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Irak am neunhundertzweiundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Britische Truppen im Südirak riegeln Grenze zum Iran ab.
Rätselraten um Aufenthaltsort von Al-Sadr. Caritas warnt vor
Flüchtlingskatastrophe nach Massenexodus aus Irak. US-Institut:
'Völlig unrealistische Annahmen' vor Irak-Krieg
Fr.16.02.07 - Im Südirak haben britische und irakische Truppen am Donnerstag
zwei Grenzübergänge zum Iran geschlossen, um einen von den USA
vermuteten Waffenschmuggel aus dem Nachbarland zu unterbinden. Die
Sicherheitskräfte weiteten auch die Marinepatrouillen aus, wie es
in einer Erklärung hieß. Damit soll der Schiffsverkehr mit
Ziel Südirak besser überwacht werden. Im Rahmen der
landesweiten Sicherheitsoffensive wurden zudem um die Stadt Basra
zusätzliche Kontrollpunkte eingerichtet.
Das Rätselraten um den Aufenthaltsort des irakischen
Schiitenführers Muktada al-Sadr hält an. Samy al-Askari, ein
Berater des schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki,
erklärte, Al-Sadr halte sich zu einem Besuch in der iranischen
Hauptstadt Teheran auf und werde bald zurückkehren.
Die Sadr-Bewegung dementierte diese Angaben jedoch umgehend.
«Al-Sadr hält sich im Moment im Irak auf», sagte Saleh
al-Okeili, einer der insgesamt 30 Parlamentsabgeordneten der Partei, in
Bagdad.
Ein anderer Sprecher der Bewegung bezeichnete die jüngsten
Spekulationen über den Aufenthaltsort des radikalen Predigers als
Versuch der US-Armee, die Al-Sadr aus seinem Versteck locken wolle,
indem sie gezielt das Gerücht streue, er habe sich aus dem Staub
gemacht. Der US-Nachrichtensender CNN hatte bereits zuvor unter Berufung
auf Regierungskreise in Washington gemeldet, Al-Sadr halte sich seit
Januar im Iran auf.
Ein Abgeordneter der irakischen Schiiten-Partei Hisbollah warf den
US-Truppen vor, sie behinderten die erfolgreiche Umsetzung des
Sicherheitsplans von Regierungschef Al-Maliki, indem sie ihre Angriffe
auf die Sadr-Bewegung konzentrierten. «Sie versuchen, die
Sadr-Strömung in eine bewaffnete Auseinandersetzung hineinzuziehen,
indem sie Mitglieder der Bewegung verhaften», sagte Falah Hassan
Schanschal der irakischen Zeitung «Al-Baijana»
(Donnerstagausgabe). Bislang habe die Sadr-Bewegung aber versucht,
dieses Problem «auf friedlichem, diplomatischem Wege» zu
lösen.
Die Miliz der Sadr-Bewegung, die so genannte Mahdi-Armee, soll an der
Entführung und Ermordung von Sunniten in Bagdad beteiligt sein.
Nachdem sich die Razzien der US-Armee und der irakischen
Sicherheitskräfte in den vergangenen Monaten vor allem auf
sunnitische Aufständische und Terrorgruppen konzentriert hatten,
nehmen sie seit einigen Tagen zunehmend auch schiitische
Todesschwadronen ins Visier.
Aufgrund des Massenexodus irakischer Flüchtlinge steht der Nahe
Osten nach Einschätzung der katholischen Hilfsorganisation Caritas
vor einer humanitären Katastrophe. "Die ganze Region befindet sich
am Scheidepunkt", warnte Oliver Müller, Leiter von Caritas
international, am Donnerstag. In den vergangenen Wochen habe sich die
Lage vor allem in Syrien und Jordanien dramatisch zugespitzt. Die Suche
nach politischen Lösungen für den Irak müsse Hand in Hand
gehen mit einer schnellen humanitären Hilfsaktion.
Vor dem amerikanischen Einmarsch im Irak sind die Streitkräfte
nach Darstellung eines US-Forschungsinstituts von einer Reihe irriger
Vorstellungen ausgegangen. General Tommy Franks und andere
Militärstrategen hätten beispielsweise angenommen, dass Ende
2006 nur noch rund 5.000 US-Soldaten im Irak stationiert sein
würden, berichtete das Nationale Sicherheitsarchiv am Mittwoch auf
seiner Website.
Das unabhängige Institut veröffentlichte dazu
Regierungsdokumente aus der Zeit von 2001 und 2003, die ihm im
vergangenen Monat unter dem Gesetz zur Informationsfreiheit zur
Verfügung gestellt wurden. Direktor Thomas Blanton sprach von
«völlig unrealistischen Annahmen» über die Lage im
Irak nach dem Sturz Saddam Husseins.
«Erstens nahmen sie an, dass am 'D-Day' schon eine provisorische
Regierung im Amt sein würde, dann, dass die Iraker in ihren
Garnisonen bleiben würden und verlässliche Partner
wären», hieß es in Blantons Erklärung, «und
schließlich, dass die eine Nachkriegs-Phase nur einige 'Monate'
dauern würde. All das waren irrige Vorstellungen.»
(Quellen: ap, dpa, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 16.02.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertachtundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.16.02.06 - US-Soldaten misshandelten Kinder von Häftlingen in Abu Ghraib +++
Bislang unbekannte Fotos von Folterungen irakischer Gefangener
veröffentlicht +++ UN-Generalsekretär Annan nennt
Abu-Ghraib-Bilder 'tief verstörend' +++ Drei Schuljungen bei
Bombenexplosion in Bagdad getötet +++ Bei Anschlägen kamen im
Irak mindestens 10 weitere Menschen ums Leben +++ Internationaler
Strafgerichtshof ermittelt nicht gegen US-Verbrechen im Irak...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0602160.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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US-Präsident Bush macht Weg frei für Einrichtung von
Sondertribunalen
Fr.16.02.07 - US-Präsident George W. Bush hat das letzte formale Hindernis
für die Einrichtung der umstrittenen militärischen
Sondertribunale aus dem Weg geräumt. Das Weiße Haus
veröffentlichte ein Dekret zur Einrichtung der Tribunale, vor die
künftig "feindliche, ausländische Kämpfer" gestellt
werden sollen. Nach einem juristischen Tauziehen sollen dort nun als
erste der australische Taliban David Hicks, der Kanadier Omar Khadr und
der frühere Chauffeur von Osama bin Laden, Ahmed Salim Hamdan
erscheinen.
Mitte vergangenen Jahres hatte der Oberste Gerichtshof der USA Bush die
Einrichtung der Tribunale verweigert, weil er dazu nach Ansicht des
Gerichts die Zustimmung des Kongresses brauchte. Nach der Zustimmung zu
einem entsprechenden Gesetz sorgte die Veröffentlichung der Regeln
der Gerichte erneut für Entsetzen unter Abgeordneten und
Anwälten von Inhaftierten. So darf ein Angeklagter unter anderem
mit Hilfe indirekter Zeugenaussagen und erzwungener Aussagen verurteilt
werden. Die Sondertribunale dürfen die Todesstrafe verhängen.
