staaten vor Scheitern der USA
im Irak. Mindestens 30 Tote bei Selbstmordanschlag. Neuer Stabschef der
US-Streitkräfte im Irak: Situation 'nicht hoffnungslos'. Zahl der
im Irak seit Kriegsbeginn getöteten amerikanischen Soldaten steigt
auf 3.122
Mo.12.02.07 - US-Verteidigungsminister Robert Gates hat die NATO-Staaten vor einem
Scheitern der USA im Irak gewarnt. Wenn die USA und ihre
Verbündeten im Irak scheiterten und es Chaos gebe, werde "jedes
Mitglied der Allianz" die Folgen zu spüren bekommen, sagte Gates am
Sonntag bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Ein Versagen bei
der Errichtung eines stabilen Staats, der sich selbst verteidigen
könne, werde weitere Konflikte im Nahen Osten und ein Ansteigen des
Terrorismus zur Folge haben, "der auf alle von uns abzielt".
Bei einem Selbstmordanschlag im Irak sind am Sonntag mindestens 30
Menschen getötet und 50 verletzt worden. Bei den meisten Opfern
handelt es sich um Polizisten, die sich zum Dienstantritt vor der
Polizeiwache des bei Tikrit gelegenen Dorfes Adwar versammelt hatten. In
Bagdad waren am Samstag bei einem Autobombenanschlag mindestens
fünf Passanten getötet worden. Ministerpräsident Nuri al-
Maliki kündigte an, dass die seit Tagen erwartete Offensive der
irakischen Sicherheitskräfte in Bagdad demnächst beginnen
werde.
Die Offensive werde nicht in einem bestimmten Gebiet beginnen, sondern
überall gleichzeitig, sagte al-Maliki. Alle Abteilungen der
Streitkräfte und der Polizei seien an dieser Aktion beteiligt, die
die Sicherheitslage in Bagdad nachhaltig verbessern solle.
Die Situation im Irak sei «nicht hoffnungslos», versicherte
am Samstag der neue Stabschef der US-Streitkräfte im Irak, General
David Petraeus. Er ist der dritte US-Kommandeur im Irak seit Beginn des
US-Einmarsches vor fast vier Jahren. Petraeus forderte eine
verstärkte Zusammenarbeit zwischen amerikanischen und irakischen
Sicherheitskräfte, um die weitere Eskalation der Gewalt zu
verhindern. Der Irak sei «zu anhaltender Gewalt verdammt»,
sollte es keine gemeinsamen Bemühungen geben, sagte Petraeus
während der Feier zur Kommandoübernahme am Samstag in Bagdad.
«Wir können und müssen siegen. Diese Mission ist
machbar», sagte Petraeus. Letzten Endes würden die Iraker
über den Ausgang der Bemühungen entscheiden, betonte der
General in einem Schreiben an die 135.000 amerikanischen Soldaten im
Land. Die US-Streitkräfte müssten in den kommenden Monaten die
Sicherheitslage so verbessern, dass die Regierung in Bagdad die
Probleme lösen könne, denen sie gegenüberstehe.
Petraeus folgt als Kommandeur der US-Truppen im Irak George Casey nach,
der neuer Stabschef des Heeres werden soll. Casey erklärte, seine
größte Sorge sei, dass die Iraker ihre Vergangenheit nicht
hinter sich lassen könnten. Mit Blick auf die Gewalt zwischen
Sunniten und Schiiten, sagte er: «Wir haben sie von 35 Jahren
Tyrannei befreit, aber wir können sie nicht von den Ängsten
und Vorurteilen befreien, die in diesen 35 Jahren gewachsen sind.»
Die amerikanischen Streitkräfte haben am Sonntag den Tod von zwei
weiteren Soldaten im Irak bekannt gegeben. In einer Stellungnahme
hieß es, Aufständische hätten am Sonntag eine
Patrouille im Westen der irakischen Hauptstadt Bagdad angegriffen.
Dabei sei ein Soldat getötet und ein weiterer verletzt worden. Ein
anderer Soldat war bereits am Samstag in der Provinz Dijala
nordöstlich von Bagdad bei einem Kampfeinsatz ums Leben gekommen.
Damit stieg die Zahl der getöteten amerikanischen Soldaten in
diesem Monat auf 38. Insgesamt kamen seit Beginn des Irak-Krieges im
März 2003 nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP
mindestens 3.122 US-Soldaten ums Leben.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 12.02.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertvierundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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USA warnen Putin vor neuen Kalten Krieg
Mo.12.02.07 - Die USA haben den russischen Präsidenten Wladimir Putin vor einem
Rückfall in den Kalten Krieg gewarnt. Auf der Münchner
Sicherheitskonferenz wies der amerikanische Verteidigungsminister Robert
Gates Putins Vorwurf der Kriegstreiberei am Sonntag zurück und
betonte wie die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel die
Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit Moskau. «Ein Kalter Krieg war
genug!» sagte Gates.
Putin hatte den USA militärisches Abenteurertum, ausufernde
kriegerische Gewalt und eine gefährliche Missachtung des
Völkerrechts vorgeworfen. «Die USA haben ihre Grenzen in fast
jeder Hinsicht überschritten», sagte Putin am Samstag in
München vor führenden Politikern aus 40 Staaten. Die
US-Politik heize das nukleare Wettrüsten an. Die NATO provoziere
Russland mit der Aufnahme osteuropäischer Staaten und mit dem
geplanten Raketenabwehrsystem für Europa.
