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Irak am neunhunderteinundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-Präsident Bush weist Iran Mitschuld am Tod von US-Soldaten im
Irak zu. Erneut sechs amerikanische Soldaten im Irak ums Leben
gekommen. USA bestätigen Abschuss eines Hubschraubers im Irak.
Seit Beginn des Irak-Kriegs mindestens 3.132 US-Soldaten getötet.
Razzia gegen Schleuserring für Irak-Kämpfer in Frankreich
Do.15.02.07 - US-Präsident George W. Bush hat dem Iran eine Mitschuld am Tod
zahlreicher US-Soldaten im Irak zugewiesen. Er könne "mit
Gewissheit" sagen, dass eine Gruppierung der iranischen
Revolutionsgarden "diese ausgeklügelten Sprengsätze geliefert
hat, die unseren Soldaten Schaden antun", sagte Bush in Washington. Als
Verantwortliche nannte Bush namentlich die El-Kuds-Brigaden, die "ein
Teil der iranischen Regierung" seien. Belege für eine direkte
Verwicklung höchster Regierungskreise im Iran gebe es allerdings
nicht, räumte Bush ein.
Angesichts des starken innenpolitischen Widerstands gegen seine
Irak-Politik bat Bush auf der Pressekonferenz um Geduld. Die US-Truppen
im Irak seien dabei, die neue Strategie zur Bekämpfung der Gewalt
vor allem in der Hauptstadt Bagdad umzusetzen. Schnelle Ergebnisse
seien aber nicht zu erwarten: "Die Operation zur Sicherung von Bagdad
benötigt Zeit." Zugleich stimmte der Präsident die zunehmend
kriegsmüde Öffentlichkeit in den USA auf weitere Opfer ein.
Die Gegner der USA würden den Einsatz weiterhin gewaltsam zu
stören versuchen, sagte Bush.
Die Kritik an der geplanten Aufstockung der US-Truppen im Irak wies
Bush zurück. Eine Resolution, mit der die gegnerischen Demokraten
im US-Repräsentantenhaus noch in dieser Woche Bushs Vorhaben
verurteilen wollen, ziehe "voreilige Schlüsse". Zunächst
müssten die neue Irak-Strategie und der neue Irak-Kommandeur David
Petraeus die Chance erhalten, sich vor Ort zu bewähren. "Stellen
Sie sich angesichts der derzeitigen schlimmen Gewalt vor, wie die Lage
wäre, wenn wir den Irakern nicht bei der Sicherung von Bagdad
helfen würden", sagte Bush. Die Debatte im Repräsentantenhaus
über die Resolution hatte am Dienstag begonnen; eine Abstimmung
ist für Freitag geplant.
Im Irak sind erneut sechs US-Soldaten ums Leben gekommen. Vier Soldaten
wurden nach Angaben der Streitkräfte am Mittwoch bei Kämpfen
in der Provinz Dijala nordöstlich von Bagdad getötet. Ein
weiterer Soldat sei bei einem Überfall Aufständischer
nördlich der irakischen Hauptstadt tödlich verletzt worden.
Bereits am Dienstag kam den Angaben zufolge ein Soldat bei einem
Zwischenfall ums Leben, der nicht auf Kampfhandlungen
zurückzuführen ist. Näheres dazu wurde nicht mitgeteilt.
Es hieß lediglich, der Vorfall werde untersucht. Seit Beginn des
Irak-Kriegs im März 2003 kamen nach einer Zählung der
Nachrichtenagentur AP bereits mindestens 3.132 US-Soldaten ums Leben.
Die USA haben am Mittwoch den Abschuss eines Hubschraubers durch die
Aufständischen im Irak bestätigt. Beim Absturz des
Hubschraubers der Marineinfanterie am 7. Februar nordwestlich von Bagdad
waren alle sieben Soldaten an Bord getötet worden. Eine der
Terrororganisation Al Kaida nahe stehende Gruppe hatte danach ein Video
vom Abschuss des Hubschraubers verbreitet. Eine Untersuchung habe
gezeigt, dass der Hubschrauber beschossen worden und deshalb
abgestürzt sei, erklärten die US-Streitkräfte.
In Frankreich sind bei einer Razzia gegen ein mutmaßliches
Schleusernetz für Irak-Kämpfer elf Menschen festgenommen
worden. Neun von ihnen würden verdächtigt, in Verbindung mit
der Terrororganisation El Kaida zu stehen, teilte Innenminister Nicolas
Sarkozy in Paris mit. Die Festnahmen erfolgten demnach am Pariser
Flughafen Orly und in Südwestfrankreich. Nach Angaben aus
Behördenkreisen existierte der Schleuserring seit mehreren Monaten.
Ob über das Netz jemals tatsächlich Kämpfer in den Irak
gelangten, ist unklar.
Die Festnahmen seien Folge langer Ermittlungen der französischen
Geheimdienste, erklärte Sarkozy. Laut seinem Ministerium wurden am
Dienstag am Flughafen Orly zunächst zwei junge Männer
festgenommen, die aus dem Ausland zurückgekehrt seien. Nach Angaben
aus gut informierten Kreisen waren beide von Syrien ausgewiesen worden,
nachdem sie dort angeblich versucht hatten, über die Grenze in den
Irak zu gelangen. Die anderen Verdächtigen, darunter vier Frauen,
wurden in oder um Toulouse festgenommen.
Das Netz habe durch Mittel und Kontakte die Reise von
Dschihad-Kämpfern vor allem über Syrien in den Irak
erleichtert, hieß es in den Kreisen. Die vom Ministerium
angegebenen Kontakte zu El Kaida sind demnach indirekt und beziehen sich
auf Ansprechpartner in Syrien für die Kämpfer, die dann die
Verbindung zu Mitgliedern des Terrornetzwerkes im Irak herstellen
sollten.
