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Irak am neunhundertundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-Repräsentantenhaus stellt Bushs Irak-Pläne auf
Prüfstand. Mindestens 15 Tote bei Selbstmordanschlag in Bagdad.
Irakische Regierung kündigt Sicherheitsoffensive mit
Grenzschließungen an. Radikaler Schiitenführer al Sadr soll
sich in den Iran abgesetzt haben. Schicksal deutscher Geiseln im Irak
weiter ungewiss. Weiterer US-Soldat wegen Mordes an Iraker vor
Militärgericht
Mi.14.02.07 - Die Irak-Politik von Präsident George W. Bush steht im US-Kongress
auf dem Prüfstand: Auf Antrag der Demokraten begann das
Repräsentanenhaus in Washington am Dienstag mit der Debatte
über eine Resolution, in der Bushs Irak-Politik klar verurteilt
wird. Die Entschließung soll nach Plänen der demokratischen
Mehrheitsfraktion deutlich machen, dass Bush für seine Pläne
zur Aufstockung der US-Truppen im Irak keine parlamentarische Mehrheit
hat.
Zum Auftakt der auf vier Tage angesetzten Debatte lieferten sich Gegner
und Befürworter von Bushs Irak-Politik heftige Wortgefechte. Eine
Abstimmung ist für Freitag vorgesehen. Der Fraktionschef der
Demokraten, Steny Hoyer, wies in seiner Eröffnungsansprache darauf
hin, dass sich das Repräsentantenhaus fast vier Jahre nach Beginn
des Kriegs erstmals ausführlich mit dem Irak-Einsatz befasse. Bis
vergangenen Monat hatten Bushs Republikaner die Mehrheit im US-Kongress
gestellt und eine parlamentarische Aufarbeitung des Krieges verhindert.
Die von den Demokraten vorgeschlagene Resolution ist nicht bindend,
käme aber einem symbolischen Misstrauensvotum gleich.
In dem Entwurf heißt es: "Der Kongress missbilligt die
Entscheidung von US-Präsident George W. Bush, mehr als 20.000
zusätzliche Soldaten zum Kampfeinsatz in den Irak zu entsenden."
Zugleich betont der Text, dass die US-Truppen im Irak mit voller
Unterstützung durch den Kongress rechnen können. Die Soldaten
führten einen "tapferen und ehrenwerten" Kampf. Die Demokraten
hoffen, für ihren Entwurf auch Stimmen von Abgeordneten der
Republikanischen Partei Bushs zu bekommen.
Republikanische Abgeordnete warfen den Demokraten vor, mit der Debatte
über eine nicht bindende Resolution vor allem auf politische
Show-Effekte zu setzen. Die Entschließung sei "politisches
Theater der übelsten Sorte", sagte der texanische Republikaner Ted
Poe. Der republikanische Fraktionsführer John Boehner warf den
Demokraten vor, mit der Debatte "den ersten Schritt hin zu einer
Kappung der Finanzierung für unsere Bodentruppen" zu unternehmen.
Mehrere demokratische Abgeordnete hatten gefordert, der Kongress solle
über eine nicht bindende Resolution hinausgehen und Bush die
Finanzmittel für den Krieg verweigern.
Bei einem Selbstmordanschlag mit einer in einem Lastwagen versteckten
Bombe sind am Dienstag in Bagdad mindestens 15 Menschen getötet und
27 verwundet worden. Wie die Polizei mitteilte ereignete sich der
Anschlag in der Nähe einer Hochschule in einem vorwiegend von
Schiiten bewohnten Stadtteil. Die Studenten kamen gerade zum Unterricht,
als die Bombe explodierte. An der Hochschule sind Studenten aller
Glaubensrichtungen einschrieben, darunter auch Sunniten und Christen.
34 Fahrzeuge brannten am Ort der Explosion aus. In rund 500 Metern
Entfernung wurde zudem ein Krankenwagen entdeckt, in dem eine Bombe
versteckt war.
Angesichts der anhaltenden Gewalt im Irak hat die Regierung ihre
Pläne für die angekündigte neue Sicherheitsoffensive
konkretisiert. In den nächsten Tagen sollen die Grenzen zu Syrien
und zum Iran für 72 Stunden geschlossen werden, wie
Generalleutnant Abbud Gambar, der Stabschef der irakischen
Streitkräfte und Sicherheitseinheiten, am Dienstagabend in einer
Fernsehansprache bekannt gab. Gambar kündigte ferner eine
Verlängerung des Ausgehverbots in Bagdad sowie ein Waffenverbot
für Zivilpersonen an.
Nach Regierungsangaben sollen die Befugnisse der Streitkräfte
generell ausgeweitet werden. Genauere Einzelheiten des neuen Plans
würden aber erst in der Phase der Umsetzung Stück für
Stück bekannt gegeben. Die Grenze zum Iran solle jedoch nach der
72-stündigen Schließung nur teilweise wieder geöffnet
werden.
Die Regierung in Teheran ist wiederholt beschuldigt worden, Waffen an
die irakischen Aufständischen zu liefern. Nach einem Bericht des
Londoner «Daily Telegraph» wurden bei den Rebellen Gewehre
aus österreichischer Produktion gefunden, und zwar mehr als 100
Scharfschützengewehre der Firma Steyr Mannlicher. Insgesamt 800
dieser Waffen wurden vor zwei Jahren mit Zustimmung der
österreichischen Regierung an den Iran geliefert.
