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Irak am neunhundertdreiundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-Parlament stimmt gegen Bushs Irak-Politik. 2007 bis zu einer Million
Flüchtlinge im Irak befürchtet. Schiitenführer Sadr will
zu Sicherheit im Irak beitragen. Erstes Lebenszeichen von deutschen
Irak-Geiseln. 30.000 Pistolen aus Österreich in den Irak geliefert
Sa.17.02.07 - Das US-Repräsentantenhaus hat der Irak-Politik von Präsident
George W. Bush mit deutlicher Mehrheit das Misstrauen ausgesprochen.
Mit 246 gegen 182 Stimmen votierten die Abgeordneten der Kongresskammer
für eine nicht bindende Resolution, welche die von Bush geplante
Aufstockung der US-Truppen im Irak um mehr als 20.000 Soldaten
missbilligt. Zugleich sicherte der Text den Soldaten vor Ort die
uneingeschränkte Unterstützung durch die Volksvertretung zu.
Auch 17 Abgeordnete von Bushs Republikanern stimmten für die
Entschließung.
Mit der Resolution, derb bislang schärfsten parlamentarischen
Kritik an Bushs Irak-Politik, wollte die demokratische
Mehrheitsfraktion deutlich machen, dass Bush für seine Pläne
zur Aufstockung der US-Truppen im Irak keine parlamentarische Mehrheit
hat. Bei der Kongresswahl hatten Bushs Republikaner in beiden
Häusern des Kongresses ihre Mehrheit verloren.
Die Resolution sei eine "kraftvolle Botschaft, die den Willen des
amerikanischen Volks ausdrückt und die nicht von der Regierung
ignoriert werden kann", sagte der Vorsitzende des
Außenausschusses, der Demokrat Tom Lantos. Der demokratische
Fraktionschef Sten Hoyer sagte, die US-Wähler hätten bei der
Kongresswahl im vergangenen November "für einen neuen Kurs unseres
Landes und einen neuen Kurs im Irak-Krieg gestimmt". Das Votum des
Repräsentantenhauses folge dem Votum der Wähler.
In dem Entwurf heißt es: "Der Kongress missbilligt die
Entscheidung von US-Präsident George W. Bush, mehr als 20.000
zusätzliche Soldaten zum Kampfeinsatz in den Irak zu entsenden."
Zugleich betont der Text, dass die US-Truppen im Irak mit voller
Unterstützung durch den Kongress rechnen können. Die Soldaten
führten einen "tapferen und ehrenwerten" Kampf.
Der Abstimmung war eine Marathon-Debatte im Repräsentantenhaus
vorangegangen. Seit Dienstag hatten die Abgeordneten über die
Vorlage beraten. Am Samstag soll auch die zweite Kammer des
US-Kongresses, der Senat, über die Entschließung debattieren.
Präsident Bush hatte bereits angekündigt, sich nicht durch
das Votum von seinen Plänen abbringen zu lassen. Der
Richtungsstreit ist mit den Voten im Kongress noch nicht beendet.
Führende Demokraten haben angekündigt, die Bewilligung des
von Bush beantragten Kriegshaushalts an Bedingungen zu Ausrüstung
und Ausbildung der Soldaten zu knüpfen.
Die anhaltende Gewalt im Irak könnte nach Einschätzung der
Internationalen Organisation für Migration (IOM) in diesem Jahr bis
zu einer Million Menschen in die Flucht treiben. Die Zahl der
Flüchtlinge nehme täglich zu, sagte IOM-Sprecherin Jemini
Pandya am Freitag in Genf. Ein Mangel an Lebensmitteln und der Exodus
von Ärzten und Krankenschwestern aus dem Irak führe
außerdem zu immer mehr Krankheiten und Fehlernährung bei
Kindern. Die Aussichten für die Flüchtlinge seien düster,
sagte Pandya.
Die IOM gehe bei ihrer Einschätzung davon aus, dass sich an der
Sicherheitslage im Irak nichts ändere, erklärte Pandya weiter.
Sollten Nachbarländer ihre Grenzen zum Irak schließen,
müssten immer mehr Flüchtlinge im eigenen Land ausharren.
Viele seien in abbruchreifen Häusern untergekommen oder
hätten sich notdürftige Behausungen gebaut - meist ohne
Strom, Isolierung und sanitäre Anlagen. Sogar Kinder im Alter von
zehn Jahren hätten sich Aufständischen angeschlossen,
berichtete die IOM-Sprecherin: Entweder wegen des Geldes oder aus Rache
für Angriffe gegen Familienmitglieder.
Nach Angaben des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge wurden
allein in den vergangenen zwölf Monaten mindestens 640.000 Iraker
aus ihren Häusern vertrieben. Den Vereinten Nationen zufolge wurden
in den vergangenen 30 Jahren rund 3,8 Millionen Iraker zu
Flüchtlingen, darunter 1,8 Millionen Binnenflüchtlinge.
Irakische Sicherheitskräfte gaben am Freitag die Festnahme von 34
bewaffneten Mitgliedern der so genannten Gruppe Soldaten des Himmels
bekannt. Kämpfer der Gruppe hatten sich im Januar heftige Gefechte
mit irakischen Soldaten geliefert und sollen Anschläge gegen
schiitische Geistliche und Pilger in der Stadt Nadschaf geplant haben.
Die US-Streitkräfte wiesen unterdessen Berichte zurück,
wonach der Anführer von Al Kaida im Irak bei einem Gefecht
nördlich von Bagdad verletzt oder getötet wurde. Ein Sprecher
des irakischen Innenministeriums hatte zuvor erklärt, Abu Hamsa al
Muhadschir, auch als Abu Ajjub al Masri bekannt, sei verwundet worden.