(Quelle: afp)
Bush erwartet mehr Unterstützung von NATO-Verbündeten in
Afghanistan
Fr.16.02.07 - Die NATO-Mitglieder müssen nach dem Willen von US-Präsident
George W. Bush mehr Soldaten nach Afghanistan entsenden und auch zu
Kampfeinsätzen bereit sein. Wenn die Kommandeure vor Ort den
jeweiligen Verbündeten sagten, dass weitere Unterstützung
nötig sei, «müssen unsere NATO-Staaten sie
leisten», sagte Bush am Donnerstagabend in Washington.
«Verbündete müssen Beschränkungen für die
Truppen aufheben, die sie bereitstellen, damit die NATO-Kommandeure die
Flexibilität haben, die sie benötigen, um den Feind zu
besiegen, wo immer er sich (uns) entgegenstellen mag», sagte
Bush. Er verwies darauf, dass er eine Verstärkung der US-Truppen
in Afghanistan angeordnet habe.
Im Kapitol sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des
Abgeordnetenhauses, Tom Lantos, die NATO-Befehlshaber sollten nicht um
Soldaten aus Ländern wie Deutschland, Frankreich, Italien und
Spanien bitten müssen. Mehrere Staaten wie Großbritannien
und Kanada, die Soldaten im hart umkämpften Süden
Afghanistans stationiert haben, haben deutlich gemacht, dass sie
Verstärkung von anderen NATO-Staaten erwarten. Deutschland lehnt
ähnlich wie Frankreich einen Einsatz von Bodentruppen dort ab.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Abbas beauftragt Hanija mit Regierungsbildung. USA wollen
palästinensische Einheitsregierung boykottieren
Fr.16.02.07 - Eine Woche nach dem innerpalästinensischen Versöhnungstreffen
in Mekka ist die von der radikalislamischen Hamas gestellte Regierung
zurückgetreten, um den Weg für ein Kabinett der nationalen
Einheit freizumachen. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas
beauftragte den bisherigen Ministerpräsidenten Ismail Hanija
unmittelbar nach dessen Rücktritt, eine neue Regierung zu bilden.
Abbas sagte nach seinem Treffen mit Hanija in Gaza, er hoffe, dass die
künftige Regierung "ein neues palästinensisches Zeitalter"
einleiten werde, in dem die Menschen "in Frieden und Sicherheit leben".
"Heute haben wir das Verfahren zur Bildung einer Einheitsregierung
eingeleitet", sagte Abbas. "Bruder Ismail Hanija hat bei mir den
Rücktritt seiner Regierung eingereicht, und ich habe ihn
beauftragt, sein neues Kabinett zu bilden." Er rufe Hanija auf, "die
Interessen der Palästinenser zu achten und ihre Rechte zu wahren".
Kurz zuvor waren die beiden Politiker in Gaza zusammengekommen, um in
letzter Minute aufgetretene Meinungsverschiedenheiten beizulegen.
Hanija hat nun fünf Wochen Zeit, um die neue Regierung
zusammenzustellen und sie vom Parlament - in dem die Hamas die Mehrheit
hat - billigen zu lassen. Die Hamas und die Fatah-Bewegung von Abbas
hatten in der vergangenen Woche im saudiarabischen Mekka vereinbart,
eine Einheitsregierung zu bilden, um die seit Monaten schwelende
politische Krise in den Palästinensergebieten zu überwinden.
Die USA wollen auch die künftige palästinensische
Einheitsregierung boykottieren, solange sie nicht ausdrücklich
Israel anerkennt. Das US-Außenministerium habe Mahmud Abbas
entsprechend informiert, sagten Berater des palästinensischen
Präsidenten am Donnerstag. Für Abbas ist dies ein
Rückschlag in seinem Bemühen, mit der Einheitsregierung die
internationalen Sanktionen gegen die Autonomiebehörde zu beenden.
Die in der vergangenen Woche zwischen den rivalisierenden
Organisationen Hamas und Fatah unter saudiarabischer Vermittlung
geschlossene Grundsatzvereinbarung über die Bildung einer
Regierung der nationalen Einheit enthält nicht ausdrücklich
die Anerkennung Israels. Unterstaatssekretär David Welch vom
US-Außenministerium habe Abbas am Mittwochabend zunächst
telefonisch über die Haltung Washingtons in Kenntnis gesetzt,
sagten die Berater von Abbas. Der US-Generalkonsul in Jerusalem, Jacob
Walles, habe ihm dann am Donnerstag persönlich die Position der
amerikanischen Regierung dargelegt.
Washington werde demnach auch künftig den Kontakt zur
palästinensischen Regierung meiden. Der Kontakt zu den
Palästinensern werde weiterhin nur über Präsident Abbas
von der gemäßigten Fatah und dessen Büro
aufrechterhalten. Jede palästinensische Regierung müsse die
vom Nahost-Quartett festgelegten Prinzipien anerkennen - das sind die
Anerkennung Israels, die Abkehr von Gewalt sowie die Rückkehr zu
bereits bestehenden Friedensvereinbarungen mit Israel. Die von der
Hamas geführte Regierung verweigert dies.
Auch der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert unterstrich am
Donnerstag während eines Besuchs in der Türkei, dass sich die
künftige palästinensische Regierung auf die Prinzipien des
Nahost-Quartetts verpflichten müsse. Andernfalls lehne Israel
weiterhin den Kontakt zur Autonomiebehörde ab. Wie die USA werde
er nur mit Präsident Abbas sprechen.
Das Nahost-Quartett kommt am Mittwoch nächster Woche in Berlin
zusammen. An dem Treffen nimmt auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon
teil, wie ein UN-Sprecher in New York mitteilte. Das Quartett will
über die zwischen der Hamas und der Fatah erzielte
Grundsatzeinigung beraten. Dem Nahost-Quartett gehören die UN, die
EU, die USA und Russland an.
(Quellen: ap, afp)
US-Außenministerin Rice wegen möglicher Versäumnisse in
Iran-Politik unter Druck
Fr.16.02.07 - US-Außenministerin Condoleezza Rice gerät wegen
möglicher Versäumnisse in der Iran-Politik zunehmend unter
Druck.
Der frühere Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrats, Flynt
Leverett, warf Rice vor, den Kongress über einen iranischen
Vorstoß zur Verbesserung der beiderseitigen Beziehungen falsch
informiert zu haben. Die damalige Sicherheitsberaterin Rice müsse
ein entsprechendes Schreiben aus Teheran vom Mai 2003 gesehen haben.
Informationen der "Washington Post" zufolge hatte sich der Iran damals
bereit erklärt, die Unterstützung antiisraelischer Gruppen zu
beenden und das Existenzrecht des jüdischen Staates anzuerkennen.
Die USA wiesen den Vorstoß zurück. Leverett sagte, die
oberste iranische Führung habe eine tief greifende Verbesserung der
Beziehungen zu den USA vorgeschlagen. Vom Ausmaß her sei der
Vorschlag mit der Annäherung der USA an China vom Jahr 1972 zu
vergleichen gewesen. Er sei sicher, dass Rice und der damalige
Außenminister Colin Powell den Brief aus Teheran gesehen
hätten.