Gates erwiderte, Putin brauche demokratische Nachbarstaaten nicht zu
fürchten. Der Raketenschirm richte sich nicht gegen Russland,
betonte er, ohne Iran oder Nordkorea zu benennen. Der internationale
Terrorismus und andere Herausforderungen müssten «in
Partnerschaft mit anderen Ländern einschließlich Russlands
angegangen werden», sagte Gates. «Russland ist ein Partner
in diesen Anstrengungen. Aber wir wundern uns auch über einen Teil
der russischen Politik, der gegen internationale Stabilität zu
arbeiten scheint - Waffenlieferungen etwa oder die Versuchung, seine
Energiequellen als politisches Druckmittel einzusetzen»,
fügte er kritisch hinzu.
Merkel hatte in ihrer Eröffnungsrede NATO und EU zu enger
Partnerschaft mit Russland aufgerufen. Trotz vieler Streitpunkte
könnten Herausforderungen vom iranischen Atomprogramm bis
Afghanistan nur gemeinsam gelöst werden. «Gemeinsam mit
Russland können wir viel bewegen», sagte die
EU-Ratsvorsitzende und warb für ein umfassendes Verständnis
von Sicherheit, zu dem auch wirtschaftliche und politische
Gesichtspunkte bis hin zum Klimaschutz gehörten.
Putin warf den USA Weltmachtgebaren und zügellose Anwendung
militärischer Gewalt vor. Auch europäische NATO-Staaten
beteiligten sich sehr leicht an militärischen Abenteuern, in denen
Hunderttausende Menschen umkämen. Gewalt sei aber nur legitim im
Auftrag der Vereinten Nationen. Alleingänge der NATO oder der EU
seien nur Quelle neuer Tragödien und Spannungsherde, sagte der
russische Staatschef. Die NATO sei ein militärisch-politischer
Block, der sich bis an Russlands Grenzen ausdehne.
NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer warf Putin einen Bruch
der NATO-Russland-Partnerschaft vor. «Ich kann nicht verbergen,
dass ich enttäuscht bin», sagte er. «Wer kann sich denn
Sorgen machen, wenn Demokratie und Rechtsstaatlichkeit näher an
die Grenzen rücken?» Gates sagte, die NATO sei «der
Schild, hinter dem sich unsere gemeinsamen Ideen und Werte über den
Globus verbreiten».
Dagegen zeigte der deutsche Verteidigungsminister Franz Josef Jung
Verständnis für Putins Sorgen über die geplante
Raketenabwehr. Vielleicht könnte Russland in das System einbezogen
werden, schlug er vor.
Der iranische Atom-Unterhändler Ali Laridschani stellte ein Ende
des Streits mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) bis
in drei Wochen in Aussicht. Iran wolle nur Atomenergie friedlich nutzen
und bedrohe weder Israel noch Europa. «Sie sollten sich keine
Sorgen machen», sagte er.
Merkel warnte den Iran vor dem Bau von Atomwaffen: «Wir alle sind
entschlossen, die Bedrohung durch ein militärisches Nuklearprogramm
des Irans zu verhindern.» Wenn der Iran die UN-Resolution nicht
ohne Wenn und Aber erfülle, drohe ihm ein weiteres Abgleiten in
die Isolation. Putin äußerte sich ebenfalls besorgt.
(Quelle: ap)
Merkel und Beck einig in Afghanistan-Frage
Mo.12.02.07 - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Chef Kurt Beck haben auf
der Münchner Sicherheitskonferenz einen Schulterschluss in der
Debatte über den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr geübt.
Merkel betonte am Samstag vor dem Hintergrund zusätzlicher
Forderungen aus den Reihen der NATO, das Bündnis dürfe nicht
nur auf militärische Mittel setzen. Diese müssten vielmehr mit
zivilen Maßnahmen verknüpft werden.
Auch Beck sagte, die Aufbauarbeit in Afghanistan dürfe nicht durch
militärische Aktionen «überlagert» werden. Der vom
Kabinett beschlossene Einsatz deutscher «Tornado»-Jets sei
aber vertretbar. Beck fügte hinzu, er werde sich darum
bemühen, für diesen Aufklärungseinsatz eine politisch
sichere Basis im Bundestag zu schaffen.
US-Verteidigungsminister Robert Gates warb für ein entschiedenes
militärisches Vorgehen der NATO in Afghanistan. Er warnte, ein
dortiger Erfolg dürfe nicht durch Nachlässigkeit oder einen
Mangel an Entschlossenheit entgleiten.
Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) betonte,
er werbe in Deutschland für den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr.
Um Sicherheit in dem Land zu schaffen, seien aber auch verstärkte
Anstrengungen beim zivilen Aufbau notwendig. Steinmeier fügte
hinzu: «Afghanistan ist nur verloren, wenn wir es verloren
geben.» Er sehe eine Chance für das Land.
Merkel sagte, die NATO stehe in Afghanistan in besonderer Weise auf dem
Prüfstand. Auf der einen Seite gebe es bei der Aufbauarbeit
beträchtliche Erfolge. Auf der anderen Seite sei aber auch
unbestreitbar, dass die Taliban die Entschlossenheit der NATO immer
wieder auf den Prüfstand stellten. Es müsse alles daran
gesetzt werden, diese Mission zu einem Erfolg zu machen.
Kanada will unterdessen für den Einsatz in Afghanistan deutsche
«Leopard 2»-Kampfpanzer leasen. Ein Sprecher des
Verteidigungsministeriums bestätigte einen Bericht des
Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» über eine
entsprechende Anfrage der Regierung aus Ottawa. Die Panzer sollen mit
kanadischer Besatzung zum Einsatz kommen.