Einer seiner Berater sei bei eimem Kampf in der Nähe von Balad
getötet worden. Al Masri hatte die Führung von Al Kaida im
Irak übernommen, nachdem der vorherige Führer Abu Mussab al
Sarkawi im Juni bei einem US-Luftangriff in der Provinz Dijala
getötet worden war.
Aus Kreisen der irakischen Streitkräfte verlautete, ein Vertrauter
Al Masirs sei vor einer Woche festgenommen worden und sitze seitdem in
der Nähe von Mahmudija im Gefängnis.
Der radikale Schiitenführer Moktada Sadr will nach Angaben der
irakischen Regierung mit dem Abzug ranghoher Anhänger aus dem Irak
zur "Stabilisierung" der Lage beitragen. Zahlreiche Vertreter seiner
Mehdi-Miliz hätten Anweisung erhalten, den Irak zu verlassen,
teilte Präsident Dschalal Talabani mit. Er betonte, dem radikalen
Milizenführer sei es wichtig, "zum Erfolg des Sicherheitsplans
beizutragen." Er habe deshalb der Regierung erlaubt, jedes Mitglied
seiner Miliz festzunehmen, das sich nicht an die Gesetze halte.
Die britische Tageszeitung "Guardian" hatte zuvor berichtet, dass
mehrere führende Vertreter von Sadrs Medhi-Armee ebenso wie Sadr
selbst im Iran abgetaucht sei, um sich vor einer Großoffensive der
US-Truppen in Bagdad in Sicherheit zu bringen. Unter Berufung auf einen
namentlich nicht genannten irakischen Regierungsvertreter hieß es
in dem Zeitungsbericht, die erste Garde der Mehdi-Armee habe sich in
den Iran zurückgezogen, weil sie eine "Zerstörung der
Infrastruktur" vermeiden wolle. Strategisch gehe es darum, den "Sturm"
der jüngsten US-Offensive vorüberziehen zu lassen, um dann
"das Vakuum zu füllen".
Die irakische Regierung wies die Berichte zurück, wonach Sadr vor
der Großoffensive geflüchtet sei. Laut einem Berater von
Ministerpräsident Nuri el Maliki hält er sich nur zu einem
"kurzen Besuch" im Iran auf.
Das US-Verteidigungsministerium bezeichnete die Mehdi-Armee in einem
Bericht im Dezember als die derzeit gefährlichste irakische Miliz.
Die je nach Schätzungen 10.000 bis 60.000 Kämpfer sollen
hunderte sunnitische Zivilisten ermordet haben. Seitdem stieg der Druck
auf die Mehdi-Armee, etwa 600 Mitglieder wurden festgenommen. Sadr hatte
im Januar nach einem zweimonatigen Boykott von Regierung und Parlament
unerwartet angekündigt, die Zusammenarbeit mit beiden wieder
aufzunehmen. Die Sadr-Anhänger stellen 32 Abgeordnete.
Zu den beiden entführten Deutschen im Irak gibt es nach
Informationen des «Spiegel» telefonischen Kontakt über
ein Familienmitglied in Deutschland. Seit der Verschleppung der 60 Jahre
alten Frau und ihres erwachsenen Sohns am 6. Februar laufe der Kontakt
zwischen einer Tochter der Deutschen und den Entführern über
das Handy eines der Opfer, schreibt das Magazin.
Der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Jäger, sagte am
Freitag in Berlin, die Regierung könne zum Schutz der Betroffenen
keine Einzelheiten nennen. Allen solle bewusst sein, dass das Leben der
Geiseln zu jedem Zeitpunkt unbedingte Priorität habe. Er bat die
Medien um «Umsicht, Verantwortungsbewusstsein und Taktgefühl
gegenüber den Angehörigen». Der Krisenstab des
Auswärtigen Amtes bemühe sich intensiv, die beiden Deutschen
unversehrt zurückzuholen.
Laut «Spiegel» haben die Entführer Anfang vergangener
Woche Angehörigen der Familie in Deutschland ein Lebenszeichen der
Geiseln übermittelt. Zudem hätten sie politische Forderungen
wie einen wirtschaftlichen Boykott des Irak gestellt. Sollten die
Forderungen nicht erfüllt werden, drohe den beiden Geiseln der Tod.
Die Kidnapper hätten während der Entführung
erklärt, sie gehörten zum «Dschaisch al-Islam»,
zur «Islamischen Armee». Die Untergrundgruppe bekenne sich
zu Aktionen gegen US-Soldaten.
Trotz der politischen Komponente der Forderungen halte der Krisenstab
des Auswärtigen Amtes weiter auch einen rein kriminellen
Hintergrund für möglich. Er gehe Hinweisen nach, denen zufolge
die Geiselnehmer aus Kreisen der irakischen Widerstandsbewegung stammen
könnten.
Sechs Männer seien in der vorigen Woche in die Wohnung in einem
überwiegend von Sunniten bewohnten Viertel eingedrungen und
hätten die Familie in Schach gehalten, hieß es. Weil die
bewaffneten Entführer sehr ruhig agiert und sich sogar mit
Anwohnern unterhalten hätten, gingen Sicherheitsexperten davon aus,
dass es sich um eine Gruppe mit guten Beziehungen zu lokalen
sunnitischen Milizen handele.
Den Mann der Deutschen, einen irakischen Professor, hätten die
Kidnapper zurückgelassen. Die im Umland von Berlin geborene Frau
lebe seit mehr als 20 Jahren im Irak. Die Entführten
besäßen die deutsche und die irakische
Staatsbürgerschaft.