Der irakische Schiitenführer Muktada al Sadr soll sich in den Iran
abgesetzt haben. Der radikale Geistliche habe Bagdad schon vor Wochen
verlassen, sagte ein ranghoher US-Vertreter in Washington. Al Sadr
werde in Teheran vermutet, wo er Verwandte habe. Ein möglicher
Grund für die Flucht könnte die bevorstehende
Sicherheitsoffensive sein.
Al Sadrs Miliz, die Mahdi-Armee, gilt als eines der wichtigsten Ziele
der Operation. Es sei nicht bekannt, in welchem Ausmaß Al Sadr
seine Miliz vom Exil aus kontrollieren könne, sagte der
Gewährsmann, der anonym bleiben wollte, am Dienstag.
Auch eine Woche nach der mutmaßlichen Entführung der beiden
Deutschen im Irak ist deren Schicksal ungewiss. Der Krisenstab des
Auswärtigen Amtes in Berlin bemüht sich weiter, eine
Rückehr der Frau und ihres erwachsenen Sohnes zu ihren Familien zu
erreichen. Aus dem Auswärtigen Amt drangen keine weiteren Details.
Auch der Hintergrund der Entführung ist noch unklar.
Nach übereinstimmenden Medienberichten handelt es sich bei den
Entführungsopfern im Irak um eine Frau im Alter von etwa 60 Jahren
und ihren Sohn; die beiden wurden bereits am Dienstag vergangener Woche
verschleppt. Nach Informationen des "Tagesspiegel" und des
ARD-Hauptstadtstudios ist die entführte Frau mit einem irakischen
Arzt verheiratet. Ihr Sohn, etwa Mitte 20, sei im
Außenministerium in Bagdad tätig, berichtet die Zeitung
unter Berufung auf Sicherheitskreise. Mitglieder der Familie lebten in
Berlin und anderen Regionen Deutschlands.
Wegen der Ermordung eines Irakers in Hamdania ist am Dienstag ein
weiterer US-Marineinfanterist vor ein Militärgericht gestellt
worden. Das Verfahren gegen den Gefreiten Robert Pennington im
kalifornischen Camp Pendleton ist bereits das sechste in diesem Fall.
Dem 22-Jährigen werden Mord und Entführung sowie
Verschwörung, Diebstahl und Einbruch zur Last gelegt.
Insgesamt sollen sieben Marineinfanteristen und ein
Marinesanitäter an dem Verbrechen beteiligt gewesen sein. Ihnen
wird vorgeworfen, den unbewaffneten Iraker Haschim Ibrahim Awad am 26.
April vergangenen Jahres aus seinem Haus gezerrt, in ein Loch geworfen
und mit mindestens zehn Schüssen in den Kopf getötet zu
haben. Anschließend sei die Tat so dargestellt worden, als
hätten die Soldaten einen bewaffneten Rebellen erschossen. Grund
sei die wachsende Frustration der Soldaten wegen ihrer vergeblichen
Suche nach einem Aufständischen gewesen, hieß es in einem
der Geständnisse.
Drei Marineinfanteristen und der Sanitäter haben sich vor Gericht
zu den geringeren Anklagepunkten schuldig bekannt. Sie erhielten
Haftstrafen von weniger als zwei Jahren, weil sie sich im Gegenzug
bereit erklärten, gegen ihre Kameraden auszusagen. Ein weiterer
Marineinfanterist zog sein Schuldbekenntnis in der vergangenen Woche
kurz vor der Urteilsverkündung zurück. Einer der Zeugen
erklärte am Dienstag im Prozess gegen Pennington, der Angeklagte
habe dafür gesorgt, dass Fingerabdrücke des Opfers auf das
Gewehr gekommen seien, das man neben der Leiche platziert habe.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 14.02.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertsechsundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Nahost-Konflikt
Mindestens drei Tote bei Anschlägen im Libanon. Unterschiedliche
Erwartungen an Nahost-Gipfeltreffen. Palästinenser werben im
Sicherheitsrat für Unterstützung
Mi.14.02.07 - Kurz vor dem Jahrestag der Ermordung des früheren
Ministerpräsidenten Rafik Hariri sind bei einem Doppelanschlag auf
zwei Pendlerbusse im Libanon mindestens drei Menschen ums Leben
gekommen. Mehr als 20 Fahrgäste erlitten am Dienstag Verletzungen,
wie die amtliche Nachrichtenagentur berichtete. Nach Einschätzung
von Drusenführer Walid Dschumblatt hatten die Attentate das Ziel,
die Libanesen von der Teilnahme einer Massenkundgebung zum Gedenken an
Hariri am Mittwoch in Beirut abzuhalten.
Die Anschläge wurden auf einer Fernstraße in den Bergen
nordöstlich der Hauptstadt verübt. Die Bomben explodierten in
Bussen, in denen Bewohner christlicher Dörfer zur Arbeit an die
Küste fuhren, wie der Sender Stimme des Libanons meldete. Aus
Sicherheitskreisen verlautete, zunächst sei bei Bikfaja ein unter
einem Sitz versteckter Sprengsatz explodiert. Als Menschen zu dem
zerstörten Bus eilten, ging eine zweite Bombe in dem nachfolgenden
Kleinbus hoch. Die Bomben seien mit Metallteilen versehen gewesen,
hieß es weiter.