Die Kanadier haben nach Ministeriumsangaben angefragt, ob Deutschland
etwa 20 «Leopard» in der neuen Version mit einem speziellen
Schutz gegen Minen (A6M) bereitstellen könnte. Weil der Hersteller
Krauss-Maffei Wegmann diese nicht sofort liefern könne, will Kanada
die Panzer aus deutschen Beständen für zwei Jahre leasen. Die
Bundeswehr hat etwa 40 Stück vom Typ A6M. Weitere 80 «Leopard
2»-Panzer einer älteren Version will Kanada kaufen.
Das deutsche Verteidigungsministerium steht dem Sprecher zufolge diesem
Anliegen grundsätzlich positiv gegenüber. Eine
abschließende Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.
(Quelle: ddp)
Münchner Sicherheitskonferenz - Kritik an Vorgehensweise der
Polizei
Mo.12.02.07 - Bei Protesten gegen die Sicherheitskonferenz hat die Polizei am Samstag
in München 36 Demonstranten festgenommen. Ihnen werden unter
anderem Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung,
Beleidigung oder Verstöße gegen das Versammlungsgesetz
vorgeworfen, wie die Polizei mitteilte.
Am Rande des friedlichen Demonstrationszugs kam es laut Polizei nur zu
kleineren Zwischenfällen. Unter den bis zu 3000 Demonstranten
hätten sich etwa 400 Autonome befunden. Angehörige des so
genannten schwarzen Blocks hätten versucht, Polizisten gegen
parkende Autos an der Zugstrecke zu drängen. Ein Beamter sei durch
einen gezielten Flaschenwurf am Kopf und an der Schulter getroffen
worden, aber unverletzt geblieben. Der Flaschenwerfer habe bei seiner
Festnahme Widerstand geleistet und einen Beamten in die Hand gebissen.
Die Veranstalter kritisierten unterdessen das Vorgehen der Beamten.
«Die Polizei hat ständig willkürliche Verhaftungen
vorgenommen und hat so den ganzen Zug aufgehalten», sagte der
Organisator der Demonstration, Claus Schreer, am Sonntag auf
ddp-Anfrage. Eigentlich hätten die Demonstranten vom Marienplatz
zum Lehnbachplatz marschieren sollen. «Aber wir waren schon am
Stachus zwei Stunden später als geplant», erläuterte
Schreer.
Daher habe sich das «Aktionsbündnis gegen die
Nato-Sicherheitskonferenz» dazu entschlossen, die Demonstration am
Stachus vorzeitig abzubrechen. «Wir haben befürchtet, am
Lehnbachplatz in einen Kessel aus Polizisten zu laufen», sagte
Schreer. Die Teilnehmerzahl bezifferte er mit 7000.
(Quelle: ddp)
Nahost-Konflikt
Israelische Regierung berät über Haltung zu
Palästinensern. Israel verteidigt Arbeiten am Tempelberg gegen
islamische Kritiker. Israel erwägt Bau eines Atomkraftwerks
Mo.12.02.07 - Israel betrachtet das neue Regierungsbündnis der
Palästinenser mit einer gehörigen Portion Skepsis. Das
Kabinett beriet am Sonntag über seine Haltung zur großen
Koalition von Hamas und Fatah. Ministerpräsident Ehud Olmert
bekräftigte die Forderung nach einer Anerkennung des Existenzrechts
Israels.
Auch die beiden anderen Bedingungen des internationalen
Nahost-Quartetts müssten erfüllt werden, sagte Olmert, also
der Verzicht auf Gewalt und die Anerkennung der bisherigen
Friedensverträge. Das in Mekka unterzeichnete Abkommen für
eine palästinensische Regierung der nationalen Einheit enthält
die Formulierung, dass die Verträge respektiert werden sollen. Zu
den beiden anderen Bedingungen macht das Abkommen keine Aussage.
«Wir prüfen ebenso wie die internationale Gemeinschaft, was
da genau erreicht und erklärt wurde», sagte Olmert.
Der israelische Oppositionsführer Benjamin Netanjahu forderte den
Abbruch der Kontakte zum palästinensischen Präsidenten Mahmud
Abbas. Alles andere wäre eine stillschweigende Anerkennung der
Hamas, sagte der Likud-Chef.
Unterdessen bemühten sich die Palästinenser um internationale
Rückendeckung für den neuen Kurs. Ihre Diplomaten sprachen
bereits mit US-Außenministerin Condoleezza Rice und
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Am Dienstag will Abbas in Jordanien
mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammentreffen.
Für den 19. Februar wurde ein Treffen von Olmert, Abbas und Rice
angesetzt.
Olmert verteidigte am Sonntag die Bauarbeiten am Tempelberg in
Jerusalem gegen heftige Kritik der islamischen Welt. Die Erneuerung
eines Fußgängerzugangs finde in einem Gebiet statt, das unter
der alleinigen Hoheit Israels stehe. Die notwendigen Arbeiten
würden als Vorwand benutzt, «um die Flammen der
Feindseligkeit und des Hasses anzufachen», sagte Olmert. Das
Kabinett beschloss die Fortsetzung des Renovierungsprojekts, verlautete
aus Regierungskreisen.
Ungeachtet der massiven Proteste von Palästinensern wie von
mehreren Regierungen islamischer Länder wurden die Arbeiten am
Sonntag nach eintägiger Sabbatruhe fortgesetzt, gesichert von rund
2.000 Polizisten.
Wegen der Zusammenstöße vor allem am Freitag wurde
Palästinensern unter 45 Jahren der Zugang zu den Moscheen auf dem
Tempelberg verwehrt.