Die österreichische Regierung hat im Januar die Lieferung von
30.000 Pistolen an das irakische Innenministerium genehmigt, wie die
Nachrichtenagentur APA unter Berufung auf die Tageszeitung
«Österreich» (Samstagausgabe) berichtete. Kritik kam
von den Grünen: Der Abgeordnete Peter Pilz erklärte, der
konservative Wirtschaftsminister Martin Bartenstein habe die Lieferung
trotz Bedenken seiner Beamten genehmigt. Immer wieder landeten Pistolen
auf dem Schwarzmarkt, auch begehe die irakische Polizei
Menschenrechtsverletzungen.
Im Wirtschaftsressort hieß es dazu, die irakischen Behörden
hätten ausreichend dokumentiert, dass die Waffen nicht
weitergegeben würden. Es habe insgesamt vier Anträge gegeben,
von denen drei genehmigt worden seien, sagte der zuständige
Sektionschef im Abendjournal des Senders Ö1. Nicht genehmigt
worden sei eine Lieferung an die US-Armee im Irak. Sie habe diese
Zusicherung nicht geben wollen. Zudem wurde im Wirtschaftsministerium
betont, dass die für die Polizei bestimmten Pistolen nicht dem
Kriegsmaterialgesetz unterliegen, wie APA weiter berichtete.
Am Dienstag hatte die britische Zeitung «The Daily
Telegraph» berichtet, US-Truppen hätten bei
Aufständischen mehr als 100 Gewehre des österreichischen
Waffenherstellers Steyr Mannlicher gefunden. Die österreichische
Regierung hatte die Lieferung von 800 solcher Gewehre an den Iran 2004
trotz amerikanischer Proteste genehmigt. Sie sollten im Kampf gegen
Drogenschmuggler eingesetzt werden.
Der Antrag sei damals sehr sorgfältig geprüft worden,
erklärte eine Sprecherin des Außenministeriums in Wien. Sie
verwies darauf, dass sich die Lage seither stark verändert habe.
Was mit den Waffen geschehen sei, liege in der Verantwortung des Iraks,
sagte Sprecherin Astrid Harz. Der neue Eigentümer von Steyr
Mannlicher, Franz Holzschuh, erklärte am Dienstag,
möglicherweise handele es sich um Nachbauten.
(Quellen: ap, afp, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 17.02.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertneunundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Taliban: 10.000 Kämpfer für Frühlings-Offensive in
Afghanistan bereit
Sa.17.02.07 - Die radikal-islamischen Taliban haben für ihre angekündigte
Frühlings-Offensive nach Angaben eines ihrer Kommandeure 10.000
Kämpfer in Stellung gebracht.
Bei Frühlingsbeginn würden die Taliban verstärkt blutige
Angriffe gegen die US-geführten Truppen starten, sagte der
Taliban-Kommandeur für die südliche Provinz Helmand, Mullah
Abdul Rahim, am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters per
Satellitentelefon von seinem Versteck aus. "Unsere Kriegsvorbereitungen,
vor allem in Süd-Afghanistan und in der Provinz Helmand sind
abgeschlossen." Die 10.000 Kämpfer könnten bei Befehlsausgabe
sofort zu den Waffen greifen.
Im vergangenen Jahr starben in den Kämpfen in Afghanistan mehr als
4000 Menschen, ein Viertel von ihnen Zivilisten. Damit war 2006 das
blutigste Jahr im Kampf gegen die Taliban, seit diese 2001 von den
US-geführten Truppen entmachtet wurden. Nato-Kommandeure und
Beobachter gehen davon aus, dass dieses Jahr die Gewalt noch zunehmen
könnte.
Im Zuge der Schneeschmelze haben die Aufständischen ihre Angriffe
vor allem im Süden bereits wieder aufgenommen, wo sie eine Stadt
erobert haben. Die Provinz Helmand ist die Drehscheibe des Opium-Handels
in Afghanistan, dem weltgrößten Produzenten des Rauschgifts.
Im vergleichsweise ruhigen Norden des Landes sind auch
Bundeswehrsoldaten stationiert.
(Quelle: rtr)
CIA-Berichterstatter des Europarats darf Guantanamo nicht besuchen
Sa.17.02.07 - Der CIA-Berichterstatter des Europarats, Dick Marty, darf das
US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba nicht besuchen. Sein Gesuch, in
dem Lager ungehindert mit Häftlingen zu sprechen, sei von den USA
abgelehnt worden, teilte der Schweizer Senator am Freitag mit. Er sei
"enttäuscht" über die Haltung der USA - einem Land, das beim
Europarat einen Sondergaststatus habe, fügte Marty hinzu. Er werde
seine Nachforschungen über illegale Verschleppungen von Gefangenen
und etwaige CIA-Geheimgefängnisse in Europa dennoch fortsetzen.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Palästinenserpräsident Abbas hofft auf baldige
Friedensgespräche mit Israel
Sa.17.02.07 - Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas hat sich nach der
Schlichtung des internen Machtkampfes für eine baldige
Wiederaufnahme des Nahost-Friedensprozesses ausgesprochen.
Er hoffe, bei dem für Montag geplanten Gipfeltreffen mit dem
israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert und
US-Außenministerin Condoleezza Rice Fortschritte zu erzielen,
sagte Abbas in einer im Fernsehen übertragenen Rede am späten
Donnerstagabend.
Vertreter des Nahost-Quartetts aus den USA, Europäische Union,
Vereinte Nationen und Russland wollten sich vor dem Dreier-Gespräch
am Freitag in Jerusalem treffen. "Zum ersten Mal hören wir auf
Seiten der Amerikaner einen neuen Tonfall", sagte Abbas. "Wir
begrüßen diese Ernsthaftigkeit und den Wunsch, für
unsere Sache mehr oder minder innerhalb eines Jahres eine Lösung
zu erreichen."