Keiner der Festgenommenen werde "direkter terroristischer
Aktivitäten" oder gar der Planung von Anschlägen in Frankreich
verdächtigt. Es sei auch nicht bekannt, dass einer der
Festgenommenen jemals im Irak oder Afghanistan gekämpft habe.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 15.02.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertsiebenundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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US-Streitkräfte akzeptieren immer mehr Soldaten mit Vorstrafen
Do.15.02.07 - Die amerikanischen Streitkräfte akzeptieren immer mehr Bewerber
mit Vorstrafen. Wie aus Zahlen des Verteidigungsministeriums
hervorgeht, stieg die Zahl der Ausnahmegenehmigungen, die das Heer und
die Marineinfanteristen für die Rekruten vergeben, seit 2003
deutlich an. Die Verantwortlichen erklärten, auf diese Weise
erhielten junge Leute, die ihre Fehler eingesehen hätten, eine
zweite Chance. Kritiker befürchten jedoch, dass niedrigere
Standards die gesamte Truppe gefährden könnten.
Das Heer gewährte 2006 in 901 Fällen Ausnahmegenehmigungen
wegen Straftaten der Bewerber. 2003 waren es nur 411 gewesen. Die Zahl
der Ausnahmen bei Ordnungswidrigkeiten stieg in der gleichen Zeit von
2.7000 auf mehr als 6.000. Die Streitkräfte können Ausnahmen
machen, wenn der Rekrut eine Vorstrafe oder medizinische Probleme hat
oder die notwendige Punktzahl bei den Eignungstest nicht erreicht.
Manche Bewerber erhalten mehr als eine solche Genehmigung. Gleichzeitig
hob das Heer das Höchstalter für Rekruten von 35 auf 42 Jahre
an.
Nach Einschätzung des Forschungsinstituts Michael D. Palmer in
Kalifornien wurden in den vergangenen drei Jahren mehr als 100.000
Personen mit problematischer Vergangenheit zum Militärdienst
zugelassen. Dies verdeutliche, welche Schwierigkeiten die
Streitkräfte beim Anwerben junger Leute hätten, sagte der
Direktor des Centers, Aaron Belkin.
(Quelle: ap)
Scharfe Kritik britischer Experten am Afghanistan-Einsatz
Do.15.02.07 - Vor der erwarteten Frühjahrsoffensive der radikalislamischen
Taliban in Afghanistan sieht die britische Expertengruppe Senlis
Council das Land "auf der Kippe". Die "fehlgeleitete" Strategie der
NATO bei ihrem Einsatz führe dazu, dass der Bevölkerung nicht
genug geholfen und den Taliban in die Hände gespielt werde,
heißt es in dem in London veröffentlichten Bericht.
Premierminister Tony Blair und der afghanische Präsident Hamid
Karsai äußerten sich hingegen bei einem Treffen in London
optimistisch über einen Sieg gegen die Taliban.
Die vorhergesagte Frühjahrsoffensive der Taliban mache eine
"dringende Überprüfung" der Strategie zur Niederschlagung der
Aufständischen erforderlich, erklärte der Senlis Council in
seinem Bericht "Dem Aufstand in Afghanistan begegnen - Freunde
verlieren und Feinde aufbauen". Insbesondere im Süden Afghanistans
sei ein kritischer Punkt erreicht. "Wir gewinnen die Schlachten, aber
wir verlieren den Krieg", sagte die Gründungsvorsitzende des
Senlis Council, Norine MacDonald.
In der Bevölkerung gebe es berechtigte Unzufriedenheit über
den internationalen Einsatz, unter anderem wegen der hohen Zahl der
zivilen Opfer und der Vermutung, dass in Kabul eine
Marionetten-Regierung an der Macht sei, heißt es in dem Bericht.
Insgesamt dürfe das Wertesystem des Westens dem Land nicht
übergestülpt werden. Die dort lebende Bevölkerung
müsse selbst entscheiden, wie sie regiert werde.
Bedeutend optimistischer äußerten sich Blair und Karsai: Er
sei sicher, dass die Taliban besiegt werden könnten, sagte Karsai
nach dem Treffen in der britischen Hauptstadt. Zudem zeigte sich der
Staatschef zufrieden mit der Zusammenarbeit mit Pakistan. Blair
versprach, sein Land werde die angefangene Arbeit beenden. "Wir sind
entschlossen, alles zu tun, damit unsere Mission fruchtet", sagte der
Regierungschef. Großbritannien ist der zweitgrößte
Truppensteller der NATO in Afghanistan.
Die USA erhöhten unterdessen die Zahl ihrer Truppen in dem Land
und wollen mit nunmehr 27.000 Soldaten der Frühjahrsoffensive der
Taliban begegnen. Dies ist der bislang höchste Stand seit Beginn
des Einsatzes vor mehr als fünf Jahren.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Zehntausende bei Großdemo zum Jahrestag des Hariri-Anschlags im
Libanon
Do.15.02.07 - Mit einer Gedenkminute und Schimpftiraden gegen den syrischen
Präsidenten Baschar al-Assad haben am Mittwoch in Beirut
zehntausende Libanesen an das Attentat auf den früheren
Ministerpräsidenten Rafik Hariri vor zwei Jahren erinnert.
Drusenführer Walid Dschumblatt rief den Menschen, die sich in der
Nähe von Hariris Grabmoschee in der Innenstadt versammelt hatten,
zu: «Assad ist ein Affe, eine Schlange und ein Monster.» Er
deutete an, der syrische Präsident stecke hinter Hariris Ermordung.