Am Samstag bewarfen Palästinenser Polizisten sowie einen Bus mit
kanadischen Touristen mit Steinen und verbrannten eine israelische
Flagge. In Bethlehem und Hebron im Westjordanland kam es zu
Zusammenstößen mit israelischen Soldaten. Am Freitag hatten
200 Bereitschaftspolizisten den Platz vor der Al-Aksa-Moschee
gestürmt, nachdem sie von 3.000 Palästinensern mit Steinen
beworfen worden waren.
Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, warf Israel
vor, mit den Bauarbeiten das Aussehen Jerusalems zu verändern. Das
türkische Außenministerium rief Israel dazu auf, alles zu
vermeiden, was zu neuen Spannungen führe.
Der Tempelberg, auf Arabisch Haram al Scharif (Das edle Heiligtum), ist
sowohl für die Muslime als auch für die Juden von
höchster Bedeutung. Auf dem Gelände befinden sich der
Felsendom und die Al-Aksa-Moschee - an diesem Ort stieg der Prophet
Mohammed nach islamischer Überlieferung in den Himmel auf. In
biblischer Zeit befand sich dort der Tempel Salomos. Die vom zweiten
Tempel erhaltene Westmauer ist als Klagemauer ein besonders
symbolträchtiger Gebetsort der Juden.
Konflikte um den Tempelberg waren mehrfach Auslöser heftiger
Gewalt zwischen Palästinensern und Israelis. Bei
Zusammenstößen wegen der Öffnung eines Tunnels kamen
1996 etwa 80 Menschen ums Leben. Ein Besuch des damaligen
Oppositionsführers Ariel Scharon auf dem Tempelberg löste am
28. September 2000 die zweite Intifada mit mehrjährigen Unruhen aus.
Israel erwägt den Bau eines Atomkraftwerks. Ein Mitarbeiter der
israelischen Atomenergiekommission bestätigte am Sonntag einen
entsprechenden Bericht der Zeitung «Haaretz». Der
Mitarbeiter Uri Bin-Nun erklärte, der Chef der Kommission habe ihm
gesagt, dass der Bau eines solchen Kraftwerks derzeit zur Diskussion
stehe.
Die Sprecherin der Atomenergiekommission, Nili Lischiz, betonte, die
Idee sei nicht neu. «Angesichts des Energiebedarfs in Israel ist
es nur natürlich, dass wir Interesse zeigten», sagte sie der
Nachrichtenagentur AP. «Im Moment befinden wir uns allerdings in
der Planungsphase.» In Israel werden derzeit zwei Reaktoren
betrieben, offiziell zu Forschungszwecken. Es gilt allerdings als
sicher, dass Israel in dem größeren der beiden Reaktoren
Atomwaffen entwickelte. «Haaretz» berichtete, die
israelischen Elektrizitätswerke hätten bereits seit Jahren
für den Bau eines Atomkraftwerks geworben. Die steigenden
Ölpreise hätten das Interesse weiter anwachsen lassen.
(Quelle: ap)
Zehn Tote bei Kämpfen und Kundgebung in Somalia
Mo.12.02.07 - Bei einer Demonstration tausender Somalier für den Einsatz
afrikanischer Friedenstruppen sind in der Stadt Kismayo mindestens
fünf Menschen getötet und 22 verletzt worden. Nach einer
Explosion, bei der nach Militärangaben am Sonntag drei Soldaten
ums Leben kamen, schossen die Regierungstruppen in die Menge. Ob zwei
getötete Demonstranten ebenfalls durch die Detonation oder durch
Schüsse starben, war zunächst unklar. Die Explosion ereignete
sich kurz vor einer Rede des Generals Abdi Mahdi.
«Das somalische Volk braucht die Hilfe von Afrikanern»,
riefen die Demonstranten. Es war zunächst unklar, was die
Detonation verursacht hatte. Bereits am Samstag waren bei Angriffen mit
Mörsergranaten in der somalischen Hauptstadt Mogadischu fünf
Menschen getötet und mindestens zehn weitere verletzt worden. Laut
Augenzeugen schlugen die Geschosse in Wohnhäusern sowie einem
Obdachlosenasyl im Süden von Mogadischu ein. Unter den Toten waren
den Angaben zufolge auch zwei Mädchen.
Zuvor hatten Unbekannte eine Mörsergranate auf ein Hotel im Norden
der Stadt abgefeuert, in dem die Übergangsregierung zu einer
Klausurtagung zusammengekommen war. Ein Reporter der Nachrichtenagentur
AP berichtete, bei dem Anschlag sei ein Mädchen verletzt worden.
Bei einem Angriff auf ein Regierungsgebäude wurden nach Angaben
des örtlichen Krankenhauses fünf weitere Menschen verletzt.
Der stellvertretende Verteidigungsminister Salad Ali Jelle
erklärte, für die Kämpfe seien letzte Anhänger der
islamistischen Bewegung verantwortlich.
Die Gewalt in Mogadischu hat in den vergangenen Wochen zugenommen. Im
Dezember vertrieben Regierungstruppen mit äthiopischer
Unterstützung die Islamisten, die die somalische Hauptstadt bis
dahin kontrolliert hatten.
(Quelle: ap)
Mindestens elf Tote nach Unruhen in Guinea
Mo.12.02.07 - Die Ernennung eines neuen Regierungschefs hat in Guinea zu schweren
Unruhen mit mindestens elf Toten geführt. Die Gewerkschaften
riefen am Sonntag zum Streik auf, um Präsident Lansana
Conté zum Rücktritt zu zwingen. Conté hatte mit der
Berufung eines Ministerpräsidenten aus seinem Kabinett gegen eine
Vereinbarung mit der Opposition zur Teilung der Macht verstoßen.