Zunächst war von zwölf Toten die Rede gewesen. Die staatliche
Nachrichtenagentur und das Rote Kreuz berichteten dann aber
übereinstimmend von drei Toten. Zu den irreführenden Angaben
sei es gekommen, weil die Opfer in verschiedene Krankenhäuser
gebracht worden seien. Bei den Toten handelt es sich nach Polizeiangaben
um einen Libanesen, einen ägyptischen Arbeiter und eine etwa 30
Jahre alte Frau. Bikfaja ist der Heimatort der prominenten christlichen
Gemajel-Familie. Industrieministers Pierre Gemajel fiel im November
einem Attentat zum Opfer, sein Vater ist der frühere
Staatspräsident Amin Gemajel.
Die Unterstützer der prowestlichen Regierung von
Ministerpräsident Fuad Siniora wollen amheutigen Mittwoch des
zweiten Jahrestags des Hariri-Attentats gedenken. Innenminister Hasan
Sabei sagte, man wolle darüber sprechen, wie die Sicherheit der
Veranstaltung gewährleistet werden könne. Die Organisatoren
erklärten, die Kundgebung werde trotz der Anschläge
stattfinden.
Der prosyrische Präsident Emile Lahud verurteilte die Attentate,
die jeden Kompromiss zwischen den verfeindeten Gruppen verhindern
sollten. «Jedes Mal wenn die Libanesen einer Einigung nahe
scheinen, verüben die Feinde des Libanons ein weiteres
Verbrechen», sagte der Präsident unter Anspielung auf die
Anschläge der letzten Monate. Dschumblatt sagte dem Sender Al
Dschasira, die Attentate sollen jenen Angst machen, die an der
Hariri-Demonstration teilnehmen wollten.
Israel will auf dem Nahost-Gipfeltreffen am nächsten Montag keine
konkreten Schritte zur Wiederbelebung des Friedensprozesses beraten.
Zunächst müsse die Politik der kommenden
palästinensischen Regierung abgewartet werden, sagte die Sprecherin
von Ministerpräsident Ehud Olmert, Miri Eisin, am Dienstag. Es
werde bei dem Treffen mit dem palästinensischen Präsidenten
Mahmud Abbas nicht um substanzielle Fragen gehen, sondern um den
«politischen Horizont.»
Dagegen machte der palästinensische Chefunterhändler Sajeb
Erakat deutlich, dass seine Seite gern die Verhandlungen über ein
Friedensabkommen wieder aufnehmen würde. Doch habe man sich mit den
Israelis noch nicht auf eine Tagesordnung für das Gipfeltreffen
einigen können, an dem auch US-Außenministerin Condoleezza
Rice teilnehmen will.
Israelische Soldaten töteten am Dienstag an der Grenze zum
Gazastreifen einen palästinensischen Extremisten. Die
Al-Aksa-Märtyrerbrigaden erklärten, eine Gruppe habe eine
Bombe gezündet, als eine israelische Patrouille vorbeifuhr. Ein
Kämpfer sei erschossen und ein weiterer verletzt worden. Es war der
erste Zwischenfall an der Grenze seit der Einigung zwischen Hamas und
Fatah in der vergangenen Woche in Mekka.
Die Palästinenser haben im UN-Sicherheitsrat für ein Ende des
internationalen Finanzboykotts geworben. Die vereinbarte Bildung einer
Regierung der nationalen Einheit müsse zu einem Ende der
Sanktionen führen, sagte der palästinensische Gesandte Rijad
Mansur am Dienstag am Sitz der Vereinten Nationen in New York.
Präsident Mahmud Abbas werde seine Bereitschaft zur Wiederbelebung
des Friedensprozesses mit Israel in der kommenden Woche bei einem
Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert
bekräftigen. «Wir sind bereit. Wir haben unser Volk vereint
und die Ränge unserer Führung geschlossen», sagte
Mansur. «Jetzt stellt sich die Frage, ob Israel zur Aufnahme
echter und aufrichtiger Gespräche bereit ist.»
Der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman forderte die
Staatengemeinschaft auf, die Forderung nach einer Anerkennung Israels
nicht fallen zu lassen. Es könne keinen Frieden geben,
«solange eine Seite sich weigert, die Existenz der anderen
anzuerkennen», sagte Gillerman. Er bezog sich auf das Fehlen
eines entsprechenden Passus in der Vereinbarung, auf die sich die
beiden palästinensischen Gruppen Hamas und Fatah in der
vergangenen Woche in Mekka geeinigt hatten.
(Quelle: ap)
Nordkorea stimmt Abbau seines Atomprogramms zu
Mi.14.02.07 - Nordkorea hat ersten Schritten für einen Ausstieg aus seinem
Atomprogramm zugestimmt. Ein bei den so genannten
Sechser-Gesprächen in Peking erzieltes Abkommen sieht die Lieferung
von einer Million Tonnen Heizöl an Pjöngjang vor, wenn die
nordkoreanische Führung unter anderem ihren Hauptatomreaktor in
Yongbyon stilllegt, wie der chinesische Chefunterhändler Wu Dawei
mitteilte. Die US-Regierung stimmte zu, binnen zwei Monaten mit der
schrittweisen Streichung des Landes von ihrer Liste der
Terror-Unterstützerstaaten zu beginnen und die gegen
Pjöngjang verhängten Handelssanktionen aufzuheben.