Ein Sprecher des Außenministeriums wies die Vorwürfe
Leveretts am Mittwoch zurück. Rice habe den Vorschlag nicht zu
Gesicht bekommen. Rice selbst hatte sich vorige Woche vor einem
Kongressausschuss ähnlich geäußert und gesagt: "Ich
weiß nicht, wovon Flynt Leverett spricht." Wenn es einen
iranischen Vorschlag gegeben hätte, hätte er ihn ihr
übergeben müssen. Leverett forderte für diese
Äußerung, mit der sie seine Kompetenz in Frage gestellt habe,
eine Entschuldigung von Rice.
Leverett hatte den Nationalen Sicherheitsrat im März 2003, also
vor dem Eingang des iranischen Angebots, verlassen und war zum
Geheimdienst CIA zurückgekehrt. Kurz danach schied er aus den
Diensten der Regierung aus. Daher könne er Rice keine direkten
Vorwürfe machen, sagte Leverett in Washington. Der damalige
Minister Powell habe ihm allerdings über den iranischen Vorschlag
gesagt, er "kann ihn nicht dem Weißen Haus verkaufen". Das sei
für ihn der Beweis, dass der Vorstoß in der Regierung
erörtert worden sei.
Der Vorschlag war im Mai 2003 vom schweizerischen Botschafter in
Teheran, Tim Guldimann, übermittelt worden. Guldimann zufolge sei
der Vorstoß vom iranischen Führer Ajatollah Ali Chameini und
dem damaligen Präsidenten Mohammed Chatami abgesegnet gewesen,
hieß es in der "Washington Post". Die Schweiz vertritt die
US-Interessen im Iran, weil beide Länder seit 1981 keine
diplomatischen Beziehungen unterhalten.
(Quelle: rtr)
EU erwägt offiziellen Besuch in Nordkorea
Fr.16.02.07 - Zur Unterstützung des Atompakts mit Nordkorea erwägt die
Europäische Union einen offiziellen Besuch in Pjöngjang.
Eine Reise der EU-Troika in das kommunistisch geführte Land
könne zeigen, dass die Gemeinschaft den "positiven Entwicklungen
auf der koranischen Halbinsel große Bedeutung beimisst",
erklärte die deutsche EU-Ratspräsidentschaft am Donnerstag in
Berlin. Die Union wolle Frieden und Stabilität in der Region
politisch unterstützen.
Nordkorea hat am Dienstag den USA, Russland, Südkorea, China und
Japan zugesagt, sein Atomwaffenprogramm abzubrechen. Im Gegenzug
dafür sollen die internationale Isolation des Landes beendet sowie
Wirtschafts- und Energiehilfen geleistet werden.
(Quelle: rtr)
UN-Generalsekretär Ban enttäuscht über sudanesische
Regierung
Fr.16.02.07 - UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat sich enttäuscht
darüber geäußert, dass der sudanesische Präsident
Omar al Baschir entgegen einem Versprechen einer UN-Delegation Visa zum
Besuch der Krisenregion Darfur verweigert hat. Die Lage in Darfur sei
inakzeptabel, sagte Ban am Donnerstag in New York. Noch im Januar habe
Al Baschir ihm zugesichert, die Ausstellung der Visa für die
Delegation sei kein Problem. Die Ermittlungskommission unter Leitung
von Friedensnobelpreisträgerin Jody Williams will in Darfur
Vorwürfen über Menschenrechtsverletzungen nachgehen.
«Wenn er glaubt, dass es kein Problem gibt, dann sollte er in der
Lage sein, die ... Mission zu empfangen», sagte Ban. Die
14-köpfige Delegation sitzt in der äthiopischen Hauptstadt
Addis Abeba fest, weil Khartum die Visa bislang nicht ausgestellt hat.
«Ich bin sehr enttäuscht über die Entscheidung der
sudanesischen Regierung», sagte Ban. Er forderte die Regierung
auf, mit den Vereinten Nationen zusammenzuarbeiten.
Die Kämpfe in Darfur haben seit 2003 schon mehr als 200.000
Menschen das Leben gekostet, etwa 2,5 Millionen wurden in die Flucht
getrieben. Die sudanesische Regierung wird beschuldigt, die arabischen
Reitermilizen Dschandschawid zu unterstützen. Diesen werden
zahlreiche Übergriffe auf die schwarzafrikanische
Zivilbevölkerung zur Last gelegt.
(Quelle: ap)
UN-Sicherheitsrat verlängert Mandat der Friedenstruppe im Kongo
Fr.16.02.07 - Der UN-Sicherheitsrat hat das Mandat der Friedenstruppe im Kongo um
zwei Monate verlängert. Generalsekretär Ban Ki Moon wurde in
der am Donnerstag einstimmig verabschiedeten Resolution gebeten, bis
zum 15. März über seine Beratungen mit der kongolesischen
Regierung zu berichten und Vorschläge für mögliche
Änderungen des Mandats der UN-Truppe einzureichen. Nach
jahrelangem Bürgerkrieg hatten die Kongolesen im Oktober 2006
Joseph Kabila zum Präsidenten gewählt. Um den Frieden zu
sichern, sind in dem zentralafrikanischen Land 18.000 UN-Soldaten
stationiert. Der Sicherheitsrat bekräftigte in der Resolution
seine Entschlossenheit, weiterhin zur Konsolidierung von Frieden und
Stabilität im Kongo beizutragen.
(Quelle: ap)
Abgeordnete aus aller Welt fordern Nachfolgeabkommen zu Kyoto
Fr.16.02.07 - Abgeordnete aus aller Welt haben in Washington ein Nachfolgeabkommen
zum 2012 auslaufenden Kyoto-Protokoll gefordert. Eine entsprechende
Resolution verabschiedeten die Parlamentarier am Donnerstag zum
Abschluss einer zweitägigen Klimakonferenz. Sie riefen die Gruppe
der acht wichtigsten Industriestaaten (G-8) auf, sich bei deren Treffen
im Juni auf ein neues Abkommen zur Begrenzung klimaschädlicher
Treibhausgase bis zum Jahr 2009 zu verpflichten.
Teilnehmer der Konferenz erklärten, sie verzeichneten eine
stärkere Bereitschaft der US-Regierung, mit anderen Ländern
beim Klimaschutz zusammenzuarbeiten. «Ich habe hier eine ziemlich
beachtliche Veränderung hinsichtlich des Klimaschutzes
festgestellt», sagte der britische Abgeordnete Elliot Morley, der
die Konferenz leitete. US-Präsident George W. Bush hat es bislang
abgelehnt, das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz zu unterzeichnen. In
seiner Rede zur Lage der Nation Ende Januar hat er jedoch zum
Energiesparen und zur Verwendung alternativer Energien wie Ethanol
aufgerufen.
An der Konferenz nahmen Abgeordnete aus rund 20 Industrie- und
Schwellenländern teil. In einer Videobotschaft zu Beginn des
Treffens hatte Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre
Forderung nach einem neuen weltweiten Klimaschutz-Pakt bekräftigt.