Die Opposition sprach sogar von bis zu 30 Todesopfern bei den
gewaltsamen Auseinandersetzungen vom Samstag.
«Wir erkennen diesen Ministerpräsidenten nicht an - und
überhaupt, es geht hier nicht mehr nur um den
Ministerpräsidenten», sagte die Generalsekretärin der
Arbeiterunion Guineas, Ibrahima Fofana. Ihre Gewerkschaft beteiligte
sich im vergangenen Monat an einem zweiwöchigen Streik, bei dem
mindestens 59 Menschen ums Leben kamen. Er wurde nach der Vereinbarung
über den neuen Ministerpräsidenten beendet. «Wenn der
Streik jetzt wieder aufgenommen wird, geht es schlicht und einfach um
den Abgang von Präsident Conté», sagte Fofana.
Auslöser der neuen Proteste war die Berufung von Eugène
Camara für das Amt des Ministerpräsidenten am Freitag. Camara
war seit 1997 im Kabinett, zuletzt als Minister für
Präsidialangelegenheiten. Am Samstag demonstrierten in Conakry
Tausende gegen seine Berufung. Bei Zusammenstößen wurden
nach Angaben von Ärzten und Augenzeugen mindestens elf Menschen
getötet. Bei den meisten Opfern soll es sich um Jugendliche
gehandelt haben. Der Sprecher der Oppositionsbewegung, Ba Mamadou,
erklärte, nach Angaben von Anhängern habe es 20 Tote in
Conakry und weitere zehn in anderen Landesteilen gegeben.
Mamadou rief die Bevölkerung auf, den Präsidenten zu
stürzen. «Wir sehen keine andere Wahl mehr als Gewalt auf
den Straßen», sagte er der Nachrichtenagentur AP.
«Die Zeit für Verhandlungen ist vorbei. Es wird Verluste an
Menschenleben geben, aber das ist der Preis der Freiheit.»
Conté hat sich 1984 an die Macht geputscht. Der
größte Teil der zehn Millionen Einwohner Guineas lebt in
Armut, obwohl das Land über die Hälfte der Weltreserven an
Bauxit verfügt. Der Rohstoff wird für die Aluminiumproduktion
benötigt.
(Quelle: ap)
Hilfsorganisation kritisiert G-7-Finanzminister
Mo.12.02.07 - Die Hilfsorganisation Oxfam hat die Finanzminister der sieben
führenden Industrienationen (G7) wegen mangelnder Hilfszusagen
für Afrika kritisiert. Es sei inakzeptabel, dass die G7 über
ihre Verantwortung für Afrika sprächen, gleichzeitig aber ihr
Versprechen für mehr finanzielle Hilfe brächen, erklärte
Oxfam International am Samstag nach Abschluss des zweitägigen
G-7-Treffens in Essen. Eine gute Finanzpolitik in afrikanischen Staaten
sei ein wichtiges Anliegen, und Oxfam unterstütze die Pläne
für mehr Transparenz. Für viele afrikanische Staaten wie
Tansania oder Mosambik, die ihre eigenen Mittel zur
Armutsbekämpfung bereits erhöht hätten, sei
zusätzliche finanzielle Hilfe aber dringend nötig, um Leben zu
retten und mehr Kindern einen Schulbesuch zu ermöglichen.
(Quelle: afp)
Portugal steht vor Lockerung des Abtreibungsrechts - Mehrheit in
Referendum für Gesetzesänderung
Mo.12.02.07 - In Portugal steht eine Liberalisierung des Abtreibungsrechts bevor. In
einer Volksabstimmung sprach sich am Sonntag eine deutliche Mehrheit
für die Lockerung der derzeitigen strengen Bestimmungen aus. Zwar
ist das Referendum nicht bindend, da die dafür notwendige
Beteiligung nicht erreicht wurde. Dennoch bekräftigte
Ministerpräsident José Socrates am Sonntagabend, er werde
die Gesetzesänderung in die Wege leiten.
«Das Volk hat gesprochen, und es hat mit deutlicher Stimme
gesprochen», sagte Socrates. Der Ausgang des Referendums
stärke «die politische und legislative
Legitimität» der geplanten Reform. Vorläufigen
Ergebnisse zufolge stimmten fast 60 Prozent der Wähler für
den Regierungsvorschlag, wonach ein Schwangerschaftsabbruch bis zur
zehnten Woche zulässig sein soll. Die Wahlbeteiligung lag bei 44
Prozent - für einen bindenden Volksentscheid wären mehr als
50 Prozent nötig gewesen.
Die Opposition kündigte an, sich einer Lockerung des
Abtreibungsrechts nicht in den Weg stellen zu wollen. Das Referendum
müsse ungeachtet der niedrigen Beteiligung «demokratisch
respektiert» werden, sagte der Vorsitzende der konservativen
Sozialdemokratischen Partei, Luis Marques Mendes.
Das Reformvorhaben hat zu einem Konflikt zwischen der Regierung und der
katholischen Kirche geführt. In Portugal, wo 90 Prozent der
Einwohner katholischen Glaubens sind, gelten bislang neben Polen,
Irland und Malta die restriktivsten Abtreibungsregeln innerhalb der
Europäischen Union. Gegenwärtig ist ein
Schwangerschaftsabbruch nur bis zur zwölften Woche erlaubt, wenn
die Frau vergewaltigt wurde, ihr Leben in Gefahr oder der Fötus
missgebildet ist.