Die USA und Nordkorea einigten sich außerdem darauf, direkte
Gespräche zur Herstellung diplomatischer Beziehungen aufzunehmen.
Nach dem Ende des Koreakriegs im Jahr 1953 hatte es lediglich einen
Waffenstillstand gegeben. Diplomatische Beziehungen zwischen Washington
und Pjöngjang bestehen bis heute nicht.
In den Atomverhandlungen mit Nordkorea gibt es nach Einschätzung
des US-Unterhändlers Christopher Hill noch viel zu tun. Hill
begrüßte in Peking die erzielte Vereinbarung. Allerdings gebe
es noch "viel Arbeit". Zugleich kündigte er an, die USA wollten im
Zuge der Übereinkunft die Frage der 2005 gegen Nordkorea
verhängten Finanzsanktionen binnen eines Monats regeln.
Die kommende Verhandlungsrunde der Sechs-Länder-Gespräche
soll am 19. März stattfinden. China, die USA, Russland,
Südkorea und Japan versuchen seit 2003, die kommunistische
Regierung in Nordkorea zur Aufgabe ihres Atomprogramms zu bewegen. Sie
konnten jedoch nicht verhindern, dass das Land im vergangenen Oktober
nach eigenen Angaben seinen ersten Atomwaffentest vornahm.
(Quelle: afp)
Energieagentur hebt wegen China Prognose für Ölnachfrage an
Mi.14.02.07 - Wegen eines weiter steigenden Verbrauchs in China hat die
Internationale Energieagentur (IEA) ihre Prognose für die
Ölnachfrage im laufenden Jahr angehoben. Sie werde 2007 weltweit
bei 86 Millionen Barrel pro Tag liegen und damit um etwa 270.000 Barrel
höher als erwartet, teilte die Organisation am Dienstag in ihrem
monatlichen Ölmarktbericht mit. Auch für 2006 setzte die IEA
ihre Nachfrageschätzung wegen der boomenden Wirtschaft in der
Volksrepublik herauf: Damit wurden rund um den Globus täglich 84,5
Millionen Barrel verbraucht und damit 111.000 Barrel mehr als bisher
gedacht.
(Quelle: afp)
Ethanol aus Brasilien kann Erdgas zu einem Zehntel ersetzen
Mi.14.02.07 - Ethanol aus brasilianischem Zuckerrohr könnte in 20 Jahren rund
zehn Prozent des weltweit verbrauchten Erdgases ersetzen. Zu diesem
Ergebnis kommt eine Studie der Universität von Campinas im Auftrag
des brasilianischen Wissenschaftsministeriums. Nötig seien
jährliche Investitionen von 20 Milliarden Real (7,3 Milliarden
Euro), sagte einer der Autoren der Studie, Augusto Barbosa Cortez, am
Montag. So müssten beispielsweise Lagerhäuser, Pipelines und
Produktionsstätten gebaut werden. Mit den entsprechenden
Investitionen wäre Brasilien der Studie zufolge in der Lage, seine
Ethanol-Exporte bis zum Jahr 2025 auf 200 Milliarden Liter zu steigern -
im vergangenen Jahres waren es 3,4 Milliarden Liter. Brasilien ist der
weltgrößte Produzent und Exporteur von Zuckerrohr.
(Quelle: ap)
EU-Parlament fordert bis 2020 Recyclingquote von 50 Prozent
Mi.14.02.07 - Das Europaparlament will den Anstieg der Müllberge in Europa
stoppen: Eine Mehrheit von 651 der 686 anwesenden Abgeordneten stimmte
am Dienstag in erster Lesung für eine Regelung, nach der die
EU-weit produzierte Abfallmenge bis 2012 stabilisiert und bis 2020
verringert werden muss. Dazu sollen die EU-Staaten die Recyclingquote
von derzeit durchschnittlich 33 Prozent deutlich steigern.
Bis 2020 sollen nach Auffassung des EU-Parlaments mindestens 50 Prozent
der Siedlungsabfälle und 70 Prozent der Bau- und
Industrieabfälle wiederverwertet oder recyclet werden. Bereits bis
2015 soll europaweit der Müll getrennt werden, wie dies in
Deutschland und einigen anderen EU-Staaten bereits der Fall ist.
Gegenwärtig fallen in der EU jährlich 1,3 Millionen Tonnen
Abfall an.
Das Parlament forderte, Mülltransporte soweit möglich zu
vermeiden. Abfälle sollten stets in der «am nächsten
gelegenen geeigneten Anlage» behandelt werden.
Keine Mehrheit im Plenum fand die Empfehlung des Umweltausschusses, die
Deponierung unbehandelter Abfälle bis 2010 ganz zu verbieten. Dies
habe sich nicht durchsetzen lassen, weil es in Staaten wie Portugal und
Griechenland kaum Müllverbrennungsanlagen gebe, erläuterte
die deutsche SPD-Europaabgeordnete Jutta Haug. In diesen Ländern
landen bis zu 90 Prozent der Siedlungsabfälle unbehandelt auf der
Müllkippe. Enttäuscht zeigte sich Haug zudem darüber,
dass für Müllverbrennungsanlagen keine einheitlichen
Energie-Effizienzkriterien festgelegt worden seien.