Rice dämpfte aber die Erwartungen: "Ziel des trilateralen Treffens
ist, ein Gespräch darüber zu beginnen und zu schauen, wie wir
auf dem Weg zu dem von allen unterstützten Ziel zweier Staaten, die
Seite an Seite leben, vorwärts kommen können", sagte sie am
Donnerstag in einem Interview mit mehreren US-Zeitungen.
Als Rice das Treffen bei einer Nahost-Reise Anfang Januar
ankündigte, klang es viel ehrgeiziger. Die USA haben sich lange
nicht mehr mit Palästinensern und Israelis an einen Tisch gesetzt.
Dass die US-Außenministerin die Zusage beider Seiten erhielt, galt
als vielversprechender Anfang neuer Bemühungen, die zudem massiv
von Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel als deutscher
EU-Ratspräsidentin angeschoben wurden.
Inzwischen signalisiert Rice aber offen, dass die USA womöglich
wieder auf dem Rückzug sind: Die Lage sei "durch die Unsicherheiten
rund um die Regierung der nationalen Einheit" komplizierter geworden,
sagte sie in dem Interview. Abbas hatte am Donnerstagabend den
bisherigen Ministerpräsidenten Ismail Hanija von der radikalen
Hamas mit der Regierungsbildung beauftragt.
Die US-Regierung prüft derzeit, wie sie mit dem neuen Kabinett
umgehen will, die den Machtkampf zwischen der gemäßigten
Fatah-Bewegung von Abbas und der Hamas schlichten soll. Dass sich Abbas
als wichtigster palästinensischer US-Verbündeter zu diesem
Bündnis hergibt, obwohl die Hamas aus israelischer und US-Sicht
keinen Deut von ihrer extremen Israel-Feindschaft abgerückt ist,
droht zu einem Hemmschuh zu werden.
Zwar betonte Rice die anhaltende Unterstützung für Abbas.
Auch ihr Sprecher Sean McCormack wies Berichte als verfrüht
zurück, die US-Regierung habe sich bereits entschieden, die
künftigen Fatah-Minister genauso wie die Hamas zu boykottieren. Den
USA ist es aber eindeutig zu wenig, wenn Abbas - wie am Donnerstagabend
geschehen - die Hamas lediglich dazu einlädt, bisherige
Friedensvereinbarungen zu respektieren.
(Quelle: rtr)
Sudan und Nachbarländer schließen Abkommen gegen
Rebellengruppen
Sa.17.02.07 - Der Sudan und seine Nachbarstaaten Tschad und Zentralafrikanische
Republik haben sich in einem Abkommen dazu verpflichtet, Rebellengruppen
im jeweils anderen Land nicht zu unterstützen. Die Vereinbarung
wurde am Donnerstagabend am Rande des Frankreich-Afrika-Gipfels in
Cannes unterzeichnet, wie das Büro des französischen
Präsidenten Jacques Chirac verkündete. Allerdings zeichnete
sich keine Einigung über die Forderung ab, UN-Truppen in der
sudanesischen Krisenregion Darfur zu stationieren.
Allein die Tatsache, dass die Präsidenten der drei betroffenen
Länder miteinander redeten, galt schon als Fortschritt. Zwischen
dem Sudan unter Omar al Baschir, dem Tschad unter Idriss Deby und der
Zentralafrikanischen Republik unter François Bozize gebe es
großes Misstrauen, sagte Chiracs Sprecher Jérôme
Bonnafont. Dieses gelte es zu zerstreuen.
In ihrem Abkommen erklärten sich die drei Staaten nunmehr bereit,
die Souveränität des jeweils anderen zu respektieren und
bewaffneten Gruppen Einhalt zu gebieten. Die Bedeutung der Vereinbarung
war zunächst allerdings unklar. Zwischen dem Sudan und dem Tschad
besteht schon seit einem Jahr eine ähnliche Übereinkunft.
Dennoch haben sich beide Länder weiterhin vorgeworfen, dass im
Grenzgebiet zwischen Darfur und dem Tschad Rebellen der jeweiligen
Gegenseite immer noch unterstützt würden.
(Quelle: ap)
UNHCR: Mehr als 100 Flüchtlinge bei Schiffsunglück vor Jemen
getötet
Sa.17.02.07 - Bei einem Schiffsunglück vor der jemenitischen Küste sind
nach UN-Angaben vom Freitag mindestens 107 Flüchtlinge aus Somalia
und Äthiopien ums Leben gekommen. Fünf Menschen würden
nach dem Unfall vom Montag noch vermisst, teilte der Sprecher des
Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen, UNHCR, Ron Redmond,
mit. Von einem zweiten Schiff seien Augenzeugen zufolge alle Passagiere
ins Meer geworfen worden, so dass es die Menschenschmuggler an Bord
nehmen und die rettende Küste errreichen konnte. Die Menschen
hätten stundenlang im Meer getrieben, bis die jemenitische Marine
gekommen sei, sagte Redmond in Genf weiter. Viele Leichen wurden an die
Küste angetrieben, mindestens 107 bestattet. Jahr für Jahre
versuchen tausende Afrikaner, über den Golf von Aden auf die
arabische Halbinsel zu gelangen.
(Quelle: ap)
Rechte von Behinderten laut UN weltweit nur unzureichend umgesetzt
Sa.17.02.07 - Die Rechte von Behinderten werden laut einer UN-Umfrage unter 191
Staaten nur unzureichend gewahrt. Von den 114 Staaten, die auf die
Umfrage reagierten, setzte keiner alle von den Vereinten Nationen
empfohlenen Maßnahmen zur Gleichberechtigung Behinderter um, wie
die Organisatoren der Studie am Freitag in New York erklärten. Der
Fragebogen basierte auf 22 Regeln mit insgesamt 402 Einzelempfehlungen,
die 1993 verabschiedet wurden.