Ministerpräsident Socrates bezeichnete das derzeitige Gesetz als
«rückwärts gewandt» und als «nationale
Schande». Er verwies auf Statistiken, wonach jedes Jahr rund
10.000 Frauen in Krankenhäusern wegen Komplikationen nach
illegalen Schwangerschaftsabbrüchen behandelt werden müssten.
(Quelle: ap)
Frankreich: Royal und Sarkozy starten heiße Wahlkampf-Phase
Mo.12.02.07 - Zweieinhalb Monate vor den französischen
Präsidentschaftswahlen haben die Favoriten Ségolène
Royal und Nicolas Sarkozy die heiße Wahlkampf-Phase
eingeläutet. Vor tausenden Anhängern präsentierte die
sozialistische Kandidatin Royal ihren " Präsidentschafts-Pakt "
mit hundert Vorschlägen, die sie nach einem Sieg bei den Wahlen im
Frühjahr in die Tat umsetzen will. Royals wichtigster Rivale, der
konservative Innenminister Sarkozy, stellte sich unterdessen als
Kandidat der Öffnung dar.
"Mit mir wird Politik nie wieder ohne Euch gemacht werden", versprach
Royal den Franzosen. Frankreich müsse erneuert werden und brauche
jeden, um die gegenwärtigen Krisen zu überwinden, fügte
die 53-jährige, aussichtsreichste Kandidatin der linken Opposition
hinzu, die bei ihrer Rede in einer Messehalle in Villepinte bei Paris
mit stürmischem Applaus gefeiert wurde. Zahlreiche Punkte stammen
aus dem Sozialisten-Programm, andere greifen Vorstöße Royals
auf oder sind Frucht von gut 6500 Bürgerdebatten.
Als Präsidentin will Royal unter anderem ihren umstrittenen
Vorstoß umsetzen, jugendlichen Straftätern mit
militärischem Drill zu begegnen. Mit Hilfe so genannter
Bürger-Jurys sollen Bürger zwischen den Wahlen verstärkt
in Entscheidungen eingebunden werden. Über Bürgerbegehren
soll das Parlament zur Befassung mit Gesetzesvorhaben verpflichtet
werden, wenn dafür mehr als eine Million Unterschriften
zusammenkommen. Dieser Punkt ihres "Pakts" stammt ebenso aus dem
Programm der Sozialisten wie die geplante Erhöhung des
Mindestlohns auf monatlich 1500 Euro oder die Erhöhung der
geringfügigen Renten um fünf Prozent.
Um ihr Programm auf die Wünsche der Bevölkerung abzustimmen
und konkrete Ideen dazu zu erhalten, hatte Royal in den vergangenen
Wochen rund 6000 Debatten im ganzen Land abhalten lassen. Nach Angaben
ihrer Unterstützer kamen zudem 2,7 Millionen Beiträge zu
ihrem Programm per Internet.
Umfragen zeigen Royal als eine der beiden Favoriten für die
Nachfolge von Staatspräsident Jacques Chirac. Ihr wichtigster
Rivale Sarkozy liegt allerdings seit seiner offiziellen Kür zum
Kandidaten der konservativen Regierungspartei UMP vor vier Wochen vorn.
Sarkozy brachte unterdessen nach Angaben seiner Partei UMP 4000
Unterstützer aus dem ganzen Land in der Pariser Versammlungshalle
La Mutualité zusammen. Er wolle "zu allen Franzosen" sprechen,
während "andere zu den Mitgliedern der Sozialisten reden wollen",
sagte der 52-Jährige.
(Quelle: afp)
Keine Anzeichen für Wachstumsschwäche im Euro-Raum
Mo.12.02.07 - Die Geldpolitiker der Euro-Zone sind zuversichtlich über die
Wachstumsaussichten des Währungsgebietes.
"Der grundlegende Wachstumstrend bleibt intakt", sagte
Bundesbank-Präsident Axel Weber am Samstag nach dem Treffen der
Finanzminister und Notenbank-Chefs der sieben wichtigsten
Industrieländer (G-7) in Essen. Auch sein Amtskollege Mario Draghi
sieht nach eigenen Worten keine Anzeichen für eine
Abschwächung der Konjunktur in der Euro-Zone.
Das Wachstum im Euro-Raum werde in diesem und im kommenden Jahr
über der Potenzialrate liegen, sagte Weber. Die Europäische
Zentralbank (EZB) schätzt diese Rate, mit der die Wirtschaft ohne
Inflationsdruck wachsen kann, auf zwei Prozent. Im vierten Quartal habe
sich das Bruttoinlandsprodukt wohl um 2,75 Prozent zum Vorjahr
erhöht. Auch in Deutschland bleibe der Aufschwung trotz der
Mehrwertsteuererhöhung intakt, denn die Investitionen seien
dynamisch und der Außenhandel trage zum Wachstum weiter bei.
Die G-7-Runde erklärte mit Blick auf die Weltwirtschaft, die
Risiken hätten sich verringert. Deutschlands Finanzminister Peer
Steinbrück (SPD) berichtete, Minister und Notenbank-Chefs
hätten festgestellt, dass trotz kräftigen Wachstums bisher die
Inflationsrate global niedrig geblieben sei. Für die Euro-Zone
warnte EZB-Ratsmitglied Draghi aber vor anhaltender Inflationsgefahr.
Die derzeit niedrige Teuerungsrate werde bald wieder anziehen. "Risiken
gehen vom Ölpreis aus und der Tatsache, dass das Geld- und
Kreditwachstum weiterhin stark ist, obwohl die Geldpolitik weniger
akkommodierend (konjunkturstützend) ist", sagte Draghi. Bisher sei
außerdem von der Wachstumsverlangsamung, die viele Prognostiker
für dieses Jahr erwarteten, noch nichts zu sehen.