Der deutsche CDU-Europaabgeordnete Karl-Heinz Florenz kritisierte,
falls die EU-Staaten die Abfallrichtlinie in der vom Parlament
verabschiedeten Fassung zustimmten, drohe erheblicher
bürokratischer Aufwand. Um die in der Richtlinie genannten Ziele
zu erreichen, sollen die EU-Staaten nämlich
Abfallvermeidungspläne aufzustellen. Dies werde zu einem
«Wust an Papieren» führen, warnte Florenz. Zudem
müssten Unternehmen nach der Richtlinie künftig
begründen, wenn sie etwa Getränke statt in wiederverwertbaren
Glasflaschen in Tetrapacks abfüllten. Sollte sich diese Vorschrift
durchsetzen, so wäre dies «ein bürokratischer Aufwand,
den kleine Unternehmen niemals bewältigen können»,
kritisierte Florenz.
(Quelle: ap)
Zypern beantragt Beitritt zur Euro-Zone
Mi.14.02.07 - Zypern hat am Dienstag offiziell den Beitritt des Landes zur Eurozone
zum 1. Januar 2008 beantragt. Wie die EU-Kommission mitteilte, ging ein
entsprechender Antrag in Brüssel ein. Der zyprische Finanzminister
Michalis Sarris hatte am Montag erklärt, sein Land erfülle
alle Kriterien. Kommissions-Sprecherin Amelia Torres teilte mit, eine
Entscheidung werde vermutlich im Juni fallen. Der Euro ist bereits in 13
der 27 EU-Mitgliedstaaten die offizielle Währung.
Das Haushaltsdefizit Zyperns wird in diesem Jahr vermutlich weniger als
zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen. Die Inflation, die im
vergangenen Jahr bei 2,2 Prozent lag, dürfte ebenfalls unter dem
zulässigen Referenzwert bleiben. EU-Wirtschaftsexperten hatte
Zypern im vergangenen Monat wegen der Reduzierung des Staatsdefizits
gelobt. Sie mahnten aber weitere Reformen bei den Renten und im
Gesundheitssystem an.
Wie Zypern will auch Malta den Euro im kommenden Jahr als offizielle
Währung einführen. Die Slowakei könnte 2009 folgen.
(Quelle: ap)
Serbische Regierung weist Kosovo-Plan formell zurück
Mi.14.02.07 - Nach wiederholter Kritik hat Serbien den neuen Kosovo-Plan jetzt auch
formell zurückgewiesen. Die Regierung von Ministerpräsident
Vojislav Kostunica veröffentlichte am Dienstag eine Resolution, in
der die Vorschläge des UN-Vermittlers Martti Ahtisaari scharf
verurteilt werden. Sie widersprächen dem Völkerrecht, weil
sie die Souveränität und die territoriale Integrität
Serbiens ignorierten, hieß es in der Entschließung. Auch
die serbische Minderheit im Kosovo und die Orthodoxe Kirche Serbiens
bekräftigten ihre Ablehnung.
«Dem Kosovo die Rechte eines souveränen Staates zu geben,
schafft einen gefährlichen Präzedenzfall mit Blick auf
Minderheitenprobleme und Gebietsstreitigkeiten in Europa und
weltweit», erklärte die Regierung in Belgrad. Ihre
Resolution soll am (morgigen) Mittwoch dem Parlament vorgelegt werden,
dessen Zustimmung als sicher gilt. Gleichwohl erklärte sich die
Regierung bereit, am 21. Februar in Wien mit Ahtisaari
zusammenzutreffen, um endgültig über dessen umstrittenen
Vorschlag zu verhandeln.
Ahtisaaris Plan sieht für die serbische Provinz eine weit
reichende Selbstbestimmung vor - einschließlich des Rechts auf
eine eigene Flagge, Nationalhymne, Streitmacht, Verfassung und die
Mitgliedschaft in internationalen Organisationen. Die albanische
Mehrheitsbevölkerung im Kosovo, die nach staatlicher
Unabhängigkeit strebt, hat diese Vorschläge großenteils
begrüßt. Albanischen Nationalisten gehen sie allerdings noch
nicht weit genug, und bei deren gewaltsamen Protesten kamen am
Wochenende zwei Menschen ums Leben.
(Quelle: ap)
Deutsche Wirtschaft wuchs 2006 stärker als bislang angenommen
Mi.14.02.07 - Der deutsche Aufschwung fiel 2006 noch kräftiger aus als bislang
angenommen.
Das Statistische Bundesamt korrigierte am Dienstag die Wachstumsrate
des Bruttoinlandsproduktes von 2,5 auf 2,7 Prozent, weil die Exporte
stärker stiegen als erwartet. Zuletzt hatte es im Jahr 2000 mit 3,2
Prozent ein größeres Plus gegeben. Immer mehr Experten
trauen der Wirtschaft auch 2007 ein deutliches Wachstum zu.
Grund für die Aufwärtskorrektur war ein kräftiger
Schlussspurt. Von Oktober bis Dezember wuchs die Wirtschaft um 0,9
Prozent im Vergleich zum dritten Quartal. Die Statistiker hatten
ursprünglich nur mit 0,5 Prozent gerechnet. Ein "extrem dynamischer
Außenhandel" hatte den größten Anteil an der Belebung,
hieß es. Im November verkauften die Exporteure Waren im Wert von
rund 85 Milliarden Euro ins Ausland und übertrafen den erst im
Oktober aufgestellten Rekord. Als Stützen der Konjunktur erwiesen
sich aber auch höhere Investitionen im Inland und steigende
Konsumausgaben wegen vorgezogener Käufe vor der
Mehrwertsteuererhöhung.