Wie weit die Maßnahmen umgesetzt wurden, unterscheide sich von
Staat zu Staat stark, erklärte Sabri Rbeihat vom
Süd-Nord-Zentrum für Dialog und Entwicklung mit Sitz in
Jordanien, das die Umfrage gemeinsam mit dem UN-Sonderermittler
für Behinderungen organisierte. Mehr als 30 Staaten hätten
keinerlei Maßnahmen ergriffen, um behinderte Kinder ins
allgemeine Schulsystem zu integrieren. Dies sei ein schwerer
Verstoß gegen die Menschenrechte, sagte Rbeihat.
Die Fragebögen wurden 2004 und 2005 an die jeweiligen Regierungen
und an je zwei Behindertenorganisationen in 191 Staaten versandt. 77
Staaten hätten darauf gar nicht reagiert. Nur bei 15 Staaten
hätten sowohl die Regierung als auch die Organisationen
geantwortet. Die Ergebnisse würden nicht nach Ländern
aufgeschlüsselt veröffentlicht, sagte Rbeihat. Ziel sei
nicht, bestimmten Staaten Schuld zuzuweisen oder Lob auszusprechen. In
einigen Ländern sei Gleichberechtigung für Behinderte noch im
Anfangsstadium. Doch könne bereits das Versenden des Fragebogens
das Bewusstsein für die Belange von Behinderten schärfen,
sagte Rbeihat.
Nach UN-Angaben leben weltweit rund 650 Millionen Menschen mit
Behinderungen, zehn Prozent der Weltbevölkerung.
(Quelle: ap)
Russland spricht sich gegen Unabhängigkeit des Kosovo aus
Sa.17.02.07 - Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat sich gegen die
Bewilligung der Unabhängigkeit für die serbische Provinz
Kosovo ausgesprochen. Dies hätte "die negativsten Konsequenzen"
für den Balkan und "Europa in seiner Gesamtheit", zitierten die
russischen Nachrichtenagenturen Interfax und Itar-Tass den Minister.
Russland werde im UN-Sicherheitsrat daher nur einem Plan für den
künftigen Status des Kosovo zustimmen, den die Regierungen in
Belgrad und in Pristina gleichermaßen akzeptierten.
Der slowakische Präsident Ivan Gasparovic sagte unterdessen, dass
sein Land eine Unabhängigkeit der umstrittenen Provinz im
UN-Sicherheitsrat nicht unterstützen werde, wenn Serbien dem nicht
zustimme. Der Plan von UN-Vermittler Martti Ahtisaari habe wenig
Chancen, akzeptiert zu werden, sagte der Staatschef der slowakischen
Zeitung "Pravda". Er forderte daher erneute Verhandlungen über den
künftigen Status des Kosovo.
Die Slowakei ist zur Zeit eines der nicht ständigen Mitglieder im
UN-Sicherheitsrat. Das Gremium muss über die endgültigen
Empfehlungen Ahtisaaris abstimmen, die der Vermittler Ende März
übermitteln will.
Das Kosovo wird seit 1999 von der UNO verwaltet. Russland als
traditioneller Verbündeter Serbiens hatte bereits zuvor ein Veto
für den Fall angedroht, dass Belgrad den vorgeschlagenen Status
ablehnt wird. Die Status-Gespräche sollen am kommenden Mittwoch in
Wien fortgesetzt werden.
(Quelle: afp)
Frankreich: Präsidentschaftskandidatin Royal will
Rüstungs-Milliarden in Bildung stecken
Sa.17.02.07 - Die Präsidentschaftskandidatin der französischen Sozialisten,
Ségolène Royal, will auf den milliardenschweren Bau eines
zweiten Flugzeugträgers verzichten. Im Falle eines Siegs bei den
Wahlen im Frühjahr werde die Linke das Projekt der
bürgerlichen Regierung aufgeben und das Geld in Bildung
investieren, sagte Royal am Donnerstagabend in Dunkerque
(Dünkirchen). Ihr Vorstoß löste eine rege Debatte aus.
Royals konservativer Rivale Nicolas Sarkozy sprach von einer
"merkwürdigen Idee". Die Zentrumsliberalen schlugen vor, das auf
2,3 Milliarden Euro veranschlagte Kriegsschiff im europäischen
Rahmen zu bauen.
(Quelle: afp)
26 CIA-Agenten wegen Imam-Entführung in Italien angeklagt
Sa.17.02.07 - Vier Jahre nach der Entführung eines Imams in Italien hat die
Mailänder Justiz Anklage gegen 26 CIA-Agenten erhoben. Die
Richterin Caterina Interlandi setzte den Prozessbeginn für den 8.
Juni fest. Auch der ehemalige Chef des italienischen
Militärgheimdienstes SISMI, Nicolo Pollari, der seinen Posten im
November wegen seiner Verwicklung in die Affäre aufgeben musste,
wurde angeklagt. Der verschleppte Imam, Osama Mustafa Hassan alias Abu
Omar, wurde nach eigenen Aussagen in Ägypten gefoltert und will
den italienischen Ex-Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi auf
zehn Millionen Euro Schadenersatz verklagen.
In dem Fall werden insgesamt 35 Verdächtige beschuldigt, darunter
die ehemaligen Verantwortlichen der CIA in Italien, Jeff Castelli und
Robert Seldon Lady, sowie die ehemalige Nummer Zwei des SISMI, Marco
Mancini. Es ist das erste Mal, dass sich so viele US-Geheimagenten vor
dem Gericht eines verbündeten Landes verantworten müssen. Es
gilt jedoch als wahrscheinlich, dass der Prozess gegen sie in
Abwesenheit geführt wird.