Die EZB signalisierte in dieser Woche, dass sie wegen der latenten
Inflationsgefahr im März den Leitzins anheben will. Am Finanzmarkt
wird mit einer weiteren Anhebung um 25 Basispunkte auf 3,75 Prozent
gerechnet. Viele Volkswirte vermuten, dass die Zentralbank noch einen
Schritt weiter auf vier Prozent gehen wird, um den Preisanstieg
während des Aufschwungs zu dämpfen.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Tarifrunde in der chemischen Industrie: IG BCE droht Arbeitgebern mit
Protestaktionen
Mo.12.02.07 - Die Tarifrunde für die 550.000 Beschäftigten der chemischen
Industrie steuert möglicherweise auf eine offene Konfrontation zu.
Die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) kündigte an,
ihre Mitglieder für Protestaktionen zu mobilisieren. «Ich
will zwar noch nicht von Warnstreiks sprechen, aber wir werden sehr
wohl deutlich machen, dass der derzeitige Kurs der Arbeitgeber nicht zu
einer Einigung führen kann», sagte Gewerkschaftschef
Hubertus Schmoldt dem Handelsblatt (Montagausgabe).
Die IG BCE und der Bundesarbeitgeberverband Chemie hatten sich nach
einer ersten zentral geführten Verhandlungsrunde am vergangenen
Donnerstag vertagt und weitere Gespräche für den 8. März
vereinbart. Angesichts einer unerwartet harten Haltung der
Arbeitgeberseite sehe er derzeit aber nur geringe Chancen, zu einer
Einigung zu kommen, betonte Schmoldt, der den Arbeitgebern
Realitätsverlust vorwarf.
Zugleich drohte Schmoldt indirekt mit Streiks gegen Unternehmen, die
den Flächentarifvertrag in Frage stellen: «Wer auf
Arbeitgeberseite mit dem Gedanken an einen Ausstieg aus dem
Flächentarif spielt, muss wissen, dass wir uns solche Betriebe
notfalls einzeln vornehmen.» Die IG BCE war in diesem Jahr ohne
konkrete Prozent-Forderung in die Tarifrunde gestartet. Nach den
jüngsten Verhandlungen hatte sie ihre Erwartungen auf eine
Größenordnung von drei bis vier Prozent eingegrenzt. Die
Arbeitgeber wollen lediglich zwei Prozent zugestehen.
(Quelle: ap)
90 Prozent der Beschäftigten in Deutschland mit Arbeitsplatz
zufrieden
Mo.12.02.07 - Die Deutschen gehören zu den zufriedensten Arbeitnehmern in
Europa. 90 Prozent der Beschäftigten hierzulande fühlten sich
in ihrem Job wohl, berichtet die Tageszeitung «Die Welt»
(Montagausgabe) unter Berufung auf einen ihr vorliegenden Bericht eines
EU-Forschungsinstituts über die Arbeitsbedingungen in Europa. Im
Durchschnitt seien 83 Prozent der Arbeitnehmer in der EU mit ihrem
Arbeitsplatz zufrieden, heiße es weiter.
Neben Deutschland ist den Angaben zufolge die Job-Zufriedenheit in
Dänemark, Norwegen und Großbritannien besonders hoch. Dagegen
seien die Beschäftigten aus den neuen EU-Mitgliedsstaaten und aus
Spanien, Italien und Griechenland mit ihrer Arbeit am häufigsten
unzufrieden. In der Landwirtschaft und im Gastgewerbe sei die
Unzufriedenheit der europäischen Arbeitnehmer besonders hoch, am
wohlsten fühlen sich laut EU-Bericht die Mitarbeiter der Finanz-
und Immobilienbranche.
Wie das EU-Forschungsinstitut weiter berichtet, liegt das
Durchschnittsalter der Arbeitnehmer in den Mitgliedsstaaten der Union
bei 40 Jahren. Die durchschnittliche Verweildauer am Arbeitsplatz liege
bei zehn Jahren.
(Quelle: ddp)
Bundesumweltministerium will klimaneutral arbeiten
Mo.12.02.07 - Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) will beim Umweltschutz mit
gutem Vorbild vorangehen: Die Regierung wolle in Zukunft
Ausgleichzahlungen für Kohlendioxidemissionen leisten, die durch
Dienstreisen aller Mitarbeiter entstehen, sagte er der "Bild am
Sonntag". "Am Ende wird man sagen können, die Regierung arbeitet
klimaneutral." Sein eigenes Ministerium werde die Vorreiterrolle
übernehmen. Dort werde "künftig errechnet, wie viel
Kohlendioxid durch die Dienstreisen aller Mitarbeiter - ob mit Auto,
Flugzeug oder Hubschrauber - entsteht", sagte Gabriel.
"Am Ende des Jahres wird dann zusammengezählt. Dann wird
ermittelt, wie viel Geld in Entwicklungsländern zur Minderung von
CO2-Emissionen investiert werden muss, um die durch mein Ministerium
verursachte Klimabelastung auszugleichen", sagte Gabriel. "Ich werde
vorschlagen, diese Regelung für die gesamte Bundesregierung zu
übernehmen." Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) finde die Idee
"sehr gut und unterstützt sie".
Die Kosten für die Reform in seinem Ministerium beliefen sich
seiner Einschätzung nach auf etwa 100.000 Euro, sagte Gabriel.