Deutschland hat damit nach den Worten von EU-Währungskommissar
Joaquin Almunia ganz Europa mit nach oben gezogen. "Der Aufschwung ist
kräftiger und breiter als ich erwartet habe", sagte Almunia dem
Magazin "Capital". Auch die Euro-Zone insgesamt wuchs im Vorjahr um 2,7
Prozent nach 1,4 Prozent 2005.
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) rechnet mit einem
anhaltend robusten Wachstum: "Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist
hervorragend aufgestellt." Der kräftige Schwung vom Jahresende
bereitet Experten zufolge den Boden für einen anhaltenden Boom.
"Damit werden die Aussichten für 2007 immer besser", sagte
Sebastian Wanke von der DekaBank. Eine Zwei vor dem Komma werde
wahrscheinlicher. Von Reuters befragte Analysten rechneten bislang im
Schnitt mit 1,6 Prozent.
Einige Banken blicken inzwischen optimistischer nach vorn, nachdem der
befürchtete Mehrwertsteuerschock bislang ausgeblieben ist.
Unicredit erhöhte am Dienstag die Prognose von 1,1 auf 1,6 Prozent,
die Commerzbank von 1,4 auf 1,7 Prozent. Die Bundesregierung bleibt
dagegen vorerst bei 1,7 Prozent. "Wir werden bei dieser konservativen
Schätzung bleiben, um nicht zweckoptimistisch zu werden", sagte
Finanzminister Peer Steinbrück (SPD).
Das Statistische Bundesamt revidierte außerdem die Ergebnisse
für das zweite und dritte Quartal nach oben. Das
Bruttoinlandsprodukt kletterte im zweiten Quartal um 1,2 (bisher 1,1)
Prozent und im dritten Quartal um 0,8 (0,6) Prozent. "Die
Aufwärtskorrekturen sind vor allem bedingt durch bessere Ergebnisse
im Verarbeitenden Gewerbe und im Baugewerbe sowie bei den
Bauinvestitionen", hieß es. Zu Jahresbeginn hatte das Plus wie
bislang angegeben 0,8 Prozent betragen.
(Quelle: rtr)
SPD will bei Kinderbetreuung Erfahrungen aus dem Osten nutzen
Mi.14.02.07 - Die SPD will Ende Februar konkrete Finanzierungsvorschläge zur
Kinderbetreuung auf den Tisch legen und dabei auch die Erfahrungen aus
den neuen Bundesländern nutzen. Das kündigte
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil am Dienstag in Magdeburg am Rande
einer Konferenz der Fraktionsvorsitzenden seiner Partei von EU, Bund
und Ländern an. Er wolle nicht in Ostalgie verfallen, sagte Heil
und fügte hinzu: «Ich hätte fast gesagt, es war nicht
alles schlecht.»
In Sachsen-Anhalt beispielsweise haben alle Kinder bis zum
zwölften Lebensjahr Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Krippe
beziehungsweise einem Kindergarten oder einem Hort. Nach den
Vorstellungen der SPD soll es ab 2010 ein Rechtsanspruch für
Ganztagsbetreuung für Kinder nach dem vollendeten ersten Lebensjahr
geben.
«Die Lebenschancen der Kinder dürfen nicht vom Geldbeutel
der Eltern abhängig sein», sagte Heil und erklärte,
beginnend mit dem letzten Kita-Jahr wolle die SPD Beitragsfreiheit
durchsetzen. Zur Finanzierung sollten steuerrechtliche Fragen
geklärt werden. Zudem könnten die Gebietkörperschaften
durch zurückgehende Kinderzahlen frei werdende Mittel umschichten.
Das Kindergeld werde nicht gekürzt. Teil des Konzepts für die
Kindereinrichtungen sei ein «Ausbau der Quantität im Westen
und der Qualität im Osten».
«Wir werden konkrete Finanzierungsvorschläge vorlegen und
erwarten das auch vom Koalitionspartner», sagte Heil. Bislang sei
nicht klar, ob die Vorschläge von Bundesfamilienministerin Ursula
von der Leyen nur ihre eigenen Ideen seien oder mit denen der Union
übereinstimmten. Die CDU-Politikerin hatte vorgeschlagen, dass
Familien und unverheiratete Paare mit Kindern steuerlich besser gestellt
werden sollen, aber noch keine konkreten Vorschläge dafür
vorgelegt.
(Quelle: ap)
BVG erleichtert Vaterschaftsnachweis für Männer
Mi.14.02.07 - Das Bundesverfassungsgericht hat die Rechte von Männern bei
Vaterschaftstests gestärkt. Wie die Karlsruher Richter entschieden,
muss der Gesetzgeber bis März 2008 dafür sorgen, dass
zweifelnde Väter deutlich leichter als bisher ihre biologische
Vaterschaft überprüfen lassen können. Heimliche Gentests
sind aber weiterhin illegal und bleiben als Beweismittel
unzulässig, weil sie gegen das informationelle
Selbstbestimmungsrecht des Kindes verstoßen. Das
Bundesjustizministerium kündigte eine rasche Neuregelung an.