Nach Berichten italienischer Medien agiert die Mehrheit der 26
CIA-Agenten unter falschem Namen und hält sich gegenwärtig in
den USA auf. Das italienische Justizministerium hat ihre Auslieferung
noch nicht beantragt. Vor rund zwei Wochen hatte die deutsche Justiz
Haftbefehl gegen 13 CIA-Agenten erlassen. Sie werden beschuldigt, 2003
den Deutsch-Libanesen Khaled el Masri in Mazedonien entführt zu
haben.
Der unter Terrorverdacht stehende Mailänder Imam Abu Omar war am
17. Februar 2003 von einem CIA-Kommando mit Hilfe italienischer Agenten
verschleppt worden. Vom US-Luftwaffenstützpunkt Aviano in
Norditalien wurde er unter strenger Geheimhaltung nach Ägypten
gebracht. Er gibt an, dort im Gefängnis misshandelt worden zu
sein. Abu Omar war am Sonntag von den ägyptischen Behörden
freigelassen worden und hatte angekündigt, den ehemaligen
Regierungschef Berlusconi auf Schadenersatz verklagen zu wollen.
(Quelle: afp)
Polnischer EU-Abgeordneter veröffentlicht antisemitische
Broschüre
Sa.17.02.07 - Mit einer antisemitisch und rassistisch gefärbten Broschüre,
die er im Europaparlament verteilen ließ, hat ein polnischer
Abgeordneter für Wirbel gesogt. Wie eine Sprecherin am Freitag
mitteilte, leitete Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering
(CDU) eine Untersuchung des Vorfalls ein. Autor des Pamphlets mit dem
Titel "Zivilisationen und Krieg in Europa" ist der Abgeordnete Marciej
Giertych von der erzkonservativen "Liga der polnischen Familien". Unter
anderem behauptet er darin, die Juden hätten sich selbst in Ghettos
zurückgezogen und unter sich gelebt. Dadurch hätten sie
"biologische Unterschiede" entwickelt.
(Quelle: afp)
EU-Kommission sagt anhaltenden Boom für Deutschland voraus
Sa.17.02.07 - Der Wirtschaftsboom in Deutschland hält nach Einschätzung der
EU-Kommission in diesem Jahr an. EU-Wirtschaftskommissar Joaquín
Almunia rechnet für 2007 mit einem deutschen Wachstum von 1,8
Prozent, wie er in Brüssel erklärte. Hauptgrund für die
positive Entwicklung ist die deutliche Aufhellung auf dem Arbeitsmarkt.
Dies steigere die Kauflaune der Bürger und kurbele die Konjunktur
weiter an. Auch für die gesamte Europäische Union rechnet
Brüssel mit einem deutlichen Wachstumsschub. Europa dürfte
damit sogar die USA überholen.
Die deutsche Wirtschaftsleistung entwickele sich noch "robuster" als im
Herbst angenommen, sagte Almunia bei der Vorstellung seiner Prognose
für die sieben größten Volkswirtschaften, die für
80 Prozent des EU-Bruttoinlandsproduktes (BIP) stehen. Mit der neuen
Prognose von 1,8 Prozent liegt Almunia zudem über der von
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU). Glos rechnet mit
vorsichtigeren 1,7 Prozent. Eine Delle von minus 0,5 Prozent dürfte
es demnach nur in den ersten drei Monaten wegen der
Mehrwertsteuererhöhung geben.
Eine gute Nachricht hat Almunia auch für die Verbraucher: Die
Preise dürften nach seinen Angaben deutlich langsamer steigen als
zunächst erwartet. Im Jahresschnitt rechnet Brüssel nur noch
mit einem Plus von 1,7 Prozent. Positiv wirken sich laut dem Kommissar
die gesunkenen Energiekosten aus. Die gute Entwicklung müsse aber
durch maßvolle Tarifabschlüsse gestützt werden, sagte
Almunia.
Auch die Aussichten für die Europäische Union und die
Eurozone zeichnet Almunia durchweg positiv: Mit einer Wachstumsrate von
2,7 Prozent könne die EU in diesem Jahr sogar die USA hinter sich
lassen, sagte er. Die US-Wirtschaft könnte demnach um 2,5 Prozent
zulegen.
Wachstumslokomotive bleiben laut Almunia Deutschland und sechs weitere
Länder, darunter Frankreich, Italien, Polen, Spanien,
Großbritannien und die Niederlande. "Alle sieben
größten Volkswirtschaften wachsen nun stark", sagte der
Kommissar. Die EU schaffe mehr Arbeitsplätze und die
Sockel-Arbeitslosigkeit sei auf ihren niedrigsten Stand seit mehr als
einem Jahrzehnt gefallen.
Einziger Wermutstropfen: Ihr Sechs-Jahres-Hoch des vergangenen Jahres
kann die EU nicht weiter steigern. 2006 hatte die EU mit 2,9 Prozent
Wachstum das beste Ergebnis seit dem Jahr 2000 hingelegt. Schuld ist
laut Almunia zum Großteil der "Schock" der deutschen
Mehrwertsteuererhöhung.
(Quelle: afp)
SPD-Linke droht mit Nein zur Unternehmensteuerreform
Sa.17.02.07 - Die SPD-Linke bleibt bei ihrem Widerstand gegen die von ihr als zu hoch
empfundenen Milliarden-Entlastungen durch die Unternehmensteuerreform.