Hariris Sohn Saad, der das politische Erbe seines Vaters angetreten
hat, sagte: «Wir wollen ein internationales Gericht, damit wir
wissen, wer meinen Vater umgebracht hat.» Viele Menschen
schwenkten libanesische Flaggen, einige auch Bänder in der blauen
Farbe von Hariris Zukunftspartei. Am Mittag legten die Demonstranten
eine Gedenkminute ein. Kirchenglocken läuteten. Überall in
der Stadt ertönten über Lautsprecher Koran-Verse.
Hariri, der sich in den Monaten vor seinem Tod mit der Führung der
damaligen Schutzmacht Syrien überworfen hatte, war am 14. Februar
2005 in Beirut einem Sprengstoffattentat zum Opfer gefallen. Die
Siniora-Regierung will die Gründung eines internationalen
Tribunals zur Aufklärung des Anschlags. Die pro-syrische
Opposition lehnt dies zwar nicht direkt ab. Sie hat die Prozeduren zur
Einrichtung des Tribunals aber bislang verzögert.
Die Gedenkveranstaltung, die von den Anhängern der
Regierungsmehrheit organisiert worden war, verlief friedlich, obwohl
den Demonstranten rund 500 Angehörige der Oppositionsbewegung
gegenüber standen. Die Anhänger der Opposition, die von der
schiitischen Hisbollah angeführt wird, halten auf dem Platz in der
Nähe von Hariris Grabmoschee seit Anfang Dezember einen Sitzstreik
ab, mit dem Ziel die Regierung von Hariris Freund Siniora zu
stürzen. Ihre Zeltstadt war von den Sicherheitskräften am
Mittwoch abgeriegelt worden, um gewaltsame Zusammenstöße zu
vermeiden.
Am Dienstag waren bei einem Sprengstoffanschlag auf zwei Busse in einem
christlichen Dorf nordöstlich von Beirut drei Menschen
getötet und 30 weitere verletzt worden.
(Quelle: dpa)
Elf Tote bei Anschlag auf Revolutionsgarden im Iran
Do.15.02.07 - Bei einem Bombenanschlag im Iran auf einen Bus der
paramilitärischen Revolutionsgarden sind nach offiziellen Angaben
mindestens elf Menschen getötet worden. 30 weitere Menschen seien
bei dem Anschlag in der Stadt Zahedan im Südosten des Landes
verletzt worden, berichtete die Agentur ISNA.
Zur Tat bekannte sich die radikale Sunnitengruppe Allahs Brigade. In
iranischen Medienberichten hieß es allerdings, Drogendealer seien
vermutlich die Bombenleger in dem Grenzgebiet zu Pakistan und
Afghanistan gewesen.
Die in einem Auto versteckte Bombe sei explodiert, als der Bus mit
Angehörigen der Revolutionsgarden vorbeifuhr, berichteten
Augenzeugen in Zahedan. Die Täter seien auf Motorrädern
geflüchtet. Nach Informationen der Agentur Fars wurden kurz darauf
fünf Verdächtige gefasst.
Zahedan ist die Hauptstadt der an Pakistan und Afghanistan grenzenden
Provinz Sistan-Belutschistan. Dort stellen die Sunniten die
Bevölkerungsmehrheit. Insgesamt sind im Iran aber die Schiiten in
der Mehrheit.
Zahedan gilt als eine Hochburg von Drogenschmugglern, die das
Rauschgift aus dem Grenzgebiet nach Europa schaffen. In der
Vergangenheit hatten sich Drogenkriminelle in der Region Gefechte mit
den Revolutionsgarden geliefert. Mehrfach gab es auch Entführungen,
die in erster Linie dazu dienten, inhaftierte Drogenbosse
freizupressen. Zuständig für den Drogenkampf in der Region
sind die Revolutionsgarden (Pasdaran).
(Quelle: dpa)
Nord- und Südkorea prüfen Rückkehr zu Gesprächen
auf Ministerebene
Do.15.02.07 - Nach der Annäherung im Atomstreit prüfen Nord- und
Südkorea in dieser Woche nun auch die Wiederaufnahme ihrer
Gespräche auf Ministerebene. Vertreter von Nord- und Südkorea
wollten sich dazu am Donnerstag in dem Grenzort Kaesong treffen, teilte
der Sprecher des südkoreanischen Wiedervereinigungsministeriums am
Mittwoch mit. Die nordkoreanische Nachrichteagentur KCNA bestätigte
den Plan, die seit Juli unterbrochenen Gespräche wieder
aufzunehmen. Auf der Tagesordnung sollen Lebens- und
Düngemittelhilfen stehen.
(Quelle: afp)
Ex-Paramilitärs in Kolumbien formieren sich neu
Do.15.02.07 - In Kolumbien haben sich bereits entwaffnete Kämpfer der
paramilitärischen AUC-Verbände nach Hinweisen aus den eigenen
Reihen neu formiert. In einem Schreiben an die Generalstaatsanwaltschaft
in Bogotá warnte der inhaftierte ehemalige AUC-Chef Carlos Mario
Jiménez am Dienstag vor einer Wiederbewaffnung. Die
Ex-Kämpfer hätten in mehreren Regionen, unter anderem an der
Grenze zu Ecuador, neue Verbände mit dem Namen Aguilas Negras
(Schwarze Adler) gegründet. Bereits in der Vorwoche hatte ein
anderer Ex-AUC-Chef ähnliche Hinweise gegeben und die
Behörden vor Sorglosigkeit gewarnt.