Mit dem Urteil scheiterte der Kläger Frank S. zwar formal. In der
Sache bekam er aber gleichwohl Recht: Sobald die Neuregelung in Kraft
ist, muss die Mutter der angeblich gemeinsamen Tochter einem
Vaterschaftstest zustimmen. Dem Mann war in einer Anfechtungsklage zur
Vaterschaft ein Gentest verweigert worden, obwohl er laut einem
Gutachten 90 Prozent seiner Zeugungskraft verloren hatte. Für das
Gericht war dies allein noch kein "begründeter Verdacht", der
Voraussetzung für die Einleitung solch eine Klage ist. Ein heimlich
eingeholter DNA-Test brachte dem Kläger zwar die Gewissheit, dass
das Kind nicht von ihm stammt. Die Gerichte ließen den Test aber
nicht als Beweis zu.
An der Illegalität solch heimlicher Tests ändert sich zwar
auch in Zukunft nichts. Laut Urteil haben Männer wie der
Kläger jedoch ein grundgesetzlich verbürgtes Recht zu
erfahren, ob sie auch der biologische Vater ihrer Kinder sind. Nach
Maßgabe der Karlsruher Richter reicht künftig allein der
"Zweifel an der Vaterschaft" aus, um solch ein Verfahren einleiten zu
können. Das Vaterschaftsanfechtungsverfahren sei dafür aber
nicht der geeignete Weg. An dessen Ende stehe bei einem negativen
Gentest immer die zwingende rechtliche Trennung von Vater und Kind.
Weil deshalb das Recht auf Kenntnis der Vaterschaft nicht zwingend
darauf abzielt, eine Vaterschaft zu beenden, darf der Gesetzgeber laut
Urteil an das neue zusätzliche Verfahren auch nicht die selben
hohen Anforderungen stellen wie an eine Anfechtungsklage. Die
Grundrechte des Kindes und der Mutter sind nach Ansicht der Richter in
solchen Fällen auch weniger schützenswert. Mütter
müssen deshalb in Vaterschaftstests einwilligen. (AZ: 1 BvR 421/05)
(Quelle: afp)
Jugendmedienschutz wird verschärft Verbot für Gewaltspiele
geplant
Mi.14.02.07 - Kinder und Jugendliche sollen künftig besser vor extrem
gewalthaltigen Computerspielen, Videos, DVD und anderen Medien
geschützt werden. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen und
ihr nordrhein-westfälischer Kollege Armin Laschet stellten am
Dienstag ein «Sofortprogramm» vor. Geplant ist eine
deutliche Verschärfung des Jugendschutzgesetzes noch dieses Jahr.
Unter anderem sollen extrem gewaltbeherrschte Spiele für
Minderjährige automatisch verboten und Alterskennzeichnungen auf
den Hüllen groß und deutlich lesbar sein.
Derartige Spiele «gehören nicht in die Hände von
Kindern und Jugendlichen», betonte von der Leyen. Sie sollten
künftig - wie bisher erst so genannte gewaltverherrlichende Inhalte
- unter ein automatisches Verbot fallen. Damit dürften sie nicht
beworben und nur in besonderen Läden an Erwachsene verkauft werden.
Auch die Indizierungskriterien der Bundesprüfstelle für
jugendgefährdende Medien würden erweitert, kündigte die
CDU-Politikerin an. So kämen Spiele mit «Mord- und
Metzelszenen» ebenso auf den Index wie solche, bei denen
Gewaltanwendung mit «Leben sammeln» oder Erreichen eines
höheren Levels belohnt werde. Die Hinweise auf die Altersfreigabe
auf den Verpackungen sollen so groß und plakativ angebracht werden
wie die Warnhinweise auf Zigarettenpackungen. Die jetzige Kennzeichnung
sei viel zu klein und kaum zu lesen, rügte die Ministerin.
Außerdem sollen Kassensysteme künftig ein Signal geben, wenn
ein nicht jugendfreies Spiel über die Ladentheke geht.
Von der Leyen kündigte dafür einen Gesetzentwurf an, der noch
vor der Sommerpause im Kabinett beraten werden und innerhalb dieses
Jahres im Parlament beschlossen werden soll. Sie verwies darauf, dass
Fachleute derzeit die gesamten Jugendschutzvorschriften unter die Lupe
nehmen und im Juni Ergebnisse für den Online-Bereich vorlegen
wollen. Eventuelle Schlussfolgerungen daraus könnten noch in das
Gesetzgebungsverfahren aufgenommen werden.
Besser werden soll auch die Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle (USK)
der Länder, die erst 2003 eingerichtet wurde. Sie müsse
transparenter und effektiver werden, sagte Laschet, der
federführend unter den Ländern für die USK zuständig
ist. So sollten die Kriterien für die Alterskennzeichnung
konkretisiert und Eltern und Händler besser darüber
informiert werden. Auch soll der Jugendmedienschutz stärker an den
Schulen zum Thema gemacht werden.
(Quelle: ap)
Studentenwerk fordert Anhebung der BAföG-Sätze
Mi.14.02.07 - Das Deutsche Studentenwerk hat die Bundesregierung aufgefordert,
entgegen ihren bisherigen Planungen das BAföG doch zu erhöhen.
Die Regierung habe in ihrem jüngsten BAföG-Bericht selbst
festgestellt, dass eine Anhebung der Ausbildungsförderung
notwendig sei, sagte der Generalsekretär des Studentenwerkes,
Achim Meyer auf der Heyde, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom
Dienstag. Es sei "nicht nachvollziehbar", dass Fördersätze
und Elternfreibetrag auf dem Stand von 2001 bleiben sollten. "Es zeigt
sich schon jetzt, dass das BAföG nicht mehr alle
Förderbedürftigen erreicht."