«Dann gibt es keine Zustimmung», sagte
SPD-Präsidiumsmitglied Andrea Nahles der «Passauer Neuen
Presse» (Samstagausgabe). Die Bundestagsabgeordnete reagierte
damit auf Meldungen, die Entlastung werde erst im Jahr 2011 unter
fünf Milliarden Euro sinken, während die Reform im Startjahr
2008 den Unternehmen knapp acht Milliarden Euro erspare. «Dann
stimmt etwas mit der Gegenfinanzierung nicht. Die muss in diesem Fall
geändert werden», zitierte die Zeitung Nahles. Sie rechnet
mit heftigen Diskussionen beim SPD-Parteirat am 26. Februar.
(Quelle: ap)
Bundesrat billigt Gesundheitsreform
Sa.17.02.07 - Der Bundesrat hat der Gesundheitsreform zugestimmt; damit ist der Weg
frei, damit das zentrale Reformvorhaben der großen Koalition wie
geplant zum 1. April in Kraft treten kann. Zuvor muss das Gesetz noch
von Bundespräsident Horst Köhler unterzeichnet werden. Neben
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) verteidigten in der
Bundesratsdebatte auch Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber
(CSU) und sein rheinland-pfälzischer Kollege Kurt Beck die
Neuregelung, wenn auch verknüpft mit kritischen Anmerkungen zu
Einzelpunkten. Grundsätzliche Kritik äußerten Redner der
FDP.
Der Bundestag hatte das Gesetz zur Gesundheitsreform bereits am 2.
Februar verabschiedet. Bereits vor der Schlussberatung im Bundesrat
kündigten die Landesregierungen mit Beteiligung von FDP oder
Linkspartei sowie das CDU/SPD-regierte Sachsen an, sie würden dem
Vorhaben nicht zustimmen.
Stoiber sagte, zwar habe er sich einige Punkte anders gewünscht,
doch sei der gefundene Kompromiss "mehr als tragfähig". Er sprach
von einem "der schwierigsten Reformprojekte der großen Koalition".
"Rheinland-Pfalz stimmt aus Überzeugung diesem Kompromiss zu",
sagte Beck. Der SPD-Chef begrüßte besonders, dass es
gelungen sei, Leistungseinschränkungen für die Versicherten
zu verhinden. Schmidt hob hervor, künftig würden alle
Menschen einen Anspruch auf Versicherungsschutz erhalten.
(Quelle: afp)
Mehr zum Thema unter:
http://www.die-gesundheitsreform.de/
Außenamt weist Bericht über Pentagon-Einbindung in Fall
Kurnaz zurück
Sa.17.02.07 - Das Auswärtige Amt hat einen Zeitungsbericht über eine
angeblich tiefere Verstrickung von Minister Frank-Walter Steinmeier in
den Fall Kurnaz zurückgewiesen. Das Außenamt habe «in
dieser Angelegenheit nichts, aber auch wirklich nichts von dem, was wir
bis dahin dazu öffentlich gesagt haben, zurückzunehmen oder zu
korrigieren», erklärte Steinmeiers Sprecher Martin
Jäger am Freitag in Berlin.
Die «Süddeutsche Zeitung» hatte berichtet, entgegen
der Darstellung der Bundesregierung sei auch das
US-Verteidigungsministerium im Herbst 2002 in Überlegungen
eingebunden gewesen, den früheren Guantanamo-Häftling Murat
Kurnaz nach Deutschland ausreisen zu lassen - was Steinmeier als
damaliger Kanzleramtschef abgelehnt haben soll. Nach bisherigen Angaben
aus der Bundesregierung war eine Freilassung von Kurnaz seinerzeit nicht
von der US-Regierung in Aussicht gestellt worden, sondern lediglich von
Geheimdienst-Agenten, die dies gar nicht hätten entscheiden
können.
Jäger sagte, der Bericht habe ihn etwas verwundert. Die Regularien
im Umgang mit als geheim eingestuften Dokumenten machten es ihm
allerdings unmöglich, Einzelheiten zu kommentieren. «Ich
möchte aber noch einmal ganz allgemein festhalten, dass nach meinem
Eindruck nach hier Dinge aus dem Zusammenhang gerissen wurden und neu
zusammengefügt sind, in einer Art und Weise, die ich nicht
nachvollziehen kann».
(Quelle: ap)
Mehrheit gegen Tornado-Einsatz in Afghanistan
Sa.17.02.07 - Die Mehrheit der Deutschen lehnt den geplante Einsatz von
Aufklärungs-Tornadoflugzeugen der Bundeswehr in Afghanistan ab. In
einer Umfrage des Nachrichtenmagazins «Focus» sprachen sich
56 Prozent gegen den bereits von der Bundesregierung beschlossenen
Einsatz aus, über den der Bundestag im März entscheidet.
Für die Entsendung der von der NATO angeforderten Tornados sprachen
sind 28 Prozent aller Befragten aus. Keine Angaben machten 16 Prozent.
Das Meinungsforschungsinstitut polis/USUMA befragte für das
Magazin 1.013 repräsentativ ausgewählte Personen.
(Quelle: ap)
Umweltminister Gabriel befürchtet Rückschläge für
deutsche Bio-Energie-Industrie
Sa.17.02.07 - Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat davor gewarnt, dass die
US-Industrie die technologische Führung bei der Nutzung
nachwachsender Rohstoffe erobert und auf diese Weise europäischen
und deutschen Firmen wichtige Exportmärkte wegzunehmen droht.
«Europa muss sich sehr bemühen, nicht abgehängt zu
werden», sagte Gabriel der «Financial Times
Deutschland» (Montagausgabe) und kritisierte die zersplitterte
Bioenergieförderung in Deutschland.