(Quelle: ap)
EU-Wirtschaftsminister gegen Pflicht zum Ausbau erneuerbarer Energien
Fr.16.02.07 - Die EU-Wirtschaftsminister wollen die ehrgeizigen Klimaschutzziele der
Kommission in einem Punkt aufweichen: Sie wollen den Ausbau
erneuerbarer Energien auf einen Anteil von 20 Prozent bis 2020 nicht
als verpflichtendes, sondern nur als unverbindliches Ziel. Dies teilte
der deutsche Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) am Donnerstag in
Brüssel mit. Deutschlands Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD)
kritisierte dies umgehend. Er halte es für «dringend
erforderlich», das 20-Prozent-Ziel verbindlich zu setzen,
erklärte er in Berlin.
Glos sagte nach einem Treffen der EU-Wirtschaftsminister: «Wir
unterstützen das Ziel von 20 Prozent erneuerbarer Energien bis
2020.» Doch seien die Möglichkeiten der einzelnen
Mitgliedstaaten in dieser Frage sehr unterschiedlich, das sei in der
Diskussion «stark zu Tage getreten». Vereinbart wurde indes
eine Steigerung des Anteils von Biokraftstoffen auf zehn Prozent bis
2020. «Das ist ein Durchbruch für den Schutz des
Klimas», erklärte Glos.
Auch EU-Energiekommissar Andris Piebalgs betonte, in der Sitzung seien
Fortschritte erzielt worden. Während beim letzten Treffen der
Energieminister außer Deutschland nur Dänemark und Schweden
für eine Verpflichtung auf das 20-Prozent-Ziel bei erneuerbaren
Energien plädierten, sprachen sich jetzt nach Angaben Piebalgs
«mehr als zehn» Länder dafür aus.
Umweltminister Gabriel begrüßte die Festlegung auf das
Zehn-Prozent-Ziel für Biosprit und auf eine Steigerung der
Energieeffizienz um 20 Prozent bis 2020. Um aber das Klimaschutzziel zu
erreichen, bis 2020 um 30 Prozent unter die Emissionsmengen von 1990 zu
kommen, seien «schnelle Fortschritte» auch bei den
erneuerbaren Energien notwendig. Die Steigerung auf 20 Prozent des
Gesamtenergieverbrauchs hatte die EU-Kommission in ihrem Energiepaket
vorgeschlagen. Entschieden werden soll beim Europäischen Rat am 8.
und 9. März.
Auch der Bundesverband Erneuerbare Energien kritisierte den Plan, das
20-Prozent-Ziel nur noch unverbindlich zu gestalten. «Ein
unverbindliches Globalziel ist ein Rückschritt», sagte
BEE-Geschäftsführer Milan Nitzschke der Nachrichtenagentur
AP. «Verbindlichkeit ist die Mindestanforderung an eine
ernstzunehmende Klimaschutz- und Industriepolitik.»
Kritik kam auch von den Umweltorganisationen Greenpeace und BUND. Ohne
Ausbauziele für die Erneuerbaren blieben die Klimaschutzziele
Makulatur, erklärte Greenpeace-Experte Jörg Federn.
BUND-Geschäftsführer Gerhard Timm warf Glos als Vorsitzendem
der Wirtschaftsminister Versagen vor.
(Quelle: ap)
Experten halten Windkraft für besonders wichtig zur CO2-Minderung
Fr.16.02.07 - Die Windkraft wird nach Einschätzung von Experten weiterhin den
Hauptanteil an den erneuerbaren Energien in Deutschland stellen.
Vattenfall-Europa-Chef Klaus Rauscher sagte am Donnerstag im
ZDF-Morgenmagazin, nur die Windkraft biete eine «echte
Chance» für Deutschland, den CO2-Ausstoß aussichtsreich
zu verringern. Insgesamt werde es in der Bundesrepublik «sehr
schwierig sein, bis 2020 den Anteil der erneuerbaren Energieformen auf
20 Prozent anzuheben», meinte Rauscher. Da müsse mit den
Politikern über eine realistische Chance noch geredet werden.
Auch nach Einschätzung des Geschäftsführers des
Bundesverbandes Erneuerbare Energie, Milan Nitzschke, hat die Windkraft
heute und auch in den nächsten Jahren den größten Anteil
an regenerativer Energie. Die Äußerung Rauschers, wonach
Deutschland das Ziel von 20 Prozent erneuerbaren Energien bis 2020
nicht erreichen könne, wies er aber als «grotesken
Unsinn» zurück. Rauscher disqualifiziere sich damit als
klimapolitischer Berater der Bundesregierung. «Im Jahr 2020 werden
wir voraussichtlich weit über 30 Prozent Anteil an erneuerbarer
Energie am Stromverbrauch in Deutschland haben. Selbst die deutschen
Energiekonzerne gehen in ihren Verbänden davon aus, dass der
20-Prozent-Wert schon um 2012 erreichbar ist», meinte Nitzschke.
Heute hätten erneuerbare Energien einen Anteil von zwölf
Prozent am Stromverbrauch.
Vattenfall ist einer der größten europäischen
Stromerzeuger und betreibt unter anderem auch eine ganze Reihe von
Atomkraftwerken. Rauscher sagte in der Sendung, anhand der geografischen
Lage sei Wasserkraft für die Bundesrepublik nicht optimal, und
Sonnenenergie sei für Mitteleuropa einfach zu teuer. «Ich
meine, dass Windparks auf hoher See das Optimale für Deutschland
wären», erklärte der Vorstandsvorsitzende der
Vattenfall Europe AG. Dabei wären enorme Preissteigerungen zwar
unwahrscheinlich, allerdings gebe es «Klimaschutz nicht zum
Nulltarif».
(Quelle: ap)
Greenpeace-Chef attackiert deutsche Automobilindustrie
Fr.16.02.07 - Die Umweltorganisation Greenpeace hat die deutschen Autobauer scharf
kritisiert und ihnen eine völlig verfehlte Modellpolitik
vorgeworfen. «Die deutschen Hersteller haben die Klimadebatte
verschlafen», wird der Vorsitzende der Organisation, Gerd
Leipold, in der «Berliner Zeitung» zitiert. Statt den
Verbrauch der Wagen zu senken, setze die deutsche Autowirtschaft auf
immer größere, schnellere und schwerere Autos.
Ökologische Innovationen fänden kaum statt.
Als Beispiel er Wagen mit Hybrid-Antrieb. Es sei kein Zufall, dass man
zu einem japanischen Hersteller greifen müsse, wenn man einen
solchen Wagen wolle, sagte Leipold den Angaben zufolge. Die deutschen
Hersteller stünden im internationalen Vergleich beim Klimaschutz
ganz hinten.
Für die Fehlentwicklung machte er auch die deutschen Politiker
verantwortlich. «Die Politik darf sich nicht ständig vom
Gejammere der Autoindustrie beeindrucken lassen», sagte der
Greenpeace-Chef. Freiwillige Selbstverpflichtungen brächten den
Umweltschutz nicht mehr voran. Leipold forderte unter anderem eine
schrittweise Senkung der CO2-Obergrenzen für Autos, die Umstellung
der Kfz-Steuer auf den Verbrauch und ein Tempolimit.