Die Belastungen eines Studiums seien immens für Familien, die nach
den weiterhin geltenden Bedingungen keinen Anspruch auf BAföG
hätten, sagte Meyer auf der Heyde weiter. Ihnen helfe auch das
Angebot an Studienkrediten nicht weiter. "Eine so unsichere Finanzierung
schreckt ab." Die Bundesregierung will am Mittwoch über eine
BAföG-Novelle beraten, mit der die bisherigen
Fördersätze beibehalten werden.
(Quelle: afp)
Wissenschaft
Mittagsschlaf reduziert tödliche Herzerkrankungen
Mi.14.02.07 - Einen Zusammenhang zwischen regelmäßigen Mittagsschlaf und
reduziertem Risiko von tödlichen Herzerkrankungen will jetzt eine
griechische Studie herausgefunden haben. Forscher der Universität
Athen haben errechnet, dass in Ländern, in denen Siestas
üblich sind, die Todesrate durch Herzkrankheiten niedriger ist.
Dafür wurden 23 681 Männer und Frauen zwischen 20 und 86
Jahren ohne Herzkrankheiten oder andere schwere gesundheitliche Probleme
sechs Jahre lang untersucht und ihre Mittagsschlafgewohnheiten
dokumentiert. Im Untersuchungszeitraum starben 792 Teilnehmer, wobei 133
Menschen Herzkrankheiten erlagen. Unter Berücksichtigung anderer
kardiovaskulärer Risikofaktoren wiesen Personen, die
regelmäßig Mittagspausen mit unterschiedlicher Dauer
einlegten, ein um 34 Prozent niedrigeres Risiko auf, an Herzkrankheiten
zu sterben, als diejenigen, die kein Schläfchen machten.
Systematische Mittagsschläfer, die eine Siesta von 30 oder mehr
Minuten mindestens dreimal die Woche einlegten, hatten ein 37 Prozent
geringeres Risiko. Bei nicht arbeitenden Männern hat sich den
Athener Wissenschaftlern zufolge das Todesrisiko auf 36 Prozent
verringert. Eine entsprechende Analyse bei Frauen konnte nicht
vorgenommen werden, da es nur sechs Todesfälle unter den
arbeitenden Frauen gab.
(Quelle: yahoo-Nachrichten)
Afrikanische Schimpansen nutzen seit Jahrtausenden Werkzeuge
Mi.14.02.07 - Schimpansen im westafrikanischen Regenwald haben einer neuen Studie
zufolge bereits vor Jahrtausenden den Gebrauch einfacher Werkzeuge
erlernt und von Generation zu Generation weitergegeben. Archäologen
fanden in einem Schimpansen-Siedlungsgebiet im Tai-Dschungel in der
Elfenbeinküste primitive Steinhämmer, deren ältester vor
etwa 4300 Jahren benutzt wurde, heißt es in der Studie, die im
US-Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences"
veröffentlicht wurde. Die Erkenntnisse werfen den Wissenschaftlern
zufolge ein neues Licht auf die Entwicklung der Schimpansen.
Bislang waren manche Forscher davon ausgegangen, dass die Menschenaffen
in der Elfenbeinküste ihre ungewöhnliche Fähigkeit zur
Nutzung von Steinhämmern zum Aufbrechen von Nüssen beim
Menschen abgeschaut haben. Vor 4300 Jahren habe es in der Gegend aber
keine Menschen gegeben, schreibt das internationale Wissenschaftlerteam.
Daraus folge, dass die Affen diese Technik entweder selbstständig
entwickelt hätten, oder dass sie auf einen gemeinsamen Vorfahren
von Mensch und Affe zurückgeht.
Die Studie werfe "interessante Fragen über unser gemeinsames Erbe
mit den Schimpansen auf", erklärte Anthropologie-Professorin Alison
Brooks. Nach Einschätzung ihrer Autoren legt die Untersuchung
außerdem nahe, dass die Schimpansen im Tai-Wald diese
Kulturtechnik über mehr als 200 Generationen weitergereicht haben.
"Die Material-Kultur der Schimpansen reicht bis weit in die
Vorgeschichte zurück, die Erkundung ihrer Wurzeln fängt gerade
erst an", schreiben die Autoren.
Für ihre Untersuchung gruben die Archäologen
unregelmäßig geformte, hammerähnliche Steine im
Regenwald aus. An den Steinen identifizierten sie mikroskopisch kleine
Reste einer Nuss-Art, die von Schimpansen, nicht aber vom Menschen
gegessen wird. Dadurch sei auszuschließen, dass die Steine von
Menschen zum Nussknacken benutzt wurden. Zudem sind sie nach
Einschätzung der Wissenschaftler zu groß für den
menschlichen Gebrauch. Weitere Untersuchungen hätten zudem ergeben,
dass die Steine ihre besondere Form nicht durch natürliche Erosion
bekommen haben können.
Die Ausgrabungsstätte im Tai-Wald ist der Studie zufolge die
einzige Schimpansensiedlung, deren Ursprünge nachweisbar in
prähistorische Zeit zurückreichen. Hauptautor der Studie ist
der Archäologe Julio Mercader von der Universität Calgary in
Kanada. Beteiligt waren außerdem Wissenschaftler aus Deutschland,
den USA und Großbritannien.
(Quelle: afp)