«Die USA holen bei der Nutzung erneuerbarer Energien enorm auf,
allerdings nicht so sehr aus ökologischen, sondern aus
strategischen Gründen. Sie haben diese neuen Energien entdeckt, um
sich unabhängiger von Gas- und Ölimporten zu machen»,
zitierte das Blatt den SPD-Politiker. Gabriel kündigte an, dass er
auch deshalb die Nutzung der nicht-fossilen neuen Energien in
Deutschland bis zum Jahr 2020 verdoppeln wolle. Die Erfahrungen mit dem
Erneuerbaren-Energien-Gesetz seien vor allem auch
beschäftigungspolitisch interessant.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
US-Forscher warnen vor Folgen des Klimawandels
Sa.17.02.07 - Der vom Menschen ausgelöste Klimawandel ist die größte
Bedrohung für die Erde und muss so schnell wie möglich
verlangsamt werden. Mit dieser Forderung begann die Jahrestagung der
amerikanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (AAAS)
in San Francisco (US-Staat Kalifornien).
Unter der Leitung seines Präsidenten Prof. John Holdren will der
Vorstand an diesem Wochenende eine Warnung zu den alarmierenden
Klimaveränderungen herausgeben. Darin soll die Erwärmung der
Erde als «wachsende Bedrohung für die menschliche
Gesellschaft» dargestellt werden.
In einer der ersten Pressekonferenzen der Konferenz sagten Experten
voraus, dass einer der größten Gletscher Perus in nur
fünf Jahren geschmolzen sein wird. Der Qori-Kalis-Gletscher
gehört zur größten Eisdecke in den Tropen und hat den
Angeben zufolge im vergangenen Jahrzehnt rund 60 Meter pro Jahr
verloren. Anfang der 1990er Jahre habe seine Schmelzrate noch bei sechs
Metern gelegen, berichtete der US-Paläoklimatologe Lonnie Thompson
von der Universität Ohio. Laut Thompson findet der Prozess mit
einer Geschwindigkeit statt, wie sie die Erde seit tausenden Jahren
nicht mehr erlebt hat.
Harvard-Professor Holdren forderte die Teilnehmer auf, sich
«massiv» dafür einzusetzen, dass der rapide Klimawandel
zumindest verlangsamt wird, «bevor die schlimmen Konsequenzen
nicht mehr aufzuhalten sind». In seiner Eröffnungsrede sagte
Holdren: «Die globale Erwärmung ist eine Tatsache, für
die wir Menschen zu einem erheblichen Teil mitverantwortlich sind und
die uns in eine gefährliche Richtung treibt.» Seinen Worten
nach lassen die wissenschaftlichen Daten ganz klar erkennen, dass die
größte Bedrohung für die Erde von dem schnellen Anstieg
ihrer Temperatur kommt.
Holdren nannte die Beweise für die Erwärmung der Erde und
deren Konsequenzen «absolut überwältigend».
Sollten in den kommenden zehn Jahren nicht drastische Maßnahmen
ergriffen werden, sei die Entwicklung wohl «irreversibel».
Das viertägige Forum wird nach AAAS-Angaben von etwa 10 000
Forschern und 1000 Journalisten aus 60 Ländern besucht. AAAS steht
für American Association for the Advancement of Science. Der
Forschervereinigung gehören Wissenschaftler in aller Welt an, die
Konferenz gilt als größtes interdisziplinäres
Wissenschaftlerforum weltweit.
(Quelle: dpa)
Technik
RFID-Chip in Staubkorngröße entwickelt
Sa.17.02.07 - Hitachi hat in Japan neue RFID-Prototypen entwickelt, die gerade einmal
so groß wie ein Staubkorn sind. Die winzigen Sender sind 64-mal
kleiner als die derzeit von Hitachi angebotenen kleinsten RFID-Tags und
weisen Maße von 0,05 mal 0,05 Millimeter auf. Mit einer Dicke von
nur fünf Mikron eignet sich der RFID-Staub für die Integration
in eine Reihe von Materialien. So könnten die Mini-Sender
zukünftig etwa in Geldscheine oder Ausweispapiere eingearbeitet
werden und als deren Echtheitszertifikat dienen.
Hitachi zufolge soll die Vermarktung der technologischen Innovation
bereits in zwei bis drei Jahren erfolgen. Auch eine serienreife
Produktion will man bis dahin anbieten können. Ausgestattet sind
sie mit einem 128-Bit-ROM-Speicher (Read Only Memory), der wie der
englische Name schon sagt, nur passiv ausgelesen werden kann. Der
Speicher bietet Platz für eine bis zu 38-stellige
Identifikationsnummer, die ähnlich eines Barcodes individuell dem
jeweiligen Gegenstand zugeteilt werden kann. Beschrieben werden die Tags
mittels Elektronenstrahlen.
Die erneute Schrumpfung von RFID-Tags lässt nicht nur unter
Datenschützern die Sorge laut werden, dass die Technologie
missbraucht werden könnte. Auch das vielzitierte Konzept des
"gläsernen Menschen" taucht immer wieder in der Diskussion auf.
"Die Skepsis gegenüber derartigen Technologien ist zum Teil
sicherlich auch kulturbedingt", meint Alfred Dümlein von Hitachi
High Technologies Europe im Gespräch mit pressetext (pte). Im
asiatischen Raum habe die Bevölkerung diesbezüglich weitaus
weniger Berührungsängste, so Dümlein. Wichtiger als die
Größe der eingesetzten Chips sei vielmehr, dass die damit
verknüpften Datenbanken im Hintergrund mit entsprechenden
Sicherheitsmechanismen ausgestattet werden, mein Dümlein weiter.
Damit könne etwaigen Missbrauchsszenarien vorgebeugt werden.
(Quelle: pte)