(Quelle: afp)
Menschenrechtler sprechen von 120 Toten bei Unruhen in Guinea
Do.15.02.07 - Den jüngsten Unruhen in Guinea sind nach Angaben von
Menschenrechtlern seit Samstag etwa 120 Menschen zum Opfer gefallen.
Allein in den vergangenen zwei Tagen habe es landesweit mindestens 64
Tote gegeben, sagte Thierno Madjou Sow, Präsident der Conakry Liga
für Menschenrechte, am Mittwochabend in der Hauptstadt des
westafrikanischen Landes. Die Gewerkschaftsführerin Rabiatou Serah
Diallo rief derweil zu neuen Verhandlungen mit der Regierung auf, um
die Krise auf friedlichem Wege beizulegen.
Die Gewerkschaften starteten am Montag einen neuen Streik, um ihrer
Forderung nach dem Rücktritt von Präsident Lansana
Conté Nachdruck zu verleihen. Dieser hat nach Auffassung der
Opposition mit der Berufung eines Ministerpräsidenten aus seinem
Kabinett gegen eine Vereinbarung zur Teilung der Macht verstoßen.
Nach den gewaltsamen Protesten vom Wochenende rief Conté den
Notstand aus. Er habe die Streitkräfte angewiesen, die Ordnung im
Land wieder herzustellen, erklärte er am Montagabend im
staatlichen Rundfunk.
(Quelle: ap)
Europaparlament entschärft Vorwürfe gegen Berlin im Fall
Kurnaz
Do.15.02.07 - Das EU-Parlament hat mehreren europäischen Regierungen
vorgeworfen, die Verschleppung von Terrorverdächtigen durch den
US-Geheimdienst CIA toleriert oder sogar unterstützt zu haben. Ein
entsprechender Bericht eines Sonderausschusses wurde am Mittwoch mit 382
Stimmen bei 256 Gegenstimmen und 74 Enthaltungen verabschiedet. Die in
der Vorlage erhobenen Vorwürfe gegen die deutsche Regierung wurden
allerdings entschärft. Sie bezogen sich auf den
Ex-Guantanamo-Häftlings Murat Kurnaz und den Deutsch-Libanesen
Khaled El Masri.
Die Mehrheit der Abgeordneten stimmte für einen
Änderungsantrag der Sozialdemokraten, wonach es im Jahr 2002 kein
formelles Angebot der USA für eine Freilassung des in Deutschland
geborenen Türken Kurnaz aus Guantanamo gab. In dem nun
verabschiedeten Text heißt es auf Englisch, es habe «im Jahr
2002 eine Aussicht auf Freilassung von Murat Kurnaz aus Guantanamo
gegeben, die von den deutschen Behörden nicht angenommen
wurde». Das Europaparlament übernahm damit die Darstellung
der deutschen Regierung, dass kein offizielles Angebot zur Freilassung
Kurnaz' vorgelegen habe.
Das Parlament rückte zudem von der Formulierung ab, «dass
alle Ermittlungen bereits Ende Oktober 2002 ergeben haben, dass Murat
Kurnaz keine terroristische Bedrohung darstellt». In der neuen
Fassung heißt es in englischer Sprache, «dass nach den dem
Ausschuss verfügbaren Informationen» Kurnaz keine
terroristische Bedrohung dargestellt habe.
Noch deutlicher abgeschwächt wurden die Textpassagen zu dem Anfang
2004 aus Mazedonien verschleppten Deutsch-Libanesen El Masri. Der
Sonderausschuss hatte geschrieben, «dass die deutschen
Behörden von der rechtswidrigen Entführung des deutschen
Staatsbürgers Khaled El Masri... mindestens Kenntnis hatten».
In der neuen Fassung werden dagegen die vorläufigen Erkenntnisse
des BND-Untersuchungsausschuss des deutschen Bundestags aufgegriffen:
«Bislang haben die Untersuchungen des Ausschusses ergeben, dass
es keine Beteiligung der deutschen Behörden an der rechtswidrigen
Entführung gab.»
Scharf verurteilt wird in dem Bericht die Rolle italienischer
Sicherheitskräfte im Fall des islamischen Geistlichen Abu Omar. Der
Ägypter wurde nach Ermittlungen der italienischen
Staatsanwaltschaft im Februar 2003 von der CIA aus Mailand verschleppt.
Dabei hätten ein Marschall der Carabinieri, der italienischen
Militärpolizei, und Beamte des italienischen militärischen
Sicherheits- und Geheimdiensts SISMI eine «aktive Rolle»
gespielt, erklärte das Parlament. Es sei «in Anbetracht der
Beteiligung der Geheimdienste sehr wahrscheinlich, dass die damalige
italienische Regierung von der außerordentlichen Überstellung
Abu Omars wusste».
Für die Existenz von US-Geheimgefängnissen in Polen und
Rumänien fand der Anfang 2006 vom EU-Parlament eingerichtete
Sonderausschuss keine Beweise. Das Parlament erklärte dennoch,
aufgrund der Aussagen rumänischer Regierungsvertreter
gegenüber einer Delegation des Sonderausschusses sei «die
Möglichkeit nicht auszuschließen, dass US-Geheimdienste auf
einem versteckten Stützpunkt in Rumänien operiert
hätten». Auch die vorübergehende Existenz von
US-Geheimgefängnissen in Polen scheine trotz anders lautender
Regierungsangaben nicht ausgeschlossen.