(Quelle: ap)
Zeuge widerspricht Steinmeier im Fall Kurnaz
Fr.16.02.07 - Eine bislang unveröffentlichte Zeugenaussage stellt die
Verteidigungslinie von Außenminister Frank-Walter Steinmeier
(SPD) im Fall Murat Kurnaz nach einem Bericht der
«Süddeutschen Zeitung» in Frage.
Entgegen der Darstellung der Bundesregierung sei im Herbst 2002 doch
das US-Verteidigungsministerium in die Überlegungen einer
Kurnaz-Freilassung eingebunden gewesen, schreibt das Blatt (Freitag).
Nach den bisherigen Angaben der Bundesregierung war eine Freilassung
des in Bremen lebenden Türken und ehemaligen
Guantánamo-Häftlings damals nicht von der US-Regierung in
Aussicht gestellt worden, sondern lediglich von Geheimdienst-Agenten.
Bei seiner geheimen Vernehmung vor dem Untersuchungsausschuss des
Bundestages am 1. Februar soll ein hoher Mitarbeiter des
Bundesnachrichtendienstes (BND) dieser Version widersprochen haben.
Die Vernehmungsprotokolle sollen zu einem späteren Zeitpunkt
veröffentlicht werden. Steinmeier wird am 8. März vor dem
BND-Untersuchungsausschuss aussagen.
Nach dem Zeitungsbericht erläuterte der BND-Agent, sein
Gesprächspartner vom US-Geheimdienst CIA habe ihm Ende September
2002 in Guantánamo mitgeteilt, die Deutschen könnten damit
rechnen, dass Kurnaz bereits im November 2002 freikomme. Auf die Frage
im Ausschuss, wer dies behauptet habe, sagte der BND-Mann nach
«SZ»-Angaben: «Ich habe den amerikanischen Kollegen
gefragt, ob das die Einstellung der CIA sei. Er hat mir geantwortet:
Nein, dies sei eine Information, die direkt aus dem Pentagon stamme, da
die CIA überhaupt keine Möglichkeit habe, zu befinden, ob
eventuell einer freikommt oder nicht.»
Der Zeuge soll ergänzt haben, die deutschen Geheimdienstler und
die CIA seien sich einig gewesen, dass Kurnaz kein Terrorist sei. Der
BND-Beamte leitete damals die dreiköpfige deutsche Delegation, die
Kurnaz in dem US-Gefangenenlager auf Kuba besuchte und zwei Tage lang
befragte. Mit ihm waren noch ein weiterer Vertreter des BND und ein
Beamter des Bundesamtes für Verfassungsschutz in die USA gereist.
(Quelle: dpa)
Erstmals seit 40 Jahren Haushaltsüberschuss in Sicht
Fr.16.02.07 - Erstmals seit 40 Jahren steuert der deutsche Staat auf einen
Haushaltsüberschuss zu. Schon in zwei Jahren könnten Bund,
Länder und Kommunen nach Einschätzung von Steuerexperten ein
Plus einfahren. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück räumte
angesichts der sprudelnden Steuereinnahmen dem Schuldenabbau, aber auch
Investitionen in die Bildung Priorität ein.
Steinbrück wollte sich in der «Leipziger Volkszeitung»
(Freitagausgabe) nicht darauf festlegen, wann der Zeitpunkt gekommen
sei, dass der Bund keine neuen Schulden mehr machen müsse.
Steinbrück sagte auch, es sei kein Selbstzweck, den Haushalt
wieder in den Griff zu bekommen. 1.500 Milliarden Euro Schulden
belasteten die Deutschen. «Das kann nicht so bleiben.» Man
müsse «einerseits konsolidieren, andererseits Impulse
für Wachstum und Beschäftigung geben». Jede Investition
in Bildung und Ausbildung sei gut angelegt. Das Mittel der
Erbschaftssteuer sei für ihn der richtige Weg, um die
Leistungsfähigeren stärker an der Finanzierung des
staatlichen Gemeinwesens zu beteiligen.
Voraussetzung für einen Haushaltsüberschuss schon in zwei
Jahren ist eine stabil gute Konjunktur sowie Ausgabendisziplin, wie der
Wirtschaftsforscher und Steuerschätzer Dieter Vesper vom DIW
Berlin der «Financial Times Deutschland» sagte.
Auch im laufenden Jahr werden Bund, Länder und Gemeinden mehrere
Milliarden Euro mehr Steuern einnehmen als bislang erwartet. Der
Steuerschätzer vom Wirtschaftsforschungs-Institut RWI, Heinz
Gebhardt, sagte der «FTD», die Steuereinnahmen könnten
um sieben Milliarden Euro über den Annahmen des Arbeitskreises
Steuerschätzung liegen. Sein Kollege Vesper rechnet den Angaben
zufolge sogar mit acht Milliarden Euro. Laut der letzten
Steuerschätzung vom November nimmt die öffentliche Hand 2007
rund 514,1 Milliarden Euro ein.
Auf die Bürger kommen indes weiter steigende Belastungen durch
Steuern und Sozialabgaben zu, wie der Steuerzahlerbund vorrechnete. So
stieg der Anteil von Steuern und Sozialabgaben am Volkseinkommen
vergangenes Jahr um 0,6 Prozentpunkte auf 52 Prozent. Dies ist der
erste Anstieg dieser Quote seit dem Jahr 2000. Für 2007 erwartet
der Verein einen nochmaligen Zuwachs auf 52,5 bis 53 Prozent.
Bei der Defizitquote gehen die Experten von einem deutlich niedrigeren
Wert aus als die Bundesregierung, die 1,5 Prozent erwartet. Gebhardt
rechnet mit einer Quote «im Bereich von einem Prozent des
Bruttoinlandsprodukts». Sein Kollege Vesper äußerte
sich noch optimistischer: «Wahrscheinlich sehen wir sogar eine
Null vor dem Komma.» Im Jahr 2006 betrug das Staatsdefizit 1,9
Prozent des Bruttoinlandsprodukts; die erlaubte Höchstgrenze des
Euro-Stabilitätspakts liegt bei drei Prozent.
Angesichts weiter steigender Steuereinnahmen des Staates verlangte
Steuerzahlerpräsident Karl-Heinz Däke, der Bund müsse
die Mehreinnahmen konsequent für die Senkung der Neuverschuldung
einsetzen, um diese so schnell wie möglich auf Null zu bringen.
Der stellvertretende FDP-Partei- und Fraktionsvorsitzende Rainer
Brüderle warf der Bundesregierung angesichts der sprudelnden
Steuereinnahmen vor, «die Steuerzahler nach Strich und Faden
veräppelt» zu haben. Der «Leipziger
Volkszeitung» sagte er: «Es war völlig unnötig,
mitten im Aufschwung die Steuern zu erhöhen.»
(Quelle: ap)
Kommunen fürchten sinkende Einnahmen nach Unternehmenssteuerreform
Fr.16.02.07 - Die Städte und Gemeinden in Deutschland befürchten sinkende
Einnahmen in Folge der geplanten Unternehmensteuerreform. Es gebe
erhebliche Zweifel an der bisherigen Zusage der Bundesregierung, dass
die Kommunen nicht schlechter gestellt würden, erklärten der
Städtetag und der Städte- und Gemeindebund am Donnerstag in
Berlin.