Diese Summe solle "aus dem laufenden Verwaltungsetat herausgeschnitten"
werden. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) habe bereits zugesagt,
die rechtlichen Grundlagen zu schaffen, damit Haushaltsmittel für
diesen Zweck eingesetzt werden dürfen.
(Quelle: afp)
Luftfahrtindustrie will Schadstoffe reduzieren
Mo.12.02.07 - Die deutsche Luftfahrtindustrie will sich offenbar nicht länger
dem Emissionshandel entziehen. Nach einem Bericht der
«Süddeutschen Zeitung» (Montagausgabe) haben sich die
Spitzen aller deutschen Luftverkehrs-Verbände und Unternehmen am
vergangenen Freitag darauf geeinigt, ihre bisher ablehnende Haltung
gegenüber dem Handel mit Luftverschmutzungsrechten aufzugeben.
Hintergrund sind Forderungen der Europäischen Kommission und von
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), die Luftfahrt in den
bestehenden Emissionshandel einzubeziehen.
Laut dem Beschluss-Papier sei der Handel mit CO2-Zertifikaten
«konsequent und wird ausdrücklich begrüßt»,
meldete das Blatt. Im Vergleich zu Steuern oder Abgaben sei der
Emissionshandel die «ökologisch wirksamere und
ökonomisch sinnvollere Maßnahme, um die klimaschädliche
Wirkung des Luftverkehrs zu reduzieren», heißt es. Das
Papier wurde nach diesen Angaben von den deutschen Flughafenfirmen, den
in Deutschland tätigen Passagier- und Frachtfluglinien, dem
Bundesverband der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie sowie der
deutschen Tourismuswirtschaft erarbeitet. Es wird auch von der
Lufthansa unterstützt, der größten deutschen Fluglinie.
Deren Chef Wolfgang Mayrhuber hatte den EU-Plänen erst
kürzlich noch eine Absage erteilt.
(Quelle: ap)
Vorbehalte gegen Online-Durchsuchungen wachsen
Mo.12.02.07 - Mit seinen Plänen für heimliche Online-Durchsuchungen
privater Computer stößt Bundesinnenminister Wolfgang
Schäuble zunehmend auf Vorbehalte. Nach Bundesjustizministerin
Brigitte Zypries (SPD) und dem Bundesdatenschutzbeauftragten Peter
Schaar äußerte sich auch der nordrhein-westfälische
Justizminister Ingo Wolf kritisch: «Nach derzeitigem Stand sehen
wir keine Notwendigkeit», sagte der FDP-Politiker dem
Nachrichtenmagazin «Focus».
Am Montag hatte der Bundesgerichtshof (BGH) die heimliche
Online-Durchsuchung von Computern durch die Polizei für
unzulässig erklärt. Danach kamen aus Politik und Polizei
Forderungen nach einem Gesetz, das solche Maßnahmen doch
ermöglichen soll. Vor allem Schäuble will der Polizei schnell
den Blick in private PCs erlauben.
Der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag, Sebastian Edathy,
forderte dafür enge Grenzen: «Das ist allemal kein
Instrument, das wie eine Schrotflinte eingesetzt werden darf, sondern
allenfalls punktuell und sehr gezielt», sagte der SPD-Politiker
in einem Interview von «Spiegel Online». Auch ein
potenzieller Straftäter habe Persönlichkeitsrechte und sei
nicht vogelfrei. Deshalb sei der Zugriff auf seine Festplatte nur unter
starken Auflagen und Einschränkungen denkbar.
Vorschläge aus dem Bundesinnenministerium, die Online-Durchsuchung
zur Not per Grundgesetzänderung zu ermöglichen, erteilte
Edathy eine klare Absage. Zugleich forderte er, die bereits genehmigten
Haushaltsmittel für die Maßnahme umgehend einzufrieren. Nach
dem Beschluss des Bundesgerichtshofes sei eine merkwürdige
Situation entstanden: «Das Geld für die Technik ist bereits
im Haushalt eingestellt, die Maßnahme aber selbst vom
Bundesgerichtshof gestoppt.» Im Haushalt sind für die
technische Ausführung dem Bericht zufolge insgesamt 200.000 Euro
genehmigt.
Wolf forderte die Bundesregierung auf, überzeugende Gründe
für eine Änderung der Strafprozessordnung vorzulegen:
«Die Beweislast liegt bei Herrn Schäuble.» Allerdings
sprach sich der Minister dafür aus, dem Verfassungsschutz als
Ausnahme-Instrument die heimliche PC-Suche etwa für den
Anti-Terror-Kampf zu gestatten. Nordrhein-Westfalen hat als bislang
einziges Bundesland seinem Landesamt für Verfassungsschutz diese
Möglichkeit ausdrücklich per Gesetz eingeräumt.
Politiker von Union und SPD fordern nun auch eine gesetzliche Regelung
für den Bundesverfassungsschutz. «Der Staat darf sich nicht
dümmer stellen, als er ist», sagte der CDU-Rechtsexperte
Jürgen Gehb dem Nachrichtenmagazin. Aber jeder Eingriff
bedürfe einer gesetzlichen Ermächtigung. Der
SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz hält
Online-Durchsuchungen durch den Verfassungsschutz dem Bericht zufolge
ebenfalls für erforderlich: «Haben wir ausreichende
gesetzliche Grundlagen? Meine Antwort ist nein.»
Laut «Spiegel Online» wird der Streit die große
Koalition auch kommende Woche weiter beschäftigen. Am Dienstag
wollten sich Zypries und Schäuble mit ihren Staatssekretären
treffen, um die verschiedenen Sichtweisen auf die Schaffung eines
möglichen Gesetzes zu diskutieren.
(Quelle: ap)