(Quelle: ap)
Mehrheit der Bürger mit großer Koalition unzufrieden
Do.15.02.07 - Nur knapp ein Drittel der Bundesbürger ist gegenwärtig mit
der Arbeit der großen Koalition in Berlin zufrieden. Das geht aus
einer am Mittwoch veröffentlichten Forsa-Umfrage im Auftrag von
«Stern» und RTL hervor, nach der lediglich 31 Prozent der
Befragten der Bundesregierung gute Arbeit bescheinigten. Im Auftrag von
n-tv fand Forsa ferner heraus, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel
zurzeit die Beliebtheits-Rangliste der Politiker anführt.
Mit der Arbeit der großen Koalition, die von 57 Prozent als nicht
gut kritisiert wird, waren Unionswähler deutlich zufriedener als
Anhänger der SPD. Während fast jeder zweite Unionswähler
(51 Prozent) die Regierungsarbeit für gut hält, sind nur 39
Prozent der SPD-Anhänger dieser Ansicht. Aber auch im Lager von
CDU/CSU sind 38 Prozent mit der Koalitionsarbeit unzufrieden, bei der
SPD ist es mit 49 Prozent fast jeder Zweite.
Zugleich konnte die Union in der Wählergunst ihren Vorsprung vor
dem Koalitionspartner ausbauen. In der wöchentlichen Politumfrage
legten CDU und CSU im Vergleich zur Vorwoche einen Punkt zu und kommen
nun auf 35 Prozent. Die SPD büßte zwei Punkte ein und
erreicht nur noch 26 Prozent. Leicht verbessern konnte sich die FDP, die
einen Punkt auf 13 Prozent zulegte. Bei den übrigen Parteien gab
es keine Veränderungen: Die Grünen kommen wie in den Wochen
zuvor auf elf Prozent, die Linkspartei verharrt bei neun Prozent.
Für «sonstige Parteien» würden sich sechs Prozent
der Wähler entscheiden.
Indessen wird Kanzlerin Merkel immer beliebter. Erstmals seit sechs
Monaten löste die CDU-Vorsitzende Außenminister Frank-Walter
Steinmeier (SPD) auf dem ersten Platz ab. Auf sie entfielen 59 von 100
möglichen Punkten Zustimmung, auf Steinmeier nur noch 55 Punkte. Es
folgen SPD-Chef Kurt Beck und Finanzminister Peer Steinbrück mit
53 beziehungsweise 52 Zählern. Auf dem vorletzten und letzten
Platz stehen laut Forsa mit 32 beziehungsweise 31 Punkten
Linkspartei-Fraktionschef Oskar Lafontaine und der bayerische
Ministerpräsident Edmund Stoiber.
Zur Zufriedenheit mit der Koalition wurden am 8. und 9. Februar 1.008
Menschen befragt und für die Parteipräferenz vom 5. bis 9.
Februar 2.507 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger.
Für die Rangliste der Politiker interviewte Forsa am 12. Februar
1.002 Menschen.
(Quelle: ap)
Steuereinnahmen sprudeln weiter kräftig
Do.15.02.07 - Das Steueraufkommen in Deutschland entwickelt sich weiter positiv. Wie
das Bundesfinanzministerium am Mittwoch mitteilte, lagen die
Steuereinnahmen im Januar (ohne reine Gemeindesteuern) mit 34,26
Milliarden Euro um 12,8 Prozent über dem Vorjahreswert. Damit wurde
auch die Steuerschätzung vom November um 2,1 Milliarden Euro
übertroffen. Davon entfiel rund eine Milliarde Euro auf den Bund.
Die Steuereinnahmen des Bundes erhöhten sich im Januar im
Vergleich zum Januar 2006 um 26,9 Prozent auf 14,8 Milliarden Euro. Die
Länder nahmen mit 16,8 Milliarden Euro 7,8 Prozent mehr ein.
Die Lohnsteuereinnahmen stiegen im Januar um 10,6 Prozent. Das
Finanzministerium begründete dies mit der verbesserten Lage am
Arbeitsmarkt und der milden Witterung im Dezember. Der saisonale
Stellenabbau am Bau sei geringer als sonst üblich ausgefallen. Die
Einnahmen aus der Körperschaftssteuer sanken um 8,1 Prozent. Hier
wäre ein Anstieg wegen der starken Basis vom Januar 2006 eine
Überraschung gewesen, weil es vor einem Jahr sehr hohe
Steuernachzahlungen gegeben hatte, betonte das Ministerium. Die
Umsatzsteuer brachte im Januar ein Plus von 7,5 Prozent im Vergleich zum
gleichen Vorjahresmonat.
(Quelle: ddp)
Erneut Nullrunde für BAfög-Empfänger
Do.15.02.07 - Das Bundeskabinett hat erneut eine Nullrunde für die rund 507.000
BAFöG-Empfänger in Deutschland beschlossen. Danach wird die
zuletzt im Jahr 2002 angehobene Ausbildungsförderung für
Studenten und Schüler auch 2007 nicht erhöht.
Bundesbildungsministerin Annette Schavan sagte am Mittwoch, eine
Anhebung wäre zwar wünschenswert, aber für den Haushalt
nicht verkraftbar.
Allerdings haben nach der jüngsten BAföG-Novelle alle
Auszubildende mehr Spielraum, um Geld hinzuzuverdienen. Ein Verdienst
bis 400 Euro im Monat bleibt in Zukunft anrechnungsfrei. Wer also einen
so genannten Minijob bekommt, muss nicht befürchten, dass ihm die
BAföG-Leistung gekürzt wird.
Darüber hinaus wird ein Kinderbetreuungszuschlag von 113 Euro im
Monat eingeführt. Gezahlt wird er für eigene Kinder unter zehn
Jahren. Der Zuschlag muss nicht zurückgezahlt werden.