Berechnungen des Bundesfinanzministeriums zeigten, dass in den Jahren
2008 bis 2011 Steuerausfälle der Gemeinden von über vier
Milliarden Euro zu erwarten seien. Allein für 2008 sei mit
Steuerausfällen von mehr als zwei Milliarden Euro zu rechnen.
Die Präsidenten der kommunalen Spitzenverbände, Christian Ude
und Roland Schäfer, erklärten, angesichts von Sozialausgaben
der Kommunen in Höhe von mehr als 37 Milliarden Euro, einer immer
noch schwachen Investitionstätigkeit und der Erwartungen der
Politik an den Ausbau der Kinderbetreuung seien Mindereinnahmen nicht zu
verkraften. «Es ist unabdingbar, entweder den Gesetzentwurf so zu
korrigieren, dass die Städte und Gemeinden keine Steuereinnahmen
verlieren oder dieses Ziel durch eine Senkung der Gewerbesteuerumlage
sicherzustellen», forderten sie. «Andernfalls wird das
Reformwerk nicht die Zustimmung der Städte und Gemeinden finden
können.»
Der Sprecher von Finanzminister Peer Steinbrück, Torsten Albig,
nannte die Befürchtungen der Kommunen unbegründet. Die Zusage
werde eingehalten, dass die Gemeinden im wesentlichen neutral gestellt
werden. Sollten doch Mindereinnahmen drohen, werde am Gesetzentwurf
nachjustiert.
Das Gesamtaufkommen der Gewerbesteuer einschließlich der Bund und
Länder zustehenden Gewerbesteuerumlage betrug im vergangenen Jahr
38 Milliarden Euro. Nach Berechnungen aus dem Finanzministerium wird
diese Summe nach Inkrafttreten der Reform 2008 auf 36,4 Milliarden Euro
sinken und 2009 auf 40,8 Milliarden steigen. In den beiden Folgejahren
2010 und 2011 sind demnach weitere Zuwächse auf 45,5 sowie 47,4
Milliarden Euro zu erwarten.
(Quelle: ap)
Telekom-Industrie vor großen Umwälzungen
Fr.16.02.07 - Die Ansage der Mobilfunk-Branche ist klar: Schnelle Datenleitungen
fürs Handy und immer mehr Leistung in extrem kompakten Geräten
sollen unterwegs alles möglich machen. Mobiles Internet,
Navigation, Fernsehen, Spiele, Bezahlen mit dem Handy - auf der
diesjährigen Branchenmesse 3GSM in Barcelona drehte sich alles um
Datendienste.
Der Mobilfunk werde der wichtigste Vertriebskanal für Musik sein,
zeigte sich Warner-Music-Chef Edgar Bronfman Jr. überzeugt. Der
Chef des BlackBerry-Betreibers RIM, Jim Balsillie, demonstrierte mit
leuchtenden Augen, wie sein aktueller Standort mit einem kleinen roten
Punkt im Barcelona-Stadtplan auf dem Display seines neuen Mobiltelefons
angezeigt wird. Ein Nokia-Gerät lädt direkt YouTube-Videos aus
dem Internet, MTV produziert jeden Monat 1000 Mini-Sendungen extra
für unterwegs. Wer mit seinem Handy nur telefonieren will, ist aus
der Mode.
Über mobile Datendienste wie UMTS wird seit Jahren gesprochen,
doch jetzt sollen sie tatsächlich zum Massenmarkt werden. Das hat
mehrere Gründe. Zum einen will die Branche, die
schätzungsweise eine Billion Euro in deren Aufbau investiert hat,
endlich etwas von dem Geld wiedersehen, sagt ein Analyst. Zum anderen
sind mit neuen UMTS-Erweiterungen wie HSDPA und HSUPA - nach Jahren von
Versprechen - tatsächliche Breitband-Geschwindigkeiten auf dem
Handy möglich.
Derzeit sind es bis zu 7,2 MBit pro Sekunde bei Downloads - mehr also
als viele auf ihrer DSL-Leitung zu Hause haben. Und schließlich
hat der Preiskampf der Anbieter die Tarife für Sprachtelefonie so
tief gedrückt, dass für viele von ihnen dringend neue
Erlösquellen hermüssen. Bisher haben so genannte 3G-Standards
wie UMTS aber nur etwa 100 Millionen Nutzer - bei insgesamt mehr als 2,5
Milliarden.
Die Aussichten für die Zukunft sehen so aus: Bis zum Jahr 2015
werde sich die Zahl der Mobilfunk-Kunden auf fünf Milliarden
verdoppeln und der Datenverkehr sich verhundertfachen, prognostizierte
der designierte Chef des Netzwerkausrüsters Nokia Siemens Networks,
Simon Beresford-Wylie, bei der 3GSM. Da müsse sich die Branche
fragen: «Wie in aller Welt bringen wir diese Masse von Daten
durch die Netze so, dass es sich rechnet?» Es seien neue
Geschäftsmodelle notwendig, zumal 95 Prozent der neuen Handy-Nutzer
aus Schwellenländern kommen werden, also Märkten mit
niedrigen Preisen und zugleich viel Wettbewerb. Passen sich die
Mobilfunk-Betreiber nicht an, sei ihre Existenz bedroht. Als eine der
neuen Einnahmequellen gilt Werbung auf dem Handy nach Internet-Muster.
Die Chance wird in der Branche darin gesehen, dem Handy, das man eben
immer dabei hat, immer mehr Funktionen zu geben - und mit solchen
Diensten schließlich auch Geld zu verdienen. Gerade in
Schwellenländern mit ihrer vielerorts schwach entwickelten
Infrastruktur könnte man damit Erfolg haben, zum Beispiel mit
Bezahldiensten. In westlichen Märkten liegt der Fokus eher auf
mobiler Unterhaltung und Navigation.
Begünstigt wird der Trend durch schnelle Fortschritte der
Prozessor-Hersteller dabei, immer mehr Funktionen in einem Chip zu
integrieren. Das lässt die Geräte immer dünner werden und
weniger Strom verbrauchen. Von optimalen Akku-Laufzeiten ist die
Branche jedoch noch weit entfernt. So verspricht Apple für sein
kommendes iPod-Handy iPhone, das die Branche in Aufregung versetzt,
fünf Stunden im Sprach- oder Videobetrieb. Die Batterienlaufzeit
sei für die Branche das größte Problem, sagt
Hewlett-Packard-Manager Ivica Juresa. AMD versprach in Barcelona
immerhin, mit neuen Chips seiner Imageon-Familie, die zum Jahreswechsel
auf den Markt kommen sollen, werde man am Handy bis zu acht Stunden am
Stück fernsehen können.