Ein weiterer Kernpunkt der Novelle ist, dass ausländische
Auszubildende und Studierende schon dann BAföG erhalten
können, wenn sie mit einer «dauerhaften
Bleibeperspektive» in Deutschland leben. Bisher war die
Voraussetzung, dass Eltern mehrere Jahre lang in Deutschland
erwerbstätig gewesen sein mussten. «Dies ist ein ganz
wesentlicher Schritt zur besseren Integration von bildungswilligen
jungen Menschen mit Migrationshintergrund», erklärte Schavan.
Kritik an der neuerlichen Nullrunde kam aus der SPD. Die Vorsitzende
des Bildungsausschusses im Bundestag, Ulla Burchardt (SPD), forderte,
zumindest 2008 müsse es zu einer spürbaren Erhöhung des
BAföG kommen. Es sei «Konsens in der SPD», dass die
seit fünf Jahren stagnierenden Bedarfssätze und
Freibeträge im kommenden Jahr wieder angehoben werden müssten,
sagte Burchardt der «Berliner Zeitung». Sonst könnten
viele Jugendliche aus bedürftigen Familien nicht mit einem Studium
beginnen.
Derzeit bekommen BAföG-Empfänger durchschnittlich 375 Euro im
Monat. Der Höchstsatz liegt bei 585 Euro. Eltern dürfen
maximal 1.440 Euro an anrechenbarem Einkommen haben, damit ihr Kind
überhaupt Ausbildungsförderung bekommt.
Der Beirat des Bundesbildungsministeriums hatte für eine Anhebung
der Bedarfssätze um 10,3 Prozent und der Freibeträge um 8,7
Prozent plädiert. Damit könnte zumindest das Förderniveau
des Jahres 2002 und so der Stand nach der letzten Anpassung erreicht
werden.
Schavan sagte im ZDF-Morgenmagazin: «Es ist keine optimale
Lösung zu sagen, wir können nicht erhöhen; aber eine, die
unserem Haushalt gerecht wird.» BAföG sei nie die alleinige
Studienfinanzierung gewesen, betonte die CDU-Politikerin. Die
staatliche Hilfe müsse «immer in Verbindung mit dem
Elterneinkommen oder auch mit Studienkrediten zu guten
Konditionen» gesehen werden.
(Quelle: ap)
Deutschland in puncto Kinderfreundlichkeit nur Mittelmaß
Do.15.02.07 - In puncto Kinderfreundlichkeit ist Deutschland im Vergleich mit anderen
Industriestaaten nur Mittelmaß. Das geht aus einer neuen Studie
des UN-Kinderhilfswerks UNICEF hervor, die am Mittwoch in Berlin
vorgestellt wurde. Dabei landete Deutschland unter 21 Ländern nur
auf dem elften Platz. Vorne stehen die Niederlande und skandinavische
Länder, besonders schlecht schnitten Großbritannien und die
USA ab. Eine eigene Teilstudie für Deutschland zeigt deutliche
Unterschiede zwischen den Bundesländern.
Die deutsche UNICEF-Vorsitzende Heide Simonis forderte
nachdrücklich mehr Engagement und warnte davor, die
Zukunftsfähigkeit des Landes aufs Spiel zu setzen.
«Deutschland steht überhaupt nicht gut da», sagte sie
im Bayerischen Rundfunk. «Hier muss was gemacht werden.»
Die erste internationale Vergleichsstudie zur Situation von Kindern in
Industrieländern untersuchte Wohlstand, Gesundheit und Sicherheit,
Bildung, Beziehung zu Familie und Freunden, Risikoverhalten und eigene
Einschätzung von Kindern und Jugendlichen. Überall erreichte
Deutschland nur durchschnittliche Werte. Dass sogar Tschechien in
manchen Punkten besser wegkomme, müsse Anlass zu Überlegungen
geben, mahnte Simonis.
«Alle reden von kinderfreundlicher Politik. Trotzdem soll eine
bessere Infrastruktur für Kinder keine Mehrkosten
verursachen», kritisierte Simonis. Diese Einstellung müsse
sich ändern. Politik für Kinder sei in Deutschland meist nur
Mittel zum Zweck, um Arbeitsmarktprobleme zu entschärfen oder die
Rentenkassen zu füllen. Es fehle ein politisches Gesamtkonzept,
damit Kinder aus benachteiligten Familien endlich eine faire Chance
erhielten, erklärte der Soziologe Hans Bertram von der Berliner
Humboldt-Universität, der den internationalen Vergleich durch eine
Deutschland-Studie ergänzt hat.
Diese zeigt unter anderem, dass besonders in den Stadtstaaten Bremen,
Berlin und Hamburg Kinder in hohem Maße armutsgefährdet sind.
In den Ländern am unteren Ende der Rangliste - Bremen,
Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin - häufen sich der
Studie zufolge die negativen Entwicklungen hinsichtlich der materiellen
Lage, der Gesundheit und der Bildung. Bertram hielt es für
fraglich, ob diese Länder aus eigener Kraft in der Lage sind, die
Lebensbedingungen für Kinder so zu verbessern, dass sie gleiche
Chancen hätten. So lägen 15-jährige Schüler aus
Bremen in ihrem schulischen Leistungsvermögen so weit hinter den
Kindern aus Bayern, Sachsen oder Baden-Württemberg zurück wie
Kinder aus Portugal hinter denen aus Finnland oder Japan.
Erschreckend niedrig sind der Studie zufolge die Erwartungen deutscher
Jugendlicher an ihre berufliche Zukunft: Mehr als 30 Prozent der
15-Jährigen befürchteten keine qualifizierte Arbeit zu finden.
«Besorgnis erregend» wird das Risikoverhalten Jugendlicher
bewertet, wo Deutschland vor Großbritannien auf dem vorletzten
Platz liegt. Hauptgründe sind Rauchen und Alkoholkonsum: So
rauchen in Deutschland mehr als 16 Prozent der 15-Jährigen
mindestens einmal pro Woche - mehr als in allen anderen Ländern.
Rund 17 Prozent waren schon zwei Mal oder öfter betrunken, in
Großbritannien sogar fast ein Drittel.
Mehr als die Hälfte der 15-jährigen Deutschen sagten bei der
Untersuchung, dass ihre Eltern kaum Zeit hätten, sich mit ihnen zu
unterhalten. In Ungarn und Italien machen nur etwa ein Viertel der
Jugendlichen diese Erfahrung. Hier ist Deutschland Schlusslicht, ebenso
wie der Bereitschaft, in frühkindliche Betreuung zu investieren.
Simonis bekräftigte die Forderung, die Betreuung auszubauen und
stärker an den Bedürfnissen von Eltern und Kindern
auszurichten.
(Quelle: ap)
Kinderschutzbund fordert 'Politik für Kinder'
Do.15.02.07 - Das Interesse von Kindern muss nach Überzeugung von
Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers in den Mittelpunkt der
deutschen Politik gerückt werden. "Wir müssen in allen
Bereichen von der Bildung bis zum Städtebau eine Politik für
Kinder und damit für unsere Zukunft machen", sagte Hilgers der
Nachrichtenagentur AFP mit Blick auf das mittelmäßige
Abschneiden Deutschlands bei einer internationalen Vergleichsstudie des
Kinderhilfswerks UNICEF. Dieses Ergebnis entspreche den Beobachtungen
des Deutschen Kinderschutzbundes. Hilgers sprach sich dafür aus,
besondere Schutz- und Förderrechte für Kinder ins Grundgesetz
aufzunehmen, "denn sie haben noch keine Ellenbogen".
Der Kinderschutzbund-Präsident äußerte die
Befürchtung, dass in den deutschen Stadtstaaten ebenso wie in
anderen Großstädten in Ost und West "sowohl die Kinder- und
Jugendhilfe als auch die Schulpolitik kollabieren" könnten. Aus
eigener Kraft könnten viele Städte den Teufelskreis aus hoher
Arbeitslosigkeit, geringen Steuereinnahmen und der Kürzung
freiwilliger Leistungen in der Kinder- und Jugendarbeit sowie bei der
Schulausstattung kaum durchbrechen. Beim Finanzausgleich zwischen den
Ländern und Kommunen sei die Frage, "ob besondere Problemlagen
nicht auch einer besonderen Finanzausstattung bedürfen".
Armut sei der Hauptrisikofaktor für die Vernachlässigung von
Kindern, betonte Hilgers. Die Familie jedes sechsten Kindes in
Deutschland beziehe staatliche Hilfe zum Lebensunterhalt; bei viele
Familien komme noch ein Migrationshintergrund dazu. Sicher gebe es auch
vernachlässigte Kinder wohlhabender Familien, "in denen Eltern ihre
Kinder völlig vergessen haben", aber zu über 90 Prozent seien
Kinder in armen Verhältnissen betroffen.
Dass Eltern in Deutschland laut UNICEF-Studie selten mit ihren Kindern
sprechen, überrasche ihn nicht: "Wenn Sie manche Familien besuchen,
die machen den Fernsehapparat noch nicht einmal aus, wenn Besuch
kommt." Bezüglich des Risikoverhaltens Jugendlicher seien die
Erwachsenen stärker als Vorbilder gefragt. "Es ist so, dass in
Deutschland mehr Kinder rauchen, mehr Kinder auch schon Alkohol trinken
als in anderen Ländern. Aber da den Fehler bei den Kindern und
Jugendlichen zu sehen, das ist zu kurz gegriffen." Wer zum Beispiel in
Schulen noch Lehrer-Raucherzimmer zulasse, der könne kaum
erreichen, "dass die Kinder dieses Risikoverhalten einstellen".
(Quelle: afp)
Streit in der Union über Familienpolitik verschärft sich
Do.15.02.07 - In der Union verschärft sich der Streit um die Forderung von
Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) nach einem
größeren Engagement des Bundes für die Kinderbetreuung.
Zusätzliche Ausgaben für Familien seien angesichts der
Konsolidierungsaufgaben im Bundesetat nicht finanzierbar, sagte der
haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Steffen Kampeter
(CDU), der Bonner Wochenzeitung "Rheinischer Merkur". Es sei
stattdessen die größte Leistung für Familien, die
Staatsausgaben zu senken. "Auf Schuldenbergen können keine Kinder
spielen", sagte Kampeter.
CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer ging ebenfalls auf Distanz zu von
der Leyen. Mit deren Vorschlag "würde die
außerfamiliäre Betreuung von Kindern zum alleinigen Leitbild
werden", sagte er dem "Münchner Merkur". "Für die CSU ist
wichtig, dass wirkliche Wahlfreiheit besteht und die häusliche
Kinderbetreuung nicht diskriminiert wird." Die Union dürfe sich in
dieser Frage nicht dem Vorwurf einer "Sozialdemokratisierung"
aussetzen. Da haben wir noch erheblichen Gesprächsbedarf."