Unter anderem wegen des geringeren Stromverbrauchs werde sich Musik auf
dem Handy noch am ehesten durchsetzen lassen, glaubt Micsoroft-Managerin
Suzan DelBene. Doch auch Warner-Music-Chef Bronfman, der seit Jahren
auf mobile Musik setzt, wurde wenige Stunden nach seiner Zukunftsrede
von der Realität eingeholt, als die Aktie seines Unternehmens um
sieben Prozent einbrach, weil der Konkurrent EMI zum zweiten Mal binnen
eines Monats wegen sinkender CD-Verkäufe eine Gewinnwarnung
aussprechen musste.
(Quelle: dpa)
Zahl der Strafgefangenen dramatisch gestiegen
Fr.16.02.07 - Die Zahl der Strafgefangenen in Deutschland ist offenbar im vergangenen
Jahr dramatisch gestiegen. Wie die «Saarbrücker
Zeitung» (Freitagausgabe) berichtet, saßen in 2006 rund 80.
000 Menschen hinter Gittern und damit rund 16 000 mehr als im Vorjahr.
«Das ist höchstes Niveau. Wir hatten noch in keinem Jahr
mehr», sagte der Vorsitzende des Bundes der
Strafvollzugsbediensteten (BSBD), Anton Bachl, der Zeitung. 2005 gab es
laut Statistischem Bundesamt nur 63 500 Strafgefangene in Deutschland.
Laut Bachl ist der immense Anstieg auf die wachsende
Gewaltkriminalität zurückzuführen. «Die
Verweildauer der Gefangenen hat sich deutlich erhöht, das treibt
die Zahlen nach oben.» Außerdem steige die Kriminalität
durch die «offenen Grenzen».
Bachl forderte, die Zahl der Vollzugsbeamten in den Gefängnissen
deutlich zu erhöhen. Die Personalausstattung schwanke in den
Bundesländern erheblich. Besonders angespannt sei Lage in Bayern
und Baden-Württemberg. «Diese Länder haben die rote
Laterne.» Dagegen stünden die Stadtstaaten besser da.
(Quelle: ddp)
Fünf Jahre Haft für Neonazi Zündel wegen Leugnung des
Holocausts
Fr.16.02.07 - Wegen der Leugnung des Holocausts ist der Neonazi Ernst Zündel zu
fünf Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht Mannheim befand
den 67-Jährigen am Donnerstag der Volksverhetzung in 14
Fällen für schuldig. Zündel hatte den millionenfachen
Mord an Juden in deutschen Gaskammern als Geschichtsfälschung
bezeichnet sowie in Rundbriefen und im Internet rechtsextremistische
Propaganda verbreitet.
Die Staatsanwaltschaft hatte wegen Volksverhetzung fünf Jahre Haft
gefordert, die Verteidigung Freispruch. Zündel selbst
äußerte sich in dem Prozess nicht zu den Vorwürfen. In
seinem Schlusswort schlug er lediglich die Einsetzung einer
Expertenkommission zur Untersuchung von Konzentrationslagern vor und bot
seine Hilfe an.
Verteidiger Hans Ulrich Beust zweifelte am Donnerstag an der
Verfassungsmäßigkeit der Regelung im Strafgesetzbuch, nach
der das Leugnen des Holocausts verboten ist. Zugleich distanzierte er
sich deutlich von Zündels Taten. Er bat die 6. Große
Strafkammer, im Falle einer Verurteilung Zündels Haftzeit in Kanada
auf die Strafe anzurechnen.
Zündel war im Februar 2005 aus Kanada abgeschoben worden und sitzt
seitdem in deutscher Untersuchungshaft. Ein erstes Verfahren gegen ihn
war Ende 2005 geplatzt, weil seine Verteidigerin Sylvia Stolz unter
anderem die Zulassung des rechtsextremistischen Anwalts Horst Mahler als
ihren Assistenten durchsetzen wollte. Die Juristin wurde daraufhin von
ihrem Mandat entbunden und aus dem Verfahren ausgeschlossen.
(Quelle: ap)
Wehrmachtsopfer können Deutschland nicht verklagen
Fr.16.02.07 - Opfer von Massakern der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg
können Deutschland nicht mehr auf eine Entschädigung
verklagen. Das entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH) in
Luxemburg. Die Massaker seien "hoheitliche" Taten und
Entschädigungsforderungen gegen Deutschland keine zivilen
Streitigkeiten, erklärte der EuGH zur Begründung. Staaten aber
genössen nach internationalem Recht Immunität. Der
Arbeitskreis Distomo, eine Interessenvertretung griechischer
Wehrmachtsopfer, wertete das Urteil als "große Enttäuschung".
Für die Betroffenen sei es "nochmals ein Schlag ins Gesicht".
Im konkreten Fall geht es um ein Massaker im griechischen Kalavrytabei,
bei dem die Wehrmacht im Dezember 1943 insgesamt 676 Menschen ermordete.
Angehörige hatten in Griechenland Deutschland verklagt und
verlangten eine Entschädigung. Das oberste griechische
Sondergericht für Völkerrecht erklärte allerdings in
diesem wie zuvor auch schon in anderen Fällen, nach dem Baseler
Übereinkommen von 1972 über die Verfolgung von
Kriegsverbrechen genössen die Staaten Immunität.
Im Februar entschied auch das Bundesverfassungsgericht zu einem
Massaker im griechischen Distomo, das Völkerrecht sehe individuelle
Entschädigungen nicht vor. Stattdessen habe Deutschland bereits
Entschädigungen an die jeweiligen Staaten gezahlt.
Vor dem EuGH berief sich ein Opfer auf ein weiteres internationales
Abkommen, das Brüsseler Übereinkommen über die
gerichtliche Zuständigkeit in Zivil- und Handelssachen von 1968.
Dieses Abkommen mache für zivile Opfer kriegerischer
Auseinandersetzungen eine Ausnahme von der Staatenimmunität. Wie
jedoch der EuGH entschied, sind die Entschädigungsforderungen keine
zivile Streitigkeit. Streitkräfte handelten in "Ausübung
hoheitlicher Befugnisse", ihre Taten seien "typischer Ausdruck
staatlicher Souveränität". Unabhängig von der Frage der
Schwere und Rechtmäßigkeit der Wehrmachtshandlungen sei das
Übereinkommen daher nicht anwendbar. Nach dem Luxemburger Urteil
müssen die griechischen Gerichte die anhängigen Klagen nun
endgültig als unzulässig abweisen.
Der Sprecher des Arbeitskreises Distomo, Martin Klingner, kritisierte
das Urteil als "Akt der Desintegration Europas". Es widerspreche allen
europäischen Rechtssystemen, "dass nicht am Tatort geklagt werden
kann", sagte der Opfer-Anwalt. Den Opfern sei der Zugang zu den
Gerichten damit menschenrechtswidrig verbaut. Nach einem so genannten
Globalabkommen habe Deutschland Anfang der sechziger Jahre an
Griechenland 115 Millionen Mark (58,8 Millionen Euro) gezahlt. Diese
Entschädigung sei aber vorrangig für Juden und politisch
Verfolgte gedacht gewesen. Opfer von Wehrmachts-Massakern seien dagegen
überwiegend leer ausgegangen.