Demgegenüber stellte sich der Parlamentarische Staatssekretär
im Familienministerium, Hermann Kues (CDU), hinter von der Leyen. "Wenn
man die Vereinbarkeit von Familie und Beruf will, ist die Schaffung von
mehr Krippenplätzen die logische Konsequenz", sagte er dem
"Kölner Stadt-Anzeiger". "Wenn man etwas bewegen will, dann muss
man offen sein für Strukturveränderungen - letzten Endes auch
für Gesetzesänderungen."
Zuvor hatte bereits Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) Kauder von
der Leyens Vorschlag, mithilfe von Bundesmitteln 500.000 neue
Betreuungsplätze zu schaffen, unter Hinweis auf die
Föderalismusreform vom vergangenen Jahr eine Absage erteilt. Mit
der damaligen Grundgesetzänderung sei festgelegt worden, dass
für Kinderbetreuung die Länder zuständig seien und nicht
der Bund.
(Quelle: afp)
Länderinnenminister uneins bei Online-Durchsuchung
Do.15.02.07 - Die umstrittene Online-Durchsuchung heimischer Computer durch die
Polizei spaltet auch die Länderinnenminister in zwei Lager. Auf dem
Europäischen Polizeikongress am Mittwoch in Berlin forderte der
bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) eine
sofortige Rechtsgrundlage für solche Ermittlungsmaßnahmen.
Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) warnte dagegen vor
Überreaktion.
Körting sagte, das Eindringen von Fahndern in den heimischen
Computer mittels so genannter Trojaner in unverfänglich
erscheinenden Email-Anhängen führe letztlich zur Ermittlung
des «DAU», des «dümmsten anzunehmenden
Users». Nur unbedarfte Computeranwender wüssten nicht, wie
man sich gegen diese Programme schützt. Solche Personen seien im
Bereich von Kriminalität und Terrorismus jedoch kaum zu finden.
Zwar sei die Ausforschung der Festplatten bestimmter Computer «in
Einzelfällen» erforderlich, sagte Körting. Dies
könne nach dem rechtlichen Muster des Großen Lauschangriffs
geschehen. Der Bundesgerichtshof habe mit seiner Entscheidung vergangene
Woche eine «Marginalfrage der Kriminalitätsbekämpfung
und nicht eine Zentralfrage des Terrorismusbekämpfung»
behandelt, sagte der SPD-Politiker. Der BGH hatte entschieden, dass die
auch von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble geforderte
Ermittlungsmethode mit der Strafprozessordnung nicht begründet
werden könne.
Körting erhielt grundsätzliche Unterstützung vom
nordrhein-westfälischen Innenminister Ingo Wolf. Schlagende
Beispiele für die Notwendigkeit der Online-Durchsuchung hätten
die Befürworter nicht liefern können, sagte der FDP-Politiker.
Beckstein sagte dagegen, die Online-Durchsuchung werde von den meisten
Sicherheitsexperten für Fälle herausgehobener
Kriminalität als unerlässlich bewertet. Dabei müsse
allerdings sichergestellt werden, dass sie nur in begründeten
Fällen und wie die Wohnraum- und Telefonüberwachung nur mit
richterlicher Genehmigung vorgenommen werden könne. Unbestritten
sei, dass das Internet von Terroristen und besonders Islamisten
intensiver genutzt werde als von manchen Sicherheitsbehörden des
Bundes, «und fast hätte ich gesagt, mit dem
Bundesjustizministerium an der Spitze».
Beckstein erhielt Unterstützung vom hessischen Innenminister
Volker Bouffier. Der CDU-Politiker sagte, intellektuell sei die
Unterscheidung zwischen dem bereits möglichen Lauschangriff und der
umstrittenen Online-Durchsuchung nicht erklärbar.
Am Vortag hatte auf dem Kongress Bundesjustizministerin Brigitte
Zypries die heimliche Überwachung des Computers als schweren
Grundrechtseingriff abgelehnt und sich skeptisch gezeigt, dass eine
Rechtsgrundlage dafür schnell geschaffen werden könne. Der
Präsident des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, hatte diese
Ermittlungsmaßnahme dagegen als unerlässlich bezeichnet, um
mit dem islamistischem Terror Schritt halten könnten.
(Quelle: ap)
Grünen-Führung fährt BMW mit hohem Spritverbrauch
Do.15.02.07 - Die Parteiführung der Grünen nutzt ungeachtet des Aufrufs von
Fraktionschefin Renate Künast zugunsten umweltfreundlicher
Hybrid-Fahrzeuge selbst Dienstwagen mit überdurchschnittlichem
Spritverbrauch. Dabei handelt es sich nach einem Bericht des Berliner
"Tagesspiegel" um zwei 530er Diesel-BMW, die der Grünen-Spitze von
dem bayerischen Automobilkonzern als Parteispende zur Verfügung
gestellt wurden. Kritik kam vom verkehrspolitischen Sprecher der
Grünen-Bundestagsfraktion, Winfried Hermann: "Wir müssen
zusehen, dass wir in Sachen Umweltschutz vorbildlich sind. Das gilt auch
für die Parteiführung", sagte er dem "Tagesspiegel".
Parteichef Reinhard Bütikofer sieht dagegen die
Glaubwürdigkeit seiner Partei durch die Dienstwagen nicht
beeinträchtigt: "Ich verlange von anderen nicht mehr als von mir
selbst", sagte er dem Blatt zufolge. Bütikofer räumte aber
ein, dass der Verbrauch des 530er Diesel-BMW mit 8,5 Litern auf 100
Kilometer "deutlich über dem Durchschnitt" liege, "den wir
insgesamt hinbekommen müssen". Er appellierte daher an BMW, "sich
anzustrengen, um energieeffizientere Autos auf die Straße zu
stellen".
(Quelle: afp)