(Quelle: afp)
Wissenschaft
Nur wenig Frauen in wissenschaftlichen Top-Positionen
Fr.16.02.07 - Obwohl Frauen inzwischen fast die Hälfte aller
Hochschulabsolventen stellen, sind sie unter den Spitzenwissenschaftlern
immer noch deutlich unterrepräsentiert. Das teilte am Mittwoch das
Institut der deutschen Wirtschaft in Köln mit.
Ende 2005 war demnach noch nicht einmal jede siebte Professur von einer
Frau besetzt. Besonders wenig weibliche Spitzenwissenschaftler gebe es
nach wie vor in der höchsten Besoldungsstufe C4/W3. Dort seien
bundesweit nur zehn Prozent der Professoren Frauen.
Dabei verteilen sich die Hochschullehrerinnen nach Angaben des
Instituts sehr ungleich über das Land. In den drei Stadtstaaten
Berlin, Hamburg und Bremen hätten Frauen fast ein Fünftel der
Professuren inne. Unter den Flächenländern ragten
Niedersachsen und Brandenburg heraus. Anders sehe es dagegen im
Süden aus. «Nur etwa jeder siebte Professor
Baden-Württembergs ist weiblich, in Bayern sogar lediglich jeder
zehnte», teilte das Institut mit.
(Quelle: dpa)
Transportable Raffinerie gewinnt Strom aus Müll
Fr.16.02.07 - US-Forscher haben eine mobile Raffinerie mit Kraftwerk entwickelt, die
aus Abfall Elektrizität gewinnt. Die Anlage passe in einen
Sechs-Meter-Standardcontainer, berichtete das US-Magazin
«Technology Review» auf seiner Internetseite über die
Arbeit der Universität Purdue (US-Staat Indiana) für das
Militär.
Derartige Anlagen, die auch noch verkleinert werden sollen,
könnten auch für zivile Zwecke etwa in Krisengebieten
eingesetzt werden oder sogar einmal als Zusatzkraftwerke dort dienen, wo
viel organischer Müll anfalle.
Die Mobilraffinerie kombiniert verschiedene Techniken, um den Müll
möglichst weitgehend zu nutzen. Ein Bioreaktor wandelt Essensreste
in Ethanol um, eine Vergasungsanlage gewinnt Methan und Propanol aus
Plastik und Papier. Schließlich verbrennt ein modifizierter
Dieselmotor die Gase und den Treibstoff und erzeugt über einen
Generator Strom. Als Rest bleibe lediglich eine umweltverträgliche
Asche, die nach jeweils einigen Tagen entfernt werden müsse,
berichtete das Magazin. Die Anlage müsse zunächst für ein
paar Stunden mit Diesel hochgefahren werden, bevor Ethanol und Gas aus
dem Müll den Treibstoff fast vollständig ersetzen
könnten.
Zwei Prototypen sollen dem Bericht zufolge noch in diesem Jahr in einem
sechs Monate langen Testlauf ihre Einsatzfähigkeit beweisen.
Derartige Anlagen wären nach Forschermeinung auch für arme
Länder geeignet, in denen es oft keine Elektrizitätsversorgung
gibt.
(Quelle: dpa)
Straßenverkehr größte Quelle von Schwermetallen
Fr.16.02.07 - Der Straßenverkehr ist nach Angaben des Fraunhofer-Instituts
für System- und Innovationsforschung heute in Deutschland die
größte Quelle für Schwermetalle in der Umwelt. Nach
einer für das Umweltbundesamt erstellten Studie habe die Industrie
diesen unrühmlichen Spitzenplatz abgegeben.
Das berichtete das Institut am Mittwoch in Karlsruhe. Die Industrie
habe ihre Schwermetallemissionen in den vergangenen 15 Jahren stark
gesenkt. Der Untersuchung aus dem Jahr 2005 zufolge gelangten allein
über den Abrieb von Bremsbelägen und Reifen jedes Jahr 932
Tonnen Kupfer, 2078 Tonnen Zink und 80 Tonnen Blei in die Umwelt.
Wegen ihrer Haltbarkeit würden diese Metalle häufig auch an
Dächern und Fassaden von Gebäuden genutzt. Dadurch gelangten
jedes Jahr zusätzlich 85 Tonnen Kupfer, 682 Tonnen Zink und 25
Tonnen Blei in die Umwelt. Der Löwenanteil davon fließe
über die Kanalisation in Flüsse und Seen. So würden bei
mehr als der Hälfte der Messstellen an deutschen Gewässern die
Grenzwerte für Kupfer und Blei überschritten.
«Dabei zeigt ein Leitfaden des Umweltbundesamtes doch sinnvolle
Alternativen auf», sagte ISI-Projektleiter Thomas Hillenbrand.
Außer dem Rat zum Verzicht auf große Flächen
problematischer Metalle an Gebäuden werden als Alternativen andere
metallische Produkte wie verzinntes Kupferblech, beschichtetes Zinkblech
oder Aluminium- und Edelstahlbleche empfohlen. Sie wiesen deutlich
geringere Korrosionsraten auf. Auch Filtersysteme zur Behandlung des in
den Regenrinnen aufgefangenen Wassers könnten die
Schwermetallbelastung spürbar senken, hieß es.
Dringenden Handlungsbedarf sieht Hillenbrand bei den Bremsbelägen.
Auch wenn seit 2004 keine bleihaltigen Beläge mehr hergestellt
würden und Felgen-Auswuchtgewichte aus Blei verboten seien, gebe es
noch immer unnötiges Kupfer in den Bremsbelägen. Nach Angaben
des Fraunhofer-Wissenschaftlers existieren im Ersatzteilhandel bereits
kupferfreie Beläge. Sie hätten sich allerdings in der
Erstausrüstung noch nicht bei den Fahrzeugherstellern durchgesetzt.
(Quelle: dpa)
Schwarze Löcher im All waren nicht immer schwarz
Fr.16.02.07 - Schwarze Löcher im All waren nach Erkenntnissen eines
Forscherteams der Universität Zürich nicht immer schwarz,
sondern besaßen einst Strahlkraft. Die mysteriösen schwarzen
Galaxien hätten ihre leuchtende Materie im Laufe der Zeit durch das
Zusammentreffen mit anderen Galaxien eingebüßt, erklärt
das Team um den Astronomen Lucio Meyer im Magazin "Nature". Je
größer der Anteil so genannter schwarzer Materie in einer
Galaxie sei, um so kleiner sei diese.
Das Universum enthalte eine Vielzahl kleinster schwarzer Löcher,
heißt es in dem Bericht weiter. So seien beispielsweise im Umfeld
der Milchstraße, die eine besonders große Galaxie sei, viele
schwarze Galaxien anzutreffen.
Nur vier Prozent der Materie sei überhaupt sichtbar,
erläuterte der Genfer Wissenschaftler Yves Schutz. Daneben gebe es
23 Prozent schwarze Materie und 73 Prozent "dunkle Energie". Schwarze
Materie entstehe durch die Gravitationskraft vorbeikommenden Lichts. Die
dunkle Energie hingegen wiedersetze sich der Gravitation. So sei die
Ausdehnung des Weltalls zu erklären, fügte Schutz hinzu.
(Quelle: afp)